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30.07.07

Ruf zum EuropaRadio-Tag

ert07_ksw.gifDer 5. Oktober ist laut Wikipedia ein* Nationalfeiertag in Vanuatu, einem Inselstaat im Südpazifik, der aus stattlichen 83 Eiländern und -ländchen besteht. Und der in unseren Breitengraden wohl vor allem über seine Domain-Endung .vu bekannt sein dürfte.
Indes sich an dieser Datumsangabe zweifeln lässt (s.u.), hätten wir für diesen Termin alternativ eine etwas naheliegendere Feieroption anzubieten - und einen passenden Ruf dazu.

Von Radio Corax - ganz genau, eben jenes Freie Hallenser Radio, das im vergangenen Jahr die wunderbaren und in diesem Log entsprechend intensiv begleiteten RadioRevolten angezettelt hat - kam nämlich dieser Tage ein ebensolcher herein:

EuropaRadioTag bei Radio CORAX am 05. Oktober 07

Radio CORAX plant am Freitag, den 5. Oktober 2007, unter dem Titel EuropaRadio einen Europatag im Radio. EuropaRadio beinhaltet unter anderem die europäische Ausrichtung des kompletten Radioprogramms über 24 Stunden sowie Programmübernahmen und Zuschaltungen von europäischen Community Radios.

Dabei können und sollen unterschiedliche Radioformen und -konstellationen zur Anwendung kommen:

- Europa-Informationen, Talk und Unterhaltung rund um europäische Themen
- mehrsprachiges Programm mit und ohne Übersetzung
- Ringschaltung, Liveübernahmen, Telefoninterviews, Programmzulieferungen
- Diskussionen und Gespräche mit Studiogästen
- Musikmixe im Spannungsfeld von Tradition, Regionalität, Pop, Experiment
- Live-Sets verschiedener, europäischer KünstlerInnen
- Europa-Lounge im CORAX-Klub (ab 22 Uhr)

Ziel von EuropaRadio ist:
- das Gespräch mit europäischen und regionalen PolitikerInnen über das Potential und den Status Freier Radios zu initiieren und zu intensivieren
- den HörerInnen und den MacherInnen nichtkommerzieller Bürgermedien den europäischen Kontext der eigenen Arbeit und dessen Potentiale bewusster zu machen, schwerpunktmäßig mit Blick auf: kulturellen Austausch, Möglichkeiten der Kooperation und Koproduktion, Mehrsprachigkeit, Rundfunkpolitik in Europa.
- das Netzwerk nichtkommerzieller privater Rundfunkveranstalter in Europa zu befördern
- ein potentiell auch nachhaltig nutzbares Forum für den europäischen Austausch und die europäische Debatte zu entwickeln.
- eine Dokumentation nichtkommerzieller, partizipativer Radioaktivitäten im europäischen Raum zu erstellen, als Grundlage für die Weiternutzung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Wir laden Radiomachende aus Europa ein, sich mit kurzen Produktionen bzw. live an EuropaRadio zu beteiligen. Bitte sendet Programmbeiträge oder -vorschläge an:

Radio CORAX
Udo Israel
Unterberg 11
06108 Halle (Saale)
Deutschland

oder URL etc. an: europaradio(at)interaudio.org

ert07_g.gifWer es nochmmal auf den RadioCorax-Seiten nachlesen möchte, kann sich natürlich auch dort einen Anker auf den Ruf zum EuropaRadiotag setzen.
[Und bei Bedarf kann man den Ruf ebendort auch auf Englisch bekommen - just in case you need the call in english simply mail to europaradio(at)interaudio.org as well...]

So weit zur Sache - und nun vielleicht doch nochmal zur Frage der Nationalfeiertage in Vanuatu:
* Von einem solchen steht im Datumseintrag zum 5.10. zu lesen. Nicht jedoch im eigentlichen Eintrag zu Vanuatu - da ist nämlich als Nationalfeiertag der 30. Juli, also das passsenderweise das heutige Datum angegeben. Was um einiges plausibler erscheint, denn am 30. Juli 1980 erlangte Vanutau offiziell volle Souveränität (nachdem es vorher erstmal eine lange Kolonialgeschichte durchleiden musste).

Im Übrigen lässt sich am 05. Oktober speziell diesen Jahres in Europa durchaus ein besonderer historischer Gedenktag begehen.
Aber dazu dann alsbald mal in einem eigenen Eintrag....
(FreundInnen des fröhlichen Rätselratens können übrigens gern mit einem Tipp aufwarten. Also? Na?)

[Bildchen: Behelfshalber zum Behufe der Illustration die klassische Mythologie ein bissel modernisiert. Über das Fehlen explizit ausgebildeter Ohrwascheln bei Monsieur Stier und Mlle Europa - die zum Radiohören natürlich ausgesprochen nützlich wären - möge bitte gnädig hinweggesehen werden.]

Von miss.gunst am 30.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.07.07

zecken pflücken

zepf_ksw.gifGanz falsch war die gestern geäusserte Vermutung nicht, dass sich im kanal7-Programm noch so manches finden lässt, was bislang in diesem Log.Buch nicht zum Zuge kam - aber eben mal einen eigenen Eintrag verdient.
Zum Beispiel jene kleine Edition aus Biel, die auf den netten Namen "fästing plockare" hört. Was eigentlich Schwedisch ist und wohl ungefähr mit "Zecken pflücken" zu übersetzen wäre.

zepf_g1.gifKlingt ja erst mal eher etwas unangenehm - ganz egal, ob man mit Grausen an entsprechende Prozeduren am eigenen Leibe denkt, wie sie hin und wieder nach Waldwanderungen fällig werden können. Oder ob man sich mitleidig in die Haut der schliesslich schlicht ums eigene Überleben bedachten bzw. der ihnen angeborene Art der Nahrungsaufnahme nachgehenden Tierchen versetzt, um die sie auf entsprechende Art und Weise schnöde betrogen werden.

Gleichwohl steckt hinter "Zecken pflücken" eine rundum sympathische Initiative, die auf der Basis eines Abonnementsprinzips monatlich Pretiosen unter die AbnehmerInnen bringt: Eben die fästing plockare-Editionen.

zepf_g2.gifBei diesen handelt es sich um kleine, feine Auflagenarbeiten - Künstlerbüchlein und -Zines, Daumenkinos, CDs mit Musik, DVDs mit Vilmchen, Objekte und vieles mehr.
Alle lassen sich auch einzeln erweben - und fleissige SammlerInnen können zudem auch eine schicke Box zur Aufbewahrung ihrer Schätze erstehen. Mit dem Erlös wird dann die Produktion der nächsten Editionen finanziert.

zepf_g3k.gifKurzum: Ein prima Prinzip und eine wunderbare Sache, bei der alle Beteiligten eigentlich nur gewinnen können.
Fürderhin ist Zecken pflücken - mögen draussen vor der Tür auch noch so viele Blutsaugerlein auf Beute harren - wohl unverrückbar positiv assoziiert...

[Bildchen: Lässt es sich die Zecke schmecken / Will man sie gern mit Pflücken schrecken / Im Grunde aber, sag ich Dir / ist sie doch ein herzig Tier. Oder? Und wie!]

Von miss.gunst am 29.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.07.07

kanal7 @ elektromagnetischer sommer (WRT)

em07k7_ksw.gifWie die Zeit vergeht verfliegt! Ist kaum ein paar Tage her, dass die Radioaktiven des ersten Parts vom saisonbedingten Kunst-Pausen-Special ihre Jurten im Kunsthof aufgeschlagen haben - und schon heisst es die Staffel weitergeben.
Immerhin aber nicht an irgendwen, sondern an ein in Sachen Elektromagnetischer Sommer bereits bestens erprobtes Team: kanal7.

Dieser hat sich ab dem heutigen Samstag (28.08., und zwar ab 19:00 Uhr) bis übernächsten Mittwoch (08.08.) im Dock18 eingenistet - und sorgt dort für eine Radiokunstausstellung mit sensationellen zwölf Stunden währenden Öffnungzeiten täglich (12-24 Uhr).

Während selbiger wird natürlich fleissig und vorzugweise Live gesendet.
Das beeindruckend dicht bestückte Sendeschema kann man sich auf der aktuellen Sommersaisonseite von kanal7 erblättern - und wird dort natürlich auch auf einige bekannte Namen stossen.

em07k7_g.gifRegelmässig ist beispielweise Marc Lee mit seinem Radiobot für die News zuständig, und Stefan M. Seydel von rebell.tv bringt seine eigentlich auf die Morgenstunden gemünzten 10 Uhr Nachrichten täglich um 22 Uhr.

Neben solchen Standards hat es zudem noch unglaublich viele spannend tönende Sonderprogramme mit Talkshows, Performances und Musik - von denen vielleicht das eine oder andere Projekt tatsächlich nochmal eine eigene Ankündigung lohnt.

Erwähnenswert schliesslich noch? Genau, dass das brave Sonic Squirrel jeweils die Nacht über für zünftige Beschallung sorgen wird.
Und, aber das galt ja analog auch schon für den ersten Teil des diesjährigen Elektromagnetischen Sommers: Ideal ist es natürlich, vor Ort zu sein. Für alle anderen heisst es an der Leiung lauschen bzw. ist dies eben ein Webradio-Tipp.

Von miss.gunst am 28.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.07.07

elektr(on)ische teezeremonie (WRT)

gtetc_ksw.gifZur Abwechslung mal was eher Meditatives? Mindestens imaginiert man derlei gern beim Stichwort "Teezeremonie": Extrem gedehnte Zeit. Gemessene Gesten, mit denen klares kaltes Quell aus einem Brunnen geschöpft wird, der in einem sauber geharkten Zen-Garten gurgelt. Tiefe Verneigungen vor perfekt gerundeten Schälchen, in denen mit dem Bambusbesen aus feinem Pulver eine tiefgrüne Köstlichkeit angerührt wird. Und so weiter.
Kann aber, tempora mutantur, heutzutage auch ganz anders kommen...

Schliesslich gibt es im Heimatland der traditionellen Teezeremonie längst ebenfalls Getränkeautomaten. Und die sind: Klimperklimper, Plumps, Klack, Tarack, Strullstrull - und-dann-der-Nächste-bitte eben keine so arg stimmungsvolle Angelegenheit.

