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30.03.11

Tönende Haushaltsgeräte ff.

pfnmsk-ksw.gifA propos. So ein Symphonieorchester aus Haushaltsgeräten ist natürlich eine tolle Sache. Aber was, wenn man daheim die Waschmaschine(n), Sauger und Föne nur in haushaltsüblichen Mengen bevorratet hat?
Nun, das heisst nicht, dass man ihre musikalischen Potentiale ignorieren müsste.

Schliesslich hat man ja selbst einmal geübt und mit der Zeit allenfalls den Schlendrian einkehren lassen: Beim Topfschlagen und, darauf aufsetzend, komplexeren Jam-Sessions mit Pfannen, Deckeln und weiteren Gerät dürften die meisten schon in zarter Jugend einschlägige Talente bewiesen haben.

Wo sind die nur hin, mag sich manche(r) fragen, wenn beim Kochen, Tischabräumen, Spülen später lediglich Noise zum Besten gegeben wird?
[Wobei, was heisst hier: "lediglich" - mit Blick auf die in diesem Log.Buch gehegte Zuneigung gegenüber Geräuschen im Allgemeinen und besonders gegenüber Noise müssten wir wohl besser schreiben: "ausschliesslich"...]

Aber natürlich gibt es auch ganz andere Optionen. Alles eine Frage der Übung und des gezielten Blicks in den Küchenschrank - beziehungsweise, wenn man sich nicht auf Küchenmusik bzw. Klänge bescheiden möchte - in die Wohnung ingesamt.

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Wie das ausschauen respektive sich anhören kann, hat vor einigen Jahren - wie der eine oder die andere erinnern wird - kein geringerer als Ola Simonsson gezeigt. Ganz genau, eben jener schwedische Regisseur, Schauspieler und Komponist, der zuletzt mit dem wunderbaren Film "The Sound of Noise" (2010) Furore machte.

Sein Kurzfilm "Music for one apartment and six drummers" von 2001 zeigt uns, wie besagte sechs Schlagwerker in die Wohnung eines gerade zum Spaziergang aufgebrochenen älteren Ehepaars eindringen - und diese, wie bereits der Titel verrät, für die Dauer einer Jam-Session als Hort trefflichst zum Tönen gebrachter Instrumente nutzen. Als solche fungieren dabei nicht nur Haushalsgeräte, sondern auch Mobiliar bzw. eigentlich alles, was so eine Wohnstatt an potentiellen Klangkörpern zu bieten hat.

Gut, die Beteiligten gehen zweifelsohne nicht nur als Einbrecher hochprofessionell zur Sache. Aber ihr kreativer Zugriff aufs Alltägliche nehmen wir doch gern als Anregung, mal im eigenen Umfeld weiter auszulugen...

PS: HörenSehen wollen? Kann man. Wo? Ja ratet mal.

[Bildchen: Hat mit dem Film allenfalls mittelbar zu tun - vielleicht das kleine Unruh-Teufelchen der Küchenmusikimagination?]

Von miss.gunst am 30.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.03.11

Ruf vom Pixelstorm-Award

pxsdsc11-ksw.gifUnd wieder einmal ist es soweit: Zeit für den Pixelstorm-Award!
Nach einer umzugsbedingten Pause, die im vergangenen Jahr eingelegt werden musste, heisst es 2011 erneut "Bühne frei" für alle, die ihr Geschick im Pixelschubsen ihre Talent zur Erstellung digitaler Bewegtbilder unter Beweis stellen wollen.

Wie immer wird der Wettbewerb zu einem Thema ausgeschrieben, das uns - wir gestehen es gern - diesmal aber besonders gut gefällt: DISCO IMPOSSIBLE.

"Disco impossible nennt man alles, was unmöglich ist! "So eine unmögliche Disco!" Eine Disco impossible kann ein unerreichbares Ziel, eine unmögliche Beziehung, eine schier unmögliche Situation oder eine Darstellung, die so überhaupt nicht zu funktionieren scheint. In allen unmöglichen Diskotheken dieser Welt liegt die Kraft der Unmöglichkeit aus dem wir ständig Neues schöpfen."
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Ab heute Bereits seit gestern (25.04.11) ist der Wettbewerb resp. die Plattform für die Einreichungen geöffnet - und noch bis zum 25.6.11, also noch gute zwei Monate lang, lassen sich nun Beiträge hochladen und damit auch gleich zum Besten geben.

