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29.01.08

wandelnder wald

mftmb_ksw.gifWandelnde Wälder gibt es bekanntlich nicht nur in Märchen, Legenden und Romanen wie Tolkiens The Lord of the Rings. Sondern auch im Bereich der Tarnung von Truppenbewegungen, wie sie schon Shakespeare in Macbeth bedichtete ("... and I thought I saw the forest begin to move").
Da sich die transmediale dieses Jahr für strategische Operationen interessiert, wundert es nicht, dass sich in ihrem Umfeld auch ein "Moving Forest" formiert.

Anders als es aus nahe liegenden Gründen getarnten Soldaten gut zu Gezweig steht, so die Tarnung funktionieren soll, handelt es sich in Berlin freilich nicht um schweigende Wälder.

mftmb_g1.gifZwar geben AKA The Castle, die für diese Performance verantwortlich zeichnen, Shakespeare sowie auf Macbeth zurückgehenden Kurosawa-Film "Throne of Blood" ("Das Schloss im Spinnwebwald") als Inspirationsquellen an. Ihre Eroberungsstrategie zielt jedoch auf den akustischen Raum, so dass die Bewegungen wohl ziemlich deutlich zu vernehmen sein werden: Angekündigt ist "eine 12 Stunden dauernde dramatische Klangperformance", die sich als "Auseinandersetzung mit der Informations- und Kommunikationsarchitektur unserer gegenwärtigen, medialisierten Gesellschaft" versteht:

"Urbane Informationstechnologie-Rebellen wenden sich gegen geschlossene und unzugängliche Wissensarchive, indem sie alternative, freizugängliche Kommunikationstechnologien wie Niederfrequenz-Stationen und offene Datennetzwerke verwenden, um ihren Marsch gegen das institutionalisierte Zentrum der Macht zu koordinieren."

Wie das genau funktionieren soll, ist den Heimseiten des Projekts zu entnehmen - und wie es klingt, dürfte dann rund um das transmediale-Quartier im Haus der Kulturen der Welt zu vernehmen sein.

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[Bildchen: Da wir prinzipiell rundum friedfertiges Vorgehen bevorzugen, fällt die Imagination zum Thema entsprechend aus. Die wandelnden Wäldchen kennen treue LeserInnen bereits aus einem Eintrag vom vergangenen März, wir mussten sie nur noch akustisch augmentieren. Für die ursprüngliche fotografische Pflanzung der bzw. des (Mutter-)Bäumchens danken wir jedoch noch einmal gern Francesco, der die prächtige abies nebrodensis via Wikipedia Commons der public domain gespendet hat.]

Von miss.gunst am 29.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.01.08

milch zwei zucker

mzz_ksw.gifSchaut von der Überschrift her erst mal ziemlich "off topic" aus. Ist es aber natürlich nicht, da wir - Zeichenmaschinen in Ehren - ja durchaus auch immer wieder gern nach wenigstens ein wenig händisch Fabriziertem lugen. Zumal, wenn es in Zines begegnet.

So auch in diesem Fall. Geht nämlich weniger um die notorischen Zutaten für Menschen, die ihren Kaffee aus welchen Gründen auch immer einschlägig anzureichern pflegen.
Sondern um die Produktionen von Milk Two Sugars. Aufgefallen sind sie uns schon vor längerer Zeit mal im creaturemag (treue LeserInnn werden sich vielleicht noch an den Eintrag vom 10.04.07 erinnern).

Tatsächlich ist Milk Two Sugars selbst ein kleines Zine (das zwar nicht mit Milch, aber durchaus auch wortwörtlich mit einer Portion Zucker ausgestattet daher kommen kann).
Sowie noch so einiges mehr - wie die Heimseite des Projekts verrät.
Deren Besuch an dieser Stelle der geneigten LeserInnenschaft einfach mal so, also aus Spass an der Freude, ans Herz gelegt sei - da doch bestens geeignet, um in guter Tradition den Einstieg in die Woche zu versüssen...

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[Bildchen: Stammt nicht aus bzw. von Milk Two Sugars, sondern ist sozusagen die unschöne Vision, die nachgerade zwangsläufig bei wahren FreundInnen von Zuckerstückchen aufsteigt, wenn sie deren schnöden Schicksals gedenken, sobald jemand seinen Kaffee entsprechend bestellt. Aber keine Sorge: Sie zappeln absichtsvoll noch in sicherem Abstand... Den cc-by lizensierten Milchkaffee haben wir uns via flickr bei Tim Boyd geliehen - vielen Dank!]

Von miss.gunst am 28.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.01.08

paintr (kunstmaschinen ff.)

rmp_ksw.gifDa es gerade wieder um Generative Kunst ging: Eigentlich eine gute Gelegenheit, gleich ein weiteres Projekt vorzustellen, bei dem ein Programm als Zeichen- bzw. Malmaschinchen funktioniert.
Und sozusagen auf dieser Basis automatisch Bilder produziert.

Wer jetzt - ebenfalls automatisch - an Cornelia Sollfranks net.art generator(s) denkt, liegt zwar vom Prinzip her nicht ganz falsch. Aber diese geniale Art der künstlerischen Arbeitsdelegation haben wir ja nun schon längst mit einem Zettelkasteneintrag bedacht.

rmp_g2.gifAuf den ersten Blick schauen die Werke, die Rob Myers mit seinem paintr auf den Bildschirm zaubert, auch so gar nicht nach klassischer Netzkunstgeneratorenproduktion aus. Denn die assoziiert man doch tendenziell mit dem guten alten Collage-Prinzip und dessen Ästhetik: Bilder werden aus dem Netz gefischt und auf die eine oder andere Weise rekombiniert.

Der paintr dagegen agiert tatsächlich eher malerisch. Schon wenn sich das Bild aufbaut, möchte man fast an jene "Painting by Numbers" bzw. "Malen nach Zahlen"-Sets denken, die etwa auch die selbsterklärte Kunstmachmaschine Warhol als Vorlage schätzte.

Ganz so einfach macht es sich jedoch Myers mit seiner Kunstmaschine nicht. Vielmehr hat er ein Programm geschrieben, das seinerseits mit verschiedenen Anwendungen zusammenarbeitet - nämlich dem Farbschema-Generator colr, flickr als Fotodatenbank sowie Autotrace für die Konvertierung von Bitmap-Dateien in Vektorgrafiken - und dabei vom Künstler auch jeweils mit Ein- bzw. Vorgaben gefüttert werden will. Welche das waren, geht aus Texten hervor, die sich auf jeder Galerieseite unter den Bildern finden.

Was dieses Projekt besonders sympathisch macht: Dass es schon bei der Wahl der Fotovorlagen auf die Lizensierung mit cc-by-sa achtet - und auch die auf diese Weise entstandenen Meisterwerke (logischerweise) unter selbiger publiziert werden.

rmp_g3.gifIst doch wunderbar, wenn sich auf diese Weise die geneigte Betrachtung des Projekts bzw. den Zettelkasteneintrag anschaulich illustrieren lässt! In diesem Fall handelt es sich um das "paintr image 42" - genauer gesagt: dessen Abbildung (hier natürlich ebenfalls unter cc-by-sa. Die wohlweislich keinesfalls das Original ersetzen kann - nicht nur, weil unter diesem steht, wie und auf welcher Basis es entstanden ist (und sich dabei nebenbei auch das Kriterium unserer Wahl offenbart). Sondern auch, weil man diesem - wie es sich für Generative Kunst idealerweise gehört und die hier dokumentierten Phasen nur ansatzweise vermitteln - tatsächlich beim Entstehen zuschauen kann.

