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31.10.07

radiophonic & radia (in) b.

rpho_ksw.gifErsteres lief leider auch parallel zum SHIFT Festival: radiophonic in Brüssel.
War ein sehr lecker programmierter (und allem Vernehmen nach auch sehr fruchtbringender) Anlass mit Workshops und Konzerten, zu dem sich eine Reihe treuen LeserInnen dieses Logs nicht ganz unbekannte Radio-KünstlerInnen und Kunstradio-Initiativen zusammengefunden haben.

So war unter anderem silenceradio.org (s. auch im Archiv den Eintrag vom 29.08.06) mit von der Partie und Anna Friz (mit zahlreichen Einträgen im Archiv) war mit einer Installation vertreten.

rpho_g.gifUnd schliesslich hat das hier bekanntlich hoch geschätzte und entsprechend oft verankerte radia.fm-Netzwerk, das zahlreiche VertreterInnen entsendete, mit seiner Radioactive Radiophony einen ganzen Sonntag gestaltet.

Retrospektiv kann man sich natürlich nun nurmehr nachlauschend am radiophonic-Programm delektrieren.
Aber sobald die Tränchen des Bedauerns, nicht in Brüssel gewesen zu sein, im Augenwinkel getrocknet sind, heisst es frohgemut gen Berlin schauen: Dort findet nämlich in den kommenden Tagen bis inklusive Samstag mit "Imagine Radio 2.0" ein grösseres Treffen der radia.fm-Netzwerk-Aktiven (sowie einiger weiterer einschlägig tätiger Aktiver) statt, das mindestens an den Abenden mit (Radio-)Performance/Konzerten auch für diejenigen Fenster öffnet, die sich mehr auf der Seite der HörerInnen wohlfühlen.

Am Donnerstag Abend ab 20:00 Uhr gibt es ein micro.fm-Konzert mit Tetsuo Kogawa in der C-Base und am Freitag dann ab 21:00 Uhr im M12 eine grosse Radioparty mit den Beteiligten. Kurum: So Zeit und Gelegenheit, empfiehlt es sich tatsächlich, mal wieder Plan B. zu aktivieren...

Von miss.gunst am 31.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.10.07

radiovisionen @ tesla b.

ravi2_ksw.gifVon den Radiovisionen im Tesla Berlin war hier vor Längerem schon einmal etwas zu lesen - in diesem Monat gabs nun nochmals einen ganzen Schwerpunkt zum Thema, sozusagen auf allen Kanälen.
Ausser per (Web-)Radio. Leider. Denn mangels Zeit und Gelegenheit für Berlin-Exkursionen ist das Ganze an uns weitegehend vorübergegangen.

ravi2_g.gifNur für den Fall, dass jemand vor Ort sein sollte: Heute (Di. 30.10.07) ab 20:00 Uhr gäb's noch mal eine Chance, nachzufassen.
Da werden nämlich bbm, also die Beobachter der Bediener von Maschinen, zum Gespräch in den Tesla Klub einladen.

Und in diesem Zuge vermutlich auch über das Wochenende berichten, an dem sie ein Gruppenexperiment zu einem unserer Leib- und Magenthemen, nämlich dem Mental Radio veranstaltet haben. In Theorie und Praxis sozusagen. Bei dem wir nun wirklich aus bekannten, guten Gründen nicht mal geistig dabei sein konnten - sprich: eben selbiges Wochenende gehörte selbstredend (nicht nur in Gedanken, aber eben auch) dem SHIFT-Festival*.

Soweit, so eilig... und bei Gelegenheit sicher noch den einen oder anderen Zettelkasteneintrag - denn Radiovisionen im Allgemeinen wie auch speziell das mentale Senden behalten wir natürlich auch weiter im Blick. Auf dem einen oder anderen Kanal...

* Bei dieser Gelegenheit: Grand Merci an die Festival-BloggerInnen für den netten Link zurück - und herzliches Winken vice versa!

Von miss.gunst am 30.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.10.07

read this book (shift ff.)

rdb_ksw.gifVom SHIFT Festival gäbe es eigentlich nur Gutes zu berichten, was den Anlass als solchen betrifft. Allerdings wurden die Angebote, sich auf denkbar vielfältige Weise mit unterschiedlichen Aspekten des Themas "Access" zu beschäftigen, teilweise wohl allzu wörtlich genommen.
Mindestens im Fall der Installation, die ubermorgen.com in der Ausstellung zu ihrem gemeinsam mit Alessandro Ludovico und Paolo Cirio realisierten Projekt "amazon noir" eingerichtet hatten.

rdb_g1.gifIn der wurde nämlich - als greifbares Ergebnis einer beispielhaften Realisation des "amazon noir"-Prinzips, das mittels gezielter Datenbankabfragen die Vollkopie jener Bücher ermöglichen soll, in die amazon über die "search inside"-Funktion eigentlich nur einen sneak preview geben will - ein Exemplar von Abbie Hoffmans legendärem Paperback "Steal this Book" präsentiert. Und das wurde während der Eröffnung schnöde entwendet.

Dabei handelte es sich bei besagtem Exemplar in der Tat um ein ganz besonders wertvolles Einzelstück, um nicht zu sagen: Original. Denn es war weder auf gewöhnlichem Wege erworben, hergestellt oder auch nur kopiert worden - sondern eben das Ergebnis einer bewussten Überschreitung, bei der sein Titel unter den Vorzeichen der Kunst in die Praxis umgesetzt wurde.
Wie, erläuterte Alessandro Ludovico selbst in seiner Präsentation des Projekts beim SHIFT-Festival. Welche sich - für alle, die nicht dabei sein konnten - mittlerweile ausschnittweise auch noch einmal im bereits aus guten Gründen wärmstens empfohlenen SHIFT Festival Blog als mp3 ins Netz gestellt findet.

Dagegen lässt sich die Entwendung des Exponats (soweit nicht ihrerseits eine konzeptbasierte Aktion, die in diesem Bereich natürlich auch hin und wieder vorkommen kann - zumal, wenn es darum geht, weitere Aufmerksamkeit für ein Projekt zu generieren) kaum als besonders kunstvoll bezeichnen. Ins Thema fügt sie sich allerdings auch insofern, als sie direkt vor Augen führt, wie es sich anfühlt, wenn Kulturgut unversehens nicht (mehr) greifbar ist. Und wie glücklich man dann sein kann, wenn man wenigstens noch über eine Kopie bzw. Kopiervorlage verfügt.

rdb_g2.gifWas aber das Buch von Abbie Hoffman und seine Botschaft betrifft - ein Manifest der DIY-Ökonomie, das diese zugegebener Massen sehr stark mit einer Haltung des "Woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" verknüpft sowie hierfür einige praxisbezogene Hinweise gibt:
Ausgerechnet hier lange Finger zu machen, mag zwar "passend" wirken, ist mit Blick auf die Ausstellung alles andere als fair - und auch mit etwaigem Bildungsnotstand nicht zu rechtfertigen. Abgesehen davon, dass man es im Nachdruck mühelos für vergleichsweise wenig Geld im Buchhandel erwerben kann, lässt sich nämlich auf eine autorisierte, frei zugängliche Netzausgabe verweisen.