Einerseits. Andererseits aber: Kann man sich den Tee aus ihnen durchaus trotzdem schmecken lassen (sei es auch nur umständehalber). Der Musik der Maschine lauschen. Und vor allem anderen kommt es ja sowieso mehr auf die Perspektive an, die man selber anlegt. Anders gesagt, auch aus schnöden Getränkeautomaten kann man ein Becherlein Zen ziehen, die entsprechende Grundeinstellung vorausgesetzt.

gtetc_g2.gifIn diesem Sinne hat Johannes Sistermanns, Komponist und Klangkünstler, vor einiger Zeit in den japanischen Getränkeautomaten die Teezeremonie der Gegenwart entdeckt und 2002 zusammen mit Kazuya Ishigami ein Hörstück daraus gemacht: "etc - electric tea ceremony".

Freitag (27.07.) früh um 0:05 Uhr - also heute Nacht - wird die Produktion bei Deutschlandradio Kultur in der Reihe "Klangkunst" ausgestrahlt; wie immer auch per Webradio, so dass man an der elektr(on)ischen Teezeremonie auch online teilnehmen kann.

Und wer schon mal akustisch vorschnuppen möchte: Findet auf Sistermanns Heimseiten im Bereich "Audio" (erreichbar über die kleinen Zen-Steine, die am am Fusse der Seite aufgereiht sind) auch drei etc-Becherchen mit Kostproben.

[Bildchen: Mal selber eine kleine Teezeremonie angesetzt. Die Zutaten stammen wie so oft aus den Wikipedia Commons - was sowohl fuer das Schälchen gilt, als auch für den grünen Tee, letzterer von Fanny Schertzer ins Bild gesetzt(cc-by-sa 2.5 und Merci auch dem GNU). Viel schöner natürlich: die Fotos der etc von Sistermanns/Ishigami.]

Von miss.gunst am 26.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.07.07

krach im hinterhaus

nins_ksw.gifDie Bewohner der gestern vorgestellten Flachland-Bleibe werden so etwas wahrscheinlich tunlichst vermieden haben. Denn vermutlich verbreiten sich extremer justierte Schallwellen in einem schmalen Glashaus ziemlich effektvoll und ein Wörtchen wie "Swing" gestattet ganz neue Deutungsdimensionen.
Heute gehts aber in ein Häuschen etwas soliderer Bauart und grosszügiger bemessener Tiefe, und da dürfen die Regler dann schon etwas weiter aufgedreht werden.

Genauer gesagt: Geradewegs wieder in eben jenes Hinterhaus in der Offenbacher Bettinastrasse 71, in welchem am vergangenen Sonntag auf Einladung des forum für experimentalelektronik bzw. der curmbox - deren noisige Veranstaltungen wir hier ja gerne (mit)feiern - Roesing Ape ein Ständchen gegeben hat.

Dort ist nämlich atelierweise Herr buckettovsissors eingezogen und wird nun, da es im obersten Stock einen extrem charmanten Raum gibt, der sich für einschlägige Nutzungen anbietet, unter dem Dach seines kleinen Labels produck Letzteren regelmässiger ebensolchen zuführen.

nins_g.gifSo auch am heutigen Abend (24.07.07) ab 20:00 Uhr, an dem uns ziemlich illustre Gäste aus dem fernen Schottland aufspielen sollen:
Zum einen Nackt Insecten a.k.a. Ruaraidh Sanachan aus Glasgow, der nebenbei u.a. auch das sympathische Tape-Label Sickheadtapes betreibt.

Und zum anderen Usurperr, eine in Edinburg ansässige Formation, hinter der Malcy Duff und Ali Robertson von Giant Tank stecken.
Btw: Ein Besuch bei den Heimseiten des Gigantischen Behälters (bzw. Pppanzers) sei allerwärmstens auch denjenigen empfohlen, deren musikalische Wellenlinie sich vielleicht nicht ganz mit derjenigen von Usurperr deckt. An den graphischen Talenten der Combo-Mitglieder und namentlich des Herrn Duff dürften nämlich auch FreundInnen einer rrraw drawn Zeichenkunst ihre helle Freude finden (*oh ja*!).

Doch zurück zum Konzertabend, der hier umworben werden soll: Schliesslich darf nicht unterschlagen werden, dass es noch weitere Vortragende gibt. Zu Neuhausen - einer lokalen Formation - weiss das Medium mangels einschlägiger Vorkenntnisse zwar nichts zu sagen resp. schreiben. Ansonsten aber wird Herr buckettovsissors selbst sich die Ehre geben, seine selbst fabrizierten Tonträger (unter anderem: geritzt, gegossen und geklebt) zum Klingen bringen. Und allein das ist schon die Pilgerreise gen Offenbach wert.
Kurzum: Krach im Hinterhaus? Danke, gern!

[Bildchen: Imaginiert, wie mit nackten - ach was: nackten behaarten Insekten zünftig gefeiert wird. Im Eifer des Gefechts scheint die Diskokugel in den moshpit gerutscht zu sein - aber die Stimmung beim Krach im Hinterhaus ist doch offenkundig recht gut. Der Dank für die Mütter der zum Tanzvergnügen Angetretenen geht wie so oft an einen Wikipedia Commons-Spender, in diesem Fall an James Gathany, der offenkundig ebenfalls Insekten mag. Resultat wie Vorlage unter cc-by 2.5 lizensiert.]

Von miss.gunst am 24.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.07.07

flachland

dms_ksw.gifNein, um eine Exkursionsempfehlung in alpenferne Gefilde geht es - ungeachtet der allgemeinen Urlaubszeit - nicht. Eher schon um eher abschreckende Optionen.
Wer meint, seine Welt sei etwas eindimensional geraten, ahnt nämlich womöglich nicht, wie sich so etwas wirklich anfühlen kann.

Tatsächlich reicht es schon voll und ganz, testweise mal für einige Zeit ein zweidimensionales Leben zu führen.

dms_gg.gifWobei die Vorstellung eines veritablen Flächenlands auf den ersten Blick zweifellos etwas Erheiterndes hat. Wenigstens dann, wenn es sich um eine gelungene Satire wie im Fall von Edwin Abbott Abbotts [sic, zweimal ;)] 1884 veröffentlichter Novelle "Flatland" handelt (idealerweise im englischen Original zu geniessen, welchselbiges es - Illustrationen des Autors inklusive - auch online zu lesen gibt).

Der Erzähler - ein Quadrat - berichtet hier nicht nur über die speziellen Umstände und Erfordernisse eines solchen Lebens in zwei Dimensionen. Es träumt ihm zudem, wie es wäre, mit noch einer weniger auskommen zu müssen. Frappiert stellt er fest, dass ihm im Linienland keiner glauben mag, dass es noch mehr Dimensionen geben könne.
Erwacht zurück im Alltag grübelt er darüber, was dies für die Weltsicht der Flatlander bedeuten könnte. Zwei plus eins? Unmöglich! Oder?

dms_g1.gifDer Besuch einer Kugel bringt es an den Tag: Das Quadrat lernt nolens volens, dass 2+1=3 auch in Sachen Dimensionen gilt. Nur: Wenn selbst das noch nicht alles sein sollte? Wir ahnen es: Das Drama nimmt seinen Lauf. Seine Landsleute haben nämlich wenig übrig für derlei überschüssige Phantasie. Der Revolutionär des mehrdimensionalen Denkens wird harsch in die Schranken gewiesen und landet am Ende im Kerker. Autsch.

Auf seine Weise nicht weniger a) aufregend und b) schmerzvoll scheint nun der Ausflug von einigen AbenteurerInnen der Gattung Homo sapiens tertium-dimensionalis in eine - allerdings nur näherungsweise - zweidimensionale Welt gewesen zu sein:

dms_g2.gifImmerhin verlangte es ihnen das "Flatland Project" lediglich ab, einige Wochen miteinander in einem Glashaus zu verbringen, dessen Tiefendimension annähernd einen Meter beträgt.
Also ungefähr die Breite, auf der die legendäre Müllpresse stoppt, in deren Tank es sich Luke Skywalker, Chewbacca und die bezaubernde Prinzessin Leia im ersten "Star Wars"-Film unfreiwillig unbequem gemacht hatten.
Und ungefähr so scheinen sich denn auch die Flatland-Project-BewohnerInnen mindestens zeitweise gefühlt zu haben - sogar ohne vermülltes Feuchtbiotop, lebendiger Unratzerkleinerer inklusive.

dms_g3.gifDesungeachtet empfiehlt es sich nicht nur für SadistInnen und Terrarien-Voyeure, gelegentlich mal einen Blick auf die Heimseiten des Projekts zu werfen, sich die Aufzeichnungen der Live-Kamera anzuschauen und am besten auch das Blog-Tagebuch der freiwillig Inkarkerierten zu Gemüte zu führen.

Schon beim blossen Zuschauen bzw. Lesen stellt sich nämlich rein empathiehalber ein unglaubliches Freiheitsgefühl ein, der verfügbare Platz in den eigenen vier Wänden wirkt automatisch viel grösser.
Und möglicherweise ist man dann nochmals umso mehr geneigt, aus Abbotts "Flatland" übers reine Amusement hinaus fürs eigene Denken auch ganz praktische Konsequenzen zu ziehen.

dms_q.gifP.S. Grad nochmal in der Wikipedia nachgeschlagen, was die Fachleute unter einer Dimension verstehen. Dort heisst es:

"In der Mathematik wird mit der Dimension ein Konzept bezeichnet, das im Wesentlichen die Anzahl der Freiheitsgrade einer Bewegung in einem bestimmten Raum bezeichnet."

Dürfte in der Tat was dran sein - auch im übertragenen Sinn.