[P.S. Dochdoch, die beiden Bildchen, die ja auch nur zwei Zustände einer paintr-Produktion sind, haben so ziemlich auf den Pixel das gleiche Mass. Ist lediglich noch ein weiteres kleines Surplus des Verfahrens, dass es Basiswissen in Sachen optische Täuschungen in Erinnerung ruft...]

Von miss.gunst am 27.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.01.08

kunstmaschinen ff. mit generator.x 2.0

jtsc_ksw.gifBis zum Beginn der transmediale dauert es zwar noch gut eine Woche. Aber da der CTM wie immer schon einige Tage früher startet, liegt es nahe, den Radar schon jetzt nach Berlin auszurichten.
Zumal es gerade im Rahmen des CTM-Programms reichlich Futter in Sachen einiger unserer Leib- und Magenthemen gibt - so unter anderem für FreundInnen maschinengenerierter Kunst.

Mit von der Partie ist nämlich auch in diesem Jahr wieder Marius Watz mit seinem Generator.x-Projekt. Das wiederum dürfte treuen LeserInnen nicht nur über dessen allgemeine Vorstellung (s. den Eintrag vom 24.09.06), sondern eben auch über das kleine Porträt seiner tegnemaskin in bester Erinnerung sein. So sie nicht sowieso das RSS des Generator.x-Blogs abonniert haben.

Unter dem Titel "Generator.x 2.0: Beyond the Screen" wird nun in Berlin mit einem Workshop, Präsentationen und einer Ausstellung der Strang in eine Richtung weitergeführt, die uns bekanntlich ebenfalls besonders interessiert: Nämlich die Nutzung von im Digitalen entwickelter Strategien und Ästhetiken für eine Arbeit am Material und im Raum. Wie schon dem im Dezember ergangenen Aufruf zur Beteiligung zu entnehmen, bieten sich dabei aus der Perspektive der Generativen Kunst ganz konkrete Verfahren an:

"Digital fabrication (also known as 'fabbing') represents the next step in the digital revolution. After years of virtualization, with machines and atoms being replaced by bits and software, we are coming full circle. Digital technologies like rapid prototyping, laser cutting and CNC milling now produce atoms from bits, eliminating many of the limitations of industrial production processes. Once prohibitively expensive, such technologies are becoming increasingly accessible, pointing to a future where mass customization and manufacturing-on-demand may be real alternatives to mass production.
For artists and designers working with generative systems, digital fabrication opens the door to a range of new expressions beyond the limits of virtual space."

jtsc_g.gifUnd natürlich muss man sich die Technik des Laser-Schneidens in diesem Zusammenhang etwas ausgefeilter vorstellen, als wir das kürzlich spasseshalber imaginiert haben.
Am gestrigen Donnerstag gab es im Ballhaus Naunyn die Auftaktveranstaltung mit Vorträgen von beteiligten Künstlern - neben Marius Watz in diesem Fall Boris Müller, Eno Henze und Satoru Sugihara, am kommenden Montag wird noch eine zweite folgen.

Vor allem aber wird in den nächsten Tagen fleissig im Workshop gewerkelt (übrigens, unter anderem Dank Kooperation mit dem Hyperwerk, mit ziemlich intensiver Schweizer Beteiligung, wie man der Liste der TeilnehmerInnen entnehmen kann) - und die Ergebnisse sollen dann ab Samstag in einer Woche im Digital Art Museum zu sehen sein.
Wer sich den Vernissagetermin schon mal vormerken will, kann übrigens für den Abend zuvor gleich ebenfalls ein Kreuzchen in den Kalender machen: Da gibts dann nämlich, gute Tradition aufnehmend, im Ballhaus Naunyn noch ein Performance-Konzert mit generativer visueller Musik - zu dem neben Watz, der gemeinsam mit Alexander Rishaug auftritt, alva noto (aka Carsten Nicolai) und Keiichiro Shibuya erwartet werden. Lekker!

[Bildchen: Ist eine aktuelle Arbeit von Jared Tarbell (hier im sympathischen Porträt), die wir über den Generator.x-Blog entdeckt und sofort ins Herz geschlossen haben - und die eben demonstriert, dass man mit etwas feiner schneidenden Laser-Cuttern als diesem ganz wunderbar Generatives zum Anfassen in 3D kreieren kann. Das Foto hat Tarbell dankenswerter Weise unter cc-by in seinem Flickr-Pool publiziert.]

Von miss.gunst am 25.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.01.08

kaugummikugeln zu klängen

kgse_ksw.gifBei den Stichworten "Kaugummi" und "Klangerzeugung" dürften den meisten ein schlichtes "Plopp!" in den Sinn kommen. Klar, das geht immer.
Aber ob man mit Kaugummikugeln noch ganz anders Musik machen kann?
Kann man. Sogar um so besser, wenn man sie gar nicht erst zerkaut.

Dies belegt eine ziemlich originelles Interface, das Hannes Hesse, Andrew McDiarmid und Rosie Han im Rahmen eines Semesterprojekts an der UC Berkeley entwickelt haben: Der Bubble Gum Sequencer.

Ganz richtig, es handelt sich tatsächlich um einen Sequenzer, der auf der Basis von Kaugummikugeln funktioniert.

kgse_g.gifMan benötigt dazu schöne dicke Exemplare besagter Süssigkeit in mehreren leuchtenden Farben - sowie eine Konstruktion, die aus einem speziellen "Spielbrett", einer unter diesem platzierten Kamera und einem Computer besteht, der natürlich mit verschiedenen Programmen ausgestattet sein muss: Allem voran einem zur Verarbeitung von visuellem Input (dem, den man mit den Kaugummikugeln generiert) in MIDI-Signale, das von den drei Entwicklern geschrieben wurde. Und dann kann es sozusagen wie gewohnt weitergehen, bis zur Endausgabe der jeweiligen Komposition.

Das "Spielbrett" dient der Komposition und besteht im Grunde nur aus einem Gitter mit Löchern, auf welche die Kaugummikugeln gesetzt werden: Position und Farbe der Kaugummikugeln bzw. im Gesamten deren Folge(n), die von der Kamera abgenommen werden, bestimmen Klangfarben und Rhythmus der Komposition. Welchselbige auf diese Weise bereits im Tun bzw. im Prozess wunderbar anschaulich - quasi mit Händen zu greifen und selbstredend auch gleich mitzuhören ist.
Ein Verfahren, das sich nicht zuletzt bestens für gemeinschaftliches Musikmachen (und sicher auch für den Musikunterricht) eignet.

Noch viel besser als das hier geschehen kann wird der Bubble Gum Sequencer in einem kleinen Clip erklärt, den es auf der Heimseite des Projekts anzuschauen gibt. Was hiermit wärmstens empfohlen sei!

