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30.10.11

Radiokunst mit Fledermäusen (WRT)

htbbfm-ksw.gifWenn Ende Oktober Fledermäuse durch die Sender flattern, hat das mittlerweile mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit Halloween zu tun.
Während wohl davon auszugehen ist, dass sich weder Fleder- noch andere Mäuse gross um Halloween scheren - von anderen nachtaktiven Geschöpfen einmal ganz zu schweigen.

Umso netter, wenn sich nun ein Sender bemüht, einmal ganz anders zwischen Fledermäusen und Menschen zu vermitteln.

"A Short Guide To Becoming-Bat!" heisst eine von Stefano Perna für's Wiener Kunstradio kuratierte Radiokunst-Reihe, deren erste Folge am heutigen Sonntag (30.10.11) zu hören ist.

Perna will mit seiner Reihe dazu einladen, in die Welt der nichtmenschlichen Radiokunst einzutauchen - in welcher wiederum der kleine Blindsäuger, den wir so gern mit blutsaugenden Wiedergängern assozieren, seit je und sozusagen naturgemäss zuhause ist.

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Ergo lernen wur ihn in der ersten Folge, die Perna mit seinem "Ventriloque Media Collective" selbst bestreitet und die den schönen Titel "1799. How to become-bats?" trägt, näher kennen.

Ausgangspunkt ist dabei das 1959 erschienene Buch "Echoes of bats and men" des US-amerikanischen Zoologen Donald Redfield Griffin, dem wir u.a. auch den Begriff der "echolocation" bzw. "Echoortung" verdanken.

Aber: eine akademische Vorlesung steht nicht zu erwarten. Vielmehr haben Perna und seine Ventriloquisten ihrerseits Griffins Grundgedanken in den Raum der Radiokunst transferiert und transformiert. Ob es uns deshalb leichter fällt, zu Fledermmäusen zu werden (notabene ohne dabei an Vampirismus zu denken)? Werden wir hören...

Von miss.gunst am 30.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.10.11

Schöner Hören (Shiftfestival 2011)

shft2011-ksw.gifDie elektrischen Spatzen zwitschern es längst von den Dächern: Es ist wieder Zeit für's Basler Shift Festival.
Das heuer ein Thema hat, das den elektrischen Spatzen - und den Androiden, die von ihnen träumen - besonders gut gefallen dürfte.

"Of Birds and Wires. Stimmen unter Strom" ist es überschrieben. Was wirklich vielversprechend tönt.

Um Stimmen soll es also gehen - künstliche und natürliche, menschliche, tierische und maschinengenerierte Stimmen. Solche, die von analogen und digitalen "recording angels" aufgezeichnet wurden. Und natürlich auch um solche, die live zu vernehmen sind.

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Vorweg macht das im fünften Jahr des Festivals mindestens mal gefühlt weiter ausgewachsene Programm mit Ausstellung(en), Video-Screenings, Vorträgen, Gesprächen und Konzerten nicht nur den Ohren, sondern auch den Augen sowie selbstredend allem anderen, was an diesen Wahrnehmungsorganen gemeinhin noch so dranzuhängen pflegt, gehörig Appetit.

Und wer im Vorfeld des Besuchs nicht nur die Menukarte studieren, sondern mehr erfahren und den ein oder anderen Einblick nehmen will: Luge einfach hin und wieder in das auch heuer wieder aktive Shiftfestival Blog...

Von miss.gunst am 27.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.10.11

Zeichenmaschine im Tüftlerlab

hckffmdrb-ksw.gifWeil es in diesem Log.Buch ein seit langem gehegtes (wenngleich nicht immer so regelmässiges) Zettelkasten-Fach zu Zeichenmaschinen gibt, soll der Report zum Tüftlerlab-Tag mit dem Hackerspace FFM gleich noch eine Fortsetzung bekommen.

Eine Zeichenmaschine hatten die Bürstenbot-Bauer (bzw. Baulehrer) nämlich ebenfalls ins Museum bzw. ins Tüftlerlab der Do It Yourself-Ausstellung mitgebracht.