[Bildchen: Auf der Basis der schönen Wikipedia-Schautafel zur Veranschaulichung der Dimensionen 1-3 bzw. der auf ihr dargestellten Grundfiguren (o.r.) mal ein bisschen mit ersteren rumgespielt. Geht eigentlich ganz leicht, von einer zur nächsten zu kommen (ok, mit Ausnahme eines gleichseitigen Dreiecks, wenn man auf die Schnelle zu faul zum Hilfsvektorenbasteln ist). U.l. unser unglücklich eingekerkertes Flatland-Quadrat]

Von miss.gunst am 23.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.07.07

roesing ape @ curmbox (u.a.)

ragn_ksw.gifVom Schnee zum Noise ist es ja nicht sehr weit - und von dort wiederum lässt es sich dann lässig in die vielfältigen Gefilde der Experimentalmusik weiterreisen.
Insofern passt es doch ganz prima, aus gegebenem Anlass auf eine einschlägige Abendveranstaltung hinzuweisen. Und wenngleich die Empfehlung in diesem Fall zur Abwechslung wieder mal für Frankfurt ausgegeben wird, gibts für auch für Ortsferne und andere Interessierte ein paar Weiden auszuweisen.

curmbox (a.k.a. forum für experimentalelektronik) hat nämlich in Offenbach (Bettinastrasse 71) ein neues Quartier für Konzerte gefunden und weiht es an diesem Sonntag (22.07.07) ab 20:00 Uhr mit einem Gastspiel von Roesing Ape ein.

Wer seinen letzten Auftritt vor Ort (war vor zwei Jahren, ebenfalls im Rahmen einer ffe-Veranstaltung) verpasst haben sollte oder sonst so gar nicht weiss, welche tonale Stimmung diese Ankündigung erwarten lässt, möge mal ein bisschen im AUDIO-Bereich auf Roesing Apes Heimseite aasen. Oder wahlweise auf seinen MySpace-Seiten, wo man wie üblich eine kleine Selektion Noise-automatisch vorgesetzt bekommt (selber schauen und wählen ist aber schöner, klar).

ragn_g2.gifZusätzliche Sympathiepunkte kann es dafür geben, dass Roesing schon recht bald nach seiner Konvertierung zu einer Auffassung, die mehr mit experimentellen Erkundungen von Klangräumen bzw. diversesten Gerätschaften zur Erzeugung derselben zu tun hat als mit konventionelleren Verfahren der Musikgeneration (in seinem Fall: ursprünglich an der Gitarre), an seinem Heimatort auch ziemlich aktiv geworden ist, was die Vernetzung mit Gleichgesinnten betrifft. Mehr hierzu ist u.a. in einem kleinen Interview zu erfahren, das Stephen Boyd 2005 für das CityBeat Magazin (Cincinnati) mit ihm führte. Sowie vor allem auf den Heimseiten der betreffenden Initiative, die auf den schönen Namen Art Damage Inc. hört (übrigens weiland aus einem Radioprojekt entstanden).

Erwähnt werden sollte ansonsten vielleicht noch, dass zu Roesing Apes Hintergrund auch eine professionelle Affinität zu den Künsten im Allgemeinen gehört. Aus der nicht nur diverse Aktivitäten in entsprechenden Gefilden (sowie sicher auch die Neigung zum Performance-Akt) hervorgegangen sind, sondern auch so schöne Manifestationen wie "Roesing Ape's Anti Art Site".

"Art is a messy, selfish and self-serving attempt to appear more important or spiritual than you actually are" steht da unter anderem zu lesen. Tja - da könnte durchaus etwas dran sein, oder?
Und da bekanntlich Selbsterkenntnis eine gute Basis für Besserung vorstellt, womöglich ein Grund mehr, mal zu schauen, wie es Roesing Ape selbst mittlerweile in dieser Sache hält...

[Update 23.07.07: Erwartungsgemäss sehr angenehm. Und: War tatsächlich drin war was draufstand - Roesing Ape's Coffee Frother Guitar Drone Folk Song Show. Wie gut, endlich zu wissen, dass es doch eine sinnvolle Verwendungsmöglichkeit für Milchschäumer gibt und neue Annäherungen an Folk nicht in Gewinsel münden müssen 8)=]

[Bildchen: Haben bzw. hat nur im Sinne vager Assoziation mit dem Subjekt des Eintrags zu tun. Mangels einschlägiger Talente musste das Medium zum Behufe der Kreation wie so oft auf Steilvorlagen aus den Commons bauen; in diesem Fall gebührt der Dank für die Gitarre, die schnöd vermehrt ward und dann in den Schredder kam, André Karwath aka Aka; der für das Ur-Äffchen Aaron Logan - und das Resultat wird gemäss glücklicherweise einhelliger Vorgabe cc-by 2.5 lizensiert.]

Von miss.gunst am 22.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.07.07

schneeflocken satt

klsfc_kswn.gifEigentlich wäre es ja langsam Zeit, wieder eine Pause in der kleinen Reihe zu Schneeflocken einzulegen. Aber da man momentan nicht mal einen Blick aufs Thermometer braucht, um sich heftigst nach Kühlung zu sehen, lassen wir es doch noch einen Tag weiterschneien.
Und zwar so, dass dann bis auf weiteres einen satten Vorrat hat.

Hierfür zu sorgen ist nicht mal besonders schwer. Denn im Zettelkasten harrt noch ein Projekt der Vorstellung, das zweifellos die erste Adresse schlechthin für SchneeflockenfreundInnen ist.
Und erst recht für alle, die noch welche werden wollen.

klsfc_g1.gif"SnowCrystals.Com" ("... Your online guide to snowflakes, snow crystals, and other ice phenomena ..."), von Kenneth Libbrecht - Physikprofessor an der Caltech - ins Leben gerufen und aufs liebevollste zu einer echten Enzyklopädie der Schneeflocke ausgebaut.

Dass Libbrecht - wie schon Bentley und Nakaya - selbst Schneeflockenforscher ist, Schneeflocken fotografiert und ihren Wuchs studiert, auch mehrere Bücher über Schneeflocken geschrieben hat, wird wohl kaum jemanden verwundern. Aber er nutzt darüber hinaus eben auch das Netz, um Wissen wie Glück mit anderen Flockenfans zu teilen bzw. ersteres an letztere weiterzureichen.

So gibt es neben dem obligatorischen Rückblick auf die Geschichte der Schneeflockenforschung eine Übersichtsseite zur Klassifikation bzw. Typologie der Schneeflocken (die er u.a. auch mit derjenigen von Nakaya vergleicht).

klsfc_g2.gifUnd man wird - höchst anschaulich und Schritt für Schritt - in die Physik der Schneeflocke bzw. des Eiskristalls eingeführt.

Das allerbeste aber aus HOME MADE-Perspektive: Es gibt nicht nur eine Anleitung zum Fotografieren von Flocken (inklusive Geräteliste). Sondern auch eine zum Selbermachen von Schneeflocken!
Eine wohlgemerkt, an deren Umsetzung man sich wirklich - ganz wie beim guten alten Kosmos Experimentierkasten - ohne Weiteres (und vor allem: ohne weitere professionelle Ausstattung oder gar Labor nächst des Polarkreises) heranmachen kann.

klsfc_g3.gifNa, also dann: Kann das Thermometer diesen Sommer getrost noch ein bisschen nach oben klettern... Wir sind derweil daheim dann nämlich längst: Glücklich eingeschneit.

[Bildchen: Stammen allesamt von Kenneth Libbrechts wunderbarer SnowCrystals.com-Seite (und führen auch auf selbige). Aller Dank geht daher direkt an seine Adresse - nicht nur für die Genehmigung zur Wiedergabe, sondern eben allem vorab für SnowCrystals.com überhaupt!]

Von miss.gunst am 21.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.07.07

schneeflocken-bilder II (nakaya)

unsf_ksw.gifAuch wenn man angesichts der wunderbaren Fotos von Wilson A. Bentley meinen könnte: Schöner geht's schwerlich. Er war zwar der erste, aber nicht der einzige, der sich Gedanken darüber gemacht hat, wie man die flüchtigen Flöckchen ins Bild bannen kann.
Daher gleich weiter mit dem zweiten Schneeflockenfotografie-Pionier: Ukichiro Nakaya.

unsf_g1.gifDer Japaner Nakaya war eigentlich von Hause aus Kernphysiker - wandte sich aber, nachdem es ihn beruflich auf die Insel Hokkaido verschlagen hatte, der Flockenforschung zu. Auch sein Ziel war es dabei zunächst einmal, sich überhaupt ein Bild von der Gestalt der eleganten Eiskristalle zu machen. Genauer gesagt: Sehr, sehr viele Bilder (allem Vernehmen nach 3000 aufwärts - wobei Bentley da wohl nicht weniger fleissig gewesen ist.)

Allerdings ging er als ausgebildeter Naturwissenschaftler in mehrfacher Hinsicht systematischer zu Werk als der Amerikaner.
Er baute sich nicht nur eine Vorrichtung, um die Flocken zu fotografieren, sondern klassifizierte sie anschliessend auch.

unsf_g2.gifAuf dieser Basis versuchte er, den Gesetzmässigkeiten ihres Wuchses auf die Spur zu kommen. Es gelang ihm dann sogar tatsächlich, selbst künstliche Schneeflocken zu züchten. Und: Er drehte zwei Schneeflocken-Filme.

Tatsächlich gab es jüngst in Frankfurt Gelegenheit, eines dieser beiden Werke ansichtig zu werden. Und zwar im Rahmen des insgesamt wunderbaren - und wunderbar erfrischenden - wetterfest. Das von der Filmemacherin, Kuratorin und Filmwissenschaftlerin Karola Grammann und der Künstlerin Sabine Hartung ins Leben gerufene Wetter-Film-Fest hatte nämlich den Fokus auf "Eis und Schnee" gelegt; mit einem exquisiten Programm aus künstlerischen Kurzfilmen und -videos, raren Dokumentationen und historischen Schätzen, darunter der berühmten Schneeballschlacht von den Brüdern Lumière.
Auch sehr schön.

unsf_g3.gifBesonders beeindruckend aber eben der Film von Nakaya, "Snow Crystals" (erhalten sind wohl zwei, einer aus den 1930er und einer aus den 1950er Jahren; bei "Snow Crystals" handelte es sich um letzteren - die Datierung im Programm auf 1990 meint wohl die Verleihfassung auf neuem Träger). Eine klassischer Lehr- bzw. Wissenschaftsdoku mit Besuch im Labor, Vorführung der schon ein wenig skurrilen Apparatur zur Flockenuntersuchung und -aufzucht; die Demonstration der Typologie und schliesslich auch des Wachstums einer Flocke. Einfach toll.
[Dass Klaus Walter das ganze mit Live-DJing begleitete, wäre nichtmal nötig gewesen. Funktionierte aber, zumal fern jeglichen Kitsches, durchaus als Xtra-Highlight.]