[Bildchen: Zeigt aus der Nähe, wie man die Kaugummikugeln auf dem "Spiel"- bzw. "Kompositionsbrett" platziert. Noch mehr leckere Bilder und vor allem besagten Clip gibt's wie gesagt auf den Heimseiten des Projekts. Der Dank geht an die drei Erfinder und besonders Hannes Hesse, der die schöne Dokumentation auf seinen Seiten eingerichtet hat!]

Von miss.gunst am 23.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.01.08

schöner schneiden (how to)

lcls_ksw.gifBei instructables schauen Menschen mit Neigung zum Basteln ja eigentlich sowieso regelmässig vorbei.
Zumal sich in diesem Zuge auch immer wieder hübsche Kuriosa entdecken lassen - wie beispielsweise die essentiellen Tipps zur Vermeidung unbeabsichtigten Verspeisens von Insekten, die wir hier vor einiger Zeit mal vorgestellt haben.

Nun gibt es für instructables-Fans seit einiger Zeit auch ein instructables-Blog - worauf wir eigentlich einfach mal nebenbei hatten verweisen wollen (und nicht zuletzt deshalb, weil sich bei der Inventur zwischen den Jahren zeigte, dass wir unsere Kategorie, die der Vorstellung netter Nachbarn dient, schon länger sehr sehr lange sträflichst vernachlässigt haben).

Eben dort wird gerade (und noch bis 31. Januar) dazu geladen, die instructables-Anleitung des Jahreswechsels 2007/2008 zu küren - wobei dem Sieger dieses Wettbewerbes als Preis ein leckerer Laser-Cutter winkt.
[Beiseit: Ja, wir schämen uns gewaltig, nicht rechtzeitig auch schon auf selbigen hingewiesen zu haben. So viel zum Thema RSS-feeds abonnieren und sie dann auch regelmässig lesen...].

Selbst kann man bei der Abstimmung zwar keinen Blumentopf gewinnen (geschweige denn einen Laser-Cutter) - aber ist ja auch schon ganz interessant, sich die von der Jury für die Endausscheidung ausgewählten Projekte anzuschauen.

Unter anderem gibt's da nämlich auch eine Bastelanleitung, die allen Nichtgewinnern (ergo auch diejenigen, die den Aufruf zur Einreichung aus welchen Gründen auch immer übersehen haben) konstruktiven Trost verspricht:
Nämlich die von "lamedust" entwickelte und eingereichte Anleitung für einen DIY-Laser-Cutter.

Für unsere eigenen Bastelprojekte haben es bislang zwar haushaltsübliche Scheren, Fuchsschwanz und der klassische Papierschneider getan. Aber wenn das tatsächlich so einfach sein sollte mit dem Lasern?
Mindestens lässt sich kaum bestreiten, dass diese Bastelanleitung für ein Werkzeug zum schöneren Schneiden schon für sich genommen eine ziemlich scharfe Sache ist.

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[Bildchen: Nicht, dass so unsere bisherige Vorstellung von Kartonschneiden mit dem Laser-Cutter ausgesehen hätte. Oder etwa doch?]

Von miss.gunst am 21.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.01.08

will work for food (zeichenmaschinchen ff.)

wwff_ksw.gifDer Name - eigentlich eine klassische "Sandwichman"-Zeile, mit der Menschen ihre Arbeitskraft für den sprichwörtlichen Hungerlohn anbieten - sagt es bereits: Hier wird nicht nur fortfolgend ein weiteres Zeichenmaschinchen vorgestellt. Sondern eines, das nachgerade furchterregend fleissig ist.

Um genau zu sein: Es handelt sich sogar um eine ganze und allem Anschein nach konjunkturbedingt wachsende Schar von Maschinchen, die unter diesem Motto kreative Dienstleistungen zu verrichten versprechen.
Was wirklich erst einmal ziemlich unheimlich klingen kann.
Besonders in den Ohren von KünstlerInnen, die sich nun nicht ganz zu Unrecht Gedanken um Lohndumping und anstehende Forderungen nach Mindestlöhnen machen werden.

wwff_g0.gifDenn dass Zeichenmaschinchen und ihre Produktionen ihnen schon per se ernsthafte Konkurrenz machen können, dürfte klar sein. Treue LeserInnen und Kunstmaschinenfans werden sich sicher noch an unseren Bericht über den kleinen sim gishel erinnern, der - wie unschuldig auch immer aus seinem Räderwerk lugend - seinerzeit so manchem menschlichen Kollegen das bereits sicher geglaubte Weihnachtsgeschäft vermiest haben dürfte, als er zur Adventszeit 2006 in der Berliner allgirls Galerie eine Zeichnung nach der anderen produzierte. [Beiseit bemerkt: Inzwischen könnten auch Bewegtbildschaffende kalte Füsse bekommen, denn mittlerweile macht sim gishel sogar Videos.]

Tatsächlich handelt es sich bei den kleinen Gesellen, die nun schon seit einiger Zeit den Kunst- bzw. Arbeitsmarkt aufmischen, um seine Geschwister, die Karl Heinz Jeron im Rahmen von "will work for food" ins Rennen schickt.
Dass sie nicht nur zeichnen können, sondern auch singen - nämlich passender Weise die Internationale (mehr hier) sowie ein herzliches "Happy Birthday" - macht sie natürlich sowieso schon mal zu einer schwer zu schlagenden Mitbewerbern in der Branche.

wwff_g1.gifUm so schlimmer, dass sie dann obendrein auch noch die kunstmarktüblichen Preise unterbieten - was mit Blick auf manche Auktionen zeitgenössischer Kunst zwar nicht so schwer erscheinen mag. Aber man weiss ja, dass deren Charts wenig mit der Realität der ökonomischen Verhältnisse zu tun haben, in der die Mehrheit der Kunstschaffenden arbeitet und lebt.

Sie selbst sehen das natürlich ganz anders: Wie in ihrem Manifest nachzulesen ist, wollen sie - den Thesen von Pierre Bourdieu in seinem Buch "Gegenfeuer" (Konstanz 1998) folgend - die derzeit bekanntlich immer weitere Kreise ziehende neoliberale Arbeitsökonomie, die in der Tat in den flexiblen und für minimales Entgelt Maximales leistenden Kulturschaffenden ihre Avantgarde hat, mit einem Gegenfeuer bekämpfen bzw. deren eigenen Waffen schlagen helfen.

Ob ihnen das auf diese Weise gelingt? Nun, das kann jede/r selbst überprüfen. Und das geht ganz einfach - nämlich, indem man gegen die Einsendung von Naturalien eins der kleinen Maschinchen für sich engagiert.

wwff_g2.gifFür SkeptikerInnen, die vielleicht noch unentschlossen sind, ob sie dieses wirklich sehr verlockende Angebot wahrnehmen sollen, arrangiert Karl Heinz Jeron gern kleine Kochshows (ja, auch die Kollegen im Fernsehen sollten sich warm anziehen), zu denen man potentielle Ingredienzien oder Naschwerk zum Nachtisch mitbringen kann, um dann in den doppelten Genuss einer Mahlzeit und einer Vorführung des Könnens der mehrfachbegabten Maschinchen zu kommen.

