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26.05.11

Lusthäkelgärtlein Bellerive

frfr-hlg-ksw.gifGartensaison ist sowieso. Und der Trend zum Selberharken, -säen, -ernten treibt mittlerweile immer mehr Menschen, die bis dato auch das Zu- und in den Himmel schauen für eine feine Freiluftbeschäftigung befanden, zur Bearbeitung städtischer Grünzonen.

Die geeigneten Werzeuge dafür müssen aber eben nicht immer nur Spaten, Hacke, Sämereien und Setzlinge sein. Zumal an Orten, an denen bereits grüne Pracht in Hülle und Fülle vorhanden ist, welche obendrein bereits von fleissigen HegerInnen und PflegerInnen in Form gehalten wird. Wie zum Beispiel an jenem idyllischen Flecken, der sich in der Uferzone zwischen Zürichsee und Museum Bellerive breitet.

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Die derzeit dort gezeigte Ausstellung "Neue Masche" (siehe den voraufgegangenen Eintrag) liefert nun eine schöne Steilvorlage, wie Gartenkunst mit anderen Mitteln weitergeführt werden kann. Nämlich mit Häkelnaden und - nunja, einem ziemlich dicken Faden. Dessen ebenso dickes Ende kennen wir ja auch schon (s.u.).

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Pink leuchtet aus den Bäumen im Uferpark, was Corinna Mattner, Suse Richter und Marlen Groher zum Eröffnungsabend im Freihandhäkeln draussen vor der Tür ins Werk gesetzt haben. Stränge, die sich ohne Strenge, sondern eher mit einer gewissen Wollust durchs Geäst ranken, zwischen Zweigen fingern - um dann gemütlich die Gewebeseele baumeln zu lassen und ordentlich abzuhängen.

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Ein besonders neugieriges Ende hat sich noch durch den Zaun getastet und offenbar kreuchend Richtung Entree bewegt - ist aber auf dem Kies gestrandet, wo es weiterhin träge in der Sonne liegt.

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So sieht also ein Lusthäkelgärtlein aus. Ob es wohl noch weiter wächst? Oder andernorts Ableger bekommt? Das Zeug dazu, sich fortzupflanzen, könnte es ja durchaus haben...

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[Bildchen: w.z.b.w., Nr. 2-4 (von oben nach unten) vor Ort selbst geschossen - für Bild Nr. 1, auf dem man eine lustwandelnde Menge beim Begehen des Gärtleins und und beim lustvollen Befingern der Lustmaschen sehen kann, geht ein dickes Dankeschön an Corinna Mattner von frfr international.]

Von miss.gunst am 26.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.05.11

Neue Masche(n)

mbnm-ksw.gifUnplugged, aber trotzdem gut vernetzt? Klar, das geht. Soziale Netzwerke beispielsweise gab es ja auch schon, bevor das so genannte "Social Web" ausgerufen wurde. Und eben: Nicht nur Weben, sondern auch Fäden aufnehmen, Vernüpfungen schaffen, sich mitunter auch mal verstricken - auch das geht bestens analog. Zur Zeit vielleicht sogar besser denn je.

Diese Beobachtung ist Ausgangspunkt einer Ausstellung, die aktuell im Zürcher Museum Bellerive zu sehen ist und programmatisch die "Neue(n) Maschen" fokussiert, die in diesem Zuge in Kunst und Design gesrickt und gehäkelt werden.

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Neue Maschen? Schaut man beim Rundgang durch die Räume genauer hin, zeigt sich schnell: Die auf diesem Feld Engagierten sind nicht erst seit gestern dabei. Wer beim Blick aufs frisch Gestrickte meint, es ginge hier nur eine aktuelle Modeerscheidung, ist insofern falsch gewickelt.

Neu ist vielmehr einerseits das allgemeine Interesse an Handarbeiten und an Handgearbeitetem, das nun sogar so manchen tiefen Graben zu überbrücken scheint, der andernorts schon länger nicht mehr klafft - dem zwischen so genannter freier und angewandter Kunst beispielsweise. Wobei mitunter allerdings auch wichtige Unterschiede verwischen können.

