« September 2010 | Hauptseite | November 2010 »

31.10.10

Teestündchen mit Niklas Roy (@ Shift Festival 2010)

nrttri-ksw.gifNicht nur das Wiederfinden, sondern auch das Wiedersehen kann bekanntlich Freude machen - und besonders gilt das selbstredend für KünstlerInnen, deren Projekte man schon länger schätzt.
Um so schöner, wenn sich das Ganze mit einem gemütlichen Teestündchen verbinden lässt.

Wie beispielsweise im Fall von Niklas Roy, der zu den im zweiten HOME MADE-Buch "HOME MADE Electronic Arts" vorgestellten TüftlerInnen gehört und dessen (zusammen mit Addad Hannah ins Werk gesetzte) internationale Tanzpartymaschine auch schon hier im Log.Buch gefeiert worden ist.

nrttri-01.gif

Beim SHIFT Festival zeigt er im Rahmen der Ausstellung (s)eine "Grafikdemo" (2004).

Auf dem Schirm eines alten Commodore lässt sich das 3D-Gitternetz-Modell einer Teekanne rotieren. Dass die Kanne nicht nur das Herz von Computerkultur-Nostalgikern höher schlagen lässt, sondern auch mit frappierender Räumlichkeit punktet, hat allerdings weniger mit Roys Programmierkünsten als mit seinem Händchen fürs analoge Basteln zu tun: Was sich hinter dem Glas dreht, ist nämlich ein veritables Drahtmodell.

nrttri-02.gif

Einschenken lässt sich damit - aus nahe liegenden Gründen - zwar trotzdem nur virtuell. Aber wir üben trotzdem mal den galanten Griff. Und hätten mit Dr. Faustroll, der weiland ja mit einem ganzen Boot ähnlicher Bauweise zwischen Wasserinseln schipperte, auch schon den idealen Gast, den wir allzugern mal zu einem Teestündchen mit Grafikdemo bitten würden.

Von miss.gunst am 31.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.10.10

Schöner Finden (@ Shift Festival 2010)

shf201-ksw.gifEs soll ja Menschen geben, die kaum etwas schöner finden als etwas zu finden. Das setzt zwar nicht zwingend voraus, dass zuvor etwas verloren gegangen ist. Gleichwohl kann natürlich ein glücklicher Fund so manchen Verlust kompensieren.
All jenen, die sich dafür interessieren, was die Kunst und ihre Medien zu diesem Feld beizutragen haben, lässt sich das diesjährige SHIFT Festival in Basel ans Herz legen.

Das hat heuer nämlich das Motto "Lost & Found" ausgerufen - und damit einen Schwerpunkt gesetzt, den man gleich mehrfach sinnstiftend auf den aktuellen Stand der Dinge in der digitalen analogitalen Kultur beziehen kann.

shf201-f01.gifWenngleich Marshall McLuhan ganz sicher nicht falsch lag, als er schrieb, dass neue Medien alte nicht etwa ablösen, sondern vielmehr zu veränderten Konstellationen und Konditionen in Medienverbünden (und ergo auch -kulturen) führen: Hin und wieder scheint ja tatsächlich etwas zu verschwinden bzw. verloren zu gehen.

shf201-f02.gifNehmen wir beispielsweise mal: Die gute alte Kassette oder den Overhead-Projektor. Beide sind mittlerweile tatsächlich vom Aussterben bedroht - in ihren ursprünglichen Einsatzgebieten haben ihnen andere Technologien und Geräte längst den Rang abgelaufen, sie vesrchwinden aus der Herstellung und dem Handel.

Indes wissen nicht zuletzt die treuen LeserInnen dieses Log.Buchs: Da geht noch was. Sowohl allgemein in der (genau:) analogitalen Popkultur - als auch in der Kunst.
So eben auch für FreundInnen von Tapes und Kassetten(geschichten).
Und auch für Fans des guten alten Overhead, an den ganze Hymnen verfasst werden und der uns nun als zentrales Mitglied von Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor wiederbegegnet.

shf201-f03.gifLetzteres zwar nun leider nicht beim SHIFT-Festival - aber dessen Programm ist auch ohne unsere geliebten Lichtwerfer wirklich reichlich mit spannenden Projekten bestückt, von denen denn auch das eine oder andere hier noch näher vorgestellt werden soll.

Und den geliebten Lichtwerfern werden wir demnächst auch wieder an anderer Stelle begegnen können. Mal ganz abgesehen davon, dass uns das Festival-Motto "Wiederentdecken, neu interpretieren" ja auch sowieso schon länger und auch in Zukunft weiterhin interessiert...