Wie etwa kürzlich zum Erntedankfest in Berlin. Und gerade aktuell im Rahmen des Stuttgarter Filmwinters, wo seit Freitag und noch bis zum heutigen Sonntag (ja, Sonntagsarbeit!) Abend im Gustav Siegle Haus am Leonhardsplatz 28 fleissig gekocht, gesungen und gezeichnet wird. Wer vor Ort weilt, sollte also hurtig etwas Essbares einpacken und kann dafür dann am Abend wahrscheinlich wohl genährt sowie mit Kunst beglückt heimwärts ziehen.

Zu spät? Zu weit? Keine Zeit, noch Richtung Schwabenland aufzubrechen? Nun: Wie schon geschrieben, besteht ja durchaus auch aus der Ferne Gelegenheit, ein Tauschgeschäft anzuzetteln.
Und vielleicht findet der eine oder die andere ja sogar Gefallen an der Idee, Karl Heinz Jeron und seine kleinen fleissigen Maschinchen zu einem Kunst-Koch-Happening einzuladen?
Günstiger als bei und mit "will work for food" ist - Trend zum Lohndumping hin oder her - ein solches Rundumpaket zurzeit jedenfalls wohl kaum zu haben...

[Bildchen: Die kleinen fleissigen Maschinchen von "will work for food" bei der Arbeit. Grand Merci an Karl Heinz Jeron für die Sondergenehmigung zur Wiedergabe und die freundlich erwirkte Befreiung von verwertungsrechtbedingten Gebühren! Wer jedoch in den vollen Genuss ihrer beeindruckenden Fähigkeiten kommen will, sollte sich nicht nur den Clip auf der "how to"-Seite des Projekts anschauen, sondern tunlichst seine Vorratskammer konsultieren und sie selbst engagieren.]

Von miss.gunst am 20.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.01.08

kunstgeburtstag 2008 (WRT)

ab08_ksw.gifTempus fugit: Auch die Kunst ist schon wieder ein Jahr älter geworden. Genau heute? Mindestens gibt es - wie ja bereits vor rund anderthalb Monaten mit einem Aufruf annonciert - zum auch 17. Januar 2008 wieder weltweit Initiativen, die Kunstgeburtstag feiern.

Und da wir sowohl treue Kunst- als auch KunstradiofreundInnen sind, ergo unsererseits diesen Anlass bis dato stets mit Einträgen gewürdigt haben, feiern wir natürlich auch diesmal mit.

Erst einmal mit gespitzten Ohren, denn in guter Tradition haben sich an zahlreichen Orten GratulantInnen so formiert, dass die Jubelfeiern im Radio stattfinden beziehungsweise mindestens über einen Sender ausgestrahlt werden.

ab08_g.gifMit von der Partie sind beispielsweise bzw. erwartungsgemäss das Wiener Kunstradio, das zu diesem Behufe auch diesmal wieder eine eigene Heimseite für die Jubilarin eingerichtet hat; Radio Grenouille, das wir dank des radia-Netzwerks kennengelernt haben, spendet ihr aus Marseille frenetischen Applaus; in Prag schwingen sich tschechische und slowenische KünstlerInnen auf eine Feier im Stil der Swinging Sixties ein; Tokyo, Bratislava und Brüssel wollen gar gemeinsam eine ganze Kunstgeburtstags-Oper zur Aufführung bringen.

Und natürlich haben auch die in Sachen Kunstradio stets aktiven KanadierInnen bereits die Kerzen auf die Torte gesteckt, um aus Calgary, Vancouver, Ontario, Winnipeg, Missauga und Montréal Gratulationsadressen zu senden.

Kurzum: Dank der verschiedenen Zeitzonen wird man heute ab dem frühen Abend die ganze Nacht durch Kunstgeburtstag feiern können - alles Wissenswerte inklusive Sendezeiten und Ankern zu den jeweiligen Streams ist wie immer dem Kalender des immerwährenden Art's Birthday Network zu entnehmen.

Wir gratulieren also und stellen unsere Lauscher auf - indes wir im Hintergrund auch schon selber fleissig mit Papier und Schleifen geraschelt haben, unser Päckchen aber mit etwas Verspätung eintreffen wird...

[Bildchen: Schwer kitschig, aber so gehört sichs nunmal, mit buntem Zuckerguss und Sahneschicht - oder etwa nicht?]

Von miss.gunst am 17.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.01.08

aufruf an anonyme zeichner

azaz_ksw.gifZum Wochenbeginn in bewährter Tradition mal wieder ein Ruf - und einer, der sogar recht gut in den Fluss der aktuell verfolgten Überlegungen zu Zeichenmaschinen passt.
Nur mit Stempeln gehen bzw. Stempeln lassen ist es dabei vielleicht nicht getan.

Mindestens könnte man den Namen des Projekts so deuten, das die Berliner Künstlerin Anke Becker 2006 ersonnen hat und das mittlerweile bereits in die achte Runde geht: Anonyme Zeichner.

azaz1_gk.gifMit einer Selbsthilfegruppe zum Abgewöhnen kreativer Anwandlungen hat das Ganze nichts zu tun - vielmehr handelt es sich eben um einen Aufruf, Zeichnungen einzureichen. Dies noch nicht anonym; tatsächlich sollen aus guten Gründen auf der Rückseite sogar Name und Adresse des oder der Einreichenden vermerkt werden.
Anonym ist primär die Präsentation.

Aus den Einreichungen werden nämlich dann 300 Zeichnungen ausgewählt, die - bei dieser achten Ausgabe - in den Räumlichtkeiten des Berliner Kunst- und Atelierhauses mein blau e.V. zur Ausstellung kommen. Anonym? Anonym - wenigstens, was den Modus des Zeigens betrifft.
Also: Ohne Schildchen oder andere beigegebene Informationen. Interessierte KäuferInnen sollen jedenfalls nicht nach der Signatur entscheiden - indes später die Informationen auf der Rückseite eine Zuordnung ermöglichen, wie sie sowohl für den Transfer der Verkaufssumme wie auch für etwaiges Einstreichen verdienten Ruhmes notwendig ist. Für 100 Euro jedenfalls lassen sich Blatt und Name erwerben.

Dass Zeichnungen natürlich auch so etwas wie die Handschrift des/der Zeichnenden verraten können, lässt sich zwar kaum vermeiden. Aber nicht umsonst ist es unter Kunstgeschichtsnerds ein beliebtes Ratespiel, einander Handzeichnungen vorzulegen, um dann Zu- oder Abschreibungen vorzunehmen.

Und, a propos: Den Ausschreibungsunterlagen ist kein Hinweis zu entnehmen, dass es sich wirklich um Handzeichnungen handeln muss. Anders gesagt: Mindestens vor der auswählenden Jury haben durchaus auch Zeichenmaschinchen, wohlmöglich sogar Stempelmaschinchen eine reale Chance.

azaz2_gk.gifMag zwar sein, dass für Manche entsprechende Produktionen erst mit der Signatur des Kunstmaschinenkonstrukteurs zu Würden gelangen. Mindestens belegen Preise, wie sie für die Kritzeleinen von Tinguelys Méta-Matics gezahlt wurden, dass derlei der Wertsteigerung zuträglich sein kann. Und auch der gestern zur Diskussion gestellte Kniff, Kunstmaschinenkunst mit einem Stempel zu versehen, der sie nicht nur mit dem Namen eines Künstlers, sondern zusätzlich mit dem der ausstellenden Institution markiert, baut aufs klassische Wahrnemungs- bzw. Wertzuweisungsraster.

