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30.09.08

auf wiederhören tony coulter (WRT)

tcwh_ksw.gifEigentlich sollten ja mal ein paar Tage Sendepause angesagt sein - also ganz freiwillige, ohne Serverschwächeleien oder ähnliches im Hintergrund.
Und eigentlich war schon der vor einiger Zeit mal in Richtung WFMU ergangene Webradio-Tipp ein so klarer Fall von Eulen-nach-Athen bzw. Bären-nach-Bern-Schicken gewesen, dass man bei Wiederholungstaten erst recht beschämt erröten müsste.

Heute allerdings gibt es doch einen ganz besonderen Grund, eine Wiederholungstat zu wagen, wenngleich das Ganze diesmal in mehrfacher Hinsicht ins Retrospektive (und -auditive) neigt.

tcwh_g.gifAls wir nämlich am frühen Abend, wie - jedenfalls soweit Zeit und Gelegenheit - bereits süsse Gewohnheit geworden, den Webradio-Stream gen WFMU dirigierten, um Tony Coulters stets Perle an Perle reihender Sendung teilhaftig zu werden, erwartete uns dort einerseits ein besonders leckeres Überraschungsrogramm. Fast zu schon zu schön um wahr zu sein: Drei Stunden lang die wahren grossen Anti-Hits eben jener Zeit, die bei manchen Mitmenschen grausamer Weise eher über Titel im akustischen Gedächtnis geblieben ist, welche z.B. von einer grösseren Anzahl elastischer gasgefüllter Hohlkörper handeln oder von Freuden, die sich bei der Beschleunigung des Automobils einstellen...

Wer das nun verpasst hat, möge sich bei Gelegenheit mal die zugehörige Playlist zu Gemüte führen und dann tränenblind im hauseigenen Plattenarchiv wühlen, ob da wenigstens das eine oder andere entsprechende Stück Trost spenden kann. Wäre aber auch möglich, dass nicht alles auf Rille zuhanden, sondern nur auf längst Richtung ewige Jagdgründe aufgebrochenen bzw. abgeschilferten Magnetbändern... Tja, eben.

Wirklich zum Heulen ist allerdings, dass Tony Coulter wegen eines anstehenden Umzugs nach Portland mit dieser schönen Show vorerst seinen Abschied von den regelmässigen Sendungen bei WFMU mit uns gefeiert hat. Von daher auch noch einmal an dieser Stelle und zum Mitschluchzen: Thank You For The Music - und (hoffentlich, trotzdem, und sei es nur gelegentlich:) Auf Wiederhören!

Vielleicht hilft's ja, hin und wieder Richtung Portland in freier Anlehunung an die geschätzte kleine Hymne von Nichts zu singen: "Lieber Gott / Ich wünsch mir so / die TC Show im Radio..."

[Bildchen: Weil sich tränenblind eben so schlecht zeichnen lässt, haben wir nochmal unsere Radiohasen aus dem Archiv gepackt. Die natürlich sowieso mit uns leiden...]

Von miss.gunst am 30.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.09.08

kreativität 2.0 @ HMKV

cgcg_ksw.gifUm den Exkursionstipp der Woche bzw. des Wochenendes konkurrieren eigentlich mehrere Veranstaltungen - aber für BastlerInnen und BricoleurInnen, die ihre Materialen aus den Speichern der digitalen Kultur beziehen, sollte es wohl jene sein, zu welcher der Hartware MedienKunstVerein in die Dortmunder PHOENIX Halle lädt.

Für einen Ausflug nach Dortmund spricht nebenbei bzw. vorweg bemerkt übrigens auch, dass man sich dort zur Zeit auch die spannende Ausstellung "Anna Kournikova Deleted By Memeright Trusted System" ansehen kann, die sich mit Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums beschäftigt

cgcg_g.gifWas nach Massgabe der jüngsten Entwicklungen in diesem Feld eine ziemlich trübsinnig stimmende Schau hätte werden können - aber dafür, das dem nicht so ist, sorgen schon die eingeladenen KünstlerInnen und -gruppen von Daniel Garcia Andújar (von Technologies to the People, ursprünglich auch in der Hausgemeinschaft von irational zu finden) über monochrom und Cornelia Sollfrank bis ubermorgen.

