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20.01.08

will work for food (zeichenmaschinchen ff.)

wwff_ksw.gifDer Name - eigentlich eine klassische "Sandwichman"-Zeile, mit der Menschen ihre Arbeitskraft für den sprichwörtlichen Hungerlohn anbieten - sagt es bereits: Hier wird nicht nur fortfolgend ein weiteres Zeichenmaschinchen vorgestellt. Sondern eines, das nachgerade furchterregend fleissig ist.

Um genau zu sein: Es handelt sich sogar um eine ganze und allem Anschein nach konjunkturbedingt wachsende Schar von Maschinchen, die unter diesem Motto kreative Dienstleistungen zu verrichten versprechen.
Was wirklich erst einmal ziemlich unheimlich klingen kann.
Besonders in den Ohren von KünstlerInnen, die sich nun nicht ganz zu Unrecht Gedanken um Lohndumping und anstehende Forderungen nach Mindestlöhnen machen werden.

wwff_g0.gifDenn dass Zeichenmaschinchen und ihre Produktionen ihnen schon per se ernsthafte Konkurrenz machen können, dürfte klar sein. Treue LeserInnen und Kunstmaschinenfans werden sich sicher noch an unseren Bericht über den kleinen sim gishel erinnern, der - wie unschuldig auch immer aus seinem Räderwerk lugend - seinerzeit so manchem menschlichen Kollegen das bereits sicher geglaubte Weihnachtsgeschäft vermiest haben dürfte, als er zur Adventszeit 2006 in der Berliner allgirls Galerie eine Zeichnung nach der anderen produzierte. [Beiseit bemerkt: Inzwischen könnten auch Bewegtbildschaffende kalte Füsse bekommen, denn mittlerweile macht sim gishel sogar Videos.]

Tatsächlich handelt es sich bei den kleinen Gesellen, die nun schon seit einiger Zeit den Kunst- bzw. Arbeitsmarkt aufmischen, um seine Geschwister, die Karl Heinz Jeron im Rahmen von "will work for food" ins Rennen schickt.
Dass sie nicht nur zeichnen können, sondern auch singen - nämlich passender Weise die Internationale (mehr hier) sowie ein herzliches "Happy Birthday" - macht sie natürlich sowieso schon mal zu einer schwer zu schlagenden Mitbewerbern in der Branche.

wwff_g1.gifUm so schlimmer, dass sie dann obendrein auch noch die kunstmarktüblichen Preise unterbieten - was mit Blick auf manche Auktionen zeitgenössischer Kunst zwar nicht so schwer erscheinen mag. Aber man weiss ja, dass deren Charts wenig mit der Realität der ökonomischen Verhältnisse zu tun haben, in der die Mehrheit der Kunstschaffenden arbeitet und lebt.

Sie selbst sehen das natürlich ganz anders: Wie in ihrem Manifest nachzulesen ist, wollen sie - den Thesen von Pierre Bourdieu in seinem Buch "Gegenfeuer" (Konstanz 1998) folgend - die derzeit bekanntlich immer weitere Kreise ziehende neoliberale Arbeitsökonomie, die in der Tat in den flexiblen und für minimales Entgelt Maximales leistenden Kulturschaffenden ihre Avantgarde hat, mit einem Gegenfeuer bekämpfen bzw. deren eigenen Waffen schlagen helfen.

Ob ihnen das auf diese Weise gelingt? Nun, das kann jede/r selbst überprüfen. Und das geht ganz einfach - nämlich, indem man gegen die Einsendung von Naturalien eins der kleinen Maschinchen für sich engagiert.

wwff_g2.gifFür SkeptikerInnen, die vielleicht noch unentschlossen sind, ob sie dieses wirklich sehr verlockende Angebot wahrnehmen sollen, arrangiert Karl Heinz Jeron gern kleine Kochshows (ja, auch die Kollegen im Fernsehen sollten sich warm anziehen), zu denen man potentielle Ingredienzien oder Naschwerk zum Nachtisch mitbringen kann, um dann in den doppelten Genuss einer Mahlzeit und einer Vorführung des Könnens der mehrfachbegabten Maschinchen zu kommen.

Wie etwa kürzlich zum Erntedankfest in Berlin. Und gerade aktuell im Rahmen des Stuttgarter Filmwinters, wo seit Freitag und noch bis zum heutigen Sonntag (ja, Sonntagsarbeit!) Abend im Gustav Siegle Haus am Leonhardsplatz 28 fleissig gekocht, gesungen und gezeichnet wird. Wer vor Ort weilt, sollte also hurtig etwas Essbares einpacken und kann dafür dann am Abend wahrscheinlich wohl genährt sowie mit Kunst beglückt heimwärts ziehen.

Zu spät? Zu weit? Keine Zeit, noch Richtung Schwabenland aufzubrechen? Nun: Wie schon geschrieben, besteht ja durchaus auch aus der Ferne Gelegenheit, ein Tauschgeschäft anzuzetteln.
Und vielleicht findet der eine oder die andere ja sogar Gefallen an der Idee, Karl Heinz Jeron und seine kleinen fleissigen Maschinchen zu einem Kunst-Koch-Happening einzuladen?
Günstiger als bei und mit "will work for food" ist - Trend zum Lohndumping hin oder her - ein solches Rundumpaket zurzeit jedenfalls wohl kaum zu haben...

[Bildchen: Die kleinen fleissigen Maschinchen von "will work for food" bei der Arbeit. Grand Merci an Karl Heinz Jeron für die Sondergenehmigung zur Wiedergabe und die freundlich erwirkte Befreiung von verwertungsrechtbedingten Gebühren! Wer jedoch in den vollen Genuss ihrer beeindruckenden Fähigkeiten kommen will, sollte sich nicht nur den Clip auf der "how to"-Seite des Projekts anschauen, sondern tunlichst seine Vorratskammer konsultieren und sie selbst engagieren.]

Von miss.gunst am 20.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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