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20.10.11

Zeichenmaschine im Tüftlerlab

hckffmdrb-ksw.gifWeil es in diesem Log.Buch ein seit langem gehegtes (wenngleich nicht immer so regelmässiges) Zettelkasten-Fach zu Zeichenmaschinen gibt, soll der Report zum Tüftlerlab-Tag mit dem Hackerspace FFM gleich noch eine Fortsetzung bekommen.

Eine Zeichenmaschine hatten die Bürstenbot-Bauer (bzw. Baulehrer) nämlich ebenfalls ins Museum bzw. ins Tüftlerlab der Do It Yourself-Ausstellung mitgebracht.

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Während auf den Basteltischen fleissig Bürsten und Bürsten in Bewegung gebracht wurden, ging sie im Hintergrund nicht minder fleissig ihrer Bestimmung nach und brachte ein stolzes Werk nach dem anderen zu Papier aufs Whiteboard.

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Selbstredend eine Eigenkreation - deren Entstehung lobenswerter Weise gleichfalls im Wiki des Hackerspace FFM dokumentiert ist.

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KennerInnen der Materie wird es freuen, dass sich die Ahnenlinie der Frankfurter Zeichenmaschine über den Kritzler von Alexander Weber bis zum bekanntermassen hochbegabten Hektor von Jürg Lehni und Uli Franke zurückverfolgen lässt.

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Ob sich Zeichenmaschinen wohl auch miteinander fortpflanzen können? Wer weiss. Vielleicht träumen sie ja schon davon...

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Von miss.gunst am 20.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.10.11

Bürstenbots im Tüftlerlab

hckffmbb-ksw.gifZu den aus nahe liegenden Gründen beliebtesten und immer wieder neu beflügelten (retro-)futuristischen Fantasien zählen zweifellos jene, die dem Menschen hilfreiche Haushaltsroboter versprechen.
Wobei natürlich auch so mancher Zukunftstraum längst Alltagsrealität geworden ist.

Schliesslich haben wir dank der immer weiter vorangestriebenen technologischen Entwicklungen allerlei Helferlein für die unterschiedlichsten Zwecke: Einen brummige Kühlmaschine, die einem das Eis-aus-dem-Keller-Schleppen erspart, hat wohl jede/r daheim. Viele Küchen verfügen über einen Brotröstapparat mit Scheibenschleudersitz. Ah, und nicht zu vergessen das digitale vernetzte Hamsterrad, mit dem uns die kleinen, emsig tretenden Nager neben diversen Dienstprogrammen auch den Zugang zur grossen wwweiten WWWelt eröffnen.

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Aber leider leben wir noch immer nicht in der besten aller möglichen Arbeits- und Freizeitumgebungen. Zum Beispiel will die gute alte Staubschluckmaschine - wie modern sie sich auch geben mag - bei den meisten von uns noch immer im schnöden Handbetrieb zum Dienst geleitet und begleitet werden. Und dann muss man, weil sie in Sachen Feinmotorik ungefähr auf der Stufe "Steinzeit" steht, eh nochmals mit dem Lappen hinterher.

Von ebendiesem - für den Technologiestandort Erde doch eher unrühmlichen - Zu- bzw. Um- bzw. Missstand leben neben der Science Fiction ganze Geschäftzweige, die mit nur graduell eleganteren Lösungen ("jetzt dreieckig - kommt in alle Ecken" [scheitert dafür an Rundungen]), Ersatzbefriedigungsversprechen ("so macht Reinigung richtig Spass" [ah, Duschen?] winken. Ohne natürlich das eigentliche Problem zu beheben.

Indessen, es geht selbstredend auch anders. Wie beispielsweise ein Blick ins Tüftlerlab der Frankfurter Do It Yourself-Ausstellung zeigen kann (mehr dazu auch hier).

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Gleich mehrere "best practice"-Modelle emsiger Reinigungsroboter gibt es dort zu sehen und zu testen.
Natürlich muss es nicht gleich die - für FreundInnen der Kunst besonders empfehlenswerte - Luxus-Variante von Karl Heinz Jeron sein, die beim Saubermachen das legendäre "JaJaJa NeeNeeNee" von Joseph Beuys rezitiert (in Aktion anzusehen auf dem Webseiten ihres Erbauers).


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Als Alternative winkt aus dem Regal nebenan etwa auch schnittiger roter Bürstenroboter, den Daniel Imboden 2008 quasi als Putzkommando-Vorhut seiner nicht weniger emsigen Zahnbürsten-Roboter ins Rennen geschickt hat.
Letztere stehen in Frankfurt zwar aus Artenschutzgründen hinter Glas - aber dafür kann man ja per Bausatz-Bestellung für eine eigene Anzucht sorgen.

Wie das geht - und genau darum geht's bei der Do It Yourself-Ausstellung allgemein und namentlich im Tüftlerlab - liess sich aber auch ganz praktisch vor Ort erlernen. In der sonntäglichen Open Lab-Reihe waren nämlich die Aktiven vom Hackerspace FFM zu Gast. Und zu den DIY-Workshop-Angeboten, die sie mitgebracht hatten, gehörte allem voran: Bürstenbots zu bauen.
Praktisch, hilfreich, gut und obendrein: attraktiv - da kommen wir doch der besten bequemsten aller möglichen Welten wieder ein Stück näher. Oder so.

Und was, wenn man den Workshop verpasst hat?

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Dann findet man eine prima Bauanleitung im Wiki der Frankfurter Hacker. Wo unter anderem auch etwas geschrieben steht, das wohl gerne hier zitiert werden will:

"Es gibt mittlerweile auch kommerzielle Versionen des Bristlebots [...]. Aber das ist natürlich nicht das selbe wie selbst gemacht - finden Sie nicht auch?"

Von miss.gunst am 15.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.10.11

Aufmerksamkeitsungeziefer

afmki-ksw.gifEndlich wieder einmal ein Eintrag für InsektenfreundInnen!
Das diesjährige Coded Cultures-Festival, in dessen Rahmen man den kleinen Krabblern live begegnen konnte, ist zwar schon vorbei.
Aber hier haben wir es mit einer Spezies zu tun, die von solchen Daten doch eher unabhängig ist.

Wie im übrigen auch vom Zyklus der Jahreszeiten, der sonst über Leben und Weben der Hexapoden bestimmt.

Das Aufmerksamkeitsungeziefer, das Julian Palacz im Rahmen von Coded Cultures in Wien ausgesetzt hat ist der Klassifikation nach nämlich ein artverwandter des Vibra-Roboter-Insekts (s.a. mehr zu Letzterem, Zuchtanleitung resp. Bausatz für die schlichteste Variation dieser Spezies bei Daniel Imboden).

Aber eben doch dezidiert anders orientiert, indem es den öffentlichen Raum infiltriert und sozusagen vom Sniper-Posten aus agiert. Es hockt zum Beispiel unterm Kaffeehaustisch und lässt die Tassen sachte wackeln oder versetzt Teile des Tresens in leise Schwingungen. Was vielleicht nicht wirklich stört - gleichwohl jedoch unterschwellig ablenken kann.

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Genau so wie... Ganz richtig. Die netten, scheinbar sozial so segensreichen - tatsächlich aber Aufmerksamkeit saugenden und mindestens die unfreiwillig involvierte Umgebung in der Regel sogar kräftig nervenden kleinen Kommunikationsgeräte. Die eben auch dann, wenn sie nur summen respektive vibrieren dürfen, stets einen guten Schluck der Konzentration ihrer EignerInnen schlürfen.

Nun, zu einer übleren Pest als diese omnipräsenten Aufmerksamkeitsparasiten kann wohl auch Aufmerksamkeitsungeziefer kaum werden. Ehrlich gesagt: Uns gehts da wie anderen mit kommerziell vertriebenen Aufmerksamkeitsabzugsgadgets. Wie gerne hätten wir so ein sympathisch vibrierendes Kakerlakentier.

Von miss.gunst am 06.10.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.08.11

KOELSE

klsezh-ksw.gifKlingt schon wieder kryptisch - ist aber einfach der (Kurz-)Name der "KOkeellisen ELektroniikan SEura", der finnische Gemeinschaft für Experimentalelektronik.
Die wiederum Ende vergangener Woche einen Gastauftritt im Zürcher Walcheturm bestritt.

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An sich würde man sich solche Konzerte resp. Performances sowieso immer am liebsten im Stil der legendären "Happy New Ears"-Serie des Frankfurter Ensemble Modern wünschen. Bei Letzteren werden im ersten Teil die Kompositionen vorgestellt und nach einem kleinen Päuschen dann gespielt.

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Wobei es sich bei KOELSE natürlich um eine etwas andere Art von Klangarbeit handelt, bei der das gemeinsame Experiment und die paralleprozesierende Improviation am Instrumententisch im Mittelpunkt stehen - weshalb es an sich schön wäre, vorher oder hernach mehr über die selbstgebauten Klangerzeuger selbst zu hören.

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Aber dafür hat es auf den KOELSE-Heimseiten dann ein Blog, und gleich noch ein zweites Blog, die Einblick in die Projekte der Gemeinschaft geben. Und wo man dementsprechend auch einiges zu den Instrumenten findet.

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Die sind tatsächlich, mindestens momentan noch, die eigentliche Sensation bei den Finnen. Die Performance selber und der mit den slicken Gerätschaften erzeugte Sound: Schon nicht schlecht. Aber irgendwie, denkt man, müssen sie vielleicht doch noch ein bisl miteinander üben. Jenun. Bei den Talenten: Das wird.

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[Bildchen: KOELSE, einige der Instrumente, und dann nochmals KOELSE in Aktion. War, wie man sieht, recht schummrig und ergo 2s ohne Blitz zu halten. Aber einen kleinen Einblick gibts wohl immerhin...]

Von miss.gunst am 11.08.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.08.11

Bus Obscura

cmbcmb-ksw.gifIm Anschluss an die im Kleinbus installierte Camera Obscura von Anne Euler lässt sich gut noch ein weiteres Projekt vom Kulturbeutel in den Zettelkasten transferieren - das nämlich ebenfalls auf einen Kamerakorpus mit Fahrwerk setzt.

Schon vor gut fünf Jahren nämlich hat der britische Künstler und Fotograf Simon Lee einen Bus entsprechend transformiert.

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Bei seinem "Bus Obscura" handelt es sich um einen veritablen Reisebus, dessen Fenster Lee mit einer Verdunklung versehen und diese dann mit vielen kleinen Löchern durchbrochen hat.
Das Resultat: Innen können Reisende Platz nehmen und die vorbeiziehende Umgebung durch die Gucklöcher betrachten - die wiederum in umgekehrter Richtung als Camera Obscura fungieren.

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Das gesamte Projekt ist auf Lees Webseite zum "Bus Obscura" ausführlich dokumentiert, neben Doku-Fotos zu den Busreisen und Storyboards gibt es sogar Videos, die den Bus Obscura in medias res zeigen.

Sehenswert, auch wenn man nicht selbst mitreisen kann!

[Bildchen: Imaginiert behelfsweise, wie es drinnen in so einem Camera Obscura Multiplex aussehen kann. Oben mit Blick aus den Gucklöchern, unten auf die Wand mit Innenprprojektion (notabene: bei Lee geht beides auf beiden Seiten). Preisfrage: Wieviele grüne Gestalten stehen draussen vor der Tür? Eine - oder vielleicht doch eher vier? PS: Die Gucklöcher sind natürlich vielvielviel zu gross. Das müsste man noch korrigieren...]

Von miss.gunst am 01.08.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.07.11

Camera Obscura Euler

aecob11-ksw.gifNach langer Zeit endlich einmal wieder ein Eintrag zur guten alten Lochkamera mit einem Neuzugang zur Sammlung - und einem dazu passenden Ausstellungstipp...

Die Camera Obscura Euler, die wir heute in unseren Zettelkasten reihen, hat nichts mit dem gleichnamigen Mathematiker zu tun (was sicher auch schön gewesen wäre), sie heisst auch nicht so - Anne Euler ist der Name der Künstlerin, die sie entwickelt hat.

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Und zwar hat Euler 2008 einen Lieferwagen bzw. Kleinbus entsprechend umgebaut und ist damit inzwischen weidlich unterwegs gewesen.
Allerdings nur am Rande als Side Show. Vor allem wurden, wie es für eine künstlerische Verwendung der Apparatur nahe liegt, spezielle Bilder(serien) produziert und festgehalten.

Hierfür hat sich Euler mit der eigenen Negativ-Silhouette des Schattenwurfs aus dem Innenraum in Beziehung zum jeweils projizierten Bild gesetzt - was bei entsprechender Drehung des Projektionsbildes ins Lotrechte zu einer doppelten Umkehrung der Verhältnisse führt und ergo ziemlich effektvoll ist.

Wie Umbau und Aufnahme funktioniert haben, findet sich ausführlich auf den Heimseiten der Künstlerin dokumentiert.
[Hier leider alles nicht direkt zu verankern, weil Eulers Heimseite über Frames läuft. Tja.]

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Diejenigen, die sich gerade in und um Berlin aufhalten, können das Ganze bzw. genauer gesagt: ausgewählte Ergebnisse nun in einer Ausstellung in Augenschein nehmen, die noch bis einschliesslich 06.08.11 im Satellit der HfG Offenbach zu sehen ist.
Und je nach Lust und Laune selbst an einem Camera Obscura Euler-Experiment teilnehmen, denn für den 31.07. lädt Euler zu einem ebensolchen ein. Nähere Informationen sind der Ausstellungsinfo zu entnehmen.

[Bildchen: So ungefähr funktioniert das. Ungefähr. Natürlich ist Anne Euler weder klein noch dreieckig noch rot - eben wegen der Frames war's uns einfach an einer visuellen Erläuterung gelegen.]

Von miss.gunst am 17.07.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.07.11

Loops ff.

pllp11ssq-ksw.gifDas im voraufgegangenen Eintrag wärmstens empfohlene poolloop-Festival ist zwar nun schon wieder vorbei. Aber wie es sich für Loops gehört, läuft eben doch noch etwas weiter...

Zum einen, wie bereits vermerkt, gibt es über die Woche noch weiterhin Gelegenheit, im starkart die Installationen der poolloop-Ausstellung in Augen- und Ohrenschein zu nehmen.

Zum anderen - und das dürfte auch für jene interessant sein, die keine Gelegenheit hatten und haben, selbst in Zürich vorbeizuschauen - sind derweil einige der Loops im Nüsschen-Depot des von uns allweil heiss geliebten Klangsammelhörnchen gelandet.

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So beispielsweise auch die während des Festivals von Valentina Vuksic geheimsten Festplattensounds. Und anderes mehr.
Einfach mal nachschauen bzw. nachhören im pooloop-Label-Spezialverzeichnis bei sonic squirrel!

Von miss.gunst am 13.07.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.06.11

Schöne(r) Flicken

stfl11-ksw.gifMan muss nicht immer gänzlich neue Maschen produzieren. Viele Menschen haben bereits einen vollen Kleiderschrank und von daher erst mal keinen Anlass, selbst zu Nadel und Faden zu greifen. Und wenn besagte Füllung langweilt, vom Zahn der Zeit oder Motten angenagt wird, zieht man eher los, um Nachschub käuflich zu erwerben. Klar ist allerdings, dass es eigentlich auch anders geht.

Wie entweder aus sogenannten alten und deshalb der Zuneigung verlustig gegangenen Stücken neue werden oder auf die eine oder andere Weise zernagte Lieblingsteile gerettet werden können?

Eben: Dafür stehen eine Reihe verbrieftermassen erfolgreicher (oder mindestens Erfolg verprechender) Kulturtechniken zur Verfügung. Zur Reparatur das Flicken und für allfällige Verschönerungen das Sticken beispielsweise. Aber wie ging das doch gleich?

Wie gut, dass sich in Zürich gerade eine schöne Gelegenheit bietet, das eine wie das andere zu lernen oder brachliegende Kenntnisse aufzufrischen. Begleitend zur Ausstellung "Neue Masche" im Museum Bellerive haben Studierende des ZHdK-Bachelors "Vermittlung" eine Reihe von Formaten entwickelt, bei denen Theorie und Praxis des Mittelns neue Verbindungen eingehen sollen. Im Rahmen dieses Projekts, das den Titel "Kunstvermittlung ... und anders" trägt, ist auch "flickstick" von Martina Regli und Inbal Sharon enstanden.

Mit einer mobilen Flick- und Stickstation ziehen die beiden durch Zürich und bieten PassantInnen an, ihre Kleider je nach Bedarfslage zu reparieren und/oder mit Verzierungen zu versehen.

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Erst einmal ist das Ganze offenbar als Service gedacht, der zugleich die beiden Handarbeits- und Kulturtechniken vor Augen und in Erinnerung rufen soll. Selber Flicken und Sticken zu können, ist - Handarbeitsboom hin oder her - eben doch längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ob man bei, von und mit flickstick das eine und/oder das andere auch selber ausprobieren und lernen kann? Und/oder ob darüber hinaus in diesem Zuge auch über die Ausstellung gesprochen bzw. eine entsprechende Brücke zu den Themen geschlagen wird, welche die im Museum Bellerive versammelten Arbeiten assoziieren?

Das lässt sich am allerbesten wohl direkt an der mobilen flickstick-Station in Erfahrung bringen. Zum Beispiel am heutigen Mittwoch (01.06.11) von 17 bis 19 Uhr vor dem Gemeinschaftszentrum Zürich-Riesbach. Oder an einem der anderen Termine, die als Tourdaten auf den flickstick-Heimseiten verzeichnet sind...

[Bildchen: Flicken besticken und dann wieder stickend flicken - oder so ähnlich. Hatten wir noch im Archiv, s. den Eintrag vom 10.10.07 zu Open Source Embroidery - haben an den Fotos aber dann nochmal digital herumgeflickt...]

Von miss.gunst am 01.06.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.04.11

Kassettendeck

kssttd-ksw.gifEins daheim stehen bzw. in der Stereoanlage installiert zu haben: Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Ergo ist es langsam, aber sicher an der Zeit, diesem einst so unentbehrlich scheinenden Gerät ein würdiges Denkmal zu setzen.
Beispielsweise mit einem Kassettendeck im praktischen Buchformat!

Immerhin wäre ist das dann ein Datenträger, dem (hoffentlich) in unserer Kultur noch etwas mehr Durchhaltevermögen beschieden sein dürfte, als den auf besagtem Gerät abgespielten Magnetbändern - die sich ihrerseits ja nun leider auch als weitaus weniger haltbar erwiesen haben.

kssttd-g.gifIst, weil: Eben so ein Kassettendeck in Buchform gibt es nun. Ausgehend von ihrer eigenen Leidenschaft für den vom Aussterben bedrohten Tonträger haben sich Jan Drees und Christian Vorbau auf die Suche nach der verlorenen Zeit begeben und sind quer durch die (Bundes-)Republik gereist, um Kassettengeschichte(n) aufzuschreiben. Dazu haben sie auf die eine oder andere Weise dem Band verbundenen Menschen um Beiträge gebeten bzw. ihnen jeweils drei bohrende Fragen gestellt - darunter DJs wie Hans Nieswandt und Westbam, Künstler wie Gregor Hildebrandt, Andreas Schlaegel und Rafael Horzon, AutorInnen wie Benjamin von Stuckrad-Barre, Alexandra Hennig von Lange und Peter Glaser. Und wie es der Zufall so will, ist auch die Verfasserin dieses Log.Buchs, in dem bekanntlich auch hin und wieder die eine oder andere Aufzeichnung zu Tapes resp. Kassettengeschichten zu Lesen steht, mit von der Partie.

"Kassettendeck - Soundtrack einer Generation" heisst das gerade beim Eichborn-Verlag erschienene Ergebnis der Recherchen. Welches hiermit zur geneigten Lektüre anempfohlen sei.

Wer erst mal spitzen will: Eichborn hat bei Book2Look eine kleine Vorschau ins Netz gestellt - und ausserdem führen Drees und Vorbau ein Kassetendeck-Blog, in dem derzeit unter anderem auch die Termine ihrer aktuellen Lese- und Konzerttour stehen.
Stimmt: Am Ende will man (über) Kassetten eben nicht nur lesen, sondern auch (von ihnen) hören... hoffentlich noch lang...

Von miss.gunst am 02.04.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.03.11

Tönende Haushaltsgeräte ff.

pfnmsk-ksw.gifA propos. So ein Symphonieorchester aus Haushaltsgeräten ist natürlich eine tolle Sache. Aber was, wenn man daheim die Waschmaschine(n), Sauger und Föne nur in haushaltsüblichen Mengen bevorratet hat?
Nun, das heisst nicht, dass man ihre musikalischen Potentiale ignorieren müsste.

Schliesslich hat man ja selbst einmal geübt und mit der Zeit allenfalls den Schlendrian einkehren lassen: Beim Topfschlagen und, darauf aufsetzend, komplexeren Jam-Sessions mit Pfannen, Deckeln und weiteren Gerät dürften die meisten schon in zarter Jugend einschlägige Talente bewiesen haben.

Wo sind die nur hin, mag sich manche(r) fragen, wenn beim Kochen, Tischabräumen, Spülen später lediglich Noise zum Besten gegeben wird?
[Wobei, was heisst hier: "lediglich" - mit Blick auf die in diesem Log.Buch gehegte Zuneigung gegenüber Geräuschen im Allgemeinen und besonders gegenüber Noise müssten wir wohl besser schreiben: "ausschliesslich"...]

Aber natürlich gibt es auch ganz andere Optionen. Alles eine Frage der Übung und des gezielten Blicks in den Küchenschrank - beziehungsweise, wenn man sich nicht auf Küchenmusik bzw. Klänge bescheiden möchte - in die Wohnung ingesamt.

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Wie das ausschauen respektive sich anhören kann, hat vor einigen Jahren - wie der eine oder die andere erinnern wird - kein geringerer als Ola Simonsson gezeigt. Ganz genau, eben jener schwedische Regisseur, Schauspieler und Komponist, der zuletzt mit dem wunderbaren Film "The Sound of Noise" (2010) Furore machte.

Sein Kurzfilm "Music for one apartment and six drummers" von 2001 zeigt uns, wie besagte sechs Schlagwerker in die Wohnung eines gerade zum Spaziergang aufgebrochenen älteren Ehepaars eindringen - und diese, wie bereits der Titel verrät, für die Dauer einer Jam-Session als Hort trefflichst zum Tönen gebrachter Instrumente nutzen. Als solche fungieren dabei nicht nur Haushalsgeräte, sondern auch Mobiliar bzw. eigentlich alles, was so eine Wohnstatt an potentiellen Klangkörpern zu bieten hat.

Gut, die Beteiligten gehen zweifelsohne nicht nur als Einbrecher hochprofessionell zur Sache. Aber ihr kreativer Zugriff aufs Alltägliche nehmen wir doch gern als Anregung, mal im eigenen Umfeld weiter auszulugen...

PS: HörenSehen wollen? Kann man. Wo? Ja ratet mal.

[Bildchen: Hat mit dem Film allenfalls mittelbar zu tun - vielleicht das kleine Unruh-Teufelchen der Küchenmusikimagination?]

Von miss.gunst am 30.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.03.11

Blödes Orchester (Petermann)

kgoo-ksw.gifAls Luigi Russolo seine Intonarumori konzipierte, scheint er durchaus auch von den seinerzeit existierenden Haushaltsgerätschaften inspiriert gewesen zu sein. Ob er heute angesichts ganzer Heerscharen von Alt- und Neuware mit einschlägigem Potential überhaupt noch auf eigene Konstruktionen verfallen wäre?

Nun, das wissen wir natürlich nicht und wohlmöglich hätte ihn seine Abneigung gegenüber allzu fleissiger Klangmimese bzw. -abbildlichkeit davon abgehalten.

Aber indes gibt es heute je nicht wenige KünstlerInnen, die das ureigene Klangpotential von sonst zu anderen Zwecken genutzten Geräten sehr zu schätzen wissen und systematisch erforschen. Und die gerade deshalb bevorzugt in unserem Zettelkasten landen.

So nun auch Michael Petermann, seines Zeichen klassischer Musiker, Komponist und Dirigent mit Neigung zum Experiment.
Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist gerade (und noch bis zum 30.04.11) eine Sonderausstellung zu sehen, in der er an die zweihundert alte Waschmaschinen, Staubsauger, Brotmaschinen, Mixer, Rasierer und Handföne zu einem veritablen Symphonieorchster versammelt hat - das er selbstredend auch musizieren lässt.

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Wer (noch) keine Zeit hat(te), in den hohen Norden zu fahren, kann dank der Anker, die Petermann auf den entsprechenden Seiten seiner Künstlerorganisation Weisser Rausch, auch zu ausdiovisuellen Berichten gelangen, auf denen man das (gar nicht so) Blöde Orchester spielen sieht und hört.

Besonders empfiehlt sich das Orchesterproben-Video bei Vimeo. Idealerweise aber: ein Konzertbesuch vor Ort. Denn wenngleich sicher auch der heimische Haushalt das eine oder andere Talent aufzuweisen hat: Fürs Intonieren einer ganzen Symphonie braucht es nicht nur viele geübte Instrumentalisten, sondern auch einen, der sie zusammenführt und dirigiert.

[Bildchen: Zeigt ganz offenkundig kein Symphonieorchster, sondern nur ein Duo - das allerdings nicht wirklich intelligent ausschaut. Aber vielleicht klingt's ja trotzdem ganz gut. Für das Original-Küchenmaschinenbild danken wir einem unbekannten Spender in die Wikimedia Commons resp. die Public Domain. Merci!]

Von miss.gunst am 21.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.03.11

Plattenteller, Tellerplatten

tllpltt-ksw.gifDass Plattenteller ihren Namen nicht von ungefähr tragen, ist eigentlich evident. Auch wenn der oder die DJ dann auflegt und nicht aufträgt, was er oder sie uns kredenzt.
Nicht ganz so selbstveständlich ist indes, dass das Ganze ebenso in umgekehrter Leserichtung funktionieren kann.

Lassen sich Tellerplatten bzw. Teller als Platten auflegen?

Doch, doch. Das geht. Und wurde uns auch anschaulich unter Beweis gestellt. Das ist zwar inzwischen schon ein bisschen her - aber es gilt ja nach wie vor der gute Vorsatz, Sedimente aus dem Kulturbeutel abzutragen und in den Zettelkastens einzuspeisen. Zumal sich in diesem Fall laufende Stränge zu Themen wie Turntableism und künstlerischen Transformationen des Tonträgers Schallplatte wieder aufnehmen lassen.

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Vergangenen Dezember lud der Basler Plattenladen plattfon zu einem solchen Tellerkonzert ein. Wer sich nun in ehrlichen Grausen windet, weil das ganz nach einem Polterabend zwecks Lagerräumung tönt, in dessen Zuge reihenweise Nadeln übers Porzellan bzw. über die Klinge springen: Keine Sorge.

Denn die Designerin Camille Scherrer, die für den Abend verantwortlich zeichnet, hat natürlich für ein passendes Abspielgerät gesorgt: Anstelle der Nadel tastet eine Kamera die Teller ab - und am Computer werden Muster und Dekors dann in Klang umgesesetzt.

Nebenbei bemerkt: Nicht nur eine nette Variation auf AV-Vjing, sondern auch ein schöner Lebensabend für ausgediente Plattenspieler!

[Bildchen: Eben, so soll es sein - Platte und Teller Hand in Hand. Schliesslich werden sie ja beide auf dem Plattenteller landen. Für den Papa der Platte danken wir Wikimedia Commons-Spender Ramon Vasconcellos und für die Mutter des Tellers den Wikimedia Commoms-Spendern notafish. Und wie die Eltern steht auch den Kindern die cc-by-nc-sa-Lizenz gut zu Gesicht. Merci!]

Von miss.gunst am 17.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.03.11

Weniger ist mehr

wmwmkks-ksw.gifWeniger ist mehr: Das klingt erst einmal ziemlich überzeugend, gerade im Kontext des aktuellen Strangs von Einträgen zum Thema Teilen.
Aber ist das wirklich so?

Mit Blick auf Projekte wie SHARISM* oder shareable - oder genauer gesagt: auf Projekte, wie sie durch entsprechende Initiativen angeregt, vorgestellt, vernetzt werden - würde man diese Frage sicher tendenziel mit einem "Ja" beantworten (selbst dann, wenn dieses "Ja" sicher ebenfalls das eine oder andere "Ja, aber" einschliessen mag). Schliesslich geht es beim Teilen genau darum, dass man etwas abgibt, damit aus einem Gemeinsamen ein Mehrwert entsteht bzw. entstehen kann.

Indes kann man sich auch ganz prinzipiell über das "weniger-ist-mehr" Gedanken machen. Insbesondere in Gesellschaften respektive zu Zeiten, die von einem Überfluss an materiellen Gütern geprägt erscheinen, sind mehr oder weniger regelmässig Rufe nach Reduktion zu vernehmen.

Einen veritablen Kult des "Weniger-ist-mehr" will die amerikanische Künstlerin Kelly Sutton initiieren, die mit ihrem Projekt "The Cult of Less" heuer ebenfalls auf der transmediale11 vertreten war.

Wie es sich für Begründer künftiger Kulte gehört, hat sie erst einmal im Kleinen, nämlich bei sich selbst und ihrer persönlichen Habe angefangen. Stück um Stück wurde bzw. wird aufgelistet, fotografiert, beschrieben und ins Netz gestellt, eingeteilt in drei Kategorien: "sell!", "sold!" und "keep!".

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Zweifelsohne zeichnet sich der Kult also durch einen äusserst pragmatische Charakter aus - mit den Basisprinzipien einer kapitalistischen Wirtschaft geraten künftige JüngerInnen auf diese Weise jedenfalls kaum in Konflikt. Auch wenn das Flohmarktprinzip natürlich durchaus einen Beitrag zum nachhaltigeren Umgang mit Konsum- bzw. Gebrauchsgütern leistet, Problemzonen wie voreiliges Wegwerfen oder unsinnige Anschaffungen puffern hilft und inegsamt den Produktionskreislauf entschleunigen kann.

Kurzum: Ein netter Versuch, aber alles andere als spektaktulär.

Eins ist allerdings doch ganz interessant anzuschauen - wenn man nämlich den aufgelisteten (ehemaligen) Besitzstand darauf hin anschaut, welche Dinge bleiben dürfen und welche nicht. Natürlich sind (oder scheinen) die Entscheidungen, die da getroffen werden, erst einmal subjektiv motiviert. Aber es gibt doch gute Gründe zu vermuten, dass so manche Präferenz zugleich einiges über den historischen und kulturellen Kontext bzw. den Zeitgeist verrät, der mehr oder weniger merklich um unser aller Nasen weht.

Mal so gesagt: Ehedem wären "The Sorrows of Young Werther" vielleicht im heimischen Regal geblieben - während es heute dann eher ein ganz anderes "Buch" (bei Sutton: das MacBook Pro) ist, das essentiell erscheint...

Weniger ist mehr? Nun ja. Mehr oder weniger - oder besser gesagt: Das kommt eben doch immer darauf an.

[Bildchen: Wäre auch eine Option für einen "Cult of Less". Also weniger Kekse knabbern? Von wegen. Weniger ist mehr geht da nämlich auch anders. Und fällt also auch weniger schwer...]

Von miss.gunst am 13.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.03.11

Noch mehr Teilbares

shrbl-ksw.gifWenn man erst mal darüber nachdenkt, was sich alles teilen lässt, dann ist das doch eine ganze Menge.
Tatsächlich zeigt ein genauerer Blick ja auch: Es kommt weniger auf das "was" als darauf an, wie man teilt bzw. teilen kann...

Das im letzten Beitrag bemühte Beispiel vom geteilten Kleid darf da gern noch einmal herhalten:
Oft wird ja behauptet, dass die Scheidelinie der Teilbarkeit entlang materieller und immaterieller Güter verläuft, ganz nach dem Motto: Wenn mir jemand den halben Kuchen wegfuttert, ein paar Steinchen aus der Kette (oder dem Rechner) nimmt oder eben das Kleid zerschneidet, dann kann das wehtun. Kopiert er aber das Buch, das ich geschrieben habe, ist es immer noch da.

Stimmt natürlich nicht ganz. Wenn das Buch für die Lektüre kopiert wird, freut sich die AutorIn vielleicht (je nach Beteiligung an den Tantiemen) - wird indes nur der Text kopiert und ein anderer Name drüber geschrieben oder werden Credits für gute Ideen nicht gegeben, mit denen sich dann ein Dritter eine goldene Nase verdient oder auch nur kulturelles Kapital einstreicht: Nunja, das ist doch nicht wirklich schön. Dem gegenüber macht es viel mehr Freude, einen Kuchen zu teilen denn ihn allein zu verzehren, die halbierte Kette kann als Freundschaftsarmband funktionieren und wenn man das Kleid nicht längs teilt, sondern Pulli und Rock daraus macht...

Kurzum: Es geht eigentlich immer um die Konditionen - und um das "gewusst wie" eines guten Miteinander(-Teilens). Man könnte, angelehnt an die anglo-amerikanische Praxis auch sagen: Es geht um's Design. Was notabene nicht etwa nur Äusserlichkeiten meint.
Nicht von ungefähr übersetzt man "by design" wie folgt: "mit Absicht".

Eine wahre Fundgrube für einschlägige Anregungen gibt es mit einem Web-Magazin, das auf den schönen Namen "shareable" hört - und im Untertitel besagte Formel führt: "by design".

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"Shareable is a nonprofit online magazine that tells the story of sharing. We cover the people, places, and projects bringing a shareable world to life. And we share how-tos so you can make a shareable world real in your life.
In a shareable world, things like clothing swaps, childcare coops, potlucks, carsharing, community gardens, and cohousing make life more fun, green, and affordable. When we share, not only is a better life possible, but so is a better world."

So lautet das Programm der Initiative - und in der Tat ist shareable prall gefüllt mit Geschichten, die vom Teilen berichten und sehr anschaulich vermitteln, was alles möglich ist.

Dabei geht es aber nicht nur um die Vorstellung von "best practice"-Beispielen. Vielmehr werden auch Fragen und Probleme diskutiert - und für letztere Lösungsvorschläge geboten, die in Projekten erprobt bzw. erfolgreich zur Anwendung gebracht worden sind. Und natürlich kann man sich - a propos praktische Anwendungen - zudem guten Rat in Form von "How-tos" abholen. Nicht von ungefähr ist der am meisten verwendete tag (nicht: Tag - Schlagwort!), wie der Schlagwortindex verrrät, na - was wohl? Genau: "DIY".

Last but not least: Da erfolgreiches Teilen idealer Weise eng mit dem Prinzip des gegenseitigen Gebens und Nehmens verknüpft ist, sind Interessierte dazu eingeladen, selbst aktiv zu werden und nicht nur Kommentare, sondern auch eigene Beiträge für shareable zu schreiben.

Kurzum, eine rundum empfehlens- und unterstützenswerte Initiative!

[Bildchen: Ein Screenshot mit aktueller (Teil-)Ansicht von shareable - gerade mal die linke obere Ecke. Für Design der Seite (läuft mit Drupal) und mutmasslich auch des schönen Typo-Logo zeichnet Free Range Studio verantwortlich. Und obgleich Trademark, ist es wie alle shareable-Inhalte cc-by-nc-sa lizensiert. Das nennt man konsequent. *wow*]

Von miss.gunst am 10.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.03.11

Schöner Teilen

shrsm-ksw.gifOb und wie gern Menschen miteinander teilen, hängt sehr von dem ab, was tu teilen ist. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteiltes Kleid ist halbes Kleid. Kurzum: Ganz so einfach ist die Sache nicht - und gerade wenn man für eine Kultur der Commons bzw. des geteilten Kulturguts Sympathien hegt, lohnt eine ausführlichere Beschäftigung mit der Materie.

Zu den Projekten, die während der transmediale11 in der OpenZone siedelten und arbeiteten, gehört eines, das sich eben dies auf die Fahnen geschrieben hat: Sharism.

Wie bitte? Ein neuer -ismus?
Nun, das Basisprogramm liest sich in der Tat wie ein "Sharistisches Manifest":

"SHARISM is a Mind Revolution: The more you give, the more you get. The more you share, the more you are shared. Sharism is an ideology for our Internet Age. It is a philosophy piped through the human and technological networks of Free and Open Source software. It is the motivation behind every piece of User-Generated Content. It is the pledge of Creative Commons, to share, remix and give credit to the latest and greatest of our cultural creations [...]"

"[...]" heisst an dieser Stelle übrigens: Bitte selbst weiterlesen, denn das Manifest ist doch nochmal sehr viel umfassender und geht sowohl auf Fragen der allgemeinen Geisteshaltung wie auch auf konkrete Zelsetzungen in der Netzkultur ein.

shrsm-g02.gif

Um sich ein genaueres Bild von dem zu machen, was die gleichnamige Initiative tatsächlich so treibt, bietet würde sich im Prinzip die Lektüre ihres Blogs anbieten (der nur leider gerade nicht läuft - obwohl wir uns fest einbilden, er hätte das mal getan. Aber egal, denn es gibt eine gute Alternative).

Besser indes, man begibt sich gleich auf das recht gut bestückte SHARISM*-Wiki. Dort nämlich informiert eine Road Map detailliert darüber, was bisher geschah.
Und vor allem anderen kann man die diversen Baustellen der Initiative als Work in Progress in Augenschein nehmen - vielleicht ja auch, um selber mitzutun.

shrsm-g01.gifUm noch einmal auf das einleitend erwähnte halbe Leid vs. das halbe Kleid zurückzukommen: Dass der gute Wille nicht reicht und die Sache mit dem Teilen aus unterschiedlichen Gründen nicht so einfach ist, darüber denken natürlich auch die Beteiligten von SHARISM* intensiver nach. Und eben dazu gab es auch eine Diskussionrunde auf der transmediale11 - die ansonsten aber vor allem Gelegenheit bot SHARISM und SharistInnen direkt kennenzulernen.

Wer noch mehr über SHARISM lesen, hören und sehen möchte:
Da hätte es beispielsweise im Blog des Sharisten Jon Philipps noch einen Text mit Diavortrag sowie diverse Clips bei Vimeo.

[Bildchen: Stammen - wie man sieht - von sharism.org und sind dort (wie hier) mit der cc-by-Lizenz versehen. Vielen Dank fürs Teilen!]

Von miss.gunst am 08.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.03.11

Geliebte Geräusche, Sound der Stadt

pcllbb-ksw.gifA propos Londoner Stadtklänge: Vor einigen Monaten hatten wir das Londoner Büro für Stadtklang vorgestellt, das sich als Behörde mit diesem Feld befasst. Es gibnt indes aber auch künstlerische Initiativen, die sich auf ihre Weise für das aurale Wohlbefinden der Bürger interessieren.

Anders als Behörden, die im Hinblick auf die Akustik des urbanen Raums traditionell eher die Aufgaben haben wie die, Messungen vorzunehmen und etwaigen Schaden vom Bürger abzuwenden oder zu begrenzen*, geht ein weiteres Projekt des im letzten Eintrag mit seiner "Sound Data Base" vorgestellten britischen Klangforschers Peter Cusack von der positiven Seite aus.

"Favourite London Sounds" will - wie der Name schon sagt - eben jene Klänge sammeln, welche die Bewohner der Metropole an der Themse positiv wahrnehmen bzw. nicht missen mögen.

Eine recht erkleckliche Auswahl dieser Lieblingsklänge lässt sich im Audio-Archiv der Seite erlauschen. Wer nun meint, es fänden sich dort vorzugsweise Vogelgezwitscher, Blätterrauschen im Hyde Park oder Themsewellengeplätscher: Nein, die Londoner pflegen ganz offenbar keine übermässige Neigung zum Klangidyll. Vielmehr sind es mehrheitlich ganz aus dem Stadtleben gegriffene Alltagsgeräusche, die hier versammelt sind. Und das entspricht sicher auch dem Charakter einer so vielfältig pulsenden Stadt sehr viel besser.
Als Klangporträt wurde 2001 denn auch mit ausgewählten Klängen eine CD produziert.

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Kein Wunder, dass es inzwischen nicht nur von Cusack selbst initiierte Folgeprojekte in anderen Städten gibt, sondern auch KlangforscherInnen, die in seine Fussstapfen treten.

Wie beispielsweise das Projekt "My favourite Brussels Sound", das im vergangenen Jahr von Studierenden des RITS begründet wurde.

Auf den Webseiten selbst ist allerdings bis auf den Call und die Ankündigung einer kleinen Veranstaltungsreihe bislang nichts publiziert worden. Was die Frage aufwirft, ob die Brüsseler tatsächlich keine Lieblingsklänge haben - oder ob sie diese möglicherweise nicht so gern mit anderen teilen?

* Beiseit: Genau genommen müsse man das allerdings relativieren, wie ja nicht zuletzt das eingangs erwähnte Beispiel aus London belegt. Zwar können sich Städte dauerhafte Einrichtungen von Büros für Stadtklang selten leisten. Aber immerhin tragen doch viele Städte mit kommunalen Mitteln dazu bei, dass KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen Klangforschung betreiben können.

[Bildchen: Zugegeben - wir, die wir nicht in London gebürtig sind, hätten durchaus auch den Glockenschlag des Big Ben auf unserer lokalen Lieblingsklangliste. Für das wunderschöne Foto mit Nahansicht der Uhr zur vollen Stunde, das unserem Bildchen als Grundlage dient, danken wir herzlichst Wikimedia-Spender Robin Heymans, der sein Bild sogar der Public Domain überantwortet hat. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 05.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.03.11

Klangdatenbasis (Cusack)

pclsdb-ksw.gifZum Thema Klang(forschung) in urbanen Gefilden gibt es an dieser Stelle immer wieder Neues zu berichten.
Zugleich sind aber auch noch längst nicht alle Projekte in den Zettelkasten einsortiert, die schon länger auf diesem Feld aktiv sind.

Wie beispielsweise die "Sound Data Base", die der britische Musiker, Klangkünstler und -forscher Peter Cusack für London eingerichtet hat.

Über eine Google-Map lässt sich der Stadtklangraum erschliessen: Zum einen kann man die bereits eingebundenen Field Recordings - etwa von den eilig hastenden Schritten der Passanten an einem U-Bahnhof zur Rush Hour oder den Glockenschlag des Big Ben - erkunden.
[Beiseit: Ja, ganz ähnlich wie bei den bereits vor einem Jahr vorgestellten LocalSoundscapes von Costas Bissas oder den gleich im Anschluss eingetragenen radio aporee maps. Et vice versa, indes ein jedes dieser Projekte doch ganz eigene Schwerpunkte setzt...]

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Dabei lassen sich sogar mehrere Klänge gleichzeitig zu einem Sadtklangkonzert zusammenführen. Luigi Russolo hätte das, auch wenn der Futurist mit seinen Intonarumori ja eigentlich keinem Naturalismus frönen wollte, wohlmöglich durchaus gefallen - schliesslich ist es doch pure Geräuschpoesie, eine solche Gleichzeitigkeit zu erzeugen, wie sie sonst allenfalls unser Klanggedächtnis im Kopf zu evozieren vermag.

Während das Navigationsfenster "Soundcontrol" die Lautstärken der aufgerufenen Klänge regulieren und anschliessend auch wieder reinen Tisch machen lässt, eröffnet ein zweites Navigationsfenster, eigene Field Recordings aufzuladen.
Und dazu bietet die Londoner Klangdatenbasis auch noch jede Menge Raum.

"Sound Data Base" ist natürlich keineswegs das einzige einschlägige Projekt von Cusack, der schon seit langen Jahren auf diesem Gebiet unterwegs ist. Aber dazu dann in einem eigenen Eintrag noch mehr...

[Bildchen: Ist natürlich kein Screenshot von Cusacks Klangdatenbasis, sondern eine hauseigene Imagination. Für die dieser zugrunde liegende Karte der Londoner Stadtbezirke danken wir herzlichst Wikimedia Commons-Spender Notscott - und lizensieren unsere klingende Karte, dem Vorbild folgend, cc-by-sa-3.0.]

Von miss.gunst am 02.03.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.01.11

Overhead-Instrumente ff. (Blair Neal)

nbovhcm-ksw.gifWo wir gerade wieder mal bei kreativen Transfomationen der vom Aussterben bedrohten Gattung Tageslichtprojektor sind: Da bietet es sich doch an gleich noch ein weiteres Kärtlein aus dem Zettelkasten zu ziehen.

Im vergangenen Frühjahr lockte nämlich ein Eintrag im Blog des Make Magazine, einen Blick auf das "Demotape" zu werfen, das Blair Neal von seinem Projekt "Color a Sound" ins Netz gestellt hat.

Tatsächlich handelt es sich bei der Installation des experimentierfreudigen New Yorker Künstlers um ein veritables "overhead projector musical instrument", wie es der Beitrag in Make titelte: Die Kurbel für Overhead-Folie setzt sozuagen eine Drehorgel in Gang, deren Walze mit drei farbigen Folienstiften bezeichnet wird. Die auf diese Weise komponierten Melodien erklingen, sobald die Folie einen optischen Sensor passiert, welcher die Signale abnimmt, die dann digital in Sounds übersetzt werden.
Sehr elegant, so ein Sequencer im Overhead-Gewand.

[Bewegtbildchen: Color a Sound von Blair Neal auf Vimeo.]

Wenn man schon mal in Blairs Portfolio spazierengeht, sollte man getrost auch mal einen Blick auf die anderen Projekte werfen - da sind wirklich leckere Sachen dabei.

Und währenddessen lässt sich prima der ebenfalls seeehr empfehlenswerten Musik lauschen, die Blair mit seiner Band Bentlikebranches produziert. Die Veröffentlichung ist übrigens unter cc-by-sa lizensiert. *yummie*!!!

Von miss.gunst am 24.01.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.01.11

Gedrucktes geteiltes Glück

tfszz-ksw.gifVergangenen Mai haben wir an dieser Stelle von geteiltem Glück geschwärmt - genauer gesagt: geteiltem Glück in gedrucktem Format.

Seinerzeit lud das Projekt "Thanks for Sharing" kleine, in Eigenproduktion entstandene Kunst-Zines zu einem ganz speziellen Anlass ein: Einer Ausstellung, bei der man nicht nur Schauen, sondern auch lesen, diskutieren und etwas mitnehmen konnte - sozusagen einer Zines-Messe, aber eben ohne Verkauf.

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Inzwischen haben die rührigen InitiatorInnen des Kunstraums d21 eine Dokumentation erstellt, aus der natürlich ebenfalls ein kleines Kunst-Zine geworden ist. Das flatterte uns dieser Tage ins Haus - huuii, wir packen es dann auch gleich mal aus und rufen noch einmal ganz beglückt...

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... Thanks for Sharing!!!

Von miss.gunst am 14.01.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.01.11

Druckende und gedruckte Drucker

drckr-ksw.gifLang, lang ist es her, dass wir begeistert in Zürich den Nadeldrucker-Symphonien von The User lauschten, die Mika Taanila seinerzeit gerade als Optical Sound gefasst resp. kongenial ins tönende Bild übersetzt hatte.

Aber natürlich bieten Drucker auch was ihre primäre Funktion, also das Drucken bzw. das Erstellen von Druckerzeugnissen betrifft, für medienarchäologisch forschende KünstlerInnen gutes Futter.

Über eine eigentlich ganz anderen Dingen geltende Recherche sind wir nun zufällig auf die Fährte von Xavier Antin gestossen. Der in London und Paris lebende/arbeitende Grafik-Designer und Künstler hat im Juni vergangenen Jahres gleich zwei schöne einschlägige Projekte realisiert:

"Printing at Home" ist eine Installation mit respektive Serie von neun gehackten Tintenstrahl-Druckern, die ebenso niederträchtig wie originell zu anderen Zwecken missbraucht werden.

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"Just in Time, or A Short History of Production" wiederum schliesst vier alte Tischdrucker, die aus unterschiedlichen Jahrzehnten des 19. und 20. Jahrhundert stammen, zu einem gemeinsamen Druckprozess zusammen: Der älteste, ein Mimeograph aus dem Jahr 1880, macht mit Magenta den Anfang; darauf folgt ein Matrizendrucker aus 1923, der für die blaue Farbe zuständig ist; ein stolzer Laserdrucker aus 1969 darf ins Schwarze treffen. Und zum guten Schluss sorgt noch ein Tintenstrahler von 1976 für leuchtend gelben Glanz.

Hätten wir natürlich beide gern in Aktion gesehen. Das ist zwar zu spät - aber konsequenter Weise hat Antin sowohl die eine wie die andere Installation in ein (Künstler-)Buchprojekt überführt.
Und beide Büchlein sind nun auch in seinem eigenen online-Shop zu erstehen.

Nun, für nachträgliche Weihnachtsgeschenke (beispielsweise bzw. nur für den Fall, dass es über Sammelleidenschaft hinaus noch Argumente braucht) ist es doch sicher noch nicht zu spät...

[Bildchen: Dieses klassische Modell ist in beiden Installationen resp. Publikationen nicht vertreten - aber eben drum figuriert es in der handgemachtengedruckten Illustration...]

Von miss.gunst am 04.01.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.01.11

DIY Rosige Aussichten

hm-rs-pp-ksw.gifRosige Aussichten beflügeln bekanntlich - und das gilt natürlich auch für einen schwungvollen Start ins Neue Jahr.
Manche Menschen mögen aus diesem Grund entsprechend eingefärbte Sonnengläser erwerben. Dabei geht's doch viel einfacher und schöner: Mit rosigen Aussichten Marke Eigenbau.

Etwa so?

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Falsch, ganz falsch (wenngleich wir niemanden davon abhalten wollen, sich das Bildchen farbig auszudrucken und hübsch gerahmt auf den Schreibtisch zu stellen).

Viel besser funktioniert's, wenn man die Augen eine Zeit in dieses Bildchen versenkt:

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Dann kann man die rosigen Aussichten nämlich überall hin mitnehmen.
In diesem Sinne!

PS: Falls das Zwinkern unseres ansonsten gut getarnten Grüntierchens zu sehr ablenken sollte (zumal man es dann ebenfalls mitnehmen muss...), hätte es selbstredend auch noch eine Variante, in welcher es ganz in Deckung gegangen ist:

hm-rs-gggg.gif

Von miss.gunst am 01.01.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.12.10

DIY Kalender 2011

diyc2011-ksw.gifNein, mit einer Vorschau auf's neue Basteljahr wollen wir dieser Tage noch nicht aufwarten. Denn erst einmal braucht es ja eine Agenda, auf der man die Termine eintragen kann. Ganze genau: Heute geht es um Kalender im Eigenbau.

Nun mögen zwar die meisten mittlerweile Kalender in elektronischen Formaten führen (ist ja auch praktisch wegen der Synchronisation).

Gleichwohl: Schon aus Sentimentalität sollte man sich doch mindestens einen Selbstgebastelten Kalender im Haushalt leisten.
Und dafür hätten wir, so nicht das klassische Template aus Papier zum Kleben und Dichten schon längst bearbeitet ist und die Wände ziert, an dieser Stelle noch ein paar Tipps.

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Wenn das Design ganz ganz schlicht ausfallen soll, kann man sich natürlich auch für diesen Zweck mit einem reinen Kalendarium zum Ausdrucken behelfen, wie es beispielsweise bei Homemade Calendars heruntergeladen werden kann.[Nein, mit HOME MADE haben diese Kalender sonst nichts zu tun...]

Indes darf es doch sicher ein bisschen nerdiger sein, oder?

Klar, dass allen voran unsere Lieblings-Bastelanleitungsplattform instructables da so Einiges in petto hat.

Unter den Klassikern Evergreens etwa den "Keylendar" aus alten Tastatur-Bausteinchen, die man mit Magneten versehen und dann z.B. an der Kühlschranktür befestigen kann. Kleiner Nachteil: Jeden Monat muss man aufs Neue aktiv werden und eigenhändig umsortieren. Grosser Vorteil: Händisch memorierend hat man die Daten immer drauf - und mit einem Griff lassen sich die Tage resp. Steinchen mit Denkzettelchen versehen.

Auch für LiebhaberInnen des guten alten Abreisskalenders ist gesorgt. Anleitungen gibt es beispielsweise für eine einfache Variante, bei welcher der Block von einem schlichten Drahtbügel zusammengehalten wird (den kreativen Energien kann man dafür dann bei der Gestaltung der Tagesblätter freien Lauf lassen - was allerdings, Obacht, im Zweifelsfall 365 Handzeichnungen meint...).

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Alternativ bietet sich für ehrgeizigere BastlerInnen aber auch eine etwas anspruchsvollere, im Ergebnis dafür extrem elegante Variante an, bei der man die Blätter mit einem digitalen Template erstellt. Auch da bedarf es dann natürlich nicht nur entsprechenden gestalterischen Könnens - schliesslich will Tag für Tag auch inhaltlich etwas geboten werden.
Gut möglich also, dass der Eine oder die andere doch lieber gleich nach der schicken Steilvorlage greift, die der instructables-Instruktor not-bob (aka Robert Watkins) schon mal vorgelegt hat und nun als pdf zum Quasi-Selbstkostenpreis anbietet - zumal sein Kalender 2011 dem schönen Thema "Today in Computer History" gewimdet ist.
Die gleichnamige Smartphone-App und das passende Google Gadget gibts übrigens gratis. Wow!

Wo wir gerade bei den nerdigeren Kalenderthemen bzw. den nerdigen Themenkalendern sind: Über einen Tipp im Blog unseres Lieblingsbastelheftchens (ja genau, das ist natürlich das Make Magazine) sind wir auf einen ganz phantastischen Kalender gestossen: Der "Lightning Calculation"-Calendar widmet sich nicht etwa Risikokalkulationen im Bezug auf anstehende Donnerwetter, sondern Techniken des blitzschnellen Kopfrechnens. Igitt? Ganz im Gegenteil: ein eindrucksvoller Beleg, dass man an Mathe durchaus seine Freude haben und dabei auch noch eine ganze Menge lernen kann.