Der erste ist zur Stunde übrigens schon da: Matt Frieburghaus lädt passend zum Frühlingsbeginn in die Open Air Disco ein. Fein!

Von miss.gunst am 26.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.03.11

Blödes Orchester (Petermann)

kgoo-ksw.gifAls Luigi Russolo seine Intonarumori konzipierte, scheint er durchaus auch von den seinerzeit existierenden Haushaltsgerätschaften inspiriert gewesen zu sein. Ob er heute angesichts ganzer Heerscharen von Alt- und Neuware mit einschlägigem Potential überhaupt noch auf eigene Konstruktionen verfallen wäre?

Nun, das wissen wir natürlich nicht und wohlmöglich hätte ihn seine Abneigung gegenüber allzu fleissiger Klangmimese bzw. -abbildlichkeit davon abgehalten.

Aber indes gibt es heute je nicht wenige KünstlerInnen, die das ureigene Klangpotential von sonst zu anderen Zwecken genutzten Geräten sehr zu schätzen wissen und systematisch erforschen. Und die gerade deshalb bevorzugt in unserem Zettelkasten landen.

So nun auch Michael Petermann, seines Zeichen klassischer Musiker, Komponist und Dirigent mit Neigung zum Experiment.
Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist gerade (und noch bis zum 30.04.11) eine Sonderausstellung zu sehen, in der er an die zweihundert alte Waschmaschinen, Staubsauger, Brotmaschinen, Mixer, Rasierer und Handföne zu einem veritablen Symphonieorchster versammelt hat - das er selbstredend auch musizieren lässt.

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Wer (noch) keine Zeit hat(te), in den hohen Norden zu fahren, kann dank der Anker, die Petermann auf den entsprechenden Seiten seiner Künstlerorganisation Weisser Rausch, auch zu ausdiovisuellen Berichten gelangen, auf denen man das (gar nicht so) Blöde Orchester spielen sieht und hört.

Besonders empfiehlt sich das Orchesterproben-Video bei Vimeo. Idealerweise aber: ein Konzertbesuch vor Ort. Denn wenngleich sicher auch der heimische Haushalt das eine oder andere Talent aufzuweisen hat: Fürs Intonieren einer ganzen Symphonie braucht es nicht nur viele geübte Instrumentalisten, sondern auch einen, der sie zusammenführt und dirigiert.

[Bildchen: Zeigt ganz offenkundig kein Symphonieorchster, sondern nur ein Duo - das allerdings nicht wirklich intelligent ausschaut. Aber vielleicht klingt's ja trotzdem ganz gut. Für das Original-Küchenmaschinenbild danken wir einem unbekannten Spender in die Wikimedia Commons resp. die Public Domain. Merci!]

Von miss.gunst am 21.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.03.11

Plattenteller, Tellerplatten

tllpltt-ksw.gifDass Plattenteller ihren Namen nicht von ungefähr tragen, ist eigentlich evident. Auch wenn der oder die DJ dann auflegt und nicht aufträgt, was er oder sie uns kredenzt.
Nicht ganz so selbstveständlich ist indes, dass das Ganze ebenso in umgekehrter Leserichtung funktionieren kann.

Lassen sich Tellerplatten bzw. Teller als Platten auflegen?

Doch, doch. Das geht. Und wurde uns auch anschaulich unter Beweis gestellt. Das ist zwar inzwischen schon ein bisschen her - aber es gilt ja nach wie vor der gute Vorsatz, Sedimente aus dem Kulturbeutel abzutragen und in den Zettelkastens einzuspeisen. Zumal sich in diesem Fall laufende Stränge zu Themen wie Turntableism und künstlerischen Transformationen des Tonträgers Schallplatte wieder aufnehmen lassen.

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Vergangenen Dezember lud der Basler Plattenladen plattfon zu einem solchen Tellerkonzert ein. Wer sich nun in ehrlichen Grausen windet, weil das ganz nach einem Polterabend zwecks Lagerräumung tönt, in dessen Zuge reihenweise Nadeln übers Porzellan bzw. über die Klinge springen: Keine Sorge.

Denn die Designerin Camille Scherrer, die für den Abend verantwortlich zeichnet, hat natürlich für ein passendes Abspielgerät gesorgt: Anstelle der Nadel tastet eine Kamera die Teller ab - und am Computer werden Muster und Dekors dann in Klang umgesesetzt.