Dem gegenüber erweist sich Beckers Projekt Anonyme Zeichner - das auf seine Weise in der Tat auf eben jene Anerkennungs- und Wertzuweisungsechanismen zielt - als angenehm resistent.

Wer nun an eine Teilname denkt, findet den kompletten Aufruf mit allen relevanten Informationen auf den Heimseiten des (seit Frühjahr 2007 selbst leider ortlosen bzw. nomadisierenden) Projektraums blütenweiss, in dem auch die ersten Ausgaben der Anonyme Zeichner-Ausstellung stattgefunden haben.
Und die schauten, wie den schönen Foto-Dokumentationen ebendort zu entnehmen ist, auch wirklich lecker aus.
Was wiederum die aktuelle Ausgabe betrifft, so ist für Einreichungen noch bis zum 06. März 08 Zeit - die Ausstellung wird dann am 05./06. April bei mein blau e.V. zu bewundern sein.

In diesem Sinne: Ran an die Griffel - oder womit auch immer bevorzugt gezeichnet wird. Und wir ergänzen mal: Von wem auch immer.
Denn kleine fleissige Zeichenmaschinen sollten ja nicht von vornherein ausgeschlossen sein...

[Bildchen: Demonstriert, weshalb es selbst oder vielleicht gerade dann, wenn man nicht wirklich zeichnen kann, ziemlich schwierig ist, anonym zu bleiben. Und ergo das Engagement eines Zeichenmaschinchens mit Sicherheit die ideale Option für eine Beteiligung wäre. Oder nicht? Oja. Zwecks der Veranschaulichung unserer These sogar extra heroisch im Digitalen Analoges simuliert: Keine Ebenen, nur 'Buntstift' in einer Stärke plus hie und da ein bissel Ratzefummel. Autsch.]

Von miss.gunst am 14.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.01.08

stempel(n) und kunstmaschinen ff.

mgstm_ksw.gifZeit, zu einem unserer Lieblingsthemen zurückzukehren. War nämlich kein Zufall, das neulich die Aufmerksamkeit ausgerechnet vom bzw. von Stempelmaschinchen besonders gefesselt wurde.
Denn die Kombination von Stempeln und Kunstmaschinen begegnet derzeit auch noch an anderer, ziemlich prominenter Stelle.

mgstm_g1.gifUnd zwar in der Ausstellung "Kunstmaschinen - Maschinenkunst", die aktuell noch bis Ende Januar (31.01.08) in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu sehen ist und im Anschluss nach Basel ins Tinguely Museum weiterreisen wird.

Die versammelt natürlich ein ganzes Fuder idealer Kandidaten fuer Zettelkasteneinträge - was im Grunde auch längst auf der Liste steht. Mal ganz abgesehen davon, dass sich Kunstmaschinenfans die Schau als Ganzes keinesfalls entgehen lassen dürfen. Zumal sie ja nebenbei einige interessante Fragen stellt - wie beispielsweise die, wer da nun eigentlich der bzw. die KünstlerIn ist: Der oder die KonstrukteurIn der Kunstmaschine - und/oder auch das jeweilige Maschinchen selbst? Und wie sieht es mit dem Anteil derer aus, die - wenn sie sich am Produktionsprozess beteiligen können, wie das bei einigen der Kunstmaschinen der Fall ist - schliesslich auch die Ästhetik der Werke mitbestimmen?

Über solche Fragen haben wir auch schon an anderer Stelle nachgedacht - und sind dabei am Ende nicht von ungefähr an den Stenmpeln hängen geblieben, die in der Schirn bei jeder Kunstmaschine liegen, mit der man ein Kunstwerk zum Mitnehmen produzieren kann. Die wurden nämlich speziell für die Ausstellung angefertigt - dienen aber nicht nur der Beglaubigung, dass das jeweilige Blatt von einem der Maschinenkünstler stammt.

mgstm_g2.gifVielmehr setzt damit auch die Schirn ihre Signatur bzw. prägt der Gemeinschaftsarbeit von KünstlerIn, Kunstmaschine, und BesucherIn wortwörtlich ihren Stempel auf. Ein Branding durchs Betriebssystem, dem wiederum nur jene Kunstmaschinenproduktionen entgehen, die sich von vornherein einer tätigen Einmischung durch Dritte als abhold erweisen.

Was unter dem Strich aber nicht nur den Eindruck vermitteln kann, dass die vom kuratorischen Konzept gestellten Fragen eher rhetorisch aufzufassen sind. Sondern auch ziemlich einprägsam auf den Anspruch der Institution auf die Position der Ko-Produzentin verweist.

mgstm_g3.gif

[Bildchen: Gern hätten wir hier die durchaus für sich schon sehr ansehnlichen Abdrücke der Stempel gezeigt, die den Arbeiten von Damien Hirst, Olafur Eliasson, Cornelia Sollfrank beigegeben sind. Doch da die ja gleich mehrere AutorInnen haben, wird wohl auch die Sache mit den Rechten entsprechend komplizierter sein. So dass wir mal wieder selbst produzieren mussten... Und: Oja, das ist in der Tat so ein dummer 'Genetiv'-Apostroph, wie wir seiner sonst ja selbst gern spotten. Gehört in diesem Fall aber doch dazu - das Schildchen musste ja zum Maschinchen passen, das seinerseits offenkundig nicht der lichtesten Konstruktionen eine ist.]

Von miss.gunst am 13.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.01.08

regenbogenklangtransformation

rbrb_ksw.gifFast logisch, dass man nach dem Sturm nach einem Regenbogen lugt. Jedenfalls dann, wenn die Böen des ersteren Vorboten eines heftigeren Gewitters mit ordentlich Ablass von Oben gewesen sind.
Und wie es der Zufall so will, hätten wir einen passenden Exkursionstipp dazu.

Die Antwerpener Extracity lädt am heutigen Abend nämlich zur Eröffnung der Präsentation eines Projekts, das von Nico Dockx und Carl Michael von Hausswolff (mehr im hauseigenen Archiv) inittiert wurde und auf den vielversprechenden Namen "Rainbow Audio Transformation" hört.

Wie an diesem zu erkennen, geht es auch hier um eine akustisch-experimentelle Auseinandersetzung mit dem metereologischen Phänomen: Dockx und Hausswolff haben eine Reihe von Klangkünstler-Kollegen eingeladen, die sieben Farben des Regenbogens in Sound zu übersetzen; für Bonus-Tracks kamen noch Weiss als Summe des Prismas und Schwarz für die Abwesenheit oder Absorption aller Lichtwellen dazu.

rbrb_g.gifLaut Ankündigung wählten Mike Harding (eigentlich auch Bürger von Elgaland-Vargaland - nur leider funktioniert der Anker nicht) und Philip Marshall Rot und Orange, Finnbogi Pétursson Gelb, Maia Urstad Grün, Leon Milo Blau, Brandon LaBelle (mehr im Archiv) Indigo bzw. Ultramarin und Jana Winderen Violett; C.M. von Hausswolff besetzte, fast schon naheliegend - steht nicht jede Summe des Gesamten Spektrums dem Rauschen des Universums nahe? - mit Weiss das eine und Dockx als Teil des Kollektivs "Building Transmissions" (zusammen mit Kris Delacourt und Peter Verwimp) das Schwarze Loch als anderes Extrem.