Ersonnen und wirklich wunderschön gestaltet hat ihn der Informatiker, Mathematiker und Physiker Ron Dörfler (auf dessen Heimseiten einschlägig Interessierte übrigens auch noch eine ganze Menge anderer spannender Inhalte finden können, aber das nur beiseit). Das pdf zum Selberdrucken bietet Dörfler zum kostenfreien Herunterladen an - ansonsten kann man aber auch über LuLu.com einen professionellen Druck in Auftrag geben.

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A propos Mathe: Kalender eignen sich natürlich auch per se bestens als Rechenexempel. Für FreundInnen mathematischer Kalkulation indes, die zuvor noch selbst in den Bastelkeller begeben wollen, haben wir zu guter Letzt auch noch zwei auch im mathematschen Sinne elegante Lösungen parat - gebastelt wird dabei nämlich jeweils nur einmal, während der Kalender dann ein Leben lang hält.

Ein recht avanciertes Modell ist bei instructables im Angebot: Der "Perpetual-horizon, laser-cut erasable calendar", für dessen Bau es allerdings - wie der Name schon verrät - unter anderem auch einen Lasercutter braucht.

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Sehr viel schlichter fällt dagegegen das Modell der Evil Mad Scientists aus - ihren immerwährenden Kalender kann man sozusagen aus der Hosentasche und mit wenigen Handgriffen basteln.
Na, wenn das kein feines Projekt fürs Neujahrswichteln ist!

[Bildchen: Unser eigener kleiner Beitrag zum DIY Kalenderbau. Blanko und vorschlagsweise eine Variante für 2011, in der nur die Sonntage eingetragen sind. Wobei das Template eben - wenn schon denn schon - ein Immerwährender Kalender ist. Zum Selberbasteln und -gestalten hat es selbstredend eine Druckvorlage im pdf-Format: Einmal den DIY Kalender mit roten Zahlen (im s/w-Druck dann grau) und einmal DIY Kalender mit schwarzen Zahlen. Ausdrucken, ggf. auf Karton kleben. Je nach Präferenz individualisieren - man könnte ja z.B. auch alle Montage lochen. Hernach ggf. noch mittig falten zum Einstecken oder laminieren... oder oder etc pp]

Von miss.gunst am 28.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.12.10

Weihnachtslieder

xms10m-ksw.gifWenn schon, denn schon. Weihnachtslieder sind sicher nicht eines/einer jeden Sache. Andererseits: so ein bisschen Stimmung, einmal im Jahr - zumal es ja auch darauf ankommt, wo und wer die Musik spielt...

FreundInnen der Bittunes wissen das natürlich längst - und nicht nur, weil 8Bit-Sounds eigentlich immer ein wenig nach Glockenspiel klinge(l)n.
Oder ist es vielleicht ein Zufall, dass zu den frühesten Publikationen der 8bitpeoples die angelegentlich auch in unserem Log.Buch gelobte und gepriesene EP "The 8bits of Christmas"* gehört?
[* Da die 8bitpeoples ihre Releases ganzseitig listen, hier bequem bei archive.org]

Nun, für jenen Teil der geneigten LeserInnenschaft dieses Log.Buchs, der ebenso wie die Verfasserin auch zur Weihnachtszeit zu Experimentalelektronik neigt, hätten wir durchaus noch weitere Empfehlungen auf unserer Liste.

Etwa eine weitere Preziose aus dem Bittunes-Klassiker-Olymp: Die "4bit xmas" von monotonik. Rentiere in Raumschiffen mit Nadeldruckerantrieb.* Yay!
[* Für alle Fälle: sie (g)rasen natürlich auch bei archive.org]

Ebenfalls schon ein paar Jahre im Archiv*, aber nach wie vor eine nette Sache: "MiMi Loves Xmas", eine vom japanisch-portugiesischen (Netz-)Label MiMi herausgegebene Kompilation - eine leckere Mischung speziell für Menschen mit Neigung zu Noise und glitchiger Experimentalelektronik.
[* Ja, auch bei archive.org...]

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Oder lieber etwas sanftere Klänge? Auch da hätten wir natürlich etwas. Nach wie vor und im Übrigen nicht nur zur Weihnachtszeit hörenswert: die Feiertagskompliationen von hippocamp, "Xmas Collection pt. 1" und "pt. 2"*.
Zudem gibt es beim (seit einiger Zeit leider nicht mehr aktiven) Nilpferdchen auch eine echte "Weihnachtsplatte", nämlich die ebenfalls sehr schöne "HIPPOCAMP CHRISTMAS COMPILATION 2005"**. DingDong!
[* Auch hier: Teil I und Teil II bei archive.org; ** dito...]

Hochaktiv ist indes das ebenfalls vorzugsweise Experimentalelektronica publizierende Netzlabel RRoborobotica, das in diesem Jahr bereits seine fünfte Christmasaurus Collection veröffentlicht hat.*
[* Ja, genau. Das auch.]
Wer die anderen noch nicht kennt: Sollte sich am besten gleich vertrauensvoll an archive.org wenden, wo netterweise ein Päckchen mit allen fünf bislang erschienenen Weihnacht(s)saurierkollektionen unterm Bäumchen liegt.

Und für alle gilt, HighLowTechBrow-gezwinkert: Enjoy!

Von miss.gunst am 24.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.12.10

Handgemachte Karten

hdmhdm-ksw.gifSaisonbedingt mag man beim Stichwort "handgemachte Karten" sicher erst einmal an selbstgebastelte Weihnachtsgrüsse denken. Aber in diesem Fall ist eine ganz andere Sache gemeint - deren Vorstellung allerdings durchaus saisonal motiviert ist.

Gemeint sind nämlich Landkarten und Stadtpläne, die von Hand gezeichnet sind.
Ist mithin eigentlich eh ein Thema, das längst schon in unseren Zettelkasten gehört hätte - handgemacht und hausgemacht ist zwar nicht dasselbe, aber Letzeres geht mit Ersterem denkbar oft zusammen.

Nun werden manche vielleicht denken: In Zeiten, in denen einem das Kartenprogramm einer bekannten Suchmaschine den Weg von A nach B jederzeit und überall auf den heimischen Rechner, das Mobiltelefon oder das Navi spielt, haben hakelige Serviettenzeichnungen ein für allemal ausgedient.

Weit gefehlt, würden wir derlei doch sofort entgegenhalten wollen. So nett besagter Service auch ist - um die Zuverlässigkeit zum Beispiel bzw. insbesondere bei der Darstellung von Fusswegen ist es nicht wirklich gut bestellt. Und das wiederum hat einen guten Grund bzw. direkt mit der Datengrundlage zu tun, auf deren Basis die Vorschläge erfolgen. Die ist nun mal primär aus Autofahrerperspektive verfasst - und automatische Fehldeutungen von fotografisch erfassten Flächen führen dann gern mal dazu, dass Wege garnicht erscheinen oder grosszügige Umrundungen unbebauter Zonen angeraten werden.

Im Gegensatz dazu sind handgezeichnete Karten wiederum allerbestens dazu geeignet, individuelle Ratschläge für besonders schöne, besonders spannende, besonders ruhige etc. pp. Fusswege sowie natürlich persönlich erprobte Spezialtipps loszuwerden. Wie sie gerade in heimischen Gefilden eigentlich bei jede/m zum Repertoire gehören.

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Natürlich haben auch handgezeichnete Karten ihre Häkchen und Haken, abhängig von den Kapazitäten des Zeichners resp. der Zeichnerin. Aber dafür dann eben eine individuelle Note, mit der - wiederum abhängig von den Kapazitäten des Zeichners resp. der Zeichnerin - mitunter sogar eine eigene bildnerische Qualität einhergehen kann.

Eine echte Schatztruhe für LiebhaberInnen dieser Gattung ist die Webpräsenz der "Hand Drawn Map Association". Das von dem in Philadelphia beheimateten Designer Kris Harzinski ist ein Mitmach-Projekt, das handgezeichnete Karten aller Art sammelt - und dabei nicht nur nach Eingang chronologisch publiziert, sondern zudem auch nach unterschiedlichen Gesichtspunkten sortiert.

So kann man zum einen im Archiv ganz konventionell nach Stadtplänen schauen (die dann natürlich teils durchaus unkonventionell ausfallen), aber ebenso nach Karten fiktiver bzw. fiktionaler Orte fahnden. Und dann gibt es auch kuratierte Sammlungen, in denen einschlägige Projekte einzelner KünstlerInnen vorgestellt werden.
Und inzwischen übrigens auch ein sehr schönes Büchlein, das auch bei uns im Handel zu erstehen ist.

Genau, da war noch etwas: Der saisonbedingte Anlass. Zu den Zwecken, denen eigentlich nur handgezeichnete Karten dienen können (es sei denn, man schickt eine Drone oder einen humanoiden Späher des Wegs voraus), gehören nämlich auch jene fussläufigen Workarounds, die zur Meidung vorweinachtlicher Staumassen notwendig werden, wie sie in Einkaufszonen und durch Weihnachtsmärkte entstehen.

Und wenn dann noch - wie dieser Tage - anhaltende Schneefälle dafür sorgen, dass just jene seltener begangenen Pfade, auf die man sonst ausweichen würde, unpassierbaer werden... Tja, dann braucht es ausgeklügelte Karten im Kopf oder, zum Behufe der Weitergabe, eben auch in der Hand...

[Bildchen: Ja, so bescheiden kann's eben mitunter aussehen resp. zugehen. Anstatt von a nach b (oder umgekehrt) gemütlich auf gewohntem Pfad zu wandeln (hellgrün), weicht man zwecks Meidung der Zone - wo nun mal gar nichts geht - auf einen Schleich- und leider auch Umweg aus (dunkelgrrrün). Aber selbst dort sorgen gemeine Hindernisse wie Baustellen und Schneewehenwälle dafür, dass man sich nicht oder nur mühselig fortbewegen kann (gelb). Kurzum: Da hilft dann auch die handgezeichnete Karte nicht - es sei denn, um das ganze Elend darzulegen.]

Von miss.gunst am 18.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.12.10

Tischtheremin ohne Theremin (J. E. Oliver)

jtms-ksw.gifEin nahezu unsichtbares Instrument, das von den Händen nicht berührt wird, die es spielen? Da denkt man spontan natürlich erst einmal an das gute alte Theremin.
Aber mit den digitalen Medien stehen auch ganz andere Technologien bereit, um ein solches Instrument zu bauen.

An sich wissen das die LeserInnen dieses Log.Buchs längst, da uns - unter anderem oder vielleicht besser: allen voran - Bruno Spoerri (s.a. mehr im hauseigenen Archiv) nicht nur verschiedentlich mit Theremin-Konzerten erfreut hat, sondern eben schon seit Jahren David Rokebys Very Nervous System in ganz ähnlicher Weise fürs Live-Jazzen nutzt. Und zudem, nicht zu vergessen, vor zwei Jahren beim Zürcher diy*together Festival sogar mit der Wii Entsprechendes vorgeführt hat.

Klar allerdings auch, dass damit noch lange nicht das Ende der kreativen Fahnenstange erreicht ist.
So hat der peruanische Künstler und Computermusiker Jaime E. Oliver ein Instrument namens The MANO Controller (kurz: MANO) konstruiert, das erst einmal wie ein schlichter Tisch ausschaut und eben dann, wenn man seine Hände über dessen Platte manövriert, zauberhafte Klänge hervorbringen kann.

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Das Geheimnis von MANO sind freilich keine Schwingkreise, sondern - ähnlich wie auch beim Very Nervous System - ein optischer Sensor, dessen Signale an einen Computer resp. ein von Oliver geschriebenes Programm weitergegeben werden, das wiederum die Bewegungen der Hände in Klänge respektive Musik verwandeln kann.

Den Aufbau des MANO - mit seiner schwarzen Platte, die von zwei Schreibtischlampen beleuchet wird, darüber eine Videokamera als Sensor, Computer und Audioperipherie ebenso schlicht wie elegant - kann man auf Olivers Heimseiten in Augenschein nehmen. Und dort gibt es neben einem Video, welches den Künstler und sein Instrument in Aktion zeigt ("Silent Construction 2"), auch spannende Einblicke in Details.

So etwa dazu, wie die Daten erfasst werden und sogar Ansätze zu einem HowTo-Tutorial für einen MANO-Eigenbau, inklusive Sourcecode. Wow!

Am heutigen Samstag (04.12.10) wird Jaime E. Oliver im ZKM Karlsruhe im Rahmen des IMATRONIC-Festivals für seine Arbeit der heuer erstmals vergebene Giga-Hertz-Sonderpreis für technische Innovation verliehen. Wozu wir natürlich gratulieren - indes aber der Meinung sind, dass MANO beziehungsweise die Silent Construction Series künstlerisch nicht weniger würdigenswert ist.
Mal ganz abgesehen von den Sympathiepunkten, die Oliver durch die in den Künsten allgemein noch nicht so weit verbreitete OS-Philosophie verdient.

[Bildchen: Kommt nicht aus dem MANO-Manual. Weil wir wie so oft zu ungeduldig waren, noch extra anzufragen, haben wir eben flink händisch eine Hommage fabriziert...]

Von miss.gunst am 04.12.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

31.10.10

Teestündchen mit Niklas Roy (@ Shift Festival 2010)

nrttri-ksw.gifNicht nur das Wiederfinden, sondern auch das Wiedersehen kann bekanntlich Freude machen - und besonders gilt das selbstredend für KünstlerInnen, deren Projekte man schon länger schätzt.
Um so schöner, wenn sich das Ganze mit einem gemütlichen Teestündchen verbinden lässt.

Wie beispielsweise im Fall von Niklas Roy, der zu den im zweiten HOME MADE-Buch "HOME MADE Electronic Arts" vorgestellten TüftlerInnen gehört und dessen (zusammen mit Addad Hannah ins Werk gesetzte) internationale Tanzpartymaschine auch schon hier im Log.Buch gefeiert worden ist.

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Beim SHIFT Festival zeigt er im Rahmen der Ausstellung (s)eine "Grafikdemo" (2004).

Auf dem Schirm eines alten Commodore lässt sich das 3D-Gitternetz-Modell einer Teekanne rotieren. Dass die Kanne nicht nur das Herz von Computerkultur-Nostalgikern höher schlagen lässt, sondern auch mit frappierender Räumlichkeit punktet, hat allerdings weniger mit Roys Programmierkünsten als mit seinem Händchen fürs analoge Basteln zu tun: Was sich hinter dem Glas dreht, ist nämlich ein veritables Drahtmodell.

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Einschenken lässt sich damit - aus nahe liegenden Gründen - zwar trotzdem nur virtuell. Aber wir üben trotzdem mal den galanten Griff. Und hätten mit Dr. Faustroll, der weiland ja mit einem ganzen Boot ähnlicher Bauweise zwischen Wasserinseln schipperte, auch schon den idealen Gast, den wir allzugern mal zu einem Teestündchen mit Grafikdemo bitten würden.

Von miss.gunst am 31.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.10.10

Rumkugeln

rkglrkgl-ksw.gifDoch, ernsthaft. Aber erst einmal einen passenden Witz dazu - auch wenn den unter der geneigten LeserInnenschaft sicher jede/r kennt.
Und der geht so: Kommt ein Mann in eine Konditorei...

... und natürlich steht erst einmal, wie es sich für einen guten Kunden in einer Konditorei gehört, ein bisschen in der Schlange an.
Als er an der Reihe ist, fragt ihn die Verkäuferin: "Sie wünschen bitte?"
Er, das Wesentliche seines Begehrs ebenso knapp formulierend: "Rumkugeln!"
Darauf die Verkäuferin, die Augen rumkugelrund, weil mehr als nur ein wenig indigniert - sich dann aber auf die Höflichkeit und den guten Stil des Hauses besinnend: "Bittschön - aber doch besser draussen!"

Nun mag dieser Witz nicht nur einen langen Bart haben, sondern in gewisser Hinsicht auch seines Gegenstands wegen historisch überholt oder mindestens vom Aussterben bedroht sein. [Beiseit: Rumkugeln gehören nämlich, wie Granatsplitter (und, wenngleich aus anderen Gründen: die nur dank gewisser popkultureller, äh: Aufwertungen temporär sogar zu neuer Beliebtheit gelangen Nussecken), zu den mittlerweile in Konditoreiauslagen rar gewordenen Spezereien. In Zeiten von "light" und "low carb" sind sie sind schlicht nicht gerade ein Trendgebäck - und angesichts der Tatsache, dass sie eigentlich auch eine prima Resteverwertungsmöglichkeit für Schokoladiges vom Vortag darstellen, werden sie wahrscheinlich auch von EU-Normen in die Enge einer subsidiären Entweder-Oder-Existenz getrieben: Entweder aus frischen Zutaten handgemacht, ergo hochpreisig - oder als Billigprodukt im Supermarkt des Abgriffs harrend...]

In diesem Fall bringt unser bärtiger Witz jedoch die Sache auf den Punkt. Denn: In Wien gibt gab es gerade Rumkugeln beim Rumkugeln zu bestaunen. In einer veritablen Rumkugelbahn!

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Und zwar im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK), wo sie anlässlich bzw. im Rahmen der diesjährigen Vienna Design Week auf- bzw. ausgestellt worden war. Verantwortlich für diese wunderbare Konstruktion: Das Designerpaar Katharina Mischer und Thomas Traxler, kurz mischer'traxler, die uns vergangenes Jahr auf der ars electronica schon mit ihrem Projekt "the idea of a tree" ziemlich begeistert haben.

Obzwar zunächst einmal ins Apparative transferierte systematische Reflexion eines Generationsprinzips und zugleich dessen poetische Metapher, bezaubert die Baumwickelei nämllich auch als Rube-Goldberg-Machine (mehr zu dieser Gattung im Eintrag vom 16.09.07).

Erst recht gilt das nun für die Rumkugelbahn. In selbiger legen die bschwipsten Schokobälle einige Akrobatik an den Tag, um an den eigentlichen Ort ihrer Bestimmung zu gelangen. Für besonderes optisches Plaisier sorgen dabei die Stationen, die samt und sonders aus Designobjekten bestehen. Indes man selbst den Lauf der Dinge bzw. um und über die Dinge bequem im Liegestuhl fläzend beobachten kann - und wenn alles rund läuft, springt die Kugel am Ende zielgenau in den schleckfreudig aufgesperrten Schlund.

Na, wer will da noch gelangweilt in Tüten greifen oder gar arglose Konditoreiverkäuferinnen mit verstörenden Fragen plagen?
Eben. Ergo, lieber Weihnachtsmann: Ich wünsche mir heuer unters Bäumchen, na was wohl? Eine Rumkugelbahn!

[Bildchen: Hausgemachte Rumkugeln beim Rumkugeln. Fotos vom Bähnchen hat es bei mischer'traxler und zudem auch ein Rumkugelbahn-Video bei vimeo.}

Von miss.gunst am 11.10.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.09.10

Zeichnen und Senden ff. (drawdio)

jsdrwd-ksw.gifInsofern wir mit Joyce Hinterdings "Induction Drawings" gerade beim Thema Radio-Zeichnungen sind: Da hätten wir doch noch etwas Passendes für den Zettelkasten. Zumal dieses Projekt schon seit dem vergangenen Jahr einer Vorstellung harrt.

Seinerzeit im Zuge der Einträge zur ars electronica 2009 sträflicherweise nicht (mehr) eigens erwähnt, aber nach wie vor interessant ist nämlich das von Jay Silver am MIT Media Lab entwickelte DRAWDIO: Ein Radio, das ebenfalls erst einmal gezeichnet bzw. gemalt werden will, um es in Betrieb zu nehmen.

Das Besondere (und auch der Unterschied zu Hinterdings Projekt): DRAWDIO ist ein DIY-Projekt, zu dessen Nachbau, freudiger Nutzung und Weiterführung eingeladen wird. Und: Der Fokus liegt dementsprechend nicht so sehr auf einem mehr oder weniger statischen ästhetischen Gebilde - sondern auf der Erkenntnis und Erfahrung im eigenen Tun sowie dem Prozess.

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Wie das geht, zeigt Silver auf den DRAWDIO-Seiten und allem voran jener, die den einladenden Titel "Make It!" trägt. Es gilt - mit wenigen, kostenkünstig zu erstehenden Materialien einen Aufsatz für ein Zeichengerät zu basteln, das seinerseits mit leitfähigem Material operiert. Also etwa einem Bleistift (genau, das Graphit). Dank des schlichten Konstukionsprinzips und der anschaulichen Anleitung lässt sich ersteres gut bewerkstelligen - und wer nicht umständlich in den Elekronikladen ziehen will, kann auch einfach einen kleinen Bausatz erwerben (bei adafruit industries ... was uns, oha, gleich an einen ebenfalls schon lang ausstehenden Zettelkasteneintrag erinnert ...). Und dann kann's mit dem Zeichnen und Musikmachen losgehen - mit Stift und Finger auf der Linie wird mn dabei selbst zum Sender respektive zum Radio.

Dass das Ganze auch mit Wasserfarben und per Kupferband leitfähig gemachtem Pinsel funktioniert, liess sich weiland auf der Ars Electronica des vergangenen Jahres weidlich testen, wo Jay Silver mit seinem Projekt im Rahmen der Campus-Ausstellung vertreten war (s.a. den Eintrag vom 08.09.09).

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Aber das ist auch nur eine Möglichkeit, das DRAWDIO-Prinzip zu nutzen und weiter zu entwickeln. Wozu kreative BastlerInnen von Silver übrigens explizit eingeladen sind. Also dann!

[Bildchen: Der schöne Schalt- bzw. Lötplan für die Platine stammt direkt aus dem Anleitungsbereich der DRAWDIO-Seite, die Nahansicht aus dem zugehörigen FlickR-Pool. Beide hat Jay Silver dankenswerter Weise unter einer cc-by-sa-Lizenz bereitgestellt. Und auch die angegebene Credit-Line übernehmen wir gern: Based on work by Jay Silver in the Lifelong Kindergarten group at the MIT Media Lab. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 26.09.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.09.10

Zeichnen und Senden (@ ISEA2010)

jhlgf-ksw.gifBekanntlich die Welt und ihr Raum auch dort, wo Menschen keine Antennen aufstellen, voller Sender und Empfänger.
Allerdings besitzen - wenn man mal Forschungsstationen aussen vor lässt - gemeinhin nur die eingefleischten ParalektronoikerInnen unter uns ein geeignetes Sensorium für die Wahrnehmung dieser Wellen.

Die australische Künstlerin Joyce Hinterding ist eine Expertin für die künstlerische Erforschung des Signalraums, der normalerweise ausserhalb unseres Radars liegt - und der Energien, die ihn generieren.

Zur ISEA2010 RUHR, wo sie wie Verena Friedrich in der Ausstellung TRUST vertreten war, hatte sie eine Reihe von "Induction Drawings" mitgebracht:

Auf den ersten Blick erst einmal ästhetisch durschaus attraktive, aber doch recht schlichte Zeichnungen ornamentaler Formationen, die mit Graphit auf grossformatige Blätter aufgebracht sind. Präsentiert werden sie jedoch auf Tischen, auf denen noch weitere Gerätschaft steht: Angeschlossen an einen Verstärker funktionieren die Lineamente tatsächlich als Antennen. Der Raum wird zum Sender, die Zeichnungen strahlen aus.

Aber was eigentlich? Mindestens kann man, entsprechendes Feintunig der Lauscherchen vorausgesetzt, ohne weiteres feststellen, dass sich das Klangbild bereits bei Annäherung an die Zeichnungen verändert. Und wohl erst recht, würde man es wagen, am "Induction"-Radio selbst zu drehen - also die Linien zu manipulieren. Als brave/r Kunstbetrachter/in macht man das natürlich nicht.

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Und wie ist das nun mit dem Bezug zum Thema der Schau, in deren bzw. dessen Rahmen die Arbeit gezeigt resp. damit gestellt worden ist?
"Die Linien und Schleifen verweisen auf unser Vertrauen in die welterschließende Macht von Medien", steht auf den ISEA-Seiten zur Arbeit zu lesen - etwas verständlicher vielleicht in der englischen Version: "The lines and loops refer to the trust we have in the power of media to discover the world."

Fragt sich dann natürlich, was das dann für ein Vertrauen ist. Verleitet uns der ästhetische Reiz der Graphit-Graphen vielleicht dazu, darauf zu vertrauen, dass auch hinter den Sendungen - die sie hörbar, aber deshalb ja noch nicht verständlich machen - irgendeine Ordnung, Vernunft, gar: Absicht steht?

Vermutlich eher nicht. Oder etwa doch? Nun, können wir wohl auf eins vertrauen: Dass wir ParalektronoikerInnen sind.

[Bildchen: Zeigt natürlich nicht Hinterdings "Loops & Fields Induction Drawings". Unser kleiner Ohrling hat es hier gleich mit einem mächtigen Klumpen des Minerals zu tun. Der Graphitstein stammt übrigens aus Brasilien und wurde von seinem Eigner, Eurico Zimbres, fotografiert. Wir danken ihm für die Bereitstellung der Aufnahme in den Wikimedia Commons unter cc-by-sa-Linzenz - welche ergo auch für dieses Bildchen gilt. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 15.09.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.07.10

Electromagnetic Fountain (Steggell)

emfkb-ksw.gifDas könnte doch noch gut zum bzw. in den Elektromagnetischen Sommer passen: Ein elektromagnetischer Brunnen, der entsprechend erquickliche Labsal verspricht.
Ein elektromagnetischer Brunnen?

Ja, ganz genau. Einen ebensolchen hat Amanda Steggell 2007 entworfen und darauf aufbauend ein ganzes Projekt gesetzt, in dem sie Materialien und Gedanken zu den unsichtbaren Architekturen elektromagnetischer Ströme bzw. Wellen gesammelt hat, in denen wir uns bewegen.

Insofern ist ihr Elektromagnetischer Brunnen allem voran ein archivalisch sprudelnder Quell, der Kontextwissensdurst stillen kann: Beispielsweise zur Ästhetik von Antennen oder zu künstlerischen Projekten, die sich mit Elektromagnetismus befassen (und da sind auch einige dabei, die uns noch nicht in den hauseigenen EM-Radar gegangen sind).

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Aber natürlich ist es auch für Steggell selbst nicht beim Entwurf respektive der schönen Zeichnung dazu geblieben, die Per Platou seinerzeit vom EM-Brunnen angefertigt hat.
So konnte man ihren Elektromagnetischen Brunnen noch bis vor wenigen Tagen in einer Ausstellung des Norsk Telemuseum bewundern.

Auf dessen Heimseiten ist er nach wie vor in Text und Bild(ern) dokumentiert - und auf diesem Wege gelangt man auch ganz bequem zu einem bei Youtube eingestellten Video sowie einer FlickR-Seite zur Electromagnetic Fountain.

Bleibt also nur noch zu wünschen, dass dieser schöne Prototyp mal in Serie geht. Den so einen elektromagnetischen Brunnen hätten wir gern auch selbst vor dem Tore vor der Tür.

[Bildchen: So würden wir uns eine Variation des Elektromagnetischen Brunnens vorstellen. Diese hier könnte beispielsweise nächtens in Rapperswil auf dem Fischmarktplatz aufzusuchen sein. Für das unserer Imagination zu Grunde liegende Foto der dort normalerweise sprudelnden Fontänen danken wir herzlichst Wikimedia Spender Roland zh (= aus Zürich?) - und wie dieses steht auch unseres unter cc-by-sa...]

Von miss.gunst am 26.07.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.07.10

DIY Fächer für die Ferien

fsbsb-ksw.gifFerien haben bzw. machen wir hier zwar noch nicht. Aber die Temperaturen stehen nahe der Marke hitzefrei - und da ist es eine Sache der Vernunft, einen Takt langsamer zu schalten, dem Rechner ebenfalls längere Kühlungszeiten zu gönnen und mal ein Sendepäuschen einzulegen.
Doch natürlich nicht ohne zuvor noch einen zünftigen Basteltipp loszuwerden...

fsbsb-g1.gifMit dem bleiben wir selbstredend beim Thema - es soll also schon etwas Erquickliches dabei herauskommen.

Unser Ausgangslage bzw. -frage: Was tun, wenn man am Rechner sitzt, diesen gern in Richtung Sommerfrische verlassen würde, aber leider nicht ausbüxen kann? Genau: Wir nehmen uns ein Beispiel am guten Gerät und basteln uns etwas, das uns selbst ein kühles Lüftchen zuwedelt.

Das Nächstliegende (von wegen wir sind ja Techies und haben zudem auch just, wo wir diese Zeilen tippen, das Maschinchen vor der Nase resp. bei Fuss): Den Ventilator ausbauen und selbst verwenden.

fsbsb-g2.gifDazu hätte es bei instructables.com natürlich schon die eine oder die andere Anleitung... Aber wäre das gegenüber unserem Rechner nicht doch etwas gemein? Wir wollen ja nicht, dass er uns zusammenbricht.

Also darf es für einmal analog und unplugged sein: Wir basteln uns einen Fächer, mit dem sich lässig ein kühler Hauch in Richtung de perlenden Schweisses auf der Stirn wedeln lässt.

Damit es jetzt nicht zu kompliziert wird (mit dünnen, aber stabilen Plastestreifen oder Holzblättern, die man aufeinanderlegt und im Fall der Plaste: unten mit der Nietenzange zusammenlocht bzw. im Fall der Holzplättchen, was selbstredend die edelste Lösung ist, bohrt und mit einer weichen Lederschnur wickelt - aber wer hat derlei im Büro schon zur Hand?):

fsbsb-g3a.gifEs gibt ja auch die schlichte Lösung, die man noch aus dem Kindergarten kennt - und für die brauchen wir in der Minimalfassung nur Kleber, Klebeband und ein Blatt idealer Weise etwas stabileres Papier. Schöne Anleitungen gibt es an einschlägiger Stelle zuhauf. Wie zum Beispiel - für eine etwas edlere Variante mit verstärkten Seiten und Griff - beim Kidsweb (ja, im Text hat es dort eine kleine Lücke, aber die wird durch die Bilder doch bestens überbrückt).
Hier jedoch die bürotischgerechte ganz ganz simple Variante mit einem einfachen Blatt aus dem Drucker stibitzen Papier...

Die ersten drei Schritte sind oben zu sehen: (1) Man angele sich ein Blatt A4 und falte es in zwei Hälften, die sodann eine jede - erst die eine, dann die andere - wieder und wieder Falte für Falte halbiert werden. Denkbar einfach das, man benötigt nicht mal ein Lineal... um (2) also automatisch das Resultat einer regelmässigen Faltung zu erlangen. Diese führt man auf eine Faltenbreite zusammen (3) und halbiert diese noch einmal per Knick.

Selbiger Knick, der die gesamte Faltenziehharmonika durchzieht...

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... bildet dann den Fuss des künftigen Fächers ...
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... welcher mit simplem Klarsichtklebeband, wie hier in Nahsicht zu sehen erahnen ...
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... einfach fixiert und zugleich stabilisiert werden kann. Der verbleibende Spalt zwischen den zwei Fächerhälften will natürlich ebenfalls noch geschlossen werden. Was mit dem nächsten besten Klebstoff (dünn verstrichen) oder Klebestift funktioniert ...
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... um zu halten aber nach einer kleinen Ruhezeit unter dem sanften Druck einer Büroklemme verlangt ...
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... und schon ist er fertig, der Fächer:
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Oder, nunja, etwas, das einem Fächer mehr oder weniger ähnlich sieht. Wie schon das Bildchen des beispielhaft flink gebastelten Exemplars erahnen lässt: Die Fächelkraft dieses Modells ist bei der schlichten Bauart auf A4-Querformat-Faltungsbasis eher bescheiden. Aber mit minimalem Mehraufwand lassen sich doch bereits merkliche Verbesserungen des Basisprinzips erreichen. Und zwar so:
(1) A4 nicht quer, sondern längs falten - und zudem deutlich schmaler.
(2) Falls verfügbar: nicht nur etwas schwereres Papier, sondern leichtes Karton- oder Tonpapier nehmen.
(3) Zwei, drei der so gefalteten Fächer aneinanderfügen.
(4) Proportionen per Wedeltest prüfen, ggf. Fuss höher abbinden oder beschneiden.
(4) Die äusseren Seiten nochmals mit Karton verstärken - das verlangt eine weitere Wickelung um den Fuss, der dadurch aber auch seinerseits händischer wird.

Siehe da, schon wuppen die Luftmassen, dass es nur so um die Öhrchen zieht...

Von miss.gunst am 05.07.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.07.10

Roboter-Wassermusik

wmmrh-ksw.gifNach wie vor meint es die Sommersonne derart gut mit uns, dass Erfrischungen jeglicher Natur höchst willkommen sind. Nur ist just die Natur mit solchen Erfrischungen vergleichweise geizig. Glücklich, wer seine Stadt nah am Wasser gebaut hat. Und noch schöner natürlich, wenn man diese Erfrischung mit einer der Kunst kombinieren kann.

Das, liebe Anrainer der Limmat, des Zürichsees, der Aare und des Rheins (undundundund) haben die BerlinerInnen Euch mindestens mal für dieses Wochenende voraus. Denn an der Spree wird eine unserer favorisierten Gattungen, nämlich: Wassermusik geboten. Gar solche, die wortwörtlich eines Königs würdig wäre. Und nun das allerbeste: Sie wird von kleinen, fleissigen Robotern gespielt.

Dahinter kann unter besagten Koordinaten eigentlich nur einer stecken: Karlheinz Jeron.

Dass Jeron gern ziemlich agile (und mitunter sogar agitatorische) Roboter in die Welt setzt marschmarsch an die Arbeit schickt, ist treuen LeserInnen dieses Log.Buchs ja bereits bekannt. Passend zur Saison singen sie diesmal, anders als zuvor ihre Kollegen, aber weder Geburtagslieder noch die Internationale. Sondern spielen tatsächlich Variationen von Georg Friedrich Händels Wassermusik auf - ein Teil von ihnen versucht sich (und auch davon dürften die meisten Musikautomaten nur träumen:) in Improvisationen derselben auf der Grundlage der Musiktheorie, welche der Mathematiker Leonhard Euler (mehr hier ;)) in seiner Schrift "Tentamen novae theoriae musicae" von 1739 niedergelegt hat.

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Und wo wird musiziert? Ganz genau: Auf einem Schiff bzw. auf Schiffen - einmal als Tour auf der Spree und einmal als Hafenkonzert auf verankerten Planken. Alle Daten zum neidisch-nach-Berlin-Blicken und seufzen gibt's bei der von uns ebenfals sehr geschätzten allgirls galerie. Leider wohl für einige etwas zu weit weg, um sich auf den Weg zu machen. Aber wunderbar!

[Bildchen: Nicht dass wir selber Wassermusikroboter bauen könnten. Nur imaginiert wie die ausschauen könnten haben wir mal...]

Von miss.gunst am 03.07.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.06.10

Icecast (Eisklänge ff.)

awekstsi-ksw.gifAus aktuellem Anlass bzw. angesichts der nach wie vor vorherrschenden Aussentemperaturen bietet es sich an, weiter nach Erfrischungen auszulugen. Zumal nach solchen, die notfalls auch zur Kühlung am Schreibtisch taugen...

... und das sind (neben der klassischen Schüssel mit kaltem Wasser, die sich gegebenenfalls zur Erquickung von Füssen und Waden diskret unter dem Tisch platzieren lässt) allem voran natürlich akustische.

Wie beispielsweise auch der eisige Strom, den das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung dankenswerter Weise auf den Seiten seines PerenniAL Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean (kurz: PALAOA) verfügbar macht: Ein Icecast im eigentlichen Wortsinn.

Tatsächlich dient das wissenschaftliche Erlauschen der arktischen Klanglandschaft im nicht nur kalten, sondern saisonal mitunter auch anhaltend finsteren Polar eine wichtige und stabile Quelle der Datenerhebung dar.

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Der Webstream dagegen ist leider nicht immer so ganz stabil - aber wer seinem Ohr konzentriert erquickenden Eisklänge darreichen möchte, findet diese auch in einer leckeren Auswahl auf einer Extra-Seite. Beeindruckend sind dort insbesondere die singenden Eisberge.

Begleitend dazu kann man sich dann auch noch Videos von den Polarexpeditionen des Instituts ansehen. Und: Mit so gut gekühlten Mütchen respektive klaren Kopf sollten sich FreundInnen des Polaren zudem überhaupt einmal genauer auf den gut gepflegten und äusserst NutzerInnenfreundlich angelegten Seiten umschauen. Die sind nämlich ingesamt dicht bestückt mit anschaulich aufbereiteten Informationen - beispielsweise auch zu brennenden Fragen der Klimaentwicklung. Wirklich toll!

[Bildchen: Zeigt tatsächlich ein Stückchen Ekstroem-Schelfeis - also just jene Gegend, aus der auch die Klänge von PALAOA stammen. Dass unser Ohrling hier unterwegs sein kann, verdankt er Hannes Grobe vomAlfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung Bremerhaven, der das Originalbild unter cc-by-sa 2.5 den Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt hat. Letzterer schliessen wir uns an und sagen: Grand Merci!]

Von miss.gunst am 28.06.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.06.10

Eisgeflüster

icbo-ksw.gifKam doch gerade richtig, dass uns kürzlich über die radiophone Chronostasis die Kompositionen von Andreas Bick wieder in den Radar geraten sind. Denn so lässt sich der Sommer doch erst richtig geniessen!

Des Sommers das Öhrchen zur Kühlung an Eis und Schnee zu legen, haben wir ja auch schon früher immer wieder gern empfohlen - und nun eben zu unserer übergrossen Freude entdeckt, dass Andreas Bick unter den zahlreichen Field Recording-Downloads auf seinen Seiten auch zwei einschlägig geeignete anbietet:
"Dispersion von Schallwellen in Eisflächen" und eben auch "Eisgeflüster".
Welchselbiges man sich also sogar auf einem geeigneten Abspielgerät zum Sonnenbaden mitnehmen kann. Toll.

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[Bildchen: Öhrchen auf der Suche nach Kühlung. Den wunderschönen Eisblock, den es gefunden hat, hatten wir schon mal für einen erfrischenden Eintrag aufgesucht (Welcher wars doch gleich? Ah, dieser hier) - fotografiert hat ihn Andreas Tille. Und dankenswerter Weise unter cc-by-sa-Lizenz den Wikimedia Commons zur Verfügung gestellt - welche ergo auch für das erfrischte Öhrchen gilt. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 23.06.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.06.10

DIY Stadtlandwirtschaft (Fukuoka)

sdbnf-k.gifMan kann es ja, à propos Eigenzeit, auch mal im Tun enstprechend angehen lassen. Daraus ergibt sich nämlich gleich eine gute Gelegenheit, an den jüngst aufgemachten Faden zur urbanen Landwirtschaft anzuknüpfen.

Unter den vielfältigen Möglichkeiten, die sich für städtisches Ackern bieten, gibt es ja noch einige - und eine davon ist das Anlegen sogenannter Fukuoka-Felder bzw. das Fukuoka-Gärtnern.

Name und Prinzip gehen auf den japanischen Permakultur-Experten Fukuoka Masanobu zurück. Der vertrat im Sinne einer entsprechend auf eine möglichst weitgehend vor menschlichem Übereifer bewahrten Naturkultur bzw. Kulturnatur setzenden Bewirtschaftung die Auffassung, dass die beste Landwirtschaft eine sei, die sich sozusagen selbst beackert.

Im Deutschen gibt es dafür auch den schönen Begriff "Nichts-Tun-Landwirtschaft" (s.a. den englischen Wikipedia-Eintrag zu "Do-Nothing-Farming") - aber so ganz und gar nichts wird bei resp. nach Fukuoka natürlich auch nicht getan.

Um ernten zu können, darf nämlich durchaus auch gesät werden - was insbesondere in urbanen Umgebungen, wo vielleicht doch erst mal ein Boden abgesteckt und renaturiert werden muss, schwer zu vermeiden ist. Doch schon die Bodenaufbereitung wird dann idealer Weise von den Pflanzen und den ihre Ansiedelung begleitenden Lebewesen brav selbst erledigt.

Und wie soll das nun genau funktionieren?
Schaut man sich sicher am allerbesten direkt bei denen ab, welche die Fukuoka-Gärtnerei bereits erfolgreich praktizieren.

In Berlin, das in Deutschland zu den Pioniergebieten in Sachen "Nichts-Tun-Landschwirtschaft" gehört (nein, das ist ausnahmsweise mal nicht doppeldeutig gemeint) und wo an diesem Wochenende der Lange Tag der Stadtnatur steigt, werden aus diesem Anlass sowie auch sonst regelmässig Lehrtouren zu und auf Fukuoka-Feldern angeboten. Winfried Schiffer, der seit acht Jahren Fukuoka-Landbau betreibt und damit seinerzeit schon beim Wettbewerb "Evolutionäre Zellen" punktete, hat vor Ort zahlreiche solche Demo-Felder angelegt, die allem Vernehmen nach in der Tat aufs prächtigste gedeihen.

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Noch etwas praktischer, zumal für jene, die gerade nicht in Berlin weilen? Aber sicher doch. Auf Fukuoka sollen nämlich auch jene kleinen Bällchen zurückgehen, die in jüngerer Zeit über das allgemein beliebte Guerilla-Gärtnern gerade schwer in Mode gekommen sind: Seed Balls (zu Deutsch: Samenbällchen), also spezielle Samenmischungen, die in eine zu Aussatz- resp. Wurfzwecken mit einer Papiergaze umhüllte Lehr-Erdkugel eingeknetet worden sind, von der sie sich auf welchem Boden auch immer sie landen, zum Auskeimen erstmal prima ernähren können.

Anschauen und Nachlesen kann man das auf grob geschätzt 10.000 von Google mal eben in 0,20 Sekunden gefundenen 28.9000 Webseiten - schön kompakt und mit Fukuoka-Bezug z.B. bei milkwood, "Seedballs: from Fukuoka to Green Guerillas"

Wer's ganz genau wissen will, sollte aber getrost auch mal in einer Bibliothek oder Buchhandlung nach Fukuokas zahlreichen Schriften schauen - von denen es auch einige online zu finden gibt. Weiter führt hier das dem Fukuoka-Gärtnern gewidmete Blog naturalfarming.org.

[Bildchen: In Berlin werden bekanntlich nicht nur Samenbällchen geworfen - ob das hier welche waren resp. sind, würde zudem auch die Zeit noch weiter weisen müssen. Kuscheln sich jedenfalls auf dem Rasengrund vor dem Bethanien. Angelegentlich also vielleicht noch mal vorbeischauen, um zu gucken, was da wächst...]

Von miss.gunst am 20.06.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.05.10

Stadt-Akustik (Urban Audio)

ftuau-ksw.gifDass Städte und Stadtlandschaften mitunter Appetit zeigen und Menschen verschlucken ist ein nicht weniger vertrautes Bild: Vom Moloch Stadt bis zum sogenannten Grossstadt-Dschungel findet es sich längst Literatur und Alltagssprache eingetragen.

Und wenn man sich einmal bewusst den Lärm vor Ohren führt, mit dem der urbane Raum in unterschiedlichen Intensitäten, aber doch durchgängig durchwirkt ist, fällt es auch überhaupt nicht schwer, Colin Blacks Vorstellung eines osmotischen Verschlingens von der Wildnis auf eine Stadtlandschaft zu übertragen.

Könnte man dann vielleicht sogar sagen: Der Enthusiasmus der Futuristen (und anderer) für das Klangspektrum des Stadtlärms stellt so gesehen das Äquivalent zum romantischen respektive romantisierenden Blick auf die Wildnis dar?

Durchaus ein guter Grund mehr, sich für Exkursionen in Stadtklanglandschaften entsprechend zu rüsten. Wie das beispielsweise auch Florian Tuercke macht, wenn er mit seinem Projekt URBAN AUDIO durch die Städte zieht.

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Das wichtigste Rüstzeug stellen dabei eigens für diese Zweck konstruierte Instrumente dar, die - wie etwa das AU1 - geeignet sind, den gierigen Lärm in harmonische Klänge zu transformieren.

Derart ausgestattet kann der Klangforscher seine systematischen Erkundungen des öffentlichen (Lärm-)Raums verfolgen - eben auch ohne Gefahr zu laufen, von Letzterem einfach verschluckt zu werden.

Wer nun neugierig geworden ist, wie das funktioniert. Nachdem Tuercke an diesem Wochenende mit seinem Tourfahrzeug im hessischen Wiesbaden unterwegs war, zieht er nun nach Stuttgart weiter.

Von miss.gunst am 30.05.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.05.10

StadtLandwirtschaft ff. (City Farmer)

slwsc-ksw.gifWeil wir uns ja nun nicht nur für die schicke Seite des selbständigen Säens und Erntens in Städten interessieren, wollen wir mal ein bisschen weiter nachlegen.
Schliesslich gibt es auch noch andere Stellen, an diesen sich anbaufreudige StädterInnen hilfreiche Hinweise, nützliche Tipps und bei Bedarf auch nahrhaftes Gedankenfutter für die Mittagsjause auf freiem Feld abholen können.

Wärmstens weiterempfehlen können wir in diesem Zusammenhang das kanadische Projekt "City Farmer" und sein Blog "City Farmer News".

Die in Vancouver angesiedelte Initiative ist bereits seit 1978 aktiv, kommt also aus der Gründerzeit des Community Gardening und hat in den Jahrzehnten ihres Bestehens einen entsprechend reichen Schatz an Erfahrung, Wissen und Ressourcen sammeln können.

So sind auf cityfarmer.org, ihrer alten und aus einer schlichte Sammlung sortierter Links zu internen und externen Seite, unter anderem diverse Tutorials zu finden; Schritt-für-Schritt mit Fotos illustriert kann man lernen, wie man einen Wurmkompost anlegt oder den Wasserverbrauch reduziert.

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Richtig spannend wird es dann aber auf der neuen Blogseite, eben den City Farmer News. Da kann man, blogstrukturbedingt, je nach Interesse aus dem Menü der Kategorien wählen - und so beispielsweise alle Beiträge zum Thema "Wild Food" durchforstern, wo es (Stichwort: Free Farming) unter anderem auch ums Wildgärtnern geht und leckere Rezepte für die Verarbeitung der Ernte gibt.

Und wer denkt: "Was haben uns hier in Europa kanadische respektive anglo-amerikanische Stadtlandwirtschaftsprojekte und -konzepte zu interessieren, da gibt es doch wirklich schon geographisch näher liegendes in der heimischen Nachbarschaft?", sollte sich getrost mal einen Beitrag wie den kürzlich erschienenen zu(m) "Agricultural Phenomenon in Philadelphia" (bzw. einem entsprechenden Artikel, der im uns denkbar fern gelegenen Philadelphia Cíty Paper erschienen ist) anschauen. Denn eine Frage wie: "What happens when idealists, entrepreneurs and bureaucrats all latch onto the same trend?" kann man ja durchaus auch andernorts stellen... Oder etwa nicht?

[Bildchen: Nunja, mehr oder weniger passend zur Illustration der speziellen Lektüre-Empfehlung - in diesem Fall aber dann doch an ein europäisches Vor-Bild angelehnt...]

Von miss.gunst am 19.05.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.05.10

DIY StadtLandwirtschaft (@ FutureEverything)

gtffa-ksw.gifUnter den Projekten, die bei FutureEverything vorgestellt wurden, passt eines derart gut in den aktuellen Strang zum DIY Gärtnern und Ackern, dass wir es doch mal gleich mal in unseren Zettelkasten aufnehmen wollen: The Guide to Free Farming.

Wie der Titel bereits erahnen lässt, handelt es sich um einen Leitfaden, welcher jenen in die tatfreudigen Hände gegeben werden soll, die sich für das Bestellen von Allmende-Grund interessieren.
Und zwar - was wiederum nicht so direkt aus dem Titel abzuleiten ist, aber beim näheren Beäugen des Projekts schnell klar wird - speziell solchem, der sich in Städten findet.

Ausgedacht hat sich das Ganze ein in Paris beheimatetes Designbüro namens 5.5 designers, auf dessen Heimseiten sich - mindestens nach dem aktuellen Stand der Dinge - bislang allerdings (noch) keine weiterführenden Informationen finden.

Gleichwohl wurde der Guide bzw. das gleichnamige Projekt bereits im vergangenen Jahr auf verschiedenen internationalen (Design-)Ausstellungen präsentiert - und dieser Tatsache wiederum verdankt sich, dass es bei designboom einen reichhaltig illustrierten Artikel dazu gibt, der entsprechenden Einblick in das bietet, was wir von der geplanten Publikation erwarten dürfen.

Wie es aussieht, wird es sich dabei um eine Art Katalog handeln, in dem uns eine Reihe elegant gestalteter Werkzeuge und Accessoires für die urbane Landwirtschaft vorgestellt werden. Schön sind die schon. Aber doch sehr dezidiert auf Menschen zugeschnitten, die entsprechende Aktivitäten nahtlos in den durchgestylten LOHA-Alltag einzufügen gedenken.

Um mal bei den Beispielen zu bleiben, welche die Vorschau bietet - und in denen "Farming" übrigens weniger in Richtung Anbau verstanden wird als recht direkt auf's Ernten des Zuhandenen im weitesten Sinne geht:
Da wäre etwa ein elegantes Halbmond-förmiges Handtäschchen aus geschnittenem Metall, das sich zum Netzbeutel erweitern lässt, damit man auf Märkten übrig gebliebenes Obst und Gemüse einsammeln kann. Eine aus nicht minder schnittigem Aluknauf ausfahrbare Teleskop-Angel für's spontane Fischen in Kanälen und anderen Gewässern. Ein schicker Aktenkoffer, in dem sich eine Rattenfalle verbirgt. Ein Camo-Cape, das ebenso wie eine Taubenfalle für den Balkon (und analog zu besagter Rattenfalle) dazu dienen soll, die Fleischzulage zum Abendessen zu besorgen.

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Wie schon gesagt geschrieben: Sehr schön anzusehen - und, vermuten wir mal wohlwollend: zudem zweckdienlich. Was man von gutem Design jedenfalls erwarten würde. Und vielleicht auch ein wenig augenzwinkernd in Richtung besagter Öko-Lifestyler winkend?

Schliesslich mögen urbane Landwirtschaft und auch das, was hier mit "Free Farming" angesprochen íst - nämlich die Nutzung lokaler Ressourcen - in unseren Gefilden im Trend liegen. In anderen Regionen des Erdballs ist die eine wie das andere für viele Menschen eine Überlebensnotwendigkeit.

Mal ganz unabhängig davon, dass man nie wissen kann, wie sich die heimischen Ökonomien perspektivisch entwickeln, dürfte sich freilich auch unabhängig von Lifestyle-Trends und stylischen Accessoires ein Nachdenken über Sinn und Nutzen urbanen Farmens lohnen.
Nur sollte man sich dann auch - und das ist sicher notwendiger als schickes Design - mit hinreichendem Wissen beispielsweise in Bakteriologie (bevor man die Taube brät, will sie ja nicht nur gefangen, sondern auch gerupft und ausgenommen werden) und hierfür geeigneten Instrumenten rüsten. Also doch lieber vegetarisch Ackern?
Hackteriaktivisten, übernehmen Sie!

Von miss.gunst am 17.05.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.05.10

Stadtgrün Selbst Bestimmen

gbids-ksw.gifSelbstbestimmung ist natürlich auch ganz allgemein eine feine Sache - hier soll es aber nun, wie versprochen, erst mal ums Bestimmen des Bewuchses gehen, der an Haus- und Gehsteigrändern, Mäuerchen und so weiter in Nischen und aus Ritzen lugt.

Glücklicherweise ist das Netz reich an Seiten, die entsprechende Ressourcen bieten. Viele davon werden von Institutionen und Initiativen bereit gestellt, die sich um die Dokumentation und (soweit möglich) den Erhalt der Artenvielfalt bemühen und/oder mit der Kartierung von Biotopen beschäftigen - und dazu gehören natürlich auch Biotope im urbanen Raum.

Dabei wiederum spielen mitnichten nur Pflanzen eine Rolle, sondern auch alles, was kreucht und fleucht. Kreaturen auf allen Fluren sozusagen. Indes uns für heute aber erstmal nur die Botanik interessiert und auf diesem denkbar weiten Feld jene Arten, die ohne absichtsvolles menschliches Bemühen und Ackern im Stadtraum gedeihen.

Je nach Betrachtungsperspektive werden solche Pflanzen unter unterschiedlichen Namen geführt. Stadtmenschen, die daheim ein kleines Gärtlein hegen, werden die meisten von ihnen vermutlich eher als "Unkraut" bzw. "Unkräuter" bezeichnen (was für ein Unwort, beinah schon mindestens so schlimm wie das Wort "Unwort" selbst). Aber immerhin verdanken wir dieser Sicht eine wirklich schöne und vorbildlich gestaltete Plattforum zur "Unkrautbestimmung" mit bestens ausgestatteter Datenbank, bereitgestellt vom "Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zuckerrübe". Die ist - wie der Name des Verbandes schon ahnen lässt - zwar primär auf ländlichen Ackerbau ausgerichtet, funktioniert aber auch für die Bestimmung entsprechender Gewächse auf urbanem Terrain.

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Für viele der als Unkräuter verunglimpften Stadtpflanzen gibt es aber ein sehr viel schöneres, treffenderes Wort. Nein, nicht "Trümmerblume" - das haben wir tatsächlich auch erst kürzlich beim Recherchieren kennen gelernt. Sondern: Ruderalflora. So nennt man alles, was (auch ausserhalb der Stadt) auf Brachen grünt und blüht.

Auch hier hat es eine deutsprachige Seite, die wir wärmstens weiterempfehlen können: Dietmar Brandes, Professor für Pflanzenbiologie an der TU Braunschweig, hat eine kleine Plattform zur Ruderal-Vegetation aufgebaut. Sie enthält zwar keinen Bestimmungsschlüssel, dafür aber Überblicksdarstellungen und Hintergrundinformationen, die ja auch als Augenöffner funktionieren können.

Und wer dann kein Bestimmungsbüchlein dabei hat, sondern - wie auch in unserer kleinen Ausschreibung angeregt - die digitale Botanisiertrommel in Form (s)einer Kamera oder eines entsprechend ausgestatteten tragbaren Telefons, kann eben daheim mit besagten online-Bestimmungshilfen nachbereiten.

