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27.02.11

Klangkarte im Kopf (Noiseau, WRT)

ensmmm-ksw.gifUm Klangkarten bzw. Soundmaps, die Klänge verorten lassen und zur Navigation durch Klangräume einladen, geht es in diesem Log.Buch immer wieder mal.
Für den heutigen Sonntag (27.02.11) hätten wir dazu auch einen passenden Webradio-Tipp.

Mit einer Sendung von Etienne Noiseau - einem hoch geschätzen Kollegen, der seit langen Jahren im Radio-Kunst- und Kunst-Radio-Netzwerk radia.fm für das (übrigens auch sonst sehr hörenswerte) Marseiller Radio Grenouille aktiv und Mitbegründer der hier ebenfalls schon gefeierten Experimentalklang-Plattform silenceradio.org ist.

"Sound Map of My Mind" heisst sie und verspricht genau das: Nämlich eine Reise durch die Erinnerungen, Träume und Gedanken, die sich für Noiseau mit seinen nun schon mehr als zwanzig Jahre intensive Klangreisetätigkeit umfassenden Expeditionen verknüpfen.

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Dabei geht es durchaus auch ums Erzählen. Allerdings weniger im Sinne eines Plauderns aus dem Nähkästchen seines Wegs vom Tontechniker zum leidenschaftlichen Klangsammler und Radiomacher bzw. -Künstler. Sondern vielmehr um etwas, das er selbst als "Autofiktion" bezeichnet und das mehr mit dem Imaginationsraum der Klanglandschaften zu tun hat, die er bereist.

Wann und wo? Heute (27.02.11) ab 23:05 Uhr im Wiener Kunstradio.

Von miss.gunst am 27.02.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.02.11

Physik-Musik (WRT)

lbrkl-ksw.gifMusik wird gern in einem Atemzug mit Mathematik genannt. Auch nicht falsch. Aber sehr viel direkter sind natürlich ihre Beziehungen zur Physik. Und zur Psychophysik.
Musik, der das nachgerade anzuhören ist, gilt der heutige Webradio-Tipp.

Wer jetzt allerdings vermutet, ins Funkkolleg geschickt zu werden: Würden wir zwar sicher auch empfehlen, wenns denn eins zum Thema gäbe.
Aber natürlich ist Mittwoch - und das lässt treue LeserInnen sicher schon vermuten: Es geht wieder einmal um eine Sendung von WDR 3 open studio Elektronische Musik.

Auf dem Programm steht dort heute eine Stunde mit Jean Claude Risset, der mit seinen Experimenten auf dem Feld der Wellensynthese (und den daraus resultiertenden Glissandi) Kompositionsgeschichte geschrieben hat.

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Neben eigenen Stücken wird Risset Arbeiten von Kollegen vorstellen, die ihn wesentlich inspiriert haben und/oder mit denen er zusammengearbeitet hat: Edgar Varèse und John Chowning, James Tenney und Michel Decoust.

Ganz unterschiedliche Positionen also, denen aber gemeinsam ist, dass sie je auf ihre Weise elektronisch gesteuerte Raumsonden in das Feld der Wahrnehmung schicken. Was mitunter, und auch dafür steht so gehört Risset, durchaus unheimlich ausfallen kann.
Nun, wir sind entsprechend gespannt und werfen uns wie so oft um 23:05 in die Wellen...

[Bildchen: Klangrodeo? Nun, so gesehen schon. Indes ganz sicher nicht zu Country-Musik... sondern eben ganz anders, wenn Rissets eigenes Stück zur Aufführung kommt.]

Von miss.gunst am 23.02.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.02.11

Klangregenwald (@ ctm11)

dtrfrf-ksw.gifDass Wälder Klangräume sind, lässt sich bei jedem Spaziergang erleben. Indes kann es gerade Menschen, die normalerweise eher durch Laub-, Misch- und Nadelwäldern nördlicher Breitengrade streifen, natürlich neugierig machen, wie wohl ganz andere Wälder klingen mögen. Etwa der Regenwald.