Tja. Anders als im Fall von Bentley lässt sich im Bezug auf Nakayas Schneeflockenforschung leider nicht so einfach mit einem Strauss von Ankern auf reichbebilderte Seiten winken. Aber immerhin, ein paar Empfehlungen hätte es da schon:

unsf_g4.gifAls da wären allen voran die Seiten des "Ukichiro Nakaya Museum of Snow and Ice" in Katayamazu (das offenbar alle Jahr einen Wettbewerb für Künstler veranstaltet, lohnt durchaus, mal auf die entsprechenden Dokumentationen zu gucken - nur werden leider die Namen der Artisten nicht in lateinische Lettern transferiert).

Sodann die Dokumentation einer Exkursion, die Eisforscher der Caltech ebendorthin unternahmen.

Mit die umfangreichste Quelle zu seinem Werdegang und seiner Forschung ist ein Nachruf (pdf), den James A. Bender 1962 in der Zeischrift Arctic publizierte. [Sein eigenes, 1954 publiziertes Schneeflockenbuch, "Snowflakes. Natural and Artificial" ist antiquarisch eher rar und kostet dementsprechend. *seufz*]

unsf_g5.gifUnd dann könnte kann man natürlich noch - zumal ja gerade in Zürich mit einer Ausstellung im Haus Konstruktiv präsent - Carsten Nicolais in der Tat von Nakaya inspirierte Wiederaufnahme der Schneeflockenzucht in "snow noise" (2002) erwähnen (mehr dazu nachzulesen im Katalog zu seiner Frankfurter Ausstellung "anti reflex", den es wenn-nicht-im-heimischen-Bücherschrank bei EIGEN+ART auch als pdf-Vollversion gibt; Bilder solo auch im pingmag-Interview von 2005).

[Bildchen: Da nicht verfügbar, leider keine Standbilder aus Nakayas Film. Sondern lediglich und so weit aus der Erinnerung möglich, eine Nach-Imagination derselben, die auf der Basis von Bentleys Flockenfang gezüchtet wurden.]

Von miss.gunst am 19.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.07.07

bilder von schnee und eis I (bentley)

wbsf_kswn.gifZwar sollten sich zu Klängen eigentlich wie von selbst Bilder gesellen. Aber da es just von Eis und Schnee auch schon so schöne gibt, wollen wir doch mal mit den entsprechenden Zettelkasteneinträgen rausrücken.
Und am besten gleich einmal mit den echten Klassikern beginnen.

wbsf_g1.gifAls da wäre allen voran ein Mann, bei dessen Nachnamen manche zunächst einmal an Luxuslimousinen denken werden: Wilson Alwyn Bentley.

1865 im US-Staat Vermont geboren (ja, da gibt es auch ein paar echte Berge - wobei die Etymologie natürlich nicht sofort auf ewigen Schnee schliessen lässt), soll er schon früh vom Schnee fasziniert gewesen sein. Nun gut, welches Kind ist das nicht? Bentley allerdings hat diese Faszination nicht nur lebenslang nicht mehr losgelassen (bis hierher könnte man ja immer noch rufen: Ich auch! Ich auch! Bzw.: Mich ebensowenig!). Er überführte sie später nämlich auch in ein ebenso leidenschaftlichen Forschungsinteresse.

wbsf_g2.gifSein Ziel, die Schönheit der Schneeflocken ins Bild zu bannen, erreichte er mit einer selbstgebauten Konstruktion aus Fachkamera und Mikroskop. Er fing einzelne Flocken auf einem schwarzen Kartonplättchen ein, übertrug sie flink auf den Präparatträger und lichtete die Miniaturdiven auf diese Weise eine nach der anderen ab. Und zwar über Jahre hinweg.

Das Ergebnis kann sich zweifelsohne sehen lassen. Nicht nur rein quantitativ - allein die Bentley Snowflake Collection des Buffalo Museum of Science kann lässig mal eben 154 verschiedene Exemplare. Wobei der springende Punkt natürlich die Faszination der Schwingung zwischen Gesetz und Variation ist: 'Alle Gestalten sind ähnlich, doch keine gleichet der andern' - hätte Goethe das geahnt, hätte er sicher auch eine entsprechende Ode auf die Schneeflocke geplant.

wbsf_g3.gifWer mehr über den grossartigen Schneeflockenfotografen wissen möchte: Empfehlen kann man neben den oben bereits verankerten und sehr informativen Webpräsenz der Bentley Snowflake Collection des Buffalo Museum of Science noch die aus Anlass einer Ausstellung über Wilson "Snowflake" Bentley entstandenen Seiten der Jericho Historical Society. Die hält unter anderem auch eine ziemlich umfangreiche Sammlung mit Literaturhinweisen und Links zu Bentley, mit denen selbst die wissbegierigsten Flockenfans erst mal für einige Zeit versorgt sein dürften.

Kleine Kühlung für die Augen und die tätige Phantasie - und, falls dann der Blick aufs Thermometer gehen sollte: Gemach, Gemach. Der nächste Winter kommt bestimmt...

[Bildchen: Sind tatsächlich welche von Wilson Alwyn Bentley daselbst. Denn wunderbarer Weise ist eine ansehnliche Sammlung seiner fantastischen Flockenfotos auch in den Wikipedia Commons zu finden.]

Von miss.gunst am 18.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.07.07

der klang von schnee und eis

ssni_kswn.gifKlingt doch ganz so, als könnte man so etwas gut gebrauchen in diesen Tagen, oder?
Zumal man auf diesem Wege durchaus die (welche waren es doch gleich?) angenehmen Seiten des Sommers weiter würdigen und dennoch - ohne bei eingefleischten SonnenanbeterInnen dumm aufzufallen - etwaigen Vorlieben für kühlere Temperaturen frönen kann.
Erfrischend dürften sie in jedem Fall wirken: Klänge von Schnee und Eis.

Mit einer ganzen oder gleich mehreren Radiosendungen (wie weiland 2005) können wir diesmal leider nicht dienen.
Aber dafür doch mit einer satten Portion Sounds, die ganz sicher ebenso wohltuende Wirkung entfalten, wenn sich das Quecksilbersäulchen - oder dessen digitales Äquivalent - im Lauf des Tages wieder Richtung Jenseits-von-Gut-und-Böse bewegen sollte. Was ja wohl zu befürchten steht.

ssni_g.gifDas treuen LeserInnen längst nicht mehr unbekannte Label Gruenrekorder [dem hier beiseit auch zur neuen Webseite gratuliert werden kann], auf Klangkunst und Field Recordings spezialisiert, beherbergt in seinem Programm nämlich ein ganzes Projekt, das samt und sonders dem Klang von Schnee und Eis bzw. "The Sound of Snow and Ice" gewidmet ist.

Lässt sich kompakt (per .zip) oder in kleinen Portionen geniessen (Anker hierfür: auf der "The Sound of Snow and Ice"-Seite unten; dies nur, falls jemand bei den Vorlausch-Buttons festfriert hängen bleibt).
Und: Wunderschöne Bilder, um die Kühlung per Imagination nochmals zu unterstützen hat es obendrein.

In diesem Sinne raten wir wärmstens doch gern: Einfach cool bleiben mit *wirklich* kühlen Klängen!

[Bildchen: Ist keins der Bilder, die zu den Field Recordings gehören. Sondern das Derivat eines wohl wirklich nicht zu Unrecht schon mal zum Bild des Tages gekürtes Exemplar aus den Wikipedia Commons (übrigens am 22.07.05, wohl auch aus guten Gründen =8)), das Andreas Tille in Island aufgenommen hat. Kurzum: Auch das Original ist sehr sehr erfrischend anzusehen. Und: Man mag sogar die Sonne darauf.]

Von miss.gunst am 17.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.07.07

elektromagnetische sommersaison (WRT)

esoy_ksw.gifEndlich ist es wieder so weit: Elektromagnetische Sommerzeit. Aber nicht nur um des Reimes willen wird da freudig aufgemerkt.
Denn auch wenn Radio LoRa für Kunstradio- und Radiokunst-FreundInnen eigentlich das ganze Jahr über einiges zu bieten hat (so z.B. dank So21), gibt es damit doch einen besonderen Grund, sich ausgerechnet auf jene Wochen zu freuen, in denen anderswo eher mal der Hammer liegengelassen wird.

Mittlerweile schon im dritten Jahr (wie auch sonst Ortsunkundige, wissen werden, so sie treue LeserInnen dieses Log.Buchs sind) gönnt sich der Zürcher Lokalsender, geschlagene drei Wochen für künstlerische Experimente zu reservieren.

Und diesmal hat es wirklich wieder ein ausgesprochen leckeres Programm.
Zwei Projekte teilen sich die E-Sommerzeit; der erste Part ab dem heutigen Montag wird von einem Trio bestritte, das wiederum mindestens (aber wohl nicht nur) der getreuen LeserInnenschaft ein Begriff sein dürfte:

So ist Knut Aufermann mit von der Partie (im hauseigenen Archiv gibt es mittlerweile ja so einiges zu seinen Radioprojekten nachzulesen), und - wie vielleicht manche/r, der oder die von Gemeinschaftsprojekten wie allen voran dem mobile radio gehört oder gelesen hat, sich fast schon denken kann - auch Sarah Washington ist mit ihm nach Zürich gekommen.

esoy_g.gifFür diesmal haben die beiden aber individuelle Projekte ausgeheckt, die sie vor Ort realisieren wollen - wobei vor Ort gleich zweifach beim Wort genommen werden darf, denn das temporäre Sendestudio wird in Form eines kleinen Camps im Kunsthof an der Limmatstrasse 44 eingerichtet. Dort will Washington täglich zur Beteiligung an ihrer "Johnny Head-In-Air Show" einladen, bei der es - sozusagen Füsse im Dreck, aber Kopf in den Wolken - darum geht, mittels mitgebrachter (und idealerweise selbstgemachter) Musik den eigenen ästhetischen Standpunkt gehörig bzw. geräuschvoll zu vertreten.

Knut Aufermann steuert dazu eine Feedback-Soundinstallation aus Mischpulten, Mikrofonen, Radios, Lautsprechern, Kompressoren und Minisendern bei, die während der Sendetage kontinuierlich weiter wuchern soll; hier darf man jeweils zwischen 12 und 14 Uhr vorbeischauen, um den Klangschlaufe zu lauschen und/oder diesen den einen oder anderen Schubs zu geben.