Von miss.gunst am 28.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.10.10

Broadcasting Art (Aufruf)

krwbw-ksw.gifA propos Radiokunst: Da flatterte uns doch gerade noch ein passender Aufruf zur Beteiligung ins elektropostalische Briefkästlein herein, den wir gerne gleich mal weiterreichen wollen....

Und zwar hat der spanische Sender rtve derzeit einen entsprechenden Wettbewerb namens "Broadcasting Art 2010" ausgeschrieben. Erst mal aus nahe liegenden Gründen auf spanisch - aber wem das spanisch vorkommt bzw. wer dieser Sprache nicht mächtig ist, kann die Regeln zur Beteiligung auch auf Englisch nachlesen.

Ist nicht mehr viel Zeit (Deadline ist der 30.10.10) und es sollen auch bislang unpublizierte, im laufenden Jahr produzierte Stücke sein. Dafür darf man zwei Lose in die Trommel werfen. Und neben der Ausstrahlung winkt auch so etwas wie ein Siegerlohn.

krwbw-gg.gif

Zur Einreichung selbst ist dann ein Formular zu benutzen - auf das hier schon allein deshalb verwiesen werden sollte, weil es im Regeltext dazu eine wirklich nette Klausel enthält: Anzugeben ist nämlich auch eine "theoretical justification" für das Projekt.*
[*Beiseit: Das steht so nur in den Regeln - im Formular selbst ist, Gemach, Gemach, nur von "Include here the title of the presented work and the synopsis. Besides creator's biography and CV " die Rede.]

Also nichts einfacher als das, oder?
Nun: Für den Fall, dass ausgerechnet an diesem neuralgischen Punkt der Einreichung jemand an seinem Bleistift nagen Spinnweben über der Tastatur wachsen sollten, hätten wir hier einen kleinen Blindtext, den wir gern zur freien Verwendung zur Verfügung stellen:
"Theoretisch wollte ich mit diesem Beitrag die Radiokunst ein für alle Mal revolutionieren. Praktisch hat es halt nur für ein 10-Minuten-Irgendwas gereicht. Aber hört's Euch doch einfach mal an..."

Ok, kleiner Scherz. Aber weil wir Einreichungsregeln und -formulare wirklich innig lieben, musste der einfach sein.

Von miss.gunst am 20.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.10.10

Gasometer Radio (WRT)

gsmtrrr-ksw.gifEine gute Gelegenheit, den Geist des grossen G noch einmal anzurufen. Was sich zugleich mit einem Webradio-Tipp verbinden lässt.
Schliesslich haben wir ja schon im Sommer festgestellt, dass das Gasometer Oberhausen ein wunderbarer Klangkörper und mithin auch für entsprechende Experimente empfänglich ist.

gsmtrrr-g.gifInzwischen sind aus den Experimenten veritable Radiokunst-Stücke geworden, die - beginnend mit dem heutigen Sonntag (17.10.10) bis Anfang Dezemeber - wöchentlich beim ORF Kunstradio ausgestrahlt werden.

Eine richtige Sendereihe also, die - da (fast) alle am Gasometer-Experiment Beteiligten Mitglieder des Radiokunst-Netzwerks radia.fm sind - unter dem Namen "curated by radia" firmiert.

Was einerseits also richtig ist, andererseits aber auch sehr bescheiden. Denn organisiert und zusammengestellt hat die Reihe Knut Aufermann, den treuen LeserInnen dieses Log.Buchs aus zahlreichen Einträgen kennen - und dessen Stück heute auch den Anfang macht.

Mitzuhören ab 23:03 Uhr auf ORF, das selbstredend auch über einen Webradio-Stream verfügt. Seid dabei!

Von miss.gunst am 17.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.10.10

Entfesselte Geräte

uldv-ksw.gifNach London lassen sich derzeit viele kunstaffine Menschen von der Frieze Art Fair locken. Und/oder von den Sonnenblumenkernen aus Porzellan, die Ai Wei Wei in der Tate Modern zu einer zugegebener Massen ziemlich spektaktulären Installation aufgehäuft hat. Und und, oder oder... vielleicht von entfesselten Geräten?

Ebensolche versammelt derzeit nämlich eine Ausstellung namens "Unleashed Devices" im Watermans, einem am Themse-Ufer des Londoner Stadtteils bzw. Vororts Brentford gelegenes Kunst- und Kulturzentrum.

"UNLEASHED DEVICES is a playful exhibition in which artists have reconstructed, remixed and reinvented everyday electronic devices. Working in this way, the artists change our understanding of the possible use of data and purpose of technology."