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Während auf den Basteltischen fleissig Bürsten und Bürsten in Bewegung gebracht wurden, ging sie im Hintergrund nicht minder fleissig ihrer Bestimmung nach und brachte ein stolzes Werk nach dem anderen zu Papier aufs Whiteboard.

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Selbstredend eine Eigenkreation - deren Entstehung lobenswerter Weise gleichfalls im Wiki des Hackerspace FFM dokumentiert ist.

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KennerInnen der Materie wird es freuen, dass sich die Ahnenlinie der Frankfurter Zeichenmaschine über den Kritzler von Alexander Weber bis zum bekanntermassen hochbegabten Hektor von Jürg Lehni und Uli Franke zurückverfolgen lässt.

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Ob sich Zeichenmaschinen wohl auch miteinander fortpflanzen können? Wer weiss. Vielleicht träumen sie ja schon davon...

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Von miss.gunst am 20.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.10.11

Bürstenbots im Tüftlerlab

hckffmbb-ksw.gifZu den aus nahe liegenden Gründen beliebtesten und immer wieder neu beflügelten (retro-)futuristischen Fantasien zählen zweifellos jene, die dem Menschen hilfreiche Haushaltsroboter versprechen.
Wobei natürlich auch so mancher Zukunftstraum längst Alltagsrealität geworden ist.

Schliesslich haben wir dank der immer weiter vorangestriebenen technologischen Entwicklungen allerlei Helferlein für die unterschiedlichsten Zwecke: Einen brummige Kühlmaschine, die einem das Eis-aus-dem-Keller-Schleppen erspart, hat wohl jede/r daheim. Viele Küchen verfügen über einen Brotröstapparat mit Scheibenschleudersitz. Ah, und nicht zu vergessen das digitale vernetzte Hamsterrad, mit dem uns die kleinen, emsig tretenden Nager neben diversen Dienstprogrammen auch den Zugang zur grossen wwweiten WWWelt eröffnen.

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Aber leider leben wir noch immer nicht in der besten aller möglichen Arbeits- und Freizeitumgebungen. Zum Beispiel will die gute alte Staubschluckmaschine - wie modern sie sich auch geben mag - bei den meisten von uns noch immer im schnöden Handbetrieb zum Dienst geleitet und begleitet werden. Und dann muss man, weil sie in Sachen Feinmotorik ungefähr auf der Stufe "Steinzeit" steht, eh nochmals mit dem Lappen hinterher.

Von ebendiesem - für den Technologiestandort Erde doch eher unrühmlichen - Zu- bzw. Um- bzw. Missstand leben neben der Science Fiction ganze Geschäftzweige, die mit nur graduell eleganteren Lösungen ("jetzt dreieckig - kommt in alle Ecken" [scheitert dafür an Rundungen]), Ersatzbefriedigungsversprechen ("so macht Reinigung richtig Spass" [ah, Duschen?] winken. Ohne natürlich das eigentliche Problem zu beheben.

Indessen, es geht selbstredend auch anders. Wie beispielsweise ein Blick ins Tüftlerlab der Frankfurter Do It Yourself-Ausstellung zeigen kann (mehr dazu auch hier).

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Gleich mehrere "best practice"-Modelle emsiger Reinigungsroboter gibt es dort zu sehen und zu testen.
Natürlich muss es nicht gleich die - für FreundInnen der Kunst besonders empfehlenswerte - Luxus-Variante von Karl Heinz Jeron sein, die beim Saubermachen das legendäre "JaJaJa NeeNeeNee" von Joseph Beuys rezitiert (in Aktion anzusehen auf dem Webseiten ihres Erbauers).


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Als Alternative winkt aus dem Regal nebenan etwa auch schnittiger roter Bürstenroboter, den Daniel Imboden 2008 quasi als Putzkommando-Vorhut seiner nicht weniger emsigen Zahnbürsten-Roboter ins Rennen geschickt hat.
Letztere stehen in Frankfurt zwar aus Artenschutzgründen hinter Glas - aber dafür kann man ja per Bausatz-Bestellung für eine eigene Anzucht sorgen.

