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28.10.07
read this book (shift ff.)
Vom SHIFT Festival gäbe es eigentlich nur Gutes zu berichten, was den Anlass als solchen betrifft. Allerdings wurden die Angebote, sich auf denkbar vielfältige Weise mit unterschiedlichen Aspekten des Themas "Access" zu beschäftigen, teilweise wohl allzu wörtlich genommen.
Mindestens im Fall der Installation, die ubermorgen.com in der Ausstellung zu ihrem gemeinsam mit Alessandro Ludovico und Paolo Cirio realisierten Projekt "amazon noir" eingerichtet hatten.
In der wurde nämlich - als greifbares Ergebnis einer beispielhaften Realisation des "amazon noir"-Prinzips, das mittels gezielter Datenbankabfragen die Vollkopie jener Bücher ermöglichen soll, in die amazon über die "search inside"-Funktion eigentlich nur einen sneak preview geben will - ein Exemplar von Abbie Hoffmans legendärem Paperback "Steal this Book" präsentiert. Und das wurde während der Eröffnung schnöde entwendet.
Dabei handelte es sich bei besagtem Exemplar in der Tat um ein ganz besonders wertvolles Einzelstück, um nicht zu sagen: Original. Denn es war weder auf gewöhnlichem Wege erworben, hergestellt oder auch nur kopiert worden - sondern eben das Ergebnis einer bewussten Überschreitung, bei der sein Titel unter den Vorzeichen der Kunst in die Praxis umgesetzt wurde.
Wie, erläuterte Alessandro Ludovico selbst in seiner Präsentation des Projekts beim SHIFT-Festival. Welche sich - für alle, die nicht dabei sein konnten - mittlerweile ausschnittweise auch noch einmal im bereits aus guten Gründen wärmstens empfohlenen SHIFT Festival Blog als mp3 ins Netz gestellt findet.
Dagegen lässt sich die Entwendung des Exponats (soweit nicht ihrerseits eine konzeptbasierte Aktion, die in diesem Bereich natürlich auch hin und wieder vorkommen kann - zumal, wenn es darum geht, weitere Aufmerksamkeit für ein Projekt zu generieren) kaum als besonders kunstvoll bezeichnen. Ins Thema fügt sie sich allerdings auch insofern, als sie direkt vor Augen führt, wie es sich anfühlt, wenn Kulturgut unversehens nicht (mehr) greifbar ist. Und wie glücklich man dann sein kann, wenn man wenigstens noch über eine Kopie bzw. Kopiervorlage verfügt.
Was aber das Buch von Abbie Hoffman und seine Botschaft betrifft - ein Manifest der DIY-Ökonomie, das diese zugegebener Massen sehr stark mit einer Haltung des "Woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" verknüpft sowie hierfür einige praxisbezogene Hinweise gibt:
Ausgerechnet hier lange Finger zu machen, mag zwar "passend" wirken, ist mit Blick auf die Ausstellung alles andere als fair - und auch mit etwaigem Bildungsnotstand nicht zu rechtfertigen. Abgesehen davon, dass man es im Nachdruck mühelos für vergleichsweise wenig Geld im Buchhandel erwerben kann, lässt sich nämlich auf eine autorisierte, frei zugängliche Netzausgabe verweisen.
Und dass es auf diese Weise greifbar ist, dürfte wohl das Entscheidende sein. Schliesslich gilt gerade für Bücher nach wie vor: Viel, viel wichtiger als sie zu besitzen, ist - sie zu lesen.
[Bildchen: Ja von wegen unendliche Reproduzierbarkeit im Zeitalter digitaler Technologien resp. Zeichenhilfen. Auf dem einen oder anderen Wege kommts nämlich dann doch früher oder später zum Informationsverlust. Und sei's nur aufgrund der mangelnden Fähigkeit menschlicher Optik zur Makroskopisierung des Miniaturisierten.]
Von miss.gunst am 28.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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