- so das Konzept der Schau, die dazu über dreissig Projekte von KünstlerInnen und Künstlergruppen versammelt.

Ein Thema ganz nach unserem Geschmack!
Und natürlich sind auch hochgeschätzte alte Bekannte mit von der Partie - wie zum Beispiel The Owl Projekt (s. den Eintrag vom 25.07.06) mit seinen grossartigen Gadgets aus urigem Echtholz, neben denen die apfelalglatte Stromlinienförmigkeit handelsüblicher Standard-Designerware eher oll ausschaut.

uldv-gg.gif

Aber je nun, was tun, wenn derzeit (bzw. bis 22.10.10 - denn so lange wird die Ausstellung noch zu sehen sein) die Zeit für einen Ausflug nach London fehlt?

Dann bietet sich immerhin noch das Katalogheft bei isuu zum (online-)Blättern an, in dem alle Beteiligten mit ihren Projekten vorgestellt werden.

[Bildchen: Dieses, äh, entfesselte Gerätchen sollte eigentlich als Rasierapparat-Adapter ein eher trauriges Dasein fristen. Von diesem schnöden Schicksal haben wir es selbstredend gern befreit. Für das Original-Porträt danken wir Wikimedia-Commons-Spender plugwash. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 14.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.10.10

Rumkugeln

rkglrkgl-ksw.gifDoch, ernsthaft. Aber erst einmal einen passenden Witz dazu - auch wenn den unter der geneigten LeserInnenschaft sicher jede/r kennt.
Und der geht so: Kommt ein Mann in eine Konditorei...

... und natürlich steht erst einmal, wie es sich für einen guten Kunden in einer Konditorei gehört, ein bisschen in der Schlange an.
Als er an der Reihe ist, fragt ihn die Verkäuferin: "Sie wünschen bitte?"
Er, das Wesentliche seines Begehrs ebenso knapp formulierend: "Rumkugeln!"
Darauf die Verkäuferin, die Augen rumkugelrund, weil mehr als nur ein wenig indigniert - sich dann aber auf die Höflichkeit und den guten Stil des Hauses besinnend: "Bittschön - aber doch besser draussen!"

Nun mag dieser Witz nicht nur einen langen Bart haben, sondern in gewisser Hinsicht auch seines Gegenstands wegen historisch überholt oder mindestens vom Aussterben bedroht sein. [Beiseit: Rumkugeln gehören nämlich, wie Granatsplitter (und, wenngleich aus anderen Gründen: die nur dank gewisser popkultureller, äh: Aufwertungen temporär sogar zu neuer Beliebtheit gelangen Nussecken), zu den mittlerweile in Konditoreiauslagen rar gewordenen Spezereien. In Zeiten von "light" und "low carb" sind sie sind schlicht nicht gerade ein Trendgebäck - und angesichts der Tatsache, dass sie eigentlich auch eine prima Resteverwertungsmöglichkeit für Schokoladiges vom Vortag darstellen, werden sie wahrscheinlich auch von EU-Normen in die Enge einer subsidiären Entweder-Oder-Existenz getrieben: Entweder aus frischen Zutaten handgemacht, ergo hochpreisig - oder als Billigprodukt im Supermarkt des Abgriffs harrend...]

In diesem Fall bringt unser bärtiger Witz jedoch die Sache auf den Punkt. Denn: In Wien gibt gab es gerade Rumkugeln beim Rumkugeln zu bestaunen. In einer veritablen Rumkugelbahn!

rkglrkgl-g.gif

Und zwar im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK), wo sie anlässlich bzw. im Rahmen der diesjährigen Vienna Design Week auf- bzw. ausgestellt worden war. Verantwortlich für diese wunderbare Konstruktion: Das Designerpaar Katharina Mischer und Thomas Traxler, kurz mischer'traxler, die uns vergangenes Jahr auf der ars electronica schon mit ihrem Projekt "the idea of a tree" ziemlich begeistert haben.

Obzwar zunächst einmal ins Apparative transferierte systematische Reflexion eines Generationsprinzips und zugleich dessen poetische Metapher, bezaubert die Baumwickelei nämllich auch als Rube-Goldberg-Machine (mehr zu dieser Gattung im Eintrag vom 16.09.07).

Erst recht gilt das nun für die Rumkugelbahn. In selbiger legen die bschwipsten Schokobälle einige Akrobatik an den Tag, um an den eigentlichen Ort ihrer Bestimmung zu gelangen. Für besonderes optisches Plaisier sorgen dabei die Stationen, die samt und sonders aus Designobjekten bestehen. Indes man selbst den Lauf der Dinge bzw. um und über die Dinge bequem im Liegestuhl fläzend beobachten kann - und wenn alles rund läuft, springt die Kugel am Ende zielgenau in den schleckfreudig aufgesperrten Schlund.