Indes geht es im Bellerive - wenngleich auch hier Kunst, Mode und Design zusammenkommen - eher darum, die neuen Perspektiven zu erschliessen, die an den Schnittstellen der Disziplinen entstanden sind. Dazu laden entlang eines langen Stranges, der sich durch die Ausstellung windet, ausgewählte Arbeiten ein, die von den Kuratorinnen unter verschiedenen Leitmotiven gruppiert worden sind: Hypermaking, Häusliche Vorfälle, (Un)Tragbar, Komplizenschaft, Handmade With Love, Flexible Strukturen, Erzählung und Erinnerung.

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Das wiederum sind alles sehr wohl vertraute Begriffe. Solche nämlich, die seit je - und vorzugsweise vorurteilsbeladen - mit Handarbeiten und Handgearbeitetem assoziiert werden: Überschüssige Produktionen (der ewig lange Schal, die hundertste Socke), Heimchens Heimarbeit (dito), selbstgestrickte Mode und "Mode" (dito, plus: der scheusslich-schöne Pulli, der obendrein kratzt), das verschworene Strickkränzchen (das aber eh nur tratscht?), die Liebesarbeit (s. die Socken und den Pulli, die dann zu Weihnacht verschenkt werden), das ewig gedehnte und dann doch mal überstrapazierte Gewebe (offenbar werden die verschenkten Socken und der scheussliche Pulli doch getragen) und dann die vielen Geschichten, die man von allen diesen Dingen erzählen kann?

Tja. So viel sei verraten: Die Räume des Museums sind zwar voll und vielleicht sogar, a propos Hypermaking, ein bisschen übervoll geworden bei all den Strängen, die hier zusammen kommen. Aber: Obgleich das Thema so gut vertraut scheint und die Arbeiten einen weit längeren Zeitraum überspannen als nur das letzte Jahrzehnt, in diesem Sinne also nicht unbedingt frisch gestrickt, gehäkelt oder gestickt worden sind, ist doch eine frische Perspektive und ein neuer Blick auf die Maschen gelungen.

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Was wir uns an dieser Stelle indessen sparen: Lange Listen mit vielen Namen. Da gucken wir lieber noch mal im einen oder anderen Fall genauer hin. Kurzum: Fortsetzung des langen Fädchens folgt...

[Bildchen: Wie, erst von Überfülle drinnen schreiben und dann nur das Haus von aussen? Nunja, wie das so ist heutzutage - viele schöne Bilder fürs private Poesiealbum gemacht, aber publizieren kann mans eben meistens leider nicht so einfach... Indes lugt unten schon eine der erfreulichen Ausnahmen von dieser Regel ins Bild, die dann im nächsten Eintrag ganz nach vorn rücken wird. Wir winken herzlich: Corinna, Suse und ud Marlen von frfr international!]

Von miss.gunst am 22.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.05.11

DIY Instrumente im Duo

klbgbsb-ksw.gifDa wir gerade dabei sind, kurzfristig ein Tipp für den heutigen Abend (17.05.) in Zürich. Nachdem es zuletzt immer wieder um Musik mit Haushaltsgeräten ging, sind es nun wieder selbstgebaute Instrumente, denen es konzertante Klänge zu entlocken gilt.

Nun, das wird sicher auch gelingen, denn mit Simon Berz ist ein Profi am Werk - nicht nur als Musiker, sondern eben auch in Sachen Experimenten mit Instrumenten, die entweder nach dem DIY-Prinzip auf- und umgerüstet oder neu konstruiert werden. Siehe zum Beispiel den ipunk oder das Litophon (und Weiteres im hauseigenen Archiv...).

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Für den heutigen Abend hat er sich mit der japanischen Pianistin Yoko Miura zusammengetan. Die auch ganz klassisch Neue Musik spielt. Aber sich auch gern auf Experimente einlässt. Was dann um bzw. ab 21:00 Uhr in der Zürcher Werkstatt für Improvisierte Musik miterlebt und -erlauscht werden kann.