Sollte sich das fotogene Gewächs nun nicht unter den Unkräuten (s.o.) finden, dann hilft hoffentlich pflanzenbestimmung.de weiter. Falls nicht: Vielleicht noch mal genauer hinschauen, ob die Pflanze nicht doch Augen und Beine hat?

[Bildchen: Nun gut. Campanula zählt man gemeinhin nicht zu den Unkräuern, auch wenn sie den Boden recht gut bedecken kann. Aber wenn man ihr sagen würde, dass sie nicht in die Stadt gehört - sie würde sicherlich ihr Recht auf Selbstbestimmung behaupten.]

Von miss.gunst am 03.05.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.04.10

Wie Pilze Klingen

wplzkl-ksw.gifOb nun aus dem eigenen Anbau, gesucht und gesammelt oder - wenn mal weder das eine noch das andere fruchtbringend ausgefallen ist - vielleicht doch einfach auf dem Markt erworben: Pilze können durchaus auch anderen Zwecken zugeführt werden als dem Verzehr.

Dass man Pilze porträtieren kann, haben wir ja kürzlich schon mit Blick auf Florian Haas' Malerei gesehen.
Aber sonst?

Aus HOME MADE-Perspektive würde es wohl nahe liegen, mal nach dem Klangpotential von Pilzen zu fragen.
Nun handelt es sich hier natürlich um wenig gesprächige Gesellen - und auch durch andere Lautäusserungen fallen Pilze gemeinhin weniger auf.

Immerhin gibt es einen denkbar prominenten Anhaltspunkt: John Cage hat sich bekanntlich intensiv mit Pilzen beschäftigt. Sein "The Mushroom Book" von 1972 macht sich leider rar und es braucht auch ein bisschen Glück, um eine der darin reproduzierten Grafiken seiner von Pilzen inspirierten Kompositionen mal in einer Ausstellung anschauen zu können (ein im New Yorker MoMa gelandetes Blatt der gleichnamigen Reihe kann man immerhin online betrachten).

Gern würden wir bei Gelegenheit auch das seinerzeit 2002 gesendete Feature "Erinnerungen an John Cage: Mushroom Talk - NachtCageTag" von Klaus Schönig lauschen. Da dort aber keine Wiederholung in Sicht ist, bleibt erst mal nur das Nachlesen an notorischer Stelle, allem voran in den Gesprächen mit Daniel Charles ("For the Birds", gibts beim Merve-Verlag auch in deutscher Übersetzung, die Erstausgabe von 1984 wird gerade wieder aufgelegt. In der New York Times erschien 1981 zur englischen Edition ein schöner Artikel von Edward Rothenstein dazu, der "Sounds and Mushrooms" betitelt und inwzischen auch online nachzulesen ist).
Ansonsten noch online: Zwei Pilzrezepte von Cage.

Tatsächlich ist Cage auch nicht der einzige Pilzfan unter den KlangkünstlerInnen. Fluxus Mitstreiter wie Dick Higgins oder Alvin Curran (u.a. mit getrockneten Pilzen in einer Hommage an Cage) und auch der Circuit Bending-Spezialist Reed Ghazala teil(t)en seine Leidenschaft.
Allein: Davon, dass dies zu einer intensiveren Beschäftigung mit Pilzklängen im engeren und eigentlichen Sinne geführt hätte, ist nichts bekannt.

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Also haben wir noch ein bisschen weiter nach klingenden Pilzen gesucht. Einziger Netzfund bislang: In Margaret Nobles "Sound is Art" Blog gibt es Champignons des in Köln beheimateten Musikers Michael Peters, den der eine oder die andere unter den geneigten LeserInnen vielleicht vor allem als engagierten Looping-Gitarristen kennt. Aber eben, er macht auch noch ganz andere lauschenswerte Sachen...

Vorläufige Bilanz: Klingende Pilze gesucht, ein spannendes Sound (is) Art-Blog und die Heimseite eines interessanten Klangforschers gefunden.
Auch schön. Indes, für sachdienliche Hinweise auf Spuren resp. Sporen musikalischer Myzelgewächse wären wir wirklich dankbar, auch fürderhin...

Von miss.gunst am 29.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.04.10

DIY Pilzbrut Praxis

pbhp-ksw.gifVon den Glühbirnen gleich wieder einen Sprung zurück zu denen, die tendenziell doch eher Dunkelheit zu schätzen wissen: den Pilzen.
Denn zur DIY Pilzzucht sollte es ja noch ein paar praktische Hinweise geben...

Um es geich vorweg zu sagen schreiben: Entsprechend des durchaus nicht nur in New York und zudem auch nicht erst seit gestern florierenden Trends zum Nutzpflanzenanbau auf (eigen-)heimischem Terrain sind entsprechende Informationen im Netz alles andere als rar.

Allerdings verhält es sich selbst mit einschlägigen Artikeln, die in Garten- und Heimwerkermagazinen erscheinen, naturgemäss eher so, dass es (kaum anders als im jüngst verankerten Artikel der New York Times) eher allgemein um die Sache geht. Und die praktischen Anleitungen entsprechend zu kurz kommen.

Daher an dieser Stelle gleich ans Eingemachte - und da lässt sich im deutschen Sprachraum allem voran ein Projekt weiterempfehlen, bei dem sowohl AnfängerInnen bzw. prospektive PilzzüchterInnen als auch Profis so ziemlich alles finden können sollten, was das Herz begehrt: pilzzucht.eu.

Wer dann zu den dort versammelten Informationen, Anleitungen und Tipps noch gerne die eine oder andere Alternative testen möchte:
Wird vielleicht als geeignete Ergänzung die einschlägigen Angebote unserer Lieblings-HowTo-Plattform instructables.com zu schätzen wissen. Zumal die Foren zu den Beiträgen immer noch ein Surplus an bzw. für den Erfahrungsaustausch bieten.

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Da hätte es beispielsweise: Eine sehr schöne, reich illustrierte Schritt-für-Schritt-Anleitung zu den Grundtechniken der Pilzzucht von nak, dann nochmals eine einfache Anleitung von shesparticular, die mindestens für Shitake-Pilze die Praxisprobe bestanden hat.

Und wenn man am Ende dann reichere Ernte einfährt, als man verzehren kann? Hätte es noch ein Rezept zum Pilze Einkochen von Robyntheslug.
Wobei, beiseit: einen sonnigen Balkon o.ä. vorausgesetzt, kann man viele Pilzsorten auch prima trocknen. In Scheiben schneiden, auf Zeitungen auslegen, warten. Und später fädeln und an ein trockenes Plätzchen verbringen. Klappt vielleicht nicht immer. Wurde aber auch schon getestet und für gut befunden.

[Bildchen: Naja. Ein schwacher Versuch, von den Glühbirnen die Kurve zurück zu den Pilzen zu bekommen. Und die Bruthege mit Nestwärme zu assoziieren (gut behütet im kuscheligen Nestchen eben). Pilzbrut heisst das übrigens wirklich.]

Von miss.gunst am 26.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.04.10

Pilzfreundpostille

mrchch-ksw.gifIn direktem Anschluss an den letzten Eintrag gleich noch eine Lektüreempfehlung für PilzfreundInnen und solche, die es dem Trend entsprechend noch werden wollen...

... nämlich ein nettes Weblog namens FUNGI-Insider, das zum auch in gedruckter Form erscheinenden FUNGI Magazine gehört. Dato prangt hier natürlich ebenfalls ein Verweis auf den auch in unseren Zettelkasten gewanderten Artikel zu "DIY Mushrooms" in der New York Times.

Gleich in der nächsten Nachbarschaft tummeln sich jedoch auch mehrere aktuelle Einträge, die sich dem (Wild-)Pilz der Saison widmen: Nämlich der Morchel.

Tatsächlich spriesst auch hierzulande die Speisemorchel (Morchella esculenta) ab April aus dem Boden - und dazu hätten wir für Menschen, die in oder um Frankfurt herum wohnen, auch noch einen schönen Tagestipp.

Derzeit sind im Frankfurter Kunstverein im Rahmen der sowieso sehr sehenswerten Ausstellung Das Wesen im Ding (siehe dazu auch hier) einige von Florian Haas' wunderbaren Pilz-Porträts versammelt.

Passend dazu bietet Florian Haas nun am kommenden Samstag (24.04.) einen Ausflug gemeinsam mit dem Pilzexperten Dieter Gewalt zum Naturreservat Kühkopf an, wo man dann in freier Wildbahn nach Morcheln auslugen kann. Morcheln, höret die Signale...

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[Bildchen: Dass man die niedlichen Morchelchen zum Fressen gern haben kann, ist an sich schon ein Problem. Mindestens für die Morcheln.]

Von miss.gunst am 22.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.04.10

DIY Pilzzucht

plzchn-ksw.gifEin bisschen ausser Saison? Aber mitnichten. Ans Pilze sammeln dürften die meisten zwar erst bei herbstlicher Witterung denken. Doch einmal ganz abgesehen davon, dass auch in der freien Natur zahlreiche Arten im Frühjahr und im Sommer spiessen: Wer selbst sät, kann mitunter alle Tage ernten.

Und wenn man der New York Times glaubt, frönen in jüngerer Zeit immer mehr PilzfreundInnen der Aufzucht ihres Lieblingsgemüses: Wie im kürzlich erschienenen Artikel von Michael Tortorello mit dem schönen Titel "Do It Yourself Mushrooms" nachzulesen, werden auf dem Terrain des Big Apple allenthalben Sporen gestreut beziehungsweise in nahrhafte Holzscheite gepflanzt.

Unter anderem im Secret Garden, einem Gemeinschaftsgarten, der von der New Yorker Eco Station betrieben wird - aber offenbar zunehmend auch in privaten Gärten.

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So gesehen ist die DIY-Pilzzucht natürlich ein Ableger des aktuellen Trends zum Urban Farming, das von all jenen, die nicht auf entsprechende Stadtumbaukonzepte warten wollen, inzwischen einfach selbst in die Hand genommen wird. Aber schon ein ganz spezieller, nicht nur was die Art des Anbaus betrifft. Wohl nicht ganz zufällig wird auch in Tortorellos Text gemutmasst, dass die fremde und seltsame Welt der Pilzgewächse per se schon eine grosse Faszination auf Menschen ausübt.

Für heute wollen wir darüber nicht weiter spekulieren - sondern eben einfach nur den netten Artikel zur geneigten Lektüre empfehlen. How-Tos gibt es dann auch ein andermal...

[Bildchen: Diese Pilzchen sind in der Tat ebenfalls Stadtgewächse - allerdings aus freien Stücken im Gebüsch auf einem Grünstreifen an einer ziemlich dicht befahrenen Strasse gewachsen. Was sie seinerzeit glücklicherweise auch vor der Ernte durch gierige Gärtner bewahrte...]

Von miss.gunst am 19.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.04.10

OpenWetWare

mamkww-ksw.gifSchon klar, dass nicht nur die Hackteria-LaborantInnen gern an und in feuchter Biomasse herumfingern - und zudem auch nicht die einzigen sind, die sich dabei für einen DIY-Ansatz und offenen Austausch von Wissen interessieren. Allein im direkten Umfeld des gerade erst vorgestellten DIYbio-Projekts hätten wir da gleich noch ein best practice-Beispiel weiterzuempfehlen.

Nämlich das grossartige OpenWetWare-Wiki, dessen Name wirklich nicht zu viel verspricht (es sei denn vielleicht, man nimmt ihn zu wörtlich und denkt an einen Foto-Pool für allzu offenherzig präsentierte Zellverbände).

Wer sich vernetzen möchte, wird auch hier mit einem breiten Angebot an Kontakten bedient. Der grosse Schatz des Wikis ist jedoch, was die in der entsprechenden Sektion (Labs & Groups) vorgestellten Initiativen ins WetWare-Wiki einspeisen: Jede Menge Tutorials - wie beispielsweise die von John Christopher Anderson zur Synthetischen Biologie.

Dazu gibt gibt es informative Versuchsprotokolle und eine bestens bestückte Seite zur Materialkunde sowie eine Sammlung mit fuderweise nützlichen Ressourcen. Und sowohl dort wie auch in einem eigenen Bereich tummeln sich zudem auch Links zu Blogs. Und wer noch ein besonderes Bonbon testen möchte: Sicher nicht zuletzt, um den Einstieg in die gemeinschaftliche Bestückung des Wiki zu erleichtern, bietet OpenWetware auch Unterstützung bei der Einrichtung eines Lab-Notebooks an.

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Last but not least - oder mindestens beiseit à propos Blogs: Wie der/die geneigte LeserIn fast schon vermuten wird, sind bei OpenWetWare auch die DIYbiologisten aktiv, weshalb sich an dieser Stelle noch als Ergänzung zum letzten LogBuch-Eintrag noch das DIYbio FAQ empfehlen lässt.

[Bildchen: Ein weiteres aus dem eigenen Labor. Diesmal natürlich zum Thema Wetware... und inspiriert vom Zürcher Hackteria Lab-Panel am Freitag, wo es eingangs ja auch um eine Definition derselben ging.]

Von miss.gunst am 15.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.04.10

DIYbio

mamkkp-ksw.gifIndes die Dokumentation des aktuellen Zürcher Hackteria Lab noch in Arbeit ist, lässt sich gut nach einschlägigen Ressourcen grasen. Und da hätte es doch auch gleich ein verwandtes Projekt, das in diesem Zusammenhang unbedingt vorgestellt werden muss...

... nämlich DIYbio, was für "Do-it-Yourself Biologie" steht und sich in der Tat ganz ähnliche Ziele gesetzt hat wie die Hackteria:

"DIYbio is an organization dedicated to making biology an accessible pursuit for citizen scientists, amateur biologists, and DIY biological engineers who value openness and safety. This will require mechanisms for amateurs to increase their knowledge and skills, access to a community of experts, the development of a code of ethics, responsible oversight, and leadership on issues that are unique to doing biology outside of traditional professional settings."

Soweit und so sprechend die komprimierte Selbstdarstellung aus der obligaten "about"-Sektion, wo es zudem auch ein schönes kleines Vilmchen hat für diejenigen, die lieber schauen und hören als lesen.

An sich steht bei den DIYbiotikern - nicht anders als bei der Hackteria - die konkrete gemeinsame Entwicklung von bzw. Arbeit an Projekten im Vordergrund, für die man sich in lokalen Gruppen vor Ort zusammenfindet. Während im gleichnamigen Bereich der Seite einzelne Spezialprojekte aus dem Netzwerk gelistet sind, die es im Logbuch dann eher angelegentlich in eigenen Einträgen vorzustellen lohnt.

Die Heimseite selbst funktioniert von daher vor allem als Vernetzungs- und Informationsplattform, wobei das eingebundene Blog zwischen den Ankündigungen der Treffen schon auch Berichte, Hinweise auf verwandte Aktivitäten Anderer und auf einschlägige Ressourcen enthält.

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In dem Blog haben wir derweil ein bisschen herumgemust und sind dabei wirklich auf einige spannende Dinge gestossen, die sich an Do-it-Yourself in Sachen Biowissenschaften Interessierte unebdingt mal anschauen sollten.
Weshalb ihnen denn auch die nachfolgenden Logbuch-Einträge gewidmet werden sollen - und die geammelten Links stellen wir dann natürlich auch auf unserer kleinen Baustelle fürs BookOfHackteria ein...

[Bildchen: Mal eine andere Perspektive auf die DIY-Biologie - genauer gesagt: die DIY Mikroskopie, zu der es am Wochenende in Zürich ja auch noch einen Workshop gab... ]

Von miss.gunst am 12.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.04.10

FeldForschungsNotizen (Field Notes)

fffn-ksw.gifUnter "Field Notes" versteht man gemeinhin die schriftlichen Aufzeichnungen, die EthnologInnen bei der Feldforschung vornehmen. Protokolle auf dem Weg vom Rohen zum Gekochten sozusagen...

... bzw. in - historisch nicht ganz korrekter - Anlehnung an den gleichnamigen Titel von Claude Lévi-Strauss, insofern eben die Feldforschung und folglich auch die Feldnotizen ursprünglich mal eine Sache Anthropologen waren.
Welche, so liesse sich ergänzen, diesen Begriff vermutlich von den Feldstudien der Biologen abgeleitet haben.

Indes können inzwischen mit einem erweiterten Feldforschungs-Begriff auch andere Menschen etwas anfangen, die sich nicht im stillen Kämmerlein, sondern sozusagen auf freier Wildbahn mit der Beobachtung von Gegenständen und Lebewesen ihres Interesses beschäftigen.

So nämlich auch jene, die sich der künstlerischen Klangforschung widmen, die ja ohnehin das Field Recording (das wiederum in unserem Log.Buch nicht von ungefähr des Öfteren begegnet) als bewährte Methode kennt.

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Für all diejenigen, die sich für diesen Ansatz interessieren, gibt es nun auch ein Magazin, das den denkbar passenden Namen "Field Notes" trägt. Herausgegeben wird es von Lasse-Mark Riek, der sich auf diesem Feld bestens auskennt (und dessen Label Grünrekorder treuen LeserInnen dieses Logs ebenfalls bekannt sein dürfte) und seinem Kollegen Daniel Knef.

Bis dato sind bereits zwei Ausgaben erschienen, die man wunderbarer Weise auch im pdf-Format direkt bei Grünrekorder herunterladen und lesen kann (wahlweise auf Englisch oder auf Deutsch). Was wir hiermit wärmstens empfehlen wollen.

Von miss.gunst am 05.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.04.10

Weitersegeln im Sound Delta

sdws-ksw.gifGut zwei Jahre ist es her, dass zwei Schiffe Rhein und Donau aufwärts fuhren - und dabei jede Menge Klänge als Fracht von Hafen zu Hafen trugen. Nun sieht es ganz danach aus, als würden im Sound Delta wieder neue Segel gesetzt.

Das Klangkunst-Reiseprojekt als solches, das seinerzeit - wir berichteten - unter dem Titel "European Sound Delta" firmierte (und dessen Grand Tour de Bateau auf den Spuren der beiden grossen Ströme übrigens, einschliesslich der unzähligen Klangtagebucheinträge der mitreisenden KünstlerInnen, nach wie vor online navigierbar ist), wird zwar nicht fortgesetzt.

Aber die Organisatoren von der Pariser Association MU haben sich offenbar etwas Neues ausgedacht - ein Sound Delta Netz, in bzw. aus dem jede/r zu eigenen Klangreisen aufbrechen kann, der oder die über ein smartes Mobiltelephon des bekannten Herstellers mit dem Äpfelchen im Logo verfügt.

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Leider also eine spezifische Besitzstände voraussetzende und sich mit proprietären Praktiken arrangierende Angelegenheit. Was wir eigentlich nicht wirklich gut finden können. Vom konzeptuellen Basisansatz her, die mobile Gerätschaft für Klangkunstsegeltouren zu nutzen, bei denen man in der Tat nie in den selben Fluss steigen ins selbe Boot steigen und auf den selben Gewässern segeln wird, aber eine durchaus sympathische Idee.

Von miss.gunst am 03.04.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.03.10

Klangspaziergang durch Kalifornien

kklsp-ksw.gifEigentlich hatten wir anlässlich des elektrosmog festivals nach all den Reisen durchs All zur Abwechslung wieder mal festen Boden unter die Füsse bekommen wollen. Darum steht nach den Soundtransit-Flugreisen nun eine Landung an. Und warum nicht im schönen Kalifornien?

Dort lädt nämlich das Projekt "Listening to Nature" zu Klangspaziergängen durch die verschiedenen Regionen des Landes ein.

Zum Einstieg bekommt man eine Karte vorgelegt, über die man die Region für den jeweiligen Spaziergang auswählen kann. Dort angekommen, werden die geographischen und landschaftlichen Konstellationen geschildert und eben einige Bewohner vorgestellt, deren Stimmen in ihrer natürlichen Umgebung sich nun lauschen lässt.

So spreizen sich an der kalifornischen Küste eben nicht (wie man das bei der Imagination der entsprechenden Region vielleicht erst mal vor Augen hat) nur braungebrannte Starlets und SurferInnen, sondern auch Seeelefanten bzw. -löwen. Und dass die Wüste natürlich nicht nur - wie bei Walt Disney legendär ins Bild gesetzt - visuell lebt, sondern auch akustisch, stellen unter anderem Exemplare der Gattung Bufo punctatus unter Beweis.

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Initiiert und erstellt wurde Listening to Nature von Paul Matzner, dem Kurator der California Library of Natural Sounds, die ihrerseits am Oakland Museum of California angesiedelt ist. Übrigens kein Haus wie das Smithsonian, das ausschliesslich der Naturkunde gewidmet wäre, sondern so etwas wie ein Landesmuseum mit vielfältiger Sammlung, das 1969 als "Museum for the People" gegründet wurde.

Von miss.gunst am 30.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.03.10

Klangflugreisen (SoundTransit)

strst-ksw.gifEine weitere Variation der akustischen Zimmmerreise, die zugleich mit einer Klangkartierung arbeitet. Und in diesem Fall kann man sogar Flugreisen buchen!

SoundTransit - das klingt natürlich erst einmal so, als würden sich die Klänge selbst auf die Reise machen. Was sie, so gesehen, sogar ebenfalls tun.

Erst einmal handelt es sich bei diesem Projekt - hinter dem die KünstlerInnen Derek Holzer (mehr im hauseigenen Archiv), Sarah Kolster und Mark Boon stehen - eben tatsächlich um eine gelungene Kombination von Klangkartierung und Zimmerreisebüro.
Der Kern des Ganzen ist eine offene Plattform für Field Recordings, auf die unter creative commons lizensierte Sounddateien geladen, mit einer Kurzbeschreibung versehen und natürlich auf der Landkarte verortet werden.

Reisewilligen stehen verschiedene Wege offen: Man kann die eingespeisten Klänge durchaus auch einzeln aufsuchen, wenn man die entsprechenden, aphabetisch nach Orten oder nach KünstlerInnen sortierten Register wählt.

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Seinen eigentlichen Charme entfaltet SoundTransit jedoch dann, wenn man das Angebot nutzt, sich selbst eine Klangflugreise zusammenzustellen. Umso abwechslungsreicher verspricht diese zu werden, je mehr Transit-Passagen bzw. Zwischenstopps eingelegt werden.

Zusätzliche Boni wie Flugmeilenpunkte gibt es zwar nicht - schliesslich sind schon die Flüge selbst und die damit verbundenen Klanglandschaftserkundungen umsonst zu haben.
Aber wohlmöglich sind gerade Vielflieger schon bald besonders motiviert, das eine oder andere Flugziel mit eigenen Klangdaten zu bereichern oder sogar einen neuen Ort auf die Karte zu setzen.

[Bildchen: Die Öhrchen züchten wir ja inzwischen selbst - aber für den Flieger mussten wir doch auf die Ingenieurskunst anderer vertrauen. Gebaut hat ihn Yann0051 und dann in die commons gespendet. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 28.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.03.10

Klangkarten (radio aporee ::: maps)

raprmps-ksw.gifEben da wir gerade bei den lokalen KlangLandschaften waren: Es gibt gute Gründe, den Seitenverweis auf ähnliche Projekte zu konkretisieren.

radio aporee ::: maps von Udo Noll ist ein ebensolches Projekt - und zwar eines, das die selbst gestellte Aufgabe, Klänge auf der Landkarte zu verorten, vielleicht doch noch sehr viel interessanter angeht als die im letzten Eintrag vorgstellten Local SoundScapes.

Auf den ersten Blick mag das Ganze durchaus ähnlich ausschauen: Wieder ist es eine eingebundene GoogleMap, welche die Verortung visualisiert. Auch hier sind die Verortungen der Klänge rot markiert und geben auf Mausklick hin die mit den lokalen Daten verknüpften spezifischen Informationen und die Klänge frei.

Zwar verzichtet radio aporee ::: maps auf zusätzliche visuelle Informationen - aber das kann man nicht nur als konsequente (und konsequentere) Umsetzung eines Konzepts verstehen, das schliesslich auf Klang fokussieren will. Damit gewinnt der Zimmerreisende etwas hinzu: Nämlich Freiraum für die Imaginationen, die beim Aufruf der Klänge entstehen.

Zudem überzeugt radio aporee ::: maps auch in vielen weiteren Details - und das betrifft nicht nur Kleinigkeiten der Gestaltung, wie die pulsenden Klangpunkte, die doch etwas schöner sind als die GoogleMaps-Flaggen, die Bissas verwendet.

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So gibt es nämlich auch ein Menü, mit dem man sich die bei radio aporee ::: maps ungleich zahlreicheren und geographisch in den verschiedensten Weltgegenden angesiedelten Klangorte bzw. Ortsklänge erschliessen kann. Ein besonderes Goodie stellen zudem die "Soundwalks" da, mit denen ein ganzer Spaziergang - der zuvor im realen (Stadt-)Raum unternommen wurde - nachvollzogen werden kann. Wobei es überlegenswert scheint, dass sich dieser im Prinzip natürlich auch tatsächlich wiederholen liesse, um die Aufnahmen dann mit dem aktuellen Klangerlebnis zu vergeichen.

Und als wenn das alles nicht schon spannend genug wäre: Anders als die bis dato eher hermetisch abgeschlossenen "Local SoundScapes" handelt es sich bei radio aporee ::: maps um ein offenes Projekt, zu dem jeder eigene Klänge bzw. Klangverortungen beisteuern kann. Eben dies befördert auch ein stetiges Wachstum der Klanglandkarte.

Darum im Grunde nicht nur, wie eingangs noch höflich herumgezaudert (wertende Vergleiche zwischen künstlerischen Projekten sind ja immer so eine Sache, weil sie von unterschiedlichen Konzepten und Zielsetzungen ausgehen - und man oft mit den einen eher als mit den anderen sympathisiert, was aber noch nichts über Qualitäten sagt): Mindestens wir meinen, radio aporee ::: maps ist definitiv das interessantere Projekt.

[Bildchen: Ja, das sind schon wieder Nachkommen des Ohrs, das David Benbennick dankenswerter Weise unter cc-by-sa-Lizenz in die Wikimedia Commons gespendet hat. Wird vielleicht doch Zeit, das wir uns mal selber welche wachsen lassen...]

Von miss.gunst am 24.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.03.10

Lokale KlangLandschaften

cssls-ksw.gifReisen, ohne das Zimmer zu verlassen: Das ist natürlich keine genuine Idee des electrosmog festivals, sondern hat eine denkbar lange kulturgechichtliche Tradition*. Aber das kollektive Bekenntnis zur nachhaltigen Immobilität gab uns natürlich eine gute Möglichkeit, mal zu schauen, was die beteiligten KünstlerInnen den Daheimgebliebenen anzubieten hatten.

Zu den im Programm unter "on-line projects and environments" gelisteten Projekten gehört auch "LocalSoundScapes". Wie der Name schon erahnen lässt, geht es dabei um eine Verortung von Klängen im Raum. Und zwar im geografischen Raum, um genau zu sein - sozusagen im gegenläufigen Impuls zu dem der Entortung, der kürzlich bei Anthony Moores beweglichen Raumklängen Thema war.

Tatsächlich kann man den Titel auch mit Blick auf das Konzept und Umsetzung wörtlich nehmen. Auf der Heimseite des Projekts wird man von einer eingebundenen Google Map begrüsst, die direkt nach Schottland führt, wo Costas Bissas während eines Atelierstipendium des distance lab mit seinem Gemeinschaftsprojekt "neuromantic" (ein Projekt zu Slow Tech - so nennen wir das einfach mal - auf dem Lande, das er zusammen mit Tomoko Hayashi realisiert) mit der Anlage der KlangLandSchaft begonnen hat.

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Jede der kleinen roten GoogleMaps-Flaggen führt zu einem Ort, an dem Bissas die lokalen Klänge - vorzugsweise des Arbeitslebens - aufgenommen hat; auf Mausklick hin öffnet sich ein Fenster mit Fotos, Texten und eben einer Sounddatei.

An sich ganz schön in seiner Konzentration - indes das Projekt zugleich 'in a nutshell' etwas präsentiert, das mit der Informations- und Medienkonvergenz elektronischer Netzwerke mitunter auch sowieso zu haben ist: Wenn wir surfen und dabei (beispielsweise im Zuge von Reisevorbereitungen) zu einem Ort recherchieren, nach der Infrastruktur schauen, vielleicht eine Webcam aufrufen...

Nun ist LocalSoundScapes nicht das erste Projekt seiner Art - und anders als andere setzt es nicht auf Zusammenarbeit und Vernetzung beim Ausbau der KlangLand(Schafts)-Karte. Schade eigentlich, oder?

* Beiseit: Wer sich für selbige interessiert und gelegentlich auch einmal selbst lesend auf Reisen gehen möchte, dem kann dieses schöne Buch von Bernd Stiegler zur Zimmerreise, hier bei reiseliteratur-info.de kurz vorgestellt, wärmstens empfohlen werden...
[Bildchen: Markierte KlangLandKarte. Das Öhrchen bzw. sein unmittelbares Vor-Bild lieh uns David Benbennick, der Letzteres aufgenommen und dankenswerter Weise unter cc-by-sa-Lizenz in die Wikimedia Commons gespendet hat. Merci!]

Von miss.gunst am 22.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.03.10

OSSI - Satelliten Open Source

shss-ksw.gifUnd siehe da, es geht noch mehr mit den Mini-Satelleliten. Auch in Sachen Selbermachen. Was wiederum besonders die BastlerInnen unter den Satelliten-Fans interessieren dürfte...

Allein der Name des Projekts ist doch schon einmal vielversprechend: OSSI - Open Source Satellite Iniative.

sshss-g2.gifAlso schon noch einmal etwas anderes als: In Stanford Raumfahrttechnik studieren, um an CubeSats basteln zu können (oder an einer anderen Hochschule mit entsprechenden Angeboten - wie beispielsweise Braunschweig, wo es das BEOSAT-Programm gibt, in dem ebenfalls an einem Mini-Satelliten gerabeitet wird).

Andererseits: Um die Finger an den Bau der kleinen Flugwürfel zu bekommen und diese dann in den Weltraum schicken zu können, braucht es doch nicht nur jede Menge Fachwissen. Sondern auch ein entsprechend ausgestattetes Lab. Und, auch nicht ganz unwesentlich: Hernach den Zugang zu einer Raketenstation - denn mit einem schlichten Flugdrachen wird man seine Sonde schwerlich auf die richtige Umlaufbahn bringen können.

shss-g1.gifVon derlei Hindernissen, die sich heimwerkenden SatellitenfreundInnen hinsichtlich einer Realisierung wie auch immer ambitionierter Projekte zweifelsohne nach wie vor entgegenstellen, lässt sich die Open Source Satellite Iniative jedoch nicht schrecken. Ihr Begründer, der Koreaner Song Hojun, hat nicht nur Electrical Engineering und Computer Science studiert, sondern ist auch als Künstler aktiv - und bringt in OSSI beide Talente zusammen.

Einen idealen Einstieg in das Projekt bekommt man mit dem "D.I.Y. Satellite"-Zine, das Song Hojun vergangenes Jahr beim koreanischen Kunstbuch- und Zineverlag mediabus veröffentlicht hat und dessen englische Version es dankenswerter Weise auf den Heimseiten der Open Source Satellite Iniative direkt als pdf zum Ansehen und Herunterladen gibt.

Eine praktische und liebevoll anschaulich handgezeichnete Step-by-Step Bauanleitung mit spielerisch-philosophischen Fransen und anregenden Ideen, die danach rufen, weiter ausgesponnen zu werden. Ganz in unserem Sinne: Best practice, wenn man das mal so frei heraus sagen kann.

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[Bildchen: Oben links ein selbstgestaltetes OSSI-T-Shirt ("I SAT OSSI"), dann hands on Satellitenlöten, vor dem Tauglichkeitstest wird nochmals geladen - und schliesslich darf der kleine OSSI-DIY-Sat eben auch mal an die frische Luft. Übrigens auch ein Beispiel für best practice: Alle diese wunderbaren Fotos hat Song Hojun auf seinen FlickR-Seiten unter cc-by-nc-sa-Lizenz ins Netz gestellt. Grand Merci!!!]

Von miss.gunst am 18.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.03.10

Noch mehr Mini-Satelliten

nmks-ksw.gifJa, da geht noch was. Für diejenigen, die sich für die kleinen CubeSats begeistern konnten - und auch für alle anderen, die ihr Wissen über Klein- und Kleinstsatelliten mehren wollen.

Um die würfelförmigen Weltraumflugkörper sozusagen gattungstheoretisch etwas besser einsortieren zu können, ist allem voran vielleicht die Lektüre des Eintrags über "Kleine Satelliten bzw. "Miniaturized Satellites" recht hilfreich, den die englischsprachige Wikipedia bietet.

nmks-g.gifWeiterführend und überwiegend sogar in deutscher Sprache haben wir aber auch noch einen wirklich heissen Tipp: Die in jeglicher Hinsicht gut sortierten und äusserst liebevoll aufbereiteten Seiten von DK3WN aka Mike Rupprecht, seines Zeichens Informationstechniker. Und leidenschaftlicher Amateurfunker, wie schon sein Rufkürzel verrät.

Als solcher wiederum hat er schon vor bald zwanzig Jahren damit begonnen, sich intensiver mit Satelliten und ihrer Nutzung für den Amateurfunk zu beschäftigen. Entsprechend nahrhaft auch in praktischer Hinsicht sind denn auch die Inhalte, die er auf DK3WN zusammengestellt hat.
Dort gibt es nicht nur einen Satblog, jede Menge Scrips und Technik.

Ein echter Schatz ist aber allem voran - und eben auch für alle, die ganz einfach mal mehr und Genaueres wissen wollen über die in doch recht beeindruckender Zahl und Vielfalt im Orbit kreisenden Raumflugkörper - seine Satelliten-Seite. Schön übersichtlich nach Klassen sortiert und zu jedem einzelnen gibt es dann ein Porträt mit Beschreibung, Bildern, Historie und aktuellen Informationen sowie weiterführenden Links. Toll!

[Bildchen: Ja, eben - noch mehr Mini-Satelliten. Wieviele weitere wohl in den unendlichen Weiten kreisen?]

Von miss.gunst am 16.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.03.10

Einen Tag mal Pi

pdpc-ksw.gifVon der Diskokugel zum Kreis: Das passt nur allzu gut. Und zudem muss man Feste feiern, wie sie fallen!
Heute wird nämlich der Ehrentag für eine Zahl begangen, die nicht nur für unseren Umgang mit Kreisen höchst bedeutsam ist: Pi!

Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen Geburtstag - denn über die Kreiszahl Pi, mit der wir alle spätestens seit Schulzeiten zu rechnen lernen (primär, wenn es um Kreise geht - später lernt man dann die Vorteile der Formel "Pi mal Daumen" kennen und schätzen....), hat allem Vernehmen nach ja sogar schon der gute alte Archimedes nachgedacht.

pdpc-gg.gifVielmehr stammt die Idee zum Pi-Tag - ähnlich wie die für den Bubble Wrap Day - aus den USA, wo 1988 der in San Fransicso beheimatete Physiker Larry Shaw vorschlug, die Datumsnotation 3-34 für den 14. März zum Anlass zu nehmen, Pi alljährlich ein Ständchen zu bringen.

Auch wenn die Sache mit dem Pi(Day) Pie, der sich als passendes Anagramm-Gebäck kredenzen lässt, sprachlich natürlich nur im Heimatland des Pi Day funktioniert: Feiern lässt sich Pi fraglos international!

[Bildchen: Dieser phantastische Pi Pie wurde allem Vernehmen nach bzw. laut Wikimedia Commons an der Technischen Universität Delft gebacken und sein appetitanregendes Bild dankenswerter Weise der Public Domain spendiert. Da rufen wir doch, in Hommage an F.K. Waechter, begeistert: Ein leckerer "Käsekuchen! Käsekuchen!! Käsekuchen!!! Pi-inkie, hierher!"]

Von miss.gunst am 14.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.03.10

Mini-Satelliten

csts-ksw.gifNa also. Da sind sie ja - Satelliten im Eigenbau. Zwar entstehen sie nicht im heimischen Hobbykeller, sondern in im Rahmen eines gross angelegten Forschungsprojekts. Aber das geht durchaus schon in die richtige Richtung...

CubeSat heisst das von der California Polytechnic State University, San Luis Obispo und dem Stanford University's Space Systems Development Lab entwickelte und laut Mission Statement bereits an über sechzig Hochschulen und Schulen mitbetriebene Programm, in dessen Rahmen Studierendende "hands on" an kleinen Satelliten basteln.

csts-g1.gifNeben praxisorientiertem Lernen (das freilich schon primär auf eine professionelle Karriere in der Luftfahrtindustrie vorbereiten soll) steht dabei die Entwicklung kostengünstiger und technisch handhabbarer Alternativen zum Gross-Satellitenbetrieb vorn.

Die bisherigen Fortschritte und Ergebnisse des Projekts kann man sich im Bereich Media ansehen, wo es sowohl Fotos als auch Videoclips der kleinen Würfelsatelliten-Prototypen zu bestaunen gibt. Und zudem hat es auch jede Menge Dokumente, die Einblick in das Projekt und seine technische Seite vermitteln - besonders interessant ist dabei sicher der Bereich Developers, wo unter anderem ein anschaulich aufbereitetes pdf zum Design und Aufbau des CubeSat bereit gestellt ist.

Wired hat vergangenes Jahr dem CubeSat-Lab in Standford einen Besuch abgestattet und dabei ein schönes kleines Videoporträt mit Informationsnähr- und mehrwert gemacht. Und wer sich dazu noch eine kompakte Einführung im Audio-Format gönnen möchte, dem sei der KQUEST Wissenschafts-Radio-Report über das CubeSat-Projekt empfohlen - der übrigens, ziemlich enthusiastisch und schon ein klitzekleinwenig übertrieben (oder vielleicht doch nicht?) von DIY-Mini-Satelliten spricht...

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Von miss.gunst am 11.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.03.10

Wie Satelliten funktionieren

wsff_ksw.gifZeit, wieder den Faden unserer kleinen Reihe zur Weltraumerkundung aufzunehmen - und was würde sich dafür besser eignen als eine mund- bzw. augenundohrengerecht zubereitete Portion Basiswissen. Beispielsweise über Satelliten.

Im Auftrag der euopäischen Satellitenbetreiber SES Astra haben die britischen Werbe- und Designreativen von This is Real Art eine Reihe von sieben kleinen Filmen mit dem schönen Titel "Satellites. A User's Manual" fabriziert, die ebenso kompakt wie unterhaltsam Wissenswertes über die Raumflugkörper vermitteln.

wsff-g.gifDass sie selbsterklärter Massen zugleich als Lehr- und als Werbefilme funktioneren sollen, lässt sich da für einmal verschmerzen (auch wenn man der öffentlichen Bildungsmedienproduktion bei dieser Gelegenheit gern mal dezent zuwinken möchte: auch von dieser Seite könnte sicher gern noch ein Zahn zugelegt werden, was originelle Formate und leckeres Design betrifft...).

Unterm Strich werden BastlerInnen mit Blick auf dieses User's Manual aber wohl eher eins bedauern: Über Satelliten kann man wissen, so viel man will. Für Unternehmungen Marke Eigenbau eignen sich Projekte dieser Dimension leider nicht.
Oder etwa doch? Im Fall der Fälle: Wir lassen uns gern belehren...
Update: Tatsache. Es gibt ja bekanntlich nichts, was es nicht gibt. Schauen wir uns also gerade genauer an...

[Bildchen: Ja, den lieben kleinen Freund haben wir vor einiger Zeit schon mal durchs Log.Buch fliegen lassen. Ist doch nett, dass er sich mal wieder zeigt!]

Von miss.gunst am 09.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.03.10

Unruhige Gerätschaften

kuema-ksw.gifWer sich vergangenen Oktober beim Shiftfestival für die poltergeisternde Küche begeistert hat, sollte in nächster Zeit unbedingt einmal im Cabaret Voltaire vorbeischauen.
Dort sind nämlich ab dem heutigen Donnerstag (04.03.10) weitere inspirierend inspirierte Haushaltsgegenstände zu bewundern.

"Küchenmaschinen auf Abwegen" heisst die kleine Ausstellung mit Arbeiten von Stefan Doepner vom Hamburger Robotik-Kunst-Kollektiv f18 (s.a. die Einträge im hauseigenen Archiv).

kuema-g.gifVor erratisch durch die Räume in der Spiegelgasse wandernden Entsaftern, auf der Toilette tanzenden Toastern oder wildgewordenen Wasserkochern muss man sich allerdings nicht fürchten.
Ganz ähnlich wie der f18-Poltergeist im Einbauschrank eigentlich der perfekte Mitbewohner für einsame Grosstadt-Neurotiker ist (er belebt die Wohnung, nascht aber nie die letzte Marmelade weg oder lässt den Abwasch stehen), so sind auch seine in Zürich gezeigten Artgenossen eher liebenswerte Seelenverwandte, die von ähnlichen Ticks geplagt werden wie manche Menschen. Oder besser gesagt: Diese Plagen auf sich genommen haben und/oder kompensieren.

"Autospoon" ist ein hyperaktiver Teelöffel, das "Midi Picknick" veranstaltet der von zu Mittagspausenmuffeln mutierten Workoholics schnöd im Stich gelassene Jausenkoffer eben einfach mit sich allein
Und die "Automated Table Modification" erweist sich in der Tat als perfekter "Robot Partner" - sie nimmt netterweise gelangweilten BüroarbeiterInnen das ziellose Hin- und Herschieben von Kaffeetasse und Kugelschreiber ab.

Kurzum: Allesamt entpuppen sich die unruhigen Gerätschaften beim genaueren Hinschauen als herzensgute Helferlein und echte Roboterfreunde. So soll es ja auch sein...

Die jüngste Produktion der 2006 begonnen Reihe wird heute um 18:00 Uhr zur Vernissage vorgeführt: Der "Drillbot", den Doepner zusammen mit Lars Vaupel konstruiert hat, den Zürcher (und auch treue LeserInnen dieses Log.Buchs) von seinen Zeichenmaschinen kennen.
Allem Vernehmen nach handelt es sich um eine kletterfreudige Multi-Bohrmaschine (oder einen bohrlustigen Kletterer, je nachdem) - genau das Richtige für bergwandernde Heimwerker oder heimwerkende Bergwanderer, die am Wochenende zwischen ihren Leidenschaften schwanken - und einen guten Freund brauchen, der dann entweder das eine oder das andere bzw. praktischer Weise gleich beides stellvertretend für sie übernimmt...

[Bildchen: Da wir gerade beim Thema Stellvertreter waren: Mama was an American Food Processor (GMTHX to Holonet for donating her to the public domain!). Bilder von den Originalen gibt's in der netten Nachbarschaft bei Digital Brainstorming und die unruhigen Gerätschaften freundlichen Helferlein im Original eben im Cabaret Voltaire zu sehen...]

Von miss.gunst am 04.03.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.02.10

DIY Archiv für Digitale Kultur

wlyc-ksw.gifArchivprojekte, Sammlungen und Plattformen zur Digitalen Kultur gibt es viele - und meist werden sie (zumal, wenn's ums Archivieren geht) von grossen Institutionen und deren Zusammenschlüssen betrieben.
Aber es geht durchaus eine Nummer kleiner und von der vielleicht ja durchaus realen Utopie beflügelt, dass das Wachstum im Kollektiv befördert werden kann.

So im Fall von WE LOVE YOUR COMPUTER bzw., zu gut Dänisch: VIEL SKER DIN COMPUTER - es handelt sich nämlich um eine Koproduktion mit wesentlichem Anteil dänischer Initiativen.

Worum es genau geht? Wird in der dieser Tage verschickten Einladung erklärt [gab's auch in English, wir zitieren hier nur die deutschsprachige Fassung, dafür gleich mit den entsprechenden Ankern versehen]:

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"Liebe Künstler & Kunstexperten, endlich ist es fertiggestellt:
WE LOVE YOUR COMPUTER...
... ist ein kollektives, offenes Archiv und
Veranstaltungskalender für Medienkunst.
Stöbere, lese, steuere deinen Teil bei und
sag es deinen Freunden:
Es ist für euch gemacht und wird von euch kreiert."

Da das Projekt in dieser Form nun eben erst gestartet ist, findet sich in besagtem Veranstaltungskalender bis dato zwar noch kein Eintrag - und wieviele dem Aufruf Mitzutun folgen werden, bleibt sicher noch abzuwarten (kleiner Tipp: der Sache förderlich wäre es wahrscheinlich, auch die lieben Künstlerinnen und Kunstexpertinnen anzusprechen und das Ganze auch den Freundinnen weiterzusagen... aber das nur beiseit).

Fündig werden kann man allerdings schon in der Bibliothek, wo sich bereits eine stattliche Anzahl von Links zu Texten und weitere Einräge tummeln.

Wer sich einen zünftigen Feuilletonlesesonntag bescheren will, kann also gleich loslegen - und dabei die eine oder andere Inspiration bekommen, gegebenenfalls auch einen eigenen Eintrag einzuspeisen...

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[Bildchen: Also, We Love Our Computerchen auch - was ja schon mal eine gute Voraussetzung ist...]

Von miss.gunst am 28.02.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

31.01.10

Das grosse Ploppen (DIY)

lupo-ksw.gifWas ist durchsichtig, ohne dass man direkt hindurchschauen könnte oder auch nur wollte? Was dämmt und isoliert, ohne dass nan etwas darin warmhalten könnte oder würde? Was kann man ordentlich krachen lassen - obwohl das eigentlich gar nicht seiner Bestimmung entspricht?

Nein, auch wenn das sowohl die Jahreszeit als auch die letzten Einträge vielleicht nahe legen könnten: Nach Eis ist hier nicht gefragt.

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Sondern nach, na? Richtig geraten: Luftpolsterfolie.
Allem Vernehmen nach 1957 von den amerikanischen Ingenieuren Alfred Fielding und Marc Chavannes erfunden, als sie eigentlich eine neue Tapete hatten entwickeln wollen, ging sie 1960 in die industrielle Produktion - wofür die beiden Erfinder eine eigene Firma namens Sealed Air (zu deutsch: Versiegete Luft) gründeten und das Ganze natürlich als Trademark schützen liessen. In diesem Jahr wird *die* (bzw. *das*) Bubblewrap also stolze 50 Jahre alt!

Indes wird die Luftpolsterfolie weltweit nicht allein wegen ihres unbestrittenen Nutzens geschätzt. Besonders erfinderisch ist der Mensch bekanntlich, wenn es um seinen Lustgewinn geht - und die Luftpolsterfolie hat da Einiges zu bieten. Erstmal taugt sie schon ästhetisch zu Fetisch, was ihre optischen und taktilen Reize betrifft. Und dann kann man die Nippel-Knubbel durch sanften Daumendruck eben auch noch zum Platzen bringen bzw. Ploppen lassen. Dass dieses Vergnügen zudem entweder als Höhepunkt auf das Auspacken eines begehrten Gegenstands folgt oder auch ganz einfach so zu haben ist sowie vor allem umsonst, als reines Surplus, setzt dem Ganzen natürlich das Krönchen auf.

Weil nun die gewöhnliche Luftpolsterfolie erstens nicht immer zuhanden ist und zweitens, was die zum Zerplatzen zu bringenden Bläschen betrifft, irgendwann ein Ende hat, alle Lust jedoch nicht nur nach Nietzsche Ewigkeit will, hat der Mensch mittlerweile auch eine Reihe adäquater Ersatzluftpolsterbefriedigungsobjekte erfunden.

lupo-g02.gifEs gibt also neben dem offiziell lancierten Bubblwrap-Vergnügen nicht nur Seiten wie "Virtual Bubblewrap" für NetznutzerInnen, die ihre Finger nicht wirklich von Tastatur und Maus bekommen, aber trotzdem nicht auf den grossen Plopp verzichten wollen. Sondern auch extra Gadgets für Luftpolsterlüsterne wie das PujiPuji bzw. PutiPuti von Bandai, mit denen man es (jedenfalls so lange die Batterie hält) tatsächlich auch händisch endlos Ploppen lassen kann (jenen, die des Japanischen nicht mächtig sind, sei für Details dieser schöne Artikel bei wired.com an Herz und Hand gelegt).

Gleichwohl: Das wahre Vergnügen sollte eigentich doch DIY im Umgang mit dem Original zu haben sein. In diesem Sinne...

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P.S.: Dass wir den Luftpolsterfoliengeburtstag heute feiern, hat schon auch seinen Grund. Eigentlich ist ja der letzte Montag im Monat Januar der offizielle Bubblewrap-Day. Aber den haben wir leider verploppt verschlafen. Und finden nun, dass sich der letzte Tag im Januar, zumal er auf einen Sonntag fällt, nicht weniger fürs Grosse Ploppen eignet...
[Bildchen: Wovor sich wer hier zu fürchten hat, braucht eigentlich keines weiteren Kommentars. Und ob die Tarnung wirklich weiterhilft, darf angesichts des zu erwarteneden Schicksals jeder LPF wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden...]

Von miss.gunst am 31.01.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.01.10

Acoustic Spacelab

rtsk-ksw.gifWeiter geht's mit der akustischen Weltraumforschung - und zwar mit dem Projekt einer Organisation die sich schon seit langen Jahren auf diesem Gebiet tummelt.

Vor einiger Zeit - nämlich im Zusammenhang mit einem kleinen Eintrag zur Ausstellung WAVES, die 2008 im HMKV Dortmund Station gemacht hat - gab es in diesem Log.Buch einen Hinweis auf das RIXC Center for New Media Culture in Riga, wo die Welle ursprünglich entwickelt worden war.

Und das war eben weder die erste noch die letzte Aktivität, die das RIXC dem elektromagnetischen Spektrum gewidmet hat. Zuvor gab es bereits ein Festival zur Spektrographie, als Teil von Waves eine Solar-Radiostation in Zusammenarbeit mit Radio Astronomy (siehe auch den Eintrag vom 21.05.2006), 2008 wurde noch einmal ganz gross zur Spectropia aufgerufen.

rtsk-g01.gifDie Initialzündung kam jedoch bereits 2001 mit dem Acoustic.Space.Lab, aus der dann als Langzeit-Kooperation von RIXC mit Derek Holzer (mehr im hauseigenen Archiv), RadioQualia (s.o./dito), dem Projekt Atol aus Ljubljana und der Initiative L'audible aus Sydney das gross angelegte Acoustic.Space.Research.Lab-Projekt und die genannten Veranstaltungen hervorgehen sollten.

Leider sind diese beiden Plattformen inzwischen Ruinen Geisterhäuser, insofern zwar die Fassaden noch stehen - aber nurmehr wenige Zimmer eingerichtet sind bzw. viele der internen Lnks ins Leere führen. Aber immerhin lassen sich der Zusammenfassung die Basisdaten zum Programm, zu den beteiligten Akteure und den Publikationen entnehmen - was so gesehen ja auch schon weiterführt.

Einzelne Texte aus den RIXC-Readern sind online auf den gleichnamigen Archiv-Seiten des Zentrums zu finden. Und die seinerzeit aus der Projektarbeit im Acoustic.Space.Lab hervorgegangene CD "Radio Astronomy" (2004) wurde inzwischen bei archive.org hinterlegt. Insofern gibt es für FreundInnen der akustischen Weltraumforschung bzw. Welt-Raum-Forschung also Einiges zum Nachhören und -lesen. Was hiermit wärmstens empfohlen sei.

[Bildchen: Ist eine Hommage ans erste Acoustic.Space.Lab - das Originalfoto, welches nicht ganz unpassender Weise das Radio-Teleskop des Mount Pleasant Radio Observatory von Tasmania in Australien zeigt, verdanken wir der Wikimedia Commons-Spende von Noodle snacks - und wie dieses ist die Variation unter cc-by-sa lizensiert. Grand Merci!

Von miss.gunst am 12.01.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.01.10

Amateur-Radio-Astronomie

ara-ksw.gifAllen denjenigen, die sich noch intensiver mit der Radioastronomie beschäfigten wollen, lassen sich im Anschluss an Radio Jove noch weitere Plattformen ans Herz legen, auf denen nützliches Wissen und Anregungen vermittelt werden, wie man selbst aktiv werden kann.

Vorab kann zur Anreicherung des Basiswissens zum einen die Lektüre jeweils des deutschen und des englischen Wikipedia-Eintrags zum Thema empfohlen werden.

ara-g01.gifBeide enthalten natürlich auch Verweise auf jede Menge weiterer Ressourcen - und der deutschsprachige hat sogar einen Anker zu einem kleinen Extra-Eintrag zur Amateur-Radioastronomie. Der wiederum führt zu den Projektseiten von Antares e.V., der entprechend engagierten Volkssternwarte im (nord-)österreichischen Michelbach. Hier haben die Michelbacher nicht nur die Einrichtung des eigenen Teleskops dokumentiert, sondern auch eine anschauliche illustrierte Einführung zu Radioteleskopen bereit gestellt.

Aus unerfindlichen Gründen (noch) nicht unter den Wikipedia-Verweisen zu finden sind die Heimseiten des ERAC - The European Radio Astronomy Club. Als Dachvereinigung vereint die ERAC nämlich zahlreiche Vereinigungen und Initiativen aus verschiedenen Ländern - und bietet über ihre Heimseiten den Zugang zu einem denkbar breiten Spektrum an Informationen und Ressourcen rund um die Radioastronomie. Zudem oganisiert sie regelmässig Workshops und Konferenzen, zu denen Enagierte zusammenkommen, um sich über ihre Projekte, Forschungsergebnisse und natürlich über praktisches Wissen auszutauschen.

ara-g02n.gifNicht weniger rührig ist der Schwesterverband in der Heimat von Radio Jove, also jenseits des grossen Teichs: The Society of Amateur Radio Astronomers (SARA). Am Spannendsten ist natürlich die Sektion, in der die Projekte aus allen Bereichen der Radioastronomie vorgestellt werden.

Und wenn wir schon mal auf den Wellen so weit gereist sind, sollte schliesslich auch ein Besuch bei Radio Sky Publishing nicht fehlen.

Vom lässig über FAQ vermitteltem Basiswissen über ein gut sortiertes Spezialangebot zu den Radioemissionen der verschiedenen Planeten und anschaulich dokumentierten Projekten bis hin zu einer feinen kleinen Sektion namens "Fun Stuff", in der sich Juwelen der Amateur-Radiostronomie-Geschichte finden.