Um von den Licht- zu Klangwellen zu gelangen, gingen die Beteiligten dann zunächst einige Zeit in Klausur, um zu einem gemeinsamen Spektrum zusammenzufinden. Das sich ja eigentlich absehbar zwischen den beiden Polen absoluter Aufladung und Auslöschung bzw. An- und Abwesenheit von Licht und Klang bewegen dürfte. Aber wie das klingt?

Lässt sich aus der Distanz leider allenfalls phantasieren. Kleiner Trost: So verlockend es immer wieder scheinten mag, an die Enden des Regenbogens zu reisen - wir wissen ja, dass man sie nie erreicht.

[Bildchen: Rechts, wie unschwer zu erkennen, ein Regenbogen in all seiner Farbenpracht - dankenswerter Weise von Erik Christensen unter GNU den Wikipedia Commons zur Verfügung gestellt. Auch von den Schwingungen her genau die richtige Steilvorlage, wie man am kleinen Ausschnitt im einleitenden Absatz sieht: Gleissendes Weiss und tiefes Schwarz - was wollen wir mehr?]

Von miss.gunst am 11.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.01.08

sturm hören (WRT)

ttts_ksw.gifAlle reden vom Wetter? Na, das können wir auch.
Aber natürlich nicht ganz unmotiviert.
Weniger, weil es zu Anfang des Jahres tatsächlich auch schon turbulenter zuging in den Lüften, halten wir Ausschau nach einem nahenden Sturm.
Und zwar, um ihm zu lauschen.

Was da zu hören sein wird? Dräuendes Rauschen? Dröhnende Wälder und schlagende Läden? Ächzendes Gebälk und berstendes Holz?

Wohl kaum - jedenfalls nicht heute nacht ab 0:05 Uhr (genau genommen also: morgen früh) in der Klangkunst-Reihe von Deutschlandradio Kultur, der kaum von ungefähr schon öfter in diesem Log ein Webradio-Tipp gewidmet worden ist.

ttts_g.gifDenn "Archipelago Prospero" von Arsenije Jovanovi? - eine aktuellere (wenngleich keineswegs die jüngste) Produktion des Belgrader Klang- und Radiokünstlers - verweist, wie das der Titel schon erahnen lässt, nicht auf thermische Turbulenzen. Sondern auf William Shakespeares Stück "The Tempest".

Als Ausgangspunkt für die Komposition dienen dabei jene Wendungen, in denen - nein, eben nicht vom Wetter, sondern von Klängen die Rede ist. Wobei, denkt man allein an den Anfang, das eine das andere ja nicht auschliessen muss: "On a ship at sea: a tempestuous noise / of thunder and lightning heard..."

Wie das wohl klingt, wenn sich der Sturm über Jovanovi?s akustischer Imagination der Insel des alten Magiers zusammenbraut? Werden wir hören...

[Bildchen: Auf Sturm! Der aus sicherem Abstand betrachtet natürlich schon ohne Shakespeare ein beeindruckendes Schauspiel ist - dazu unbedingt die ergreifend schönen Wetterwallungen auf dem Foto eines Taifuns anschauen, dem wir unsere noch ein wenig hochgepitchten Wolken entnahmen. Dank gilt dem Wikipedia-Spender und dem grossen GNU!]

Von miss.gunst am 10.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.01.08

mikro.FM radiowoche (WRT)

mfm_ksw.gifHoppla, das wäre beinahe an uns vorübergegangen. Wenngleich nicht sang- und klanglos (ganz im Gegenteil) - aber doch ungehört.
Läuft jedenfalls seit Anfang Januar und noch bis einschliesslich heute (09.01.): Die Radiowoche von und mit mikro.FM.

mikro.FM ist ein freies Radioprojekt aus Berlin, das aus einer Initiative - der radiokampagne e.V. - hervorgegangen ist, die ihrerseits eigentlich schon seit erklecklich langer Zeit versucht, den entsprechenden Mangel in Berlin zu beheben.

Der wiederum hat nämlich nichts mit fehlenden RadiomacherInnen, Ideen und Inhalten zu tun (wie auch schon zahlreiche Vorläufer belegen, von denen einige auch in diesem Log als Webradiotipps vorgestellt worden sind - beispielsweise das Radio 1:1, s. d. Eintrag vom 11.06.06)). Auch nicht damit, dass es keine freien Frequenzen gäbe. Es fehlt schlicht an der erforderlichen Genehmigung.

mfm_g.gifErgo müssen sich Sendefreudige bis dato nach wie vor mit Sonderformaten wie eben einzelnen Radiowochen behelfen, in denen dann wenigstens temporär mal gezeigt werden kann, was eigentlich kontinuierlich möglich wäre.
Wie eben beispielsweise aktuell mit der mikro.FM-Sendewoche, deren Name nicht von ungefähr an den guten alten Verein mikro e.V. erinnern dürfte; wie dieser ist mikro.FM im bootlab beheimatet.

Wie eingangs schon eingestanden: Beinahe hätten wir sie verpasst. Heute gibts aber noch eine (vorläufig) letzte Gelegenheit, auch von ausserhalb Berlins via Webstream mitzulauschen. Ab 12:00 Uhr mittags sollen sich verschiedene Berliner Radiogruppen vorstellen - was ein ziemlich buntes Programm verspricht. Wobei der beliebte "Error 404", der beim Versuch erscheint, den entsprechenden Anker zu den Programmdetails zu aktivieren, hoffentlich keine Rückschlüsse auf die Zukunftsaussichten der Initiative zulässt.
Wir wünschen ihr jedenfalls viel Erfolg!

Von miss.gunst am 09.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.01.08

For Sputnik (With Love)

fswl_ksw.gifZugegeben: Zum Jahreswechsel haben wir es nicht geschafft. Aber immerhin zum Dreikönigsfest wird nun das Versprechen eingelöst, endlich wieder einmal einen kleinen Musikmix mit leckeren Netzlabel-Produktionen und anderen CC lizenzierten Ohrzuckerln anzubieten.
Zwar ohne Sternensinger. Gleichwohl: In die Weiten des Weltraums gehts durchaus.