Ab dem heutigen Freitag (26.09.) bis einschliesslich Sonntag (28.09.) kann man sich aber nun in Vorträgen und Panels auch vertiefend mit Fragen rund um den Komplex "Kreative Arbeit und Urheberrecht" auseinandersetzen. Dass diese derzeit so einigen Menschen auf den Nägeln brennen und es gerade für KulturproduzentInnen Handlungsbedarf gibt, muss an dieser Stelle wohl nicht weiter erläutert werden. Zumal treue LeserInnen dieses Log.Buchs diverse Stränge zum Thema unter anderem an den Einträgen zu den Aktivitäten der Digitalen Allmend, zu Projekten wie kunstfreiheit.ch, der letzten interfiction-Tagung usw. usf. verfolgen konnten. Und natürlich haben wir vor langem auch schon die Mitveranstalterin iRights, die gemeinsam mit dem HMKV das die Tagung verantwortende Projekt arbeit 2.0 ins Leben gerufen hat, vorgestellt.

Kurzum: Gute Gründe, an diesem Wochenende nach Dortmund zu fahren und dabei zu sein! Wir können das jedenfalls nur wärmstens empfehlen...

[Bildchen: Ja, ein Gespenst geht um - nicht nur in Europa. Wobei sich in Dortmund dieses Wochendende allerdings gerade jene versammeln, die sich von ihm nicht schrecken lassen wollen. Insofern passt's nur bedingt. Aber es musste mal wieder schnell gehen mit der Imagination...]

Von miss.gunst am 26.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.09.08

offenes spektrum

osms08_ksw.gifIndes in Lissabon nach wie vor das RadiaLx-Festival läuft und dem Webradio-Tipp vom Montag ein Mindesthaltbarkeitsdatum bis Ende der Woche verschafft, gilt es an dieser Stelle wieder einmal, einen Ruf weiterzureichen. Der kommt zwar aus einer anderen geographischen Ecke, ist aber ebenfalls an RadiofreundInnen gerichtet.

Unter dem Titel (und Motto) OPEN SPECTRUM planen die gleichnamige Stiftung und die Ciant Gallery in Prag ein Mini-Symposium, an dem sich zu beteiligen Menschen unterschiedlichster Disziplinen eingeladen sind, die ein Interesse an einer radiophonen Erkundung und Nutzung des über drahtlosen Funk zugänglichen Wellenspektrums haben:

Call for participation at mini-symposium OPEN SPECTRUM

CIANT GALLERY PRAGUE and Open Spectrum Foundation are offering several slots for short panel presentations to artists, curators as well as scientists.

Mini-symposium will be held on Thursday, October 23, 2008, between 4 - 9 PM at Prague CIANT GALLERY (street: Krizkovskeho 18) as part of the RESET festival.

If you want to join us, send your abstract and short bio to
gallery@ciant.cz.

Deadline: 10.10.2008

OPEN SPECTRUM (visit openspectrum.wordpress.com/) is based on the realization that it is no longer necessary for governments to micro-manage use of the radio frequency spectrum. Digital devices like cellphones, RFID chips and Wi-Fi cards are smart enough to do that on their own. The relaxation of bureaucratic controls is now allowing new wireless applications to develop. At the same time, the logical progression of art from permanent objects to temporary installations suggests that the creation of ad hoc social channels is the next important step for artists to explore.
Let us discuss ³open spectrum² and weave these converging threads together.

Co-Chairs: Pavel Sedlak (CZ) and Robert Horvitz (USA)

Featured presentation: WAVES by Rasa Smite
Featured project: ATLAS OF ELECTROMAGNETIC SPACE by José Luis de Vicente and Irma Vilà

osms08_g.gif

Wer Näheres zum Hintergrund erfahren möchte, sollte gelegentlich die Heimseiten der Open Spectrum Foundation besuchen, auf denen unter anderem auch ein Programmtext von Robert Horvitz, "What is Open Spectrum?" zu finden ist. Und für weitere Inspirationen ist natürlich auch die Dokumentation des WAVES-Projekts, dessen Ausstellung ja gerade erst vor wenigen Wochen als Weiterführung auch im Hartware Medienkunstverein zu sehen (und zu hören) war, wärmestens zu empfehlen...