Bleibt am Ende vielleicht allenfalls noch die Frage, ob nicht sogar Kosmos mal einen Kasten namens "Der kleine Radio-Amateur-Astronomicus" entwickelt hat...


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Von miss.gunst am 08.01.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.01.10

Radio Jove

jrtsk-ksw.gifWann immer man lustig ist, ein bisschen Planetenradio hören zu können, ist für sich schon einigermassen sensationell. Und mindestens für FreundInnen von Noise-Musik ein idealer Zeitvertreib.
Da könnte natürlich durchaus der Ehrgeiz keimen, selbst eine kleine Empfangsstation zu errichten.

Wer jetzt meint, das sei nur etwas für professionelle WeltraumforscherInnen, indes sich alle anderen eher darauf bescheiden sollten, im heimischen Studio selbst Sounds from Outer Space zu generieren (geht natürlich, s. etwa die Musik von Mars), irrt.

Mit Radio Jove - nicht umsonst auch eine der Partnerorganisationen von Radio Astronomy - gibt es nämlich ein von denkbar berufener Stelle: der Nasa betriebenes Projekt, das angehenden Planetenradio-AmateurInnen auf die Sprünge helfen will.

jrtsk-g1.gifErst einmal bevorratet die Webseite von Radio Jove reichlich didaktisch gut aufbereitetes Unterrichtsmaterial, das bestens in die an sich ja ziemlich komplexe Materie einzuführen geeignet ist. So sind die eigentlich für den Unterricht gedachten "Student questions with answers" im Zweifelsfall auch ganz prima, um längst in eher abgelegene Gedächtnischubladen weggerutschtes Basiswissen wieder aufzurufen und in der Sektion "Library" gibt es nicht nur eine gut sortierte Liste mit online-Publikationen, sondern auch die kompakten "Science Briefs" und das über die aktuellen Aktivitäten in Sachen Weltraumradiowellenforschung informierende Jove Bulletin. Kurzum, wer verstehen will, was man eigentlich so hört, wenn man dem Planetenradio lauscht, ist schon mal an der richtigen Adresse.

Darüber hinaus ermuntert die Organisation aber tatsächlich auch dazu, selbst aktiv zu werden und ganz praktisch in die Radio-Astronomie einzusteigen. Erklärt wird nicht nur, wie ein Radioteleskop funtioniert, sondern auch, wie man eines selbst bauen kann - und damit das gelingt und das Gerät dann auch tatsächlich genutzt werden kann, gibts neben Hardware-Kits auch gleich die geeignete Software, um die empfangenen Daten auszuwerten.

Wer freilich in einer einigermassen belebten Stadt wohnt, wird einige Mühe haben, eine taugliche Empfangsstation zu errichten. Oder besser gesagt: Aufbauen lässt sich so ein Teleskop, ein wenig Platz auf der Wiese vorausgesetzt, selbstredend überall. Nur was es dann alles so empfängt und wieviel davon tatsächlich Emissionen aus den unendlichen Weiten des Weltraums sind, das ist wieder eine andere Frage...

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[Bildchen: Ja eben, so kann's gehen, wenn man sein Amateurteleskop in einem Zürcher Hinterhofgärtlein installiert. Wobei eingestanden werden sollte: Die störenden Frequenzen, die sich unters Planetenradio mischen, sind eher als Rauschen im Rauschen zu vernehmen. Aber möglicher Weise hat unser Lauscher ja an eine Sendung mit zünftigem Noise gedacht. Das imaginierte Teleskop-Modell wiederum ist zwar ein bei Backyard-Astronomen gebräuliches, entpricht allerdings nicht jenem, welches man aus dem Jove-Kit basteln kann. Letzteres hat keinen Schirm - was Freihand gezeichnet leider eher nach Wäschespinne ausgeschaut hätte...]

Von miss.gunst am 03.01.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.12.09

Schöner Sternchen Stechen (PRICKBOT)

rspb-ksw.gifSelber mit Nagel und Nadel Sternchen in den Himmel zu stechen ist schön - noch schöner ist es allerdings, wenn man Sterne stechen lässt. Von wem? Nun, da hätten wir doch glatt einen guten Vorschlag, der ausserdem die Herzen der Fans und FreundInnen kleiner Kunstmaschinchen höher schlagen lassen dürfte.

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Auf ein entsprechend entstandenes oder besser gesagt: gerade entstehendes nächtliches Firmament konnte stossen, wer im Mai diesen Jahres das Vergnügen hatte, die Ausstellung des zweiten "Art of the Overhead"-Festivals in Malmö zu besuchen.
[Mehr zum Festival im hauseigenen Archiv - und hätte es damals mehr Zeit gehabt, den gesamten Kulturbeutel auszupacken, dann wäre dieser Log.Buch-Eintrag auch schon ein paar Monate früher erschienen...]

rspb-g02.gifIn einer ansonsten finsteren Nische der weitläufigen Kellergemächer des alten Hafengebäudes glimmte dort mählich ein heller Stern nach dem anderen auf. Wirklich sehr, sehr schön schaute das aus. Das Einzige, was die aufwallende Rührung für einen Moment im Zaum zu halten half, war nachgerade genialisch schlichte Konstruktion, die diesen Sternenhimmel hevorzuzauberte:

rspb-g03.gifÜber der Lichtplatte eines Overhead-Projektors ist in einem Rahmen ein Stück Alufolie gespannt. Und in die werden von einem kleinen, fleissigen Roboter, der in langsamen, erratischen Bahnen auf der Lichtplatte seine Kreise zieht, von unten Löcher in der Folie gepiekt.

PRICKBOT - so heisst der kleine Sternenhimmelstecher nämlich bzw. die gesamte Installation - ist ein Werk des Kölner Künstlers und Miniaturroboterzüchters Ralf Schreiber (s.a. die mittlerweile ziemlich zahlreichen Einträge im hauseigenen Archiv).

rspb-g04.gifTatsächlich ist er ein Verwandter der nicht minder wunderbaren Overhead-Bots und gehört so gesehen auch der Grossfamilie von Schreibers Living Particles an: Wie diese nährt er sich von Licht - nur dass er eben anstatt zu zwitschern und zu summen hin und wieder vor, zurück und seitwärts ruckelt und anschliessend seine kleine Nadel hebt.

Wie zu venehmen ist, soll der PRICKBOT demnächst sogar Geschwister bekommen, die mit unterschiedlich grossen Nadeln dann noch schönere Sternenhimmel stechen können.
Anzuhimmeln aller Wahrscheinlichkeit im Rahmen des von Beyond Expression organisierten Trans/Natural-Festivals ab 27.02.2010 in Amsterdam.

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[Bildchen: Die Fotos der tief ins romantische Herz piekenden gestirnten Nacht und des kleinen Sternenstechers hat Ralf Schreiber selbst auf dem "Art of the Overhead"-Festival gemacht. Wir danken herzlichst für die Bilder und die Erlaubnis zur Reproduktion - und winken bei dieser Gelegenheit nicht nur nach Köln, sondern auch noch mal ganz herzlich nach Malmö. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 29.12.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.12.09

flipdot hackerspace

fdks-ksw.gif"Hackerspace" ist ein Begriff, der erst einmal ziemlich abgedriftet klingt - dabei meint er doch schlicht, was er sagt: Dass Menschen, die sich experimentiefreudig ans Zerlegen, Um- und Neubauen von Hard- und Software machen, auch Raum brauchen.

Schon klar: Das populäre Bild des Hackers bannt diesen einsam an Tastatur und Schirm. Und an diesem Bild ist natürlich auch etwas dran: Tüftelei kann schnell zu einer einsamen Angelegenheit werden. Schliesslich braucht es dafür Ruhe und Konzentration.

Aber eben auch Austausch: Von Ideen, Tipps und Tricks, von Werkzeugen und von Material. Darum gibt es Hackerspaces - und einer davon ist, gerade erst gegründet und daher noch im Entstehen begriffen: flipdot.

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Die Kasseler Vereinigung, von der bereits im letzten Log.Buch-Eintrag die Rede war, geht zurück auf eine Initiative von Helmut Fligge (Elektrotechniker und Solaringenieur mit gleichzeitiger Neigung, hin und wieder auch mal Sinnlos Blinkende Objekte zu basteln), Reinhold Weber und Olaf Val (der als experimentier- und spielfreudiger Künstler und Bastler den LeserInnen dieses Log.Buchs längst kein Unbekannter mehr ist).

Im Vorfeld der Gründungsveranstaltung haben die flipdotter denn auch gleich einen einladenden Clip gedreht, in dem anschaulich erläutert wird, was denn eigentlich ein Hackerspace im Allgemeinen ist und wie gut sich ein ebensolcher in der lokalen Praxis machen kann.

Nun könnten notorische Nörgler natürlich nölen: Was geht uns eine lokale Hackerspace-Gründung in Kassel an? Kassel ist weit weg und interfiction schliesslich nicht alle Tage...

fdks-g01.gifTja, nur nicht neidisch werden. Aber darüber hinaus pflegen Initiativen, die sich unter den Vorzeichen des Austauschs und kollektiver Produktivität zusammenfinden, auch über den eigenen Radius hinaus tätig auszustrahlen.

Wie man aktuell bereits am und im flipdot-Blog sehen bzw. lesen kann, in dem über das lokale Geschehen hinaus regelmässig Interessantes gepostet wird.

Und zudem steht zu erwarten, dass sich mit der Zeit auch das flipdot-Wiki mit einschlägigen Inhalten füllen wird.

Damit die flipdotter zukünftig so richtig loslegen können, braucht es freilich noch das Allerwichtigste: Nämlich einen Raum, in dem sich der Kasseler Hackerspace dauerhafter einrichten kann.
Bei der hoffentlich alsbald von Erfolg gekrönten Suche wünschen wir natürlich Glück!

[Bildchen: Sind alle von flipdot - für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe geht ein Dankeschön an alle flipdotter. Merci!]

Von miss.gunst am 18.12.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.11.09

Arduino

aui-ksw.gifA propos Arduino. Wer sich für's LilyPad begeistert, sollte sich vorher in Grundzügen natürlich mit dessen Basiselement, dem Arduino-Board beschäftigt haben.

Da ein Blick in unseren hauseigenen Zettelkasten zeigte: Bislang gab's immer mal wieder Querverweise, aber noch keinen eigenen Eintrag zum Thema, wollen wir doch auf die Schnelle mal ein paar Basisdaten zusammentragen:

Einen schönen, kompakten Einstieg bietet schon mal der Wikipedia-Eintrag zu Arduino, der allem voran erklärt, was das Ganze ist: Nämlich eine aus Soft- und Hardware-Komponenten bestehende Physical-Computing-Plattform (leicht tautologisch, den "Physical Computing" meint natürlich genau dies, die Verbindung vom Soft und Hardware), die auf Open Source Basis entwickelt wurde bzw. weiterentwickelt und vertrieben wird.
Massgeblich von ihren ErfinderInnen, dem Team von tinker.it.

Der Artikel vermittelt natürlich auch in der gebotenen Kürze, wie ein Arduino-Board funktioniert. Wer sich für Arduino interessiert, sollte aber trotzdem am besten alsbald die Heimseite des Projekts, arduino.cc aufsuchen. Dort findet man von Dokumentationen bis zu Foren wirklich alles, was das Nutzer- und Entwicklerherz begehrt.

aui-g.gif

Aber vielleicht ist das für jene, die frischweg losbasteln wollen, schon fast wieder ein bisschen zuviel?
Dann müssen erfahrungsgemäss Tutorien her. Von denen hat es selbstredend ebenfalls eine schöne Auswahl auf den arduino-Seiten.

Es gibt aber auch eine empfehlenswerte deutschsprachige Plattform zu Arduino - Freeduino Arduino Microcontroller. Und die stellt im Bereich "Tutorials" gleich eine ganze Auswahl von Webseiten und Publikationen, die von einer projektorientierten Einführung in die Materie bis hin zu Arduino-Bibeln für eingeschworene Mitglieder der Gemeinde so ziemlich alles fuer zu ziemlich alle BastlerInnen-Typen bieten. Davon sind allerdings, zugegeben, die meisten wieder nur in inglisch zu haben.

Mit die netteste und nachhaltigste Möglichkeit, sich in die Materie einweihen zu lassen, stellen natürlich Workshops dar. Wie zum Beispiel? Ja, auch dazu hätten wir etwas. Wird dann aber in einem eigenen Eintrag vorgestellt...

[Bildchen: Nicht, dass wir keine eigenen Fotos von Arduino-Boards gehabt hätten (abwarten, da kommen demnächst wieder welche). Dieses hier stammt jedoch aus dem oben verankerten Arikel in der Wikipedia bzw. aus den Wikimedia Commons und hat die Ehre, von Nicholas Zambetti/tinker.it persönlich für die Nutzung unter cc-by-sa freigestellt worden zu sein. Mille Grazie!]

Von miss.gunst am 30.11.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.11.09

Lilypad Arduino (Buechley)

lpa-ksw.gifSeerosen für die Kunst? Manche denken da automatisch an Claude Monet. Menschen mit Neigung zur kreativen Elektronik-Bastelei, die zugleich gern Hand an Textiles legen, lässt sich jedoch noch eine andere Nymphaceen-Art empfehlen: Leah Buechleys LiliPad Arduino.

Bei dieser Blüte handelt es sich nämlich um einen kleinen, feinen Bausatz, mit dessen Hilfe sich ebenso elegant wie einfach elektronische, computergesteuerte Funktionen in Kleidung und andere Projekte mit Textilien integrieren lassen.

lpa-g.gifLiliPad Arduino holt das, was man bislang tendenziell mit High-Tech-Wearables assoziiert hat, in die Werkstatt experimentierfreudiger Craftistas.

Damit der Einstieg niemandem schwerfällt, finden sich auf den Heimseiten des Projekts anschauliche Anleitungen, wie man das LilyPad an die eigene Hardware andockt und konfiguriert, die Software installiert und so weiter.

Anregungen, was man dann Feines mit dem LilyPad anfangen kann, gibt es natürlich auch.

Und wer dann so richtig loslegen will, findet im Bereich "Share it!" nicht nur einen Anker zum LilyPad FlickR-Pool, in dem die wachsende Fan-Gemeinde Bilder von entstehenden und vollendeten Projekten postiert.
Sondern auch eine kleine Auswahl von Ankern zu LilPad-Anleitungen auf unserem heissgeliebten instructables - unter denen die eine oder der andere sicher ein feines Projekt für ein passendes Weihnachtspräsent zum Wichteln finden kann...

[Bildchen: Eine wunderschöne Stickarbeit mit LilyPad Arduino aus dem FlickR-Pool "A tribute to Leah Buechley" von Becky Stern - einer phantastischen Elektronikbastel-Künstlerin, der wir demnächst unbedingt auch einmal einen eigenen Eintrag widmen müssen... Lizenz ist cc-by-sa. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 28.11.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.11.09

Handmade Nation

hmn-ksw.gifWo es liegt, das gelobte Land der neuen Handarbeitskultur? Ist vielleicht in mehrfacher Hinsicht eine schwierige Frage. Trotzdem gibt es schon seit längerem den Vorschlag einer Antwort.
Wie der bzw. die aussieht? Das verrät nicht nur die Sprache, in der die Überschrift dieses Eintrags gehalten ist.

hmn-g1.gifSondern auch ein Buch selbigen Titels, das Faythe Levine und Corney Heimerl im Herbst 2008 herausgebracht haben. Auf seinem Cover wird nämlich die säuberlich gestickte Kontur besagten Landes von zahlreichen Händen stolz emporgehoben. Nein, Grossbritannien ist es nicht und auch nicht Australien oder Kanada. Richtig geraten: Die "Handmade Nation", das ist Nordamerika.

Vielleicht nicht die Wiege des DIY-Prinzips per se - aber im Grunde sogar historisch-politisch mit dem Ethos des Self Made assoziiert. Sowie ganz sicher und unangefochten das Gebiet, von dem aus in den letzten Jahre die intensivsten Impulse in Sachen Selbstgemachtes kamen. In dem die bekanntesten Zentralorgane der Gemeinde beheimatet sind. Und die prominentesten Plattformen für den Vertrieb. Vor allem aber: Viele, viele engagierte Künstlerinnen und Designerinnen, die - teils mit, teils ohne einschlägige Ausbildung - mit handgearbeiteten Dingen nach vorn gegangen sind.

"Hand Made Nation - The Rise of DIY, Art, Craft, and Design" stellt eine Reihe von ihnen vor. Wobei Kapitel für Kapitel tatsächlich als Reise durch die USA und seine Indie-Szene kreativer Handarbeiterinnen funktioniert.

hmn-g2.gifNun hat Faythe Levine einen gleichnamigen Film fertiggestellt - oder besser gesagt: Eben jenen Film, von dem sie bereits im Vorwort des Buches erzählt. Letzteres basiert nämlich auf den Interviews und Porträts, die während ihrer Arbeit am Film entstanden sind. Und wie man sich vorstellen kann, fällt der umso spannender aus, als nun die im Buch porträtierten Craftistas selbst zu Wort können und man einen umso lebendigeren und zugleich differenzierteren Einblick in die Szene erhält.

Wann und wo man den Film sehen kann? Hoffentlich demnächst im Programmkino des Vertrauens. Wer darauf nicht untätig warten will, kann aber auch selbst Vorführungen organisieren. So haben das beispielsweise Steffi Müller und ihre Projektgruppe vom "Aufstand der textilen Zeichen" (s. d. Eintrag vom 22.11.09) gemacht, wo "Handmade Nation" im DIY-Sonntagskino zu sehen war - Skype-Chat mit Faythe Levine inklusive.
Und schliesslich wird man demnächst wohl eine DVD des Films erwerben können - hoffentlich auch in Deutschland und der Schweiz...

[Bildchen: Oben das schöne Stickerei-Patch aus Faythe Levines Projektblog, zu dem man übrigens auch eine Anleitung bei Etsy erstehen kann. Der Erlös kommt dem Film zu Gute. Unten rechts dann das Cover der DVD zum Film. Great many thanks to Faythe Levine for allowing the use of the Handmade Nation logos here - and for the great piece of work she has done!!!]

Von miss.gunst am 25.11.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.11.09

insektenmusikfilm (liechti)

plsoi-ksw.gifZwischendurch wieder einmal ein Eintrag für FreundInnen und Fans von Insektenmusik. Die kann man nämlich jetzt nicht nur hören, sondern auch sehen - mit ein bisschen Glück sogar im Lichtspielhaus des Vertrauens...

Der Schweizer Filmemacher Peter Liechti - den die Kunstszene unter anderem über seine Porträts von Roman Signer kennt ("Zündschnur" von 1990 und "Signers Koffer – Unterwegs mit Roman Signer" von 1996) - hat jüngst einen neuen Filmessay fertiggestellt, in dem es recht vernehmlich summt und brummt.

plsoi-g.gifGleichwohl ist "The Sound of Insects - Record of a Mummy" - zu deutsch: "Das Summen der Insekten – Bericht einer Mumie", wie denn auch schon der Untertitel verrät, keine Dokumentation über agile Sechsbeiner. Sondern vielmehr ein Stück Filmkunst, das eine Geschichte erzählt: Von einem Jäger, der einen unheimlichen Fund macht - und natürlich von diesem Fund...

Zugleich wäre "The Sound of Insects" kein Film von Peter Liechti, wenn es dabei nicht auch um experimentelle Bild- und Tonkunst ginge, die ihre eigenen Narrationen entfalten. So zeichnet für die Fimmusik kein geringerer als Norbert Möslang verantwortlich (mehr s.a. im hauseigenen Archiv), der dabei unter anderem mit Tomas Korber und Jason Kahn zusammengearbeitet hat.

Kurzum: In jedem Fall eine Empfehlung - auch für jene, welche weder ein Faible für seltsame Geschichten noch für kleine Krabbler haben. Dass für diese wie für jene "Das Summen der Insekten" süsses Pflichtprogramm ist, versteht sich wohl von selbst.

[Bildchen: Ein stummer Schwarm. Nur stellvertretend einegfangen. Bei Peter Liechti sieht so etwas natürlich ganz anders aus. Und hat selbstredend Sound.]

Von miss.gunst am 07.11.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.11.09

zeichenmaschinen zuschauen

zmvk-ksw.gifEndlich wieder einmal ein Eintrag für FreundInnen von Zeichenmaschin(ch)en - und zugleich eine schöne Gelegenheit für eifrige BastlerInnen, sich mal als Sofakartoffeln genüsslich zurückzulehnen.

Vorher und hinterher wird erst recht gebastelt, ist doch klar. Woran? An Zeichenmaschinen natürlich.

Gary Warner - ein in diesem Metier aktiver Künstler und Elektronikbastler - hat nämlich die gloriose Idee gehabt, auf Vimeo einen Kanal einzurichten, auf dem es Clips von und mit Zeichenmaschinen anzuschauen gibt. Stolze fünfundvierzig (in Zahlen: 45) Exemplare wurden bis dato eingestellt.
Und als echte Fans freuen wir uns natürlich sehr, dass man dort alten FreundInnen wie sichtbar unsichtbar und Pünktchen Anton wiederbegegnen kann. Das wiederum verdankt sich Andres Wanner aka pixelstorm - der sie seinerzeit zusamen mit anderen Arbeiten seiner Aarauuer Studierenden auf dem Zürcher DIY Festival 2007 präsentierte.

Andres gilt auch unser Dank für diesen tollen Fern-Seh-Tipp - Merci Merci!!!

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Von miss.gunst am 02.11.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.10.09

DIY Poltergeist

gpfpff-ksw.gifZugegeben: Poltergeister haben die meisten nur dann gern, wenn sie auf sichere Distanz ihr Spukwesen treiben. Auf der Leinwand oder der Mattscheibe. Bei den Nachbarn. Aber bitte nicht in den eigenen vier Wänden. Wer hingegegen gern selbst ein Poltergeistlein hätte, der sollte bei f18 in die Lehre gehen.

Die Hamburger Robotiker und Elektronikbastler wissen nämlich, wie man eine gute Portion spukhaftes Leben in der heimischen Küche installiert.

gpfpff.gifEin zünftiger Prototyp namens "Living Kitchen - Happy End of the 21st Century", 2006 entstanden und aus gegebenem Anlass in der Ausstellung des Shiftfestival zu bestaunen (mehr zu belebten Interieurs: auf den f18-Heimseiten unter "Projects"). Da klappern die Wandschranktüren mit Tellern und Tassen um die Wette, auf dem Tisch drehte der Kaffeelöffel Pirouetten dazu.
Die ideale Hausmusik für PoltergeistfreundInnen mit Neigung zur elektronischen Bastelkultur. Und vielleicht auch eine nette Idee für Menschen, die allein leben, aber dabei nicht einsam sein wollen.

Das beste daran: Wenn die Poltergeister dann doch mal nerven, muss man nur den Stecker ziehen. Und schon ist wieder verlässliche Ruhe im Karton Küchenschrank...

[Bildchen: So schnell kann's gehen mit der Be-Geisterung... Unser Dank gilt Eric Pierce, der (s)seinen Herd fotografierte und den Wikimedia Commons spendete. Wie dieser sind nun auch die polternden Pfannen unter cc-by-sa lizensiert.]

Von miss.gunst am 29.10.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.10.09

DIY Ektoplasmen

eekto-ksw.gifDass die spiritistischen Medien ihrerzeit einen höchst produktiven und ziemlich kreativen Umgang mit Medien-Apparaten und -Technologien pflegten, hat sich längst herumgesprochen. Das gilt natürlich auch für ihre Hervorbringungen wie die sogenannten Ektoplasmen.

eekto-g.gifWenn diese Auswürfe dem medialen Körper abgerungene Geisterscheinungen vorstellen und dementsprechend ihrerseits geisterhaft wirken sollten, liess sich Letzteres besonders gut vor der und für die Kamera inszenieren, wie ganze Konvolute spiritistischer Fotografien belegen.

Aus zeitgenössischer Perspektive mag es da erst einmal konsequent erscheinen, hierfür ohne Umwege gleich die digitale Kamera-Technologie zu engagieren, wie dies im Rahmen des Shift-Festivals Renaud Loda und Sebastien Verdon in ihrer Arbeit "Ektoplasm" (2009) vorschlugen, die als Teil der Nachwuchsschau "in progress" zu sehen war (weitere Bilder auch in Renaud Lodas Blog).

Näher an der Sache dürften gleichwohl jene Ektoplasmen sein, die Zoe Beloff in ihrer wunderbaren Arbeit "The ideoplastic materializations of Eva C" - wiederum im Rahmen der Hauptausstellung des shiftfestivals zu sehen - eben nicht nur imaginiert, sondern auch materialisiert und dann wieder medialisiert hat. Gazeschleier und Seidenhandschuhketten: In einem Instructables-Blog für DIY-Medienkultur würden diese prächtigen Exemplare wohl beste Bewertungen von der Gemeinde eingestrichen haben...

[Bildchen: Naja, ein selbst produziertes Ektoplasma eben...]

Von miss.gunst am 26.10.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.10.09

DIY schallplatten

glrb-ksw.gifZu spät für eine Ankündigung - aber in den Zettelkasten soll dieser Eintrag doch auch im Nachhinein noch wandern. Allein schon, weil es unter HeimwerkerInnen im Umfeld von HOME MADE ja nicht nur FreundInnen von Selbstgedrehtem hat, sondern auch solche, die nach wie vor den Dreh von Turntables bzw. deren traditionellem Belag schätzen.

Der in Frankfurt angesiedelte Verein zur Förderung von Phonographie und experimenteller Musik lädt seit einiger Zeit schon regelmässig zu spannenden Konzertabenden ein, die meist im Bunkerhorst des Instituts für Neue Medien stattfinden.

glrb-g.gifDort wurde nun - passender Weise parallel zu Buchmesse, die aus anderen nahe liegenden Gründen Anlass zum Nachdenken über die Nachhaltigkeit analoger Medien und ihrer materialen Poetik gab - zu einem Workshop geladen: Kein Geringerer als Theo Goodman a.k.a. buckettovscissors (mehr im hauseigenen Archiv) führte in die hohe Kunst der "Primitiven Schallplattenherstellung" ein.

Lernen konnten die TeilnehmerInnen dabei unter anderem, wie man selbst Schallplatten aus Klebstoff giessen oder auch CDRs mit per Nadel abspielbaren Rillen versehen kann. Für phonographische Aufnahmen ziselierter Violinkonzerte sind solche DIY-Tonträger vielleicht nicht so geeignet. Aber wer ein Herz für Geräuschmusik hat, findet auf diese Weise garantiert ein Stück vom Glück!

[Bildchen: Zwar sind Klebstoffschallplatten von der Anmutung her umgekehrte Schellacken - also weiss wie dieses Exemplar, das wir auf unsere Weise aus einer echten Vinylscheibe gegossen haben (der Dank für deren leihweise Überlassung geht an Wkimedia Commons-Spender 能無しさん und unser Exemplar ist nun wie dieses unter cc-by-sa lizensiert. Echte Glue Records schauen aber trotzdem anders aus - Fotos vom Workshop gibts bei Flickr.]

Von miss.gunst am 20.10.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.10.09

selbstgedrehtes

sgh09-ksw.gifA propos Halle. Da hätten wir noch etwas für den DIY Zettelkasten: "Selbstgedrehtes". Hat nichts mit gerollter Rauchware zu tun, sondern ist ein in der Saale-Stadt beheimatetes Mini-Festival für - ja, genau: Selbstgedrehtes.

Noch genauer gesagt, geht es um selbst gedrehte "Kurzfilme junger FilmemacherInnen aus der Region Mitteldeutschland / Sachsen-Anhalt (insbesondere Halle, Leipzig, Weimar und Dessau)".

"Selbstgedrehtes" steigt bereits zum siebten Mal in Folge. Bis Mitte September konnten Kandidaten eingereicht werden, dann schaute eine kundige Jury darauf. Die Ergebnisse der Auswahl können am heutigen Mittwoch Abend (14.10.09) sowie noch einmal am 20.10. in Augenschein genommen werden - und in diesem Zuge wird auch noch ein Publikumspreis vergeben.

sgh09-g.gif

Vom bislang Prämierten gibt's leider erst ein einziges Werk zu beäugen, "Agua" von Alejandro Valbuena aus 2007. Macht Lust auf mehr. Wenn nicht online, dann vielleicht vor Ort? Oder auch umgekehrt, hoffen wir mal aus der Ferne. Denn Selbstgedrehtes finden wir doch (fast) immer gut...

Von miss.gunst am 14.10.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.09.09

little bits

tlbtlb-ksw.gifEin ganz bescheidener Name: "little bits". Trifft rein äusserlich auch zu - aber es handelt sich um richtig tolle kleine Teile.
Und, wenn man das mal so sagen kann, eins der absoluten Highlights unter den Projekten, die es auf der diesjährigen ars electronica zu sehen gab.

tlbtlb-01g.gifZu entdecken waren sie in der bereits entsprechend annoncierten Ausstellung des MIT Media Lab im Rahmen von Campus09.

Das Basisprinzip von little bits sind kleine Leiterplättchen, die vorweg bereits so weit zurechtgelötet und mikromontiert sind, dass sie auch von Menschen ohne weitergehende Kenntnisse in Elektrotechnik und Programmierung verwendet werden können. Die auf unterschiedliche Einsatz-Optionen hin vorbereiteten "Kleinen Teile" können dann nach dem Bausteinprinzip frei miteinander kombiniert werden - zusammengesetzt bzw. gehalten werden sie von Magneten.

tlbtlb-02g.gifWenn man sich also die richtigen Bausteinchen holt, kann man im Prinzip sogar klick-klack eine Kaffeemaschine zum Laufen bringen - wie eins der Little Bits-Videos auf Vimeo anschaulich demonstriert.

Alles Wissenswerte über die tollen Kleinen Teile lässt sich auf der Heimseite des Projekts erfahren. Und eine kompakte Einführung im Clip-Format gibt es auch dazu.

Bleibt HOME MADE-seitig eigentlich nur, vor Ayah Bdeir (die beiseit bemerkt übrigens schon reihenweise spannende Projekte entwickelt hat, unbedingt anschauen!) und ihrem Team den Hut zu ziehen:
Die little bits sind wirklich toll - zumal sie OS entwickelt worden sind. Sie laden also zur aktiven Beteiligung.
Auf dass sich die Familie der Kleinen Teile in Zukunft noch weiter mehrt...

[Bildchen: Auch kleine Teile. Aber offenkundig nicht die little bits, von den obig die Rede ist. Tatsächlich sind diese hier aus dem Sommercamp im Ticino entlaufen. Ja, dazu gibt's demnächst auch nochmal mehr... ;)]

Von miss.gunst am 10.09.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.09.09

wiederhole wiederhole (WRT)

wdhwdh-ksw.gifGenauer gesagt: Grund zur Freude, denn es gibt eine Wiederholung von "Wiederhole 1-8"!
Wie bitte? Doch doch - und auch die etwas kryptische Überschrift des Eintrags bringt den Sachverhalt tatsächlich auf den Punkt.

"Wiederhole 1-8" ist nämlich ein Hörspiel, das der von uns über alle Massen geschätze Paralektronoiker (und Paralektronoia-Forscher) Felix Kubin ursprünglich 2008 für den WDR entwickelt hat.

wdhwdh-g1.gifErstausgestrahlt wurde es seinerzeit am 01.12.2008 - ohne dass es an dieser Stelle eine entsprechende Lauschempfehlung gegeben hätte. Auch auf die ja sonst bei radiophoner Klangkunst so seltene Option, den Genuss in den Wochen darauf noch per Podcast ab- und nachzuholen, gabs damals keinen Hinweis. Seither winden wir uns in tiefer Scham. [Naja, angelegentlich jedenfalls.]

Morgen zu denkbar früher zu wie üblich für Radiokunst tendenziell nachtwachender- oder schlafender Stunde nun winkt endlich die Erlösung aus dem Gewissensgrab: Ab 0:05 wird nämlich bei Deutschlandradio Kultur eine Wiederholung der Sendung ausgestrahlt [Tatsache: an einem Montag - nicht in der Reihe Klangkunst, sondern im benachbarten Genreschächtelchen namens Freispiel].

Womit dann endlich auch noch ein Wort über den würdigen Gegenstand verloren werden kann, dem sich das Ganze widmet und welcher auch (noch vor! der üblichen Schwärmerei) der Grund dieses eindringlichen Hinweises ist: "Wiederhole 1-8" handelt von Gebrauchsanweisungen. Also von jenen gern allen möglichen käuflich zu erwerbenden Dingen beigebenen Zettelchen, die uns - so wir in der Lage sind, ihre sehr eigene Sprache zu verstehen - mitunter sehr absurde Handlungen diktieren wollen. Eine Lektüre, die bekanntlich besonders dann lohnt, wenn man nicht auf sie angewiesen ist...

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Und da wir hier im HOME MADE-Logbuch ja stets interessiert sind, wie's funktioniert, wird das Datum - auch wenn es ja eigentlich ein Webradio-Tipp ist - im Zettelkasten notiert.

Von miss.gunst am 06.09.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.08.09

ipunk (berz)

sbipk-ksw.gifIPUNK. Gesprochen wird's natürlich "I-PUNK". Und zu diesem Bekenntnis hat das kleine Ding auch allen Anlass. Denn es ist ein ziemlich überzeugender, weil entsprechend tönender Beweis dafür, dass Punk noch lange nicht tot ist.

Sondern vielmehr: Erstens zäh und überlebensfähig. Weil zweitens in der Lage, sich weiterzuentwickeln. Und dabei drittens sich an Orten neu zu formieren, wo man ihn nicht vermutet hätte.

Wie beispielsweise in einer kleinen Blechkiste, die dereinst der Aufbewahrung von Tabakwaren der (DDR-)Marke "DREIPUNKT" diente.

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Einem Exemplar dieser Gattung hat Simon Berz ein paar Innereien verpasst, welche sie nun eben als DREIPUNKT am musikalischen Leben teilnehmen lassen.

Und siehe da: Aus dem braven Tabak-Kistchen ist ein echter Punk geworden.

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Drinnen in seinen Eingeweiden hat es nämlich Lichtsensoren und Oszillatoren; erstere werden über die namensgebenden drei Punkte bzw. in diesen befindlichen Löcher angesteuert, indem man eine Lichtquelle annähert und - um's mal so zu sagen: ergebnisorientiert einen oder mehrere der (Loch-)Punkte mit den Fingern bedeckt. Im Pinzip wie bei einer Flöte. Nur dass es eben über "Signal IN" statt über "Signal OUT" und so gar nicht übers Anblasen funktioniert.*.
Und in jedem Fall schön punkig tönt.

* A propos "anblasen" - da hätten wir dann auch ein neues Instrument. Das aber wiederum nicht mit Tönen, sondern mit farbigem Licht reagiert. Doch das soll natürlich einen eigenen Eintrag bekommen...


SGMK & HOME MADE - DIY LABOR TICINO 2009

Von miss.gunst am 27.08.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.08.09

DIY eiskrem

sgek_ksw.gifAus gegebenem Anlass und zumal es zu später Stunde rund um den Schreibtisch noch immer Saunatemperaturen hat, so dass auch der Rechner laut und vernehmlich nach Kühlung bzw. Ruhe ruft röchelt: Ein paar Rezepte, die genussvolle Linderung versprechen.

Klar kann man Eiskrem auch käuflich erwerben. Aber mal ehrlich: Eingefleischte BastlerInnen wollen auch in diesem Feld Kompetenzen erwerben. Wenn sie ebensolche nicht schon längst besitzen.

Letzteres scheint doch auf so einige jener sympathischen ZeitgenossInnen zuzutreffen, die ihr Wissen gerne weitergeben. Bei unserem Lieblingsbastelrezeptbuch Instructables beispielsweise hat es zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits dreizehn Seiten mit jeweils 20 Einträgen (macht also 260 bzw. werden demnächst sicher so viele sein - momentan fehlen noch ein paar). Nunja, nicht alle führen zum cremigen Glück. Aber doch mehr als genug, um etwas Passendes zu finden, das dem individuellen Geschmack, den zuhandenen Werkzeugen, Aufwandsbereitschaft und so weiter entspricht.

Empfehlungen sind vor diesem Hintergrund eigentlich müssig. Falls es doch welche brauchen sollte: scoochmaroos "Five Minute Ice Cream" - kaum von Ungefähr hoch in der instructables-NutzerInnen-Gunst gelistet - ist wirklich schnell und einfach nachzumachen. So man einen guten Mixer hat (ansonsten wirds schon ein bisschen in die Arme gehen).

Nochmals schlichter und sogar MilchallergikerInnen-freundlich ist das "Quick'n'Easy"-Rezept von Labot2001 (sieht ehrlich gesagt nicht so lecker aus und wir habens persönlich auch nicht getestet - aber anderen hat's wohl geschmeckt, wie die Kommentare verraten).

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Vom bastlerischen *wow*-Effekt her schiesst in der Kategorie "erstaunlich einfach" aber sicher die Instruktion von compatta den Vogel ab: Mit einem Eiskremgerät, das aus einer Hamsterkugel gebastelt wird.
Vegetariern unter den Eiskrem-Fans empfiehlt es sich, den Hamster vorher aus der Kugel zu entnehmen. Und allen anderen - ja, war ein kleiner Scherz - selbstredend auch.

[Bildchen: Das wohl einfachste Rezept: Eine schmackhafte Flüssigkeit mit geeignetem Gefrierpunkt gen selbigem herunterkühlen. Vorher ein Stielchen in den Behälter stecken. Nach Verfestigung entnehmen. Schleck. Imaginiert haben wir das hier für Menthe à l'Eau - und danken Wikimedia Commons-Spender Editor at Large für den Eiswürfel, der die Vorlage lieferte. Wie dieser steht unser Eis unter cc-by-sa.]

Von miss.gunst am 19.08.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.08.09

DIY helden des alltags

khr_ksw.gifManchen mag es unwahrscheinlich erscheinen, aber es ist eine schlichte Tatsache: Den wahren Helden begegnet man doch im Alltag.
Höchste Zeit, das einmal zu würdigen...

Eine wunderbare DIY-Anleitung, wie man sich diese bzw. jegliche Art von Helden des Alltags höchst anschaulich vor Augen führen kann, gibt es bei Olie Bollen, einem amerikanischen Designerladen für Kindersachen.

Margaret Schankler, die ihn als "stay-at-home mom with a stubborn addiction to childish living" gegründet hat und seither erfolgreich führt, hat sich das Ganze ausgedacht. Sie gibt das Motto "be a nicer kinda heroe" (also: "sei eine nettere Art von Held/in" - gleichlautend mit: "sei ein/e nettere Kinderheld/in") aus. Und zeigt netter Weise eben auch gleich, wie das Schritt für Schritt geht.

Man bnötigt eigentlich nur Schere, Stift, Papier - und natürlich einen scharfen Blick für den Alltag, in dem es sich auch an den unwahrscheinlichsten Orten nur so von wahren Helden tummelt...

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[Bildchen: Voilà! Auch wir haben einen echten Superhelden des Alltags an einem höchst alltäglichen Ort entdeckt.]

Von miss.gunst am 13.08.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.08.09

what you really need (mit WRT)

wyrn_ksw.gifWas man wirklich braucht: Das tönt definitiv nach nützlichem Wissen!
Um so besser, wenn das Ganze zudem einen Do-It-Yourself-Aspekt hat.
Und zudem noch mit Kunst zu tun.

Das Projekt an sich ist zwar schon gelaufen, aber eigentlich* so lecker dokumentiert, dass es fraglos lohnt, es aus den von der berühmt-berüchtigten Warteschlange bewachten Sedimentschichten unseres Kulturbeutels in den Zettelkasten hinüberzuschaufeln.
*[Oh malheur! Just wo dieser Eintrag puliziert werden soll, gibts auf den im Folgenden so weidlich verankerten Webseiten des Projjektarchivs nur eine Fehlermeldung. Müssen mal eruieren, ob die nur temporär ist...]

wyrn_g1.gif"What you really need"*[autsch, s.o.] lautete jedenfalls die Frage, die das Welser Medienkulturhaus anlässlich des im benachbarten Linz ausgerufenen Kulturhauptstadt-Jahres dieses Frühjahr an Kulturschaffende ausgegeben hat*[autsch, s.o.].

Die Anwtorten wurden natürlich aus guten Gründen primär vor Ort eingesammelt, wo es dann Ausstellungen*[autsch, s.o.] und diverse Sonderveranstaltungen*[autsch, s.o.] gab.

Im Folgenden jetzt nurmehr mit den Ankern, die auch aktuell zielführend sind: Aber parallel sind auf den Heimseiten des Projekts auch einige der Aktivitäten dokumentiert worden: In Form einer Reihe von pdf-Zines, die während der Laufzeit als Wochenschriften erschienen sind und nun auch über die Laufzeit hinaus Wissenswertes zum Thema What You Really Need in Wort und Bild bieten. Und "Bild" inkludiert in diesem Fall beispielsweise auch jede Menge wunderbarer Comix, insofern als Hauszeichner Thomas Krienbaum eingeladen war.

Sowie eine Reihe von Radiosendungen (darum auch: Webradio-Tipp) von Ingo Leindecker, die man - was in angesichts der aktuellen Lage natürlich besonders praktisch ist - sehr bequem auch über die Heimseiten des Künstlers im Bereich "Audio" (das erste Kasterl links, Player unten) anhören kann.
Freudige Ergänzung, denn so ist wenigstens eins der Hefte zu erlangen: Dort gibts quasi als Programmheft auch eins der "What You Really Need"-Breviere (No. 6, pdf) - also einfach mal lauschen, lesen... und hernach wirklich wissen, was man wirklich braucht...

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Von miss.gunst am 09.08.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.07.09

DIY sommerakademie (interflugs)

iffa09_ksw.gifFortbildung kann so eine schöne Sache sein. Auch zur Sommer- und damit tendenziell Ferienzeit? Aber sicher doch. Jedenfalls, wenn es sich um die interflugs summer academy handelt.

Selbige findet derzeit (und noch bis zum 13.08.09) in Berlin statt, wo interflugs beheimatet ist. Die interdisziplinäre Organisation der Freie Klasse der Universität der Künste (UdK) wird dieses Jahr stolze zwanzig Jahre alt. 1989 gegründet, um durch die Organisation autonomer Seminare, Workshops und Gastvortragsreihen für mehr Selbstbestimmung im Kunststudium zu sorgen, hat sich interflugs immer wieder erfolgreich von Innen verjüngt und ist inzwischen fast schon selbst eine Institution geworden.

Das Jubiläum wird nun in bester interflugs-Tradition durch ein geballtes Programm mit Workshops, Vorträgen, Filmen - kurzum: in Form besagter Sommerakademie gefeiert.

"... a Do It Yourself -art-academy organised by students, free and for all, a platform for creative and independent thinking about the circumstances of artistic work and education."
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Und zwar extra muros der UdK: Im lange Zeit eher etwas verrufenen, seit jüngstem allerdings tendenziell ultrahippen Neukölln (sic, südlich vom Maybachufer eröffnet derzeit im gefühlten Fünf-Minuten-Takt Kunsträume, Ateliers, Szeneläden und -lädchen, Bars) wurde die Manege, ein auf dem Campus Ruetli gelegenes Jugendzentrum bezogen. Bei "Jugendzentrum" denkt manche/r vielleicht an trostlose Keller mit Kickern und Flippern und einem Boxbeutel in der Ecke. Von wegen. Die Manege wird nämlich von einer Künstler-Initiative namens Fusion betreut, die mit den Jugendlichen offenbar ständig wilde Plastiken basteln (die dann nebenbei noch als Hollywoodschaukeln, Bänke oder was auch immer dienen) - das Ganze sieht jedenfalls wie ein bewohnbares Fantasy-Game aus. Und funktioniert tatsächlich grossartig. Jedenfalls als Ort für die interflugs academy.

Können wir hier mal eben so behaupten, weil nämlich gerade mehrere Tage lang getestet. Und für rundum, aber wirklich rundum für grossartig befunden. Grossartiges Programm an einenm grossartigen Ort, von einem grossartigen Team organisiert. Von den aus Italien, Russland, Grossbritannien, Belgien, den Niederlanden, sogar Korea eigens angereisten TeilnehmerInnen ganz zu schweigen.

Kurzum: *wow*.

Etwas längere Version: (inter-)Flugs nach Berlin fahren. Mitmachen, so lange es bzw. die interflugs summeracademy noch geht...

Von miss.gunst am 29.07.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.07.09

mundgeblasen

bfbl_ksw.gifNein, nicht venezianische Vasen. Mundgeblasen geht auch mit bzw. auf Bierflaschen. Klingt eher nach spontaner Musikeinlage zu später Partystunde?
Als solche könnte das Ganze natürlich theoretisch durchaus taugen.
Erst einmal handelt es sich jedoch um einen Zettelkasten-Eintrag zum Thema: Instrumente.

bfbl_g.gifDen endlich einmal nachzuholen gibt nicht zuletzt jener zu Mamoru Okunos Etuden einen idealen Anlass - denn auch hier geht es um einen Künstler aus Japan, der seine Klangkunst-Experimente aus schlichtem Alltagsgut heraus entwickelt.

Tetsuya Hori lebt momentan zwar in Berlin, kennengelernt haben wir ihn und seine Bierflaschen aber in Frankfurt im Rahmen des diesjährigen Nipponn Connection-Festivals.

Wenn sich Testuya Hori auf seinen Heimseiten selbst als "composer, object-player, pianist" bezeichnet (wobei er durchaus auch noch weitere akustische, elektroakustische und elektronische Instrumente spielt), dann deutet sich erstens schon mal an, in welche Kategorie Flaschen und Flaschenspiel fallen. Und zweitens lässt sich erahnen, dass es noch andere Gegenstände gibt, die von ihm zu Instrumenten umfunktioniert werden.

Mal kurz reinschauen und -hören, was das konkret meint, lässt sich anhand der Clips, die Testuya Hori unter "Videos" eingestellt hat. Und ansonsten empfehlen wir wärmstens, sich bei Gelegenheit zu einem der Live-Konzerte des Künstlers zu begeben.

[Bildchen: Zeigt natürlich nicht den Künstler. Wohl aber eine der Techniken, die bei seinen Konzerten zum Einsatz kommt. Die Mutter der musizierenden Flasche hat Sönke Kraft aka Arnulf zu Linden für die Wikimedia Commons fotografiert und unter GNU FDL 1.2 lizensiert. Was dito auch für die Tochter gilt.]

Von miss.gunst am 07.07.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.06.09

knistern üben (mamoru okuno)

mbke_ksw.gifWas wir sowieso mögen: Kleine Übungen, die bei aller Bescheidenheit das Potential haben, grosse Wirkung zu entfalten. Historische Steilvorlagen auf diesem Gebiet haben viele KünstlerInnen im Umfeld von Fluxus vorgelegt.

mbke_g1.gifIm weitesten Sinne in dieser Tradition kann man wohl auch die Arbeiten von Mamoru Okuno ansiedeln, der gerade mit einem Atelierstipendium in Wien weilte und auf der Coded Cultures-Konferenz mit einem Workhop und einer Konzert-Performance mit von der Partie war (mehr zur Konferenz s.a. im hauseigenen Archiv.

Sein Beitrag zur Coded Cultures-Ausstellung versteckte sich bei den kleinen Editionen, die es am Tresen zu erstehen gab: Kleine Kästchen aus transparentem Plastik und Trinkhhalme - jeweils mit ein wenig Folie gefüllt.

Eben solche kleinen Gesten sind charakteristsch für Mamoru Okunos Werkreihe der "Etuden" (mit denen er zuvor auch schon eine ganze Einzelschau im Freiraum des quartier21 bestritten hatte): In schlichte Behälter wird beispielsweise transparente Einwickelfolie gestopft. Hat durchaus schon seine eigenen ästhetischen Qualtäten - aber der springende Punkt ist dabei noch ein anderer, nämlich der Klang.

mbke_g2.gifLässt sich ganz einfach selbst ausprobieren: Einfach in ein leeres (gespültes) Joghurt-Glas die Folie hinein, kräftig zusammendrücken, Ohr an die Öffnung legen. Wie das erst klingt, wenn man es verstärt?
Genau!

Natürlich beschränkt sich die Reihe der Etüden nicht nur auf Experimente mit Joghurtgläsern. Mamoru Okuno geht es ums Prinzip: Alltagsobjekte mit wenigen Griffen in Klanggeneratoren zu verwandeln.

Ansonsten hat er durchaus auch noch andere Dinge auf dem Plan, wie sich unschwer beim Musen auf seinen Heimseiten entdecken lässt. Aber selbst bei seinen kompleren Installationen (s. zum Beispiel die "Drawings" ist Minimalismus der Mittel ein Leitprinzip.
Der wird dann aber eben auch immer konsequent auf seine Potentiale ausgelotet. Keine Langeweile also. Sondern die perfekte Vereinigung von Einfachheit und Komplexität!

[Bildchen: Ja genau. Das kann man ganz einfach mal selber ausprobieren. Hier mit transparentem Plastebecher und schöner grüner Obst-und-Gemüsehändler-Knistertüte. Ist auch gar nicht mal übertrieben: Selbst ohne Verstärkung kann das grosse Knistern gegebenenfalls ganz schön in die Gehörgänge kreuchen. Naja, zugegeben - wenn man das Öhrchen direkt an die Becheröffnung legt...]

Von miss.gunst am 26.06.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.06.09

grossartiger goodiepal (AOH)

scsc_ksw.gif"Goodies" sind bekanntlich das, was man im schweizer- und auch sonst im deutschen Sprachraum als Guetzli kennt: Also Bonbons und andere kleine Leckereien bzw. Gaben. Ein "pal", mit "goodies" eng assoziiert, könnte also jemand sein, der mit Leckerli hantiert und sie unters Volk zu bringen pflegt.

Könnte hinkommen - wenngleich sich Kristian Vester aka Goodiepal nun wirklich nicht als Zuckerlonkel oder Weihnachtsmann präsentiert.

Zur diesjährigen Ausgabe von "Art of the Overhead" (mehr im hauseigenen Archiv) war er dem Anlass entsprechend zudem mit einer Performance-Lecture angereist, in der ganz anders ausgeteilt wurde: Nämlich - wie schon die Ankündigung verriet - mit "Five steps in a Gentleman's War on the stupidity of modern computer music and media based art in general".
Ganz grossartig, aber in Worten schwer zu reproduzieren.

Mitgebracht hatte er freilich auch sehr anschauliche und fassbare Beispiele für alternative Produktionsweisen, mit denen man vor allem dem Markt geschuldeten Politiken der "Updates", "Relaunches" und "Upgrade", die mitunter wenig bis nichts mit konzeptuellen, ästhetischen oder sonstwie Nutz und Lust bringenden Verbesserungen zu tun haben, entgegen halten kann.

Darunter war zwar leider nicht die zauberhafte Zwitschermaschine der "Mechanical Birds", die man auf seinen Heimseiten bewundern kann - inklusive Bewegtbild und Zwitschertonspur zum Herunterladen.

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Aber auf dem eigens aufgebauten Präsentationstisch versammelt und teils während, teils nach dem Vortrag auch aufs charmanteste vorgeführt wurden von Herrn Goodiepal jede Menge in liebevoller Heim- und Handarbeit hergestellte Goodies.
Darunter diverse Künstlerbücher mit Partituren von Kompositionen, eigenwillig angeordnet und ziseliert wie die das Gesicht des Künstlers zierende Barttracht. Sowie zu skurrilen Arabesken und anderen mehr oder weniger merkwürdigen Formen ausgesägte (aber gleichwohl abspielbare) Tonträger-Objekte, bei denen schon die Titel denkbar verlockend klangen. Wie zum Beispiel: "Black Dystopian Swiss Cheese"

Haben wollen? Gibt's zusammen mit anderem Goodiecheese bei der britischen Smallfish-Distribution. Und natürlich direkt bei Herrn Goodiepal - und ebendort auf bzw. über seine Heimseiten sowieso noch so einige leckere Goodies mehr...

[Bildchen: Ist natürlich nicht Goodiepals "Black Dystopian Swiss Cheese". Sondern ein nicht minder u- und dystopischer schwarzer Schweizerkäsemonolith, der auf seine Weise düster summen kann. Hört man im Bildchen leider nicht (oja, wird Zeit, dass wir das auch noch lernen). Für die gemeinfreie - allerdings vertikale - Emmentaler Käse-Steilvorlage danken wir herzlichst dem Wikipedia Commons-Spender Dominik Hundhammer.Grand Merci!]

Von miss.gunst am 20.06.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.06.09

laute objekte (AOH)

vlos_ksw.gifWas haben laute Objekte mit tendenziell eher stillen Apparaten wie Overhead-Projektoren zu tun? Erst mal nichts, sollte man meinen.
Aber nicht umsonst kamen erstere und letztere schon einmal in einem Eintrag gemeinsam vor.

Denn gemeint sind in diesem Fall natürlich die Loud Objects aus New York - bei denen es sich bekanntlich um Subjekte handet, die unter dem entsprechenden Label bzw. Namen entsprechende Objekte herstellen und mit diesen einschlägig hantieren.

Und hantiert wird tatsächlich gern an, mit und auf Overheadprojektoren. Wie eben jüngst -ja, wir sind noch immer beim Auspacken des Kulturbeutels - im Rahmen eines der Konzertabende von "Art of the Overhead" in Malmö (mehr dazu in unserer kleinen Serie).

Wie das dann auschaut? Nun: Direkt auf der Glasplatte werden kleine Schaltungen und Drahtgewirr live gelötet - bis es tönt.
Wie sich das dann anhört? Na, ganz einfach: Laut. Mal mehr ins Gezwitscher gehend. Mal pures Noise (wenn Noise denn als pur bezeichnet werden kann).

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Auch schön - aber noch viel schönen war: Erstens die Loud Objects-Installation in der Ausstellung, eine Reihe von "Archived Perormances" (Bildchen gibts, leider nicht verankerbar, auf der Loud Objects-Heimseite, s. blaues Kästchen), die per Kopfhörerchen-als-Lautsprecherchen sich ganz dezent mit niedlichem Fiepen und Kruscheln vernehmbar machten.

