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04.12.10

Tischtheremin ohne Theremin (J. E. Oliver)

jtms-ksw.gifEin nahezu unsichtbares Instrument, das von den Händen nicht berührt wird, die es spielen? Da denkt man spontan natürlich erst einmal an das gute alte Theremin.
Aber mit den digitalen Medien stehen auch ganz andere Technologien bereit, um ein solches Instrument zu bauen.

An sich wissen das die LeserInnen dieses Log.Buchs längst, da uns - unter anderem oder vielleicht besser: allen voran - Bruno Spoerri (s.a. mehr im hauseigenen Archiv) nicht nur verschiedentlich mit Theremin-Konzerten erfreut hat, sondern eben schon seit Jahren David Rokebys Very Nervous System in ganz ähnlicher Weise fürs Live-Jazzen nutzt. Und zudem, nicht zu vergessen, vor zwei Jahren beim Zürcher diy*together Festival sogar mit der Wii Entsprechendes vorgeführt hat.

Klar allerdings auch, dass damit noch lange nicht das Ende der kreativen Fahnenstange erreicht ist.
So hat der peruanische Künstler und Computermusiker Jaime E. Oliver ein Instrument namens The MANO Controller (kurz: MANO) konstruiert, das erst einmal wie ein schlichter Tisch ausschaut und eben dann, wenn man seine Hände über dessen Platte manövriert, zauberhafte Klänge hervorbringen kann.

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Das Geheimnis von MANO sind freilich keine Schwingkreise, sondern - ähnlich wie auch beim Very Nervous System - ein optischer Sensor, dessen Signale an einen Computer resp. ein von Oliver geschriebenes Programm weitergegeben werden, das wiederum die Bewegungen der Hände in Klänge respektive Musik verwandeln kann.

Den Aufbau des MANO - mit seiner schwarzen Platte, die von zwei Schreibtischlampen beleuchet wird, darüber eine Videokamera als Sensor, Computer und Audioperipherie ebenso schlicht wie elegant - kann man auf Olivers Heimseiten in Augenschein nehmen. Und dort gibt es neben einem Video, welches den Künstler und sein Instrument in Aktion zeigt ("Silent Construction 2"), auch spannende Einblicke in Details.

So etwa dazu, wie die Daten erfasst werden und sogar Ansätze zu einem HowTo-Tutorial für einen MANO-Eigenbau, inklusive Sourcecode. Wow!

Am heutigen Samstag (04.12.10) wird Jaime E. Oliver im ZKM Karlsruhe im Rahmen des IMATRONIC-Festivals für seine Arbeit der heuer erstmals vergebene Giga-Hertz-Sonderpreis für technische Innovation verliehen. Wozu wir natürlich gratulieren - indes aber der Meinung sind, dass MANO beziehungsweise die Silent Construction Series künstlerisch nicht weniger würdigenswert ist.
Mal ganz abgesehen von den Sympathiepunkten, die Oliver durch die in den Künsten allgemein noch nicht so weit verbreitete OS-Philosophie verdient.

[Bildchen: Kommt nicht aus dem MANO-Manual. Weil wir wie so oft zu ungeduldig waren, noch extra anzufragen, haben wir eben flink händisch eine Hommage fabriziert...]

Von miss.gunst am 04.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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