Von miss.gunst am 24.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.09.08

radiokunst satt mit RadiaLx (WRT)

rlx08_ksw.gifSoll ja Menschen geben, die hin und wieder akustische Fastentage schwören. Keine schlechte Idee in Zeiten omnipräsenter Dauerbeschallung. Aber für den heutigen Montag wollen wir doch eher das Gegenteil empfehlen.

In Lissabon läuft nämlich seit dem vergangenen Samstag ein wunderbares Radiokunst-Festival, organisiert von Radio Zero - einer äussert regen Partnerstation im Kunstradio-Netzwerk radia.fm (welchselbiges mindestens treuen LeserInnen dieses Log.Buchs aus früheren Einträgen noch bestens bekannt sein dürfte).

rlx08_g.gifIm Zuge dieses Festivals, das auf´den schönen Namen RadiaLx hört, gibt es natürlich neben Workshops, Performances und Konzerten vor Ort auch Radiokunst-Sendungen satt.
So eben auch heute, wo tatsächlich bereits ab 07:00 Uhr morgens (sic!) bis in die tiefe Nacht ein regelrechtes Schlemmermahl für unsere Ohren bereitet ist, die gewöhnlich mit solchen Spezereien ja nur in dietätischen Dosen rechnen dürfen.

Auf dem Speiseplan stehen unter anderem süsse Radiokunst-Stunden mit Produktionen von Harold Schellinx (den treue LeserInnen bereits aus unserem Log.Buch kennen und sicher längst zu Soundblog-Fans geworden sind) und Aymeric de Tapol (der kürzlich noch beim hier ebenfalls mit Einträgen bedachten European Sound Delta-Projekt Klänge gesammelt hat). Und und und...

... ergo: nicht länger Log.Buch lesen, sondern den Webstream von Radio Zero anwerfen. Wir wünschen: Guten Appetit!

Von miss.gunst am 22.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.09.08

errare

sbrz_ksw.gifVom Offenbacher Hafen in die Schweiz - wo in der Moränenlandschaft rund um Menzingen für den heutigen Sonntag eine ganz besondere Klangkunst-Performance angekündigt ist.

sbrz_g.gifErklingen soll von und zwischen den sanften Hügeln nämlich ein Duett, das sich zwischen einem präparierten Alphorn und einem Steinxylophon entspinnt. Beides ja nun nicht gerade Instrumente, auf denen man bereits im Vorschulunterricht musizieren lernt oder die einem sonst an jeder Ecke begegnen würden, aus der es schallt.

Umso mehr sollte diejenigen, für die Menzingen und die Moränen in erreichbarer Nähe liegen, die Neugierde treiben, dieses besonderen Hörereignisses teilhaftig zu werden, das der treuen LeserInnen dieses Log.Buchs bereits bestens bekannte Schlagwerker und Klangbastler Simon Berz aka Badabum zusammen mit dem Komponisten und Alphornisten Roland Dahinden (sowie als unterstützenden Mitstreitern: Andrew Phillip und Michelle Ettlin) allen jenen bereiten wird, die sich zwischen 14:00 Uhr und 17:00 Uhr an Ort und Stelle einfinden...


Von miss.gunst am 21.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.09.08

brückenmusik ff. (WRT)

atp_ksw.gifIst schon etwas länger her, dass es in diesem Log.Buch um Brückenmusik ging: Mit den Sound Lines von Bill Fontana und seiner Harmonic Bridge, sowie natürlich den Singing Bridges von Jodi Rose.
Nun können wir unserem Zettelkasten endlich einen weiteren Eintrag einverleiben.

atp_g.gifIn Frankfurt - genauer gesagt: zwischen Frankfurt und Offenbach hat nämlich der kanadische Percussionist Michael Gambacurta sein Ohr an die Kaiserleibrücke gelegt. Und in der Eisenkonstruktion, über die tagtäglich (sowie nachtnächtlich) ohne Unterlass Fahrzeuge rollen, ein Autophon - also einen Selbstklinger - entdeckt.