Und dann selbstredend die leckeren Loud Object Noise Toys, von denen eine ganze Horde den Weg nach Malmö gefunden hatte und die für ein paar Krönchen am Tresen der Bar zu erstehen waren. Gemein allein, weil ein jedes Noise Toy anders tönt: Die Qual der Wahl...

[Bildchen: Tja, was ein echtes Lautes Objekt ist, kann wohl auch eine Sirene zur akustischen Verzweiflung bringen. Die Mutter unserer gequälten Frau S., eine Pneumatische Sirene, hat Thomas Schulze fotografiert und unter GNU bzw. cc-by-sa den Wikipedia Commons zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!]

Von miss.gunst am 18.06.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.06.09

moids

mmo_ksw.gifDochdoch, die heissen tatsächlich so. Waren bis vergangenen Sonntag noch live als zwitscherndes Gespinst in der Ausstellung zu Coded Cultures im Freiraum des quartier21 zu bestaunen - sind aber zugleich Teil eines Projekts, das längerfristig betrieben wird.

Bereits seit 2004 arbeiten Saita Kazuki, Soichiro Mihara und Hiroko Mugibayashi - damals noch mitten im Studium - zusammen daran, möglichst einfache, variabel miteinander kombinierbare akustische Einheiten zu entwickeln, die dann als gemeinschaftliche Formationen eine möglichst hohe Komplexität entfalten sollen: moids.

mmo_g.gifBasis einer jeden Einheit ist ein Mikrochip, der über einen Audio-Eingang und einen Audio-Ausgang verfügt. Dieses bereits fuer die moids der ersten Generation geltende Grundprinzip wurde für die Version 2.0, bei der wir bzw. die moids mittlerweile angelangt sind, technisch und seitens der Programmierung des Chips noch weiter vereinfacht - die Offenheit der "receptive units" und mit dieser die potentielle Komplexität der moid-Gewächse noch weiter erhöht.

Mehr über die moids ist auf den noch im Aufbau befindlichen Heimseiten des Projekts zu erfahren, wo es auch einen kleinen Clip (hier verankern wir der Bequemlichkeit halber mal dessen Youtube-URL) mit moids in Aktion zu sehen (und zu hören) gibt.

Last but not least, nämlich unbedingt erwähnenswert: Die moids sind ein open source-Projekt - wer sich also bemüssigt fühlt, mitzutun und das Ganze Richtung Generation 3.0 (oder 3.1. ff.) voranzutreiben, folge dem eigens mitnotierten Anker: github.com/kinoshita-lab/moids-app/tree/master.

[Bildchen: Die moids, in der Coded Cultures-Ausstellung, in ihrer ganzen Pracht! Aufgenommen und unter cc-by zur Verfügung gestellt vm moids-Team selbst - auf flickr hat es noch weitere schöne Fotos. Und übrigens auch einen Schaltplan... also EntwicklerInnen, frisch auf...

Von miss.gunst am 15.06.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.06.09

tretris!

ttrgb_ksw.gifJubiläen wollen gefeiert werden bzw. geben Anlass, die JubilarInnen zu feiern, dazu sind sie da. Heute hätten wir eines für die 8-bit-Gemeinde, die vermutlich sowieso schon längst Fähnchen mit bunten, kleinen Quaderförmchen darauf schwenkt: Tetris hat Geburtstag!

Gratuliert wird natürlich allenthalben (aktuell sogar von einer prominenten Suchmaschine, die aus diesem Anlass mit einem entsprechenden Bildgruss winkt), sodass man die Erfolgsgeschichte des Spiels nicht nur in der Wikipedia (englisch oben verankert, die deutsche Variante ist etwas magerer und hat Fehlerchen) nachlesen kann.
Sondern zum Beispiel auch in einem Arikel bei CHIP online, zudem es auch eine nette kleine Bildstrecke mit diversen Klonen anzuschauen gibt.

Empfehlen lässt sich ergänzend die kurze Geschichte des Spiels, die (Mit-)Entwickler Vadim Gerasimov auf seiner "Tetris Story"-Seite erzählt - wo es übrigens auch die Originalversion des Spiels zum Herunterladen gibt.

ttrgb_g.gif

Mit die schönste Hommage dürfte jedoch nach wie vor das mittlerweile bereits legendäre Tetris-Performance-Vilmchen sein, das uns die geniale Crew von Mega64 bereis 2004 kredenzt hat (wer F-Player nicht so mag, kann es sich auch bei Youtube anschauen - und ansonsten: alle mal zurücklehnen, wie produktiv das Trio inzwischen gewesen ist).

Wobei natürlich auch The Original Human TETRIS Performance von Guillaume Reymond inzwischen schon zu den Klassikern auf dem Feld gehört (und auch hier gilt: Noch mehr solcher schönen leckeren Sachen gibt's übrigens auf den Seiten von Reymonds Atelier und Agentur NotSoNoisy - die auf jeden Fall auch mal einen eigenen Eintrag im Zettelkasten braucht...).

Weitere Vorschläge für fliegende Steinchen, die uns direkt ums Eck begegen können?
Nehmen wir für entsprechende Vorstellungen im Log.Buch gern entgegen, denn so ein Jubiläum muss ja nicht an einem Tag abgefeiert werden...

PS: Ja, dass es das Ganze inzwischen auch als kommerzielle TV-Show hibt, haben wir auch mitbekommen. Ist aber dann doch etwas weit weg von DIY...

Von miss.gunst am 06.06.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.05.09

laterna fantastica (milkmilklemonade, AOH)

flgoh_ksw.gifAber ja: Der historische Apparat, mit dem man Phantasmagorien an die Wände zauberte, heisst Laterna Magica.
Und selbstredend ist diese Tradition auch ganz nah, wenn sich MilkMilkLemonade um den Overhead-Projektor versammeln. Doch warum erscheint dann ein grob gepixeltes "Loading..." auf dem Schirm?

8-Bit-EnthusiastInnen haben bei den Aufführungen in der Tat ebenso viel zu jubeln wie FreundInnen historischer Projektionskunst, wenn MML ihr "Speedy Happy Dangerbear Game" anwerfen.
Genau genommen hängt das eine mit dem anderen sogar ursächlich zusammen:

"Milk Milk Lemonade were the kids whose parents couldn't afford a Spectrum or an Atari, so they made their own computer game with the aid of analogue, OHP technology. So far, they've completed level 2., but they're pretty sure what might happen in levels 3, 4 & 5 ..."

Ehrlich gesagt: Das Mitleid ob der schmalen elterlichen Geldbörse hält sich angesichts der kreativitätsfördernden Konsequenzen arg in Grenzen.

flgoh_g.gif

In Malmö bei "Art of the Oerhead" wurden nämlich alle Levels durchgespielt - und es war schlichtweg grossartig, dabei zu sein und mit dem kleinen Eisbären mitzufiebern, der zunächst auf der heimischen (Eis-)Scholle, dann an einem karibischen Strand, hernach in einer zunehmend in apokalyptische Auflösungszustände trudelnde Grossstadt Punkte heimste, um am Ende... aber wir wollen ja nicht alles verraten.

Schliesslich können Neugierige ("Mama, when does the Icebear appear?!") ja selbst mal dafür sorgen, dass MilkMilkLemonade in ihrer Nachbarschaft ein Gastspiel gibt und zur Fantastic(oh!) Magic Lantern Show lädt. Und dann alle Levels spielt...

[Bildchen: Kein wirklicher Ersatz für die grossartigen Screens von MilkMilkLemonade - und noch nicht mal ein Eisbär. Nunja. Aber warum nicht auch mal einem kleinen Projektor die Chance geben, zu punkten. Und sei es nur auf Level 0,5....]

Von miss.gunst am 26.05.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.05.09

glockenspiel ff (friedman)

dfof_ksw.gifMit erklecklicher Verspätung, aber dennoch: Wieder einmal ein Eintrag für FreundInnen der Kunst des Glockenspiels. Wenngleich er nun nur noch für den Zettelkasten ist.

Kunst am bzw. mit dem Carillon gab es diesmal (und leider auch nur an einem einzigen Tag) im Rahmen des Projekts "Playing the City"*, das Matthias Ulrich Ende April bis Anfang Mai für die Frankfurer Schirn Kunsthalle realiert hat. Zweieinhalb Wochen mit Aktionen und temporären Eingriffen von KünstlerInnen im (mehr oder weniger) öffentlichen Raum, die eben diese Öffentlichkeit auf ihre Potentiale abklopfen sollten.
[* Noch, dh zu Eintragszeitpunkt, existiert die Seite - da zu einem bewusst auf Zeitlichkeit angelegten Projekt ist freilich die Frage: Wie lange noch. Falls also nicht mehr, gehört das quasi zum Konzept...]

dfof_g1.gif

Ín diesem Rahmen hat Dara Friedmann - den meisten vielleicht eher über ihre Videoarbeiten bekannt (z.B. über ihre Ausstellung im Kunstmuseum Thun 2002) - eine Experimentalanordnung weitergeführt, die sie erstmals 2007 in New York realisierte. Dort mischten sich Freiwillige - vom Parkwächter bis zur Sekretärin - unauffällig unter die PassantInnen, um dann mehr oder weniger unvermittelt aus vollem Halse einen bekannten Musical-Song zu schmettern.
[Einen Text zu dieser Arbeit, passender Weise "Musical" benamst, kann man beim New Yorker Public Art Fund finden; einen Bericht mit Bildern von Campbell Robertson bei Newsgrist.]

In Frankfurt wurde das, was in New York durchaus auch schon als Idee im Hintergrund stand - nämlich einem "Ohrwurm" (*, s.o.) zur Sichtbarkeit zu verhelfen - nun mit verschiedenen "Verstärkern" geprobt: Friedman hatte eine Reihe von StrassenmusikerInnen eingeladen, an verschiedenen Orten mit ihrem jeweiligen Instrument und natürlich Stimmzugabe "You can't always get what you want" von den Stones zu intonieren. Die Besonderheit in diesem Fall: An allen diesen Orten gab es im Anschluss ein Echo, das den "Ohrwurm" noch einmal bekräftigend repetierte und auf seine Weise weitertrug.

Dazu gehörte die Audio-Anlage eines lokalen Kaufhauses, die Orgel des Kaiserdoms und schliesslich - bzw. genau genommen zuerst, denn die Aktionen fanden nur an wenigen Tagen statt und diese hatte den Anfang gemacht: Das Carillon der direkt am Römer gelegenen Alten Nikolaikirche.
[... die, beiseit, übrigens auch eine eigene Heimseite hat, auf der es weitere Informationen zum Carillon gibt und sogar Klängen des Glockenspiels gelauscht werden kann.]

dfof_g2.gif

Das "Ohrwurm"-Konzert vor Ort war - dank aller Beteiligten, und ganz besonders der engagierten Carilloneurin der Nikolaikirche - ein Erlebnis für sich. Und hat sicher auch den einen oder die andere Ortsansässige darauf aufmerksam gemacht, dass es an dieser zentralen Stelle eigentlich regelmässig Live-Konzerte hoch oben in der Luft gibt, die auf ihre Weise Klänge in den Himmel und in die Gehörgänge tragen. Ob sich Dara Friedmans "Ohrwurm" - von seinen anschliessenden Auftritten einmal abgesehen - dann wirklich noch weiter verbreitet hat, wissen wir allerdings nicht...

[Bildchen: So ungefähr ist's gewesen, ganz bestimmt. Für die Fotografue des Glockenturms danken wir herzlich Wikipedia Commons-Spender Mylius, der sie unter cc-by-sa lizensiert hat - was folglich auch für unser Bildchen gilt.]

Von miss.gunst am 18.05.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.05.09

wellen der welt (wildproject)

wprww_ksw.gifSchon lang zum schönen Sonntag keinen Lesetipp mehr geboten? Da hätten wir doch glatt etwas besonders Feines aus der (mittlerweile ins monströse gewachsenen) Warteschlange.
Ein elektronisches Zeitschriftenprojekt, das wir sowohl im Allgemeinen wie insbesondere mit seiner aktuellen Ausgabe empfehlen wollen.

Selbiges trägt den Titel "Wildproject" und ist die Revue des gleichnamigen Verlags, der inzwischen auch begonnen hat, schöne Bücher herauszugeben.
wprww_g.gifUnd wie vielleicht noch nicht der Titel ("wild" nennt sich ja Einiges), wohl aber der Untertitel "l'ecologie culturelle" verrät, dreht sich dabei alles um künstlerische und kulturelle Auseinandersetzungen mit Ökologie.

Nun gab's vor bald vier Jahren in diesen Log.Buch ja schon einmal einen Eintrag zur Acoustic Ecology - und wer die dort ausgelegten Stränge (und andere wie die für KlanggärtnerInnen, für Vogel-, Insekten- oder WassermusikfreundInnen usw.) wieder aufnehmen möchte, ist bei der Wildproject-Revue per se und namentlich bei der aktuellen Ausgabe ganz bestimmt an der richtigen Adresse.

Die derzeit neueste Nummer 4 vom März 2009 ist nämlich den "ONDES DU MONDE : TERRITOIRES SONORES DE L'ECOLOGIE" gewidmet. Worüber wir jetzt an dieser Stelle keine Romane schreiben werden - denn gelesen werden wollen ja die wirklich lesenswerten Essays selbst...

Von miss.gunst am 10.05.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.05.09

AR scratching

scrscrscr_ksw.gifEigentlich eine klassische Tonträgermanipulations- und Soundgenerationstechnik aus der Vinyl-Ära: Das Scratching.
Und etwas, das man - Eingriff hin oder her - vielleicht nicht sofort mit kreativer Bastelkunst in Verbindung bringen würde.

Wie hiess das doch seinerzeit auf gut Hessisch, cf. the famous and talented Rodgau Monotones? "Eeeh, was machst'n Du da mit mei'm Pladdeespieler?" "... kabbuttt" - "Dreggsagg!!"

scrscrscr_g1.gifNun haben Künstler wie Strotter (s.a. im hauseigenen Archiv), dass die richtige Mischung aus brachialem und sensiblem Umgang mit Material und Technik auf dem Feld des Turntableism durchaus einen innovativen Zug zeitigen kann. Aber an Scratching düften doch eigentlich die Wenigsten denken, wenn seine Nähnadeln beharrlich über mit Heftpfaster beklebte schwarze Scheiben schaben.

Tatsächlich sind jüngst jedoch auch Verfahren entwickelt worden, die das Scratchen im klassischen Sinne weiterbringen wollen - und zwar so, dass der Tonträger selbst dabei eine bislang unbekannte Überlebenschance erhält:

Zunächst einmal hat Todd Vanderlin eine einfache, aber effektive Methode entwickelt, bei der AR (= Augmented Reality)-Transfers mittels Markern eine zentrale Rolle spielen.*
Wie das ausschaut und (wie gut das) funktioniert, kann man in einem kleinen Lehrfilm bestaunen, den Vanderlin bei vimeo abgelegt hat.

scrscrscr_g3.gif[* Denjenigen, die sich zu diesem Thema noch ein wenig solides Basiswissen erwerben wollen, sei ein Aufsatz (pdf) von Markus Färber empfohlen, der auf den Seiten der Distributed Systems Research Group der ETH Zürich zu finden ist.]

Und um noch eins drauf zu setzen, hat dieser Tage Theodore Watson von F.A.T. (Free Art & Technology) mit einem kleinen Spezialanwendung für einen beliebten mp3-Player nachgelegt. Konzeptuell und technisch gesehen ist sein Plattendrehen auf dem iPod (und auch dazu gibts natürlich einen Clip) zwar doch nochmal etwas anderes.
Aber zweifelsohne auch sehr schick.

scrscrscr_gg.gif

[Bildchen: Gemeine Krätze in Aktion - vielleicht hülfe da auch eine AR-Transformation, um die Haut der kleinen Scheibe zu retten? Seine Ahnin - echtes Vinyl - wurde den Wikipedia Commons unter GDFL spendiert, daher ist auch dieses Schreckensszenario entsprechend lizensiert.

Von miss.gunst am 03.05.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.03.09

oh no? oh yes!

lwrp_ksw.gifMontag gesehen, gleich für einen Eintrag vorgemerkt - und mittlereile macht er schon (blog)weltweit die Runde: Ein kleiner Pappkamerad, der uns ein Schildchen mit den mahnenden Worten "The End is Near" entgegenreckt.

lwrp_g.gifNicht, dass wir die Warnung beim Wort nehmen würden. Aber wenn Endzeitstimmung derart herzig vorgetragen wird wie von dem Roboter, den Larry West aka Mark Skull aka gebastelt und in den Strassen von Philadelphia ausgesetzt hat, dann muss einem doch das Herz erweichen. Und die Botschaft will an andere Fans von Sad red robots weitergegeben werden.

Für diejenigen, die durch die Strassen seiner Heimatstadt streifend des Demo-Bots ansichtig werden, hat Larry West eigens einen FlickR-Pool eingerichtet - der sich aber natüürlich auch einfach nur mit teilnahmsvollem Wohlgefallen aus der Ferne betrachten lässt. Und damit der Kleine fürderhin auch weltweit FreundInnen sammeln kann, gibt es nun sogar eine MySpace-Seite. Bräuchte dann wahrscheinlich als nächstes auch eine auf Facebook - aber ob die pessimistische Papprobos aufnehmen? Eher nicht, ist ja kein sehr vielversprechendes Kundenprofil... andererseits: mit Blick auf die soziale Dynamik bzw. die nachfolgende Fangemeinde... wer weiss...

Apropos Fangemeinde: Nicht nur in Philadelphia hat der Larry-West-Robot schnell eine ebensolche gefunden - sondern innert weniger Tage eben schon wwweit.
Und wir zählen uns (in diesem Fall mal ohne rot zu werden ins Horn soziodynamisch gepushter Aufmerksamkeitsökonomie trötend) gern dazu.

[Bildchen: Oh Yes! Der Larry-West-Robot in voller Pracht, da sein Kreator die Porträts nettereise unter cc-by-nc-nd in besagten FlickR-Pool gestellt hat. Merci!]

Von miss.gunst am 26.03.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.03.09

DIY Wolken

wsm01_ksw.gifWie man selbst Wolken macht? Weiss - mindestens ansatzweise - wohl jede(r), die oder der gelegentlich Wasser kocht.
In der Küche kann man solche selbstgemachten Wolken allerdings selten gut gebrauchen.
Willkommener sind sie andernorts.

Beispielsweise auf Bildern. In Öl oder aquarelliert machen sie nicht nur in der Landschaftsmalerei einiges her, wie ein Besuch im nächstgelegenen Kunstmuseum anschaulich bestätigen wird.
In der Fotografie wiederum schätzt man sie schon der Lichtqualität wegen vor der Kamera. Und natürlich sollten sie dann auch auf dem Fotohimmel gut ausschauen. Genau das ist - anders als bei den gemalten Wolken - aber nicht immer der Fall. Schliesslich lassen sich Wolken nicht einfach dazu bitten, möglichst fotogene Formationen anzunehmen.

wsm01_g.gifIn Zeiten digitaler Bildgeneration bietet es sich insofern nachgerade an, sich im Fall des Falles selbst zu behelfen. Und damit wären wir wieder bei der eingangs gestellten Frage angelangt.

Einschlägige Antworten bzw. Anleitungen bietet beispielsweise Don Baumanns Artikel "Wolken Marke Eigenbau", der kürzlich in der Netzwelt von Spiegel online erschienen ist.

Für diejenigen, die es danach drängt, sich weitere einschlägige Kenntnisse zu verschaffen: Don Baumann ist zusammen mit Christoph Künne Herausgeber bzw. Macher einer einschlägigen Fachzeitschrift namens DOCMA - Magazin für digitale Bildbearbeitung - auf deren Heimseite es übrigens auch eine ganze Sparte mit "Tipps & Ticks" gibt. Das Wolkenmachen ist dort zwar nicht dabei, aber die durchaus verwandte Kunst, einen neuen Himmel zu machen. Je nach Bedarf angemessene Bewölkung inklusive.

[Bildchen: Wir haben uns auch mal an Wolken Marke Eigenbau versucht. Allerdings auf unsere Weise. Nein, aus diesem Strato-Cumulus regnet es vermutlich so schnell nicht. Wir üben derweil noch ein bisschen weiter...]

Von miss.gunst am 18.03.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.03.09

DIY geldautomat (kriegerowski & tempel)

ebga_ksw.gifZugegeben: Zu den architektonischen Blickfängern à la Eiffelturm, Golden Gate oder Neuschwanstein, die man sich gern im Kleinformat fürs heimische Regal nachbasteln möchte, zählt ein solcher Apparat eher nicht. Und ganz so slick und schick wie ein Designer-Papertoy kommt er auch nicht daher.

ebga_g1.gifDennoch stellt er ja für manche eine Pilgerstätte dar. Und eine Art Objekt des Begehrens - mindestens mittelbar, wobei ja eigentlich nur eine Station auf dem Weg zum wie auch immer vermeintlichen Ziel.

Wen es nun nach einem kleinen Hausaltärchen im Eigenbau gelüstet, sollte gelegentlich mal bei Christoph Tempel und Christine Kriegerowski vorbeischauen. Für ihr Projekt "Umzäunte Gemeinsachaft" haben die beiden nämlich einen tollen Bankomaten entworfen, der bis vor kurzem zusammen mit einem nicht minder attraktiven Jobcenter-Automaten (s. Fotos) im GEHAG-Forum Berlin zu bewundern war.

ebga_g2.gifUnd für besagten Bankomaten gibt es eben Ausschneidebogen (pdf) zum Selberbasteln.
Das finden wir natürlich super. Auch wenn uns dann vom Display, *huch*, irgendwie eine ganz seltsame Botschaft entgegenwinkt.

Die Steilvorlage in Lebensgrösse im Originalformat ist übrigens seit vergangenen Freitag und noch bis zum 26.04.09 in Hamburg bei white trash contemporary zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung "Cash Cow Flow" - was ja vielleicht noch Hoffnung auf eine wie von Zauberhand veränderte Display-Meldung zum Kontostand macht...

[Bildchen: Wir haben uns erstmal freestyle einen kleinen GeldKontoasuzugsautomaten gebastelt. Am Resultat der Ausgabe ändert das aber offenbar leider nichts...]

Von miss.gunst am 01.03.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.02.09

internationale tanzpartymaschine (hannah & roy)

idp_ksw.gifHarrte eigentlich schon seit Monaten auf der Warteliste für einen Zettelkasten-Eintrag. Nun hat es endlich eine idealen Anlass, dieses grossartige Projekt gebührend zu feiern: International Dance Party von Addad Hannah und Niklas Roy.

idp_g1.gif2007 in Montréal entstanden, kommt die Internationale Tanzparty in Gestalt einer schlichten Black Box daher - prall gefüllt mit einem Innenleben, das tatsächlich alles mitbringt, was es für ein zünftiges Tanzvergnügen braucht (ausser den Gästen und der guten Laune - aber bei einer derart guten Basis werden erstere nur so strömen und letztere stellt sich ja schon beim blossen Anblick der IDP von selber ein...): Eine komplettes Soundsystem, DJ-Sets inklusive (von Badd Spellah, übrigens auch separat zu saugen), plus Lichtanlage mit Strobo und Diksokugel, sogar an einen Nebelwerfer wurde gedacht.

Dabei handelt es sich nicht etwa - wie man auf den ersten vorschnellen Blick annehmen könnte - einfach nur um ein kompaktes, transportables DJ-Set im Flugkoffer, das PartyfreundInnen dann DIY an geeignetem Ort installieren müssen, um mit der Sause loszulegen. Die IDP macht tatsächlich alles selbst!

idp_g2.gifDank eines eigebauten Radars beginnt sie zu spielen, sobald Menschen im Raum sind. Je mehr diese sich bewegen, desto lauter wird die Musik, desto wilder die Light Show usw. usf. - und damit letztere wirkt, kann sie gegebenenfalls sogar per Signal für Raumverdunklung sorgen.

Kaum zu glauben? Wer nicht auf der transmediale war bzw. die Ausstellung des ctm09 im Kunstraum Kreuzberg besucht hat, kann ja mal das schöne Demo-Video anschauen, das Hannah und Roy zur IDP produziert haben. Besser aber noch selbst in Berlin vorbeischauen, denn bis 01.03. ist das Ganze noch live zu bestaunen und zu betanzen...

[Bildchen: Ja, das loben wir uns da loben wir Niklas Roy und Addad Hannah doch gleich noch einmal. Nicht nur so eine grossartige Maschine bauen, sondern auch noch mit einer cc-by versehen - *yay*! Wobei: Unser heimliches Lieblingsding ist ja das, *äh*, IDP-Mini-DIY-Bastelset für Sparheimer. Gibts im Shop.]

Von miss.gunst am 17.02.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.02.09

structures + tagmag (CTM09)

ctmsm_ksw.gifSo schnell kann's eben gehen: Mit dem Januar sind schwuppdiwupp auch die transmediale und der club transmediale schon wieder vorbei.
Da wird es doch dringend Zeit, wenigstens nachträglich noch ein paar Rosinen fürs Log.Buch zusammenzuklauben.

ctmsm_g2.gifDie erste und besonders dicke gibt's beim club transmediale, der dieses Jahr sein erstes rundes Jubiläum feierte.
Und zwar mit einer einschlägigen thematischen Setzung, unter der sich dann jede Menge spannende Veranstaltungen versammelten:
"STRUCTURES – Backing-Up Independent Audio-visual Cultures"

Dass sich unter denen auch so Einiges fand, das mit den eigenen Neigungen korrespondiert, liegt angesichts des Fokus auf selbstorganisierte (und -gebastelte ;)) Strukturen nahe. Und dazu lässt sich dann durchaus auch das eine oder andere retrospektiv in den Zettelkasten sortieren.

ctmsm_g1.gifFür heute sei im Sinne der Nachlese und zum Nachlesen (inkl. Nachschauen und Nachlauschen) erst einmal das eigens angelegte Structures-Blog empfohlen, der bislang weiter aktualisiert und mit Dokumentationen u.a. der Panels angereichert wird.

Dort sind unter anderem auch drei Sonderausgaben des TAGmag/Structres abzuholen, das eigens für den ctm produziert wurde.
Das aus den Niederlanden stammende TAGmag ist sonst eigentlich ein typisches Kunst-Zine - schön zu blättern, allerdings ohne zwangsläufig darüber hinaus noch einen weiteren, etwa themenorientierten Mehrwert zu transportieren. Der ergibt sich, was mit dem Konzept des Magazins zusammenhängt, mehr über den Bezug zu dem jeweiligen Projekt, anlässlich dessen die jeweilige Ausgabe entsteht.

ctmsm_g3.gifBei den drei aktuellen Spezialausgaben ist dies im weitesten Sinne der Radius des ctm-Mottos Structures - was ziemlich gut funktioniert.
Der Bequemlichkeit halber daher direkt weitergereicht: Die Structures-Blog-Einträge zu Ausgabe 1, 2 und 3.

[Bildchen: Sehr minimalistisch und eher fern mit der Farbgebung des TAGmag/Structures-Coverdesigns assoziiert bzw. assoziierbar, wenn man denn will. Aber was tun - wie so oft sind in diesem Fall die KünstlerInnen/DesignerInnen weit davon entfernt, ihr Opus unter CC zu lizensieren. Was wiederum zu den 'Structures' des Betriebssystems gehört, die immerhin auch bei der einen oder anderen der ctm-Veranstaltungen diskutiert wurden...]

Von miss.gunst am 07.02.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.02.09

blogsbd (@ angoulême)

rcdc_ksw.gifWeil es allfällige Einträge zur transmediale nun eh nurmehr nachträglich geben kann, gönnen wir uns zum schönen Sonntag doch einen Blick auf eine andere Leckerei, die uns mindestens ebenso am Herzen liegt wie die elektronische Kunst und Bastelkultur: Die kleinen gezeichneten Bildchen, die man - zumal wenn sie sich zu Geschichten zusammenfügen - gern Comix Comics nennt.

Einen passenden Anlass gibt bzw. gab es dieser Tage nämlich auch - und zwar keinen geringeren als das berühmte (und dementsprechend sogar in der deutschprachigen Wikipedia über einen Eintrag verfügende) Festival International de la Bande Dessinée d'Angoulême.

Selbiges geht heute zwar ebenfalls zuende. Aber mal abgesehen davon, dass es über eine wirklich reich ausgestattete Webpräsenz mit zahlreichen Extensionen wie zum Beispiel einem eigenen WebTV-Tagebuch verfügt [lässt sich leider nicht direkt verankern, das Knöpchen zum Aufschalten ist aber leicht zu finden], wollen wir einfach mal die Gelegenheit ergreifen, auf BlogsBD.fr, die (also: *die*) Webplattorm für französische ComichzeichnerInnen und ihre Aktivititäten aufmerksam zu machen. Aus nahe liegenden Gründen nicht nur etwas für jene, die gerne ihre Raufe mit Feeds füllen, um bei den Webcomics ihres Herzens keine neue Folge zu versäumen. Sondern schlicht und ergreifend das zentrale Expeditionsbiwak, von dem aus es sich wieder und wieder zu neuen Archipelen und Kontinenten der Beglückung aufbrechen lässt, die es in diesen Gefilden zu entdecken gilt.

rcdc1.gif

Für diejenigen, die selten reisen oder gar erstmals das Fernglas auf französische Webcomics ausrichten, sind die Spezialprojekte von BlogsBD.fr ein idealer Ausgangspunkt. Wer im vergangenen Herbst festiblogs - das eigene Festival der französischen Comic-Blogs - verpasst hat, kann übrigens immer noch mit erheblichem Informations- und Lustgewinn in dessen Webseiten wühlen.
Aktuell aber bietet es sich an, auf den "Révélation Blog" zu schauen, der zum gleichnamigen Preis bzw. Wettbewerb gehört, welchselbiger eben auch Teil des Festivals von Angoulême ist und mit dem der (Jahres-)beste Nachwuchs in Sachen Webcomics gekürt werden soll.

Heuer hat verdientermassen LOMMSEK das Rennen gemacht, der als er sich unter die drei Favoriten gekürt fand, schonmal einen schönen Beitrag zu Thema Dresscodes bei der Preisverleihung lieferte [obwohl die, hallo Hütchen, bei einem Comicfestival doch sicher nicht halb so grausam sind wie jene anderer Branchen, bei denen man im sündhaft teuren Designerfummel über einen roten Teppich schleichen muss]. Gratulation!

rcdc2.gif


[Bildchen: Das angesprochene Problem. Und unser Lösungsvorschlag - der allerdings aus naheliegenen Gründen nur für rote Teppichtierchen gilt... Jedenfalls: Undress to impress übersetzt man im Zweifelsfall doch sicher auch mit "chapeau!"]

Von miss.gunst am 01.02.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.01.09

DIY pollock?

jpdd_ksw.gifEigentlich hatten wir für heute einen ganz anderen Eintrag vorgesehen.
Aber dann stuppste uns eine grosse Suchmaschine darauf, dass sich heute der Geburtstag von Jackson Pollock jährt. Der als Vertreter des Abstrakten Expressionismus ja erst einmal nicht unebdingt der nächst liegende Kandidat fuer Notizen in diesem Log.Buch wäre. Aber...

... schon das zum putzigen Rechteck geschrumpfte Drip Painting anstelle des Logos besagter Suchmaschine warf die Neugier nährende Frage auf: Wie kann man nur? Pollocks Entgrenzung des Bildraums in eine von stumpfen Variablen bestimmte Suchergebnis-Sammlung von eher kleinen, mehr oder weniger schlecht aufgelösten und ganz sicher nicht immer ganz urheberrechtskonform ins Netz gestellten Bildchen übersetzen, die in den unendlichen weiten des WWW kursiert?

Da scheint eine konzeptuelle Übertragung der Idee des Drip Painting, wie sie der Künstler Miltos Manetas in seinem Projekt www.jacksonpollock.org vornimmt, als Hommage doch ein wenig passender. Natürlich auch für unser Log.Buch, denn bei Manetas kann man sich selbst als digitale/r Tropfenwerfer/in betätigen.

jpdd_g.gif

[Bildchen: Da wir nicht grad die grössten Pinselschwinger sind, halten wir es in Sachen Drip Painting eher mit der Methode, der sich ax Ernst seinerzeit bediente und die man praktischer Weise auch schon im Kindergarten lernt: Einfach eine Dose mit Farbe füllen, unten ein Löchlein hinein und das Ganze dann an einem Henkelchen über dem Bildträger schwenken. Die schicke Dose ist eigentlich eine Milchkanne und wurde von Pearson Scott Foresman in die Public Domain gespendet. Grand Merci!!!]

Von miss.gunst am 28.01.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.01.09

DIY Sprudel (Priestley)

Normalerweise ist schlichtes re-blogging nicht unsere Sache, aber in diesem Fall liegt es doch einfach zu nahe, mit einem weiteren wissenschaftsgeschichtlich interessanten Rezept direkt an den Eintrag zu Edgar Allan Poes DIY Kleber anzuschliessen.

In der netten Nachbarschaft bei BoingBoing gab es nämlich gerade vor ein paar Tagen erst einen schönen Artikel von Steven Johnson - der kürzlich ein (mutmasslich sehr spannendes) Buch über Joseph Priestly und seine Position in der Wissenschafts- und Kulturgeschichte publiziert hat ("The Invention of Air").

jpspr_g1.gifIn diesem Artikel, in dem es ebenfalls um Priestley geht, weist Johnson auf Passagen aus dessen "Experiments and Observations on Different Kinds of Air" (1774-1777; einen klitzekleinen Auszug aus dem zweiten Band gibt es hier) hin, in denen der Wissenschaftler erklärt, wie man - nunja, Sprudel herstellen kann.

Anders als bei Poe's Kleber ist es da allerdings nicht mit einem kleinen Rezeptchen getan, dass sich in zwei Zeilen weiterreichen liesse. Man muss schon geneigt sein, ein paar Seiten in den "Experiments" zu lesen, um Priestleys Anleitung "How To Impregnate Water With Air" folgen zu können. Und das eine oder andere Laborgerät braucht es auch.

Angesichts dieser Umstände werden die meisten wohl doch eher beim Kauf von Sprudelwasser bleiben - oder eben die unten abgebildete Methode erproben.
Falls aber jemand wirklich loslegen möchte: Bei "Today in Science" hat es immerhin einen anschaulich aufbereiteten Auszug der entsprechenden Passagen aus den "Experiments..." zur Sprudelprodukion, Schautafel zur Experimentalanordnung inklusive.

jpspr_g2.gif

Und ansonsten können und wollen wir bei dieser Gelegenheit gleich noch Julian Rubins Sammlung zur Entdeckung des Sauerstoffs weiterempfehlen. Da hat es gleich eine ganze Reihe anregender Links, auch zu Anleitungen mit etwas einfacheren Experimenten...

Von miss.gunst am 21.01.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.01.09

DIY Kleber (E. A. Poe)

shsh_ksw.gifMag auf den ersten Blick etwas merkwürdig wirken. Aber es bietet sich tatsächlich an, Edgar Allan Poe zum 200. Geburtstag in diesem Log.Buch einen Zettelkasten-Eintrag zu widmen.
Und wie die Überschrift verrät, hat das nicht einmal (jedenfalls nicht primär) mit persönlichen Neigungen für sein literarisches Oeuvre zu tun...

Vielmehr gilt das spezielle Interesse einem Aspekt seines Werks, das meist nur randständig Beachtung findet - und den beispielsweise der sonst recht ausführliche Artikel zu Poe in der englischen Wikipedia bislang sogar gänzlich unterschlägt.

shsh_g1.gif1839 veröffentlichte Poe nämlich ein Buch zur Muschelkunde - mit dem stolzen Titel "The Conchologist's First Book: or, A system of Testaceous Malacology". Der E.A. Poe Society of Baltimore (der wir auch die hier verankerte Ansicht des Titels verdanken) ist diese Tatsache natürlich bekannt - und auch sonst hat sich der Coup, der Poe mit dieser Publikation gelang, schon länger herumgesprochen. Spätestens seit der ziemlich prominente Paläontologe Stephen Jay Gould in seinem Bestseller "Dinosaur in a Haystack" (1995) dem Buch ein ganzes Kapitel gewidmet hatte.

Im Anschluss an Gould widmete dann z. B. John H. Lienhard "Poe's Conchology" eine Folge der "Engines of Ingenuity"; entsprechende Notizen finden sich hier und dort in Blogs; kompakt informiert auch eine Seite zum Buch, die von der Library of Virginia zu dem in ihren Beständen befindlichen Exemplar ins Netz gestellt worden ist.

shsh_g2.gifUnd gerade dieser Tage ist (ebenfalls anlässlich des Jubiläums) unter dem schönen Titel "Es war die Schnecke und nicht der Rabe" ein lesenswerter Beitrag von Matthias Glaubrecht - Evolutionsbiologe, Kurator für Weichtierkunde und Leiter der Abteilung Forschung am Museum für Naturkunde in Berlin - in der Welt im Druck sowie online erschienen.

Poes Coup bestand darin, dass er zwei kurz zuvor erschienene Bücher zum Thema geschickt kompilierte - und die unter seinem Namen erschienene Ausgabe auf dem Markt erfolgreich genug war, um sein schmales Budget aufzubessern.
Wie Matthias Glaubrecht in seinem Artikel jedoch sehr zu Recht hervorhebt, steckt in der Kompilation durchaus einiges wissenschaftliches Innovationspotential, das sich dem Umstand verdankt, dass Poe aus verschiedenen Quellen schöpfte und diese teilweise auch bearbeitete.

Auf eine der kuriostesten Eigenleistungen des Dichters in Sachen Muschelkunde hat Liliane Weissberg in einem Aufsatz aufmerksam gemacht, den sie 1994 zum Katalog der Ausstellung "Die Erfindung der Natur" beigesteuert hat.
Poe pflegte nämlich seine Lektüre-Notizen zu Büchern, die gern etwas umfangreicher ausfielen und deshalb nicht mehr in die Randspalten passten, auf Zetteln weiterzuführen, die er dann an die entsprechenden Seiten klebte. Und zwar mit Hilfe einer selbst angerührten Klebepaste.

shsh_g3.gifDeren Rezept hatte der Dichter, so Weissberg, wahrscheinlich während seiner Arbeit an "The Conchologist's First Book" und der Lektüre seines Kompilationsmaterials entdeckt - und zwar vermutlich in Thomas Browns "The Conchologist's Text-Book. Embracing the Arrangements of Lamarck and Linnaeus..." (Glasgow 1835). Brown schreibt dort sehr ausführlich über den Kleber und seine Verwendungsmöglichkeiten bei der Reparatur bzw. Restauration von Muscheln.

Und da es hier ja um DIY geht, wollen wir besagtes Rezept für die "Gummi Paste" natürlich nicht unterschlagen:

"Weisser Zucker-Süssstoff 2 0z. / Gewöhnlicher arabischer Gummi 4oz. / Oxengalle ein Teelöffel voll."

Klingt, als seien die Zutaten nicht an jeder Ecke zu haben? Es gab es auch noch ein alternatives Rezept für einen Kleber, das Poe selbst erwähnt und das wohl aus dem zweiten von ihm kompilierten Muschelkunde-Buch, nämlich Thomas Wyatts "A Manual of Conchology. According to the System laid down by Lamarck..." (New York 1938) stammt. Damit dürften es die meisten allerdings nicht wirklich einfacher haben - der Grundstoff ist hier nämlich ein Pulver aus Tragant...

[Bildchen: Haben wir eigentlich mal für einen ganz anderen Kontext gebastelt, als wir in einer Vortragsankündigung freudig von "shell life" anstatt von "shelf life" lasen (was eben ein Verleser war). Passen aber insofern, weil sie deshalb von Anfang an eine angeklebte Randnotiz waren. Gesammelt wurden die Muscheln - eine prächtige japanischen Auster, vom niederländischen Nutzer GeraldM unter GNU bereitgestellt, sowie von Akigka isländischer Miesmuscheln, ebenfalls unter GNU sowie cc-by-sa lizensiert - in den Commons der Wikipedia. Merci!]

Von miss.gunst am 19.01.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.01.09

tapedeck

mgsk_ksw.gifDa wir gerade beim Thema "Die Kassette als Objekt" waren, können wir doch gleich noch einen weiteren Zettel dazu in unseren -kasten legen.
Zugegeben: Unser eigenes Herz hat zwar vor allem für die liebevoll zusammengestellten Mixtapes und deren meist kongenial selbstgebastelte Hüllen geschlagen...

... aber ein wenig Sachkunde ist natürlich auch nicht schlecht.Zumal dann, wenn sie zum Erhalt des Wissens um eine im Verfall begriffene Kultur beiträgt.

Sehr verdienstvoll auf diesem Gebiet ist zweifelsohne das Projekt tapedeck.org. Es hat mittlerweile 355 (verschiedene!) Exemplare gesammelt, die einst den Aufnahmefreudigen zur Verfügung standen.
Nun kann man wenigstens ihre äusserliche Erscheinung andachtsvoll beäugen. Gerne auch sortiert nach Marke, Spieldauer oder Beschichtungsqualität...

mgsk_g.gif

[Bildchen: So sah unsere Vorstellung von gut sortierter Sachkunde vor tapedeck aus. Nein, nicht nach Farben. Natürlich alphabetisch. Wobei wohl selbst die Imagination der ehrenrettenden Anmerkung bedarf: Die Mixtape-Titel in dieser Zeichnung sind der Logik der Sache geschuldet. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Kassetten des eigenen Bestands sind ausgeschlossen.]

Von miss.gunst am 10.01.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.01.09

basteln mit kassetten

jlc_ksw.gifMal wieder etwas für Tape-Fans bzw. FreundInnen von Kassettengeschichten. Bislang haben wir uns - wann immer es einen Eintrag zum Thema gab - ja mehr mit Projekten befasst, die sich den Magnetbändern im Inneren der Gehäuse widmen und dem, was auf diesen gespeichert war oder nicht.
Zur Abwechslung gibt's nun mal einen Basteltipp, der das Objekt als solches in den Mittelpunkt stellt.

Bei instructables (wo sonst?) sind wir nämlich kürzlich auf eine Anleitung für ein nettes kleines Spielzeug gestossen, das die meisten zwar schon kennen werden - und wohlmöglich auch schon einmal selbst gebastelt haben: Eine Jakosbleiter.

jlc_g11.gif

Vermutlich aber nicht aus Kassetten, oder? Und überhaupt frischt man doch gern hin und wieder seine Kenntnisse auf. Zumal, wenn es dafür so eine schöne Steilvorlage wie in besagter Anleitung gibt, nämlich diesem Clip.
jlc_g2.gif

Logisch, dass man das unbedingt mal selbst ausprobieren will.
Allerdings braucht es dafür, genau...
jlc_g3.gif

... die entscheidene Ingredienz.
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Und zwar nicht nur in einfacher Ausführung. Sondern sechs Mal.
jlc_g5.gif

Wenn sich eben dies freilich - was bei einem vergehenden Medium ja durchaus der Fall sein könnte - als schwierig bis unmöglich erweisen sollte (zumal die Anleitung nicht ganz zu Unrecht das Basteln mit noch verpackte Kassetten nahe legt)... nun... dann raten wir zu einer kleinen Variation:
jlc_g6.gif

Von miss.gunst am 03.01.2009 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.12.08

vitamine! (hübner, oscillatorfruitsalad)

khofs_ksw.gifWas brauchen wir im Winter auf jeden Fall reichlich? Genau, Vitamine. Und wie nehmen wir die vorzugsweise zu uns? Auf der klassischen Papiertüte vom Wochenmarkt stand es: "Esst mehr Obst".
Kein Problem, nur zu gern. Am Besten geht's mit lecker Obstsalat. Und ein prima Rezept dafür hat...

khofs_g1.gif
... Klaas Hübner, der uns nämlich beim Zürcher diy* Festival einen besonders feinen Obstsalat kredenzte: Oscillatorfruitjuice.

Im Detail gab's das Rezept zum Mitmachen und frei Haus beim gleichnamigen Workshop. Und gleich am Freitag Abend ein konzertantes Probeschnabulieren auf der Bühne.

Zugegeben: War im ersten Moment schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, per Serviette verdrahtet loszulöffeln und coram publico dabei die seltsamsten Geräusche zu produzieren. Herr Knigge hätte vermutlich Bedenken angemeldet. Aber geschmeckt hat's gut, auch den Öhrchen - und weckte durchaus den Appetit auf mehr.

khofs_g2.gifWem nun das Wasser im Munde zusammenläuft (was schon mal sehr gut ist, weil tatsächlich eine wichtige Voraussetzung für die Klanggeneration ;)): Keine Sorge. Das diy*-Festival ist zwar vorbei.

Doch das nächste - diesmal in Bern - ist ja bereits für kommendes Frühjahr angekündigt, und vielleicht gibt es dort oder eben an einem anderen Ort eine neue Gelegenheit, an einem von Klaas Hübners Kochkursen teilzunehmen.

Falls ja, wird das sicher rechtzeitig in Hübners Matchees-Blog bekannt gemacht werden. Bis dahin kann man ebendort stöbern, was der in Berlin beheimatete Künstler und Klangbastler sonst so treibt. Zusammen mit seinem Kollegen Wilm Thoben Laut gebende Luftballons aufhängen beispielsweise oder DIY Lampen bauen oder Beep-Piep-Knarz- bzw. Circuit Bending-Konzerte geben.

Wie letztere so klingen? Einfach mal bei den Matchees-MySpace-Seiten reinhören. Oder, soweit erreichbar: Sich am heutigen Montag (15.12.08) Abend um 21:00 Uhr in Berlin bei madame claude einfinden (Lübbener Str. 19, U-Bahn Schlesisches Tor). Da fiept, knarzt und piept es dann sogar live...

[Bildchen: Rechts sehen wir einen Arbeitstisch mit Oscillator-Früchten, Foto von Klaas Hübner (cc-by-nd) aus matchees FlickR-Strom. Und links lässt sich erahnen, wie der Osciallatorfruitsalad bzw. das zugehörige Konzert aussah. Wie es sich anhörteleider nicht. Für die Minneola (die eigentlich aus Plastik hätte sein sollen) danken wir Hedwig Storch (cc-by-sa), für den tollen Obstsalat Bangin (cc-by) - beides Wikipedia Commons-Spenden, dafür ein exztragrosses Merci!]

Von miss.gunst am 15.12.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.12.08

hahafresh circuit bending (lazenbleep)

hhfgl_ksw.gifKlingt ein bisschen bizarr, der Titel dieses Eintrags? Darf er, weils durchaus passt. Sollte jedenfalls genau das Richtige für die Circuit Bending-Gemeinde sein, die in diesem Log.Buch ja schon sträflich lang kein Futter mehr gefunden hat.

Hahafresh heisst nämlich das wunderbare Blog, das Benjamin Maxwell Goldstone aka George Lazenbleep betreibt und auf dem es jede Menge einschlägige Leckereien des unermüdlichen Baslers, Künstlers und Musikers zu kosten gibt.

Kennen lernen konnte man ihn und seine Künste kürzlich auch aus nächster Nähe, nämlich auf dem Zürcher diy* Festival. Dort gab er nicht nur in Workshops weiter, wie man (s)eine Fun Box bauen kann. Sondern am Freitag Abend auch noch aus lauter Lust und Laune ein spontanes Performance-Konzert, in dem diverse Querverdrahtungen als vollwertige Ersatzband fungierten.

Verpasst? Nicht wirklich zu ersetzen - aber Trost winkt auf und über Hahafresh, wo sich durchaus auch der eine oder andere Anker zu online Lauschbarem picken lässt.

hhfgl_g.gifZu faul zum Suchen?? [Sollte man eigentlich, weil man dabei unweigerlich auf so viele andere spannende Dinge wie zum Beispiel grossartige selbstgzeichnete Anleitungen zum Circuit Bending oder ein schnuckeliges gebendetes Stylophon stossen wird...]
Na gut: Es gibt auch noch einen direkten Weg zum Gehörgangglück, nämlich gesammelte Werke auf soundclick.com. Und natürlich Lazenbleeps Video-Sammlung mit Konzerten und diversen Basteleien in Aktion.

Will also noch jemand behaupten, dass in diesem Eintrag nicht drin ist, was drauf bzw. drüber steht? Eben.

[Bildchen: Tja. Es hat viele tolle Fotos von/mit/über George Lazenbleed und seine grossartigen Bendings im Netz. Aber keins davon blinkte uns mit Commons an. Auch keine Zeit gehabt, nochmal nach welchen zu fragen. Also haben wir uns ganz blöd und nichtsosuperhaha hin- und eine Fun Box vorstellen müssen (was wir eigentlich hätten besser können sollen bei all dem schönen Anschauungsmaterial... Aber sogar den Draht mussten wir uns heute bei den Wikipedia Commons leihen. Dafür danken wir dem GNU. *seufz*]

Von miss.gunst am 14.12.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.11.08

singende festplatten ff.

hddsko_ksw.gifAuch nicht wirklich neu - muss aber einfach auf den Eintrag zu Valentina Vuksics Harddisko folgen.
Denn aus nahe liegenden Gründen haben sich auch schon andere Menschen damit beschäftigt, woher denn das fiese Ticken, Schaben oder Simmern aus dem Türmchen unter dem Schreibtisch rührt...

Eine schöne kleine Sammlung potentieller Chorstimmen hat beispielsweise Oliver Feiler seit 2004 aufgebaut, zu jeder seiner Dying Hard Disks gibt's dabei ein kleines Porträt in Wort und Bild.

hddsko_g.gifDie ihrerzeit mal als erste Adresse geltende Kollektion Schwanengesänge fiepender Festplatten bei Hitachi gibt es wohl leider nicht mehr (von ihr zeugen nurmehr diverse begeisterte Blog-Einträge - ja, auch Webseiten vergehen - und dies meistens in aller Stille...).

Aber dafür stehen die Greatest Hits des 2006 von Gizmodo auf deren Basis lancierten Dance Track-Contest nach wie vor für Hartgesottene TänzerInnen am Rande des Vulkans zur Verfügung; eine Auswahl der entsprechend gekürten lässt sich u.a. über einen entsprechenden (und seinerseits bereits vom digitalen Verfall gezeichneten) Eintrag bei Gizmodo anspielen - und wer die gesamte Sammlung von immerin 96 Eingängen durchhören durchgrooven möchte, kann das ebenfalls tun.

[Bildchen: Die Imagination von vorgestern weitergeführt und, wenn es doch schon die passenden Dance-Tracks hat, gleich einmal ein paar bewegungsreudige Gestalten auf die Tanzfläche der Harddisco (ok, mit c) geschickt. Selbige verdanken wir einer wunderbaren Aufnahme von Alpha six, die via Flickr unter cc-by-nc-sa in den Wikipedia Commmons landete. Grand Merci! Your pictures *are* great! 8)]

Von miss.gunst am 05.11.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.11.08

harddisko

hdscr_ksw.gifIn der Ausstellung des SHIFT Festival gab es auch Gelegenheit zum Wiedersehen (und -Hören) mit einer ganz wunderbaren Arbeit, die nun auch endlich einmal ihren gebührenden Platz im Zettelkasten bekommen soll: Harddisko von Valentina Vuksic.

Tatsächlich ist, am Strang der sterbenden und noch einmal wiederbelebten Speichermedien weitergedacht, auch der Weg vom Tape (s. "The Loop" im Eintrag von vorgestern) zur Platte nicht weit.

hdscr_g.gifDenn Vuksic hat - wie schon der Name "Harddisko" ahnen lassen mag - für ihre Installation dahingeschiedene Festplatten gesammelt, geöffnet, mit einem Tonabnehmer versehen und zum Orchester vereint. Das spielt nun für uns auf.
Und siehe da, eben jene letzten Seufzer, die man sonst nun wirklich nicht hören mag, das leise Wimmern und klägliche Klicken, welches sonst Computernutzer in Angst und Schrecken versetzen kann (wenn sie es denn vernehmen), erklingen mit einem Mal wohl in den Ohren: Minimal Music, fast schon meditativ.
Oder eben doch ein bisschen unheimlich, sobald man realisiert, was man da eigentlich hört...

A propos 'hört': Den Klängen der Harddisko nachlauschen (und Bilder verschiedener Installationen der Arbeit seit ihrem Entstehungsjahr 2004 anschauen) kann, wer die Dokumentationsseite zum Projekt besucht; frische Bilder von Harddisko beim SHIFT Festival gibt es wiederum im Pool der fleissigen SHIFT-Festival-BloggerInnen.

[Bildchen: Aus nahe liegenden Gründen keine Nahaufnahme der Harddisko, sondern schlicht die - nachmalig leicht zerkratzte - Aufnahme einer geöffneten Harddisk, die Dave Indech unter GDFL in die Wikipedia Commons gespendet hat. Hier die Platte, dort die Hand an der Nadel... erinnerte uns an... *yeah*, Scratching!]

Von miss.gunst am 03.11.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.11.08

the loop

dwtll_ksw.gifZettelkastenkandidaten in der Ausstellung zur diesjährigen Ausgabe des SHIFT Festivals zu finden, legte schon das Thema Record Record nahe - unter anderem, weil die künstlerische Auseinandersetzung mit Aufzeichnung und Speicherung erfahrungsgemäss gern mit einem Umbau von Datenträgern, Medien und Apparaten operiert.

Mehrere einschlägige Beiträge gab es denn auch in der Sonderschau "SHIFT IN PROGRESS" - die von Studierenden der Schweizer Kunsthochschulen bespielt wurde und erstmal eigentlich nicht besagtem Thema verpflichtet war.

dwtll_g.gifGleich gegenüber dem Haupteingang beispielsweise lockte ein Container mit merkwürdig murmelnden Innereien: Auf einer fast raumfüllenden Tischplatte ausgebreitet mehrere zerlegte Rekorder, vom einfachen Plaste-Kassettenblaster bis zum Tape-Deck, zierlich eingefasst von einer stummen Schlaufe Magnetband - indes eine zweite eben ihre gewundene Spur von Gerät zu Gerät zog, um sich mählich transformierende Klänge zu transportieren. Die Essenz der gerade noch bestehenden, aber mählich vergehenden Kassettenkultur gleichsam für alle Sinne be-greifbar gemacht: Aufnahme und Wiedergabe in unaugfhörlichem Wechsel zwischen bespieltem und überspieltem Band - eine kleine Feier auf die Vergänglichkeit eines instablilen Kulturspeichers, Last und Lust zugleich.

