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12.10.07

besonders bohnen...

mjb_ksw.gif... eignen sich bestens zum Musizieren. Und mitnichten nur so, wie es eine alte Küchenweisheit mit Blick auf Hülsenfrüchte kolportiert ("jedes Böhnchen gibt ein Tönchen", so Grossmuttern selig).
Geschüttelt (nicht gerührt) sowie zuvor selbstredend in ein geeignetes Gefäss verbracht, sind Bohnenkerne bekanntlich ein in gut sortierten Haushalten stets zuhandenes Basiselement für selbstgebastelte Rhythmusinstrumente.

Nicht zu vergessen die ohrschmiegsamen Geräusche, die handelsüblichen Bohnensäcken zu entlocken sind, wenn man mit einer zweckdienlichen Gerätschaft (etwa einem Kochlöffel) über sie streicht oder wahlweise auch auf sie eindrischt.

mjb_g1.gifAber das ist noch längst nicht alles. Tatsächlich hat Mutter Natur in Sachen Musikalität der Bohne noch eine weitere Option in der Hinterhand, die sich insbesondere für experimentellere Produktionen anzubieten scheint. Nämlich mit den so genannten Mexikanischen Springbohnen.

Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine selbstbewegende Spezies. Vielmehr wird den Kernen gemeiner Bohnenpflanzen [Himmel, von wegen Bohne:] Früchten der so genannten "Springbohne" - eigentlich eines schnöden Wolfsmilchsgewächses namens Sebastiania pavoniana - durch Parasiten auf die Sprünge geholfen: Motten legen ihre Eier in ersteren ab, und sobald die Larven sich im Inneren kräftig gefuttert haben, bringen sie mit ihren Windungen auch das Früchtchen auf Trab.

Die mexikanische Spezialität erfreut sich im angloamerikanischen Raum schon länger als Exportprodukt einiger Beliebtheit - offenbar, weil manche Menschen die Springbohnen als leicht handhabbaren Haustierersatz mit begrenzter Mindesthaltbarkeit (die geschlüpften Motten leben nur wenige Tage und gehen anders als ihre ArtgenossInnen auch nicht auf Kleider aus), aber hohem Possierlichkeitsfaktor ("es hüpft, es hüpft") schätzen.

mjb_g2.gifEben diese Mobilität macht die mexikanischen Springbohnen nun auch geeignet zur Klangproduktion - klar, sie können sozusagen von selber rasseln, einen geeigneten Resonanzboden vorausgesetzt.

Für einen solchen sorgte beispielsweise der niederländische Komponist und Klangkünstler Paul Panhuysen (dem einen oder der anderen sicher auch Gründer/Beitreiber von Het Apollohuis bekannt), der 1999 einen ganzen Tonträger mit Springbohnensounds produzierte - in welchselbigen man, dem in diesem Log nicht von ungefähr schon häufiger verankerten Klangbeutel sei Dank, in dessen 121. Ausgabe auch hineinlauschen kann.

Diejenigen, die regelmässig in Zürich unterwegs sind, werden sich zudem auch an Peter Coffin erinnern, der letztes Jahr im Rahmen der Ausstellung "While Interwoven Echoes Drip into Hybrid Body" seine Installation ohne Titel (bzw. "Symbiotic Relationship/Dance Party", 2003) zeigte, bei der sich besagte Springbohnen auf einem Trommelfell tummeln durften [Bildchen dazu findet man über die entsprechenden Seiten im Ausstellungsarchiv des migros museums; mehr zur Ausstellung auch im Artikelarchiv des Kunst-Bulletin).

mjb_g3.gifSpringende, klingende Bohnen gab es übrigens auch gestern Abend beim aus guten Gründen empfohlenen Konzert des Ersten Wiener Gemüseorchesters im Rahmen der Frankfurter Sónar Nits.
Allerdings handelte es sich hier nicht um mexikanische Larven im Bohnenpelz, sondern um ganz gewöhnliche Sau- und Feuerbohnenkerne, die gegen Ende der vegetabilen Version von Strawinskis "Sacre du printemps" eine mit Verstärker versehene Holzrampe herunterkullern durften.

Letzteres übrigens insgesamt eine (erwartungsgemäss) grossartige und auch in jeglicher Hinsicht erfrischende Angelegenheit - nicht nur dank von der Bühne gen begeistertes Publikum ziehender Rettich-, Kohl- und Paprikasaftschwaden. Sowie eben durchas inspirierend, was Einträge in den Zettelkasten dieses Logs betrifft...

[Bildchen: Ja genau, das sind die besagten Bohnen. Oben links und unten rechts Trophäen vom Konzert des des Ersten Wiener Gemüseorchesters; und dazwischen geschmuggelt die ebendort, weil die Wiener ja rein vegetarisch arbeiten, nicht präsenten mexikanischen Musiker-Kolleginnen und Kollegen - für die wie so oft ein Dank an die Wikipedia Commons-Spender geht.]

Von miss.gunst am 12.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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