Mit Kontaktmikrophonen hat er sodann der schwingenden singenden Brücke an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten Klänge abgelauscht, in sein Studio entführt und dort gemeinsam mit dem auf Neue Musik spezialisierten Tonsetzer Matthias S. Krüger ein Brückenkonzert komponiert.

Selbiges ist noch bis einschliesslich kommenden Sonntag (21.09.08) in einer Klang-Raum-Installation im Rahmen des Festival Junger Talente im Hafen Offenbach zu hören, wo die beiden zusammen mit dem Künstler Yuki Higashino einen kleinen Container eingerichtet haben. Und zwar vis à vis der Kaiserleibrücke, die man - Kopfhörer über und Brückenkonzert im Ohr - dann per Fernrohr auch mit den Augen abtasten kann.

Mit ein bisschen Glück können zudem auch jene der Brückenmusik lauschen, die sie zugleich produzieren, wenn sie auf dem Weg von Frankfurt nach Offenbach oder vice versa auf der A 661 den Main überqueren: Auszüge aus dem Konzert werden nämlich mehrfach täglich auch über radio x ausgestrahlt und sind ergo auch im Autoradio zu vernehmen.

Und wer des gesamten Konzerts im Radio teilhaftig werden (sowie noch ein bisschen mehr über seine Entstehung erfahren) will, schaltet heute (19.09.) einfach ab 14:00 Uhr den richtigen Sender bzw. die passende Sendung ein...

Von miss.gunst am 19.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.09.08

how to stockhausen (WRT)

msms_ksw.gifIst natürlich keine Bastelanleitung im eigentlichen Sinne, die hier zum Besten gegeben werden soll. Sondern der längst mal wieder fällige Webradio-Tipp - der einfallsreicher Weise (und/oder weil's gerade mal wieder Mittwoch ist?) an das WDR3 open: Studio elektronische Musik geht.

Dort läuft derzeit nämlich gerade eine Reihe, die nach der Praxis namhafter Komponisten fragt - "how (to)" ist also im Sinne von "Wie haben die das eigentlich gemacht?" gemeint.
Und heute Abend wird diese Frage an den im vergangenen Jahr verstorbenen Karlheinz Stockhausen gestellt.

msms_gk1.gifVorgesehen ist aber kein Geisterspräch, sondern eine Verständigung über das Werk, wobei besonders das von Stockhausen bevorzugt zur Anwendung gebrachte Prinzip der Autointerpretation (nein, um Fahrzeuge gehts dabei nicht) unter die Lupe genommen werden soll. In diesem Zuge wird es Ausschnitte unter anderem aus Mikrophonie und aus Kurzwellen geben - kurzum: Fast schon ein Pflichtprogramm für alle die sich ein bisschen für die Geschichte des kreativen kompositorischen Umgangs mit Sende- und Empfangstechniken interessieren.

Das Ganze zur gewohnten Stunde, also ab 23:05 Uhr.

Aber ansonsten ist so Einiges anders geworden beim Studio elektronische Musik bzw. genauer gesagt: auf den Webseiten des WDR. Die Seiten werden jetzt nämlich mit einer statischen Adresszeile versehen (was gegenüber dem alten Generationsverfahren mit den ewig langen Zeiten ziemlich elegant ist, denn dahinter steht natürlich nach wie vor ein dynamisches CMS).
Nur: Abgesehen davon, dass wir uns jetzt still in die Tasche heulen, weil leider keine Weiterleitungen seitens der alten Adressen eingebaut worden ist, ergo keiner der ehedem so gern gesetzten Anker mehr funktioniert, haben wir noch keine Archivadressen für die einzelnen Beiträge ausmachen können. Was natürlich nicht so schön ist, wenn man mit Einträgen wie diesem nebenbei auch ein bisschen Kulturspeicher spielen will...