Soweit die Installation "The Loop" von Daniel Werder und Timo Loos*, von der wir hier aus nahe liegenden Gründen kein Bildchen zeigen können. Das unter anderem auch fleissig fotografierende Team des SHIFT Festival Blog hat immerhin nächtens mal in den Container geschaut und ein besonders charismatisch glimmendes Eckchen der Arbeit abgelichtet. Worum sich das Ganze eigentlich dreht, geht aus der Aufnahme freilich nicht hervor.

[* Beiseit: Die beiden haben als Künstler leider keine eigenen Heimseiten; insofern kann man allenfalls auf jene ihrer gemeinsamen Band namens monorev verweisen. Die wiederum ist allerdings nicht sehr experimentell unterwegs...]

[Bildchen: Tja, so sah es natürlich auch nicht aus...]

Von miss.gunst am 01.11.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.10.08

b*tong

btbs_ksw.gifWäre ja längst Zeit für eine Nachlese zum SHIFT Festival - wobei nicht nur Nach- sondern auch Mitlesen, -hören und -sehen ja auch schon während der SHIFT-Tage ganz wunderbar über den SHIFT Festival Blog möglich war. Aber das eine oder andere der vielen Highlights muss doch auch dem hauseigenen Zettelkasten einverleibt werden.

Wie zum Beispiel das Kopfhörerkonzert mit b*tong - organisiert von (wen wundert's:) unserem Basler Lieblings-Netzlabel interdisco.

btbs_g.gifWer sich an diesem Abend, Kopfhörer über den Ohren und eingekuschelt in eine warme, rote Flauschdecke, in der Kleinen Halle niedergelassen hatte, blieb. Aber wo eigentlich? Denn der Körper war dann mal weg und auf der Reise in Landschaften, die fern und doch präsent und plastisch wuchsen, sich unaufhörlich verwandelten. Kino für die Imagination. Ganz Geräusch, das nicht nur Klang, sondern mehr war - Strruktur, Körper, Raum, Architektur.

Nun sind wir ja sowieso erklärtermassen verliebt in noisige Experimente mit Gerätschaften und Field Recordings. Aber selbst Menschen, die ihre Neigungen sonst nicht in diesem Feld verorten würden, sollten sich doch gelegentlich mal die eine oder andere der Produktionen von b*tong zu Gemüte führen.

Futter für Neugierige (und zukünftige Fans) gibt es obendrein nicht nur auf Tonträgern, sondern beispielsweise auch bei archive.org, wo etwa die im Mai diesen Jahres publizierte EP-SAusgabe von microsleep wartet. Oder bei NOECHO records, wo man nach wie vor sein Album "Structures" bekommt.

Beides natürlich kein Ersatz für Live-Experimente wie eingangs besungene Reise ins Innere der Gehörgänge. Aber lecker in jedem Fall...

[Bildchen: Tatsächlich Beton, ergo nicht gleich b*tong - aber doch in einem Zustand, in dem noch alles offen ist. Das Material haben wir von den Wikipedia Commons bezogen und danken dem Spender des Ursprungsbildes sowie dem grossen GNU.]

Von miss.gunst am 29.10.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.10.08

papierfliegerei

dmkpf_ksw.gifFür den Fall, dass der eine oder die andere bereits plant, dem gestern annoncierten Aufruf zum "New Millennium Paper Airplane Contest" zu folgen, sollte unbedingt noch auf eine Adresse verwiesen werden, an der es sich in Sachen Papierflugzeuge bestens kundig machen lässt - inklusive Bauanleitungen für die Praxis: Die Papierfliegerei.

dmkpf_gn2.gifDieser von Dieter Michael Krone eingerichtete Hangar für selbstgefaltete Flugobjekte enthält alles, was das Herz von Papierflieger-Fans und BastlerInnen begehrt:

Wissenswertes zu Materialkunde, Physik und Geschichte der Papierfliegerei, Literaturhinweise und Links, natürlich eine grosse Galerie mit den unterschiedlichsten Modellen - sowie nicht zuletzt: Bauanleitungen satt!

Ja, wenn wir in die nur hineingeschaut hätten, als wir Freihand unser Übungsexemplar falteten... Aber für Fortbildungsmassnahmen ist es sicher nicht zu spät.

A propos: Für letztere ist sicher auch Dieter Michael Krones im vergangenen Jahr erschienenes "Handbuch der Papierfliegerei" zu empfehlen - zumal die deutsche Ausgabe des erwähnten Klassikers derzeit vergriffen ist und man allenfalls mit der englischen Vorlieb nehmen muss.

[Bildchen: Diesmal passend zum Eintrag die sogar anschaulich animierte Anleitung für ein professionell gefaltetes Exemplar. Sie stammt von Dieter Michael Krone von der Papierfliegerei - der sie netterweise ausserdem der Wikipedia sowie Nutzungen wie dieser zur Verfügung gestellt hat. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 14.10.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.09.08

brückenmusik ff. (WRT)

atp_ksw.gifIst schon etwas länger her, dass es in diesem Log.Buch um Brückenmusik ging: Mit den Sound Lines von Bill Fontana und seiner Harmonic Bridge, sowie natürlich den Singing Bridges von Jodi Rose.
Nun können wir unserem Zettelkasten endlich einen weiteren Eintrag einverleiben.

atp_g.gifIn Frankfurt - genauer gesagt: zwischen Frankfurt und Offenbach hat nämlich der kanadische Percussionist Michael Gambacurta sein Ohr an die Kaiserleibrücke gelegt. Und in der Eisenkonstruktion, über die tagtäglich (sowie nachtnächtlich) ohne Unterlass Fahrzeuge rollen, ein Autophon - also einen Selbstklinger - entdeckt.

Mit Kontaktmikrophonen hat er sodann der schwingenden singenden Brücke an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten Klänge abgelauscht, in sein Studio entführt und dort gemeinsam mit dem auf Neue Musik spezialisierten Tonsetzer Matthias S. Krüger ein Brückenkonzert komponiert.

Selbiges ist noch bis einschliesslich kommenden Sonntag (21.09.08) in einer Klang-Raum-Installation im Rahmen des Festival Junger Talente im Hafen Offenbach zu hören, wo die beiden zusammen mit dem Künstler Yuki Higashino einen kleinen Container eingerichtet haben. Und zwar vis à vis der Kaiserleibrücke, die man - Kopfhörer über und Brückenkonzert im Ohr - dann per Fernrohr auch mit den Augen abtasten kann.

Mit ein bisschen Glück können zudem auch jene der Brückenmusik lauschen, die sie zugleich produzieren, wenn sie auf dem Weg von Frankfurt nach Offenbach oder vice versa auf der A 661 den Main überqueren: Auszüge aus dem Konzert werden nämlich mehrfach täglich auch über radio x ausgestrahlt und sind ergo auch im Autoradio zu vernehmen.

Und wer des gesamten Konzerts im Radio teilhaftig werden (sowie noch ein bisschen mehr über seine Entstehung erfahren) will, schaltet heute (19.09.) einfach ab 14:00 Uhr den richtigen Sender bzw. die passende Sendung ein...

Von miss.gunst am 19.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.09.08

Zwitschermaschine (ae08)

bzbz_ksw.gifMit der kleinen Reihe zur ars und zu Vogelstimmen, die auf der diesjährigen ars electronica zu vernehmen waren, sind wir tatsächlich noch immer nicht am Ende.
Denn auch in der Ausstellung "Cyberarts" im OK Offenen Kulturhaus konnte man auf ein Genist stossen, aus dem es - mindestens zeitweise - munter zwitscherte.

bzbz_g1k.gifDabei schauen die seltsamen Wesen, die sich in der Linzer Installation von teNts "Call <-> Response" zu einem Zirkel versammelt fanden*, nun wirklich ganz und gar nicht nach Vögeln aus.

Eher schon können die kugelförmigen "Köpfe" von der Materialanmutung her an Nester erinnern - ein Eindruck, den auch das kleine Foto auf der ars-eigenen Seite zu "Call <-> Response" recht gut vermittelt, wo sie anders als im OK direkt in einem Baum befestigt zu sein scheinen.

bzbz_g2k.gifTatsächlich handelt es sich jedoch um zwei verschiedene Experimentalanordnungen, die teNt bzw. Macoto Cuhara im Rahmen seines Projektes verfolgt hat.

Das geht aus der ausführlicheren Dokumentation auf seinen Heimseiten hervor (die wir - dank der wie je heissgeliebten Frames - hier leider nicht mit direkten Verweisen verknüpfen können dürfen).

Dort werden insgesamt drei Konstellationen von "Call <-> Response" vorgestellt: In der ersten (B2C) wird dem System die Sprache der Vögel gelehrt, in der zweiten (C2C) - die der Linzer Konstellation entspricht - zwitschern die Computer miteinander, in der dritten (C2B) schliesslich nehmen letztere wieder Kontakt mit den Federtieren auf.

bzbz_g3k.gifUm diese Konversationen zu ermöglichen, hat teNt mit Hilfe einer Modellierungs-Software die Syrinx bzw. den Stimmkopf von Vögeln nachgebildet, sodass sein System in der Lage ist, eine eigenständige Zwitschersprache zu generieren und sozusagen selbst zur Vogelkolonie zu werden (C2C).

Es kann aber eben auch von anderen Vögeln lernen (B2C) - und da Vögel bekanntlich ihrerseits ziemlich sprachbegabt sind, sollte das auch umgekehrt funktionieren (C2B).

"Theoretically possible types of birds in general, including extinct ones and those that never existed" soll seine Zwitschermaschine zu simulieren in der Lage sein.

Schade eigentlich, dass sie im OK eingesperrt war(en). Denn was wäre das erst in der Nachbarschaft zum Traumvogelbaum für ein Konzert geworden...

[Bildchen: Schlichter Versuch der eher systemischen Veranschaulichung einer Computervogelkommunikation. Nicht gerade dem Leben abgeschaut. Und natürlich erst recht nicht der hier bezwitscherten Installation.]

Von miss.gunst am 15.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.09.08

traumvogelbaum (ae08)

uiai_ksw.gifUnd wieder, wie angekündigt, zurück zu den Vogelstimmen. Im kleinen Park an der Donaulände zwischen dem Lentos Kunstmuseum und dem Brucknerhaus hatte sich zur ars electronica nämlich eine ganz besondere Gattung eingenistet.

Eigentlich ist der Uirapuru (Cyphorhinus aradus) vorzugsweise in einer Brasilianischen Legende heimisch, dergemäss das kleine, sonst eigentlich im Urwald hausende Federtier nur ein einziges Mal im Jahr seinen Gesang erklingen lässt. Welchselbiger dann jedoch so wunderbar sein soll, dass alle anderen Tiere bezaubert verstummen.

uiai_g.gifNun erwiesen sich die Linzer Fauna und insbesondere die zur ars besonders zahlreich die Donaulände bevölkernden Grosssäuger zwar als nicht ganz so ehrfurchtsvoll. Aber mindestens einige von Letzteren dürften sich durchaus gezielt am bezeichneten Ort eingefunden haben, um Tao G. Vrhovec Sambolecs in Zusammenarbeit mit Byung Jun Kwon entwickelter Variation auf die Legende zu lauschen:
A Tree is Dreaming of Uirapuru.

Versteckt im Gezweig warteten von Solarzellen betriebene Kassettenrecorder auf Sonnenschein, ein jeder mit Fragmenten elektronischer Vogelrufe ausgestattet - die sich allerdings nur zu einem bestimmten Sonnenstand zum eigentlichen Uirapuru-Lied zusammenfügen sollten.

So schlicht und schön und unaufdringlich, wie sich die Installation in die festivalökologische Nische fügte, hätte es das vielleicht gar nicht gebraucht, um den Traumvogelbaum ins Herz zu schliessen. Da uns aber das Wetter derart hold war und die Sonne Hochsommer spielte (und vielleicht auch, weil auch wechselseitige Spiegelungen zwischen Donau, Lentos und Brucknerhaus die Strahlen immer wieder aufs Neue zusammengeführt haben?), konnte man fast meinen, der legendäre Moment für den Uirapuru-Gesangs dehne sich über den ganzen Tag...

... beiseit vielleicht noch für FreundInnen künstlicher Nachtigallen Uirapurus: In der jüngeren Geschichte der elektronischen Kunst lassen sich auch bei Eduardo Kac Spuren einer entsprechend benamsten Arbeit finden. Die Dokumentation der Installation auf den Seiten des ICC InterCommunication Center in Tokio sind leider aus dem Netz verschwunden. Aber im MedienKunstNetz kann man noch einen kleinen Einblick gewinnen: Kacs Uirapuru sang - sic - als fliegender Fisch!

[Vom Cyphorhinus aradus gab es leider kein Bildchen, das uns in den Commons entgegengeflattert wäre - dafür aber von einem nicht minder musikalischen Microcerculus marginatus; weil man den Linzer Kollegen nicht sah, haben wir ihn auch ein wenig unsichtbar gemacht. Der Dank für das Bild geht an José Loiza, Aves y Conservación - Merci!]

Von miss.gunst am 13.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.09.08

seifenblasenharfe (ae08)

sbah_ksw.gifEigentlich könnten wir den Strang zur Sprache der Vögel zu Vogelstimmen gleich nahtlos weiterführen. Aber den anstehenden Rückblick auf die diesjährige ars electronica darf diesmal ein besonders charmantes Instrument eröffnen.

Selbiges war bzw. ist (mindestens am heutigen Tage noch) eingangs der Sonderausstellung mit Arbeiten von Studierenden zu finden, die heuer von solchen der Universität Tokio - genauer gesagt: dreier ihrer Studiengänge (der Graduate School of Interdisciplinary Information Studies III, der Graduate School of Information Science and Technology und der Graduate School of Engineering) - eingerichtet wurde.

sbah_g.gifEs hört auf den schönen Namen "ephemeral melody" und ist im Grunde eine Art elektroakustische Äolsharfe, die jedoch nicht mit Wind, sondern mit Seifenblasen bespielt wird: Per Handkurbel lassen sich schillernde Blasen produzieren - und wenn diese dann von zartem Lufthauch auf die Reihe von Kupferstäben getrieben werden, die gleichsam die anzuschlagenden Saiten vorstellen, erklingt das Instrument.

Auf seine Weise also ein very nervous system, das sich (vom Entsenden der Seifenblasen einmal abgesehen) allerdings ganz dem gezielten Zugriff entzieht, um stattdessen - eben wie eine Äolsharfe - poetische Zufallsmusik zu spielen. Prädikat: Schlicht und ergreifend wunderschön!

Wäre zu wünschen, dass Risa Suzuki, Taro Suzuki, Makoto Iida, Seiichi Ariga und Chuichi Arakawa - die talentierten ErbauerInnen der Seifenblasenharfe von "ephemeral melody" - vielleicht so viel Gefallen an der Arbeit in diesem Metier finden, dass sie in Zukunft noch weitere Zufallsmusikinstrumente produzieren.

[Bildchen: Zeigt natürlich nicht die Seifenblasenharfe selbst, sondern ein Gestiebe der zarten Sphären, mit dem man gut und gern ein ganzes Konzert auf dieser spielen könnte. Das grossartige Foto stammt von jurbvetson und wurde dankenswerter Weise zunächst als "Bubble Rain" bei FlickR unter cc-by publiziert, bevor es dann entsprechend lizensiert in den Wikipedia Commons landete. Grand Merci!

Von miss.gunst am 08.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.09.08

birdsong

bsnl_ksw.gif"Nur einer?" werden da treue LeserInnen fragen, die unsere Vorliebe für grosse und kleine Vögel bzw. Vogelstimmen teilen.
Aber nein: birdsong ist nämlich der Name eines sehr netten Netzlabels, das schon längst einmal vorgestellt werden will.

In Israel beheimatet, widmet es sich - dem schönen Motto "specializing in creative home recordings" entsprechend - Musik, die weniger durch hyperperfekte Produktion denn durch eine gewisse Eigenwilligkeit besticht.

Was aber mitnichten heisst, dass dem von einem der birdsong-Vögelchen frohgemut getschilpten Aufruf "low-fi forever!" (zu sehen in der Seite, die der Selbstvorstellung gewidmet ist) durchgängig so streng gefolgt worden wäre. Mindestens könnte man sagen, dass birdsong einfach mit einer anderen Art von high fidelity brilliert.

bsnl_g.gifJedenfalls ist es ein abwechslungsreiches Vergnügen, in den Veröffentlichungen von birdsong zu stöbern. Und natürlich sind wir auch um Empfehlungen nicht verlegen. FreundInnen von Spielzeuginstrumenten bzw. hacked toys dürften etwa an Broken Music feat. Her Highness (birdsong003) besonderen Gefallen finden; Fans von Tapes bzw. der Kassettenkultur lacht sicherlich schon das Cover von The lonesome executive's fantastic tape recorder (birdsong002) an.

Was aber nicht heissen soll, dass etwa nur die ersten Releases das Herz wärmen würden. Beispielsweise könnte die derzeit jüngste EP, "Drop - a 4 note soundtrack" von Cherly KaCherly auch eine schöne Gelegenheit bieten, unseren lang vernachlässigten Strang zur Wassermusik mal wieder aufzunehmen. Nur dass letztere ja leider gerade auch meterologisch, sozusagen im O-Ton, draussen vor der Tür zu haben ist. Und daher keine akustische Verstärkung braucht...

[Bildchen: Das wunderbare Original - Mdfs unter GNU den Commons anvertraute Aufnahme eines Rotkopfspechtes - war nicht umsonst heute Wikipedia-Bild des Tages. Fiel wirklich schwer, es zu modifizieren - nur damit das Ergebnis ein wenig danach ausschaut, als picke das Vöglein an einem Mikrophon...]

Von miss.gunst am 04.09.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.08.08

superoorsworld!

suo_ksw.gifUm die Woche wieder einmal mit einer kleinen Leckerei aus den Gefilden der wunderbaren Webcomics zu starten: Da gibt es einen ganz besonders feinen, der obendrein noch an den jüngst wieder aufgenommenen Strang zu 8bit anknüpfen lässt.

Superoorsworld!
Bereits zwei prächtige pdf-Episoden hat der französische Künstler Jonathan Silvestre* ins Netz gestellt, die dazu einladen, in die wilde und bunte Welt des pixelohrigen Superbärchens einzutauchen.

suo_g1.gifGleich in der ersten, "PRINCESS SOS (pdf)" muss es eine klassische Aufgabe erledigen und - wie das in Märchen und Games so üblich ist - eine entführte Prinzessin aus den Klauen fieser Widersacher berfreien. In "FUTCHEBOF" (pdf) wiederum versucht der Superheld auch noch Superfussballer zu werden. Na, ob ihm das gelingt?
[Beiseit: Nichtfrankophone ComicfreundInnen müssen übrigens nicht fürchten, dass die Antwort auf diese Frage für sie kryptisch bleibt: Das Superbärchen kommt, ganz wie ein Game, ohne Worte aus.]

Wer sich das Warten auf die bereits angekündigte dritte Superoors-Episode verkürzen will, darf sich übrigens ein Set der Super-Charaktere herunterladen und selbst am Spintisieren mit Super-Ours Superoors versuchen. Die hat Silvestre nämlich - wie man es sich für einen Sprite mit sicherlich rasch wachsender Superbärchenfangemeinde nur wünschen kann - in einem kleinen Päckchen zum herunterladen ins Netz gestellt. (Achtung, das Bärchen schnarcht!)

suo_g2.gifOhjagenau: Die wunderbare Wunderwelt des Superbärchen ist wunderbarerweise unter cc-by-nc-sa Lizenz gestellt! Weshalb wir diesen Eintrrag auch glücklich mit Superbärchen und Supercharakteren illustrieren können. Was natürlich besonders super ist...

[Bildchen: Oben rechts sieht man - in Superepisode eins - den Superbären in Aussicht auf eine entsprechende Entlohnung bei Befreiung der Prinzessin hunderfache tausendfache Honigkraft ausstrahlen. Und unten links unser erster kleiner Versuch, selbst einen Superbärenstrip zu basteln und den schnarchenden Superbären in Sphären zu versetzen, wo die Rüsselei am wenigsten stört... Hoffen, geholfen zu haben...]

[* PS: Ja, Jonathan Silvestre hat im Prinzip auch eine Heimseite. Aber die verankern wir momentan mal noch nicht, weil es noch keine Indexpage gibt und man dort gleich ins Innerste der Verzeichnisse blicken (und gelangen) kann. Was ja vielleicht nicht im Sinne ihres Besitzers ist. Den Hinweis auf den Superbären fanden wir übrigens bei Drawn!, was auch ein Superblog ist.]

Von miss.gunst am 18.08.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.08.08

rss art (nyffeler)

fnra_ksw.gifZum schönen Sonntag ein besonders schönes (Netz-)Kunstprojekt, das zudem - was die ganze Sache nochmals schöner macht - auf die eine oder andere Weise zum Mittun animieren will.

Obendrein kommt es von einer Künstlerin, die auch sonst allerlei Beglückendes produziert - wie beispielsweise das frenZINE, auf das kaum vom Ungefähr schon in diesem Log.Buch eine kleine Ode verfasst worden ist. (Ja, das frenZINE gibt es nach wie vor - die bis dato jüngste Ausgabe ist dem Thema "Schlafwandeln" gewidmet und steckt, wie immer bei Franziska Nyffeler, voller wunderbarer Bilder und tagheller Träume...).

Nun hat Nyffeler also ein neues Projekt ins Leben gerufen - und man könnte beinahe sagen, eine neue Gattung; "RSS Art".
In guter Tradition der Mail Art bzw. diese auf die Web 2.0- [nja, schreiben wir doch einfach mal:] Netzkonditionen weiterdenkend und -führend gibt es Kunststücke im Abonnement bzw. für diejenigen, die lieber nach Gusto und Zufall gucken kommen, auch ohne letzteres:

"While Mail Art etc. are sent out actively to their respective recipients, with RSS Art the recipient has to get active and subscribe to the feed. Or visit the website. We feel this to be a very viable art form for our times, in which people suffer from information overload and are getting bombarded with unsolicited emails left and right."

Was Nyffeler über ihr Projekt schreibt, lässt sich natürlich sowieso nur unterzeichnen. Obendrein hat sie ihre RSS Art aber auch noch in anderer Hinsicht hundert Prozent netz- bzw. webgerecht formatiert: Nicht nur sind die einzelnen Kunstpoststücke unter einer Creative Commons-Lizenz by-nc publiziert, die das Weitergeben ermöglicht. Sie ermutigt auch dazu, selbst tätig zu werden und sich in die vielleicht bald ja schon wachsende Gemeinde von RSSartists einzureihen. Dazu muss man natürlich erst einmal Bilder träumen. Doch bei so einer schönen Steilvorlage fällt das vielleicht ja gar nicht so schwer...

fnra_g.jpg

[Bildchen: Ist das RSS Art Kunststück vom 23.04.2008 (cc-by-nc Fransziska Nyffeler natürlich), das wir zugegebener Massen auch wegen unserer Neigung zu dahinsterbenden Medien ausgewählt haben.]

Von miss.gunst am 10.08.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.08.08

tape talks

ttt_00_ksw.gifWie eigentlich abzusehen, hat uns die Lektüre der drei gestern empfohlenen Artikel auch selbst nicht ganz unberührt gelassen. Allein schon, weil wir uns ja auch sonst gern Gedanken über instabile Medien, verfallende Daten und den Staub der Zeit machen.

Ergo haben wir dann doch ein wenig Trauerarbeit in Sachen Kassettenkultur geleistet, nach den sterblichen Überresten dahinscheidender Magnetbänder Ausschau gehalten und unsere Ohren gespitzt, um den Unterhaltungen der Untoten zu lauschen...

ttt_00_g1.gif
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ttt_00_g3.gif
ttt_00_g4.gif

Fortsetzung folgt...

Von miss.gunst am 07.08.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.08.08

the tape is dead (long liveth the tape)

ttid_ksw.gifDie Kassette ist tot? Nun, dass sie zu den vom Aussterben bedrohten Arten Medien gehört, wissen wir schon lang und haben uns ja auch in diesem Log.Buch bereits weidlich darum bemüht, dem ein wenig entgegenzuwirken.

Anstelle einer Kondolenzliste gibts deshalb zum Thema auch heute lieber Lektüre-Tipps in diesem Sinne: Gleich drei lesenswerte Artikel, die sich zwar einerseits mit dem Dahinsterben der Kassettenkultur befassen, aber zugleich auch diverse Anregungen zu konstruktiver Trauerarbeit bereit halten.

ttid_g.gifDer eine ist jüngst unter dem Titel "Say So Long to an Old Companion: Cassette Tapes" in der New York Times erschienen, der andere - auf ersteren aufsetzend - bei Telepolis ("Das lange Ende der Kassette...").

Beide listen eine ganze Reihe von Projekten, und in Letzterem findet sich denn auch der Verweis auf die dritte Lektüreempfehlung des Tages, nämlich Malte Mühles Artikel "Nimm mein Mixtape, Baby!", der am 03.07.08 in der Hannoverschen Allgemeinen erschienen ist.

Also: Lesen, so lange es den Gegenstand, dem die drei Texte huldigen, noch gibt? Nun ja, wer weiss. Angesichts des Verfalls digitaler Daten im Netz überleben vielleicht sogar manche Magnetbänder noch etwas länger...

[Bildchen: Zeugen zwar einerseits von unserer tiefen Trauer. Aber nicht von Ungefähr handelt es sich um weisse Schleifen. Wir meinen ja eigentlich, wie oben bereits ausgeführt: Heiter weiter so lange es noch geht. Aber mehr dazu dann morgen...]

Von miss.gunst am 06.08.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.08.08

diesel sweeties e-books

dswcb_ksw.gifZum Wochenbeginn wieder ein Zuckerl für Fans von Webcomics: Und zwar in Sachen Diesel Sweeties, die wir ja schon vor einiger Zeit mal mit einem Eintrag bedacht hatten.

Gerade diejenigen, die erst spät entdeckt haben, wie gut die tägliche Dosis Diesel Sweeties ihnen bekommt, werden sich über die Neuigkeiten freuen, die es zu vermelden gilt.

dswcb_g1.gifDie mittlerweile schon legendären ersten Folgen des leckeren Webcomics kann man sich nämlich nun auch kompakt in Form von praktischen Diesel Sweeties Webcomic Books im pdf-Format einverleiben.
Das Beste daran: Sind selbstredend die Inhalte. Aber gleich danach in der Rangfolge steht die frohe Botschaft, dass auch die E-Books zum freien Herunterladen verfügbar sind.

Womit im Prinzip genug Geld in der Börse übrig bleiben sollte, um vielleicht endlich ein elektrisches Schaf T-Shirt mit einem elektrischen Schaf darauf zu erstehen. Ziemlich zünftig und sehrsehr schick, s. d. Objekt der Begierde mit passendem Diesel Sweetie dazu. Oder doch lieber ein Paar der neuen Pixel Socks, damit man endlich auch zeigen kann, worauf man steht?

[Bildchen: Ein Grand Merci geht, wie schon beim letzten Mal, an Richard Stevens. Auch dafür, dass er uns nach wie vor treu mit der täglichen Dosis Diesel Sweeties beglückt - und das bei gestiegenen Rohstoffpreisen...]

Von miss.gunst am 04.08.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.07.08

solides wissen (xkcd webcomix)

rmipc_ksw.gifUm mal wieder die gute Tradition aufzunehmen, die Woche mit einem tendenziell heiter stimmenden Eintrag zu starten:
Warum nicht gleich mit einem Klassiker unter den Webcomics - xkcd.

Seit 2005 erfreut sich eine mutmasslich exponentiell wachsende Fangemeinde an den Strichmännchen-Zeichnungen des studierten Physikers Randall Munroe, der mittlerweile wohl sogar seinen Lebensunterhalt mit den Comics verdienen kann.

Umso höher mag man es ihm anrechnen, dass er sie nach wie vor unter einer Creative Commons-Lizenz publiziert.
Was es uns wiederum ermöglicht, an dieser Stelle eines unserer jüngsten Lieblingsstücke direkt wiederzugeben. Es ist der tiefen Weisheit gewidmet, die mancher Wikipedia-Artikel birgt:

rmipc_g.gif

Beiseit: Ist weder die erste und wahrscheinlich auch nicht die letzte Spitze, die Munroe auf die Gemeinschaftsenzyklopädie platziert. Aber weil er erstere ebenso gerecht wie letztlich liebevoll in der gesamten Computerkultur verteilt, kann sie auch treue Wikipedianer kaum verdriessen. Die haben xkcd übrigens sowohl in der englischen als auch in der deutschen Ausgabe längst Artikel angelegt, die - na, sagen wir: doch von der etwas informativeren Sorte sind als die von Munroe aufs Korn genommene Kategorie.

[Bildchen: Eine Originalkopie von xkcd No. 446, unter Creative Commons cc-by-nc 2.5 lizensiert. Ein grosses Merci geht an Randall Munroe!]

Von miss.gunst am 28.07.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.07.08

grelle musik

gmg_ksw.gifKlingt ein bisschen wie Gelbe Musik? Ganz falsch ist die Assoziation nicht, denn auch hier kommen Kunst und Klang zusammen. Allerdings nicht analog, auf Tonträgern und in Berlin, sondern in Graz und im Netz.

gmg_g1.gifLetzteres gehört ganz entscheidend zum Konzept: Grelle Musik geht es nämlich – wenngleich nicht ausschliesslich, so doch mit einem deutlichen Schwerpunkt – um Musik und Klangkunst in der digitalen Kultur. 1982 von Werner Jauk als "Plattform zur Realisierung experimenteller Formen der akustischen und visuellen Künste" begründet, werden seither auf diesem Feld regelmässig Forschungs- und Praxisprojekte initiiert und durchgeführt, von denen die meisten ihrerseits Netzwerke aktivieren.

So auch aktuell jenes, für das Grelle Musik KünstlerInnen und TheoretikerInnen verschiedener Disziplinen nach Stellungnahmen und Beiträgen zum "musikalisierten Alltag der digital culture" fragte.

gmg_g2.gifHeute (01.07.08) findet Am 01.07. fand im legendären Grazer Dom eine Netzkonferenz- und Konzerttag statt, in dem die Antworten in Form von Kurzvorträgen und audiovisuellen Beiträgen vorgestellt werden wurden.
Wer mag, kann mochte, konnte auch aus der Ferne mit von der Partie sein – denn die gesamte Veranstaltung wird wurde per Stream im bzw. ins Netz übertragen. Und es gibt gab sogar die Möglichkeit, sich per Skype-Schaltung auf die eine oder andere Weise live einzubringen.

Aufgrund unserer Zwangspause kommt dieser Eintrag nun leider zu spät, um zu solcher Teilnahme zu laden. Was natürlich ziemlich schade ist. Aber da bei Grelle Musik im Allgemeinen und im Speziellen auch zum Netzkonferenz-Konzerttag auch sonst einige interessante Materialien archiviert sind, lohnt auch ein nachträglicher Besuch. So kann man nun beispielsweise in aller Ruhe in den Statements stöbern, die KünstlerInnen und TheoretikerInnen auf Jauks Anfrage hin eingereicht haben.

[... ja, ein kleines Notizzettelchen vom braven Medium ist auch dabei. Welchselbiges aber nur der Begleitbrief zum eigentlichen Beitrag ist - der seinerseits ein Stückchen Radio war und ergo radiophon gesendet wurde, flüchtig in Raum und Zeit ...]

Von miss.gunst am 22.07.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.06.08

waldstück

ckwst_ksw.gifA propos Field Recordings. Da hätten wir doch gleich noch etwas in der Hinterhand - und zwar direkt aus dem schönen Hessenland.
In selbigem erklingt - natürlich nicht nur um des Reimes willen, zum Glück: Ein Waldstück.

Zumal das Hörstück zum Waldstück bzw. das gleichnamige Projekt von Christoph Korn - treuen LeserInnen ebenfalls kein Unbekannter (s. den Eintrag zu Sorge und Kapitalismus) - nicht unbedingt naturromantische Glückseligkeit assoziieren lässt.

ckwstk.gifKorn lässt nämlich das webbasierte Akustikidyll Stück um Stück verschwinden.
Seit dem 05. Februar diesen Jahres schwinden täglich ca. 78 Sekunden der ursprünglich vierundzwanzig Stunden dauernden Aufnahme automatisch bzw. nach dem Zufallsprinzip.
In etwa drei Jahren wird der Wald dann gänzlich in Wohlgefallen ins digitale Nirvana aufgelöst haben.

Zuvor und für die Rundfunkarchive soll es dann in diesem Herbst aber noch eine Übertragung des Hörstücks im Hessischen Rundfunk geben.

Wer jetzt denkt: Wenn ich dem Waldsterben 2.0 sowieso keinen Einhalt bieten kann, dann bleib ich mindestens mit den Ohren dran, ist so gesehen sicher nicht auf dem Holzweg.
Ähnlich sieht Korn jedenfalls die Sache auch, wenn er in seiner Notiz zum Projekt tröstet:

"Es ist nicht Nichts, was bleiben wird, sondern 24 Stunden durcharbeitete und, wenn man so will: durchwachte 'Zeit'."

Diese Arbeit leisten, heisst anderes wachsen lassen: die
Imagination. Was in der Tat nicht nur poetisch, sondern auch politisch
wichtig ist. Denn wenn die verkümmert, verschwinden nicht nur Wälder...

[Bildchen: So ungefähr stellen wir uns vor dem inneren Auge vor, was in diese Fall eben nur das Ohr erleben kann - wenn überhaupt. Den Schwund erträumten wir auf der Grundlage eines Waldstücks, das - anders als Korns Original - auch nicht in Hessen, sondern im Saarland wächst und von Oliver Herold unter cc-by 3.0 den Wikipedia Commons anvertraut wurde. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 30.06.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.06.08

öffentliches stricken

wkd08_ksw.gifSträflich spät, aber ganz unterschlagen wollen wir ihn eben doch nicht: In die stets wachsende Schar weltweiter Aktionstage hat sich nun auch ein World Wide Public Knit Day eingereiht.

Nun muss Stricken, Häkeln und Sticken natürlich sowieso nicht im stillen Kämmerlein stattfinden. Schliesslich ist Handarbeiten seit einiger Zeit - unter anderem ja auch in der Kunst - derart en vogue, dass man drinnen wie draussen, on- wie offline alle naslang entprechend erstellten Kreationen sowie eben auch deren KreateurInnen begegnet.

wkd08_g.gifUnd selbst dort, wo man sich explizit auf klandestine Strickzirkel bezieht (s. d. Eintrag vom 30.12.05 zum Revolutionary Knitting Circle), wird deshalb noch lange nicht die Öffentlichkeit gescheut - ganz im Gegenteil geht es gerade darum, selbige für politische Statements zu schaffen und zu nutzen.

Der World Wide Public Knit Day, 2005 von Danielle Landes begründet, hat sich da eher der Basisarbeit lokaler Gemeinschaftsbildung verschrieben.
Um ihn zu begehen, muss man sich eigentlich nur bzw. -geneigten zum bezeichneten Datum - dem 14.06. - mit Gleichgesinnten zusammenfinden und fleissig der Nadelarbeit frönen.

Hiefür allerdings stellt Landes zum einen ein Sortiment an Blanko-Einladungen und anderen Materialien zur Verfügung, die auf das eigene Projekt zugeschnitten und dann per Mail, per Web oder ganz klassisch in Form von Flyern verteilt werden können. Zum anderen lassen sich die geplanten Veranstaltungen dann auch auf der World Wide Public Knit Day vermelden, wo umgekehrt dann Mitstrickwillige nach Strickkreisen in ihrer Nähe suchen können.
Und wenn man dann (s)einen gefunden (oder selbst einen begründet) hat - wer weiss, vielleicht wird ja mehr und wohlmöglich sogar ein ganz revolutionärer Strickzirkel daraus?

Heuer noch einen kleinen hausgemachten "Kip" (= Knitting in Public)-Kreis ins Leben zu rufen, werden wir wohl auf die Schnelle nicht mehr schaffen - zumal wir eh anderweitig alle Hände voll tun haben und uns ausserdem mit unserer eigenen kleinen Werkgemeinschaft schon gut versorgt wähnen dürfen.
Aber wie das mit Jahrestagen so ist: Sollte es ja im nächsten wieder eine Chance geben...

[Bildchen: So schaut eine Blanko-Einladung zum aktuellen World Wide Public Knit Day aus. Logo und Gestaltung: Danielle Landes.]

Von miss.gunst am 14.06.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.05.08

wie's fuktioniert

fgzz_ksw.gifZur Abwechslung mal wieder was Handfestes für den Zettelkasten.
Neben dem "Wieso, weshalb, warum" gehört zu den wichtigsten Fragen, die nicht nur Kinder sich und anderen stellen, bekanntlich diese: Wie funktioniert das eigentlich?
Gut, wenn man da weiss, wo man nachschlagen kann.

fgzz1k.gifGeht natürlich nach wie vor in schlauen Büchern - gern erinnern wir uns an eines, das noch aus dem Jugendfundus der Eltern stammt und den schönen Titel "Wie funktioniert das?" trägt. Allein schon der anschaulichen Illustrationen in bester enzyklopädischer Tradition wegen hat es einen Ehrenplatz im Regal. Allerdings mehr in antiquarischem Sinne, denn dem Erscheinungsdatum entsprechend ist doch so Einiges - sowohl was die erläuterten Geräte als auch was das Hintergrundwissen betrifft - vom raschen Lauf der Zeit längst überholt.

Heute hingegen schlägt nicht nur der Nachwuchs gern im Netz nach. Und da wiederum gibt es selbstredend nicht allein die Wikipedia, sondern auch allerlei Spezialangebote.

Wie beispielsweise "How Stuff Works", wo sich entsprechende Erläuterungen en masse finden - und zwar nicht nur auf den denkbar weiten Bereich der Wissenschaft und der Technik bezogen.

fgzz2k.gif

Das hauseigene Test Dept. hat die obligaten Stichproben vorgenommen und ist zu folgenden Ergebnissen gekommen:
Mal reinspitzen lohnt eigentlich fast immer. Bestechend klar und anschaulich zum Beispiel das Kapitel zum Thema Radio.

fgzz3k.gifDem Gegenstand entsprechend eher obskur, dafür aber sehr amüsant: Die Einträge im Bereich "Supernatural Sciences". Dochdoch, da kann man auch nachlesen, wie Geister funktionieren (und mindestens diesem Artikel gebricht es eigentlich nicht an Seriosität).

Aufstossen könnte möglicherweise dagegen, dass Kunst als Unterkapitel von "Entertainment" firmiert. Aber das ist mittlerweile ja auch bei so mancher Zeitschrift bzw. deren Webpräsenzen nicht anders. Insofern sollte es FreundInnen der Künste nicht weiter schrecken. Auch wenn sie sich dann vielleicht doch die Lektüre von Einträgen ersparen werden, in denen mal eben in wenigen Zeilen erklärt wird, wie Kunst funktioniert.

Von miss.gunst am 25.05.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.04.08

kreative artistik (ruppert & murlot)

zfap_ksw.gifAbsichtsvoll im voraufgehenden Eintrag zum fumetto nicht genannt, weil sie einen eigenen bekommenen sollten: Die beiden grossartigen und äusserst versatilen Zeichner Florent Ruppert und Jérome Mulot.
Sie auch übertragend als Artisten zu deklarieren (denn artistes sind sie als frankophone Comic-Künstler natürlich sowieso), macht dieser Tage durchaus wortwörtlich Sinn.

Tatsächlich haben sich die beiden für das Festival nämlich eine regelrechte Zirkusnummer ausgedacht.
Nein, keinen Drahtseilakt - sie zeichnen live mit Tigern!
Einige Ergebnisse dieses waghalsigen Unterfangens finden sich bereits auf den fumetto-Seiten dokumentiert.

zfap_g0.gifZu Fans des Duos sind wir - zumal sonst nicht unbedingt den zirzensischen Künsten zugeneigt - allerdings vor schon längerem und aufgrund anderer, nicht minder origineller Inventionen der beiden geworden. Denn Ruppert/Murlot haben sich bereits mehrfach als Medienarchäologen mit historischen Augenweiden beschäftigt, um sie kongenial in eigene Projekte zu transformieren.

So beispielsweise mit ihrem "Phenakistiscope du Bal", das eine zeichnerische Animation des gleichnamigen Optischen Spielzeug vorstellt.

Oder mit den "Images Cryptées de Reportage", die das Prinzip eines entsprechenden Bilderrätsels aufnehmen. Deren Funktionsweise lässt sich per pdf-Druck bequemstens selbst ausprobieren - und wie das Ganze vom Grundsatz her geht, kann man auf John Rauschs Puzzle-Welt an einem einschlägigen historischen Exemplar bewundern.

zfap_g.gifDieser Tage widmen sich die beiden also nun in Luzern beim fumetto der angewandten Comic-Artistik - und wie man es nicht anders erwarten würde, entfaltet sich sozusagen auch hier der Zauber der Manege...

[Bildchen: Als DIY-Freundin mussten wir das Prinzip natürlich unbedingt mal selbst ausprobieren. Ergo ein erster - etwas arg eilig ausgeführter hektisch dahingekritzelter - Versuch. Eben weil der denkbar kunstlos ausgefallen ist und nur Demonstrationszwecken dienen soll, gibt's denn auch die Auflösung gleich anbei. Nunja, da heisst es: Üben, üben, üben!]

Von miss.gunst am 17.04.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.03.08

no matter (a2d2a ff.)

noma_ksw.gifLeicht zu erraten, welchen der Beiträge zu "Mixed Realities" wir sofort ins Herz geschlossen haben: Nicht etwa egal welchen, sondern eben jenes Projekt, das auf den Namen "No Matter" hört und aus gutem Grund auch einen eigenen Eintrag im Zettelkasten bekommt.

Allein schon, weil wir imaginäre Objekte innig lieben - und es um so grossartiger finden, wenn sie greifbare Gestalt gewinnen.

noma_g4.gifNatürlich gibt es eine Reihe von Sphären, in denen imaginäre Objekte seit je zu Hause sind. Und gleich nach der Phantasie zählen dazu auch solche, in denen die Einbildungskraft nicht nur selbstgenügsam waltet, sondern tatkräftig zum Bilden drängt: In der Literatur mit Worten, in der bildenden Kunst mit Materialien und in optischen Medien.
Wobei, à propos Medien, der Reiz und die Qualität dieser Sphären eigentlich eher darin liegen, dass bei aller Gestaltung auch seitens der Rezeption für die Imagination noch hinreichend Spielraum bleibt - etwa in dem Sinne, wie McLuhan die kalten bzw. kühlen Medien gegenüber den heissen definiert.

Aber was sagt die tätige Einbildungskraft, wenn man sie in eine Welt aus Polygonen schickt, deren Zusammensetzungsoptionen sich ästhetisch erst einmal eher auf der Ebene von Fertighauskatalogen und Tiefkühlmenues zu bewegen scheinen? Nun: Selbst wer SL vorzugsweise als Zweitleben-Puppenstube oder als Variation aufs Süsse Jenseits sieht (beides Optionen, die uns nicht ganz zufällig in den Sinn kommen), wird zugeben müssen: Heiss können das gerade deshalb so viele finden, weil es ebenfalls eher zu den kühlen Medien zählt, vorgefertigte Polygonen hin, aus dem RL abgekupferte Ökonomien her.

noma_g3.gifTapfer haben wir daher immer wieder mal getestet. Und das Ganze trotzdem stets aufs Neue für grässlich befunden. Umso mehr freuen wir uns regelmässig über Projeke, die ohne SL zwar nicht denkbar gewesen wären - aber die Schraube doch ein entscheidendes Stückchen weiterdrehen. Wie eben beispielsweise "No Matter" von Victoria Scott und Scott Kildall.

Die beiden haben nämlich zunächst einmal eine Reihe kreativer SL-BewohnerInnen gegen eine Entlohnung in schnöden Lindendollars damit beauftragt, aus Polygonen imaginäre Objekte zu basteln - und zwar, wie sich das für SL gehört, nach Vorbildern aus dem ersten Leben. Um nicht zu sagen: Klassikern unter den imaginären Objekten. Beispielsweise auf der Liste: Ein fliegender Teppich, der Heiligen Gral, das Bildnis des Dorian Gray (um schon mal vorzugreifen: autsch).

Nun liegt es zwar in der Natur der Sache, dass die schönste Vorstellung in SL notgedrungen zu Tand gerinnt. In dessen eigentliche Heimat mitnehmen lassen sich die Objekte aber normaler Weise nicht.
Anders bei "No Matter": Denn die Polygonen haben Scott und Kildall anschliessend auseinandergefaltet und zu Vorlagen für Ausschneidebögen gemacht, aus denen dann wieder Pappmodelle gefertigt wurden. Imaginäre Objekte zum Anfassen - gibts nicht? Gibts also doch.

noma_g2.gifIn voller Grösse sind sie derzeit nun in der Ausstellung "Mixed Realities" zu bewundern. Ist ein weiter Weg und eh weiter weg als SL? Kein Problem: Viel spannender ist es nämlich sowieso, auf der Heimseite des Projekts die Liste der Objekte durchzugehen, wo es zu einem jeden einen anderen Bogen gibt, auf dem zusammen mit den Objekten auch die Hintergründe ihrer Herstellung zu ergründe(l)n sind.

Unsere klaren Favoriten: Der Monolith aus 2001 (mal ganz harmlos nämlich und garantiert stumm, ohne dräuendes Drone-Gesumm), das tragbare Loch (weil man so was immer gut gebrauchen kann - auch wenn das Loch in der Umsetzung durchaus etwas löchriger hätte ausfallen dürfen - irgendeine Nische bräuchte die Imagination ja doch) sowie allen voran das Big Dumb Object (sowieso, sonnenklar), von Cheen Pitney gross-artig umgesetzt. Prima praktisch eigentlich auch Clyde Lindmans Vorschlag, den Topf mit Gold nicht am bekanntlich schwer erreichbaren Ende des Regenbogens zu platzieren - sondern einfach selbiges am Topf zu fixieren.

noma_g5.gifUnd dann hätten wir noch einen Sonderpreis zu vergeben: So sehr wir mathematische Modelle mögen, in diesem Fall aber nicht für das Objekt.
Sondern? Tja, einfach mal raten. Kleiner Hinweis: Auch das schicke Outfit seines Schöpfers ist es nicht...

[Bildchen: Für die Reproduktionsgenehmigung danken wir mittelbar natürlich auch den kreativen Auftragsdesignern - vor allem aber Scott Kildall und Victoria Scott. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 20.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.03.08

gemischte realitäten

tmrb_ksw.gifZwar muss man "Manufacturing", wie es beim dieser Tage in unseren Radar gegangenen Share Festival Thema war, nicht unbedingt gleich mit einer (Re-)Materialisierung des Digitalen assoziieren. Aber dass und wie man diese Begriffe zusammendenken kann, hat durchaus mit der Überlagerung von und den diversen Oszillationen zwischen analogen und digitalen Realitäten zu tun, die für unsere gegenwärtige Kultur charakteristisch sind.

Anfang Februar (07.02.08) hat turbulence.org - seit mehr als zehn Jahren als Plattform für netzbasierte Kunstprojekte aktiv - nun eine Ausstellung eröffnet, deren Exponate sämtlich mit entsprechenden Strategien operieren:

"Mixed Realities", noch bis zum 05.04. in der Huret & Spector Gallery des Emerson College in Boston zu sehen,

tmrb_g.gif

"is an international networked art exhibition that explores the convergence — through cyberspace — of real and synthetic places made possible by computers and networks."

Wohlgemerkt wird die Vermischung hier explizit in beide Richtung gedacht (also nicht nur a2d2a) - wobei die Simulation und/oder virtuelle Spiegelung des Materiellen im digitalen Raum natürlich sozusagen von Anfang an das Nachdenken über letzteren gepprägt hat. Ergo nun wirklich nichts Neues ist. Was sich in diesem Bereich drchaus geändert (und wenn man so will: auch weiter entwickelt) hat, sind die Ansprüche und Ziele einerseits und die Wahrnehmung andererseits. Vom Ufer einer ohnehin stark vom Umgang mit Digitalem geprägten Kultur hüpft man als andere/r in diesen Fluss, als man es etwa in den 1980ern gewesen wäre.

Soweit ein wenig küchenphilosophisches Begleitgemurmel zur Empfehlung, sich mindestens mal die digitale Seite der Exponate von "Mixed Realities" anzuschauen - und wir werden den Faden dann dieser Tage an jenem Ende ein wenig weiterspinnen, das uns daran besonders interessiert.

Von miss.gunst am 18.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.03.08

Lost Sound

lt2_ksw.gifDieser Eintrag wäre beinahe schon vergangene Woche in Verbindung mit einer Veranstaltungsempfehlung im Zettelkasten gelandet. Aber von der haben wir aus praktischen Gründen dann abgesehen - oder hätte eine/r der geneigten LeserInnen mal eben ins belgische Leuven rauschen können?
Nun: Für FreundInnen von Kassettengeschichten und anderen Zeugnissen der vergehenden Tape-Kultur wäre das sicher eine feine Sache gewesen.

In Zusammenarbeit mit der heimischen Musikveranstaltungsorganisation und -Plattform (K-RAA-K)3 organisiert das dort ansässige Kunstzentrum stuk nämlich neuerdings eine Veranstaltungsreihe namens "Displaced Sounds".

lt1_g.gifUnd gleich der erste Abend, der am vergangenen Donnerstag (13.03.08) stattgefunden hat, versammelte eine ganze Reihe spannder Projekte.

Darunter eben auch ein Video, das dem schnöden Schicksal der einst so verbreiteten Magnetbandwickel gewidmet ist: "Lost Sound" von John Smith und Graeme Miller.

Zwar ist die Gelegenheit, "Lost Sound" in Leuven zu sehen, dahin.
Aber das Video als solches gibt es - wie ja schon unser Anker anzeigt - bei der Londoner Distribution Lux (btw die Adresse schlechthin für künstlerische Vilmproduktionen aus UK und, wie miss.gunst gern aus eigener Erfahrung bestätigt, auch ein zuverlässiger Partner für die Organisation einschlägiger Veranstaltungen). Was an dieser Stelle sagen will: Wer gerne einmal selbst einen Vilm- und Musikabend zum Thema zu gestalten gedenkt, weiss hiermit, wo es zu bekommen wäre...

lt2_g.gif

[Bildchen: Standbilder aus "Lost Sound" kann man auf der verankerten Projektseite bei Lux anschauen - aber leider nicht von ebendort entnehmen und reproduzieren (d.h. man könnte schon, aber man darf natürlich nicht). Ergo mussten wir mal wieder ein Surrogat imaginieren. Ging ein bisschen schnell - aber man sieht wohl schon, wie verloren das verstossene Medium in die Weltgeschichte blickt...]

Von miss.gunst am 16.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.03.08

sägevögel & co (tierstimmen ff.)

ssv_ksw.gifEigentlich ein Fall von Eulen nach Athen - aber dieser Eintrag muss doch auf den voraufgehenden folgen.
Gewidmet ist er natürlich dem wohl grössten europäischen Tierstimmenarchiv, nämlich demjenigen der ehrwürdigen British Library.

ssv_g1.gifDie Sammlung der "Wildlife Sounds" als solche ist in ihren Beständen - ähnlich wie ihre Berliner Schwesterinsitution - online zwar nur über ihren Katalog zu bestaunen und eben dann vor Ort zu konsultieren.

Gleichwohl ist aber auch eine erkleckliche Anzahl von Kostproben für NetznutzerInnen zugänglich. Und zwar über die Themen-Beiträge des Bereichs "Listen to Nature", deren Lektüre zudem allerlei Wissenswertes vermittelt.

Unser Herz gehört dabei, wie treue LeserInnen aus guten Gründen ahnen werden, einerseits den gefiederten KlangkünstlerInnen bzw. der "Language of the Birds".
ssv_g2.gifUnd dort wiederum namentlich jenem Kapitel, das der Aneignung anderer Sprachformen bzw. der akustischen Mimikry gewidmet ist.

Andererseits gibts aber auch einige Töne, welche die Ohren von InsektenmusikfreundInnen erfreuen dürften. Unbedingt empfehlenswert, weil sonst nicht überall geboten (und von ähnlich entspannender Wirkung wie das Geräusch sanft prasselnden Regens - so man dabei vor dem geistigen Auge nicht Selbstgestricktes vernichtende Mottenlarven imaginiert): Die friedlichen Fressgeräusche von Bombyx mori bzw. Seidenraupen in mutmasslich erklecklicher Zahl.

[Bildchen: Illustrieren, wenngleich von einem im entsprechenden Kapitel zu erlauschenden Hörbeispiele inspiriert (nämlich einem Sägearbeiten intonierenden Braunbauch-Laubenvogel), selbstredend gerade nicht das Phänomen der lingustischen bzw. vokalen Mimikry bei Vögeln. Stammen vielmehr aus unserer kryptoornithologischen Sammlung, alles Exemplare, deren Stimmen leider nicht überliefert sind. Mehr zu diesem Thema im voraufgegangenen Eintrag. Für die Gene unserer Züchtung danken wir Mnemosines Spende in die PD...]

Von miss.gunst am 11.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.03.08

tierstimmen

tsta_ksw.gifA propos Museum für Naturkunde: Nicht nur InsektenmusikfreundInnen seien bei dieser Gelegenheit darauf verwiesen, dass besagte Institution unter anderem auch ein grosses Tierstimmenarchiv beherbergt - das allem Vernehmen nach nicht nur in Deutschland seinesgleichen sucht.