Wie das geht - und genau darum geht's bei der Do It Yourself-Ausstellung allgemein und namentlich im Tüftlerlab - liess sich aber auch ganz praktisch vor Ort erlernen. In der sonntäglichen Open Lab-Reihe waren nämlich die Aktiven vom Hackerspace FFM zu Gast. Und zu den DIY-Workshop-Angeboten, die sie mitgebracht hatten, gehörte allem voran: Bürstenbots zu bauen.
Praktisch, hilfreich, gut und obendrein: attraktiv - da kommen wir doch der besten bequemsten aller möglichen Welten wieder ein Stück näher. Oder so.

Und was, wenn man den Workshop verpasst hat?

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Dann findet man eine prima Bauanleitung im Wiki der Frankfurter Hacker. Wo unter anderem auch etwas geschrieben steht, das wohl gerne hier zitiert werden will:

"Es gibt mittlerweile auch kommerzielle Versionen des Bristlebots [...]. Aber das ist natürlich nicht das selbe wie selbst gemacht - finden Sie nicht auch?"

Von miss.gunst am 15.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.10.11

Lautsprecher

lspdu-ksw.gifZwar geben wir an dieser Stelle gerne Webradio-Tipps. Aber warum sollte man nicht auch ein wenig an dem hängen, was Radio als Medium ursprünglich mal ausgemacht hat: Synchrones Hören, gemeinsames Lauschen in Raum und Zeit.

Mag wohl sein, dass das mähliche Schwinden dieser Audiosphäre einer der Gründe dafür ist, dass eigentlich in die Vor- und Frühgeschichte des Mediums gehörende Formate wie Radiokonzerte und Radioinstallationen in den letzten Jahren wieder häufiger begegnen.

Das Museum am Ostwall in Dortmund hat in diesem Herbst mit einer Reihe begonnen, die tatsächlich so etwas wie einen inversen Webradio-Tipp wert ist: Im Lautsprecher MO Klangkunstprogramm werden im monatlichen Wechsel Werke zu Gehör gebracht, die zuvor im WDR studio akustische kunst ihre radiophone Uraufführung hatten (eben jener Sendung also, die auch immer wieder in den Webradio-Tipps begegnet).

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Im Lautsprecher-Raum des Museums im Dortmunder U kann man sie dann - einsam oder gemeinsam mit anderen und mit schöner Aussicht auf die Stadt - über Kopfhörer geniessen. Dazu gibts als Extra dann noch das Klangkunst-Konzertprogramm "Lautsprecher Live".

Nach der Premiere im September mit Christina Kubischs "flying magnetic" ist es nun im Oktober Pierre Henry, dessen ursprünglich 1996 im open studio gesendete "Antagonismen".
Feine Sache das.

Noch schöner wäre allerdings: Wenn vom U aus wirklich Klangkunst gesendet würde. Empfangbar drinnen über Lautsprecher, draussen in einem bestimmten Radius über Auto- und anderes Radio.
Nunja. Aber was (noch) nicht ist, werden wir vielleicht irgendwann ja noch hören...


Von miss.gunst am 10.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.10.11

Aufmerksamkeitsungeziefer

afmki-ksw.gifEndlich wieder einmal ein Eintrag für InsektenfreundInnen!
Das diesjährige Coded Cultures-Festival, in dessen Rahmen man den kleinen Krabblern live begegnen konnte, ist zwar schon vorbei.
Aber hier haben wir es mit einer Spezies zu tun, die von solchen Daten doch eher unabhängig ist.

Wie im übrigen auch vom Zyklus der Jahreszeiten, der sonst über Leben und Weben der Hexapoden bestimmt.

Das Aufmerksamkeitsungeziefer, das Julian Palacz im Rahmen von Coded Cultures in Wien ausgesetzt hat ist der Klassifikation nach nämlich ein artverwandter des Vibra-Roboter-Insekts (s.a. mehr zu Letzterem, Zuchtanleitung resp. Bausatz für die schlichteste Variation dieser Spezies bei Daniel Imboden).