Und dass es auf diese Weise greifbar ist, dürfte wohl das Entscheidende sein. Schliesslich gilt gerade für Bücher nach wie vor: Viel, viel wichtiger als sie zu besitzen, ist - sie zu lesen.

[Bildchen: Ja von wegen unendliche Reproduzierbarkeit im Zeitalter digitaler Technologien resp. Zeichenhilfen. Auf dem einen oder anderen Wege kommts nämlich dann doch früher oder später zum Informationsverlust. Und sei's nur aufgrund der mangelnden Fähigkeit menschlicher Optik zur Makroskopisierung des Miniaturisierten.]

Von miss.gunst am 28.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.10.07

shift am start

sh07p_ksw.gifFür das SHIFT Festival, das gestern in Basel die Pforten öffnete, haben wir eigentlich schon weidlich auf verschiedenen Kanälen geworben (ja, natürlich auch auf diesem).
Besser einmal zu viel als einmal zu wenig?

sh07p_gk.gifKein Problem, zumal uns das Schwerpunktthema "Access" ja sowieso interessiert - nicht zuletzt mit Blick auf die nahende interfiction, die sich ja mit ganz verwandten Fragen beschäftigen wird.

Nur muss für heute wegen Hochbetrieb auf allen Baustellen erst mal bei einem kurzen Winken bleiben. Und der schlichten Empfehlung, sich schleunigst an den Ort des Geschehens zu begeben.

Der wir nach Möglichkeit natürlich auch noch folgen werden. Wenn's sich zeitlich ausgeht, selbstredend auch mit dem einen oder anderen Bericht - indes derweil alternativ zum Mitlesen einfach mal der SHIFT Festival Blog empfohlen sei...

Von miss.gunst am 26.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.10.07

mix, burn & r.i.p.

cdb_ksw.gifWenn wir schon bei der Literatur zum Thema (no) copy sind, darf natürlich auch dieses Buch nicht fehlen:
"Mix, Burn & R.I.P." von Janko Röttgers - und da steht nun wirklich drin, was draufsteht.
Wobei mehr die beiden Wörtchen vor dem Verknüpfer die Prozesse benennen, die zum im Untertitel schon mal prospektiv beschworenen "Ende der Musikindustrie" führen können.

Wohingegen das "R.I.P" zwar wohl kaum ganz unbeabsichtigt von nicht des Lateinischen Mächtigen erst mal als "Rip" (also als Knacken und Wandeln eines Tonträgers in digital übertragbare Files) gelesen werden kann - aber eigentlich besagtem bzw. beschworenem Ende bereits die letzten Weihen gibt, indem ein "Ruhe in Frieden" hinterher geschickt wird.

cdb_g.gifErschienen ist Röttgers Beitrag vor vier Jahren als telepolis-Buch beim dpunkt-Verlag - und so muss man feststellen: Eingetreten ist diese Prognose noch nicht. Lesenswert ist es gleichwohl nach wie vor. Allein schon aus historischen Gründen, weil es keineswegs unkritisch - also ohne in den Ton der Heldenlegenden zu fallen - die Geschichte der ersten Musiktauschbörsen erzählt und natürlich auch den Niedergang von Napster beschreibt, sowie die seither mit immer härteren Bandagen geführten Auseinandersetzungen um P2P Filesharing in diesem Bereich informiert.

Und der am Ende von verschiedenen Experten gegebenen Ausblick in die Zukunft lässt sich einerseits eben auch im historischen Kontext lesen. Mal abgesehen davon, dass im "Club der Visionäre" (so der Kapiteltitel) wohl keiner ernsthaft den Nostradamus spielen will.

Ansonsten gilt eigentlich fast das gleiche wie im Fall von "no copy": Auch Röttgers hat sein Buch zum freien Download ins Netz gestellt - lesen lässt sich's dennoch viel bequemer auf Papier.

Surplus auf den Webseiten wiederum ist Röttgers Blog zum Thema. Zwar datiert die derzeit letzte Aktualisierung mittlerweile schon ein paar Monate zurück, in den Juni. Ist aber als Mitteilung vielleicht doch sogar historisch interessant. Engadget, heisst es dort, plane eine Musikdownload-Plattform, die sich allein über Werbung finanzieren soll. Klingt gut? Nunja. Mindestens mal eine gute Gelegenheit, sich selbst zu fragen, ob man lieber für die Musik zahlen oder Werbung ertragen will.
[Beiseit: So lang die sich noch weitgehend auf Formate beschränkt, die sich bequem vom Schirm wischen bzw. aus dem Browser blenden lassen, mag man derlei Überlegungen noch aufschieben. Aber was wäre wenn? Eben.]

[Bildchen: CDs brennen leicht gemacht. Wie so oft, dank grosszügiger Materialspenden aus den Wikipedia Commons - den Lizenzen für die schimmernde Scheibe wie auch die prächtig lodernden Flammen folgend verneigt sich auch diese Produktion vor dem grossen GNU]

Von miss.gunst am 24.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.10.07

no copy

Allein schon, weil sich die Titel fast spiegelbildlich entsprechen - aber eben auch insofern, als beim copy!07-Festival laut Ko-Kurator Purkathofer im gestern verankerten Interview entsprechende Diskussionen bewusst aussen vor gelassen werden sollten, bietet sich bei dieser Gelegenheit an, für Letztere auf eine einschlägige Lektüre zu verweisen:

"NO COPY - Die Welt der digialen Raubkopie" heisst das Buch - was zunächst einmal ja eigentlich ganz nach einer Gegenthese zum auffordernden "copy!" der Zürcher klingt. Wenn nicht gleich nach einer Art Hexenhammer der Software-, Musik- und Filmindustrie.

crl_g1.gifber dieser Eindruck verdankt sich wohl eher dem klassischen Hackertrick, mit einem simulierten Schlüssel zu winken bzw. funktioniert wie die gute alte Kommunikationsguerilla-Maskerade.

Zwar geht es in der Tat um eine problemorientierte Einführung in besagtes Gegenstandsgebiet. Doch von einer Parteinahme für die Vertreter des Schlachtrufs "No Copy!" kann nun wirklich nicht die Rede sein (mal ganz abgesehen, dass etwas anderes als Kopien ja auch dann nicht zu haben ist, wenn man Software oder elektronische Musik auf CDs bzw. Filme oder Spiele auf DVDs erwirbt).

Vielmehr versuchen die beiden Autoren Jan Krömer und Evrim Sen - beide, insofern Szenekenner, sozusagen auf ihre Weise vom Fach (von Sen dürfte der eine oder die andere schon das Buch Hackerland gelesen haben) - die Entwicklungsgeschichte und die Hintergründe der Auseinandersetzungen an den nach wie vor denkbar hart konturierten Frontlinien einer mit allen Mitteln (und zuweilen ohne Rücksicht auf Verluste) geführten Schlacht ums digitale Buffet zu schildern.

crl_g2.gifNetterweise haben sie nicht nur das gesamte Buch unter cc-Linzenz ins Netz gestellt, sondern bieten auf der zugehörigen Webseite auch einiges zusätzliche Material zum Thema.