Während die einen vielleicht zu Exkursionen aufbrechen, um Field Recordings zu sammeln, hatte David Tudor 1965 eine ganz andere Idee:
Nämlich selbst einen Regenwald aus Klängen zu pflanzen, die aus Fundstücken und einfachen Objekten generiert werden.

Während die erste Komposition eines solchen "Rain Forest" 1968 für Merce Cunninghams gleichnamiges Tanzstück entstand, erarbeitete Tudor in den folgenden Jahren noch mehrere weitere Fassungen, die seinem ursprünglichen Konzept immer besser gerecht wurden.

Dass Tudors Basis-Partitur - die aus einem einzigen Schaltkreis und der Anweisung besteht, dass für die Aufführung keine zuvor schon gespielten Klänge verwendet werden dürfen - KünstlerInnen mit Neigung zum Experiment immer wieder neu inspiriert hat, wundert nicht.

Nun ist im Rahmen des club transmediale (ctm) und auf Einladung von tuned city ein neuer Regenwald, der "Regenwald 2011" entstanden.

Im Eintrag zum Regenwald bei tuned city wiederum grüsst gleich vorweg jener Schaltkreis, der wohl als Keimzelle des Projekts betrachtet werden kann und nun als passendes Signet figuriert.

Es kommt aus der Werkstatt von Derek Holzer (s. a. mehr im hauseigenen Archiv) und Mads Bech Paluszewski, die während der ersten club transmediale-Woche in einem Workshop mit acht weiteren KlanggärtnerInnen die Pflanzungen vorgenommen haben.

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Mit Fotos und Klängen aus dem Berliner Regenwald können wir leider nicht aufwarten - immerin aber mit dem Verweis auf eine kleine Video- und Fotodokumentation zum Regenwald 2010, den Derek Holzer vergangenes Jahr in einem ähnlichen Workshop in Norwegen realisiert hat.

Und für die Archivalien im Zettelkasten: Tatsächlich gab es vor zwölf Jahren schon einmal in Berlin ein ganz ähnliches (und zugleich natürlich ganz anderes Projekt). Die Singuhr - treuen LeserInnen ja ebenfalls aus einer ganzen Reihe älterer Log.Buch-Einträge in Erinnerung - hatte 1999 den amerikanischen Klangkünstler Ron Kuivila, der zu dieser Zeit gerade mit einem DAAD-Stipendium in Berlin arbeitete, zu Gast. Mit einem Workshop und einer Ausstellung bzw. Installation, die ebenfalls direkt an Tudors Regenwald anknüpfte: "The Idea of David Tudor's Rainforest".
Sieht also ganz danach aus, als könnten wir Regenwälder als eigenes Feld in unserem Sammlungsgebiet zur Klanggärtnerrei aufmachen...

[Bildchen: Nicht Tudors noch Holzers Partitur. Und irgendwie siehts auch mehr nach Klangtannen- denn Regenwald aus. Aber je nun...]

Von miss.gunst am 16.02.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.02.11

DIY @ transmediale 2011

lgtm11-ksw.gifWer hätte das gedacht. Natürlich ist die transmediale alle Jahre wieder ein Fixstern im Terminkalender. Und selbstredend gab es stets so einiges zu entdecken, das in den Kulturbeutel gepackt, dem Zettelkasten einverleibt und hier im Log.Buch vorgstellt werden wollte.
Aber diesmal...

... Fehlanzeige? Nein, natürlich nicht. Ganz im Gegenteil: Gerade für FreundInnen des Bastelns, Sachen- und Projektemachens hatte die tm11 mehr denn je im Gepäck!

Zwar war, wir erinnern uns (oh-wie-die-Zeit-vergeht!), schon vor gut zehn Jahren Do It Yourself Thema der transmediale gewesen (gibt übrigens tatsächlich noch die archivierten Webseiten).

Aber inzwischen haben sich die Baustellen und Werkzeuge ja doch ein wenig weiterentwickelt. Und das Prinzip des Do it together bzw. with others spielt eine denkbar wichtige Rolle dabei.