Die dritte im Bunde ist diesmal Marold Langer-Philippsen, der (ebenso wie Aufermann und Washington) beispielsweise vergangenes Jahr bei den hier ja denkbar reichlich gefeierten Hallenser RadioRevolten mit dabei gewesen ist. Nach Zürich kommt der mit einer neuen Station seines radioerevan-Projekts und bezieht das Kunstradio-Camp höchst zünftig in einer echten Jurte - wobei neugierige Menschen (und Medien) dieser Tage entdecken konnten, dass diese so genannte radioerevan_yurt zugleich über eine Repräsentanz im Netz verfügt. Aus der es übrigens auch schon vielversprechend murmelte, summte und tönte.

Klar, dass sich dieser Teil des Elektromagnetischen Sommers am allerbesten aktiv teilnehmend und ergo vor Ort in Zürich geniessen lässt. Wem das aber verwehrt sein sollte: Findet nicht nur in der virtuellen radioerevan_yurt (e) Ohrentrost, sondern natürlich auch über den Webstream von Radio LoRa.

[Bildchen: Zeigt offenkundig weder die radioerevan_yurt noch den Kunsthof, sondern ist das Nachbild zweier Jurten aus der mongolischen Steppe, für die das Medium herzlichst dem Spender aus der bwz. an die Wikipedia Commons dankt.]

Von miss.gunst am 16.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.07.07

verkabelter wahnsinn, niedervolt, agitpop

cama_ksw.gifUnd Digital Arts Week zum Dritten. Allein schon, weil auf den beiden bislang nur so nebenbei erwähnten Ausstellungen "Low Voltage" und "Cabling Madness" steht - was aus HOME MADE-Perspektive schon mal ziemlich verlockend klingt.
Entscheidend ist aber natürlich dann, was drinsteckt.

Gucken wir also mal.

cama_g1.gifAlso zum einen: "Low Voltage", in der Halle des ewz-Unterwerk Selnau untergebracht. Nun könnte man ja naiverweise erwarten, dass sich die Schau etwas direkter auf die titelgebende Niedervolt-Spannung bzw. auf Schwachstrom bezieht.

Dagegen winkt das DAW-Kuratorium mit einem ziemlich hochgetunten Konzept, das die Volte fertigbringt, die Geste der Erwartungserzeugung als solche ("coming soon") mit Clubbing ("chill out"), "coolness" und (jetzt bitte festhalten:) Duchamps Konzept einer nicht retinalen Kunst zu verbinden:

"So beyond the animalism of club visitors, the 'put your mind on ice' situation of a chill out room and the absolute necessity of remaining fool and idiot proof, the exibition content proves not only the Digital Art Weeks 'coolness', but the fact that exhibitions that can have a hard core intellectual edge hidden in the shadows of retinal beauty are 'coming soon'. To paraphrase what Marcel Duchamp perhaps once uttered [...]"

Okay. Also dann.
Ist vielleicht wirklich nicht die leichteste Übung, das wieder mit der kleinen Auswahl der Arbeiten zusammenzubringen, die unter diesem hohen Dach versammelt sind. Darunter übrigens zwei alte Bekannte: Lars Vaupels kleine fleissige Zeichenroboter (mehr zur Gattung im hauseigenen Archiv sowie, mit Bildchen, auch in der Nachbarschaft bei digital brainstorming). Und - als Gemeinschaftsarbeit von Corinna Mattner (popupshop), Sebastian Ulbrich und Art Clay - eine Dreamachine-Installation namens "The 3rd Mind" (mehr zum Thema ebenfalls im Log.Buch-Archiv - zur Hintergrundinfo speziell diesen Einrag, entre chien et loup).

Und wie sieht es mit dem Verkabelten Wahnsinn aus, der im Cabaret Voltaire untergebracht ist und als Surplus noch von einer Performance-Serie begleitet wird?

cama_g2.gifDer bzw. die gleichnamige Ausstellung muss sich auch ziemlich recken, um irgendwie das zu füllen, was man mit ihrem Titel gern assoziieren würde. Zweifelsohne leckeren Cocktails leckere Namen von mal mehr, mal weniger leckeren Kunstwerken zu geben und "Mad Mixing" über die Karte zu schreiben, ist eins. Aber "Cabling Madness" vielleicht doch etwas anderes. Wobei: Wie ist man eigentlich verdrahtet, wenn man ausgerechnet - bunte Schlieren hin oder her - mit einer Mischung aus: Bananekirsch, Minzsirup, BluCu und weissem Rum (*brrr*) der Dreamachine zuprosten will (Ok: der Drink heisst Dream Machine. Ist also etwas ganz ganz anderes).

Ebenfalls nicht wirklich so leicht mit verkabeltem Wahn in Verbindung bringen lassen sich die Agitprop-Materialien von Agitpop. Aber, immerhin: Dabei gehts nicht um die Feier reitender Leichen, die Jungs sind auch selbst vor Ort präsent - und versprechen, nachdem heute gestern mit der "Acoustic Show" sozusagen (ok, mehr oder weniger:) unplugged Klassikerabend war, am morgigen heutigen Samstag (14.07.07) im ewz-Unterwerk Selnau eine "Electric Show" zu bieten. Und darauf kann man dann durchaus uncool-mehr-als-nur-Niedervolt gespannt sein, oder?

[Bildchen: Bevor die Kabel dem Wahn anheimfielen, dienten sie ganz brav in der Telekommunikation. Jetzt huldigen sie nur noch dem grossen GNU...]

Von miss.gunst am 14.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.07.07

stimmungsringe u.a. (digitale kunst woche ff.)

fakr_ksw.gifWeil die Digital Arts Week, wie gestern schon geschrieben (aber nicht weiter beschrieben) keineswegs allein in Form von Vorträgen und Panels zelebriert wird, geziemt es sich - keine Zeit hin oder her - wenigstens noch ein paar Worte auf das zu verwenden, was es vor Ort sonst noch zu sehen bzw. wahrzunehmen gibt.
Denn das ist auch nicht eben wenig.

Tatsächlich listet das Programm ganze vier Ausstellungen - von denen man immerhin eine gleich en passant am Hauptbahnhof mitnehmen kann. Dort ist nämlich eine vom Nova Project der ETH entwickelte gleichnamige Hänge-Projektionswand installiert, auf der Permutationen der Schweizer Flagge zu sehen sind ("Swiss ReMake").

fakr_g1.gifIm Walcheturm sind unter dem Titel "Place Relations" vier Arbeiten zu sehen, die sich (wie man ahnnen wird) mit Beziehungen zwischen Orten beschäftigen. Oder auch mit der Verortung von Beziehungen - mindestens im Fall von Will Pappenheimers "Public Mood Ring", einer Kombination aus Installation und Webseite, die mittels des gleichnamigen Interface die emotionale Rezeption von Nachrichten in Farbstimmungen übersetzt - also, wenn man so will: Durch öffentliche Informationen bestimmte Gefühlslagen in ebenfalls öffentliche Mit-Teilungen transformiert.

Hilft vielleicht denen, die sich ungern anderweitig artkulieren? Ganz so einfach ist es auch wieder nicht. Denn der Public Mood Ring verlässt sich nicht auf eine bestimmte Farbsymbolik (nach dem Motto: Tragen sie Rot und sie werden aufregende erotische Begegnungen haben), sondern kreist nach ganz verschiedenen Zuordnungen - von Feng Shui bis zum Doppler-Radar. Was die Sache mit den Mitteilungen dann schon zu einem munteren Experiment machen kann - je nachdem, welchen Schlüssel die Anwesenden qua kultureller Prägung und/oder individueller Neigung präferieren. Könnte nämlich sein, dass das Rotlicht gar nicht so erotisch, sondern aggressiv oder feierlich oder was auch immer wirkt...

fakr_g2.gifZum Test: Gerade einen Artikel aus der Kategorie "Odd" durch die Farbsymbolik der Zulu-Ketten geschickt. Ergebnis: "Loveable at Ease" - und das zuvor lauschig lila Licht im Walcheturm verwandelte sich in tiefes, kaltes Blau. Odd, kann man da nur sagen.

Was jetzt ein wunderbarer Übergang einer der beiden weiteren Themenausstellungen wäre, die da nämlich Low Voltage - und: Cabling Madness heissen.

Allein: Eilig, wie wirs heute nun mal haben, setzt mindestens das Medium seinen Rundgang erst morgen fort.
Selber anschauen kann sie natürlich jede/r jeder Zeit sowieso (und zwar vor Ort bis Samstag 14.07. inklusive).

[Bildchen: Weil beim Ringelpietz ausgerechnet der klassische Farbkreis fehlte, wird er hier ergänzt. Das heisst: Eine faule Variante (weder ganz Goethe noch ganz Itten und erst recht nicht Küppers), dafür eigenhändig ein bisschen in Richtung Emo geschubst. Vorteil dieses Verfahrens: Es bleiben alle Stimmungen im Rennen. Trotzdem schauts im Walcheturm natürlich viel viel schöner aus.]

Von miss.gunst am 12.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.07.07

digitale kunst woche

hmhb_ksw.gifJa, genau das. Gestern hat in Zürich die "Digital Arts Week" begonnen. Kalendarisch gerechnet währt diese zwar nur vier Tage - die dafür aber mit einem ziemlich bunten Programm so dicht bestückt sind, dass man schon etwa 48 auf 24 Stunden bringen muesste, wenn man alles wahrnehmen wollte.

Weniger toll, wenn man eigentlich grad so gar keine Zeit hat.

Ganz ganz eilig sei für heute jedenfalls wenigstens erst einmal auf das Programm des Symposiums hingewiesen, das gestern schon mit einem Vortrag von Joseph Weizenbaum begonnen hat und am Abend dann mit zwei ganz unterschiedlichen, aber je für sich sehr sehenswerten Filmen fortgesetzt wurde. Zum einen dem Doku-Porträt "Weizenbaum. Rebel at Work", das Peter Haas vergangenes Jahr zusammen mit Silvia Holzinger fertiggestellt hat (deutschsprachige Info auf den Seiten ihrer eigenen kleinen Produktionsfirma, Il Mare Film).