Was aber umgekehrt nicht davon abhalten sollte, die 2006 beim Tropen-Verlag erschienene gedruckte Version zu erstehen. Denn die liefert als Erzeugnis der Gutenberg-Ära (die bekanntlich auf ihre Weise nicht weniger von wirtschaftlichen und ideologischen Auseinandersetzungen um mit Autor- und Herausgeberschaft verbundene Privilegien bzw. etwaigen hieraus ableitbaren Besitzansprüchen geprägt war und ist) einen eigenen Mehrwert. Und der bezieht sich nicht nur auf gemütliches Im-Bettchen-Lesen (manche nehmen ja eh längst ihren Laptop mit in die Kissen). Der kognitiv durchaus relevante Konnex zwischen Hand und Wort lässt sich nämlich nach wie vor am besten im Umgang mit dem guten, alten, geduldigen Papier herstellen.

[Bildchen: Da sich das CC auf den NO COPY-Seiten nur auf den Text und nicht auf die Bilder bezieht, haben wir auf eine Wiedergabe des Buchtitels verzichtet. Und statt dessen einfach sinngemäss selbst die Kommentkämpfe zwischen dem einen und dem anderen Zugang zum Kopieren imaginiert...]

Von miss.gunst am 21.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.10.07

copy? (copy!07 festival ff.)

cfz07n_ksw.gifIn Zürich läuft nach wie vor das copy!07-Festival. Dessen weidlichen Besuch wir natürlich nicht von ungefähr wärmstens empfohlen haben bzw. nach wie vor empfehlen. Rundherum.
Zum Wochenende hin scheint es allerdings dann doch weniger ums kreative Basteln rund um die Originalkopie zu gehen, sondern tendenziell mehr Showtime, Perfomance und Party angesagt zu sein.

Was hier im Log wiederum Gelegenheit bietet, ein bisschen Richtung Metaebene zu schauen.

Wer sich mit Blick auf die Programmatik einerseits und das Programm andererseits vielleicht auch schon sachte gefragt hat, wie sich beide eigentlich zueinander verhalten (etwa: wollen die Performances nicht nur an- sondern auch abgeschaut werden?), wird sicher das Interview lesenwert finden, das Chris Köver für das (Web-)Magazin Zünder der ZEIT mit Mario Purkathofer - wildprovider- und dock18-Aktiver sowie eben Co-Kurator des Festivals - geführt hat.

cfz07n_g.gifNicht, dass das dort Gesagte alle Reibungswiderstände wegschmirgeln würde (dürfte auch weder möglich noch beabsichtigt sein). Und noch weniger wollen wir behaupten, dass wir mit allem so einfach einverstanden wären: So hat beispielsweise das angesprochene Prinzip der Wertsteigerung durch Verknappung zweifelsohne Tradition und funktioniert. Aber ob man es deshalb ohne Not freudig übernehmen muss bzw. ob sich hierzu keine vernüftige Alternative finden lässt, das steht doch noch mal auf einem ganz anderen Blatt.

Dennoch: Die Lektüre lohnt, und sei's nur, um sich weiter Gedanken um ungelöste Probleme zu machen. Was ja niemanden vom freudigen Festivalfeiern (und -kopieren) abhalten muss...

[Bildchen: Ja, eben. Drum. Einschlägigen Aufforderungen folgend auch hier ganz einfach superkreativ die Kopien nochmals durch den Kopierer geschickt...]

Von miss.gunst am 19.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.10.07

vinylnegative (mehr share ff.)

mlpn_ksw2.gifGeht nicht? Gibts nicht? Mais oui, und wie. Was sich heute im Rahmen des Copy!07-Festivals in Zürich sogar studieren lässt: Die hohe Kunst der Vinylkopie.
Und zwar ganz ohne Digitalisierung.
Statt Rip-Mix-Burn wird nämlich - sic! - geklebt.

Auf dem Programm steht dort nämlich für diesen Dienstag ein grosser DIY-Copyshop mit einer ganzen Reihe von Workshops. Samt und sonders spannend sowie einer Vorstellung in eigenen Einträgen wert - die wir hier im Log.Buch nicht alle auf einmal unterbringen können.

Deshalb wird erstmal derjenige vorgestellt, der vor der Hand vielleicht nicht unbedingt das vermittelt, was man gemeinhin unter "nützlichem Wissen" in Sachen passgenauer Vervielfältigung von Daten(trägern) versteht. Dafür aber um so originellere Ergebnisse zu zeitigen verspricht.

mlpn_g3.gifGeleitet wird er von dem in Genf beheimateten Künstler Frédéric Post (hat anscheinend keine eigene Heimseite, dafür aber gibt es ein ziemlich gut aussgestattetes Dossier, das anlässlich einer Ausstellung des Kunstraums EVERGREENE angelegt worden ist).

Post verfolgt nämlich seit einiger Zeit ein Projekt namens "Miracol": Mithilfe von Kleber werden Negativ-Abdrücke von Schallplatten hergestellt. Was natürlich dann auch bedeutet, dass die weissen Klebstoff-Geisterscheiben, so sie als Tonträger zum Einsatz kommen, gänzlich anders klingen.
Aber wie? Rückwärts? Oder wie sonst klingt eine spiegelverkehrte Plaste-'Schellacke'?

Wird man wohl heute Nachmittag in der Tonimolkerei testen können, wo der DIY-Copyshop ab 16:00 seine Tore öffnet und zum Mittun lädt.

Wer sich auf Posts Miracol-Lektionen schon mal theoretisch vorbereiten will: Über das erwähnte Dossier gelangt man auch an ein pdf zu den mirakulösen disques en colle.

[Bildchen: Hier haben wir es uns mal wieder ziemlich bequem gemacht. Vinyl-Negative hatte es nämlich schon im hauseigenen Archiv. Allerdings keine analogen - sondern lediglich in schnöder Digitalkopie - angefertigt seinerzeit in Hommage an ein durchaus ähnliches Projekt, die gefrorenen Schallplatten von Claudia Märzendorfer. Und damit das Ganze nicht langweilig wird, haben wir sie zur Feier des copy!07-Fests gleich nochmal kopiert...]

Von miss.gunst am 16.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.10.07

share is in the air (copy festival)

cfz07_ksw.gifLetzten Herbst glänzte Zürich mit dem netlabelfestival (natürlich auch in diesem Log seinerzeit weidlich bejubelt) - dieses Jahr wird gleich noch eins draufgelegt und das Teilen als Kulturtechnik schlechthin gefeiert:
"share is in the air!" ruft das Copy Festival 07, das ab heute (15.10.) Abend eröffnet wird.

cfz07_g.gifUnd zwar mit einer Party in der Boschbar (Sihlquai 240), wo ab 22:00 Uhr Tim & Puma Mimi von alpinechic vorstellen werden, was sie unter einem Remote Konzert verstehen. Sowie garantiert auch demonstrieren, dass sich dieses Format bestens eignet, um zünftig in die Festivalwoche hineinzufeiern.

Wer sich im Vorfeld schon mal die Ohren anwärmen will, aber nichts von den beiden daheim hat, muss übrigens nur mal an entsprechender Stelle auf den Labelseiten vorbeischauen. Schon kann das remote remote Konzert beginnen...

[Bildchen: Wie man eigentlich sieht, per Screenshot von den Heimseiten des Copy Festival 07 kopiert. Und zwar - um mal die erweiterte Bandbreite anzudeuten, von der es in den nächsten Tagen schon noch mehr zu berichten geben wird (aber auch, weil es ein bisschen mehr zum Stil von Tim & Puma Mimi passt) - etwa so, wie es einst auf dem Film einer Kamera gelandet wäre.]