[Bildchen: Einer der Klangbögen, wie sie am heutigen Abend geschlagen werden sollen (so jedenfalls die Ankündigung). Wobei: "geschlagen"??? Werden da etwa Klänge gequält?]

Von miss.gunst am 17.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.05.11

Dichter Klingen

prslv-b11-ksw.gifEin Pausengong? Ganz im Gegenteil: Genau der richtige Klang, um die Baustelle mal pausieren zu lassen! Schiesslich gibt es neben dem sechsten Geburtstag dieses Weblogs noch etwas zu feiern...

Unser Basler Lieblingsnetzlabel interdisco ist nach einer etwas längeren Verschnaufpause inzwischen zwar schon seit einem guten halben wieder am Start. Aber ganz abgesehen davon, dass da sowieso noch frohes Fan-Fähnchenschwenken ausstand: Nun ist eine neue Veröffentlichung herausgekommen, die besonders grosse Freude macht.

Preslav Literatry School - oder genauer gesagt: der derzeit in Berlin lebende Brite Adam Thomas, der unter dem klangvollen Namen einer imaginären Dichterschule aus der einstigen Hauptstadt des ersten Bulgarischen Reiches firmiert - hat schon vergangenes Jahr auf dem Shift Festival mit einem wunderbaren Kopfhörerkonzert und dann diesen Februar bei der transmediale11 auch live begeistert.

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Das Basler Konzert vergangenen Juni bei Open Broadcast hatten wir indes schnöd verpasst - umso schöner, dass aus dessen Mitschnitt-Material nun für interdisco eine eigene EP entstanden ist: Veer heisst sie und lässt sich wie ein paar gut sitzende Klangweltkopfhörer über die Ohren stülpen, die man dann gar nicht mehr ablegen mag. Dicht und weit zugleich.

[Bildchen: Das war kurz vor dem Berliner tm11-Konzert. Auf dem Tisch die kleinen Kassettenrekorder, die hungrig und erwartungsfroh die Mäuler aufsperrten wie wir weiland die Öhrchen aufgestellt hatten - und eben, weder die einen noch die anderen wurden enttäuscht...]

Von miss.gunst am 16.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.05.11

Baustellen

hmb-bstn-ksw.gifWas ist eigentlich aus den vielen schönen Baustellenschildern geworden, die dereinst von unzähligen Webseiten blinkten?
Mindestens auf den ersten Blick könnte man meinen, dass sie eins nach dem anderen von einem grossen, schwarzen Loch verschluckt worden sind.

Denn anders als noch vor zehn Jahren, also Ende der 1990er, scheinen sie immer seltener zu begegnen.

Nun kann das schwerlich darin begründet liegen, dass es im World Wide Web etwa keine Baustellen mehr hätte und der entsprechende Verweis in der Wikipedia nurmehr von historischer Bedeutung sei.

Ganz im Gegenteil: Nach wie vor könnte bzw. kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das WWW - wie eben das Leben im allgemeinen - eine einzige Dauerbaustelle ist.

Insofern liesse sich mit Blick auf den (tatsächlichen oder vielleicht nur gefühlten) Baustellenschilderschwund wohlmöglich eher die steile These wagen: Wir sind - zumal in Zeiten täglicher Updates, Ugrades, da Launches ebenso wie sterbene Projekte und Ghost Sites längst zum Alltagsgeschäft gehören, nicht zu vergessen die Deskilling-Kollateralschäden des sogenannten Web 2.0 - schlicht und einfach daran gewöhnt, dass auch im WWW ein für allemal fertig mit der Utopie von "fertig" ist.

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Je nun. Weil wir aber im tiefen Grunde unseres Herzens zugleich nicht nur Ruinen- sondern auch BaustellenromantikerInnen geblieben sind: Bauen wir heut mal ein Baustellenschild. Nur mässig gelungen - wir hoffen aber, dass es dennoch seinen Zweck erfüllt...


Von miss.gunst am 01.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)