Das heisst: Wie die Sammlung im weltweiten Vergleich dasteht, ist unter dem gleichnamigen Menüpunkt nachzulesen [nämlich auch nicht schlecht; viel schlechter finden wir gerade, dass sich die Menüpunkte nicht direkt verlinken lassen].

tsta_g1.gifAber um solche sportlichen Ränge soll's an dieser Stelle ja sowieso nicht gehen. Sondern schlicht um die Würdigung einer für alle mit Ohren ausgestatteten Wesen inbesondere auch längerfristig wertvollen Archivierung akustischer Schätze. Denn ist ja nun leider nicht auszuschliessen, dass sich die Quellen der Klänge in vivo früher oder später rar machen werden, sei es nun durch die fortschreitende Reduzierung der Artenvielfalt oder durch andere mehr oder weniger "natürlichen" Veränderungen.

Allein aus diesem Grunde, also weil es sozusagen zur Erhaltung der akustischen Artenvielfalt beiträgt und damit einen potentiellen Wissensspeicher darstellt, wandert das Tierstimmenarchiv auch in unseren Zettelkasten. Indes KlangbastlerInnen auf der Suche nach einer Alternative zu Field Recordings beim Blick in die Datenbank feststellen werden, dass es in selbiger nur die archivalischen (Meta-)Daten nachzulesen - ergo für sie nichts zu holen gibt.

Zudem bieten sich für letzteren Zweck ja auch ganz andere Ressourcen an. Von denen wir selbstredend längst welche in unserem Kulturbeutel gesammelt haben und sicher auch mal vorstellen werden. Kommt Zeit, kommt Klang...

[Bildchen: Zeigt einen Vogel, dessen Stimme sich garantiert weder im Berliner noch in irgendeinem anderen Tierstimmenarchiv dieser Welt befindet. Nämlich einen Hongshanornis longicresta bzw. eine Rekonstruktions-Zeichnung seiner mutmasslichen Erscheinungsform zu Lebzeiten, die Pavel Riha angefertigt und grosszügiger Weise unter GNU/GDFL den Wikipedia Commons zur Verfügung gestellt hat; diese Linzenz gilt ergo auch für unsere Mutation zum Nachbild. Rar macht sich bei diesem Tier übrigens nicht nur die Dokumentation der Stimme, sondern es scheint auch sonst nur wenig über seine einstmalige Existenz zu finden zu sein. Fast möchte man träumen, es stamme aus Borges' Book of Imaginary Beings...].

Von miss.gunst am 09.03.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.02.08

macht was (zeichenmaschinen ff.)

ydm_ksw.gifJa von wegen. Steht zwar "You don't matter" drüber und sozusagen auch dahinter.
Aber ansonsten ist man doch sehr produktiv.
Oder war es wenigstens mal, als es darum ging, eine Maschine so um- bzw. aufzurüsten, dass man jetzt machen lassen kann.

ydm_g1.gifUnd The Plotting Machine macht ihre Arbeit wirklich beeindruckend gut - ganz egal, ob es gilt, Lettern auf's Papier zu bringen, auf Stoff aufzutragen, auf Wachstafeln oder gar in Vinyl zu fräsen.

Dass sie so schön schreiben kann, verdankt sie übrigens ebenfalls einer Art Kunst- bzw. Schreibmaschine: Nämlich dem Scriptographer, einem Plug in, das Jürg Lehni für ein bekanntes Zeichenmaschinchen Grafikprogramm entwickelt hat. Es muss ja nicht immer die Orientierung am Abstrakten Expressionismus sein, welche die Latte legt...

Wobei: Sich am "O di Giotto" üben bzw. Kreise ziehen - das kann The Plotting Machine als automatisch geniale Künstlerin natürlich auch.

Btw. für einschlägig Interessierte gegebenfalls beachtenswert: Auf der Einstiegsseite von You don't matter gibts gerade einen Aufruf für ein geplantes Ausstellungs- und Publikationsprojekt - für das unter anderem nach "Constructed or converted machines that are now able to produce something visual" gesucht wird. Von wegen "You don't matter"...

ydm_gg.gif

[Bildchen: Ja von wegen, zum Zweiten Dritten: Macht nämlich in der Tat was, nämlich einen Riesenspass: Die gute alte Wachskratztechnik aus dem Kindergarten mal mit Maschinenhilfe, also im Digitalen zu erproben. Wobei der Handarbeitsanteil dann allerdings zu einem etwas weniger attraktiven Ergebnis sorgt, als dies die Plotting Machine im Verein mit dem Scriptographer hinbekäme. Man kann halt nicht alles haben....]

Von miss.gunst am 23.02.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.02.08

DIY Analoge Digitaluhr (a2d2a)

mfad_ksw.gifZugunsten der Webradio-Tipps ist die Rückschau auf die transmediale bislang zu kurz gekommen - insofern wird es höchste Zeit, ein absolutes Highlight unter den Exponaten zu würdigen.
Mit dem thematischen Schwerpunkt der tm08, also Verschwörungen, hat das Ganze zwar wenig zu tun. Dafür aber um so mehr mit dem, was in diesem Log besonders interessiert.
Denn wer wäre wohl nicht neugierig zu erfahren, wie sich mit wenigen Mitteln und Griffen eine Digitaluhr basteln lässt?

Genau das wird nämlich in dem 2007 enstandenen Projekt "Standard Time - die selbstgebaute Zeit" von Mark Formanek höchst anschaulich demonstriert.

mfad_g.gifMan benötigt: Allem voran eine gute brilliante Idee, Dachlatten oder andere Holzbretter geeigneten Zuschnitts, Werkzeug zum Bohren und Schrauben sowie weiteres Zubehör zum temporären Fixieren der Teile - und jede Menge helfende Hände, denen neben besagtem Werkzeug und anderer nützlicher Ausrüstung (wie einer Leiter) vermutlich auch ein geigneter Zeitmesser zur Verfügung stehen sollte. Plus einen Ort, an dem die Uhr errichtet werden kann - im Video handelt es sich um eine Brache in Berlin, wie der Fernsehturm im Hintergrund erkenntlich macht.
Und last but not least eine fähige Crew, welche die wie auch immer mühsam verstreichende Zeit elegant in bewegte Bilder zu bannen weiss.

Und dann? Ist alle Minute Umbau angesagt. Mehr nicht. [Aber auch nicht weniger, beiseit bemerkt - wieviel Mühe erst die Hamster haben werden, die Prozessoren in unseren Rechnern zu betreiben?!]
Kurzum: Das demonstrierte Prinzip ist ebenso schlicht wie überzeugend.

Die frohe Botschaft an all jene, welche sich das mähliche Verstreichen der "Standard Time" noch nicht andernorts wie beispielsweise zuletzt im Rahmen der transmediale vor Augen geführt haben:
Zwar nicht die gesamten 24 Stunden, aber immerhin ein paar kurzweilige Minuten gibts wahlweise auf den Heimseitseiten des Projekts oder aber beim Datenstrudel zu sehen, dessen Team Formanek bei der Realisierunng treu zur Seite stand. [Ja genau, die Datenstrudler sind schon öfter mit ins Geniale lappenden Clips aufgefallen - wie zum Beispiel diesem hier...].

P.S.
Sollte der eine oder die andere über das kryptische Kürzel in Klammern gestolpert sein: Das lösen wir bei Gelegenheit noch auf...

[Bildchen: Um passend Bewunderung zu bekunden, ebenso flink wie fahrlässig aus digitalisierten Holzlatten eine Wortanzeige zusammengeleimt. Eigentlich hätte hinter das "TOLL" noch ein Ausrufezeichen gehört, aber das war uns als Laien statisch zu kompliziert. Indes Formaneks Zeitanzeiger sogar den obligaten Doppelpunkt zwischen Stunden und Minuten besitzt...]

Von miss.gunst am 10.02.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.01.08

paintr (kunstmaschinen ff.)

rmp_ksw.gifDa es gerade wieder um Generative Kunst ging: Eigentlich eine gute Gelegenheit, gleich ein weiteres Projekt vorzustellen, bei dem ein Programm als Zeichen- bzw. Malmaschinchen funktioniert.
Und sozusagen auf dieser Basis automatisch Bilder produziert.

Wer jetzt - ebenfalls automatisch - an Cornelia Sollfranks net.art generator(s) denkt, liegt zwar vom Prinzip her nicht ganz falsch. Aber diese geniale Art der künstlerischen Arbeitsdelegation haben wir ja nun schon längst mit einem Zettelkasteneintrag bedacht.

rmp_g2.gifAuf den ersten Blick schauen die Werke, die Rob Myers mit seinem paintr auf den Bildschirm zaubert, auch so gar nicht nach klassischer Netzkunstgeneratorenproduktion aus. Denn die assoziiert man doch tendenziell mit dem guten alten Collage-Prinzip und dessen Ästhetik: Bilder werden aus dem Netz gefischt und auf die eine oder andere Weise rekombiniert.

Der paintr dagegen agiert tatsächlich eher malerisch. Schon wenn sich das Bild aufbaut, möchte man fast an jene "Painting by Numbers" bzw. "Malen nach Zahlen"-Sets denken, die etwa auch die selbsterklärte Kunstmachmaschine Warhol als Vorlage schätzte.

Ganz so einfach macht es sich jedoch Myers mit seiner Kunstmaschine nicht. Vielmehr hat er ein Programm geschrieben, das seinerseits mit verschiedenen Anwendungen zusammenarbeitet - nämlich dem Farbschema-Generator colr, flickr als Fotodatenbank sowie Autotrace für die Konvertierung von Bitmap-Dateien in Vektorgrafiken - und dabei vom Künstler auch jeweils mit Ein- bzw. Vorgaben gefüttert werden will. Welche das waren, geht aus Texten hervor, die sich auf jeder Galerieseite unter den Bildern finden.

Was dieses Projekt besonders sympathisch macht: Dass es schon bei der Wahl der Fotovorlagen auf die Lizensierung mit cc-by-sa achtet - und auch die auf diese Weise entstandenen Meisterwerke (logischerweise) unter selbiger publiziert werden.

rmp_g3.gifIst doch wunderbar, wenn sich auf diese Weise die geneigte Betrachtung des Projekts bzw. den Zettelkasteneintrag anschaulich illustrieren lässt! In diesem Fall handelt es sich um das "paintr image 42" - genauer gesagt: dessen Abbildung (hier natürlich ebenfalls unter cc-by-sa. Die wohlweislich keinesfalls das Original ersetzen kann - nicht nur, weil unter diesem steht, wie und auf welcher Basis es entstanden ist (und sich dabei nebenbei auch das Kriterium unserer Wahl offenbart). Sondern auch, weil man diesem - wie es sich für Generative Kunst idealerweise gehört und die hier dokumentierten Phasen nur ansatzweise vermitteln - tatsächlich beim Entstehen zuschauen kann.

[P.S. Dochdoch, die beiden Bildchen, die ja auch nur zwei Zustände einer paintr-Produktion sind, haben so ziemlich auf den Pixel das gleiche Mass. Ist lediglich noch ein weiteres kleines Surplus des Verfahrens, dass es Basiswissen in Sachen optische Täuschungen in Erinnerung ruft...]

Von miss.gunst am 27.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.01.08

kaugummikugeln zu klängen

kgse_ksw.gifBei den Stichworten "Kaugummi" und "Klangerzeugung" dürften den meisten ein schlichtes "Plopp!" in den Sinn kommen. Klar, das geht immer.
Aber ob man mit Kaugummikugeln noch ganz anders Musik machen kann?
Kann man. Sogar um so besser, wenn man sie gar nicht erst zerkaut.

Dies belegt eine ziemlich originelles Interface, das Hannes Hesse, Andrew McDiarmid und Rosie Han im Rahmen eines Semesterprojekts an der UC Berkeley entwickelt haben: Der Bubble Gum Sequencer.

Ganz richtig, es handelt sich tatsächlich um einen Sequenzer, der auf der Basis von Kaugummikugeln funktioniert.

kgse_g.gifMan benötigt dazu schöne dicke Exemplare besagter Süssigkeit in mehreren leuchtenden Farben - sowie eine Konstruktion, die aus einem speziellen "Spielbrett", einer unter diesem platzierten Kamera und einem Computer besteht, der natürlich mit verschiedenen Programmen ausgestattet sein muss: Allem voran einem zur Verarbeitung von visuellem Input (dem, den man mit den Kaugummikugeln generiert) in MIDI-Signale, das von den drei Entwicklern geschrieben wurde. Und dann kann es sozusagen wie gewohnt weitergehen, bis zur Endausgabe der jeweiligen Komposition.

Das "Spielbrett" dient der Komposition und besteht im Grunde nur aus einem Gitter mit Löchern, auf welche die Kaugummikugeln gesetzt werden: Position und Farbe der Kaugummikugeln bzw. im Gesamten deren Folge(n), die von der Kamera abgenommen werden, bestimmen Klangfarben und Rhythmus der Komposition. Welchselbige auf diese Weise bereits im Tun bzw. im Prozess wunderbar anschaulich - quasi mit Händen zu greifen und selbstredend auch gleich mitzuhören ist.
Ein Verfahren, das sich nicht zuletzt bestens für gemeinschaftliches Musikmachen (und sicher auch für den Musikunterricht) eignet.

Noch viel besser als das hier geschehen kann wird der Bubble Gum Sequencer in einem kleinen Clip erklärt, den es auf der Heimseite des Projekts anzuschauen gibt. Was hiermit wärmstens empfohlen sei!

[Bildchen: Zeigt aus der Nähe, wie man die Kaugummikugeln auf dem "Spiel"- bzw. "Kompositionsbrett" platziert. Noch mehr leckere Bilder und vor allem besagten Clip gibt's wie gesagt auf den Heimseiten des Projekts. Der Dank geht an die drei Erfinder und besonders Hannes Hesse, der die schöne Dokumentation auf seinen Seiten eingerichtet hat!]

Von miss.gunst am 23.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.01.08

will work for food (zeichenmaschinchen ff.)

wwff_ksw.gifDer Name - eigentlich eine klassische "Sandwichman"-Zeile, mit der Menschen ihre Arbeitskraft für den sprichwörtlichen Hungerlohn anbieten - sagt es bereits: Hier wird nicht nur fortfolgend ein weiteres Zeichenmaschinchen vorgestellt. Sondern eines, das nachgerade furchterregend fleissig ist.

Um genau zu sein: Es handelt sich sogar um eine ganze und allem Anschein nach konjunkturbedingt wachsende Schar von Maschinchen, die unter diesem Motto kreative Dienstleistungen zu verrichten versprechen.
Was wirklich erst einmal ziemlich unheimlich klingen kann.
Besonders in den Ohren von KünstlerInnen, die sich nun nicht ganz zu Unrecht Gedanken um Lohndumping und anstehende Forderungen nach Mindestlöhnen machen werden.

wwff_g0.gifDenn dass Zeichenmaschinchen und ihre Produktionen ihnen schon per se ernsthafte Konkurrenz machen können, dürfte klar sein. Treue LeserInnen und Kunstmaschinenfans werden sich sicher noch an unseren Bericht über den kleinen sim gishel erinnern, der - wie unschuldig auch immer aus seinem Räderwerk lugend - seinerzeit so manchem menschlichen Kollegen das bereits sicher geglaubte Weihnachtsgeschäft vermiest haben dürfte, als er zur Adventszeit 2006 in der Berliner allgirls Galerie eine Zeichnung nach der anderen produzierte. [Beiseit bemerkt: Inzwischen könnten auch Bewegtbildschaffende kalte Füsse bekommen, denn mittlerweile macht sim gishel sogar Videos.]

Tatsächlich handelt es sich bei den kleinen Gesellen, die nun schon seit einiger Zeit den Kunst- bzw. Arbeitsmarkt aufmischen, um seine Geschwister, die Karl Heinz Jeron im Rahmen von "will work for food" ins Rennen schickt.
Dass sie nicht nur zeichnen können, sondern auch singen - nämlich passender Weise die Internationale (mehr hier) sowie ein herzliches "Happy Birthday" - macht sie natürlich sowieso schon mal zu einer schwer zu schlagenden Mitbewerbern in der Branche.

wwff_g1.gifUm so schlimmer, dass sie dann obendrein auch noch die kunstmarktüblichen Preise unterbieten - was mit Blick auf manche Auktionen zeitgenössischer Kunst zwar nicht so schwer erscheinen mag. Aber man weiss ja, dass deren Charts wenig mit der Realität der ökonomischen Verhältnisse zu tun haben, in der die Mehrheit der Kunstschaffenden arbeitet und lebt.

Sie selbst sehen das natürlich ganz anders: Wie in ihrem Manifest nachzulesen ist, wollen sie - den Thesen von Pierre Bourdieu in seinem Buch "Gegenfeuer" (Konstanz 1998) folgend - die derzeit bekanntlich immer weitere Kreise ziehende neoliberale Arbeitsökonomie, die in der Tat in den flexiblen und für minimales Entgelt Maximales leistenden Kulturschaffenden ihre Avantgarde hat, mit einem Gegenfeuer bekämpfen bzw. deren eigenen Waffen schlagen helfen.

Ob ihnen das auf diese Weise gelingt? Nun, das kann jede/r selbst überprüfen. Und das geht ganz einfach - nämlich, indem man gegen die Einsendung von Naturalien eins der kleinen Maschinchen für sich engagiert.

wwff_g2.gifFür SkeptikerInnen, die vielleicht noch unentschlossen sind, ob sie dieses wirklich sehr verlockende Angebot wahrnehmen sollen, arrangiert Karl Heinz Jeron gern kleine Kochshows (ja, auch die Kollegen im Fernsehen sollten sich warm anziehen), zu denen man potentielle Ingredienzien oder Naschwerk zum Nachtisch mitbringen kann, um dann in den doppelten Genuss einer Mahlzeit und einer Vorführung des Könnens der mehrfachbegabten Maschinchen zu kommen.

Wie etwa kürzlich zum Erntedankfest in Berlin. Und gerade aktuell im Rahmen des Stuttgarter Filmwinters, wo seit Freitag und noch bis zum heutigen Sonntag (ja, Sonntagsarbeit!) Abend im Gustav Siegle Haus am Leonhardsplatz 28 fleissig gekocht, gesungen und gezeichnet wird. Wer vor Ort weilt, sollte also hurtig etwas Essbares einpacken und kann dafür dann am Abend wahrscheinlich wohl genährt sowie mit Kunst beglückt heimwärts ziehen.

Zu spät? Zu weit? Keine Zeit, noch Richtung Schwabenland aufzubrechen? Nun: Wie schon geschrieben, besteht ja durchaus auch aus der Ferne Gelegenheit, ein Tauschgeschäft anzuzetteln.
Und vielleicht findet der eine oder die andere ja sogar Gefallen an der Idee, Karl Heinz Jeron und seine kleinen fleissigen Maschinchen zu einem Kunst-Koch-Happening einzuladen?
Günstiger als bei und mit "will work for food" ist - Trend zum Lohndumping hin oder her - ein solches Rundumpaket zurzeit jedenfalls wohl kaum zu haben...

[Bildchen: Die kleinen fleissigen Maschinchen von "will work for food" bei der Arbeit. Grand Merci an Karl Heinz Jeron für die Sondergenehmigung zur Wiedergabe und die freundlich erwirkte Befreiung von verwertungsrechtbedingten Gebühren! Wer jedoch in den vollen Genuss ihrer beeindruckenden Fähigkeiten kommen will, sollte sich nicht nur den Clip auf der "how to"-Seite des Projekts anschauen, sondern tunlichst seine Vorratskammer konsultieren und sie selbst engagieren.]

Von miss.gunst am 20.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.01.08

stempel(n) und kunstmaschinen ff.

mgstm_ksw.gifZeit, zu einem unserer Lieblingsthemen zurückzukehren. War nämlich kein Zufall, das neulich die Aufmerksamkeit ausgerechnet vom bzw. von Stempelmaschinchen besonders gefesselt wurde.
Denn die Kombination von Stempeln und Kunstmaschinen begegnet derzeit auch noch an anderer, ziemlich prominenter Stelle.

mgstm_g1.gifUnd zwar in der Ausstellung "Kunstmaschinen - Maschinenkunst", die aktuell noch bis Ende Januar (31.01.08) in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu sehen ist und im Anschluss nach Basel ins Tinguely Museum weiterreisen wird.

Die versammelt natürlich ein ganzes Fuder idealer Kandidaten fuer Zettelkasteneinträge - was im Grunde auch längst auf der Liste steht. Mal ganz abgesehen davon, dass sich Kunstmaschinenfans die Schau als Ganzes keinesfalls entgehen lassen dürfen. Zumal sie ja nebenbei einige interessante Fragen stellt - wie beispielsweise die, wer da nun eigentlich der bzw. die KünstlerIn ist: Der oder die KonstrukteurIn der Kunstmaschine - und/oder auch das jeweilige Maschinchen selbst? Und wie sieht es mit dem Anteil derer aus, die - wenn sie sich am Produktionsprozess beteiligen können, wie das bei einigen der Kunstmaschinen der Fall ist - schliesslich auch die Ästhetik der Werke mitbestimmen?

Über solche Fragen haben wir auch schon an anderer Stelle nachgedacht - und sind dabei am Ende nicht von ungefähr an den Stenmpeln hängen geblieben, die in der Schirn bei jeder Kunstmaschine liegen, mit der man ein Kunstwerk zum Mitnehmen produzieren kann. Die wurden nämlich speziell für die Ausstellung angefertigt - dienen aber nicht nur der Beglaubigung, dass das jeweilige Blatt von einem der Maschinenkünstler stammt.

mgstm_g2.gifVielmehr setzt damit auch die Schirn ihre Signatur bzw. prägt der Gemeinschaftsarbeit von KünstlerIn, Kunstmaschine, und BesucherIn wortwörtlich ihren Stempel auf. Ein Branding durchs Betriebssystem, dem wiederum nur jene Kunstmaschinenproduktionen entgehen, die sich von vornherein einer tätigen Einmischung durch Dritte als abhold erweisen.

Was unter dem Strich aber nicht nur den Eindruck vermitteln kann, dass die vom kuratorischen Konzept gestellten Fragen eher rhetorisch aufzufassen sind. Sondern auch ziemlich einprägsam auf den Anspruch der Institution auf die Position der Ko-Produzentin verweist.

mgstm_g3.gif

[Bildchen: Gern hätten wir hier die durchaus für sich schon sehr ansehnlichen Abdrücke der Stempel gezeigt, die den Arbeiten von Damien Hirst, Olafur Eliasson, Cornelia Sollfrank beigegeben sind. Doch da die ja gleich mehrere AutorInnen haben, wird wohl auch die Sache mit den Rechten entsprechend komplizierter sein. So dass wir mal wieder selbst produzieren mussten... Und: Oja, das ist in der Tat so ein dummer 'Genetiv'-Apostroph, wie wir seiner sonst ja selbst gern spotten. Gehört in diesem Fall aber doch dazu - das Schildchen musste ja zum Maschinchen passen, das seinerseits offenkundig nicht der lichtesten Konstruktionen eine ist.]

Von miss.gunst am 13.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.01.08

zeichenmaschinen ff.

stst_ksw.gifA propos glückliche Funde und anderes Abzuarbeitendes aus dem Kulturbeutel. Besonders viel hat sich da natürlich zu unserem Leib- und Magenthema Zeichen- und andere Kunstmaschinchen angesammelt.
Um also gleich mal wieder ein Bröckchen des entsprechenden (wie auch immer imaginären) Bringschuldgebirges abzutragen...

... heute, nein noch keins der vom letzten Zürcher diy-Festivals im Hintergrund inspirierten Kurzporträts.
Sondern eine kleine Vilmempfehlung.

Die erfolgt aus leidigen Gründen etwas umständlich.

stst_g.gifDabei sollte es eigentlich das Herz um so mehr erfreuen, wenn kreative junge Menschen phantastische Dinge basteln - wie in diesem Fall ein ganzes Fuder köstlichster Zeichen- und Malmaschinenkreationen, sogar eine Art Was-passiert-dann-Maschine ist dabei. Wenn eben diese Menschen dann beschliessen, ihren Spass an der Freude mit der grossen weiten Welt zu teilen. Einen klasse Clip machen resp. schwungvoll schneiden und diesen obendrein mit einer Musik hinterlegen, die besagten Spass an der Freude nochmal, weil bestens passend, multipliziert.

Aber ach, wir wissen ja: Die Verhältnisse, sie sind nicht so - weshalb der Spass an der Freude dann mitunter auch ganz schnell ein jähes Ende finden kann. Soweit kommt es, hoffen wir mal, in diesem Fall nicht. Wohlmöglich haben sie ja sogar eine Spezialgenehmigung.

Wie auch immer. Brav und korrekt, wie wir nun mal sind, splitten wir unsere Bewertung einerseits in: "Yes, DIY" bzw. "Try that at home (or wherever"), was die zum Einsatz gekommene Bastellust in Sachen Kunstmaschinchen betrifft. Und mahnen andererseits: "Don't usw.", was besagte musikalische Unterlegung bzw. deren Publikation angeht.

Und wer sich auf dieser Basis die Empfehlung (einerseits) bzw. das abschreckende Beispiel (andererseits) mal ansehen möchte: Gebe in das Suchfenster des bekannten DuKanals (nein, nicht DU) "zeich(n)en maschine projekt" ein. Auf englisch natürlich.

[Bildchen: Das haben wir selbstredend selbst erstellt. Mit einem imaginären Stempelzeichenmaschinchen - die Idee der écriture automatique lässt sich schliesslich noch ein wenig weitertreiben. Und ja: das Ganze nimmt auf seine Weise durchaus direkt zum Eintrag Bezug. See-it-yourself...]

Von miss.gunst am 03.01.2008 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.12.07

Kunstautomat

awka_ksw.gifKunstmaschinen gehören ja bekanntlich sowieso und jederzeit zu den bevorzugten Sammlungsgegenständen dieses Logs.
Um so erfreulicher jedoch, wenn man den obligaten Zettelkasten-Eintrag obendrein mit einem heissen Tipp für diejenigen verbinden kann, die noch nicht alle Weihnachtspräsente beisammen haben.

awka_g1k.gifIm vergangenen Jahr musste man, um einer vergleichbaren Empfehlung zu folgen - nämlich um sim gishel bei der Arbeit zuzusehen bzw. eine der Produktionen dieses kleinen fleissigen Zeichenroboters zu erstehen - nach Berlin zur allgirls gallery pilgern.

Diesmal heisst es hingegen: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah?
Heute (21.12.) Abend eröffnet nämlich auf dem Toni Areal die Kunstszene Zürich 2007. Und mit dabei ist - an Stand Nummer 280 (Sektor 2, s. den als pdf verfügbaren Hallenplan): Andres Wanner.

Den wiederum kennen treue LeserInnen nicht nur als Initiator und Organisator des bzw. der pixelstorm-Awards (s. den Eintrag vom 06.01.07). Sondern auch als Mentor einer ganzen Familie munterer Zeichenmaschinen, die im Rahmen seiner Lehre im Bereich Medienkunst an der FHW Aargau entstehen und von denen einige erst kürzlich beim Zürcher diy-Festival brillierten (s. den Eintrag vom 07.12.07).

Tatsächlich hat er aber auch selbst einen Kunstautomat gebaut - und zwar einen, der es ihm erspart, zu einem ebensolchen werden. Man kennt ja die unglücklichen Künstler, die sich ihr Einkommen dadurch verdienen müssen, dass sie sich auf Strassen und Plätzen, Messen und Festen als Porträtzeichner verdingen. Huschhusch muss das gehen, je schneller, desto besser. Doch wehe die Nase ist zu schief geraten, dann wird ums Honorar gefeilscht.

Wanners kluge Alternative, die stattdessen den Porträtierten einen Teil der Initiative überlässt:

"Der Kunstautomat zeichnet Porträts von BesucherInnen und verkauft diese als Miniaturen. Ausgehend vom Livebild einer Videokamera tastet er in einer zeichnerisch anmutenden Umsetzung gegenständliche Konturen ab. Die Porträtierten nehmen durch Stillstehen oder Bewegung am Bild teil, und bestimmen den Moment, in dem eine Miniatur ausgedruckt wird. Lassen Sie sich zeichnen!"

Letzterer Aufforderung können wir uns im Sinne einer herzlichen Empfehlung nur anschliessen - zumal auf diese Weise ja eben vielleicht noch die eine oder andere Weihnachtsgabe erstellt und erworben werden kann. Und falls das nicht mehr klappen sollte: Bis 06.01.2008 wäre dann noch Zeit, Versäumtes nachzuholen!

[Bildchen: Der Kunstautomat in seiner ganzen Pracht - Grand Merci an Andres Wanner für die Sendung!]

Von miss.gunst am 21.12.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.11.07

lizenz zum lieben

idll_ksw.gif... oder vielleicht etwas präziser: Ein ziemlich liebenswerter Ansatz zur Frage "Wie sähe eigentlich eine Lizenz aus, die aufs Wesentliche geht?"
Aus juristischer Perspektive ist dieses Wesentliche aus nahe liegenden Gründen die Klärung der Rechtsverhältnisse.
Die ihrerseits aber aus ebenso nahe liegenden Gründen nicht im Vordergrund steht, wenn Menschen sich mitteilen und etwas mit anderen teilen wollen.

Denn dass in diesem Zusammenhang auch die Rechtsverhältnisse interessieren (müssen), ist ja doch eher etwas, was man im Sinne verantwortungsvollen bzw. -bewussten Handelns auf der Agenda hat. Aber zugleich wohl kaum als Hauptmotiv dieses Handelns bezeichnen würde.

idll_t1.gifWer beispielsweise ein Netzlabel betreibt, muss sich zwangsläufig Gedanken um Lizenzen machen. Das Eigentliche an der Sache ist jedoch: Die Musik.

Ebenso - und auch da kommen bekanntlich schnell die Rechtsverhältnisse mit ins Spiel - sieht es in Sachen Ökonomien aus. Die müssen im weitesten Sinne stimmen, sonst geraten Projekte schnell in Schwierigkeiten. Nur: Allein des Geldes wegen ein Projekt aus dem Boden zu stampfen, sollte man sich mindestens in den Künsten vielleicht doch lieber von vornherein sparen.
Eine Online-Plattform fürs Herunterladen von Musik: So etwas kann man natürlich als Geschäftsidee verfolgen. Aber ein Netzlabel, bei dem die Musik kostenfrei weitergegeben wird? Wohl kaum.

idll_g.gifWas wiederum nicht heisst, dass sich NetzlabelbetreiberInnen weder Gedanken ums Geld noch solche um Linzenzen machen müssen. Im Gegenteil. Gleichwohl: Wenns aufs oder ums besagte Wesentliche geht, steht eben, wie gesagt bzw. geschrieben, doch eher etwas anderes vorn. Und das sind die Neigung. Die Zuneigung. Die Sympathie. Die Liebe zur Sache und zu den Menschen, die sich dieser Sache ebenfalls verschrieben haben. [Grosses Wort, aber wofür klopft das Herzchen, sieht man mal von seiner selbstredend nicht ganz unwesentlichen biologischen Basisfunktion ab? Genau.]

Anders und etwas konkreter:
Wenn man nun - wie am vergangenen Wochenende bei interfiction - fragt: "Auf welchen Grundlagen arbeiten?", dann ist in diesem Sinne klar, dass Rechtsverhältnisse und Ökonomien nicht die einzigen Grundlagen sind, auf denen Kunst-, Kultur- und Wissenproduktion ruhen und aus denen sie schöpfen. Sondern vielmehr auch das Emotionale zählt. Und zwar möglicherweise ziemlich viel.

Dummerweise hat das im Gestus des Gebens und Freigebens per se, kaum aber in den gängigen Lizenzen seinen Ort, die dieses Geben und Freigeben begleiten. Auch in einer Lizenz wie den Creative Commons blinkt es allenfalls zwischen den Zeilen hervor oder ist etwa dort untergebracht, wo man wem-auch-immer grosszügig gestattet, eine mit viel Liebe (scil.: Schweiss und Tränen) gebastelte Eigenkreation nach Lust und Laune zu verwenden und gegebenenfalls sogar auseinanderzunehmen.

idll_t2.gifUmso sympathischer daher der Vorschlag, den Oliver Hagmann und Raffael Dörig von interdisco machten (genau, eben jenes bekanntlich und nicht von Ungefähr zu unseren Lieblingsnetzlabels zählt).
Die Essenz ihres Vorschlags fasst ein kleiner Flyer, den sie in Anlehnung an die bekannten, die ökonomischen und juristischen Aspekte fokussierenden Logos der CC-Lizenz gezeichnet haben und der eben als Versuch verstanden werden kann, auch mal das Wesentliche bzw. die wesentliche Motivation zu fassen, auf welcher die Netzlabelarbeit bei interdisco basiert.

Spricht für sich, oder?

idll_t3.gifP.S.: Ja, klar kann man da auch gleich wieder mit Einwänden winken. Wie sie allerdings vor allem auf dem sumpfigen Boden von Binsenweisheiten spriessen. Wie beispielsweise: "Wo es um Geld geht, hören Freundschaft und Liebe schnell auf".
Und auch seitens sonst ziemlich leidenschaftlicher Musiker kann es, wie C. Cay Wesnigk von onlinefilm.org wusste, durchaus divergierende Auffassungen geben. So findet sich bei Frank Zappa ("Packard Goose", "Joe's Garage") folgende Ungleichung:

"Information is not knowledge. Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. Truth is not beauty. Beauty is not love. Love is not music. Music is THE BEST..."

Soviel zu den feinen Unterschieden. Aber manchmal muss man eben auch aufs Ganze gehen, oder etwa nicht?
Merci jedenfalls an Oliver für den Hinweis und an Raffael fürs Nachschlagen des Zitat bei WikiQuote - und an alle beide fürs Bildchen bzw. dessen freundliche Wiedergabegenehmigung. Unter CC oder unter LL? Ratet mal...

Von miss.gunst am 22.11.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.11.07

schöne sysipha (@ monitoring)

ttmzpeb_ksw.gifMit Berichterstattungen zur diesjährigen interfiction einzusetzen wäre wohl etwas vermessen. Aber es gab dort wie auch drumherum doch so einiges, das auch bestens für Einträge in den HOME MADE Zettelkasten taugt.
Wie beispielsweise zu einem unserer Lieblingsstränge in Sachen angewandter Medienarchäologie, der schönen Kunst, Overhead-Projektoren ein würdiges Gnadenbrot zu verschaffen.

ttmzpeb_g2.gifSo konnte man nämlich im Rahmen der dokfest-Ausstellung Monitoring einer jener Arbeiten begegenen, von denen hier vor nicht allzulanger Zeit im Zusammenhang mit dem Kölner Workshop "Kunst und Musik mit dem Tageslichtprojektor" die Rede war (siehe die Einträge vom 04.07.07 und vom 25.08.07:

Der grossartigen "Maschine zur Projektion eines Blumenmusters" von Tina Tonagel.
Die - wie man auch auf Tina Tonagels Heimseiten, auf denen sich ein kleines Porträt dieses wunderbaren Apparates findet - nachsehen und nachlesen kann, besagtes Blumenmuster nicht nur projiziert, sondern vor allem anderen erst einmal produziert.

Ergo eine echte Kunst- bzw. Mal- bzw. Zeichenmaschine ist und als solche nicht nur zugleich in die entsprechende Zettelkasten-Abteilung dieses Logs gehört. Sondern sich eigentlich auch gut in der aktuellen Ausstellung zu Kunstmaschinen in der Schirn Kunsthalle gemacht hätte.

Schliesslich walzt die schöne Sisypha unermüdlich und weitestgehend selbständig besagtes Blumenmuster einerseits auf die Endlosfolie, was zum Einen bzw. auf der einen Projektionsfläche zu sehen ist.

ttmzpeb_g1.gifUnd im Grunde liesse sich ihr Name sogar noch erweitertn, da sie in diesem Zuge mitnichten allein die FreundInnen floraler Ornamentik versorgt, sondern obendrein auch diejenigen abstrakter Kunst auf ihre Kosten kommen lässt. Denn im Rundlauf der Folie wird das Blumenmuster andererseits natürlich auch wieder verwischt, so dass die Folie auf ihrem Transportweg wieder gereinigt werden muss - was dann ins Bild der zweiten Projektion eingeht.

Mithin lässt sich ihr auch nicht nur stundenlang bei der Arbeit zusehen, sondern sogar weidlich über selbige philosophieren. Etwa darüber, ob die glücklichste Kunst(maschine) dieenige ist, die ihr eigenes Werk stets auch selbst zerstört und von daher in ihrem ungebremsten Schaffensdrang dennoch das ökologische Gleichgewicht zwischen der An- und Abwesenheit von Kunst bzw. ihrer Erscheinung respektiert.

[Bildchen: Zeigen, wie unschwer zu erkennen, die schöne Sysipha daselbst, also die Maschine zur Projektion eines Blumenmusters - mit Grand Merci an Tina Tonagel, die ihre kreative Kreation in Kassel übrigens während aller Ausstellungstage treulich höchst persönlich betreute.]

Von miss.gunst am 20.11.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.11.07

the street knit project

strstr_ksw.gifBislang hat sich ungeachtet des zügig Richtung Winter fortschreitenden Kalenders der Herbst grossenteils eher spätsommerlich angefühlt. Berlin im November ohne Handschuhe und Mütze beispielsweise: Unglaublich - aber wahr. Ab kommende Woche soll es nun jedoch wirklich etwas kälter werden. Was man allerdings wohl nur dann so richtig goutieren kann, wenn man über eine heimelig geheizte Wohnstatt und kühlere Temperaturen kompensierende Kleidung verfügt.

Wie es dagegen jenen geht, die weder das eine noch das andere besitzen, kann sich vielleicht noch am ehesten (und selbst dann: allenfalls äusserst vage) vorstellen, wer mal während einer längeren Wander- oder Fahrradtour fern jeder Zivilisation in Wetterwechsel kam - und merkte, dass Handschuhe, Regenjacke oder ähnlich Essentielles daheimgeblieben sind.

Natürlich gibt es - mindestens in den so genannten Wohlstandsländern - in den meisten Städten und Gemeinden Organisationen, die Kleidung für Bedürftige sammeln und ausgeben. Richtig gute Wollware, und die wärmt bekanntlich noch am Besten, ist dort allerdings tendenziell eher rar. Von Selbstgestrickten trennen sich schliesslich die Wenigsten gern (es sei denn, es wurde ihnen unverlangt von wohlmeinenden Verwandten aufgedrängt) oder erst, wenn die Motten wenig davon übrig gelassen haben.

strstr_g2.gifGenau an diesem wunden Punkt setzt das in Toronto beheimatete "Street Knit Project" an: Per Netzwerk werden Strickspenden organisiert; Hilfsbereiten, denen es an Vorlagen, Erfahrung und/oder Ideen mangelt, Links zu online verfügbaren Strickmustern zugeliefert - und seit jüngstem ist es sogar möglich, einfach nur Wolle abzugeben.
[Ja, auch das macht Sinn angesichts der Tatsache, dass gesponnenes Tierhaar in den vergangenen Jahren nicht eben billiger geworden ist - zumal im Vergleich, vor allem aber in Folge einer mit Preisdumping konkurrierenden Bekleidungsindustrie, die sogar Handgestricktes so günstig unter die Leute wirft, dass Selber machen nicht allein aus Zeitgründen wie echter Luxus wirkt.]

Kurzum: Eine gute Idee und ein unterstützenswertes Projekt. Wobei praktisches Mittun in diesem Fall selbstredend lokale Präsenz verlangt.
Wäre also die Frage, ob es in der Schweiz schon etwas Vergleichbares hat und wenn ja, wo? Einschlägige Hinweise nimmt miss.gunst gern entgegen - und würde die Adressen dann auch hier im Log publizieren. Winter wirds schliesslich auch in unseren Längen- und Breitengraden. Und sicher gibt es sowohl Bedarf wie auch potentielle StrickwarenspenderInnen vor Ort. Oder?

[Bildchen: Tja. Gerne hätten wir das Street Knit Project nicht nur gelobt, sondern auch anschaulich mit Logo verlinkt. Da es zu diesem jedoch einen Copyright-Verweis gibt, lassen wir Letzteres lieber. Und mussten statt dessen mal wieder stümpern - was wie so oft allein mit Hilfe grosszügiger Wikipedia-Commons-SpenderInnen möglich war; speziell für die Maschen ist Brian Sawyer zu danken, weswegen das optisch leider eher kümmerliche Ergebnis nicht wie die Strasse mit GNU, sondern cc-by-sa lizensiert werden muss. Oder beides? Wie auch immer - unter dem kalten Asphalt jedenfalls wuchert der Wollschal, so viel ist gewiss.]

Von miss.gunst am 04.11.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.10.07

read this book (shift ff.)

rdb_ksw.gifVom SHIFT Festival gäbe es eigentlich nur Gutes zu berichten, was den Anlass als solchen betrifft. Allerdings wurden die Angebote, sich auf denkbar vielfältige Weise mit unterschiedlichen Aspekten des Themas "Access" zu beschäftigen, teilweise wohl allzu wörtlich genommen.
Mindestens im Fall der Installation, die ubermorgen.com in der Ausstellung zu ihrem gemeinsam mit Alessandro Ludovico und Paolo Cirio realisierten Projekt "amazon noir" eingerichtet hatten.

rdb_g1.gifIn der wurde nämlich - als greifbares Ergebnis einer beispielhaften Realisation des "amazon noir"-Prinzips, das mittels gezielter Datenbankabfragen die Vollkopie jener Bücher ermöglichen soll, in die amazon über die "search inside"-Funktion eigentlich nur einen sneak preview geben will - ein Exemplar von Abbie Hoffmans legendärem Paperback "Steal this Book" präsentiert. Und das wurde während der Eröffnung schnöde entwendet.

Dabei handelte es sich bei besagtem Exemplar in der Tat um ein ganz besonders wertvolles Einzelstück, um nicht zu sagen: Original. Denn es war weder auf gewöhnlichem Wege erworben, hergestellt oder auch nur kopiert worden - sondern eben das Ergebnis einer bewussten Überschreitung, bei der sein Titel unter den Vorzeichen der Kunst in die Praxis umgesetzt wurde.
Wie, erläuterte Alessandro Ludovico selbst in seiner Präsentation des Projekts beim SHIFT-Festival. Welche sich - für alle, die nicht dabei sein konnten - mittlerweile ausschnittweise auch noch einmal im bereits aus guten Gründen wärmstens empfohlenen SHIFT Festival Blog als mp3 ins Netz gestellt findet.

Dagegen lässt sich die Entwendung des Exponats (soweit nicht ihrerseits eine konzeptbasierte Aktion, die in diesem Bereich natürlich auch hin und wieder vorkommen kann - zumal, wenn es darum geht, weitere Aufmerksamkeit für ein Projekt zu generieren) kaum als besonders kunstvoll bezeichnen. Ins Thema fügt sie sich allerdings auch insofern, als sie direkt vor Augen führt, wie es sich anfühlt, wenn Kulturgut unversehens nicht (mehr) greifbar ist. Und wie glücklich man dann sein kann, wenn man wenigstens noch über eine Kopie bzw. Kopiervorlage verfügt.

rdb_g2.gifWas aber das Buch von Abbie Hoffman und seine Botschaft betrifft - ein Manifest der DIY-Ökonomie, das diese zugegebener Massen sehr stark mit einer Haltung des "Woher-nehmen-wenn-nicht-stehlen" verknüpft sowie hierfür einige praxisbezogene Hinweise gibt:
Ausgerechnet hier lange Finger zu machen, mag zwar "passend" wirken, ist mit Blick auf die Ausstellung alles andere als fair - und auch mit etwaigem Bildungsnotstand nicht zu rechtfertigen. Abgesehen davon, dass man es im Nachdruck mühelos für vergleichsweise wenig Geld im Buchhandel erwerben kann, lässt sich nämlich auf eine autorisierte, frei zugängliche Netzausgabe verweisen.

Und dass es auf diese Weise greifbar ist, dürfte wohl das Entscheidende sein. Schliesslich gilt gerade für Bücher nach wie vor: Viel, viel wichtiger als sie zu besitzen, ist - sie zu lesen.

[Bildchen: Ja von wegen unendliche Reproduzierbarkeit im Zeitalter digitaler Technologien resp. Zeichenhilfen. Auf dem einen oder anderen Wege kommts nämlich dann doch früher oder später zum Informationsverlust. Und sei's nur aufgrund der mangelnden Fähigkeit menschlicher Optik zur Makroskopisierung des Miniaturisierten.]

Von miss.gunst am 28.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.10.07

mix, burn & r.i.p.

cdb_ksw.gifWenn wir schon bei der Literatur zum Thema (no) copy sind, darf natürlich auch dieses Buch nicht fehlen:
"Mix, Burn & R.I.P." von Janko Röttgers - und da steht nun wirklich drin, was draufsteht.
Wobei mehr die beiden Wörtchen vor dem Verknüpfer die Prozesse benennen, die zum im Untertitel schon mal prospektiv beschworenen "Ende der Musikindustrie" führen können.

Wohingegen das "R.I.P" zwar wohl kaum ganz unbeabsichtigt von nicht des Lateinischen Mächtigen erst mal als "Rip" (also als Knacken und Wandeln eines Tonträgers in digital übertragbare Files) gelesen werden kann - aber eigentlich besagtem bzw. beschworenem Ende bereits die letzten Weihen gibt, indem ein "Ruhe in Frieden" hinterher geschickt wird.

cdb_g.gifErschienen ist Röttgers Beitrag vor vier Jahren als telepolis-Buch beim dpunkt-Verlag - und so muss man feststellen: Eingetreten ist diese Prognose noch nicht. Lesenswert ist es gleichwohl nach wie vor. Allein schon aus historischen Gründen, weil es keineswegs unkritisch - also ohne in den Ton der Heldenlegenden zu fallen - die Geschichte der ersten Musiktauschbörsen erzählt und natürlich auch den Niedergang von Napster beschreibt, sowie die seither mit immer härteren Bandagen geführten Auseinandersetzungen um P2P Filesharing in diesem Bereich informiert.

Und der am Ende von verschiedenen Experten gegebenen Ausblick in die Zukunft lässt sich einerseits eben auch im historischen Kontext lesen. Mal abgesehen davon, dass im "Club der Visionäre" (so der Kapiteltitel) wohl keiner ernsthaft den Nostradamus spielen will.

Ansonsten gilt eigentlich fast das gleiche wie im Fall von "no copy": Auch Röttgers hat sein Buch zum freien Download ins Netz gestellt - lesen lässt sich's dennoch viel bequemer auf Papier.

Surplus auf den Webseiten wiederum ist Röttgers Blog zum Thema. Zwar datiert die derzeit letzte Aktualisierung mittlerweile schon ein paar Monate zurück, in den Juni. Ist aber als Mitteilung vielleicht doch sogar historisch interessant. Engadget, heisst es dort, plane eine Musikdownload-Plattform, die sich allein über Werbung finanzieren soll. Klingt gut? Nunja. Mindestens mal eine gute Gelegenheit, sich selbst zu fragen, ob man lieber für die Musik zahlen oder Werbung ertragen will.
[Beiseit: So lang die sich noch weitgehend auf Formate beschränkt, die sich bequem vom Schirm wischen bzw. aus dem Browser blenden lassen, mag man derlei Überlegungen noch aufschieben. Aber was wäre wenn? Eben.]

[Bildchen: CDs brennen leicht gemacht. Wie so oft, dank grosszügiger Materialspenden aus den Wikipedia Commons - den Lizenzen für die schimmernde Scheibe wie auch die prächtig lodernden Flammen folgend verneigt sich auch diese Produktion vor dem grossen GNU]

Von miss.gunst am 24.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.10.07

no copy

Allein schon, weil sich die Titel fast spiegelbildlich entsprechen - aber eben auch insofern, als beim copy!07-Festival laut Ko-Kurator Purkathofer im gestern verankerten Interview entsprechende Diskussionen bewusst aussen vor gelassen werden sollten, bietet sich bei dieser Gelegenheit an, für Letztere auf eine einschlägige Lektüre zu verweisen:

"NO COPY - Die Welt der digialen Raubkopie" heisst das Buch - was zunächst einmal ja eigentlich ganz nach einer Gegenthese zum auffordernden "copy!" der Zürcher klingt. Wenn nicht gleich nach einer Art Hexenhammer der Software-, Musik- und Filmindustrie.

crl_g1.gifber dieser Eindruck verdankt sich wohl eher dem klassischen Hackertrick, mit einem simulierten Schlüssel zu winken bzw. funktioniert wie die gute alte Kommunikationsguerilla-Maskerade.

Zwar geht es in der Tat um eine problemorientierte Einführung in besagtes Gegenstandsgebiet. Doch von einer Parteinahme für die Vertreter des Schlachtrufs "No Copy!" kann nun wirklich nicht die Rede sein (mal ganz abgesehen, dass etwas anderes als Kopien ja auch dann nicht zu haben ist, wenn man Software oder elektronische Musik auf CDs bzw. Filme oder Spiele auf DVDs erwirbt).

Vielmehr versuchen die beiden Autoren Jan Krömer und Evrim Sen - beide, insofern Szenekenner, sozusagen auf ihre Weise vom Fach (von Sen dürfte der eine oder die andere schon das Buch Hackerland gelesen haben) - die Entwicklungsgeschichte und die Hintergründe der Auseinandersetzungen an den nach wie vor denkbar hart konturierten Frontlinien einer mit allen Mitteln (und zuweilen ohne Rücksicht auf Verluste) geführten Schlacht ums digitale Buffet zu schildern.

crl_g2.gifNetterweise haben sie nicht nur das gesamte Buch unter cc-Linzenz ins Netz gestellt, sondern bieten auf der zugehörigen Webseite auch einiges zusätzliche Material zum Thema.

Was aber umgekehrt nicht davon abhalten sollte, die 2006 beim Tropen-Verlag erschienene gedruckte Version zu erstehen. Denn die liefert als Erzeugnis der Gutenberg-Ära (die bekanntlich auf ihre Weise nicht weniger von wirtschaftlichen und ideologischen Auseinandersetzungen um mit Autor- und Herausgeberschaft verbundene Privilegien bzw. etwaigen hieraus ableitbaren Besitzansprüchen geprägt war und ist) einen eigenen Mehrwert. Und der bezieht sich nicht nur auf gemütliches Im-Bettchen-Lesen (manche nehmen ja eh längst ihren Laptop mit in die Kissen). Der kognitiv durchaus relevante Konnex zwischen Hand und Wort lässt sich nämlich nach wie vor am besten im Umgang mit dem guten, alten, geduldigen Papier herstellen.

[Bildchen: Da sich das CC auf den NO COPY-Seiten nur auf den Text und nicht auf die Bilder bezieht, haben wir auf eine Wiedergabe des Buchtitels verzichtet. Und statt dessen einfach sinngemäss selbst die Kommentkämpfe zwischen dem einen und dem anderen Zugang zum Kopieren imaginiert...]

Von miss.gunst am 21.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.10.07

... und kraut (rocks - mit WRT)

krm_ksw.gifMit Blick auf Kohlgewächse und ihre Beziehung zur Musikproduktion wäre es durchaus naheliegend, erst einmal ebenfalls an Effekte von Verdauungsvorgängen zu denken.
Aber das besagte Konzert des Ersten Wiener Gemüseorchesters konnte uns auch in dieser Hinsicht definitiv eines Besseren belehren.

Zu dessen Klassikern in Formation gehört nämlich eine Hommage an den Krautrock - was hier selbstredend wörtlich zu verstehen ist, da in diesem Fall weidlich auf Weisskohlköpfen geschrammelt wird.

krm_g2.gifAnsonsten allerdings zählt Kohl, im Gegensatz zu Bohnen bzw. ihren Kernen, selbst im Avantgarde-Sektor kaum zu den gebräuchlichen Instrumenten. Das heisst: trotz intensiverer Recherchen konnten bislang keine weiteren Hinweise auf einschlägige Verwendungen von Weiss-, Rot-, Rosen- oder Spitzkohl aufgestöbert werden. Gut, es gibt eine Sauerkraut-Partitur bei Beuys aus der Fluxus-Zeit (bei einem Konzert 1969 mit Hennig Christiansen in Mönchengladbach). Und für FreundInnen der Volksmusik sei erwähnt, dass nach gälischer Tradition die Klarinette bretonisch "treujenn-gaol" bzw. französisch "trognon d'chou", also Kohlstrunk benamst zu werden pflegt.

So spärlich bis hierher die Referenzen, so satt schallt es uns demgegenüber natürlich entgegen, wenn wir uns dem weiten Feld des Krautrock zuwenden, der ja gerade in jüngster Zeit wieder so etwas wie ein Revival erfahren hat. Grad unter den Weblinks des Wikipedia-Eintrags eräugt: Siehe da, es gibt sogar eine ganze Krautrock-Welt mit eigenem Krautrock-Webradio.

krm_g3.gifDas wiederum erinnerte das Medium an eine schon mal nebenbei erwähnte Sendung auf resonance fm, nämlich Kosmische (traditionellerweise jeden Freitag) - aber auch daran, dass der vor langer Zeit mal eigens vorgestellte, ebenfalls eine Sendung auf resonance unterhaltende Sound Projector diesen Sommer ein e-book zum Thema, nämlich das Krautrock Kompendium herausgegeben und ins Netz gestellt hat. Welchselbiges bei dieser passenden Gelegenheit ja getrost etwaigen Krautrock-Fans unter der geneigten LeserInnenschaft ans Herz gelegt werden kann.

Na also. Gab ja doch ein bisschen Stoff in Sachen Kohl. Den wir im Winter zumal auch gern auf dem Teller haben respektive kochen...

[Bildchen: Kraut rocks? Also das hier sind jedenfalls Kraut-Rocks. Oder was auch immer herumkommt, wenn man Sauerkraut (sic!) digital versteinern lässt. Dann noch mit Boxenmembran schallverstärkungstauglich gemacht. Das Bastelmaterial verdanken wir dem GNU, also gehören auch diese Scheusale dazu.]

Von miss.gunst am 14.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.10.07

besonders bohnen...

mjb_ksw.gif... eignen sich bestens zum Musizieren. Und mitnichten nur so, wie es eine alte Küchenweisheit mit Blick auf Hülsenfrüchte kolportiert ("jedes Böhnchen gibt ein Tönchen", so Grossmuttern selig).
Geschüttelt (nicht gerührt) sowie zuvor selbstredend in ein geeignetes Gefäss verbracht, sind Bohnenkerne bekanntlich ein in gut sortierten Haushalten stets zuhandenes Basiselement für selbstgebastelte Rhythmusinstrumente.