[Bildchen: Hat als schematische Darstellung mikrophonen Stereoprinzips, die von Galak76 dankenswerter Weise unter GNU in die Wikipedia Commons gespendet wurde, eigentlich nichts mit Stockhausens Komposition von 1966 zu tun. Aber schön ist sie und lässt sich wie fern auch immer mit einigen der oben angeführten Prinzipien assoziieren,...]

Von miss.gunst am 17.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.09.08

Zwitschermaschine (ae08)

bzbz_ksw.gifMit der kleinen Reihe zur ars und zu Vogelstimmen, die auf der diesjährigen ars electronica zu vernehmen waren, sind wir tatsächlich noch immer nicht am Ende.
Denn auch in der Ausstellung "Cyberarts" im OK Offenen Kulturhaus konnte man auf ein Genist stossen, aus dem es - mindestens zeitweise - munter zwitscherte.

bzbz_g1k.gifDabei schauen die seltsamen Wesen, die sich in der Linzer Installation von teNts "Call <-> Response" zu einem Zirkel versammelt fanden*, nun wirklich ganz und gar nicht nach Vögeln aus.

Eher schon können die kugelförmigen "Köpfe" von der Materialanmutung her an Nester erinnern - ein Eindruck, den auch das kleine Foto auf der ars-eigenen Seite zu "Call <-> Response" recht gut vermittelt, wo sie anders als im OK direkt in einem Baum befestigt zu sein scheinen.

bzbz_g2k.gifTatsächlich handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Experimentalanordnungen, die teNt bzw. Macoto Cuhara im Rahmen seines Projektes verfolgt hat.

Das geht aus der ausführlicheren Dokumentation auf seinen Heimseiten hervor (die wir - dank der wie je heissgeliebten Frames - hier leider nicht mit direkten Verweisen verknüpfen können dürfen).

Dort werden insgesamt drei Konstellationen von "Call <-> Response" vorgestellt: In der ersten (B2C) wird dem System die Sprache der Vögel gelehrt, in der zweiten (C2C) - die der Linzer Konstellation entspricht - zwitschern die Computer miteinander, in der dritten (C2B) schliesslich nehmen letztere wieder Kontakt mit den Federtieren auf.

bzbz_g3k.gifUm diese Konversationen zu ermöglichen, hat teNt mit Hilfe einer Modellierungs-Software die Syrinx bzw. den Stimmkopf von Vögeln nachgebildet, sodass sein System in der Lage ist, eine eigenständige Zwitschersprache zu generieren und sozusagen selbst zur Vogelkolonie zu werden (C2C).

Es kann aber eben auch von anderen Vögeln lernen (B2C) - und da Vögel bekanntlich ihrerseits ziemlich sprachbegabt sind, sollte das auch umgekehrt funktionieren (C2B).

"Theoretically possible types of birds in general, including extinct ones and those that never existed" soll seine Zwitschermaschine zu simulieren in der Lage sein.

Schade eigentlich, dass sie im OK eingesperrt war(en). Denn was wäre das erst in der Nachbarschaft zum Traumvogelbaum für ein Konzert geworden...

[Bildchen: Schlichter Versuch der eher systemischen Veranschaulichung einer Computervogelkommunikation. Nicht gerade dem Leben abgeschaut. Und natürlich erst recht nicht der hier bezwitscherten Installation.]

Von miss.gunst am 15.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.09.08

traumvogelbaum (ae08)

uiai_ksw.gifUnd wieder, wie angekündigt, zurück zu den Vogelstimmen. Im kleinen Park an der Donaulände zwischen dem Lentos Kunstmuseum und dem Brucknerhaus hatte sich zur ars electronica nämlich eine ganz besondere Gattung eingenistet.

Eigentlich ist der Uirapuru (Cyphorhinus aradus) vorzugsweise in einer Brasilianischen Legende heimisch, dergemäss das kleine, sonst eigentlich im Urwald hausende Federtier nur ein einziges Mal im Jahr seinen Gesang erklingen lässt. Welchselbiger dann jedoch so wunderbar sein soll, dass alle anderen Tiere bezaubert verstummen.

uiai_g.gifNun erwiesen sich die Linzer Fauna und insbesondere die zur ars besonders zahlreich die Donaulände bevölkernden Grosssäuger zwar als nicht ganz so ehrfurchtsvoll. Aber mindestens einige von Letzteren dürften sich durchaus gezielt am bezeichneten Ort eingefunden haben, um Tao G. Vrhovec Sambolecs in Zusammenarbeit mit Byung Jun Kwon entwickelter Variation auf die Legende zu lauschen:
A Tree is Dreaming of Uirapuru.