Von miss.gunst am 15.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.10.07

... und kraut (rocks - mit WRT)

krm_ksw.gifMit Blick auf Kohlgewächse und ihre Beziehung zur Musikproduktion wäre es durchaus naheliegend, erst einmal ebenfalls an Effekte von Verdauungsvorgängen zu denken.
Aber das besagte Konzert des Ersten Wiener Gemüseorchesters konnte uns auch in dieser Hinsicht definitiv eines Besseren belehren.

Zu dessen Klassikern in Formation gehört nämlich eine Hommage an den Krautrock - was hier selbstredend wörtlich zu verstehen ist, da in diesem Fall weidlich auf Weisskohlköpfen geschrammelt wird.

krm_g2.gifAnsonsten allerdings zählt Kohl, im Gegensatz zu Bohnen bzw. ihren Kernen, selbst im Avantgarde-Sektor kaum zu den gebräuchlichen Instrumenten. Das heisst: trotz intensiverer Recherchen konnten bislang keine weiteren Hinweise auf einschlägige Verwendungen von Weiss-, Rot-, Rosen- oder Spitzkohl aufgestöbert werden. Gut, es gibt eine Sauerkraut-Partitur bei Beuys aus der Fluxus-Zeit (bei einem Konzert 1969 mit Hennig Christiansen in Mönchengladbach). Und für FreundInnen der Volksmusik sei erwähnt, dass nach gälischer Tradition die Klarinette bretonisch "treujenn-gaol" bzw. französisch "trognon d'chou", also Kohlstrunk benamst zu werden pflegt.

So spärlich bis hierher die Referenzen, so satt schallt es uns demgegenüber natürlich entgegen, wenn wir uns dem weiten Feld des Krautrock zuwenden, der ja gerade in jüngster Zeit wieder so etwas wie ein Revival erfahren hat. Grad unter den Weblinks des Wikipedia-Eintrags eräugt: Siehe da, es gibt sogar eine ganze Krautrock-Welt mit eigenem Krautrock-Webradio.

krm_g3.gifDas wiederum erinnerte das Medium an eine schon mal nebenbei erwähnte Sendung auf resonance fm, nämlich Kosmische (traditionellerweise jeden Freitag) - aber auch daran, dass der vor langer Zeit mal eigens vorgestellte, ebenfalls eine Sendung auf resonance unterhaltende Sound Projector diesen Sommer ein e-book zum Thema, nämlich das Krautrock Kompendium herausgegeben und ins Netz gestellt hat. Welchselbiges bei dieser passenden Gelegenheit ja getrost etwaigen Krautrock-Fans unter der geneigten LeserInnenschaft ans Herz gelegt werden kann.

Na also. Gab ja doch ein bisschen Stoff in Sachen Kohl. Den wir im Winter zumal auch gern auf dem Teller haben respektive kochen...

[Bildchen: Kraut rocks? Also das hier sind jedenfalls Kraut-Rocks. Oder was auch immer herumkommt, wenn man Sauerkraut (sic!) digital versteinern lässt. Dann noch mit Boxenmembran schallverstärkungstauglich gemacht. Das Bastelmaterial verdanken wir dem GNU, also gehören auch diese Scheusale dazu.]

Von miss.gunst am 14.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.10.07

besonders bohnen...

mjb_ksw.gif... eignen sich bestens zum Musizieren. Und mitnichten nur so, wie es eine alte Küchenweisheit mit Blick auf Hülsenfrüchte kolportiert ("jedes Böhnchen gibt ein Tönchen", so Grossmuttern selig).
Geschüttelt (nicht gerührt) sowie zuvor selbstredend in ein geeignetes Gefäss verbracht, sind Bohnenkerne bekanntlich ein in gut sortierten Haushalten stets zuhandenes Basiselement für selbstgebastelte Rhythmusinstrumente.

Nicht zu vergessen die ohrschmiegsamen Geräusche, die handelsüblichen Bohnensäcken zu entlocken sind, wenn man mit einer zweckdienlichen Gerätschaft (etwa einem Kochlöffel) über sie streicht oder wahlweise auch auf sie eindrischt.

mjb_g1.gifAber das ist noch längst nicht alles. Tatsächlich hat Mutter Natur in Sachen Musikalität der Bohne noch eine weitere Option in der Hinterhand, die sich insbesondere für experimentellere Produktionen anzubieten scheint. Nämlich mit den so genannten Mexikanischen Springbohnen.

Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine selbstbewegende Spezies. Vielmehr wird den Kernen gemeiner Bohnenpflanzen [Himmel, von wegen Bohne:] Früchten der so genannten "Springbohne" - eigentlich eines schnöden Wolfsmilchsgewächses namens Sebastiania pavoniana - durch Parasiten auf die Sprünge geholfen: Motten legen ihre Eier in ersteren ab, und sobald die Larven sich im Inneren kräftig gefuttert haben, bringen sie mit ihren Windungen auch das Früchtchen auf Trab.

Die mexikanische Spezialität erfreut sich im angloamerikanischen Raum schon länger als Exportprodukt einiger Beliebtheit - offenbar, weil manche Menschen die Springbohnen als leicht handhabbaren Haustierersatz mit begrenzter Mindesthaltbarkeit (die geschlüpften Motten leben nur wenige Tage und gehen anders als ihre ArtgenossInnen auch nicht auf Kleider aus), aber hohem Possierlichkeitsfaktor ("es hüpft, es hüpft") schätzen.

mjb_g2.gifEben diese Mobilität macht die mexikanischen Springbohnen nun auch geeignet zur Klangproduktion - klar, sie können sozusagen von selber rasseln, einen geeigneten Resonanzboden vorausgesetzt.

Für einen solchen sorgte beispielsweise der niederländische Komponist und Klangkünstler Paul Panhuysen (dem einen oder der anderen sicher auch Gründer/Beitreiber von Het Apollohuis bekannt), der 1999 einen ganzen Tonträger mit Springbohnensounds produzierte - in welchselbigen man, dem in diesem Log nicht von ungefähr schon häufiger verankerten Klangbeutel sei Dank, in dessen 121. Ausgabe auch hineinlauschen kann.

Diejenigen, die regelmässig in Zürich unterwegs sind, werden sich zudem auch an Peter Coffin erinnern, der letztes Jahr im Rahmen der Ausstellung "While Interwoven Echoes Drip into Hybrid Body" seine Installation ohne Titel (bzw. "Symbiotic Relationship/Dance Party", 2003) zeigte, bei der sich besagte Springbohnen auf einem Trommelfell tummeln durften [Bildchen dazu findet man über die entsprechenden Seiten im Ausstellungsarchiv des migros museums; mehr zur Ausstellung auch im Artikelarchiv des Kunst-Bulletin).

mjb_g3.gifSpringende, klingende Bohnen gab es übrigens auch gestern Abend beim aus guten Gründen empfohlenen Konzert des Ersten Wiener Gemüseorchesters im Rahmen der Frankfurter Sónar Nits.
Allerdings handelte es sich hier nicht um mexikanische Larven im Bohnenpelz, sondern um ganz gewöhnliche Sau- und Feuerbohnenkerne, die gegen Ende der vegetabilen Version von Strawinskis "Sacre du printemps" eine mit Verstärker versehene Holzrampe herunterkullern durften.

