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13.03.11
Weniger ist mehr
Weniger ist mehr: Das klingt erst einmal ziemlich überzeugend, gerade im Kontext des aktuellen Strangs von Einträgen zum Thema Teilen.
Aber ist das wirklich so?
Mit Blick auf Projekte wie SHARISM* oder shareable - oder genauer gesagt: auf Projekte, wie sie durch entsprechende Initiativen angeregt, vorgestellt, vernetzt werden - würde man diese Frage sicher tendenziel mit einem "Ja" beantworten (selbst dann, wenn dieses "Ja" sicher ebenfalls das eine oder andere "Ja, aber" einschliessen mag). Schliesslich geht es beim Teilen genau darum, dass man etwas abgibt, damit aus einem Gemeinsamen ein Mehrwert entsteht bzw. entstehen kann.
Indes kann man sich auch ganz prinzipiell über das "weniger-ist-mehr" Gedanken machen. Insbesondere in Gesellschaften respektive zu Zeiten, die von einem Überfluss an materiellen Gütern geprägt erscheinen, sind mehr oder weniger regelmässig Rufe nach Reduktion zu vernehmen.
Einen veritablen Kult des "Weniger-ist-mehr" will die amerikanische Künstlerin Kelly Sutton initiieren, die mit ihrem Projekt "The Cult of Less" heuer ebenfalls auf der transmediale11 vertreten war.
Wie es sich für Begründer künftiger Kulte gehört, hat sie erst einmal im Kleinen, nämlich bei sich selbst und ihrer persönlichen Habe angefangen. Stück um Stück wurde bzw. wird aufgelistet, fotografiert, beschrieben und ins Netz gestellt, eingeteilt in drei Kategorien: "sell!", "sold!" und "keep!".

Zweifelsohne zeichnet sich der Kult also durch einen äusserst pragmatische Charakter aus - mit den Basisprinzipien einer kapitalistischen Wirtschaft geraten künftige JüngerInnen auf diese Weise jedenfalls kaum in Konflikt. Auch wenn das Flohmarktprinzip natürlich durchaus einen Beitrag zum nachhaltigeren Umgang mit Konsum- bzw. Gebrauchsgütern leistet, Problemzonen wie voreiliges Wegwerfen oder unsinnige Anschaffungen puffern hilft und inegsamt den Produktionskreislauf entschleunigen kann.
Kurzum: Ein netter Versuch, aber alles andere als spektaktulär.
Eins ist allerdings doch ganz interessant anzuschauen - wenn man nämlich den aufgelisteten (ehemaligen) Besitzstand darauf hin anschaut, welche Dinge bleiben dürfen und welche nicht. Natürlich sind (oder scheinen) die Entscheidungen, die da getroffen werden, erst einmal subjektiv motiviert. Aber es gibt doch gute Gründe zu vermuten, dass so manche Präferenz zugleich einiges über den historischen und kulturellen Kontext bzw. den Zeitgeist verrät, der mehr oder weniger merklich um unser aller Nasen weht.
Mal so gesagt: Ehedem wären "The Sorrows of Young Werther" vielleicht im heimischen Regal geblieben - während es heute dann eher ein ganz anderes "Buch" (bei Sutton: das MacBook Pro) ist, das essentiell erscheint...
Weniger ist mehr? Nun ja. Mehr oder weniger - oder besser gesagt: Das kommt eben doch immer darauf an.
[Bildchen: Wäre auch eine Option für einen "Cult of Less". Also weniger Kekse knabbern? Von wegen. Weniger ist mehr geht da nämlich auch anders. Und fällt also auch weniger schwer...]
Von miss.gunst am 13.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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