Aber eben doch dezidiert anders orientiert, indem es den öffentlichen Raum infiltriert und sozusagen vom Sniper-Posten aus agiert. Es hockt zum Beispiel unterm Kaffeehaustisch und lässt die Tassen sachte wackeln oder versetzt Teile des Tresens in leise Schwingungen. Was vielleicht nicht wirklich stört - gleichwohl jedoch unterschwellig ablenken kann.

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Genau so wie... Ganz richtig. Die netten, scheinbar sozial so segensreichen - tatsächlich aber Aufmerksamkeit saugenden und mindestens die unfreiwillig involvierte Umgebung in der Regel sogar kräftig nervenden kleinen Kommunikationsgeräte. Die eben auch dann, wenn sie nur summen respektive vibrieren dürfen, stets einen guten Schluck der Konzentration ihrer EignerInnen schlürfen.

Nun, zu einer übleren Pest als diese omnipräsenten Aufmerksamkeitsparasiten kann wohl auch Aufmerksamkeitsungeziefer kaum werden. Ehrlich gesagt: Uns gehts da wie anderen mit kommerziell vertriebenen Aufmerksamkeitsabzugsgadgets. Wie gerne hätten wir so ein sympathisch vibrierendes Kakerlakentier.

Von miss.gunst am 06.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.10.11

Lochstreifenlust

flklkp-ksw.gifEs gibt bekanntlich solche und solche Löcher. Die einen sind Lücke in der Information. Und die anderen liefern sie. Wie zum Beispiel jene, die ihrerzeit die guten alten Lochstreifen zierten.

Bzw. zieren, denn glücklicherweise haben sich ja hie und da auch noch Exemplare dieser frühen Vorläufer digitaler Speichermedien erhalten, mit denen man - abgeschaut vom Spieluhrwalzenprinzip - zunächst die Webstühle der Textilindustrie und später eben auch die ersten Computer zu betreiben pflegte.

Meist müssen wir sie allerdings hinter Glas bewundern. Ein unermüdlicher bricoleur universel und analogitaler Bastler wie Flo Kaufmann (mehr im hauseigenen Archiv) hingegen zeigt, dass man sie nach wie vor benutzen kann.

Für seine aktuellen Performance-Projekte hat er neben jeder Menge Geräteschrott eben auch einige Lochstreifen aus den Abfalleimern der Technikgeschichte gefischt und benutzt Letztere nun, um Ersterem neues Leben einzuhauchen.

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Dass und wie gut das funktioniert, stellt er unter anderem heute (02.10.11) Abend in der Sulzerhalle Winterthur mit "punch.ing", einer "sound performance für lochstreifen, stanzer und andere elektronik" unter Beweis.

Und zwar um 20:30 Uhr, im Rahmen des heute endenen Festivals "perform now", dessen Besuch auf diese Weise - soweit nicht sowieso schon auf der Agenda - auch insgesamt noch anempfohlen sei...

Von miss.gunst am 02.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.10.11

Mikrotonale Alterationen (WRT)

slrd-atm11-kswn.gifHerbst haben wir - wenigstens dem Kalender nach - schon etwas länger. Und heute gibt's dann auch den passenden Webradio-Tipp dazu.
Mit steigenden Nebelschwaden, vom Wind durchgewirbelten Blättern und zünftigen grauen Schauern?

Von wegen. So lange es draussen noch herrlichste Sonne hat, wollen wir derlei denn doch auch akustisch nicht herbeizaubern. Kommt sicher noch früh genug...

Statt dessen freuen wir uns über die saisonale Selektion radiophonen Ohrzuckers, den uns silenceradio.org (s.u.a. den Eintrag vom 29.08.06 sowie Weiteres im hauseigenen Archiv) mit seiner Herbstedition 2011 kredenzt: "Altérations microtonales" heisst sie. Und ist - wie immer bei den Brüsseler Klangsammlern - rundum lecker und gut!

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Von miss.gunst am 01.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)