Letzteres übrigens insgesamt eine (erwartungsgemäss) grossartige und auch in jeglicher Hinsicht erfrischende Angelegenheit - nicht nur dank von der Bühne gen begeistertes Publikum ziehender Rettich-, Kohl- und Paprikasaftschwaden. Sowie eben durchas inspirierend, was Einträge in den Zettelkasten dieses Logs betrifft...

[Bildchen: Ja genau, das sind die besagten Bohnen. Oben links und unten rechts Trophäen vom Konzert des des Ersten Wiener Gemüseorchesters; und dazwischen geschmuggelt die ebendort, weil die Wiener ja rein vegetarisch arbeiten, nicht präsenten mexikanischen Musiker-Kolleginnen und Kollegen - für die wie so oft ein Dank an die Wikipedia Commons-Spender geht.]

Von miss.gunst am 12.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.10.07

selber machen und essen (sónar nits)

goi_ksw.gifKlingt nach Kochkurs, oder? So ganz falsch ist die Assoziation nicht - schliesslich heisst die Veranstaltung, die für den heutigen Donnerstag Abend (11.10.07) mindestens denen wärmstens ans Herz gelegt werden soll, die anlässlich der Buchmesse oder sowieso in Frankfurt weilen,"COOKING & DO-IT-YOURSELF".

goi_g2.gifZudem will ja erst einmal etwas zubereitet werden, bevor Suppe gefasst werden kann. Und das darf wiederum durchaus beim Wort genommen werden, auch wenn es sich in diesem Fall primär um musikalische Leckereien handelt.
Denn diese handeln teils von Essbarem - teils werden sie sogar direkt mithilfe von Nahrungsmitteln produziert:

Im Rahmen der Sónar Nits, deren Gastspiel in Frankfurt dem diesjährigen Katalonien-Schwerpunkt der Buchmesse zu verdanken ist, gibt sich heute nämlich das Erste Wiener Gemüseorchester die Ehre (welchselbiges nicht von ungefähr längsthin mit einem eigenen Eintrag im Zettelkasten verankert worden ist).

Ob DIY-Orchester bzw. Instrumentenbastelspezialist Cabo San Roque dazu passend vor allem mit Küchengeräten (Brot- statt Waschmaschinen beispielsweise) musiziert, ist im Vorfeld schwer zu sagen; aber wer ihn noch nicht kennt, sollte sich unbedingt die auf seiner MySpace-Seite kredenzten Kostproben zu Gemüte führen, so es noch einer Anregung des Appetits bedarf.

goi_g1.gifMit Matthew Herbert gibt es dann noch einen echten Experten in Sachen gepflegter Esskultur - denkt man an seine als Radio Boy publizierten sonischen Reflexionen über die Mechanics of Destruction einer bekannten Fast Food Kette oder sein Projekt Plat du Jour.

Ach ja - gekocht wird übrigens tatsächlich auch. Nicht mit Ferran Adrià - aber von einem anderen katalanischen Kollegen, nämlich Jordi Vilà. Da gehts dann aber nicht so sehr ums Selbermachen - allenfalls ums selber essen resp. den gepflegten genussvollen Verzehr.

Das nicht eben Unwichtigste noch zum Schluss: Die Sónar Nits zur Frankfurter Buchmesse finden seit gestern und noch bis einschliesslich Samstag allabendlich im TAT an der Bockenheimer Warte statt; ein jeder Abend ist einem speziellen Thema gewidmet: Gestern war ACTION, morgen ff. gibt es noch WORD(s) und COLOUR(s) - jeweils mit illustren Gästen. Abendessen ab 19:30 jedoch nur auf Einladung; der konzertante Part folgt dann jeweils ab 21:30 bis in die süsse Nacht.

[Bildchen: Haben wir, unserer DIY-Neigung entsprechend, in Hommage an das Erste Wiener Gemüseorchester selbst gebastelt. Den Vorgaben der Wikipedia-Spender der Feldfrüchte entsprechend sind die Möhrenflöten unter GNU lizensiert; das Schlagwerk aus prächtigen Maiskolben verdankt sich einer Aufnahme von Johann Jaritz und kommt mit cc-by-sa.]

Von miss.gunst am 11.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.10.07

OS Embroidery

ose_ksw.gifSchliesst nachgerade nahtlos an den Eintrag zur struckmaschine an - allerdings in mancher Hinsicht komplementär:
Wieder ein Projekt, das klassische Nadelarbeit mit digitalen Technologien kombiniert, diesmal geht's (wie bei den subversive cross stitches) ums Sticken. Hier ist jedoch - wie der Name O[pen] S[ource] Embroidery schon nahelegt - die Offenlegung der Daten als positive Perspektive Programm.

ose_g1.gifAusgangspunkt der Verknüpfung analoger und digitaler Technologie sind in diesem Fall die Parallelen zwischen dem Programmieren und dem Sticken, die beide eine (mitunter mühselige) Kleinarbeit vorstellen und sich zudem auch beide nicht nur durch ein spezifisches Verhältnis zwischen dem "Quellcode" und dessen "Darstellung" auszeichnen, sondern auch die Frage aufwerfen, mit welchen Ökonomien die Offenlegung des ersteren einhergeht.

Jedenfalls meint Ele Carpenter, die Open Source Embroidery seit 2006 betreibt:

"The same arguments about Open Source vs Free Software can be applied to embriodery. The needlework crafts also have to negotiate the principles of 'freedom' to create, modify and distribute, within the cultural and economic constraints of capitalism. The Open Source Embroidery project simply attempts to provide a social and practical way of discussing the issues and trying out the practice."

ose_g2.gifWie das Ganze in die Praxis überführt wird, kann man in Ele Carpenters Blog, Ele Weekend mitverfolgen.

So gab und gibt es bislang verschiedene Open Source Embroidery Workshops, in deren Rahmen nicht nur NadelarbeiterInnen einschlägige Tipps & Tricks austauschen, sondern auch gemeinsame Projekte in Angriff genommen werden können - und bei denen eben auch mögliche Brückenschläge zum digitalen Codieren erkundet werden. Wie beispielsweise die PHP Embroidery, zu der Ian Clark einlädt.

Aktuell steht nun gerade das Teilprojekt "HTML Patchwork" im Vordergrund (und kurz vor seiner Vollendung), zu dem es sogar ein eigenes Wiki (Zugang per Click auf die Farbfelder) und eine passende Anleitung bei instructables gibt. Ziel ist es, gemeinsam ein auf den 265 websicheren Farben basierendes Flickwerk aus Stoff-Sechsecken zu erstellen, die mit den entsprechenden html-Codes bestickt sind.

ose_g3.gifDas finden wir mal eine gute Sache - zumal dabei auch jene WebdesignerInnen etwas lernen können, die grundsätzlich froh aus der gesamten Palette schöpfen und in diesem Zuge mitunter auch fahle Kontraste riskieren, die (un)dank freier Interpretationen unterschiedlicher Hard- und Software entstehen können.

Interessierte mit flinken Fingern können übrigens noch mittun und bis 05. November ein Patch zum Access Space nach Sheffield schicken, wo Carpenter gerade mit einem Projektstipendium gastiert - es harren tatsächlich noch einige Felder (vorwiegend fiesere Farben natürlich) der Übernahme einer tätigen Patenschaft.