Und zum anderen dann noch dem phantastischen 8-bit Movie (*hua* - gerade erschrocken festgestellt, dass der trotz einschlägiger Vorlieben in diesem Log.Buch noch gar nicht gebührend gefeiert worden ist. Schlimm. Jedenfalls: Auf den Heimseiten des Vilms gibt es jede Menge lecker Info zu den Beteiligten bzw. interviewten KünstlerInnen und MusikerInnen - und da sind so einige dabei, die treuen LeserInnen in jedem Fall bestens bekannt sein dürften.)

hmhb_g.gifAber zurück zum Symposium: Am heutigen, zweiten Tag (11.07.) sind nämlich eine ganze Reihe spannender ZeitgenossInnen zu Gast. Zum Aufwärmen gibt's erst einmal eine Poster-Präsentation einiger am Festival beteiligter KünstlerInnen. Und dann wird Régine von we-make-money-not-art einen Vortrag darüber halten, was herauskommt, wenn KünstlerInnen und DesignerInen mit Bio- bzw. sonstwie 'lebendigen' Technolologien herumspielen experimentieren ("When Artists and Designers Mess Around with 'living' Technology"). Also vermutlich über unter anderem solche Sachen.

Danach wird sich einer der beiden Macher besagten 8-bit Movies, nämlich Macin Ramocki (seines Zeichens Künstler und als solcher zwar der (1-)8-bit Ästhetik und der Arbeit mit Code zugeneigt, dabei aber eigentlich nicht unbedingt ein 150%er Low Tech Freak) DIY als einer militanten Art der Umarmung von Technologie zuwenden ("DYI: A Militant Embrace of Technology"). Was ja ziemlich martialisch klingt, oder?

Hernach wird zunächst der/die Techno-PhilosophIn und KulturwissenshaftlerIn Johnny Golding a.k.a. Johnny de Philo a.k.a. Sue Golding über "Camouflaging the Beast (The No-Nerd Hacktivist)" sprechen. Und Nils Röller vom snm der HGKZ und Blogger unter anderem beim "Journal für Kunst, Sex und Mathematik" (mehr dazu u.a. hier bei clickhere) singt (?) "Blog Around the Clock"), bevor sich die Beteiligten schliesslich zu einem Panel mit dem vielversprechenden Titel "Punk, Hactivism and Do-It-Yourself Intervention" zusammenfinden.

Wüssten wir nicht, wie es sich mit Paneln am Ende eines langen Symposiumstages verhält: Das wäre auf jeden Fall ein must-go. Aber im Grunde wird das Thema ja sowieso schon vom Querschnitt der voraufgegangenen Vorträge gefüllt. Insofern.
Na wie auch immer: Hingehen, wer kann.

[Bildchen: In einem haarsträubenden Mash-Up einen solchen Querschnitt gebildet (dabei immerhin das Herumpantschen mit Biotech geflissentlich sein gelassen - aber das hat's wohl auch nicht herausgerissen am Ende) und in diesem Zuge aus Versehen militant das eigene Blog(-Around-The-Clock) gehackt. Oder so ähnlich. Für das Hackebeilchen die Axt im Hause danken wir Wikipedia-Commons-Spender b.gliwa und lizensieren das betrübliche Ergebnis brav cc-by-sa.]

Von miss.gunst am 11.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.07.07

WUNP radio (WRT)

wunpr_ksw.gifRätselafteste Eintragsüberschrift ever. Aber: "united nations plaza radio (von NeuroTransmitter)" wäre wohl wirklich etwas lang geworden, oder? Jedenfalls: Auf genau das gilt es heute endlich mal hinzuweisen - zumal in diesem Zuge - ebenfalls-endlich-mal, plus: wieder - ein Webradio-Tipp in die Welt entlassen werden kann.

Womit im Prinzip ja schon fast alles gesagt sein könnte. Geschwätzig wie wir sind, gibt's jedoch noch ein bisschen Butter bei die Kartoffeln.

Erstens zur Sache an sich. Beispielsweise kann man bei dieser Gelegenheit united nations plaza mal als einigermassen gut funktionierende DIY-Akademie loben. Die Idee zu dieser Einrichtung hatte Anton Vidokle (e-flux New York, dessen zusammen mit Julieta Aranda realisierte reisende Videothek am 03.09.05 in diesem Log vorgestellt wurde), nachdem die von ihm mitkuratierte Manifesta auf Zypern nicht stattfinden durfte. Letztere war als Sommerschule geplant gewesen, und warum also nicht nach einem alternativen Ort (und einer alternativen Finanzierung) Ausschau halten, wenn doch einige der Lehrer quasi schon fertige Kurspläne oder mindestens Ideen zu ebensolchen in der Tasche hatten?

wunpr_g.gifJedenfalls finden seit Oktober 2006 in dem kleinen Containerbau am Platz der Vereinten Nationen alle paar Wochen offene Seminare statt, bei denen KünstlerInnen als Gastdozierende wirken (meist laden diese dann noch MitstreiterInnen ein, die zusammen mit ihnen die Tage oder Abende gestalten). Nun mag letzteres für sich noch keine automatische Qualitätsgarantie sein - zumal, wenn es sich um prominente und ergo vielbeschäftigte VertreterInnen ihrer Zunft handelt. Aber mindestens die persönlichen Stichproben bei Gelegenheitsbesuchen vor Ort ergaben: Es funktioniert beeindruckend gut.

Aus der Ferne konnte man lange leider bestenfalls (aber immerhin) das Angebot des Reading Rooms wahrnehmen, in dem ausgewählte Texte der Dozierenden versammelt sind.

Eben deswegen ist es um so erfreulicher, dass es - zweitens - jetzt besagtes WUNP bzw. united nations plaza radio gibt, das man sich auch als Web-Broadcast zu Gemüte führen kann. Zumal dieses mit NeuroTransmitter (a.k.a. Angel Nevarez und Valerie Tevere) von einem Duo betreut wird, das in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe wirklich spannender Radio-, Kunst-, und Radiokunst-Projekte initiiert und realisiert hat.

Nachdem in der letzten Sendung vom vergangenen Samstag Simon Sheik seine persönliche Perspekive auf die Geschichte der Independent-Musik beigesteuert hat, ist am heutigen Dienstag Abend (10.07.) nun Brandon LaBelle - treuen LeserInnen unter anderem auch durch eine Reihe von Einträgen in diesem Log.Buch bekannt - an der Reihe, um seine gerade frisch erschienene Anthologie Radio Territories vorzustellen.
Ist doch klar, dass wir da ab 20:00 Uhr gespannt mitlauschen werden (direkter Anker zum Stream über die Seite von WUNP).

[Bildchen: Ist, wie an der stümperhaften Machart unschwer zu erkennen, nicht etwa das offizielle Sendelogo von WUNP-Radio. Sondern einfach des Mediums schlichter Versuch einer einigermassen passenden Imagination zwecks Illustration.]

Von miss.gunst am 10.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.07.07

GameBoys bauen mit Olaf Val

gkov_ksw.gifWo der Montag so ein idealer Mitteilungstag ist, hätten wir doch glatt wieder eine. Die im Grunde sogar ganz gut zur Ode auf den Spielplatz passt, die vor drei Tagen mit Blick auf die entsprechend ausgerichtete Installation von time's up im Tesla verfasst wurde.
Diesmal geht's aber um einen Spielplatz-Klassiker im Klein- bzw. Taschenformat, nämlich GameBoys.

Die wurden in diesem Log.Buch bislang ja vor allem als manipulierte Musikinstrumente gefeiert. Und/oder dort, wo dezidiert Kunst aus ihnen wird (könnte jetzt nochmal mit demselben Anker auf die interne Suchmachische belegt werden - alternativ vielleicht ein besonders glorioses Beispiel: Cory Arcangels Arbeiten, s. d. die Einträge vom 13.05.05 und vom 11.06.05).

gkov_g2.gifGameBoys selber bauen: Das hatten wir hier hingegen noch nicht.
Gut, dass sich das mit diesem Eintrag mal ändert. Noch besser aber: Wer mag, kann demnächst lernen, wie es geht.
Und zwar bei Olaf Val, einem Künstler, der auch sonst als ziemlich findiger Elektrobastler glänzt.

Beiseit: Wer ein bisschen Musse hat, sollte gestrost mal auf Vals Heimseiten das Projektarchiv durchforsten, wo es so einige Leckereien für SpielfreundInnen sozusagen jeder Altersgruppe hat (ob nun gefühlt oder biologisch - das Spielotop beispielsweise scheint sich zwar auf den ersten Blick eher an jüngere ZeitgenossInnen zu wenden. Aber an so einem virtuellen Versuchstierkerker haben natürlich auch ältere Quälgeister ihren Spass).

Aber auf diese schönen Dinge werden wir wohl noch ein andermal ausführlicher zurückkommen.
Für heute sollte es nämlich wirklich nur ein schlichter Hinweis sein. Aus Anlass der freudigen Tatsache, dass demnächst - genauer gesagt: ab dem 17.08.07 - die in diesem Log bereits weidlich bejubelte Ausstellung Pong.Mythos im Kornhausforum Bern gastieren wird, bietet Olaf Val nämlich in mehreren Schweizer Städten "Game Kit Workshops" an. Am 25./26.08. im Kornhausforum, am 08.09. im Basler [plug.in] und am 09.09. im Zürcher Walcheturm.

gkov_g1.gifIst noch ein bissl hin bis dahin - aber anmelden kann man sich bereits jetzt, was wiederum über die nette Nachbarschaft bei digital brainstorming funktioniert, das nämlich die Workshops organisiert.
[Alle wissenswerten Hintergrundinfos findet man derzeit am schnellsten direkt über die Hauptseite - die leiderleider auch ein echtes Frame-Ungetürm ist und direkte Verankerungen verhindert. Es sei denn man macht es unbotmässiger Weise so (Basisinfos), so (Anmeldung), so (Gestaltungsvorlage fürs Game Kit, pdf), so (Boardplan, pdf) undsoweiter. *seufz*]

Schon mal vorgucken, wie die tollen Teile aussehen, wenn sie fertig sind? Lässt sich ebendort sowie natürlich auch bei Olav Val selbst, wo es sogar ein kleines LehrVilmchen zum Mignon Game Kit gibt.

Hoppla, war da nicht von GameBoys die Rede?
Na, abgesehen davon dass die BastlerInnen auf den Fotos eindeutig um Girls handelt, lädt Mignon vielleicht tatsächlich auch dazu ein, die Boys aus noch dem Gerätenamen zu kicken. Schliesslich ist es ja auch eine kleine DIY-Revolution. Anderseits: Girls just wanna have, Ihr wisst schon. Und da spielt man schon auch gern mal mit Jungs.

