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03.05.10
Stadtgrün Selbst Bestimmen
Selbstbestimmung ist natürlich auch ganz allgemein eine feine Sache - hier soll es aber nun, wie versprochen, erst mal ums Bestimmen des Bewuchses gehen, der an Haus- und Gehsteigrändern, Mäuerchen und so weiter in Nischen und aus Ritzen lugt.
Glücklicherweise ist das Netz reich an Seiten, die entsprechende Ressourcen bieten. Viele davon werden von Institutionen und Initiativen bereit gestellt, die sich um die Dokumentation und (soweit möglich) den Erhalt der Artenvielfalt bemühen und/oder mit der Kartierung von Biotopen beschäftigen - und dazu gehören natürlich auch Biotope im urbanen Raum.
Dabei wiederum spielen mitnichten nur Pflanzen eine Rolle, sondern auch alles, was kreucht und fleucht. Kreaturen auf allen Fluren sozusagen. Indes uns für heute aber erstmal nur die Botanik interessiert und auf diesem denkbar weiten Feld jene Arten, die ohne absichtsvolles menschliches Bemühen und Ackern im Stadtraum gedeihen.
Je nach Betrachtungsperspektive werden solche Pflanzen unter unterschiedlichen Namen geführt. Stadtmenschen, die daheim ein kleines Gärtlein hegen, werden die meisten von ihnen vermutlich eher als "Unkraut" bzw. "Unkräuter" bezeichnen (was für ein Unwort, beinah schon mindestens so schlimm wie das Wort "Unwort" selbst). Aber immerhin verdanken wir dieser Sicht eine wirklich schöne und vorbildlich gestaltete Plattforum zur "Unkrautbestimmung" mit bestens ausgestatteter Datenbank, bereitgestellt vom "Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe". Die ist - wie der Name des Verbandes schon ahnen lässt - zwar primär auf ländlichen Ackerbau ausgerichtet, funktioniert aber auch für die Bestimmung entsprechender Gewächse auf urbanem Terrain.

Für viele der als Unkräuter verunglimpften Stadtpflanzen gibt es aber ein sehr viel schöneres, treffenderes Wort. Nein, nicht "Trümmerblume" - das haben wir tatsächlich auch erst kürzlich beim Recherchieren kennen gelernt. Sondern: Ruderalflora. So nennt man alles, was (auch ausserhalb der Stadt) auf Brachen grünt und blüht.
Auch hier hat es eine deutsprachige Seite, die wir wärmstens weiterempfehlen können: Dietmar Brandes, Professor für Pflanzenbiologie an der TU Braunschweig, hat eine kleine Plattform zur Ruderal-Vegetation aufgebaut. Sie enthält zwar keinen Bestimmungsschlüssel, dafür aber Überblicksdarstellungen und Hintergrundinformationen, die ja auch als Augenöffner funktionieren können.
Und wer dann kein Bestimmungsbüchlein dabei hat, sondern - wie auch in unserer kleinen Ausschreibung angeregt - die digitale Botanisiertrommel in Form (s)einer Kamera oder eines entsprechend ausgestatteten tragbaren Telefons, kann eben daheim mit besagten online-Bestimmungshilfen nachbereiten.
Sollte sich das fotogene Gewächs nun nicht unter den Unkräuten (s.o.) finden, dann hilft hoffentlich pflanzenbestimmung.de weiter. Falls nicht: Vielleicht noch mal genauer hinschauen, ob die Pflanze nicht doch Augen und Beine hat?
[Bildchen: Nun gut. Campanula zählt man gemeinhin nicht zu den Unkräuern, auch wenn sie den Boden recht gut bedecken kann. Aber wenn man ihr sagen würde, dass sie nicht in die Stadt gehört - sie würde sicherlich ihr Recht auf Selbstbestimmung behaupten.]
Von miss.gunst am 03.05.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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