[Bildchen: Wir basteln einen meta tag. Ziemlich mühsam (und zweifelsohne mühsamer als handcodieren) - aber wir bleiben dran. Müssen schliesslich für unser Hexadezimalformat-Hexagon üben.]

Von miss.gunst am 10.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.10.07

struckmaschine

strum_ksw.gifIst tatsächlich noch ein Nachtrag zu den Highlights der diesjährigen ars electronica. Der zwar ein wenig warten konnte, weil bereits andernorts angeschwärmt (und auch von KollegInnen wie Régine sattsam mit Text und Bild bedacht). Aber es ist eben doch ein Projekt, das unbedingt in den hauseigenen Zettelkasten gehört: Die struckmaschine.

strum_g1.gifBei selbiger handelt es sich, wie es der Wortlaut schon nahe legt, im Grunde um eine Strickmaschine. Jedoch um eine ganz spezielle - nicht nur, weil sie (bislang jedenfalls) ausschliesslich schicke Schals mit einem Muster aus kleinen Geistern produziert, wie sie weiland vom gefrässigen Pac-Man durchs Labyrinth gejagt wurden.

Diese Schals kann man nicht nur kaufen, sondern muss das auch selber tun. Und zwar per Kreditkarte. Klingt komisch? Ist aber logisch bzw. essentieller Teil des Konzepts. Denn bei der Strickware handelt es sich tatsächlich um eine individuelle Anfertigung, die das Prinzip des "customizing" direkt mit der Kartenzahlung kombiniert: Die eingelesenen Kreditkartendaten werden in Code umgesetzt und bestimmen Anzahl und Folge der Geister, die nach dem Scan des so entstandenen Musters dann von der Maschine in Maschenmode materialisiert werden.

strum_g3.gifIndes belegte die lange Schlange der zahlungsfreudigen AnwärterInnen auf die schicken Schals, dass in Zeiten omnipräsenter E-Cash-Zahlung (von anderen Karten ganz zu schweigen) mit persönlichen Daten recht bedenkenlos verfahren wird - zumal wenn eine leckere Verlockung winkt.
Wiewohl die Geister, die in diesem Fall gerufen werden, wirklich niedlich sind: Schon ein wenig unheimlich, oder?

strum_g2.gifDoch genau darum, solche Überlegungen anzustossen, geht es Fabienne Blanc und Patrick Rüegg bei ihrem an der FHNW Aaarau entwickelten Projekt durchaus auch. Na, umso besser, wenn man auf so bestrickende Weise nicht nur mit seinen persönlichen Daten warm werden kann - sondern auch mit ziemlich wichtigen Fragen rund um deren Schutz.

[Bildchen: Die struckmaschine, ihr Strickwerk und seine LiebhaberInnen kann man eigentlich nebenan bereits bestens bewundern. Darum hier mehr ein Auge auf die Mustererkennung. Die direkt gescannten Maschen - ja, so liefe nämlich dann auch vergleichsweise leichter Hand die Dekryptisierung - stammen von einem kleineren Stück, das dem Medium netterweise als Präsent überlassen wurde. (S)einen ganzen Datensatz gab es nämlich, aller Begeisterung zum Trotz, nicht her. Dafür, für die anderen beiden Aufnahmen und überhaupt ein Grand Merci ans struckmaschine-Team, also Fabienne Blanc und Patrick Rüegg!]

Von miss.gunst am 08.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.10.07

ausweitung der klangzone

esswk_ksw.gifIst eigentlich schon zur ars electronica in den Kulturbeutel gewandert - wird aber aus gutem Grund erst jetzt ausgepackt:
Seit gestern lässt nämlich die "expansion sonore", die in Linz im Rahmen der Campus 2.0-Ausstellung vorgestellt wurde, vor Ort in Basel erlauschen.

Grundidee des Projekts, das von Nica Giuliani und Andrea Gsell a.k.a. île flottante entwickelt wurde: Eine Ausweitung der Klangzone - beziehungsweise die Ausdehnung des Klangraums von (Dr)Innen nach (Dr)Aussen, vom Privaten ins Öffentliche. Allerdings nicht etwa so, wie man sich einen Lauschangriff vorstellt.

esswk_g3.gif

"Aus Fassaden einzelner Gebäude wachsen an verschiedenen Orten in der Stadt kristalline Objekte, sogenannte 'expansions'. Über diese sichtbaren Schnittstellen dringen akustische Innenwelten des Gebäudes nach aussen. PassantInnen können über ihr persönliches Mobiltelefon ins Hausinnere lauschen, fantastische und wirkliche Geschichten des Gebäudes anzapfen und ein ungeahntes Innenleben entdecken.
KünstlerInnen und AutorInnen verschiedener Sparten schaffen diese Hörstücke, beleben damit die nicht öffentlich zugänglichen Innenräume mit unerwarteten, imaginären Bildern und lassen Orte in neuem Licht erscheinen."

In Basel wird das Projekt in zwei Phasen realisiert; am gestrigen Freitag (05.10.) eröffenete die erste mit Beiträgen von Roland Unterweger, Timo Kröner, Iris Rennert & Oliver Friedli sowie Knut & Silvy.
Sowie mit einer kleinen Feierstunde im [plug.in], begleitet von Oliver Hagmann (treuen LeserInnen nicht nur als Musiker und DJ, sondern auch als Mitbetreiber des netlabels interdisco bekannt)- der wiederum mit einem Beitrag in der zweiten Phase des Projekts vertreten ist. Diese wird vom 27.10.07 bis 18.11.07 an vier weiteren Orten im Stadtraum zu erkunden sein, dann ausserdem mit Manon Bellet sowie Esther Hiepler & Max Philipp Schmid (und Knut & Silvy sind weiterhin mit von der Partie).

esswk_g4.gifUnd schliesslich gibt es anlässlich des SHIFT Festival am 25.10. nicht nur neben den Stationen der ersten Phase noch eine weitere, für die Hildegard Spielhofer verantwortlich zeichnet. Sondern praktischerweise auch Elektrobikes auszuleihen, damit auch temporäre BaselbesucherInnen neben dem eh schon recht reichhaltigen Festivalprogramm eine realistische Chance haben, sich auf dem Weg zu den vertreuten Kleinodien zu machen.

Aber keine Sorge: Dafür, dass das Ganze nicht in unzeitgemässes Ostereiersuchen ausartet, ist gesorgt. Auf den "expansion sonore"-Projektseiten hat es einen Orientierungsplan.

[Bildchen: Tja. Die Klangstücke sind nur teils CC-lizensiert, an Fotos wollen wir da lieber gar nicht erst denken - zumal sich die Hauptsache ja sowieso nicht ab-bilden lässt. Insofern die Kristallklangexpansion, wie so oft, frei assoziiert - und aller Dank gebührt Halvard Hatlen aus Norwegen, der den Wikipedia Commons und der Public Domain einen wunderschönen Bergkristall spendete.]

Von miss.gunst am 06.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.10.07

international sputnik day (WRT)

isd_ksw.gifWenn Weggefährten Geburtstag haben, muss natürlich zünftig gefeiert werden. Auch wenn jener Jubilar, um den es in diesem Fall geht, seinerzeit angeblich bei BewohnerInnen in der westlichen Hemisphäre erst mal eher Angst und Schrecken ausgelöst haben soll.
Aber das ist wohl sowieso ein Mythos.