Nebenbei bemerkt: Nicht nur eine nette Variation auf AV-Vjing, sondern auch ein schöner Lebensabend für ausgediente Plattenspieler!

[Bildchen: Eben, so soll es sein - Platte und Teller Hand in Hand. Schliesslich werden sie ja beide auf dem Plattenteller landen. Für den Papa der Platte danken wir Wikimedia Commons-Spender Ramon Vasconcellos und für die Mutter des Tellers den Wikimedia Commoms-Spendern notafish. Und wie die Eltern steht auch den Kindern die cc-by-nc-sa-Lizenz gut zu Gesicht. Merci!]

Von miss.gunst am 17.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.03.11

Weniger ist mehr

wmwmkks-ksw.gifWeniger ist mehr: Das klingt erst einmal ziemlich überzeugend, gerade im Kontext des aktuellen Strangs von Einträgen zum Thema Teilen.
Aber ist das wirklich so?

Mit Blick auf Projekte wie SHARISM* oder shareable - oder genauer gesagt: auf Projekte, wie sie durch entsprechende Initiativen angeregt, vorgestellt, vernetzt werden - würde man diese Frage sicher tendenziel mit einem "Ja" beantworten (selbst dann, wenn dieses "Ja" sicher ebenfalls das eine oder andere "Ja, aber" einschliessen mag). Schliesslich geht es beim Teilen genau darum, dass man etwas abgibt, damit aus einem Gemeinsamen ein Mehrwert entsteht bzw. entstehen kann.

Indes kann man sich auch ganz prinzipiell über das "weniger-ist-mehr" Gedanken machen. Insbesondere in Gesellschaften respektive zu Zeiten, die von einem Überfluss an materiellen Gütern geprägt erscheinen, sind mehr oder weniger regelmässig Rufe nach Reduktion zu vernehmen.

Einen veritablen Kult des "Weniger-ist-mehr" will die amerikanische Künstlerin Kelly Sutton initiieren, die mit ihrem Projekt "The Cult of Less" heuer ebenfalls auf der transmediale11 vertreten war.

Wie es sich für Begründer künftiger Kulte gehört, hat sie erst einmal im Kleinen, nämlich bei sich selbst und ihrer persönlichen Habe angefangen. Stück um Stück wurde bzw. wird aufgelistet, fotografiert, beschrieben und ins Netz gestellt, eingeteilt in drei Kategorien: "sell!", "sold!" und "keep!".

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Zweifelsohne zeichnet sich der Kult also durch einen äusserst pragmatische Charakter aus - mit den Basisprinzipien einer kapitalistischen Wirtschaft geraten künftige JüngerInnen auf diese Weise jedenfalls kaum in Konflikt. Auch wenn das Flohmarktprinzip natürlich durchaus einen Beitrag zum nachhaltigeren Umgang mit Konsum- bzw. Gebrauchsgütern leistet, Problemzonen wie voreiliges Wegwerfen oder unsinnige Anschaffungen puffern hilft und inegsamt den Produktionskreislauf entschleunigen kann.

Kurzum: Ein netter Versuch, aber alles andere als spektaktulär.

Eins ist allerdings doch ganz interessant anzuschauen - wenn man nämlich den aufgelisteten (ehemaligen) Besitzstand darauf hin anschaut, welche Dinge bleiben dürfen und welche nicht. Natürlich sind (oder scheinen) die Entscheidungen, die da getroffen werden, erst einmal subjektiv motiviert. Aber es gibt doch gute Gründe zu vermuten, dass so manche Präferenz zugleich einiges über den historischen und kulturellen Kontext bzw. den Zeitgeist verrät, der mehr oder weniger merklich um unser aller Nasen weht.

Mal so gesagt: Ehedem wären "The Sorrows of Young Werther" vielleicht im heimischen Regal geblieben - während es heute dann eher ein ganz anderes "Buch" (bei Sutton: das MacBook Pro) ist, das essentiell erscheint...

Weniger ist mehr? Nun ja. Mehr oder weniger - oder besser gesagt: Das kommt eben doch immer darauf an.

[Bildchen: Wäre auch eine Option für einen "Cult of Less". Also weniger Kekse knabbern? Von wegen. Weniger ist mehr geht da nämlich auch anders. Und fällt also auch weniger schwer...]