[Bildchen: Besagte junge Damen, die stolz ihre fertigen GameBoys präsentierten. Grand Merci an Olaf Val. Aber, so schön die Standbilder schon sein mögen - das wunderbare LehrVilmchen sollte man sich wirklich auf keinen Fall entgehen lassen!]

Von miss.gunst am 09.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.07.07

daheim mit den geistern

ahwg_ksw.gifKürzlich wurde "Kleinod" zum schönsten der bedrohten Wörter gekürt. Erschreckend, oder? Das ruft natürlich nach Rettungsmassnahmen - allen voran der, von diesem in der Tat kostbaren Stückchen eines ansonsten aussterbenden Wortschatzes weidlich Gebrauch zu machen.
Und wie es der Zufall so will, bietet sich gerade eine wunderbare Gelegenheit dazu.

Sich die Veröffentlichungen des insgesamt ungemein liebenswerten Basler Netzlabels interdisco zu Gemüte zu führen, lohnt ja nun in der Regel sowieso - und dass die jüngste Produktion da keine Ausnahme macht: Geschenkt.

Gleichwohl kann muss man sich - allen Mut zur Peinlichkeit zusammengenommen - schon mal gönnen können, besonders entzückt aufzuquieken in diesem Fall.
"at home with the ghosts" von "and me" (a.k.a. Raffael Dörig) ist nämlich genau dies: Ein kleines, feines, still vor sich hinfunkelndes Geschenk. Ein echtes Kleinod eben.

ahwg_g.gif

[Bildchen: Ja, so schön kann es daheim mit den Geistern sein. Wie mindestens die Geister jederzeit glaubwürdig versichern werden... Achja, und: Des Teegeschirrs wegen widmen wir das Ganze dem grossen GNU.]

Von miss.gunst am 08.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.07.07

auf den spielplatz! (time's up @ tesla)

tupg_ksw.gifSpielplätze kann es sowieso nie genug geben, oder? Ganz besonders aber solche wie diesen, den das austrische Kollektiv time's up aktuell im Tesla Berlin aufgebaut hat.
Mindestens aus HOME MADE-Perspektive jedenfalls scheint ein playground, der auch bejahrtere Exemplare unserer Gattung zu einschlägigen Aktivitäten animieren will, extrem verlockend.

Für ganze vier Wochen hat time's up nämlich im Rahmen einer Projektresidenz sein "Labor für die experimentelle Herstellung von Situationen" nach Berlin verlegt, um dort angewandte Feldforschung zu betreiben.

tupg_g1.gifAnders als manch andere Residente basteln die Forscher von time's up daher nicht etwa die meiste Zeit in stiller Abgeschiedenheit, um erst am Ende ihres Gastaufenthalts mit den Ergebnissen herauszurücken.

So haben sie gleich von Anfang an im Podewil mehrere Installationen aufgebaut; allen voran eben besagten "adventurous playground":

"der adventurous playground ist ein überdimensionierter, ausufernd raumgreifender kinderabenteuerspielplatz, welcher auf erwachsenengröße und -proportionen angewachsen ist. die formsprache eines 'normalen' spielplatzes zitierend, werden die einzelnen elemente und geräte in ein alles verbindendes geflecht von seilen, netzen, wippen und schaukeln integriert."

Aber das ist natürlich noch nicht alles (wenngleich es schon mal löblich ist, allen jenen ein bisschen weiterzuhelfen, die an Kinderspielplätzen neidzergrämt vorbeischleichen - und nicht mal an jene Geräte trauen, deren Bauart auch mal etwas mehr Gewichteinwirkung gestattet). Vielmehr sind die Elemente zum einen mit Sensor-Systemen ausgestattet, deren Input dann eine Reihe audivisueller Resonanzen erzeugt. Und zum anderen werden über sogenannte "physikalische anreger" (pneumatische oder motorisierte beispielsweise) weitere Stimulationen des Systems generiert bzw. die der SpielerInnen verstärkt und ans System zurückgegeben. Das hat unter anderem den praktischen Effekt, dass man auf dem Spielplatz allein sein und trotzdem mit anderen spielen kann.

tupg_g2.gifWeil Spielen für time's up immer auch Lernen heisst (und umgekehrt; s. dazu beispielsweise auch den phantastischen Sensory Circus sowie - weil ein wenig Theorie nie schaden kann - aus dem hauseigenen Think Tank einige aktuellere Überlegungen von Tim Boykett zum Thema Spiel, Spielen und Spiele Spielen in Interaktiven Installationen, pdf) bietet das Kollektiv zudem Workshops an.

Und hat schliesslich wurden auch noch befreundete KünstlerInnen dazu eingeladen, in, mit und ausgehend von den time's up Produktionen weiter zu spielen. In dieser - schon seit dem 23.06. laufenden Reihe der remixes geben sich am heutigen Freitag Abend (06.07.07) - der unter dem ausnehmend schönen Motto " der apparat oder objekt und begierde" steht - beispielsweise der Soundbastler und Feldrekorder Derek Holzer (treuen LeserInnen bereits durch eine ganze Reihe von Einträgen bekannt) und Wessel Westerveld die Ehre, wobei letzterer wohl nicht nur sein (Achtung & Entschuldigung: Mal wieder eine zu Verankerungszwecken aus dem Rahmen befreite Seite:) "Sound by Sculpture"-Orchester mitbringen, sondern auch ein Duo mit dem finnischen Bassisten Viljam Nybacka (s. Brown vs. Brown) und dessen präparierten Instrument spielen wird.

Wer keine Chance hat, heute in Berlin zu sein: Das Programm des time's up hub im Tesla läuft noch bis Ende nächster Woche, Abenteuerspielplatz inklusive. Tu felix Tesla, kann man da aus der Ferne nur seufzen? Oder auch einfach sagen: Nix wie hin!

[Bildchen: Das obere zeigt den Spielplatz im Innenhof des Podewil, das untere die movinginformationmachine [mim], die alle Daten aus dem adventurous playground sammelt und über Lautsprecher bzw. Monitore wiedergibt. Tausend Dank für die Bilder geht ans Tesla, Moritz von Rappard und insbesondere Carsten Stabenow, in dessen time's up-Bildpool bei flickr man noch viele weitere leckere Aufnahmen anschauen kann - sowie vor allem anderen natürlich an time's up selbst.]

Von miss.gunst am 06.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.07.07

nicht mein problem?

pulfl_kswn.gifTja, genau das ist die Frage. Gestellt wird sie von einer zweitägigen Veranstaltung, die diesen Freitag und Samstag (06.und 07.07.07) in der Shedhalle Zürich stattfindet.
Und die womöglich auch für den einen oder die andere LeserIn dieses Logs interessant sein könnte. Schliesslich sind nicht nur Musik Medien Kunst, sondern auch die DIY-Kultur derzeit ziemlich Pop.
Was das mit Problemen zu tun hat, die man hat oder nicht?

Womöglich so einiges. Erst einmal aber, ganz pragmatisch angegangen, lautet der vollständige Titel der Veranstaltung "Das ist nicht mein Problem. Pop und Überleben", und gehen soll es an den beiden Tagen unter anderem um folgende Fragen:

Wenn Pop zum guten Ton gehört, wo sind dann die Gegenbewegungen? [...] Wie überwintern Proteste? Wie schlagen sich Alternativen durch? Was überdauert den Hype? Und wie (über-)lebt es sich mit Poparbeit?

pulfl_g.gifAnnehmen werde sich ihrer zwei kompetent besetzte Podien, das erste am Freitag mit Mercedes Bunz (eigentlich Ex-De:Bug, aber der Zeitschrift schon noch immer verbunden und ihren Inhalten sowieso), Martin Büsser (der nicht nur das extrem empfehlenswerte Magazin testcard herausgibt, sondern im und mit dem Ventil-Verlag auch haufenweise Bücher, die kritische Perspektiven auf Pop- und Subkultureb liefern) sowie Sonja Eismann (deren Beiträge bis vor kurzem Intro zu einer lesenswerten Zeitschrift machten, die ansonsten für die Spex und Jungle World schreibt und zudem treuen LeserInnen auch über den Eintrag zur Ausstellung DIY - Wir machen es uns selbst! in Erinnerung sein dürfte).

Auf dem zweiten am Samstag werden sich dann Big Zis, Dani Oertle (u.a. beim Sündikat und bei Offstream engagiert), Bjørn Schaeffner (u.a. kommerz.ch-Autor und mit dem leckeren Wellensitten bei Radio RaBe) und Samuel Iseli (von der BOSCHbar) über "die Alternative als Arbeitsalltag" unterhalten.
Beide Podien jeweils um 19:00 Uhr (Freitag gibts als spezielles Goodie im Anschluss dann noch ein Tanzvergnügen, den rave au lac in der Roten Fabrik).

Sonst noch wissenswert: Veranstalterinnen des Symposiums sind die Zines Elend & Vergeltung (dessen zweite Ausgabe nach laaangem laaangem Warten in der Tat: endlich! da ist - und an dieser Stelle auch wärmstens empfohlen sei!!!) und kommerz.ch.

Und: Anlass des Ganzen ist natürlich die Ausstellung "lost & found" - längst getestet und für gut ganz grossartig befunden; sollte, zumal sie zahlreiche Projekte mit engem Bezug zu diversen DIY-Kulturen (vor allem viele tolle Zines, Zines, Zines!!!) versammelt, hier schon längst mal ausführlicher vorgestellt werden. Jedenfalls, so noch nicht dort gewesen: So nebenbei kurz vor den Podien durchschlendern ist keine gute Idee. Besser für den Besuch besser einen oder zwei Tage extra reservieren. Es lohnt sich. Wirklich. Sehr.

Von miss.gunst am 05.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.07.07

Schöner Lichtwerfen Lernen

kmtp_ksw.gifKlingt kryptisch? Ist aber ganz einfach: Meint nämlich einen Workshop rund um "Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor", den der heutige Eintrag wärmstens weiterempfehlen will.
Schon allein, weil nach dem Siegeszug des gemeinen Beamers dieses gute Gerät zu den vom Aussterben bedrohten Arten zählt.