Denn als Sputnik, genauer gesagt: Sputnik I am 04. Oktober 1957 fröhlich fiepend seine erste Runde um die Erde drehte, war die sowjetische Satellitenkugel wohl vor allem der US-amerikanischen Konkurrenz ein Ärgernis. Nun gab es zu Hochzeiten des Kalten Krieges mit Blick auf die damit eröffneten Möglichkeiten der Raketensteuerung durchaus auch Gründe, etwas ängstlicher Richtung Osten zu schauen. Sicher aber noch bessere, entsprechende Ängste zu schüren.

isd_g.gifSoweit es den überlieferten Dokumenten zu entnehmen ist, scheinen die meisten Menschen vor allem anderen fasziniert gen Himmel geblickt zu haben, wo Sputnik natürlich nur als kleiner blinkender Punkt zu erkennen war. Schliesslich handelte es sich hier vor allem um eins: Eine echte Pionierleistung in Sachen Raumfahrt.

Und die hat den Kalten Krieg eindeutig überlebt - wie sich just in diesen Tagen zeigt, in denen sich die "Eroberung des Weltraums" durch eine kleine silberfarbene Kugel zum fünfzigsten Mal jährt.

Artikel mit Gratulationen gibt es allenthalben zu lesen (beispielsweise in telepolis, in der ZEIT und in der NZZ, um nur mal ein paar deutschsprachige Medien zu verankern). In der Sternwarte Bochum ist eine Sonderausstellung namens "50 Jahre Sputnik" zu sehen.

Vor allem aber wird der International Sputnik Day begangen.
Francis Hunger - Künstler, Kurator am Hartware MedienKunstVerein Dortmund und seit einiger Zeit Herausgeber der Sputnik Gazette (deren Abonnement wir bei dieser Gelegenheit wärmstens empfehlen wollen) - hat ihn organisiert und für den heutigen Donnerstag inklusive der Nacht auf den Freitag zusammen mit internationalen MitstreiterInnen ein reichhaltiges Programm für die Geburtstagsfeier zusammengestellt.

isd_g2.gifDa Sputnik selbst bekanntlich durch seine Funksignale mit der auf dem Erdboden harrenden Menschheit kommunizierte, lassen sich natürlich auch die GratulantInnen nicht lumpen und senden ihrerseits fleissig in die unendlichen Weiten des Weltraums Netzes.

In diesem Sinne: Völker Sputnik-Fans, höret die Signale! Und fiept gegebenenfalls mit...*

* Ja, auch das treue Medium hatte eine GUNSTradio-Sondersendung vorbereitet. Ob die zur vorgesehenen Stunde gestreamt werden kann, steht jedoch noch in den Sternen. Mindestens wird es aus äusserst irdischen, immerhin passenderweise: verkehrspolitischen Gründen nicht die abendliche Live-Sendung geben können. In jedem Fall wird die Radio-Séance für Sputnik aber in der nächsten regulären GUNSTradiosendung am Freitag, 19.10.2007 von 14-15 Uhr auf RadioX/Frankfurt ausgestrahlt. Und via Webstream WWW-weit zu empfangen sein

[Bildchen: Logo des International Sputnik Day - Merci an Francis, sowieso!]

Von miss.gunst am 04.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.10.07

happy happy robot

poro_ksw.gifErinnert sich noch jemand an den "Sad sad robot", der Ende 2005 vom zum Jahreswechsel kredenzten mp3-Mixtape winkte? Den kleinen roten Roboter, der sein rostiges Schicksal beklagte?
Nun: Eigentlich hat er doch garkeinen Grund, derart herzzereissend aufzuheulen. Ganz im Gegenteil.

Mindestens sollte man das meinen, wenn man durch die Ausstellung "Die Roboter kommen" streift, die vor einiger Zeit bereits im Berliner Museum für Kommunikation gastierte und seit gestern Abend nun in der Frankfurter Dependance zu sehen ist.

poro1_g.gifDenn einerseits kann es natürlich schon ein ganzkleinwenig melancholisch stimmen, all die wunderbaren, aufs liebevollste konstruierten bzw. gebastelten KollegInnen versammelt zu sehen.
Andererseits: Kann etwas ausgemustert werden, das doch von vornherein eher Prototyp war? Ganz zu schweigen von den spielerischen Experimenten, Phantasien und Utopien, die ohnehin ihr Eigenleben jenseits des Zweckhaften führen?

Solange es Menschen gibt, die ein Herz für Roboter haben, steht jedenfalls nicht zu befürchten, dass sich der Deckel der Kiste endgültig schliesst. Und das belegte auch die Begeisterung, mit der das lokale Publikum gestern anlässlich der Eröffnung bis spät in die Nacht durch die Ausstellungsräume streifte.

Einschlägig anfeuert übrigens nicht nur durch die Hymne vom "sad sad" bzw. "sad red robot", sondern gleich durch ein ganzes Konzert von pornophonique. Prädikat: Grossartig.
Dochdoch, dass muss einfach so gesagt werden.

Also nicht, dass wir irgendetwas anderes erwartet hätten. Aber erstens kommt die Kombi aus 8-bit, Akustik-Gitarre und (aber hallo, was für einer:) Stimme live schon nochmal direkter und schwungvoller rüber. Und zweitens ist es eben auch einfach schön, wenn man die Lieder auch mal mit anderen Fans im Chor singen kann - ohja, man kann und muss sozusagen, zumal alle grossen Hits von den pornophonikern grosszügigerweise frei ins Netz gestellt worden sind.

poro2_g.gifAusserdem gab es natürlich auch Gelegenheit, sich anschliessend zünftig um das leider in viel zu geringer Stückzahl mitgeführte pornophonique-Merchandising zu prügeln bemühen bzw. neben den liebevoll mit verschiedenen Comic-Covern gestalteten "LP"-CDs schicke Shirts zu erstehen. [Beiseit bemerkt: Geht Letzteres, heisser Tipp an alle leer ausgegangenen bzw. in der Ferne verharrenden Fans, auch online jederzeit.]

Und hernach liess sich - musikalisch zünftig untermalt von machtdose-DJ Gregor Schubert - eben um so stimmungsvoller zurück in die Ausstellung ziehen, um den dort versammelten kleinen und grösseren Roboterfreunden zu huldigen.

Soweit für heute - zur Ausstellung selbst bei Gelegenheit nochmal mehr. Aber morgen steht erst einmal gleich die nächste historische Hommage an...

[Bildchen: Ist der wunderbare sad sad sad red robot von pornophonique natürlich. Auch einen haben wollen? Geht, wie beschrieben, ganz einfach und zwar hier.]


Von miss.gunst am 03.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.10.07

Lochkameras aus Litauen

lkvil_ksw.gifWird Zeit, ein paar Dinge aus dem Kulturbeutel auszupacken, die während der Exkursion nach Litauen dort gelandet sind.
Wie beispielsweise eine zu-, jedoch unweigerlich auffällige Häufung von Lochkameras, auf die im Šiuolaikinio meno centras (kurz: ŠMC) bzw. dem Contemporary Art Centre (CAC) von Vilnius zu stossen war.

