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18.05.09
glockenspiel ff (friedman)
Mit erklecklicher Verspätung, aber dennoch: Wieder einmal ein Eintrag für FreundInnen der Kunst des Glockenspiels. Wenngleich er nun nur noch für den Zettelkasten ist.
Kunst am bzw. mit dem Carillon gab es diesmal (und leider auch nur an einem einzigen Tag) im Rahmen des Projekts "Playing the City"*, das Matthias Ulrich Ende April bis Anfang Mai für die Frankfurer Schirn Kunsthalle realiert hat. Zweieinhalb Wochen mit Aktionen und temporären Eingriffen von KünstlerInnen im (mehr oder weniger) öffentlichen Raum, die eben diese Öffentlichkeit auf ihre Potentiale abklopfen sollten.
[* Noch, dh zu Eintragszeitpunkt, existiert die Seite - da zu einem bewusst auf Zeitlichkeit angelegten Projekt ist freilich die Frage: Wie lange noch. Falls also nicht mehr, gehört das quasi zum Konzept...]

Ín diesem Rahmen hat Dara Friedmann - den meisten vielleicht eher über ihre Videoarbeiten bekannt (z.B. über ihre Ausstellung im Kunstmuseum Thun 2002) - eine Experimentalanordnung weitergeführt, die sie erstmals 2007 in New York realisierte. Dort mischten sich Freiwillige - vom Parkwächter bis zur Sekretärin - unauffällig unter die PassantInnen, um dann mehr oder weniger unvermittelt aus vollem Halse einen bekannten Musical-Song zu schmettern.
[Einen Text zu dieser Arbeit, passender Weise "Musical" benamst, kann man beim New Yorker Public Art Fund finden; einen Bericht mit Bildern von Campbell Robertson bei Newsgrist.]
In Frankfurt wurde das, was in New York durchaus auch schon als Idee im Hintergrund stand - nämlich einem "Ohrwurm" (*, s.o.) zur Sichtbarkeit zu verhelfen - nun mit verschiedenen "Verstärkern" geprobt: Friedman hatte eine Reihe von StrassenmusikerInnen eingeladen, an verschiedenen Orten mit ihrem jeweiligen Instrument und natürlich Stimmzugabe "You can't always get what you want" von den Stones zu intonieren. Die Besonderheit in diesem Fall: An allen diesen Orten gab es im Anschluss ein Echo, das den "Ohrwurm" noch einmal bekräftigend repetierte und auf seine Weise weitertrug.
Dazu gehörte die Audio-Anlage eines lokalen Kaufhauses, die Orgel des Kaiserdoms und schliesslich - bzw. genau genommen zuerst, denn die Aktionen fanden nur an wenigen Tagen statt und diese hatte den Anfang gemacht: Das Carillon der direkt am Römer gelegenen Alten Nikolaikirche.
[... die, beiseit, übrigens auch eine eigene Heimseite hat, auf der es weitere Informationen zum Carillon gibt und sogar Klängen des Glockenspiels gelauscht werden kann.]

Das "Ohrwurm"-Konzert vor Ort war - dank aller Beteiligten, und ganz besonders der engagierten Carilloneurin der Nikolaikirche - ein Erlebnis für sich. Und hat sicher auch den einen oder die andere Ortsansässige darauf aufmerksam gemacht, dass es an dieser zentralen Stelle eigentlich regelmässig Live-Konzerte hoch oben in der Luft gibt, die auf ihre Weise Klänge in den Himmel und in die Gehörgänge tragen. Ob sich Dara Friedmans "Ohrwurm" - von seinen anschliessenden Auftritten einmal abgesehen - dann wirklich noch weiter verbreitet hat, wissen wir allerdings nicht...
[Bildchen: So ungefähr ist's gewesen, ganz bestimmt. Für die Fotografue des Glockenturms danken wir herzlich Wikipedia Commons-Spender Mylius, der sie unter cc-by-sa lizensiert hat - was folglich auch für unser Bildchen gilt.]
Von miss.gunst am 18.05.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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