Der ursprüngliche kalendarische Anlass hätte es natürlich lässig gestattet, auf ein Thema zu verzichten – und selbst die Verspätung zwingt derlei keineswegs auf: Schliesslich sind die drei Könige ihrerzeit auch nicht ganz pünktlich gewesen.
fswl00.gifDoch da eine entsprechende Konsolidierung unserer Radio-Hommage aus Anlass des International Sputnik Day (s. a. im hauseigenen Archiv) eh auf der 2do-Liste stand, schlagen wir einfach mal zwei Fliegen mit einer Klappe. Zumal es sich doch ganz wunderbar fügt, eine Zusammenstellung mit Lizenz zum Lieben unter dem gewählten Titelmotto anzubieten...

fswl01.gifSpilled Milk Road – drunken waltz in 10 bar phrases for bells, melodica and ... more
von James Banks
erschienen 2005 – EP "Space Songs" – via archive.org

Zugegeben: Spilled Milk Road ist nicht ganz dasselbe wie Milky Way, aber der Titel der EP sollte so einen kleinen absichtsvollen Verleser gestatten. Und auch wenn eine Exkursion zur Milchstrasse aus Satellitenperspektive leicht übers Ziel hinausschiesst: Warum nicht zum Auftakt mal einen Walzer?
fswl00.gifBeim GUNSTradio ist das bereits gute Tradition; diesen schönen, leicht melancholisch schleppenden Schwung fanden wir, als es fürs ccc-Spezialformat ein unter creative commons-Lizenz publiziertes Äquivalent zu Lydia Kavinas ansonsten natürlich konkurrenzloser Theremin-Version von Tchaikovskys Valse sentimentale zu finden galt.
Und stellen fest: Süsser die Glocken kaum klinge(l)n können...

fswl02.giffliegender behälter
von Granny'Ark
erschienen 2004 – EP “three seas & one bottle” – [id07] bei interdisco

fswl00.gifWeil es für Raumfahrten selbstredend ein würdiges Gefährt braucht: Eins jener Stücke, die schon fast zu den Klassikern auf der hauseigenen GUNST-Hitliste zählen. Muss man ansonsten nicht weiter kommentieren, oder?

fswl03.giffall..
von Le Zero (aka Amin Khatir)
erschienen 2004 – EP "Sputnik Zérolution" – [ACMP3004] bei alpinechic

fswl00.gifIm Grunde würde, wenn man den Titel beim Wort nimmt, das gesamte (Mini-)Album in den Mix gehören, mit dem Le Zero seinerzeit bei alpinechic debütierte. Weil wir für unsere Hommage jedoch aus nahe liegenden Gründen nur ein Stück auswählen können, soll es für diesmal das vierte sein. man "fall" ja nicht als Aufforderung zum totalen Absturz verstehen – wir wollen lediglich von der Milchstrasse aus (s.o.) zurück auf eine etwas erdnähere Umlaufbahn finden...

fswl04.gifSputnik in Love
von Roy Chicky Arad
erschienen 2005 – EP "Sputnik in Love" – [WM008] bei WM Recordings oder oder via archive.org

fswl00.gif... um unserem Satellite of Love ein bisschen näher zu kommen. Wobei dessen Herz, wie es scheint, längst entbrannt ist. Jedenfalls, wenn man den Titel von Roy Chicky Arads Hommage entsprechend interpretiert. Der, nebenbei bemerkt, auch sonst ein ziemlich interessanter Künstler ist – wiewohl wir uns hier allein auf seine musikalischen Produktionen bescheiden müssen. Doch schon die machen Lust auf mehr? Kein Problem, da hätten wir noch was.

fswl05.gifIonosphere
von ALPHA TRAJECTORY
veröffentlicht 2000; EP Sputnik –[tzpdc 13] via archive.org / TZP Drone Company

fswl00.gifErst mal jedoch, wie es im Grunde ja auch die Friktionen einer heissen Liebe nahelegen: Auf in die Ionosphäre, die ihrem Namen auch akustisch alle Ehre macht. Dass im Übrigen auch in diesem Fall die gesamte EP als Hommage an Sputnik funktioniert, legt natürlich schon deren Titel nahe. Wobei besonders das letzte Stück Beachtung verdient, das der tapferen ersten Kosmonautin überhaupt gewidmet ist: Der Hündin Laika, die mit Sputnik 2 in den Weltraum startete – den Flug bekantlich jedoch nicht überlebte.

fswl06.gifSputnikblues1957
von Djet
veröffentlicht 2006 – EP "Sputnikblues 1957" – [ca005] bei Clinical Archives

fswl00.gifGrund genug, mit Djet (unter bürgerlichem Namen: Alexander Lisovsky) ein wenig Sputnikblues zu schieben. Der nicht ganz so sphärisch-ambient ausfällt wie die Raumfahrt mit Alpha Trajectory – dafür aber umso mehr die Herzen von FreundInnen experimentellerer Elektronica erfreuen dürfte. Wenn es dementsprechend umso schwerer fällt, ein einziges Stück für den Mix auszuwählen: Muss es wohl einfach das Titel gebende sein. Die anderen sind aber (dies nicht nur um des Reimes willen:) mindestens ebenso fein.

fswl07.gifHeading To The Outer Regions
von Satellite Grooves
veröffentlicht 2003 – EP "Simplistic Transmission" – [os005] direkt bei Observatory Online oder via archive.org

fswl00.gifNach dem Blues braucht es vielleicht doch noch mal ein paar munterere Umdrehungen. Wie wär's mit den Satellite Grooves, die uns John Kale unter ebendiesem Künstlernamen offeriert. Für den erwünschten Aufwärtstrend in der Stimmung bietet sich gleich das erste Stück der EP an –nicht nur, weil es den Aufbruch in Ferne Welten signalisiert. In diesem Sinne: Get Up! - ganz im Gegensatz zu dem Motto, das uns von dieser offenbar befreundeten Heimseite entgegenblinkt.

fswl08.gifSputnik In Love - Digital_Me remix
von Digital me
veröffentlicht 2005 – EP: Sputnik in Love - The Remixes – [WM015] bei WM Recordings oder via archive.org

fswl00.gifDas Original kennen wir ja bereits – und können nun unsere kleine Umkreisung des Erdballs umso zünftiger mit einem fröhlich Sphären- und Erdenklänge durchschüttelnden Remix ausklingen lassen. Lecker ist die gesamte Produktion, zu der Roy Chicky Arad Kollegen seines heimischen Netzlabels ak duck eingeladen hat – Sputnik in Love forever sozusagen.

... und wir fügen dem Ganzen, For Sputnik (With Love) noch von Herzen Lizenz zum Lieben hinzu.
fswl00.gifAllen KünstlerInnen und Netzlabels in diesem Sinne: Nur das Beste und Grand Merci für die Veröffentlichungen unter CC und anderen freien Lizenzen! - Grand Merci, great many thanks and all the best to all artists and netlabels for publishing their treasures under CC and other free licences!

fswl09.gifSowie, last but not least: Ein besonderer Dank an Francis Hunger, der mit seiner Einladung, den International Sputnik Day feierlich zu begehen, die gleichnamige GUNSTradio-Hommage und ergo auch diesen kleinen Mix entscheidend inspiriert hat.
Btw: Sollte sich Sputnik-Fans noch nach Bonus-Tracks sehnen, werden sie auf der Dokumentationsseite zum International Sputnik Day weidlich fündig werden.

fswl_g.gif

Von miss.gunst am 06.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.01.08

stempelstampfmaschinchen

ststfk_ksw.gifWer sich das Vilmchen angesehen hat, dem der letzte Eintrag galt, wird auch die Assoziation zum Bildchen verstanden haben.
Weniger, weil die sonst eher kryptisch bleiben muss, denn aus reiner Bastelfreude treiben wir das doch gleich noch ein bisschen weiter.

Indes nämlich das beigestellte Bildchen seine Entstehung aus mühseliger Handarbeit schwerlich verleugnen konnte, war bzw. ist im Vilmchen ein veritables Stempelmaschinchen zu bewundern. Bzw. neidvoll zu betrachten.

