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07.08.07
wie schmeckt dein radio? (WRT)
Von den Bugs zu den Buttons sozusagen. In Zeiten von Webradio sind letztere ja eher zum Anklicken da - und nicht wenige vermissen schon heftig die kleinen Rädchen und Knöpfchen, an denen man so wunderbar herumfummeln konnte, um den gewünschten Sender einzustellen.
Und ganz traurig ist es natürlich um all jene künstlerischen Experimente bestellt, die - in welcher Form auch immer - auf diesen sinnlichen Aspekt der Radiokultur setzen.
Wie beispielsweise das (Radio-)Aktionsspiel "100 mal Hören und Spielen" von Wolf Vostell, das der Fluxus-Pionier 1969 in Zusammenarbeit mit dem WDR produzierte. Ganz ähnlich wie in seinen Happenings werden dabei Anweisungen ausgegeben, die den Beteiligten mitunter Einiges abverlangen, um sie mit tendenziell ungewohnten Wahrnehnungen und Erfahrungen zu konfrontieren. Etwa - höflich, aber bestimmt: "Lecken Sie beim Hören die Schaltknöpfe Ihres Radios!"
"Welche Knöpfe?", würde da wohl heute so Manche/r seufzen. Wobei, was heisst hier: "würde". Heute Abend besteht nämlich sehr wahrscheinlich Gelegenheit für Webradio-FreundInnen, genau diese frustrierte Frage zu stellen. Denn im Rahmen der SWR2-Reihe "ars acustica" - die jeden ersten Dienstag im Monat Hörkunst vorstellt - verspricht heute Frank Kaspar, uns für fünfundfünfzig Minuten in die Welt von Fluxus-Radio-Kunst zu entführen, O-Töne aus einschlägigen Produktionen inklusive.
Auf dem Programm steht dabei neben Vostells Aktionsspiel unter anderem die "Radiosonate" von Dieter Roth (SDR 1976), Ferdinand Kriwets Baden-Badener (Radio-)Kunstaktion "Oos is Oos" (SWF 1968) sowie Produktionen, die Alison Knowles und George Brechts in den 1980ern und 1990ern mit dem Studio Akustische Kunst des WDR Köln aufnahmen - das bekanntlich insgesamt eine zentrale Rolle für Fluxus (und experimentelle Musik) in Deutschland spielte.
Ob vielleicht auch John Cages "Imaginary Landscape No. 4" von 1951 dabei ist? Allerdings ist die Komposition für 12 Radios (und 24 "Radio-Spieler", jeweils als Paar am Frequenzsuche- und am Lautstärkereglerknöpfchen drehend) im Vorfeld von Fluxus entstanden - und eben wortwörtlich für Radiogeräte, nicht als Radiokunststück im sendetechnischen Sinne.
Angekündigt sind in jedem Fall noch: Gespräche mit Fluxus-Experten (und -innen???) wie Michael Glasmeier. Sowie ein Ausflug in die unmittelbare Gegenwart, nämlich zur Radiogruppe L.I.G.N.A, von der - unter anderem im Zuge der RadioRevolten - in diesem Log.Buch ebenfalls schon zu lesen war. Deren Markenzeichen es wiederum ist, Radio-Formate zu entwickeln, die in Interaktion mit dem bzw. über Aktion im Realraum funktionieren. Was - wenngleich zu letzteren bislang nicht die Aufforderung gehörte, zu testen, wie ein Radio schmeckt - so gesehen wieder einen Bogen zu Vostell schlagen lässt.
Alles dies und mehr also heute (07.08.07) ab 23:03 Uhr auf SWR2 bzw. dessen Webradio-Stream in Frank Kaspars Fluxus-Feature "Lecken Sie Ihr Radio"!
P.S. Dass das ganze seitens SWR2 unter das Motto "SWR2 Sommer spezial 1957 plus: Die halbstarken Jahre" gestellt wird, hätten wir eigentlich gern geflissentlich überlesen. Haben wir dummerweise aber nicht. *seufz*
[Bildchen: Weil es heutzutage ja auch Zungen mit Knöpfen gibt, haben wir für die Radioknopf-Kostprobe eine ebensolche zum Test gebeten und erstmal im Imaginären K(n)opf an K(n)opf gesetzt. Scheint dann aber gleich so gut gemundet zu haben, dass... und *haps* weg war es, das schöne alte Radio. Wie so oft geht ein grosses Merci an die, welche die Ausgangsbilder in die Wikipedia Commons gaben.]
Von miss.gunst am 07.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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