Genauer gesagt: Eine Lochkamera und eine Camera Obscura - wobei letztere bekanntermassen ja nichts anderes als eine begehbare und (in der Regel) filmlose Variante, im Grunde ein Vorläufer von ersterer ist, der es dieser allerdings seinerseits voraus hat, ein bewegtes Bild zu liefern.
[Genau, zum Thema Camera Obscura lässt sich auch das eine oder andere aus dem hauseigenen Archiv fischen.]

lkvil_g1.gifDie Besonderheit jener Camera Obscura im CAC war jedenfalls weniger, dass es sich nahe liegender Weise um eine künstlerische Variation auf das Prinzip handelte bzw. handelt, insofern die Installation von Jurgita Remeikyt? Teil einer Ausstellung namens "Among Us" mit ausgewählten Positionen zur zeitgenössischen (Foto- und Video-)Kunst aus Litauen und diese wiederum noch bis 28. Oktober im CAC zu sehen ist.

Vielmehr entpuppte sich das schwarze, rechteckige Zelt im Innenhof des Gebäudes als Multiples Bildgenerationsgehäuse. In dem (nicht nachgezählt, aber doch vermutlich:) hunderte von kleinen kreisrunden kopfstehenden Projektionen des Aussenraums überraschten.

Gern hätten wir an dieser Stelle noch ein Bildchen oder wenigstens passende Anker zu dieser Arbeit geliefert. Richtig passend schaute die (Galerie?-)Adresse www.pinhole.lt aus - die gerade aber ganz und gar unzugänglich ist. Aber vielleicht lässt sich gelegentlich noch etwas nachlegen.

Ebenfalls nicht mit Bild verfügbar, aber doch wenigstens zu beschreiben ist Lochkamera Nummer Zwei. Auch sie ist Teil besagter Ausstellung und gehört zu einer Reihe von Fotografien, die Vilma Šileikien? beigesteuert hat. Mit ihrer Serie namens "Pagaminta Lietuvoje" ("Made in Litauen", 2004/2005) dokumentiert die Künstlerin, die sonst im Museum arbeitet, Objekte, die von Menschen aus unterschiedlichen Anlässen für den Eigengebrauch oder als Geschenke angefertigt wurden; zusammen mit den Fotos werden auf kleinen Schautafeln die zugehörigen Geschichten gereicht.

lkvil_g2.gifBeispielsweise ein genähtes Schatzkästlein aus Ansichtspostkarten, mit freigeschabten Röntgenfotos als Ersatzplastikbezug verstärkt, das der Schafhirte Pranas 1960 während eines Krankenhausaufenthaltes bastelte; Fliegenklatschen aus Schuhsohlen; Spikes aus alten Büchsen, die im Winter das Ausgleiten auf eisglatter Strasse verhindern sollen (und in der Handtasche ihrer Besitzerin, einer älteren Dame, zugleich als potentielle Verteidigungswaffe gegen Diebesattacken eines alternativen Einsatzes harren).

Und eben eine kleine Lochkamera, aus einer Zigarrenkiste gefertigt.
Sie gehörte einst, wie dem beigestellten Text zu entnehmen ist, dem Künstler und Fotografen Gintautas Trimakas - der, womit sich die virtuelle Sammlung litauischer Lochkamera-Kunst gleich noch einmal erweitern lässt, seinerseits auf diese Art der Fotografie spezialisiert ist und für jedes seiner Projekte eine neue Lochkamera bastelt. Die wir hier ebenso wenig zeigen können wie das von seiner Kollegin dokumentierte Exemplar - aber immerhin sind in diesem Fall bei der Litauischen Fotografen-Vereinigung auch einige seiner Bilder zu finden.

[Bildchen: Wiedergegeben werden können aus den üblichen Gründen eben weder die litauischen Lochkameras noch ihre Bilder. Zum Ausgleich haben wir - wie so oft seufzend und stümperhaft - selbst eine Camera Obscura gebastelt. Das Panorama von Vilnius, das sie projiziert, ist sehr viel schöner allerdings auf der Fotografie zu betrachten, die Wikipedia-Spender Umnik im August diesen Jahres machte und dankenswerter Weise unter cc-Lizenz in die Commons gab.]

Von miss.gunst am 02.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.10.07

aufnahmen (recordings @ culturemachine)

vt1_ksw.gifDer Eintrag zu tapemosphere bietet eine gute Gelegenheit, gleich noch einen passenden Lektüre-Tipp zum kulturhistorischen Radius von Kassettengeschichte(n) nachzureichen.
Wie überhaupt zur Achäologie des Magnetbandmediums und anderen Techniken der Aufnahme im Zeitalter der Digitalisierung.

Und zwar ist die jüngste Ausgabe des britischen e-Journals Culture Machine - das übrgens zu den Pionieren auf diesem Feld zählt und auch generell der geneigten Lektüre anempfohlen werden kann - dem Thema "Recordings" gewidmet.*

vt1_g1.gifWie schon auf den ersten Blick dem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen, stecken die beteiligten Autoren (nein, leider keine -innen dabei) das Feld von zwei Seiten her ab: Einerseits von der aktuellen Situation, also den Potentialen der Arbeit mit digitalen Medien aus. Andererseits geht es aber eben auch um jene analogen Aufzeichnungsmedien (und -materialien) wie Vinyl und Tape, die vor diesem Hintergrund vom mehr oder weniger mählichen Verschwinden bedroht sind.

Für Vinyl scheint bislang ja eher Ersteres zu gelten; und passend lautet auch der Titel des entsprechenden Beitrags von Greg Hainge: "Vinyl is Dead, Long Live Vinyl".

Kassetten dagegen - besonders was das klassische Homerecording-Magnetband betrifft - sterben in der Tat gerade aus, wie unter anderem ja auch so manche/r, die oder der mit ihnen künstlerisch arbeitet oder einfach die eigene Sammlung pflegen will, bereits schmerzlich feststellen kann, wenn es um notwendigen Nachschub an Leerkassetten geht.

vt1_g3.gifUm so höher dürften die Herzen von KassettenfreundInnen bei der Lektüre von Paul Hegartys anregendem Essay "The Hallucinatory Life of Tape" schlagen, der eine kleine Geschichte des Mediums (wie man früher sagte: unter besonderer Berücksichtigung seiner kreativen Nutzung) erzählt.

"Put in a corner by the digital, forced to eschew the easy satisfactions of nostalgia, a complex aesthetics of decline emerges across these essays."

schreiben die beiden Herausgeber, Paul Hegarty and Gary Genosko, in ihrem Editorial.
Und treffen damit einen Nerv der Medienarchäologie auf den Punkt. Was man eben nicht nur theoretisch unterschreiben kann: Kassetten dürften für Viele in der Tat zu den Medien zählen, an denen sich heute schon ermessen lässt, wie sich dieses Verschwinden anfühlt.

* Ja, schon wieder fiese Frames - weshalb eben nur die Hauptadresse des Magazins verankert werden kann...

[Bildchen: Demonstrieren auf ihre Weise ebenfalls Zerrüttung im Zeitalter der Digitalisierung; und zwar auf der Basis einer Aufnahme von drei klassische Kassetten, die Malcolm Tyrell dankenswerter Weise den Wikipedia Commons gespendet hat. Dessen Vorgaben entsprechend steht nun tatsächlich auch der schnöde Datenstaub unter cc-by-sa.]

Von miss.gunst am 01.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)