Ein Zustand, mit dem man sich natürlich nicht etwa einfach abfinden muss. Aus HOME MADE- und treuer Overhead-Fan-Perspektive sind kreative Initiativen zur Rettung des analogen Lichtwerfers also absolut begrüssens- und fördernswert.

kmtp_g.gifHinzu kommt in diesem Fall, dass sie von einer besonders sympathischen und auf dem entsprechenden Gebiet bereits bewährten Crew ergriffen wird.
So zählt zu den Initiatoren des Workshops Christian Faubel von derstrudel - also jenem rührigen Analog- und DigitalbastelkünstlerInnenkollektiv, an dessen leckere Overhead-Bots sich treue LeserInnen dieses Logs sicher noch bestens erinnern werden (s. d. Eintrag vom 17.03.07). Sodann Tina Tonagel, die in diesem Jahr auf Overhead-Basis übrigens auch eine Maschine zur Blumenmuster-Projektion konstruiert hat.
Sowie - last but not least - Ralf Schreiber, der neben unzähligen anderen wunderbaren Maschinchen in letzter Zeit sogar gleich mehrere (Achtung & Entschuldigung wg. unbotmässiger Entfernung aus dem Frrrame:) Lichtwerfer in die Welt entlassen hat.

Kurzum: Wer Lust und Zeit hat, vom 20. bis 25. August (07) in der Kölner Moltkerei Werkstatt an "Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor" zu arbeiten, sollte nicht zögern, zwecks Anmeldung per E-Mail mit dem Team Kontakt aufzunehmen.

[Merci an Ralf Schreiber für den Hinweis - und eine Verneigung vor Cordula Körber ob des schönen Plakats.]

Von miss.gunst am 04.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.07.07

found tapes ff.

gtk_ksw.gifZur Abwechslung bzw. aus gegebenem Anlass mal wieder etwas zum Thema Found Tapes.
In diesem Fall ein Einzelstück, das aber nichts desto weniger einen Vermerk im Zettelkasten verdient. Zumal sich dieser aktuell mit einem kleinen Ausstellungs-Tipp verbinden lässt.
Doch davon unabhängig wäre es angesichts des dräuenden Aussterbens dieses Mediums wohl allweil sträflich, wenn sich Kassettengeschichten-FreundInnen dieses Exemplar entgehen liessen.

Finden und anschauen kann man es auf den Heimseiten von Claire Fontaine (nicht zu verwechseln mit dem Papeterie-Hersteller nahezu gleichlautenden Namens, von dem tatsächlich auch das brave Medium seit Jahr und Tag seine Notizheftlein bezieht =8))

gtk_g1.gifClaire Fontaine ist nämlich eine Ready Made Künstlerin, ge- bzw. erfunden von einem französischen Künstlerkollektiv. Selbiges wiederum bestreitet zur Zeit eine Folge der Ausstellungsreihe "How To Cook A Wolf", mit der die Kunsthalle Zürich in diesem Jahr ihren "Parallel"-Projektraum bespielt.

Deren Besuch kann an dieser Stelle natürlich sowieso wärmstens empfohlen werden - zumal ja schon das Prinzip der Ready Made(-)Künstlerin per se aus HOME MADE-Perspektive sehr sympathisch ist. Wobei dieser Begriff nota bene nicht nur gute Teile des Werks, sondern eben auch dessen Autorin meint.

Um so erfreulicher aber, im Konvolut des ersteren tatsächlich auch ein Found Tape zu finden. Besonders prima: Dass man sich "Counter-poison/Intermission" (so heisst die 2004 - nunja: wie es im Grunde natürlich auch für die meisten der klassischen Ready Mades sowie speziell auch für die Ready Made Künstlerin Claire Fontaine gilt: nicht wirklich nur gefundene Kassettengeschichten-Arbeit nämlich) auch online anhören kann.

[Bildchen: Zeigt nicht etwa "Counter-poison/Intermission", denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wollen auch Ready Made Künstlerinnen vor Reproduktionen angefragt werden, und dafür war wie so oft keine Zeit. Die Credits für die Vorlage zur ReadyMade-basierten Eigenproduktion gehen daher - ebenfalls: wie so oft - an die Wikipedia Commons, und in diesem Fall speziell an Philip Bosma und das grosse GNU]

Von miss.gunst am 03.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.07.07

befremdendes feedback (modes of listening)

mof_ksw.gifMontag ist ja immer ein guter Tag für Mitteilungen. Diese will auf die Option verweisen, sich für einen Workshop anzumelden, der Anfang Oktober im Rahmen des steirischen herbst 07 stattfinden wird.
Und der sich mit "Modes of Listening – The Alienating Feedback of Sound", also grob übersetzt: Weisen des Hörens und dem befremdenden Feedback von Klang zu beschäftigen verspricht.

mof_g1.gifDas klingt ja für sich genommen schon mal - nein, eben weder befremdend noch befremdlich, sondern schlicht: ziemlich spannend, oder nicht?

Um so mehr aber, wenn man sieht, wer dahinter steckt und wer auf der Seite der Workshop-Leitenden mit von der Partie ist:

Zu letzteren zählen Philip Jeck (vielleicht dem einen oder der anderen auch über seine Zusammenarbeit mit Jacob Kirkegaard bekannt; mehr zu Letzterem s.a. hier), Francisco López (s. a. den Eintrag zur transmediale 06, wo er seinerzeit im Tesla Berlin an Pablo Venturas "Kubic's Cube" mitwirkte), Staalplaat Soundsystem (sagt allen etwas, oder?) und der Philosoph Matthias Vogel.

Und ausgedacht haben sich das ganze Thomas Lamberty (u.a. Merve-Verlag), Heike Schleper und Berhard Schreiner; letzere beide von FreundInnen experimenteller Musik nicht nur wegen die Organisation einschlägiger Veranstaltungen in Frankfurt geschätzt, sondern auch für ihr Label feld.

mof_g2.gifMal ganz abgesehen davon, das die beiden auch schon für den letzten steirischen herbst eine einschlägige Musikreihe kuratiert hatten ("Double Feature", mehr dazu im Eintrag vom 07.10.06).

Worum es nun bei dem Workshop gehen wird? Grob gesagt: Um die Erkundung von Hörweisen, auf theoretischem und praxisgenährten Wege - mehr dazu in der Ankündigung.

Unbedingt erwähnenswert: Anmelden kann bzw. muss man sich per pdf-Formular plus Unterlagen wie C.V., und zwar bis spätestens 18.07.
Wer also Zeit und Lust hat, sich vom 01.10. bis 06.10. in Graz mit Weisen des Hörens und dem befremdenden Feedback von Klang zu beschäftigen: Go!

[Bildchen: An denen sind natürlich nicht die Workshop-OrganisatorInnen schuld. Aber was hilft's. Immerhin vielleicht ein bisschen befremdend und auf diesem Umweg dann doch auch ein kleinwenig passend, wenigstens.]

Von miss.gunst am 02.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.07.07

noisedienstbar

bng_ksw.gifWeil wir gerade dabei sind, gleich noch ein Nachtrag. Allerdings in diesem Fall einer, der sich - wenn man so will: durchaus auch passend zum schönen Sonntag - direkt mit einem kleinen Ausflug in sonische Gefilde verbinden lässt.
Und zudem eine gute Gelegenheit bietet, einen längst mal fälligen Zettelkasten-Eintrag vorzunehmen.

Wie das? Nun, ganz einfach:

bng_g1.gifIn Berlin gibt es einen Zusammenschluss von Klangwerktätigen namens CD Kreisverband Friedrichshain*, der sich bereits seit einigen Jahren und auf allen relevanten Feldern vorzüglich der Hervorbringung und Förderung eben jener sonischen Erzeugnisse widmet, die man gemeinhin unter dem Namen Noise zu fassen pflegt. Und denen bekanntlich ja auch in diesem Log eine besondere Neigung entgegengebracht wird. [* Anker kommt weiter unten - jaja, die lieben Rähmchen....]

Deshalb ist es einerseits sehr bedauerlich, dass wir vergangenen Donnerstag (28.06.07) nicht in Berlin zugegen sein konnten, als im top e.V.-RAUM in der Schwedenstrasse das "Keine Musik - Nur fiese Töne - Noise-Festival" stattgefunden hat, welches von besagtem Kreisverband bzw. dessen Zentralorgan DIENSTbar organisiert worden ist.

Andererseits aber dürfte es für Menschen mit entsprechenden Neigungen durchaus auch nachträglich lohnen, den durch das Programm gelegten Spuren nachzugehen.

Als da wären erst einmal die Anker zu den Noiseproduzenten, die an jenem Abend die Ohren der BerlinerInnen beglückten: Broken Diode aus Dresden, Stupidity Forever (wohl nicht wirklich aus "Vatican City"), und der treuen LeserInnen aus dem Eintrag zum international noize summit bereits bekannte Justice Yeldham. Sowie der mindestens in Berlin bereits notorische, aber - kann das tatsächlich sein - sowohl Heim- als auch MySpace-Seitenlose Tapeman (nein, um diesen mysteriösen Tapeman handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher nicht - aber wer Surfmusik mag, kann getrost auch mal bei Letzterem vorbeischauen).

bng_g4.gifVor allem aber sei an dieser Stelle (war wirklich mal Zeit und ist der Grund für die Zuordnung zum Zettelkasten) wärmstens ein Besuch bei den Ausrichtern des "Keine Musik - Nur fiese Töne - Noise-Festival" empfohlen. DIENSTbar versteht sich bzw. agiert nämlich auch als Netzlabel.
Extrem spartanisch - das heisst: Ohne extra-Labelseiten, ohne Cover und sonstige Leckerein; einfach nur als Materialsammlung auf archive.org.
Passt aber im Grunde bestens zum Selbstverständnis eines Kreisverbands, der sich aufs Wesentliche konzentriert.
Und das - guckt man sich mal die Agenda der letzten Jahre an, erst recht aber: wenn man sich die Produktionen der DIENSTbar-Netzlabelaktivitäten zu Gemüte führt - mit einiger Energie.

[Bildchen: Vom mindestens derzeit noch sowohl bei DIENSTbar als auch beim RAUM unter den Aktualitäten zu bewundernden Skelettorchesterflyer einschlägig stimuliert extra ins Ossuarium gestiegen und schwer gehäckselt. Mangels Talent zu derartigen Tätigkeiten schaut das Ergebnis allerdings leider eher nach Blümchenmuster aus (*seufz*)]

Von miss.gunst am 01.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)