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18.12.10

Handgemachte Karten

hdmhdm-ksw.gifSaisonbedingt mag man beim Stichwort "handgemachte Karten" sicher erst einmal an selbstgebastelte Weihnachtsgrüsse denken. Aber in diesem Fall ist eine ganz andere Sache gemeint - deren Vorstellung allerdings durchaus saisonal motiviert ist.

Gemeint sind nämlich Landkarten und Stadtpläne, die von Hand gezeichnet sind.
Ist mithin eigentlich eh ein Thema, das längst schon in unseren Zettelkasten gehört hätte - handgemacht und hausgemacht ist zwar nicht dasselbe, aber Letzeres geht mit Ersterem denkbar oft zusammen.

Nun werden manche vielleicht denken: In Zeiten, in denen einem das Kartenprogramm einer bekannten Suchmaschine den Weg von A nach B jederzeit und überall auf den heimischen Rechner, das Mobiltelefon oder das Navi spielt, haben hakelige Serviettenzeichnungen ein für allemal ausgedient.

Weit gefehlt, würden wir derlei doch sofort entgegenhalten wollen. So nett besagter Service auch ist - um die Zuverlässigkeit zum Beispiel bzw. insbesondere bei der Darstellung von Fusswegen ist es nicht wirklich gut bestellt. Und das wiederum hat einen guten Grund bzw. direkt mit der Datengrundlage zu tun, auf deren Basis die Vorschläge erfolgen. Die ist nun mal primär aus Autofahrerperspektive verfasst - und automatische Fehldeutungen von fotografisch erfassten Flächen führen dann gern mal dazu, dass Wege garnicht erscheinen oder grosszügige Umrundungen unbebauter Zonen angeraten werden.

Im Gegensatz dazu sind handgezeichnete Karten wiederum allerbestens dazu geeignet, individuelle Ratschläge für besonders schöne, besonders spannende, besonders ruhige etc. pp. Fusswege sowie natürlich persönlich erprobte Spezialtipps loszuwerden. Wie sie gerade in heimischen Gefilden eigentlich bei jede/m zum Repertoire gehören.

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Natürlich haben auch handgezeichnete Karten ihre Häkchen und Haken, abhängig von den Kapazitäten des Zeichners resp. der Zeichnerin. Aber dafür dann eben eine individuelle Note, mit der - wiederum abhängig von den Kapazitäten des Zeichners resp. der Zeichnerin - mitunter sogar eine eigene bildnerische Qualität einhergehen kann.

Eine echte Schatztruhe für LiebhaberInnen dieser Gattung ist die Webpräsenz der "Hand Drawn Map Association". Das von dem in Philadelphia beheimateten Designer Kris Harzinski ist ein Mitmach-Projekt, das handgezeichnete Karten aller Art sammelt - und dabei nicht nur nach Eingang chronologisch publiziert, sondern zudem auch nach unterschiedlichen Gesichtspunkten sortiert.

So kann man zum einen im Archiv ganz konventionell nach Stadtplänen schauen (die dann natürlich teils durchaus unkonventionell ausfallen), aber ebenso nach Karten fiktiver bzw. fiktionaler Orte fahnden. Und dann gibt es auch kuratierte Sammlungen, in denen einschlägige Projekte einzelner KünstlerInnen vorgestellt werden.
Und inzwischen übrigens auch ein sehr schönes Büchlein, das auch bei uns im Handel zu erstehen ist.

Genau, da war noch etwas: Der saisonbedingte Anlass. Zu den Zwecken, denen eigentlich nur handgezeichnete Karten dienen können (es sei denn, man schickt eine Drone oder einen humanoiden Späher des Wegs voraus), gehören nämlich auch jene fussläufigen Workarounds, die zur Meidung vorweinachtlicher Staumassen notwendig werden, wie sie in Einkaufszonen und durch Weihnachtsmärkte entstehen.

Und wenn dann noch - wie dieser Tage - anhaltende Schneefälle dafür sorgen, dass just jene seltener begangenen Pfade, auf die man sonst ausweichen würde, unpassierbaer werden... Tja, dann braucht es ausgeklügelte Karten im Kopf oder, zum Behufe der Weitergabe, eben auch in der Hand...

[Bildchen: Ja, so bescheiden kann's eben mitunter aussehen resp. zugehen. Anstatt von a nach b (oder umgekehrt) gemütlich auf gewohntem Pfad zu wandeln (hellgrün), weicht man zwecks Meidung der Zone - wo nun mal gar nichts geht - auf einen Schleich- und leider auch Umweg aus (dunkelgrrrün). Aber selbst dort sorgen gemeine Hindernisse wie Baustellen und Schneewehenwälle dafür, dass man sich nicht oder nur mühselig fortbewegen kann (gelb). Kurzum: Da hilft dann auch die handgezeichnete Karte nicht - es sei denn, um das ganze Elend darzulegen.]

Von miss.gunst am 18.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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