Von miss.gunst am 13.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.03.11

Noch mehr Teilbares

shrbl-ksw.gifWenn man erst mal darüber nachdenkt, was sich alles teilen lässt, dann ist das doch eine ganze Menge.
Tatsächlich zeigt ein genauerer Blick ja auch: Es kommt weniger auf das "was" als darauf an, wie man teilt bzw. teilen kann...

Das im letzten Beitrag bemühte Beispiel vom geteilten Kleid darf da gern noch einmal herhalten:
Oft wird ja behauptet, dass die Scheidelinie der Teilbarkeit entlang materieller und immaterieller Güter verläuft, ganz nach dem Motto: Wenn mir jemand den halben Kuchen wegfuttert, ein paar Steinchen aus der Kette (oder dem Rechner) nimmt oder eben das Kleid zerschneidet, dann kann das wehtun. Kopiert er aber das Buch, das ich geschrieben habe, ist es immer noch da.

Stimmt natürlich nicht ganz. Wenn das Buch für die Lektüre kopiert wird, freut sich die AutorIn vielleicht (je nach Beteiligung an den Tantiemen) - wird indes nur der Text kopiert und ein anderer Name drüber geschrieben oder werden Credits für gute Ideen nicht gegeben, mit denen sich dann ein Dritter eine goldene Nase verdient oder auch nur kulturelles Kapital einstreicht: Nunja, das ist doch nicht wirklich schön. Dem gegenüber macht es viel mehr Freude, einen Kuchen zu teilen denn ihn allein zu verzehren, die halbierte Kette kann als Freundschaftsarmband funktionieren und wenn man das Kleid nicht längs teilt, sondern Pulli und Rock daraus macht...

Kurzum: Es geht eigentlich immer um die Konditionen - und um das "gewusst wie" eines guten Miteinander(-Teilens). Man könnte, angelehnt an die anglo-amerikanische Praxis auch sagen: Es geht um's Design. Was notabene nicht etwa nur Äusserlichkeiten meint.
Nicht von ungefähr übersetzt man "by design" wie folgt: "mit Absicht".

Eine wahre Fundgrube für einschlägige Anregungen gibt es mit einem Web-Magazin, das auf den schönen Namen "shareable" hört - und im Untertitel besagte Formel führt: "by design".

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"Shareable is a nonprofit online magazine that tells the story of sharing. We cover the people, places, and projects bringing a shareable world to life. And we share how-tos so you can make a shareable world real in your life.
In a shareable world, things like clothing swaps, childcare coops, potlucks, carsharing, community gardens, and cohousing make life more fun, green, and affordable. When we share, not only is a better life possible, but so is a better world."

So lautet das Programm der Initiative - und in der Tat ist shareable prall gefüllt mit Geschichten, die vom Teilen berichten und sehr anschaulich vermitteln, was alles möglich ist.

Dabei geht es aber nicht nur um die Vorstellung von "best practice"-Beispielen. Vielmehr werden auch Fragen und Probleme diskutiert - und für letztere Lösungsvorschläge geboten, die in Projekten erprobt bzw. erfolgreich zur Anwendung gebracht worden sind. Und natürlich kann man sich - a propos praktische Anwendungen - zudem guten Rat in Form von "How-tos" abholen. Nicht von ungefähr ist der am meisten verwendete tag (nicht: Tag - Schlagwort!), wie der Schlagwortindex verrrät, na - was wohl? Genau: "DIY".

Last but not least: Da erfolgreiches Teilen idealer Weise eng mit dem Prinzip des gegenseitigen Gebens und Nehmens verknüpft ist, sind Interessierte dazu eingeladen, selbst aktiv zu werden und nicht nur Kommentare, sondern auch eigene Beiträge für shareable zu schreiben.

Kurzum, eine rundum empfehlens- und unterstützenswerte Initiative!

[Bildchen: Ein Screenshot mit aktueller (Teil-)Ansicht von shareable - gerade mal die linke obere Ecke. Für Design der Seite (läuft mit Drupal) und mutmasslich auch des schönen Typo-Logo zeichnet Free Range Studio verantwortlich. Und obgleich Trademark, ist es wie alle shareable-Inhalte cc-by-nc-sa lizensiert. Das nennt man konsequent. *wow*]

Von miss.gunst am 10.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.03.11

Schöner Teilen

shrsm-ksw.gifOb und wie gern Menschen miteinander teilen, hängt sehr von dem ab, was tu teilen ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteiltes Kleid ist halbes Kleid. Kurzum: Ganz so einfach ist die Sache nicht - und gerade wenn man für eine Kultur der Commons bzw. des geteilten Kulturguts Sympathien hegt, lohnt eine ausführlichere Beschäftigung mit der Materie.