Versteckt im Gezweig warteten von Solarzellen betriebene Kassettenrecorder auf Sonnenschein, ein jeder mit Fragmenten elektronischer Vogelrufe ausgestattet - die sich allerdings nur zu einem bestimmten Sonnenstand zum eigentlichen Uirapuru-Lied zusammenfügen sollten.

So schlicht und schön und unaufdringlich, wie sich die Installation in die festivalökologische Nische fügte, hätte es das vielleicht gar nicht gebraucht, um den Traumvogelbaum ins Herz zu schliessen. Da uns aber das Wetter derart hold war und die Sonne Hochsommer spielte (und vielleicht auch, weil auch wechselseitige Spiegelungen zwischen Donau, Lentos und Brucknerhaus die Strahlen immer wieder aufs Neue zusammengeführt haben?), konnte man fast meinen, der legendäre Moment für den Uirapuru-Gesangs dehne sich über den ganzen Tag...

... beiseit vielleicht noch für FreundInnen künstlicher Nachtigallen Uirapurus: In der jüngeren Geschichte der elektronischen Kunst lassen sich auch bei Eduardo Kac Spuren einer entsprechend benamsten Arbeit finden. Die Dokumentation der Installation auf den Seiten des ICC InterCommunication Center in Tokio sind leider aus dem Netz verschwunden. Aber im MedienKunstNetz kann man noch einen kleinen Einblick gewinnen: Kacs Uirapuru sang - sic - als fliegender Fisch!

[Vom Cyphorhinus aradus gab es leider kein Bildchen, das uns in den Commons entgegengeflattert wäre - dafür aber von einem nicht minder musikalischen Microcerculus marginatus; weil man den Linzer Kollegen nicht sah, haben wir ihn auch ein wenig unsichtbar gemacht. Der Dank für das Bild geht an José Loiza, Aves y Conservación - Merci!]

Von miss.gunst am 13.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.09.08

dorkbot swiss @ walcheturm

dbsw0809_ksw.gifMindestens für die Annalen: Am heutigen Abend (10.09.) findet fand das September-Treffen der ansehnlichen und stets wachsenden Schweizer dorkbot-Gemeinde im Zürcher Walcheturm statt.

dbsw0809_g.gifA propos stets wachsend: Das Programm der Veranstaltung bricht durchaus den Jahresrekord - und bei den meisten der illustren Gäste sind entweder direkt über die Ankündigung interne Seiten mit ausführlichen Informationen zu erreichen oder es ist ein Anker zu den jeweiligen Heimseiten der KünstlerInnen gesetzt, auf denen sich dann mehr über die Projekte erstöbern lässt.

Braucht daher an dieser Stelle eigentlich keine weiteren Details. Nicht verkneifen können wir uns als treue Fans allerdings den Wink, dass unter anderem bzw. unter anderen Flo Kaufmann (s. a. im hauseigenen Archiv) seine grossartige Einrichtung zur phonotechnisch abspielbaren Gravur von Bierdosen vorstellen wird. Dass und wir gut die funktioniert, haben wir schon vor mehr als einem Jahr im Rahmen der Workshop-Tage in Solothurn heftigst bewundert.

Und abschliessend vielleicht noch der Verweis auf Chun Lee nicht minder spannendes open lab-Projekt, das zudem auch am folgenden - also dem Donners- - Tag (11.09.) gleich nochmals im Rahmen des Ubuntu-Treffens vorgestellt werden soll.

Von miss.gunst am 10.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.09.08

seifenblasenharfe (ae08)

sbah_ksw.gifEigentlich könnten wir den Strang zur Sprache der Vögel zu Vogelstimmen gleich nahtlos weiterführen. Aber den anstehenden Rückblick auf die diesjährige ars electronica darf diesmal ein besonders charmantes Instrument eröffnen.

