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19.07.07

schneeflocken-bilder II (nakaya)

unsf_ksw.gifAuch wenn man angesichts der wunderbaren Fotos von Wilson A. Bentley meinen könnte: Schöner geht's schwerlich. Er war zwar der erste, aber nicht der einzige, der sich Gedanken darüber gemacht hat, wie man die flüchtigen Flöckchen ins Bild bannen kann.
Daher gleich weiter mit dem zweiten Schneeflockenfotografie-Pionier: Ukichiro Nakaya.

unsf_g1.gifDer Japaner Nakaya war eigentlich von Hause aus Kernphysiker - wandte sich aber, nachdem es ihn beruflich auf die Insel Hokkaido verschlagen hatte, der Flockenforschung zu. Auch sein Ziel war es dabei zunächst einmal, sich überhaupt ein Bild von der Gestalt der eleganten Eiskristalle zu machen. Genauer gesagt: Sehr, sehr viele Bilder (allem Vernehmen nach 3000 aufwärts - wobei Bentley da wohl nicht weniger fleissig gewesen ist.)

Allerdings ging er als ausgebildeter Naturwissenschaftler in mehrfacher Hinsicht systematischer zu Werk als der Amerikaner.
Er baute sich nicht nur eine Vorrichtung, um die Flocken zu fotografieren, sondern klassifizierte sie anschliessend auch.

unsf_g2.gifAuf dieser Basis versuchte er, den Gesetzmässigkeiten ihres Wuchses auf die Spur zu kommen. Es gelang ihm dann sogar tatsächlich, selbst künstliche Schneeflocken zu züchten. Und: Er drehte zwei Schneeflocken-Filme.

Tatsächlich gab es jüngst in Frankfurt Gelegenheit, eines dieser beiden Werke ansichtig zu werden. Und zwar im Rahmen des insgesamt wunderbaren - und wunderbar erfrischenden - wetterfest. Das von der Filmemacherin, Kuratorin und Filmwissenschaftlerin Karola Grammann und der Künstlerin Sabine Hartung ins Leben gerufene Wetter-Film-Fest hatte nämlich den Fokus auf "Eis und Schnee" gelegt; mit einem exquisiten Programm aus künstlerischen Kurzfilmen und -videos, raren Dokumentationen und historischen Schätzen, darunter der berühmten Schneeballschlacht von den Brüdern Lumière.
Auch sehr schön.

unsf_g3.gifBesonders beeindruckend aber eben der Film von Nakaya, "Snow Crystals" (erhalten sind wohl zwei, einer aus den 1930er und einer aus den 1950er Jahren; bei "Snow Crystals" handelte es sich um letzteren - die Datierung im Programm auf 1990 meint wohl die Verleihfassung auf neuem Träger). Eine klassischer Lehr- bzw. Wissenschaftsdoku mit Besuch im Labor, Vorführung der schon ein wenig skurrilen Apparatur zur Flockenuntersuchung und -aufzucht; die Demonstration der Typologie und schliesslich auch des Wachstums einer Flocke. Einfach toll.
[Dass Klaus Walter das ganze mit Live-DJing begleitete, wäre nichtmal nötig gewesen. Funktionierte aber, zumal fern jeglichen Kitsches, durchaus als Xtra-Highlight.]

Tja. Anders als im Fall von Bentley lässt sich im Bezug auf Nakayas Schneeflockenforschung leider nicht so einfach mit einem Strauss von Ankern auf reichbebilderte Seiten winken. Aber immerhin, ein paar Empfehlungen hätte es da schon:

unsf_g4.gifAls da wären allen voran die Seiten des "Ukichiro Nakaya Museum of Snow and Ice" in Katayamazu (das offenbar alle Jahr einen Wettbewerb für Künstler veranstaltet, lohnt durchaus, mal auf die entsprechenden Dokumentationen zu gucken - nur werden leider die Namen der Artisten nicht in lateinische Lettern transferiert).

Sodann die Dokumentation einer Exkursion, die Eisforscher der Caltech ebendorthin unternahmen.

Mit die umfangreichste Quelle zu seinem Werdegang und seiner Forschung ist ein Nachruf (pdf), den James A. Bender 1962 in der Zeischrift Arctic publizierte. [Sein eigenes, 1954 publiziertes Schneeflockenbuch, "Snowflakes. Natural and Artificial" ist antiquarisch eher rar und kostet dementsprechend. *seufz*]

unsf_g5.gifUnd dann könnte kann man natürlich noch - zumal ja gerade in Zürich mit einer Ausstellung im Haus Konstruktiv präsent - Carsten Nicolais in der Tat von Nakaya inspirierte Wiederaufnahme der Schneeflockenzucht in "snow noise" (2002) erwähnen (mehr dazu nachzulesen im Katalog zu seiner Frankfurter Ausstellung "anti reflex", den es wenn-nicht-im-heimischen-Bücherschrank bei EIGEN+ART auch als pdf-Vollversion gibt; Bilder solo auch im pingmag-Interview von 2005).

[Bildchen: Da nicht verfügbar, leider keine Standbilder aus Nakayas Film. Sondern lediglich und so weit aus der Erinnerung möglich, eine Nach-Imagination derselben, die auf der Basis von Bentleys Flockenfang gezüchtet wurden.]

Von miss.gunst am 19.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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