Zu den Projekten, die während der transmediale11 in der OpenZone siedelten und arbeiteten, gehört eines, das sich eben dies auf die Fahnen geschrieben hat: Sharism.

Wie bitte? Ein neuer -ismus?
Nun, das Basisprogramm liest sich in der Tat wie ein "Sharistisches Manifest":

"SHARISM is a Mind Revolution: The more you give, the more you get. The more you share, the more you are shared. Sharism is an ideology for our Internet Age. It is a philosophy piped through the human and technological networks of Free and Open Source software. It is the motivation behind every piece of User-Generated Content. It is the pledge of Creative Commons, to share, remix and give credit to the latest and greatest of our cultural creations [...]"

"[...]" heisst an dieser Stelle übrigens: Bitte selbst weiterlesen, denn das Manifest ist doch nochmal sehr viel umfassender und geht sowohl auf Fragen der allgemeinen Geisteshaltung wie auch auf konkrete Zelsetzungen in der Netzkultur ein.

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Um sich ein genaueres Bild von dem zu machen, was die gleichnamige Initiative tatsächlich so treibt, bietet würde sich im Prinzip die Lektüre ihres Blogs anbieten (der nur leider gerade nicht läuft - obwohl wir uns fest einbilden, er hätte das mal getan. Aber egal, denn es gibt eine gute Alternative).

Besser indes, man begibt sich gleich auf das recht gut bestückte SHARISM*-Wiki. Dort nämlich informiert eine Road Map detailliert darüber, was bisher geschah.
Und vor allem anderen kann man die diversen Baustellen der Initiative als Work in Progress in Augenschein nehmen - vielleicht ja auch, um selber mitzutun.

shrsm-g01.gifUm noch einmal auf das einleitend erwähnte halbe Leid vs. das halbe Kleid zurückzukommen: Dass der gute Wille nicht reicht und die Sache mit dem Teilen aus unterschiedlichen Gründen nicht so einfach ist, darüber denken natürlich auch die Beteiligten von SHARISM* intensiver nach. Und eben dazu gab es auch eine Diskussionrunde auf der transmediale11 - die ansonsten aber vor allem Gelegenheit bot SHARISM und SharistInnen direkt kennenzulernen.

Wer noch mehr über SHARISM lesen, hören und sehen möchte:
Da hätte es beispielsweise im Blog des Sharisten Jon Philipps noch einen Text mit Diavortrag sowie diverse Clips bei Vimeo.

[Bildchen: Stammen - wie man sieht - von sharism.org und sind dort (wie hier) mit der cc-by-Lizenz versehen. Vielen Dank fürs Teilen!]

Von miss.gunst am 08.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.03.11

Geliebte Geräusche, Sound der Stadt

pcllbb-ksw.gifA propos Londoner Stadtklänge: Vor einigen Monaten hatten wir das Londoner Büro für Stadtklang vorgestellt, das sich als Behörde mit diesem Feld befasst. Es gibnt indes aber auch künstlerische Initiativen, die sich auf ihre Weise für das aurale Wohlbefinden der Bürger interessieren.

Anders als Behörden, die im Hinblick auf die Akustik des urbanen Raums traditionell eher die Aufgaben haben wie die, Messungen vorzunehmen und etwaigen Schaden vom Bürger abzuwenden oder zu begrenzen*, geht ein weiteres Projekt des im letzten Eintrag mit seiner "Sound Data Base" vorgestellten britischen Klangforschers Peter Cusack von der positiven Seite aus.

"Favourite London Sounds" will - wie der Name schon sagt - eben jene Klänge sammeln, welche die Bewohner der Metropole an der Themse positiv wahrnehmen bzw. nicht missen mögen.

Eine recht erkleckliche Auswahl dieser Lieblingsklänge lässt sich im Audio-Archiv der Seite erlauschen. Wer nun meint, es fänden sich dort vorzugsweise Vogelgezwitscher, Blätterrauschen im Hyde Park oder Themsewellengeplätscher: Nein, die Londoner pflegen ganz offenbar keine übermässige Neigung zum Klangidyll. Vielmehr sind es mehrheitlich ganz aus dem Stadtleben gegriffene Alltagsgeräusche, die hier versammelt sind. Und das entspricht sicher auch dem Charakter einer so vielfältig pulsenden Stadt sehr viel besser.
Als Klangporträt wurde 2001 denn auch mit ausgewählten Klängen eine CD produziert.