Solch ein Stempelmaschinchen selbst zu konstruieren, fehlte es uns - zumal auf die Schnelle - zwar schmerzlich an Mittel, Zeit und Kunstfertigkeit.
Aber wenigstens eine animierte Hommage sollte es geben. Und die Platte dazu kann ja jede/r selbst auflegen...

ststfk.gif

[Ja, geht natürlich nur einmal. Allenfalls müsste man das Blatt mit der Stempelmaschinenspur beiseite und diesem ein neues vorlegen. Klar.]

Von miss.gunst am 05.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.01.08

zeichenmaschinen ff.

stst_ksw.gifA propos glückliche Funde und anderes Abzuarbeitendes aus dem Kulturbeutel. Besonders viel hat sich da natürlich zu unserem Leib- und Magenthema Zeichen- und andere Kunstmaschinchen angesammelt.
Um also gleich mal wieder ein Bröckchen des entsprechenden (wie auch immer imaginären) Bringschuldgebirges abzutragen...

... heute, nein noch keins der vom letzten Zürcher diy-Festivals im Hintergrund inspirierten Kurzporträts.
Sondern eine kleine Vilmempfehlung.

Die erfolgt aus leidigen Gründen etwas umständlich.

stst_g.gifDabei sollte es eigentlich das Herz um so mehr erfreuen, wenn kreative junge Menschen phantastische Dinge basteln - wie in diesem Fall ein ganzes Fuder köstlichster Zeichen- und Malmaschinenkreationen, sogar eine Art Was-passiert-dann-Maschine ist dabei. Wenn eben diese Menschen dann beschliessen, ihren Spass an der Freude mit der grossen weiten Welt zu teilen. Einen klasse Clip machen resp. schwungvoll schneiden und diesen obendrein mit einer Musik hinterlegen, die besagten Spass an der Freude nochmal, weil bestens passend, multipliziert.

Aber ach, wir wissen ja: Die Verhältnisse, sie sind nicht so - weshalb der Spass an der Freude dann mitunter auch ganz schnell ein jähes Ende finden kann. Soweit kommt es, hoffen wir mal, in diesem Fall nicht. Wohlmöglich haben sie ja sogar eine Spezialgenehmigung.

Wie auch immer. Brav und korrekt, wie wir nun mal sind, splitten wir unsere Bewertung einerseits in: "Yes, DIY" bzw. "Try that at home (or wherever"), was die zum Einsatz gekommene Bastellust in Sachen Kunstmaschinchen betrifft. Und mahnen andererseits: "Don't usw.", was besagte musikalische Unterlegung bzw. deren Publikation angeht.

Und wer sich auf dieser Basis die Empfehlung (einerseits) bzw. das abschreckende Beispiel (andererseits) mal ansehen möchte: Gebe in das Suchfenster des bekannten DuKanals (nein, nicht DU) "zeich(n)en maschine projekt" ein. Auf englisch natürlich.

[Bildchen: Das haben wir selbstredend selbst erstellt. Mit einem imaginären Stempelzeichenmaschinchen - die Idee der écriture automatique lässt sich schliesslich noch ein wenig weitertreiben. Und ja: das Ganze nimmt auf seine Weise durchaus direkt zum Eintrag Bezug. See-it-yourself...]

Von miss.gunst am 03.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.01.08

BricoLodge (mit WRT)

brl_ksw.gifDa sich die Bastelarbeit am GUNSTmusikmix tatsächlich noch ein bisschen in die Länge zieht, gibts zum Start ins Neue Jahr erst einmal etwas aus den Tiefen des Kulturbeutels - wo sowieso fuderweise glückliche Funde, auf Exkursionen Gesehenes, Gehörtes und Gesammeltes einer Aufarbeitung resp. Vorstellung im Blog harren.
Darunter selbstredend auch solche, die hinreichend Futter für die Ohren bieten, um etwaige Wartezeiten auf den Musikmix zu überbrücken - wie beispielsweise BricoLodge.

Ursprünglich als Netzlabel gestartet, hat die von Jon Vaughn und Carrie Gates begründete, in Kanada beheimatete BricoLodge ihren aktiven Betrieb zwar mittlerweile eingestellt oder mindestens auf Eis gelegt. Aber ihre Archivalien bzw. ihre Veröffentlichungen wirken deswegen noch lange nicht verstaubt.

Sowieso kann das Projekt schon von seinem aufs Bricolage-Prinzip anspielenden Namen her, vor allem aber durch sein Selbstverständnis Sympathiepunkte sammeln:

"We believe that people have the right to share. Especially online. All of the art you will find on BricoLodge is free for you to download, enjoy, and share with friends. Audio releases include custom-made, ready-to-print 'cover art' to complete your burned CDs. We abide by and promote the Creative Commons Licence [und zwar, siehe Anker: by-nc-nd] for all of our releases - please read it before you download from us!"

brl_g1.gifWas nun die obligate persönlichen Empfehlungen einer oder mehrerer Produktionen aus der Sektion "Releases" betrifft [ja, mal wieder ein leidiges Framesystem, deshalb muss bzw. möge selbsttätig links aufgerufen werden, was rechts erscheinen soll], lässt sich zunächst einmal ganz grundsätzlich vorwarnend bemerken:

Das in der Vorstellung der BricoLodge nonchalant erwähnte Wörtchen "experimental" wird hier denkbarbar gross geschrieben - oder anders gesagt: Wenn es im LeserInnen-Poll der aktuellen De:Bug zum Kapitel "Netzlabel" heisst (und sich auch ziemlich deutlich abbildet), dass das Gros der Stimmen auf Tanzhallentechno und/oder Ambient-Produktionen entfallen ist, dann werden selbige LeserInnen hier kaum auf ihre Kosten kommen. Die meisten Produktionen sind mehr etwas fürs interessierte, konzentrierte Lauschen.
Und bieten dafür: Angewandte Medienarchäologie (wie z.B. das Vinyl Intervention Trio, brico023, oder Esther B.s "It is not easy for doug engelbart to give a conference when youppi and mad dog are in the house", brico006) und intelligente Dekonstruktion (wie z.B. Nuthres köstliche Britney-Zerlegung "Lost in a Crystal Sky", brico010).

brl_g2.gifWer sich an diese Ästhetik(en) erst mal adaptieren muss, sollte vielleicht mit brico009 beginnen: "Wear" von Camp rührt und schüttelt seine elektronischen Klangcocktails nämlich ziemlich sanft - ohne dass eine Verwechslungsgefahr mit schlappem Ambientgesäusel bestünde.

In diesem Sinne: Ruhig mal den Poll Poll sein lassen und lauschen, was sonst noch geht. Zum Beispiel in den Archiven der BricoLodge. Und dort deren hauseigenes Motto mitsingend: "Happy Downloading!"

Btw: NoType, das Schwesterlabel der BricoLodge floriert übrigens nach wie vor - und publiziert nicht nur ebenfalls unter cc-by-nc-nd-Lizenz, sondern betreibt auf dieser Basis sogar ein kleines Webradio. Für letzteres lässt sich auch einfach der Knopf der Wahl in der unteren Kopfzeile klicken - und schon funktionierts!

[Bildchen: Wie unschwer zu erkennen, von der schönen Eingangsseite der BricoLodge zitiert.]

Von miss.gunst am 02.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)