Selbiges war bzw. ist (mindestens am heutigen Tage noch) eingangs der Sonderausstellung mit Arbeiten von Studierenden zu finden, die heuer von solchen der Universität Tokio - genauer gesagt: dreier ihrer Studiengänge (der Graduate School of Interdisciplinary Information Studies III, der Graduate School of Information Science and Technology und der Graduate School of Engineering) - eingerichtet wurde.

sbah_g.gifEs hört auf den schönen Namen "ephemeral melody" und ist im Grunde eine Art elektroakustische Äolsharfe, die jedoch nicht mit Wind, sondern mit Seifenblasen bespielt wird: Per Handkurbel lassen sich schillernde Blasen produzieren - und wenn diese dann von zartem Lufthauch auf die Reihe von Kupferstäben getrieben werden, die gleichsam die anzuschlagenden Saiten vorstellen, erklingt das Instrument.

Auf seine Weise also ein very nervous system, das sich (vom Entsenden der Seifenblasen einmal abgesehen) allerdings ganz dem gezielten Zugriff entzieht, um stattdessen - eben wie eine Äolsharfe - poetische Zufallsmusik zu spielen. Prädikat: Schlicht und ergreifend wunderschön!

Wäre zu wünschen, dass Risa Suzuki, Taro Suzuki, Makoto Iida, Seiichi Ariga und Chuichi Arakawa - die talentierten ErbauerInnen der Seifenblasenharfe von "ephemeral melody" - vielleicht so viel Gefallen an der Arbeit in diesem Metier finden, dass sie in Zukunft noch weitere Zufallsmusikinstrumente produzieren.

[Bildchen: Zeigt natürlich nicht die Seifenblasenharfe selbst, sondern ein Gestiebe der zarten Sphären, mit dem man gut und gern ein ganzes Konzert auf dieser spielen könnte. Das grossartige Foto stammt von jurbvetson und wurde dankenswerter Weise zunächst als "Bubble Rain" bei FlickR unter cc-by publiziert, bevor es dann entsprechend lizensiert in den Wikipedia Commons landete. Grand Merci!

Von miss.gunst am 08.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.09.08

eine neue... ?

ae08t_ksw.gifNebenbei bemerkt hat gestern, als wir - mindestens im Geiste - noch bei den Vögeln waren, auch die ars electronica ihre Tore geöffnet.
Was unter elektronischen Künsten zugeneigten natürlich per se schon vermeldenswert sein mag.

Erwartungsfroh kann diesmal zudem das gewählte Thema stimmen, das an sich zwar nicht neu ist (denkt man etwa allein an den einen oder anderen kleineren Anlass des letzten Jahres)- aber eines, das unter den gegebenen Umständen eher an Relevanz gewinnt denn verliert:
Gehen soll es - insbesondere auf der heute beginnenden Konferenz - um die Frage nach den schönen neuen Ökonomien kultureller Produktion in der umkämpften Zone zwischen Informationsfreiheit und Urheberrechtsbestimmungen.

Dazu und zu all den anderen Dingen, die in den nächsten Tagen in Linz geboten werden, gelegentlich noch mehr.
Vorher gilt es aber noch über die Spielwiese hinweg zu kommen, welche die Gestalter der Webseiten und des (Corporate) Graphic Design angelegt haben.

ae08t_g.gif

Da gibt es nämlich nicht nur ein kleines, von PacMan - ja, wie sagt man am besten: inspiriertes Vilmchen auf der Startseite, das einen vor dem Hintergrund des Themas richtig ins Sinnieren bringen kann.
Auch mit dem Titel der Veranstaltung wird munter gespielt: "A new cultural ... - a new scientific economy ... a new ..." - ja, was denn nun eigentlich? Hoffen wir doch mal, dass die Standpunkte auf den Podien etwas entschiedener vertreten werden...

[Bildchen: Ist mehr vom Thema der ars als von irgendetwas anderem inspiriert. Oder?]