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Kein Wunder, dass es inzwischen nicht nur von Cusack selbst initiierte Folgeprojekte in anderen Städten gibt, sondern auch KlangforscherInnen, die in seine Fussstapfen treten.

Wie beispielsweise das Projekt "My favourite Brussels Sound", das im vergangenen Jahr von Studierenden des RITS begründet wurde.

Auf den Webseiten selbst ist allerdings bis auf den Call und die Ankündigung einer kleinen Veranstaltungsreihe bislang nichts publiziert worden. Was die Frage aufwirft, ob die Brüsseler tatsächlich keine Lieblingsklänge haben - oder ob sie diese möglicherweise nicht so gern mit anderen teilen?

* Beiseit: Genau genommen müsse man das allerdings relativieren, wie ja nicht zuletzt das eingangs erwähnte Beispiel aus London belegt. Zwar können sich Städte dauerhafte Einrichtungen von Büros für Stadtklang selten leisten. Aber immerhin tragen doch viele Städte mit kommunalen Mitteln dazu bei, dass KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen Klangforschung betreiben können.

[Bildchen: Zugegeben - wir, die wir nicht in London gebürtig sind, hätten durchaus auch den Glockenschlag des Big Ben auf unserer lokalen Lieblingsklangliste. Für das wunderschöne Foto mit Nahansicht der Uhr zur vollen Stunde, das unserem Bildchen als Grundlage dient, danken wir herzlichst Wikimedia-Spender Robin Heymans, der sein Bild sogar der Public Domain überantwortet hat. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 05.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.03.11

Klangdatenbasis (Cusack)

pclsdb-ksw.gifZum Thema Klang(forschung) in urbanen Gefilden gibt es an dieser Stelle immer wieder Neues zu berichten.
Zugleich sind aber auch noch längst nicht alle Projekte in den Zettelkasten einsortiert, die schon länger auf diesem Feld aktiv sind.

Wie beispielsweise die "Sound Data Base", die der britische Musiker, Klangkünstler und -forscher Peter Cusack für London eingerichtet hat.

Über eine Google-Map lässt sich der Stadtklangraum erschliessen: Zum einen kann man die bereits eingebundenen Field Recordings - etwa von den eilig hastenden Schritten der Passanten an einem U-Bahnhof zur Rush Hour oder den Glockenschlag des Big Ben - erkunden.
[Beiseit: Ja, ganz ähnlich wie bei den bereits vor einem Jahr vorgestellten LocalSoundscapes von Costas Bissas oder den gleich im Anschluss eingetragenen radio aporee maps. Et vice versa, indes ein jedes dieser Projekte doch ganz eigene Schwerpunkte setzt...]

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Dabei lassen sich sogar mehrere Klänge gleichzeitig zu einem Sadtklangkonzert zusammenführen. Luigi Russolo hätte das, auch wenn der Futurist mit seinen Intonarumori ja eigentlich keinem Naturalismus frönen wollte, wohlmöglich durchaus gefallen - schliesslich ist es doch pure Geräuschpoesie, eine solche Gleichzeitigkeit zu erzeugen, wie sie sonst allenfalls unser Klanggedächtnis im Kopf zu evozieren vermag.

Während das Navigationsfenster "Soundcontrol" die Lautstärken der aufgerufenen Klänge regulieren und anschliessend auch wieder reinen Tisch machen lässt, eröffnet ein zweites Navigationsfenster, eigene Field Recordings aufzuladen.
Und dazu bietet die Londoner Klangdatenbasis auch noch jede Menge Raum.

"Sound Data Base" ist natürlich keineswegs das einzige einschlägige Projekt von Cusack, der schon seit langen Jahren auf diesem Gebiet unterwegs ist. Aber dazu dann in einem eigenen Eintrag noch mehr...

[Bildchen: Ist natürlich kein Screenshot von Cusacks Klangdatenbasis, sondern eine hauseigene Imagination. Für die dieser zugrunde liegende Karte der Londoner Stadtbezirke danken wir herzlichst Wikimedia Commons-Spender Notscott - und lizensieren unsere klingende Karte, dem Vorbild folgend, cc-by-sa-3.0.]

Von miss.gunst am 02.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)