Na, wer will da noch gelangweilt in Tüten greifen oder gar arglose Konditoreiverkäuferinnen mit verstörenden Fragen plagen?
Eben. Ergo, lieber Weihnachtsmann: Ich wünsche mir heuer unters Bäumchen, na was wohl? Eine Rumkugelbahn!

[Bildchen: Hausgemachte Rumkugeln beim Rumkugeln. Fotos vom Bähnchen hat es bei mischer'traxler und zudem auch ein Rumkugelbahn-Video bei vimeo.}

Von miss.gunst am 11.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.10.10

Aufforderung zur Entschuldigung!

sfxcm-ksw.gifWie bitte? Doch doch: Es geht tatsächlich um eine Entschuldigung. Genauer gesagt: Um die Aufforderung Einladung, eine ebensolche kreativ zu gestalten. Das Allerbeste aber gleich vorweg: Ehrliche Zerknirschung ist keine entscheidende Voraussetzung fü eine aktive Beteiligung...

Eigentlich ist denn auch nur der Name des Projekts, durch den überhaupt das Thema "Entschuldigung" auf den Tisch gebracht wird.

Excuse heisst ein kleines neues Zine, das in kleiner Auflage auf Papier produziert und zugleich zur Ansicht ins Netz gestellt wird. Dazu geht jede Woche ein neuer Aufruf an die Allgemeinheit heraus, sich mit einem Beitrag zu beteiligen.
Allerdings nicht zum Thema "Entschuldigung" - es wird vielmehr wöchentlich ein neues Motto ausgegeben.

sfxcm-g.gif

Denjenigen, die nun erst recht über den Titel rätseln, könnten wir zum Behelf vielleicht noch folgende Erklärung anbieten: Ohne Not kreativ zu werden, mit ein bisschen Liebe und Sorgfalt etwas zu fabrizieren, das keinen anderen Zweck erfüllt als Beitrag zu einem schönen Projekt zu sein - das wäre doch eine prima Entschuldigung, um guten Gewissens die Pflichten des Tagwerks für einmal beseit zu legen und mitzutun!

[Bildchen: Die drei Kandidaten sehen zwar denkbar zerknirscht drein. Aber dass sie wirklich schlimme Finger gewesen wären, davon wissen wir eigentlich nichts. Eher schon ist das schlechte Gewissen ganz auf unserer Seite, wenn wir an den überquellenden Kulturbeutel, die noch immer ausstehende Fortsetzung der Perlenschau von Produktionen aus Romainmôtier und erst recht die vielen Neuigkeiten aus den netten Nachbarschaften denken, von denen es zu berichten gilt... gelten würde ... gülte ... je nun... sobald wieder Zeit ist eben...]

Von miss.gunst am 06.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.10.10

Radiokunst aus AUS (WRT)

rkfrqoz-ksw.gifWeil gerade wenig Zeit fürs Log.Buch ist, zwischendurch einfach einmal einen Webradio-Tipp, der etwas länger vorhält und FreundInnen der Transmissionskunst die eine oder andere schöne Stunde bereiten könnte. Mindestens aber mal zum Hineinlauschen lädt.

Das AUS in der Titelzeile natürlich nichts mit ausschalten zu tun ... oder allenfalls in dem Sinne, in dem Joseph Beuys seinerzeit "Ich trete aus der Kunst aus aus" an eine Wandtafel schrieb: doppelt aus ist eben mittendrin. Und aus AUS hiesse dementsprechend: Eben nicht ausschalten, sondern erst recht (wieder) einschalten.

Also bitte einschalten bzw. sich in den Webradio-Stream werfen, und zwar denjenigen unseres Londoner Lieblingssenders resonance fm - um Radiokunst aus AUStralien zu lauschen.

rkfrqoz-g.gif

Bei resonance fm läuft nämlich bereits seit Anfang September das Festival "Frequency Oz", mit dem uns Colin Black ein wahres Schatzkästlein radiophoner Klangkunst und experimenteller Musik aus Down Under kredenzt.

Noch bis Ende Oktober kann man jeden Sonntag um 21:00 Londoner Zeit (also MEZ +1) sowie in Wiederholung nochmal am Dienstag eine volle Stunde lang einen Kontinent entdecken - garantiert ohne (post)koloniale Gewissensbisse. Aber mit einem wirklich interessanten Exkursionsprogramm.

Von miss.gunst am 02.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)