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04.02.08

transmediale im rückspiegel

tm08p_ksw.gifFür Verschwörungstheorien sind wir in diesem Log.Buch sonst eigentlich nicht besonders anfällig - sieht man von unserer bekannten Neigung zur Paralektronoia ab.
Aber für die diesjährige transmediale kann man ja mal eine Ausnahme machen.

Wenngleich wir, das mal nebenbei bemerkt, nicht nur Felix Kubin in Berlin vermisst haben, sondern auch einige andere KünstlerInnen, die mit ihrem Tag- und Nachtwerk eigentlich einschlägig gut in den thematischen Rahmen des Festivals gepasst hätten. Je nun, es gab natürlich auch so genug Sehens- und Hörenswertes zu sehen und zu hören.

Indes das noch ein wenig sortiert werden will, bevor die eine oder andere Trouvaille mit einer Vorstellung bedacht und eine Summe gezogen wird, haben wir natürlich zugleich ein bisschen rundum geschaut, was bereits an Berichterstattungen ins Netz entlassen wurde.

tm08p_g.gifLeider scheint der Trend zum Live-Blogging ein wenig abgeflaut zu sein - mindestens haben wir noch kein tm-Tagebuch entdecken können. Was aber wohlmöglich daran lag, dass es in diesem Jahr (erstmals, sic) einen Live-Stream von der Konferenz gab sowie dazu einen begleitenden Chat.
Oder vielleicht daran, dass die transmediale (ebenfalls eine Premiere:) ihrerseits in den Blog-Trend zur Veranstaltungsbegleitung in eigener Regie eingestiegen ist?
Oder daran, dass sich Menschen mit Hang zum Synchrontippen in den Chat auch dann eingeloggt haben, wenn sie eigentlich selbst vor Ort waren?

Jedenfalls liess sich auf der Projektion vor Ort durchaus Substanzielles mitlesen. Anders als Elke Buhr, die sich in ihrem transmediale-Bericht für die Frankfurter Rundschau wenig begeistert über die entsprechenden Optionen äussert, konnten wir dort nicht nur treffende Kommentare und weiterführende Fragen eräugen, sondern sogar den einen oder anderen erhellenden Anker ins Netz.
Und auch für die - bei solchen Gelegenheiten von KritikerInnen seit je und immer wieder, aber eben nicht immer zu Recht erhobene - Klage eines Missverhältnisses zwischen Botschaft und Mitteln ("Man ist technologisch so avanciert, dass man vergisst, was man mit dieser Technologie eigentlich transportieren wollte") gab es eigentlich kaum Anlässe. Mal ganz abgesehen davon, dass die Ausstellung eine ganze Reihe von Arbeiten versammelte, die demonstrierten, dass Reflexionen über Technologien - auch in der so genannten "Szene" - längst nicht mehr automatisch selbst auf exuberanten Technologie-Gebrauch setzen.

Was aber umgekehrt nicht heisst, dass man sich von bestimmten Technologien verabschieden müsste. Besonders gern (bzw. im Grunde ebenfalls seit je und immer wieder) wird in diesem Kontext die so genannte "Netzkunst" gedisst - mit Blick auf die transmediale ist in diesem Zusammenhang beispielsweise bei Kito Nedo in einem Beitrag für das Kunstmagazin art nachzulesen, "die klassische 'Netzkunst', welche die Ausstellungsbesucher in der vergangenen Dekade immer wieder nötigte, auf Computerscreens zu schauen und klobige Touchpads zu bedienen", sei "endgültig passé". Nun ist es zwar so, dass sich verschiedene auf der Ausstellung und im Rahmen des bzw. der Bilderberg-Salons präsentierte Projekte gerade dadurch auszeichnen, dass sie kluge Schnittstellen zwischen verschiedenen medialen Sphären schaffen. Und dass für Arbeiten, die - wie das (für den tm-Award nominierte und mit einer Anerkennung bedachte Picidae-Projekt von Mathias Jud und Christoph Wachter) - vor allem für das und im Netz funktionieren, nicht mehr ein Label wie "Netzkunst" aus der Tasche ziehen muss, ist vielleicht eher begrüssenswert. Aber der Gerechtigkeit halber sollte doch mal in Erinnerung gebracht werden: "Netzkunst" im eigentlichen Wortsinn ist noch nie für klassische Ausstellungszwecke gemacht und ergo eben lediglich von KuratorInnen auf öde Monitor-Alleen genötigt worden. Man begegnet ihr nach wie vor dort, wo man auch sonst mehr oder weniger klaglos Netzkekse nascht, nämlich am heimischen Netzanschluss, vis-à-vis.

[Bildchen: Wie eigentlich unschwer zu erraten eine digitale Wiedergabe des Posters, mit dem die diesjährige transmediale zur Verschwörung aufrief.]

Von miss.gunst am 04.02.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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