Von miss.gunst am 05.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.09.08

birdsong

bsnl_ksw.gif"Nur einer?" werden da treue LeserInnen fragen, die unsere Vorliebe für grosse und kleine Vögel bzw. Vogelstimmen teilen.
Aber nein: birdsong ist nämlich der Name eines sehr netten Netzlabels, das schon längst einmal vorgestellt werden will.

In Israel beheimatet, widmet es sich - dem schönen Motto "specializing in creative home recordings" entsprechend - Musik, die weniger durch hyperperfekte Produktion denn durch eine gewisse Eigenwilligkeit besticht.

Was aber mitnichten heisst, dass dem von einem der birdsong-Vögelchen frohgemut getschilpten Aufruf "low-fi forever!" (zu sehen in der Seite, die der Selbstvorstellung gewidmet ist) durchgängig so streng gefolgt worden wäre. Mindestens könnte man sagen, dass birdsong einfach mit einer anderen Art von high fidelity brilliert.

bsnl_g.gifJedenfalls ist es ein abwechslungsreiches Vergnügen, in den Veröffentlichungen von birdsong zu stöbern. Und natürlich sind wir auch um Empfehlungen nicht verlegen. FreundInnen von Spielzeuginstrumenten bzw. hacked toys dürften etwa an Broken Music feat. Her Highness (birdsong003) besonderen Gefallen finden; Fans von Tapes bzw. der Kassettenkultur lacht sicherlich schon das Cover von The lonesome executive's fantastic tape recorder (birdsong002) an.

Was aber nicht heissen soll, dass etwa nur die ersten Releases das Herz wärmen würden. Beispielsweise könnte die derzeit jüngste EP, "Drop - a 4 note soundtrack" von Cherly KaCherly auch eine schöne Gelegenheit bieten, unseren lang vernachlässigten Strang zur Wassermusik mal wieder aufzunehmen. Nur dass letztere ja leider gerade auch meterologisch, sozusagen im O-Ton, draussen vor der Tür zu haben ist. Und daher keine akustische Verstärkung braucht...

[Bildchen: Das wunderbare Original - Mdfs unter GNU den Commons anvertraute Aufnahme eines Rotkopfspechtes - war nicht umsonst heute Wikipedia-Bild des Tages. Fiel wirklich schwer, es zu modifizieren - nur damit das Ergebnis ein wenig danach ausschaut, als picke das Vöglein an einem Mikrophon...]

Von miss.gunst am 04.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.09.08

upgrade! international lockt (chain reaction)

uisk08_ksw.gifZwar kein Aufruf zur Einreichung, aber eine Einladung zur Teilnahme, die gerne weitergereicht werden will. Upgrade! ist ein Format, das die meisten von lokalen Veranstaltungen kennen dürften, die zu denen der dorkbots eine gewisse Verwandtschaft aufweisen - denn sie werden von Menschen organisiert, die ideenreich an diversen Schnittstellen von Künsten, Technologien, Kultur und Gesellschaft agieren.

Weil Upgrade! aber zudem ein internationales Netzwerk ist, gibt es mehr oder weniger regelmässig aber auch grössere Anlässe, die eigentlich mit Fug und Recht Festival genannt werden können.

uisk08_g.gifAnfang kommender Woche findet nun ein ebensolches im mazedonischen Skopje statt, organisiert von gleich mehreren lokalen Upgrade!-Initiativen (Upgrade! Belgrade, Upgrade! Berlin - Public Art Lab, Upgrade! Sofia – InterSpace, Upgrade! Istanbul – NOMAD, Upgrade! Skopje) sowie der Inititiative Line. Und was dort unter dem schönen Titel "Chain Reaction" geboten wird, klingt liest sich wirklich verlockend.

Das Programm umfasst neben einer Ausstellung, diversen Aufführungen für Augen und Ohren wie Performances und Video-Screenings eine lange Reihe mit ziemlicher Sicherheit ganz und gar nicht langweiliger Vorträge und Workshops.

Könnte sich also - a propos "Kettenreaktion" und soweit es der Kalender gestattet - anbieten, gleich vom einen Festival zum nächsten weiterzureisen...

Von miss.gunst am 01.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)