« Zeitstau und Eigenzeit (WRT) | Hauptseite | Eisgeflüster »
20.06.10
DIY Stadtlandwirtschaft (Fukuoka)
Man kann es ja, à propos Eigenzeit, auch mal im Tun enstprechend angehen lassen. Daraus ergibt sich nämlich gleich eine gute Gelegenheit, an den jüngst aufgemachten Faden zur urbanen Landwirtschaft anzuknüpfen.
Unter den vielfältigen Möglichkeiten, die sich für städtisches Ackern bieten, gibt es ja noch einige - und eine davon ist das Anlegen sogenannter Fukuoka-Felder bzw. das Fukuoka-Gärtnern.
Name und Prinzip gehen auf den japanischen Permakultur-Experten Fukuoka Masanobu zurück. Der vertrat im Sinne einer entsprechend auf eine möglichst weitgehend vor menschlichem Übereifer bewahrten Naturkultur bzw. Kulturnatur setzenden Bewirtschaftung die Auffassung, dass die beste Landwirtschaft eine sei, die sich sozusagen selbst beackert.
Im Deutschen gibt es dafür auch den schönen Begriff "Nichts-Tun-Landwirtschaft" (s.a. den englischen Wikipedia-Eintrag zu "Do-Nothing-Farming") - aber so ganz und gar nichts wird bei resp. nach Fukuoka natürlich auch nicht getan.
Um ernten zu können, darf nämlich durchaus auch gesät werden - was insbesondere in urbanen Umgebungen, wo vielleicht doch erst mal ein Boden abgesteckt und renaturiert werden muss, schwer zu vermeiden ist. Doch schon die Bodenaufbereitung wird dann idealer Weise von den Pflanzen und den ihre Ansiedelung begleitenden Lebewesen brav selbst erledigt.
Und wie soll das nun genau funktionieren?
Schaut man sich sicher am allerbesten direkt bei denen ab, welche die Fukuoka-Gärtnerei bereits erfolgreich praktizieren.
In Berlin, das in Deutschland zu den Pioniergebieten in Sachen "Nichts-Tun-Landschwirtschaft" gehört (nein, das ist ausnahmsweise mal nicht doppeldeutig gemeint) und wo an diesem Wochenende der Lange Tag der Stadtnatur steigt, werden aus diesem Anlass sowie auch sonst regelmässig Lehrtouren zu und auf Fukuoka-Feldern angeboten. Winfried Schiffer, der seit acht Jahren Fukuoka-Landbau betreibt und damit seinerzeit schon beim Wettbewerb "Evolutionäre Zellen" punktete, hat vor Ort zahlreiche solche Demo-Felder angelegt, die allem Vernehmen nach in der Tat aufs prächtigste gedeihen.

Noch etwas praktischer, zumal für jene, die gerade nicht in Berlin weilen? Aber sicher doch. Auf Fukuoka sollen nämlich auch jene kleinen Bällchen zurückgehen, die in jüngerer Zeit über das allgemein beliebte Guerilla-Gärtnern gerade schwer in Mode gekommen sind: Seed Balls (zu Deutsch: Samenbällchen), also spezielle Samenmischungen, die in eine zu Aussatz- resp. Wurfzwecken mit einer Papiergaze umhüllte Lehr-Erdkugel eingeknetet worden sind, von der sie sich auf welchem Boden auch immer sie landen, zum Auskeimen erstmal prima ernähren können.
Anschauen und Nachlesen kann man das auf grob geschätzt 10.000 von Google mal eben in 0,20 Sekunden gefundenen 28.9000 Webseiten - schön kompakt und mit Fukuoka-Bezug z.B. bei milkwood, "Seedballs: from Fukuoka to Green Guerillas"
Wer's ganz genau wissen will, sollte aber getrost auch mal in einer Bibliothek oder Buchhandlung nach Fukuokas zahlreichen Schriften schauen - von denen es auch einige online zu finden gibt. Weiter führt hier das dem Fukuoka-Gärtnern gewidmete Blog naturalfarming.org.
[Bildchen: In Berlin werden bekanntlich nicht nur Samenbällchen geworfen - ob das hier welche waren resp. sind, würde zudem auch die Zeit noch weiter weisen müssen. Kuscheln sich jedenfalls auf dem Rasengrund vor dem Bethanien. Angelegentlich also vielleicht noch mal vorbeischauen, um zu gucken, was da wächst...]
Von miss.gunst am 20.06.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
Kommentare
Kommentieren:
Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)