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20.03.08
no matter (a2d2a ff.)
Leicht zu erraten, welchen der Beiträge zu "Mixed Realities" wir sofort ins Herz geschlossen haben: Nicht etwa egal welchen, sondern eben jenes Projekt, das auf den Namen "No Matter" hört und aus gutem Grund auch einen eigenen Eintrag im Zettelkasten bekommt.
Allein schon, weil wir imaginäre Objekte innig lieben - und es um so grossartiger finden, wenn sie greifbare Gestalt gewinnen.
Natürlich gibt es eine Reihe von Sphären, in denen imaginäre Objekte seit je zu Hause sind. Und gleich nach der Phantasie zählen dazu auch solche, in denen die Einbildungskraft nicht nur selbstgenügsam waltet, sondern tatkräftig zum Bilden drängt: In der Literatur mit Worten, in der bildenden Kunst mit Materialien und in optischen Medien.
Wobei, à propos Medien, der Reiz und die Qualität dieser Sphären eigentlich eher darin liegen, dass bei aller Gestaltung auch seitens der Rezeption für die Imagination noch hinreichend Spielraum bleibt - etwa in dem Sinne, wie McLuhan die kalten bzw. kühlen Medien gegenüber den heissen definiert.
Aber was sagt die tätige Einbildungskraft, wenn man sie in eine Welt aus Polygonen schickt, deren Zusammensetzungsoptionen sich ästhetisch erst einmal eher auf der Ebene von Fertighauskatalogen und Tiefkühlmenues zu bewegen scheinen? Nun: Selbst wer SL vorzugsweise als Zweitleben-Puppenstube oder als Variation aufs Süsse Jenseits sieht (beides Optionen, die uns nicht ganz zufällig in den Sinn kommen), wird zugeben müssen: Heiss können das gerade deshalb so viele finden, weil es ebenfalls eher zu den kühlen Medien zählt, vorgefertigte Polygonen hin, aus dem RL abgekupferte Ökonomien her.
Tapfer haben wir daher immer wieder mal getestet. Und das Ganze trotzdem stets aufs Neue für grässlich befunden. Umso mehr freuen wir uns regelmässig über Projeke, die ohne SL zwar nicht denkbar gewesen wären - aber die Schraube doch ein entscheidendes Stückchen weiterdrehen. Wie eben beispielsweise "No Matter" von Victoria Scott und Scott Kildall.
Die beiden haben nämlich zunächst einmal eine Reihe kreativer SL-BewohnerInnen gegen eine Entlohnung in schnöden Lindendollars damit beauftragt, aus Polygonen imaginäre Objekte zu basteln - und zwar, wie sich das für SL gehört, nach Vorbildern aus dem ersten Leben. Um nicht zu sagen: Klassikern unter den imaginären Objekten. Beispielsweise auf der Liste: Ein fliegender Teppich, der Heiligen Gral, das Bildnis des Dorian Gray (um schon mal vorzugreifen: autsch).
Nun liegt es zwar in der Natur der Sache, dass die schönste Vorstellung in SL notgedrungen zu Tand gerinnt. In dessen eigentliche Heimat mitnehmen lassen sich die Objekte aber normaler Weise nicht.
Anders bei "No Matter": Denn die Polygonen haben Scott und Kildall anschliessend auseinandergefaltet und zu Vorlagen für Ausschneidebögen gemacht, aus denen dann wieder Pappmodelle gefertigt wurden. Imaginäre Objekte zum Anfassen - gibts nicht? Gibts also doch.
In voller Grösse sind sie derzeit nun in der Ausstellung "Mixed Realities" zu bewundern. Ist ein weiter Weg und eh weiter weg als SL? Kein Problem: Viel spannender ist es nämlich sowieso, auf der Heimseite des Projekts die Liste der Objekte durchzugehen, wo es zu einem jeden einen anderen Bogen gibt, auf dem zusammen mit den Objekten auch die Hintergründe ihrer Herstellung zu ergründe(l)n sind.
Unsere klaren Favoriten: Der Monolith aus 2001 (mal ganz harmlos nämlich und garantiert stumm, ohne dräuendes Drone-Gesumm), das tragbare Loch (weil man so was immer gut gebrauchen kann - auch wenn das Loch in der Umsetzung durchaus etwas löchriger hätte ausfallen dürfen - irgendeine Nische bräuchte die Imagination ja doch) sowie allen voran das Big Dumb Object (sowieso, sonnenklar), von Cheen Pitney gross-artig umgesetzt. Prima praktisch eigentlich auch Clyde Lindmans Vorschlag, den Topf mit Gold nicht am bekanntlich schwer erreichbaren Ende des Regenbogens zu platzieren - sondern einfach selbiges am Topf zu fixieren.
Und dann hätten wir noch einen Sonderpreis zu vergeben: So sehr wir mathematische Modelle mögen, in diesem Fall aber nicht für das Objekt.
Sondern? Tja, einfach mal raten. Kleiner Hinweis: Auch das schicke Outfit seines Schöpfers ist es nicht...
[Bildchen: Für die Reproduktionsgenehmigung danken wir mittelbar natürlich auch den kreativen Auftragsdesignern - vor allem aber Scott Kildall und Victoria Scott. Grand Merci!]
Von miss.gunst am 20.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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