Im Progamm der transmediale bzw. in der Schwangeren Auster machte sich das vor allem in der sogenannten HacKaWay bemerkbar (auch wenn dieser Bereich, seiner Benamsung zum Trotz, eigentlich eher als Ausstellungsraum funktionierte) und ganz besonders in der "OPEN ZONE", die wie eine Zeltstadt im Foyerbereich wucherte.

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Anders als die Konferenz und die Gesprächsrunden in den Salons wurden die vielen, ebenso vielfältigen wie auch spannenden Aktivitäten in diesen Bereichen nicht aufgezeichnet und per Stream in die Welt geschickt. Was zum einen schon organisatorisch nicht zu packen gewesen wäre - und auch wenig Sinn gemacht hätte. Denn gerade wenn es ums Handeln und speziell gemeinsames Handeln geht, spielt die Musik selten allein im Netz. Dafür braucht es eben - "think global, act local" - nicht nur Realzeitpräsenz, sondern auch Lokalpräsenz und den Austausch vor Ort.

Heisst allerdings auch, dass es ausgerechnet von diesem Herzstück der Veranstaltung keine Video- oder Audioarchivalien gibt. Tja. Und so sind im Kulturbeutel - der eh schon aus den Nähten platzt von fuderweise angesammeltem Material - gleich wieder eine ganze Menge Neuzugänge gelandet. Mal sehen, wann sich das alles verarbeiten lässt...*

* Wird dann ggf. der historischen Ordnung halber nachträglich im Monatsarchiv für den Februar eingeordnet werden. Im Zweifelsfalls also an dieser Stelle ff nachblättern.

[Bildchen: Sieht man ja, was es ist - das attraktive Logo der transmediale]


Von miss.gunst am 07.02.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.02.11

Testsignale (@ transmediale 11)

tstsgnl-ksw.gifMit Testsignalen werden für gewöhnlich in der Kommunikationstechnik Regelstrecken überprüft.
Klingt erst einmal nicht so spannend? Ist es aber, besonders wenn es um das Kommunikationssystem Radio geht...

Dass hier ein experimenteller und kreativer Umgang mit Testsignalen neue Perspektiven eröffnen kann, liess sich ja kürzlich schon im Rahmen der (Radio-)Kunstgeburtstagsfeier bei Felix Kubin erlauschen.

Nun tritt - im Programm der transmediale 11 - ein ganzes Symposium an, das Feld der "test signals" auf seine Weise zu erkunden:

"Das Projekt Test Signals nähert sich dem Radio von politischen, künstlerischen und praktischen Ausgangspunkten, um dessen Bedeutung und Potential im digitalen Zeitalter herauszuarbeiten sowie nach neuen Wegen zu suchen, wie man es hacken und verbessern, bzw. mit Open-Source Technologien demokratisieren kann."

Theoretisch und praktisch - mit einer zweiteiligen Konferenz am heutigen Mittwoch (02.02.11), wobei es vormittags um Radio-Taktiken und nachmittags um Radio-Magie gehen soll.

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Beiseit: kann einem dabei die Tatsache zu denken geben, dass für ersteres Panel "innovative Denker aus dem breiten Feld der Radio- und Code-Kultur" angekündgt werden, um über "über die Rolle des Radios im Kontext weltweiter Gegenwartspolitik" zu diskutieren, indes für das zweite, also die Magie, "broadcast pioneers and radio artists" zuständig sein sollen. Was, milde formuliert, ja eher tradierten gesellschaftlichen Stereotypen und Rollenmodellen ent- als neue Perspektiven verspricht. Zum Glück schaut das, zumal mit Blick auf die Besetzung der Panels, in der Praxis aber durchaus anders aus.

Und ausserdem gibt es, a propos Praxis, dann am morgigen Donnerstag (03.02.11) auch noch Gelegenheit, in einem Open Digital Radio-Workshop aktiv zu werden. Und auf diese Weise selbst zu schauen, welche Mischung aus Magie und Taktik am besten funktioniert...

Von miss.gunst am 02.02.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)