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04.09.10

Reparieren (ars electronica 2010)

tbkfl-ksw.gifFrom Disco to Disco Von Festival zu Festival: Die ars electronica hat für ihr Festival 2010 das Motto "repair" ausgerufen und geht, wie es sich gehört, mit guten Beispielen voran.

Vornehmlich natürlich nach Festivalart, indem sie KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und andere auf dem Feld aktive versammelt, die ihre Projekte vorstellen.

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Aber auch ganz grundsätzlich. In diesem Jahr hat die ars nämlich ihre angestammten Festivalorte (wie das gute alte Brucknerhaus) verlassen und fast alle Aktivitäten an einem Ort konzentriert:
In der ehemaligen Linzer Tabakfabrik.
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Wissenswert dazu: Der von Peter Behrens und Alexander Popp Anfang der1930er Jahre für die Österreichische Tabakregie (später: Austria Tabak) entworfene Bau...
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... ist zwar per se ein attraktives Industriedenkmal eben jener Art, wie man sie auch während der ISEA2010 RUHR als transformierte Kulturorte zuhauf zu sehen bekam.

Allerdings waren die Linzer Tabakwerke noch bis vergangenen Herbst in Betrieb – was in manchen Hallen des weitläufigen Gebäudekomplexes wortwörtlich noch in der Luft liegt.

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Einen solchen Ort in Transformation - und durch seine Beispielung Optionen für künftige Enden dieser Transformation - über die lokalen Konstellationen hinaus prominent ins Bewusstsein zu rücken, ist immer eine spannende Angelegenheit.
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Sowie eine strategische Positionierung. Denn es gibt natürlich schon Pläne für Zukunft - ziemlich ehrgeizige: Die Tabakfabrik soll zu einem grossen Kulturzentrum u.a. nach dem Vorbild des Wiener Museumsquartiers werden. Das wird früher oder später die Frage nach konkreten Konditionen aufwerfen. Und man kann sich dabei gut vorstellen, was als nächstes kommt: Wenn sich hinreichend Investoren finden – was bei einem Behrens-Bau wohl nicht so unwahrscheinlich ist - werden Versuche gestartet, die "üblichen Verdächtigen", also VertreterInnen der so genannten "Creative Industries" anzusiedeln. Selbstredend solche, die gute Mieten zahlen können. Bis die gelandet sind, dürfen sicher auch erst mal KünstlerInnen und andere Kulturschaffende hinein. Ob temporär oder auf Dauer, wird dann auch eine Frage der Beteiligung der öffentlichen Hand sein und bleiben ... Gentrifizierung olé? Oder doch Alternativen, wie sie in weiteren Szenarien zur Entwicklung der Tabakfabrik skizziert werden? Nun: Das muss in der Tat die Zukunft weisen.
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Vorerst einmal jedoch repariert die ars ein Loch in der lokalen Konstellation an der Donaulände. Das macht sie schon gut - und es kommt ihr auch selbst zu Gute.

Will heissen: Wenn man die Devise "repair" erst einmal so auslegt, wie das die ars aktuell macht – also in breiter Perspektive anzusetzen, eingeschlossen wirklich interessante Projekte, die sich auf wirklich interessante Weise mit diversen Löchern und deren Flicken beschäftigen, erstens: ohne damit gleich die ganze Welt retten zu wollen und zweitens: das Flicken in die Hände aller geben, welche welche haben, ohne drittens: allzuviel "wir-sind-mal-wieder–die-Avantgarde-Flair" zu dünsten – dann kann das so falsch nicht sein.

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Von miss.gunst am 04.09.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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