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14.01.08
aufruf an anonyme zeichner
Zum Wochenbeginn in bewährter Tradition mal wieder ein Ruf - und einer, der sogar recht gut in den Fluss der aktuell verfolgten Überlegungen zu Zeichenmaschinen passt.
Nur mit Stempeln gehen bzw. Stempeln lassen ist es dabei vielleicht nicht getan.
Mindestens könnte man den Namen des Projekts so deuten, das die Berliner Künstlerin Anke Becker 2006 ersonnen hat und das mittlerweile bereits in die achte Runde geht: Anonyme Zeichner.
Mit einer Selbsthilfegruppe zum Abgewöhnen kreativer Anwandlungen hat das Ganze nichts zu tun - vielmehr handelt es sich eben um einen Aufruf, Zeichnungen einzureichen. Dies noch nicht anonym; tatsächlich sollen aus guten Gründen auf der Rückseite sogar Name und Adresse des oder der Einreichenden vermerkt werden.
Anonym ist primär die Präsentation.
Aus den Einreichungen werden nämlich dann 300 Zeichnungen ausgewählt, die - bei dieser achten Ausgabe - in den Räumlichtkeiten des Berliner Kunst- und Atelierhauses mein blau e.V. zur Ausstellung kommen. Anonym? Anonym - wenigstens, was den Modus des Zeigens betrifft.
Also: Ohne Schildchen oder andere beigegebene Informationen. Interessierte KäuferInnen sollen jedenfalls nicht nach der Signatur entscheiden - indes später die Informationen auf der Rückseite eine Zuordnung ermöglichen, wie sie sowohl für den Transfer der Verkaufssumme wie auch für etwaiges Einstreichen verdienten Ruhmes notwendig ist. Für 100 Euro jedenfalls lassen sich Blatt und Name erwerben.
Dass Zeichnungen natürlich auch so etwas wie die Handschrift des/der Zeichnenden verraten können, lässt sich zwar kaum vermeiden. Aber nicht umsonst ist es unter Kunstgeschichtsnerds ein beliebtes Ratespiel, einander Handzeichnungen vorzulegen, um dann Zu- oder Abschreibungen vorzunehmen.
Und, a propos: Den Ausschreibungsunterlagen ist kein Hinweis zu entnehmen, dass es sich wirklich um Handzeichnungen handeln muss. Anders gesagt: Mindestens vor der auswählenden Jury haben durchaus auch Zeichenmaschinchen, wohlmöglich sogar Stempelmaschinchen eine reale Chance.
Mag zwar sein, dass für Manche entsprechende Produktionen erst mit der Signatur des Kunstmaschinenkonstrukteurs zu Würden gelangen. Mindestens belegen Preise, wie sie für die Kritzeleinen von Tinguelys Méta-Matics gezahlt wurden, dass derlei der Wertsteigerung zuträglich sein kann. Und auch der gestern zur Diskussion gestellte Kniff, Kunstmaschinenkunst mit einem Stempel zu versehen, der sie nicht nur mit dem Namen eines Künstlers, sondern zusätzlich mit dem der ausstellenden Institution markiert, baut aufs klassische Wahrnemungs- bzw. Wertzuweisungsraster.
Dem gegenüber erweist sich Beckers Projekt Anonyme Zeichner - das auf seine Weise in der Tat auf eben jene Anerkennungs- und Wertzuweisungsechanismen zielt - als angenehm resistent.
Wer nun an eine Teilname denkt, findet den kompletten Aufruf mit allen relevanten Informationen auf den Heimseiten des (seit Frühjahr 2007 selbst leider ortlosen bzw. nomadisierenden) Projektraums blütenweiss, in dem auch die ersten Ausgaben der Anonyme Zeichner-Ausstellung stattgefunden haben.
Und die schauten, wie den schönen Foto-Dokumentationen ebendort zu entnehmen ist, auch wirklich lecker aus.
Was wiederum die aktuelle Ausgabe betrifft, so ist für Einreichungen noch bis zum 06. März 08 Zeit - die Ausstellung wird dann am 05./06. April bei mein blau e.V. zu bewundern sein.
In diesem Sinne: Ran an die Griffel - oder womit auch immer bevorzugt gezeichnet wird. Und wir ergänzen mal: Von wem auch immer.
Denn kleine fleissige Zeichenmaschinen sollten ja nicht von vornherein ausgeschlossen sein...
[Bildchen: Demonstriert, weshalb es selbst oder vielleicht gerade dann, wenn man nicht wirklich zeichnen kann, ziemlich schwierig ist, anonym zu bleiben. Und ergo das Engagement eines Zeichenmaschinchens mit Sicherheit die ideale Option für eine Beteiligung wäre. Oder nicht? Oja. Zwecks der Veranschaulichung unserer These sogar extra heroisch im Digitalen Analoges simuliert: Keine Ebenen, nur 'Buntstift' in einer Stärke plus hie und da ein bissel Ratzefummel. Autsch.]
Von miss.gunst am 14.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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