Nicht zu vergessen die ohrschmiegsamen Geräusche, die handelsüblichen Bohnensäcken zu entlocken sind, wenn man mit einer zweckdienlichen Gerätschaft (etwa einem Kochlöffel) über sie streicht oder wahlweise auch auf sie eindrischt.

mjb_g1.gifAber das ist noch längst nicht alles. Tatsächlich hat Mutter Natur in Sachen Musikalität der Bohne noch eine weitere Option in der Hinterhand, die sich insbesondere für experimentellere Produktionen anzubieten scheint. Nämlich mit den so genannten Mexikanischen Springbohnen.

Hierbei handelt es sich nicht etwa um eine selbstbewegende Spezies. Vielmehr wird den Kernen gemeiner Bohnenpflanzen [Himmel, von wegen Bohne:] Früchten der so genannten "Springbohne" - eigentlich eines schnöden Wolfsmilchsgewächses namens Sebastiania pavoniana - durch Parasiten auf die Sprünge geholfen: Motten legen ihre Eier in ersteren ab, und sobald die Larven sich im Inneren kräftig gefuttert haben, bringen sie mit ihren Windungen auch das Früchtchen auf Trab.

Die mexikanische Spezialität erfreut sich im angloamerikanischen Raum schon länger als Exportprodukt einiger Beliebtheit - offenbar, weil manche Menschen die Springbohnen als leicht handhabbaren Haustierersatz mit begrenzter Mindesthaltbarkeit (die geschlüpften Motten leben nur wenige Tage und gehen anders als ihre ArtgenossInnen auch nicht auf Kleider aus), aber hohem Possierlichkeitsfaktor ("es hüpft, es hüpft") schätzen.

mjb_g2.gifEben diese Mobilität macht die mexikanischen Springbohnen nun auch geeignet zur Klangproduktion - klar, sie können sozusagen von selber rasseln, einen geeigneten Resonanzboden vorausgesetzt.

Für einen solchen sorgte beispielsweise der niederländische Komponist und Klangkünstler Paul Panhuysen (dem einen oder der anderen sicher auch Gründer/Beitreiber von Het Apollohuis bekannt), der 1999 einen ganzen Tonträger mit Springbohnensounds produzierte - in welchselbigen man, dem in diesem Log nicht von ungefähr schon häufiger verankerten Klangbeutel sei Dank, in dessen 121. Ausgabe auch hineinlauschen kann.

Diejenigen, die regelmässig in Zürich unterwegs sind, werden sich zudem auch an Peter Coffin erinnern, der letztes Jahr im Rahmen der Ausstellung "While Interwoven Echoes Drip into Hybrid Body" seine Installation ohne Titel (bzw. "Symbiotic Relationship/Dance Party", 2003) zeigte, bei der sich besagte Springbohnen auf einem Trommelfell tummeln durften [Bildchen dazu findet man über die entsprechenden Seiten im Ausstellungsarchiv des migros museums; mehr zur Ausstellung auch im Artikelarchiv des Kunst-Bulletin).

mjb_g3.gifSpringende, klingende Bohnen gab es übrigens auch gestern Abend beim aus guten Gründen empfohlenen Konzert des Ersten Wiener Gemüseorchesters im Rahmen der Frankfurter Sónar Nits.
Allerdings handelte es sich hier nicht um mexikanische Larven im Bohnenpelz, sondern um ganz gewöhnliche Sau- und Feuerbohnenkerne, die gegen Ende der vegetabilen Version von Strawinskis "Sacre du printemps" eine mit Verstärker versehene Holzrampe herunterkullern durften.

Letzteres übrigens insgesamt eine (erwartungsgemäss) grossartige und auch in jeglicher Hinsicht erfrischende Angelegenheit - nicht nur dank von der Bühne gen begeistertes Publikum ziehender Rettich-, Kohl- und Paprikasaftschwaden. Sowie eben durchas inspirierend, was Einträge in den Zettelkasten dieses Logs betrifft...

[Bildchen: Ja genau, das sind die besagten Bohnen. Oben links und unten rechts Trophäen vom Konzert des des Ersten Wiener Gemüseorchesters; und dazwischen geschmuggelt die ebendort, weil die Wiener ja rein vegetarisch arbeiten, nicht präsenten mexikanischen Musiker-Kolleginnen und Kollegen - für die wie so oft ein Dank an die Wikipedia Commons-Spender geht.]

Von miss.gunst am 12.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.10.07

OS Embroidery

ose_ksw.gifSchliesst nachgerade nahtlos an den Eintrag zur struckmaschine an - allerdings in mancher Hinsicht komplementär:
Wieder ein Projekt, das klassische Nadelarbeit mit digitalen Technologien kombiniert, diesmal geht's (wie bei den subversive cross stitches) ums Sticken. Hier ist jedoch - wie der Name O[pen] S[ource] Embroidery schon nahelegt - die Offenlegung der Daten als positive Perspektive Programm.

ose_g1.gifAusgangspunkt der Verknüpfung analoger und digitaler Technologie sind in diesem Fall die Parallelen zwischen dem Programmieren und dem Sticken, die beide eine (mitunter mühselige) Kleinarbeit vorstellen und sich zudem auch beide nicht nur durch ein spezifisches Verhältnis zwischen dem "Quellcode" und dessen "Darstellung" auszeichnen, sondern auch die Frage aufwerfen, mit welchen Ökonomien die Offenlegung des ersteren einhergeht.

Jedenfalls meint Ele Carpenter, die Open Source Embroidery seit 2006 betreibt:

"The same arguments about Open Source vs Free Software can be applied to embriodery. The needlework crafts also have to negotiate the principles of 'freedom' to create, modify and distribute, within the cultural and economic constraints of capitalism. The Open Source Embroidery project simply attempts to provide a social and practical way of discussing the issues and trying out the practice."

ose_g2.gifWie das Ganze in die Praxis überführt wird, kann man in Ele Carpenters Blog, Ele Weekend mitverfolgen.

So gab und gibt es bislang verschiedene Open Source Embroidery Workshops, in deren Rahmen nicht nur NadelarbeiterInnen einschlägige Tipps & Tricks austauschen, sondern auch gemeinsame Projekte in Angriff genommen werden können - und bei denen eben auch mögliche Brückenschläge zum digitalen Codieren erkundet werden. Wie beispielsweise die PHP Embroidery, zu der Ian Clark einlädt.

Aktuell steht nun gerade das Teilprojekt "HTML Patchwork" im Vordergrund (und kurz vor seiner Vollendung), zu dem es sogar ein eigenes Wiki (Zugang per Click auf die Farbfelder) und eine passende Anleitung bei instructables gibt. Ziel ist es, gemeinsam ein auf den 265 websicheren Farben basierendes Flickwerk aus Stoff-Sechsecken zu erstellen, die mit den entsprechenden html-Codes bestickt sind.

ose_g3.gifDas finden wir mal eine gute Sache - zumal dabei auch jene WebdesignerInnen etwas lernen können, die grundsätzlich froh aus der gesamten Palette schöpfen und in diesem Zuge mitunter auch fahle Kontraste riskieren, die (un)dank freier Interpretationen unterschiedlicher Hard- und Software entstehen können.

Interessierte mit flinken Fingern können übrigens noch mittun und bis 05. November ein Patch zum Access Space nach Sheffield schicken, wo Carpenter gerade mit einem Projektstipendium gastiert - es harren tatsächlich noch einige Felder (vorwiegend fiesere Farben natürlich) der Übernahme einer tätigen Patenschaft.

[Bildchen: Wir basteln einen meta tag. Ziemlich mühsam (und zweifelsohne mühsamer als handcodieren) - aber wir bleiben dran. Müssen schliesslich für unser Hexadezimalformat-Hexagon üben.]

Von miss.gunst am 10.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

08.10.07

struckmaschine

strum_ksw.gifIst tatsächlich noch ein Nachtrag zu den Highlights der diesjährigen ars electronica. Der zwar ein wenig warten konnte, weil bereits andernorts angeschwärmt (und auch von KollegInnen wie Régine sattsam mit Text und Bild bedacht). Aber es ist eben doch ein Projekt, das unbedingt in den hauseigenen Zettelkasten gehört: Die struckmaschine.

strum_g1.gifBei selbiger handelt es sich, wie es der Wortlaut schon nahe legt, im Grunde um eine Strickmaschine. Jedoch um eine ganz spezielle - nicht nur, weil sie (bislang jedenfalls) ausschliesslich schicke Schals mit einem Muster aus kleinen Geistern produziert, wie sie weiland vom gefrässigen Pac-Man durchs Labyrinth gejagt wurden.

Diese Schals kann man nicht nur kaufen, sondern muss das auch selber tun. Und zwar per Kreditkarte. Klingt komisch? Ist aber logisch bzw. essentieller Teil des Konzepts. Denn bei der Strickware handelt es sich tatsächlich um eine individuelle Anfertigung, die das Prinzip des "customizing" direkt mit der Kartenzahlung kombiniert: Die eingelesenen Kreditkartendaten werden in Code umgesetzt und bestimmen Anzahl und Folge der Geister, die nach dem Scan des so entstandenen Musters dann von der Maschine in Maschenmode materialisiert werden.

strum_g3.gifIndes belegte die lange Schlange der zahlungsfreudigen AnwärterInnen auf die schicken Schals, dass in Zeiten omnipräsenter E-Cash-Zahlung (von anderen Karten ganz zu schweigen) mit persönlichen Daten recht bedenkenlos verfahren wird - zumal wenn eine leckere Verlockung winkt.
Wiewohl die Geister, die in diesem Fall gerufen werden, wirklich niedlich sind: Schon ein wenig unheimlich, oder?

strum_g2.gifDoch genau darum, solche Überlegungen anzustossen, geht es Fabienne Blanc und Patrick Rüegg bei ihrem an der FHNW Aaarau entwickelten Projekt durchaus auch. Na, umso besser, wenn man auf so bestrickende Weise nicht nur mit seinen persönlichen Daten warm werden kann - sondern auch mit ziemlich wichtigen Fragen rund um deren Schutz.

[Bildchen: Die struckmaschine, ihr Strickwerk und seine LiebhaberInnen kann man eigentlich nebenan bereits bestens bewundern. Darum hier mehr ein Auge auf die Mustererkennung. Die direkt gescannten Maschen - ja, so liefe nämlich dann auch vergleichsweise leichter Hand die Dekryptisierung - stammen von einem kleineren Stück, das dem Medium netterweise als Präsent überlassen wurde. (S)einen ganzen Datensatz gab es nämlich, aller Begeisterung zum Trotz, nicht her. Dafür, für die anderen beiden Aufnahmen und überhaupt ein Grand Merci ans struckmaschine-Team, also Fabienne Blanc und Patrick Rüegg!]

Von miss.gunst am 08.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.10.07

aufnahmen (recordings @ culturemachine)

vt1_ksw.gifDer Eintrag zu tapemosphere bietet eine gute Gelegenheit, gleich noch einen passenden Lektüre-Tipp zum kulturhistorischen Radius von Kassettengeschichte(n) nachzureichen.
Wie überhaupt zur Achäologie des Magnetbandmediums und anderen Techniken der Aufnahme im Zeitalter der Digitalisierung.

Und zwar ist die jüngste Ausgabe des britischen e-Journals Culture Machine - das übrgens zu den Pionieren auf diesem Feld zählt und auch generell der geneigten Lektüre anempfohlen werden kann - dem Thema "Recordings" gewidmet.*

vt1_g1.gifWie schon auf den ersten Blick dem Inhaltsverzeichnis zu entnehmen, stecken die beteiligten Autoren (nein, leider keine -innen dabei) das Feld von zwei Seiten her ab: Einerseits von der aktuellen Situation, also den Potentialen der Arbeit mit digitalen Medien aus. Andererseits geht es aber eben auch um jene analogen Aufzeichnungsmedien (und -materialien) wie Vinyl und Tape, die vor diesem Hintergrund vom mehr oder weniger mählichen Verschwinden bedroht sind.

Für Vinyl scheint bislang ja eher Ersteres zu gelten; und passend lautet auch der Titel des entsprechenden Beitrags von Greg Hainge: "Vinyl is Dead, Long Live Vinyl".

Kassetten dagegen - besonders was das klassische Homerecording-Magnetband betrifft - sterben in der Tat gerade aus, wie unter anderem ja auch so manche/r, die oder der mit ihnen künstlerisch arbeitet oder einfach die eigene Sammlung pflegen will, bereits schmerzlich feststellen kann, wenn es um notwendigen Nachschub an Leerkassetten geht.

vt1_g3.gifUm so höher dürften die Herzen von KassettenfreundInnen bei der Lektüre von Paul Hegartys anregendem Essay "The Hallucinatory Life of Tape" schlagen, der eine kleine Geschichte des Mediums (wie man früher sagte: unter besonderer Berücksichtigung seiner kreativen Nutzung) erzählt.

"Put in a corner by the digital, forced to eschew the easy satisfactions of nostalgia, a complex aesthetics of decline emerges across these essays."

schreiben die beiden Herausgeber, Paul Hegarty and Gary Genosko, in ihrem Editorial.
Und treffen damit einen Nerv der Medienarchäologie auf den Punkt. Was man eben nicht nur theoretisch unterschreiben kann: Kassetten dürften für Viele in der Tat zu den Medien zählen, an denen sich heute schon ermessen lässt, wie sich dieses Verschwinden anfühlt.

* Ja, schon wieder fiese Frames - weshalb eben nur die Hauptadresse des Magazins verankert werden kann...

[Bildchen: Demonstrieren auf ihre Weise ebenfalls Zerrüttung im Zeitalter der Digitalisierung; und zwar auf der Basis einer Aufnahme von drei klassische Kassetten, die Malcolm Tyrell dankenswerter Weise den Wikipedia Commons gespendet hat. Dessen Vorgaben entsprechend steht nun tatsächlich auch der schnöde Datenstaub unter cc-by-sa.]

Von miss.gunst am 01.10.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.09.07

tapemosphere

tpmo_ksw.gifUnd wir bleiben noch einen Tag in Zürich. Zumal seit dem letzten Eintrag für FreundInnen von Kassetten(geschichten) schon eine erkleckliche Lücke im Log.Buch klafft - und an diesem Wochenende im Cabaret Voltaire die Gastpräsenz eines Projekts endet, das unbedingt in den Zettelkasten gehört.

tapemosphere heisst es, wurde von Balz Isler, Béla Janssen, und Sascha Hohn ins Leben gerufen und lädt in teils installativer, teils performativer (und wäre es nicht so ein grusiges Ex-Buzzword, müsste man hinzufügen: interaktiver) Form dazu ein, in die wunderbare Welt der Kassettengeschichten einzutauchen:

"Die Bezeichnung 'Tapemosphere' leitet sich unmittelbar vom Wort Atmosphäre ab und wird zudem durch die dem Material innewohnenden Gegebenheiten der Audiokassette (Tape) ergänzt. Im künstlerischen Schaffensprozess lässt sich das Magnetband der Audiokassette in verschiedenste audiovisuelle Formen und räumliche Darstellungsmöglichkeiten transformieren. Hierbei verschmelzen Installation, Komposition, Darbietung und der situationsbedingte Zufall und verleihen der 'Tapemosphere' ihr Eigenleben."

Wie die Künstler dieses Konzept am jeweiligen Ort umsetzen, lässt sich bestens im liebevoll aufbereiteten tapemosphere-Archiv* ergründen.
[* Ja, wieder mal fiese Frames, deshalb gibts leider keine direkte Verankerung der einzelnen Seiten.]

tpmo_g.gifIm Fall der letzten tapemosphere beispielsweise - # 13, die im Mai diesen Jahres im Rahmen der Maastrichter Kunsttour 2007 stattfand (und zwar in Kooperation mit dem treuen LeserInnen bereits einschlägig bekannten Tapesound-Archäologen Harold Schellinx - s. a. den Eintrag in dessen Blog) - gleich mit drei kleinen Clips, die uns das Ganze sowohl audio- als auch visuell näher bringen.

Die aktuelle Zürcher Station, #14 - will dieser Tage natürlich noch live vor Ort besucht, angeschaut, angehört und (wie es so schön heisst:) ihrer Bestimmung gemäss genutzt werden. Was schon auch während der regulären Ausstellungszeiten des Cabaret Voltaire (13-19 Uhr) möglich ist. Erste Dokumente der jüngsten tapemosphere-Street Action vom vergangenen Dienstag in den Zürcher Strassen lassen sich zudem bereits online bewundern.

Und selbstredend sollte auch noch ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass es ein eigenes tapemosphere-Blog hat, in dem Beträge von tapemosphere-Fans über aktuelle und vergangene tapemospheren gesammelt werden.

[Bildchen: Nicht nur mangels eigener Aufnahmen, sondern schon auch mit Vorbedacht wurde ein Still des Videobeitrags gefertigt, den das guteMedien Taxi über die Zürcher tapemosphere gemacht und dankenswerter Weise unter CC ins Netz gestellt hat. Ist nämlich grad noch in grossartiges Projekt, oder?]

P.S. Off topic, aber doch erwähnenswert: Dass man heute und morgen Abend - ja, wieder im Walcheturm - grad noch ein weiteres spannendes Projekt anschauen kann, das tapemospheriker Balz Isler gemeinsam mit Paul Scheytt ausgeheckt hat: InformaTON, eine tänzerische Auseinandersetzung mit der alltäglichen Berufung.

Von miss.gunst am 29.09.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.09.07

absurde apparaturen, merkwürdige maschinchen ff.: goldberg

rgm_ksw.gifDer gestrige Eintrag zu Bernie Lubells wunderbaren und wundersamen Konstruktionen ist ein guter Anlass, um einen recht wichtigen Strang dieses Logs wieder hervorzuziehen und mal etwas systematischer auf ein Sondersammelgebiet einzugehen, das für die HOME MADE Forschung doch ziemlich zentral ist: Absurde Apparaturen und merkwürdige Maschinchen.

Ein weites Feld, wie man sich denken kann.
Indes gerade erst mit der Fischli & Weiss Retrospektive mit dem "Lauf der Dinge" wieder mal ein Klassiker unter den künstlerischen Variationen auf Kermits Was-passiert-dann-Maschine (aus der Sesamstrasse, im Original "What Happens Next Machine") zu sehen war, lassen sich die eigentlichen Wurzeln solcher Experimentalanordnungen natürlich noch viel weiter in die Geschichte zurückverfolgen.

rgm_g1.gifFrüher oder später wird es dazu sicher auch mal ein diesem schönen Thema gewidmetes GUNST zine geben. Da dort die Produktion aber noch ein bissel dauert, vorerst einmal im Log weitere Einträge. Den heutigen widmen wir den im amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten "Rube Goldberg Machines".

Weil diese sich in besagtem Kulturkreis denkbar grosser Beliebtheit erfreuen, ist im Grunde schon der hier verankerte Wikipedia-Eintrag zu den RGM recht brauchbar (wenngleich auf den ersten Blick auffallen kann, dass sich die Listen zu verwandten Konstruktionen andernorts sowie zur Rezeptionsgeschichte in Literatur, Kunst, Film etc noch kräftig ergänzen liessen).

Daher nur das allerwichtigste in Kürze:

Was versteht man unter "Rube Goldberg Machines"?
Möglichst komplizierte Konstruktionen (ursprünglich: mechanisch, pneumatisch und ggf. performativ - dh unter der vorab kalkulierten Einbeziehung von Handlungen mehr oder weniger unbeteiligt ins Geschehen geratender Menschen oder Tiere), deren Funktionszweck jedoch eigentlich ein ganz einfacher wäre, sich also ebenso gut mit wenigen Handgriffen erledigen liesse.

Wer hat's erfunden?
Unter dieser Benamsung: Rube bzw. eigentlich Reuben Garret L. Goldberg (1883-1970), ein amerikanischer Karikaturist.
Auf seiner (posthum angelegten) Heimseite bzw. den Rube Goldberg-Seiten erfährt man nicht nur Näheres zu seiner Biographie, sondern kann sich auch zahlreiche seiner wunderbaren Zeichnungen - darunter vor allem jede Menge "Rube Goldberg Machines" anschauen.

Und wann?
Um 1914 sind wohl die ersten Zeichnungen solcher Apparaturen entstanden bzw. publiziert worden. Wie in einem Artikel zu "Rube Goldberg Devices" in Don Markensteins Toonpedia nachzulesen ist, war Goldberg dabei wohl von einem seiner ehemaligen Physiklehrer inspiriert worden, der eine extrem komplizierte Apparatur zur Bestimmung der Masse der Erde entworfen hatte.

rgm_g3.gifWo kann man man Rube Goldberg Machines sehen?
Die originalen, also Goldbergs Zeichnungen? Da muss man glücklicherweise nicht erst Archive konsultieren. Eine kleine Auswahl gibt es, s.o., auf den Rube Goldberg-Seiten; ausserdem sind mehrere Bücher mit ausgewählten Arbeiten erschienen (sogar ein kleines in deutscher Übersetzung. Der Titel natürlich, nicht der Zeicnhnungen).

Kann man Rube Goldberg Machine auch bauen?
Jein. Bei Goldberg ist schon der Witz an der Sache, dass es sich um imaginäre Konstruktionen handelt, zumal sie oft mit so etwas wie hasard objectif bzw. Situationen operieren - etwas, das so passieren könnte oder müsste, damit die Maschine funktioniert.
Aber es gibt jene Menge fleissiger BastlerInnen, die Maschinen im Geiste der Rube Goldberg Machines bauen.

Prominent begegnen solche "Rube Goldberg Machines" beispielsweise in einer ganzen Reihe von Filmen und TV-Produktionen (siehe die Liste Wikipedia-Eintrag zu den RGM, die noch ergänzt werden könnte).
Erwähnenswert ist speziell in diesem Log sicher auch der seit 1959 (mit zeitweisen Unterbrechungen) jährlich stattfindende Rube Goldberg Machine Contest. Bei dem mittlerweile - und anders als bei Goldberg selbst - auch elektronische Elemente bzw. Computer zum Einsatz kommen.

Soweit vielleicht erst einmal die wichtigsten Basisinfos zu einem der Klassiker des Meties. Fortsetzung folgt bei Gelegenheit...

... wie übrigens auch weitere Nachträge zu diversen Spezereien, die während der Ars Electronica im Kulturbeutel landeten (dazu mehr aber auch andernorts, nämlich in der netten Nachbarschaft bei clickhere).

[Bildchen: Zwei zeitgenössische Rube Goldberg Maschinen, die John C. Larson fotografiert und - das eine wie das andere - auf Flickr dankeswerter Weise unter cc-by-sa-Lizenz veröffentlicht hat, so dass sie umter anderem auch in den Wiki Commons landeten. Thank you, John!
Btw.: Auf Flickr hat es jede Menge Aufnahmen grossartigster Apparaturen. Leider die wenigsten davon cc lizensiert. Also selber anschaun gehn...]

Von miss.gunst am 16.09.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.09.07

Gut Holz: Bernie Lubell (ae07)

blwm_ksw.gifKaum zu glauben, dass man als lebenslanger Fan von Was-passiert-dann-Maschinen und anderen absurden Konstruktionen erst 2007 auf der ars electronica auf einen Künstler stösst, der ganz grossartige Dinge dieser Art baut - die tatsächlich sogar als "interaktive Installationen funktionieren", das aber ganz ohne Elektro- oder Computertechnologie. Tatsache, so ist es.

Und zwar bei Bernie Lubell. Völlig unverständlich, dass seine phantastische Arbeit "Conservation of Intimacy" beim diesjährigen Prix nicht die Goldene Nica in der Preiskategorie "Interactive Art" abgeräumt hat. Immerhin war sie der Jury einen "Award of Disctinction" wert - und das passt natürlich auch ganz gut.

blwm_g1.gifAber fangen wir mal von vorn an: Nachdem man sich im Offenen Kulturhaus, das die Ausstellung zum Prix beherbergt, gerade durch mehrere Räume mit allerlei blinkenden Bildschirmen sowie den verschiedendsten Zusammenschlüssen organischen "Materials" (vom Bakterien über Algen und Pilze bis zu malträtierten Grillen) mit diversen Technologien gekämpft hat, betritt man einen grossen Saal, in dem so gar nichts summt und brummt. Statt dessen: Eine gigantische, aber - weil ganz aus hellem, rohen Holz gezimmert - eher leichtfüssig wirkende Konstruktion mehrerer, miteinanander verbundener Aufbauten.
Eine Art Hollywoodschaukel lädt dazu ein, sich auf ihr niederzulassen - allein oder besser noch zu zweit. Und dann zu schaukeln. Vor und zurück, ruhig auch seitwärts.

Macht man dies, setzt sich - nachdem der Bewegungsimpuls per Luftdruck über ein pneumatisches System und verschiedene Schnüre, Zahnräder und Walzen weitergeleitet worden ist - an der Wand nebenan eine Art "Schreibmaschine" in Gang. Stifte ziehen über Papier, das dann freilich hin und wieder ein Stückchen transportiert werden will, wenn kein Palimpsest entstehen soll. Aber auch dafür ist gesorgt: Es muss sich nur ein williger Mitarbeiter am anderen Ende der Maschine auf einen kleinen Schemel hocken und kräftig in die Pedale treten. Und damit er das zum richtigen Zeitpunkt macht, gibt es eine Art Rohrpost zwischen Schaukel und Schemel: Man "pustet" blasebalgverstärkt in einen Schlauch, dessen Ende dann in Ohrhöhe des Pedalisten einen kleinen Lufthauch entlässt.

Dann gibt es noch eine weiteres Schlauchgewinde, das in einer Kammer verschwindet. Von der Schaukel aus kann man auf einem Monitor sehen, was sich hinter den Wänden verbirgt: Fleissiges Schaukeln bringt hier ein weiteres Gebläse in Gang, das Bälle in einer Schüssel bewegt.

blwm_g2.gifBesonders schön: Die Ganze komplexe Maschinerie bringt eigentlich nichts ausser zweckfreien, einigermassen ephemeren Bildern hervor (Gekritzel, ein Realzeit-'Video' mit hin- und herkugelnden Bällen) - indes es wohl eigentlich vor allem darum geht, das gemeinsame Schaukeln zu geniessen. Kleine Momente der Initimität. Sieht man mal von der Ausstellungssituation auf der ars ab, bei der natürlich fast immer einige Menschen durch den Raum wuselten und staundend die Mechanik der Konstruktion studierten.

Selbst passende Holzgeräte zur Wartung gab es dazu.
Und noch eine weitere, kleinere und ebenso zweckfreie Installation, die allerdings nicht zu betätigen war (ein etwas variierter Wiederaufbau von "Making a Point of Inflection" aus 2000).

Auch wenn sie so nur in der Phantasie zu bewegen sind, sollte man sich unbedingt noch die anderen phantastischen Konstruktionen anschauen, die Lubell auf seinen Heimseiten dokumentiert hat. Unter den ab 2000 entstandenen sind auch mehrere dabei, die im weitesten Sinne mit Klang- und Geräuscherzeugung arbeiten. Beispielsweise die Lungenkrankheitssimulantin "Quicken" oder "Furtitive Ear", ein Flüstertütenraumgebilde, das Athanasius Kircher sicher sehr interessiert hätte.

Hach. Ungern werfen wir mit Superlativen um uns. Aber die Begegnung mit dieser Arbeit war wirklich eine Entdeckung. Das gönnen wir uns jetzt mal: Das absolute Highlight dieser ars. Die notabene alles andere als arm an interessanten Projekten war.

[Bildchen: Sind - wie man sieht - keine der grossartigen Maschinen von Lubell. War keine Zeit, um Rechte anzufragen; daher auf die Schnelle selbst ein wenig Kiefernholz geschnitten und zu zwei gänzlich imaginären Konstruktionen gefügt. *seufz*]

Von miss.gunst am 15.09.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.08.07

SoundTransit

sotra_ksw.gifDer Seitenverweis im letzten Eintrag ist eigentlich ein guter Anlass, endlich einmal ein Projekt vorzustellen, das aus guten Gründen längst in den Zettelkasten von HOME MADE gehört:
sound transit.
Schliesslich kommen hier gleich mehrere zentrale Stränge zusammen, von der Klangforschung über das field recording bis hin zur gemeinsamen Arbeit an Plattformen, auf denen Material unter creative commons-Lizenz gesammelt und verfügbar gemacht wird.

"SoundTransit is a collaborative, online community dedicated to field recording and phonography. On this site, you can plan a sonic journey through various locations recorded around the world, or you can search the database for specific sounds by different artists from certain places. If you are a phonographer, you can also contribute your recordings for others to enjoy. The Creative Commons Attribution license encourages the sharing and reuse of all sounds on this website."

sotra_g.gifSo in Grundzügen Selbstverständnis und Hintergründe des 2005 von Derek Holzer (der treuen LeserInnen auch aus einigen Einträgen in diesem Log bekannt ist), Sara Kolster und Marc Boon aus der Taufe gehobenen Projekts.

Inzwischen haben schon über dreihundert KünstlerInnen weit mehr als tausend Klänge in die Datenbank des Projekts eingespeist - und wer in Letzterer ein bisschen gründelt, wird unter den Beitragenden auf zahlreiche alte Bekannte stossen - und was das Klangmaterial betrifft, jede Menge Pretiosen entdecken.

Aber das ist noch nicht alles. Ein besonderes Angebot hält nämlich eine Sektion des Projekts bereit, in der man veritable Klangreisen buchen kann, in dem man aus den gesammelten Beständen field recordings aus unterschiedlichsten Gegenden der grossen weiten Welt wählt, um dann durch die entsprechenden sonischen Gefilde zu navigieren.

Last but not least ein Lauschtipp für Radio-FreundInnen: Im Februar diesen Jahres haben einige der Beteiligten die SoundTransits zu Radiosendungen remixt - die man sich auf der Seite des SoundTransit Radio Roundup nach wie vor anhören und herunterladen kann.

Von miss.gunst am 27.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.08.07

bugs

mpb_ksw.gifUnd zurück zum aktuellen Sommerthema, den lieben Krabbeltierchen. Um mal eine elegante Überleitung vom letzten Eintrag zu versuchen, in dem es ja um Suppe ging: In letzterer gelten gemeinhin Fliegen als unwillkommene Einlage - aber auch anderorts können Insekten als Strörenfriede begegnen. Und nicht nur dort, wohin man den Kammerjäger zu rufen pflegt.
Vielmehr wissen auch die meisten ComputernutzerInnen ein langes Klagelied von - nunja: Käfern zu singen.

Zwar denken die meisten, wenn sie mit Software-Bugs ringen, nicht wirklich an Vertreter einer insektoiden Spezies.
Doch soll es sich beim ersten aktenkundigen Bug der Computergeschichte tatsächlich um einen ebensolchen gehandelt haben.

mpb_g1.gifHierüber berichtet jedenfalls der entsprechende Wikipedia-Eintrag zum Thema - wobei sowohl die deutsche als auch die englische Variante des Artikels eine Fotografie einbinden, die eben jenes historische Dokument zeigen soll, auf welchem besagter "Bug" im September 1947 dokumentiert und - wortwörtlich - fixiert worden sei bzw. ist.

Was man auf jeden Fall - auch ohne die begleitende Notiz - erkennen kann: Dass es sich gar nicht um ein Käferlein, sondern um eine Motte handelte. Wie die wohl damals in den mutmasslich eher grossen Computer eingedrungen ist?

Müsste man wohl gelegentlich mal bei Grace Hopper nachlesen. Wobei wiederum beide Versionen des Wikipedia-Eintrags kritisch vermerken, dass Hopper - die sozuagen als Mutter des "Debugging" gilt - den Original-Bug gar nicht selber dingfest gemacht und sich obendrein in der Datierung seines Funds um zwei ganze Jahre geirrt habe. Nunja. Angesichts ihrer Verdienste um die Informatik (mehr hierzu inklusive weiterführenden Ankern in der englischen Wikipedia-Version des biographischen Eintrags) vielleicht doch eher vernachlässigenswert.

Interessanter in Sachen Bugs ist dagegen, dass der Begriff an sogar schon früher in der Geschichte der Kommunikationstechnologie begegnet, beispielsweise bei Thomas Alva Edison, der 1878 bei seinen Erfindungen auftretende technische Probleme entsprechend benamste.

mpb_g2.gifOb es sich bei letzteren dann schon um Software-Bugs (beziehungsweise in diesem Fall: konzeptionelle Fehler) oder doch eher um Hardware-Bugs handelte? Wahrscheinlich das eine wie das andere. Und genau das ist es ja auch, was nach wie vor erst mal das grösste Problem darstellt, wenn man Schwierigkeiten mit dem Rechner hat: Den gemeinen Mistkäfer erstmal dingfest zu machen, bevor es ans eigentliche "Bug-Fixing" gehen kann. Da träumt man natürlich gern von den guten alten Zeiten, in denen derlei mit einem Streifchen Tesafilm zu bewerksstelligen war...

[Bildchen: Will eine probate Methode des Bug-Fixing im Hardwarebereich veranschaulichen - wo sich meist ja vor der Hand "Aufschrauben und mal genauer Hingucken" empfiehlt. Übrigens irrt der kleine Kontakt, der sich von dem dicken Krabbler Mikroprozessor wohin auch immer getreten fühlt. Denn der hat sich bei seiner Mimikry mitnichten an einem Mist-, sondern an einem Liebeskäfer orientiert. Zugegeben: Vor allem deshalb, weil Letzterer wie auch der Prozessor von ihren grosszügigen Spendern der Public Domain überlassen wurden. Was hiermit auch für diese Bildchen gilt.]

Von miss.gunst am 06.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.08.07

welches tier krabbelt hier?

ima_ksw.gifEine nahe liegende Frage, sobald man sich mal etwas näher mit Insekten sowie dieser Spezies gern - aber eben fälschlicher Weise zugeschlagener Achtbeiner befasst. Aufgrund der gegebenen Vielfalt ist sie in der Regel nicht so einfach zu beantworten.
Andererseits ist es aber doch recht nützlich, wenigstens jene Krabbler identifizieren zu können, denen man im Alltag häufiger begegnet - ob das nun in freier Wildbahn oder in häuslichen Gefilden ist.

ima_g1.gifLetzeres ist den meisten Menschen meist nicht so angenehm - womit wir dann schon wieder beim gestern noch glücklich umschifften, heute aber durchaus absichtsvoll angesteuerten Thema der Schädlingsbekämpfung wären.

Auf den Seiten der amerikanischen Firma orkin, die sich auf Selbige spezialisiert hat, findet sich nämlich nicht nur allgemein allerlei nützliches Wissen über all jene Insekten, mit denen enge Freundschaft zu schliessen tendenziell etwas schwerer fällt.

Im eigens eingerichteten Learning Center gibt es auch einen speziellen Bereich für Kinder. Und dort wiederum wird ein kleines Online-Game namens "Name that Bug" angeboten, das auf kurzweilige Art und Weise eben jenes eingangs angesprochene Basiswissen über ein paar der prominentesten Haus- und Hofgesellen vermittelt.

ima_g2.gifEbendieses einfach mal ein paar Runden zu spielen kann man guten Gewissens durchaus auch denen empfehlen, die sich aufgrund ihres Alters und/oder Wissensstands in Sachen Insekten nicht so direkt zur eigentlichen Zielgruppe zählen würden.

Warum? Nun, weil es erstens wirklich nett gemacht ist. Und zweitens auch recht gut als kleiner Vokabeltrainer funktioniert.
Wofür das nun wieder nützlich sein könnte? Tja - wer weiss schon so genau, was womöglich am nächsten Urlaubsort über die Wände oder auf den Teller krabbelt. Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man dann den neuen Mitbewohner oder die unverhoffte Extraportion Eiweiss in einem international verbreiteten Phonem mit Namen ansprechen kann...

[Bildchen: Stammen weder von der Webseite noch aus dem angepriesenen Spiel - sondern knüpfen eher locker an das Hasch-mich-ich-bin-der-ja-was-eigentlich-Thema an. Eingefangen haben die prächtige Fliege sowie den schmucken Grashüpfer (*herrjeh*, jetzt ist es doch raus) ursprünglich zwei Wikipedia Commons-Spender; entsprechend geht des Mediums wärmster Dank an die beiden sowie an das grosse GNU.]

Von miss.gunst am 02.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.08.07

weniger insekten essen (how to)

wins_ksw.gifWeil wir es ja gerade wieder von Insekten hatten (sowie von Tierchen, die gern für ebensolche gehalten werden, obwohl sie der biologischen Ordnung gemäss eigentlich keine sind):
Bietet es sich an, mal einen heissen Tipp für FreundInnen der kleinen Krabbler aus dem Zettelkasten hervorzuziehen.

Dieser findet sich an einer Adresse, die BastlerInnen - ganz ähnlich wie das Make-Zine - ansonsten vornehmlich wegen der wunderbaren Instruktionen für DIY-Projekte zu konsultieren pflegen: Instructables.

wins_g1.gifAuf einer solchen Plattform würde man natürlich erst einmal erwarten, mehr oder weniger obskure Konstruktionen zur sogenannten Schädlingsbekämpfung zu finden - ein Feld, auf dem sich fleissige HobbygärtnerInnen notgedrungen tummeln, wenn ihnen etwa ansonsten eigentlich nette Schnecken en masse die Salatköpfe von den Beeten grasen oder hungrige Läuse das Rosenbeet in einen traurigen Stengelfriedhof verwandelt haben. Und tatsächlich hat Instructables zu diesem Thema einiges zu bieten - allem voran aber eher sympathisch giftfreie Methoden wie den Einsatz von Marienkäferlarven-Armeen. Aber sogar auch Anleitungen für dezidiert gegenläufige Strategien: Etwa wie man pestizidresistente Schrecken oder niedliche kleine Schnecken züchtet. Sic!

Mit zu den erstaunlichsten Anleitungen in Sachen Insekten zählt jedoch eine in der Kategorie "FOOD", in der man vielleicht erst einmal eher Rezepte zur Zubereitung in unseren Längen- und Breitengraden eher ungewöhnlicher Menüs - also nicht: für die kleinen Krabbler, sondern unter Verwendung selbiger als zentraler Zutat - anzutreffen vermuten würde. Aber dafür gibt es ja längst andere Fachadressen, von insect-food bis zu kleinen Rezeptsammlungen wie derjenigen der Universität Iowa
oder Zachary Huangs "Bug-Eating Page".

wins_g2.gifStattdessen stossen InsektenfreundInnen bei Instructables hocherfreut auch hier auf eine Anleitung, die genau das Gegenteil propagiert: Nämlich wie man vermeiden kann, im Alltag ganz unbeabsichtigt Insekten zu sich zu nehmen.
Weniger Insekten essen leicht gemacht sozusagen. Und, nein: Das ist tatsächlich kein Scherz.

[Bildchen: Ja, so sieht es offenbar aus - wo man eigentlich gewöhnliche Süsswaren zu sich zu nehmen meint, kommen womöglich Insekten auf den Teller. Oder bilden wir uns das hier nur ein? Wie auch immer: Der Dank für die Grundzutaten geht wie so oft an treue Spender in die Wikipedia-Commons. Sowie an das grosse GNU.]

Von miss.gunst am 01.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.07.07

zecken pflücken

zepf_ksw.gifGanz falsch war die gestern geäusserte Vermutung nicht, dass sich im kanal7-Programm noch so manches finden lässt, was bislang in diesem Log.Buch nicht zum Zuge kam - aber eben mal einen eigenen Eintrag verdient.
Zum Beispiel jene kleine Edition aus Biel, die auf den netten Namen "fästing plockare" hört. Was eigentlich Schwedisch ist und wohl ungefähr mit "Zecken pflücken" zu übersetzen wäre.

zepf_g1.gifKlingt ja erst mal eher etwas unangenehm - ganz egal, ob man mit Grausen an entsprechende Prozeduren am eigenen Leibe denkt, wie sie hin und wieder nach Waldwanderungen fällig werden können. Oder ob man sich mitleidig in die Haut der schliesslich schlicht ums eigene Überleben bedachten bzw. der ihnen angeborene Art der Nahrungsaufnahme nachgehenden Tierchen versetzt, um die sie auf entsprechende Art und Weise schnöde betrogen werden.

Gleichwohl steckt hinter "Zecken pflücken" eine rundum sympathische Initiative, die auf der Basis eines Abonnementsprinzips monatlich Pretiosen unter die AbnehmerInnen bringt: Eben die fästing plockare-Editionen.

zepf_g2.gifBei diesen handelt es sich um kleine, feine Auflagenarbeiten - Künstlerbüchlein und -Zines, Daumenkinos, CDs mit Musik, DVDs mit Vilmchen, Objekte und vieles mehr.
Alle lassen sich auch einzeln erweben - und fleissige SammlerInnen können zudem auch eine schicke Box zur Aufbewahrung ihrer Schätze erstehen. Mit dem Erlös wird dann die Produktion der nächsten Editionen finanziert.

zepf_g3k.gifKurzum: Ein prima Prinzip und eine wunderbare Sache, bei der alle Beteiligten eigentlich nur gewinnen können.
Fürderhin ist Zecken pflücken - mögen draussen vor der Tür auch noch so viele Blutsaugerlein auf Beute harren - wohl unverrückbar positiv assoziiert...

[Bildchen: Lässt es sich die Zecke schmecken / Will man sie gern mit Pflücken schrecken / Im Grunde aber, sag ich Dir / ist sie doch ein herzig Tier. Oder? Und wie!]

Von miss.gunst am 29.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.07.07

schneeflocken satt

klsfc_kswn.gifEigentlich wäre es ja langsam Zeit, wieder eine Pause in der kleinen Reihe zu Schneeflocken einzulegen. Aber da man momentan nicht mal einen Blick aufs Thermometer braucht, um sich heftigst nach Kühlung zu sehen, lassen wir es doch noch einen Tag weiterschneien.
Und zwar so, dass dann bis auf weiteres einen satten Vorrat hat.

Hierfür zu sorgen ist nicht mal besonders schwer. Denn im Zettelkasten harrt noch ein Projekt der Vorstellung, das zweifellos die erste Adresse schlechthin für SchneeflockenfreundInnen ist.
Und erst recht für alle, die noch welche werden wollen.

klsfc_g1.gif"SnowCrystals.Com" ("... Your online guide to snowflakes, snow crystals, and other ice phenomena ..."), von Kenneth Libbrecht - Physikprofessor an der Caltech - ins Leben gerufen und aufs liebevollste zu einer echten Enzyklopädie der Schneeflocke ausgebaut.

Dass Libbrecht - wie schon Bentley und Nakaya - selbst Schneeflockenforscher ist, Schneeflocken fotografiert und ihren Wuchs studiert, auch mehrere Bücher über Schneeflocken geschrieben hat, wird wohl kaum jemanden verwundern. Aber er nutzt darüber hinaus eben auch das Netz, um Wissen wie Glück mit anderen Flockenfans zu teilen bzw. ersteres an letztere weiterzureichen.

So gibt es neben dem obligatorischen Rückblick auf die Geschichte der Schneeflockenforschung eine Übersichtsseite zur Klassifikation bzw. Typologie der Schneeflocken (die er u.a. auch mit derjenigen von Nakaya vergleicht).

klsfc_g2.gifUnd man wird - höchst anschaulich und Schritt für Schritt - in die Physik der Schneeflocke bzw. des Eiskristalls eingeführt.

Das allerbeste aber aus HOME MADE-Perspektive: Es gibt nicht nur eine Anleitung zum Fotografieren von Flocken (inklusive Geräteliste). Sondern auch eine zum Selbermachen von Schneeflocken!
Eine wohlgemerkt, an deren Umsetzung man sich wirklich - ganz wie beim guten alten Kosmos Experimentierkasten - ohne Weiteres (und vor allem: ohne weitere professionelle Ausstattung oder gar Labor nächst des Polarkreises) heranmachen kann.

klsfc_g3.gifNa, also dann: Kann das Thermometer diesen Sommer getrost noch ein bisschen nach oben klettern... Wir sind derweil daheim dann nämlich längst: Glücklich eingeschneit.

[Bildchen: Stammen allesamt von Kenneth Libbrechts wunderbarer SnowCrystals.com-Seite (und führen auch auf selbige). Aller Dank geht daher direkt an seine Adresse - nicht nur für die Genehmigung zur Wiedergabe, sondern eben allem vorab für SnowCrystals.com überhaupt!]

Von miss.gunst am 21.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.07.07

schneeflocken-bilder II (nakaya)

unsf_ksw.gifAuch wenn man angesichts der wunderbaren Fotos von Wilson A. Bentley meinen könnte: Schöner geht's schwerlich. Er war zwar der erste, aber nicht der einzige, der sich Gedanken darüber gemacht hat, wie man die flüchtigen Flöckchen ins Bild bannen kann.
Daher gleich weiter mit dem zweiten Schneeflockenfotografie-Pionier: Ukichiro Nakaya.

unsf_g1.gifDer Japaner Nakaya war eigentlich von Hause aus Kernphysiker - wandte sich aber, nachdem es ihn beruflich auf die Insel Hokkaido verschlagen hatte, der Flockenforschung zu. Auch sein Ziel war es dabei zunächst einmal, sich überhaupt ein Bild von der Gestalt der eleganten Eiskristalle zu machen. Genauer gesagt: Sehr, sehr viele Bilder (allem Vernehmen nach 3000 aufwärts - wobei Bentley da wohl nicht weniger fleissig gewesen ist.)

Allerdings ging er als ausgebildeter Naturwissenschaftler in mehrfacher Hinsicht systematischer zu Werk als der Amerikaner.
Er baute sich nicht nur eine Vorrichtung, um die Flocken zu fotografieren, sondern klassifizierte sie anschliessend auch.

unsf_g2.gifAuf dieser Basis versuchte er, den Gesetzmässigkeiten ihres Wuchses auf die Spur zu kommen. Es gelang ihm dann sogar tatsächlich, selbst künstliche Schneeflocken zu züchten. Und: Er drehte zwei Schneeflocken-Filme.

Tatsächlich gab es jüngst in Frankfurt Gelegenheit, eines dieser beiden Werke ansichtig zu werden. Und zwar im Rahmen des insgesamt wunderbaren - und wunderbar erfrischenden - wetterfest. Das von der Filmemacherin, Kuratorin und Filmwissenschaftlerin Karola Grammann und der Künstlerin Sabine Hartung ins Leben gerufene Wetter-Film-Fest hatte nämlich den Fokus auf "Eis und Schnee" gelegt; mit einem exquisiten Programm aus künstlerischen Kurzfilmen und -videos, raren Dokumentationen und historischen Schätzen, darunter der berühmten Schneeballschlacht von den Brüdern Lumière.
Auch sehr schön.

unsf_g3.gifBesonders beeindruckend aber eben der Film von Nakaya, "Snow Crystals" (erhalten sind wohl zwei, einer aus den 1930er und einer aus den 1950er Jahren; bei "Snow Crystals" handelte es sich um letzteren - die Datierung im Programm auf 1990 meint wohl die Verleihfassung auf neuem Träger). Eine klassischer Lehr- bzw. Wissenschaftsdoku mit Besuch im Labor, Vorführung der schon ein wenig skurrilen Apparatur zur Flockenuntersuchung und -aufzucht; die Demonstration der Typologie und schliesslich auch des Wachstums einer Flocke. Einfach toll.
[Dass Klaus Walter das ganze mit Live-DJing begleitete, wäre nichtmal nötig gewesen. Funktionierte aber, zumal fern jeglichen Kitsches, durchaus als Xtra-Highlight.]

Tja. Anders als im Fall von Bentley lässt sich im Bezug auf Nakayas Schneeflockenforschung leider nicht so einfach mit einem Strauss von Ankern auf reichbebilderte Seiten winken. Aber immerhin, ein paar Empfehlungen hätte es da schon:

unsf_g4.gifAls da wären allen voran die Seiten des "Ukichiro Nakaya Museum of Snow and Ice" in Katayamazu (das offenbar alle Jahr einen Wettbewerb für Künstler veranstaltet, lohnt durchaus, mal auf die entsprechenden Dokumentationen zu gucken - nur werden leider die Namen der Artisten nicht in lateinische Lettern transferiert).

Sodann die Dokumentation einer Exkursion, die Eisforscher der Caltech ebendorthin unternahmen.

Mit die umfangreichste Quelle zu seinem Werdegang und seiner Forschung ist ein Nachruf (pdf), den James A. Bender 1962 in der Zeischrift Arctic publizierte. [Sein eigenes, 1954 publiziertes Schneeflockenbuch, "Snowflakes. Natural and Artificial" ist antiquarisch eher rar und kostet dementsprechend. *seufz*]

unsf_g5.gifUnd dann könnte kann man natürlich noch - zumal ja gerade in Zürich mit einer Ausstellung im Haus Konstruktiv präsent - Carsten Nicolais in der Tat von Nakaya inspirierte Wiederaufnahme der Schneeflockenzucht in "snow noise" (2002) erwähnen (mehr dazu nachzulesen im Katalog zu seiner Frankfurter Ausstellung "anti reflex", den es wenn-nicht-im-heimischen-Bücherschrank bei EIGEN+ART auch als pdf-Vollversion gibt; Bilder solo auch im pingmag-Interview von 2005).

[Bildchen: Da nicht verfügbar, leider keine Standbilder aus Nakayas Film. Sondern lediglich und so weit aus der Erinnerung möglich, eine Nach-Imagination derselben, die auf der Basis von Bentleys Flockenfang gezüchtet wurden.]

Von miss.gunst am 19.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.07.07

bilder von schnee und eis I (bentley)

wbsf_kswn.gifZwar sollten sich zu Klängen eigentlich wie von selbst Bilder gesellen. Aber da es just von Eis und Schnee auch schon so schöne gibt, wollen wir doch mal mit den entsprechenden Zettelkasteneinträgen rausrücken.
Und am besten gleich einmal mit den echten Klassikern beginnen.

wbsf_g1.gifAls da wäre allen voran ein Mann, bei dessen Nachnamen manche zunächst einmal an Luxuslimousinen denken werden: Wilson Alwyn Bentley.

1865 im US-Staat Vermont geboren (ja, da gibt es auch ein paar echte Berge - wobei die Etymologie natürlich nicht sofort auf ewigen Schnee schliessen lässt), soll er schon früh vom Schnee fasziniert gewesen sein. Nun gut, welches Kind ist das nicht? Bentley allerdings hat diese Faszination nicht nur lebenslang nicht mehr losgelassen (bis hierher könnte man ja immer noch rufen: Ich auch! Ich auch! Bzw.: Mich ebensowenig!). Er überführte sie später nämlich auch in ein ebenso leidenschaftlichen Forschungsinteresse.

wbsf_g2.gifSein Ziel, die Schönheit der Schneeflocken ins Bild zu bannen, erreichte er mit einer selbstgebauten Konstruktion aus Fachkamera und Mikroskop. Er fing einzelne Flocken auf einem schwarzen Kartonplättchen ein, übertrug sie flink auf den Präparatträger und lichtete die Miniaturdiven auf diese Weise eine nach der anderen ab. Und zwar über Jahre hinweg.

Das Ergebnis kann sich zweifelsohne sehen lassen. Nicht nur rein quantitativ - allein die Bentley Snowflake Collection des Buffalo Museum of Science kann lässig mal eben 154 verschiedene Exemplare. Wobei der springende Punkt natürlich die Faszination der Schwingung zwischen Gesetz und Variation ist: 'Alle Gestalten sind ähnlich, doch keine gleichet der andern' - hätte Goethe das geahnt, hätte er sicher auch eine entsprechende Ode auf die Schneeflocke geplant.

wbsf_g3.gifWer mehr über den grossartigen Schneeflockenfotografen wissen möchte: Empfehlen kann man neben den oben bereits verankerten und sehr informativen Webpräsenz der Bentley Snowflake Collection des Buffalo Museum of Science noch die aus Anlass einer Ausstellung über Wilson "Snowflake" Bentley entstandenen Seiten der Jericho Historical Society. Die hält unter anderem auch eine ziemlich umfangreiche Sammlung mit Literaturhinweisen und Links zu Bentley, mit denen selbst die wissbegierigsten Flockenfans erst mal für einige Zeit versorgt sein dürften.

Kleine Kühlung für die Augen und die tätige Phantasie - und, falls dann der Blick aufs Thermometer gehen sollte: Gemach, Gemach. Der nächste Winter kommt bestimmt...

[Bildchen: Sind tatsächlich welche von Wilson Alwyn Bentley daselbst. Denn wunderbarer Weise ist eine ansehnliche Sammlung seiner fantastischen Flockenfotos auch in den Wikipedia Commons zu finden.]

Von miss.gunst am 18.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.07.07

der klang von schnee und eis

ssni_kswn.gifKlingt doch ganz so, als könnte man so etwas gut gebrauchen in diesen Tagen, oder?
Zumal man auf diesem Wege durchaus die (welche waren es doch gleich?) angenehmen Seiten des Sommers weiter würdigen und dennoch - ohne bei eingefleischten SonnenanbeterInnen dumm aufzufallen - etwaigen Vorlieben für kühlere Temperaturen frönen kann.
Erfrischend dürften sie in jedem Fall wirken: Klänge von Schnee und Eis.

Mit einer ganzen oder gleich mehreren Radiosendungen (wie weiland 2005) können wir diesmal leider nicht dienen.
Aber dafür doch mit einer satten Portion Sounds, die ganz sicher ebenso wohltuende Wirkung entfalten, wenn sich das Quecksilbersäulchen - oder dessen digitales Äquivalent - im Lauf des Tages wieder Richtung Jenseits-von-Gut-und-Böse bewegen sollte. Was ja wohl zu befürchten steht.

ssni_g.gifDas treuen LeserInnen längst nicht mehr unbekannte Label Gruenrekorder [dem hier beiseit auch zur neuen Webseite gratuliert werden kann], auf Klangkunst und Field Recordings spezialisiert, beherbergt in seinem Programm nämlich ein ganzes Projekt, das samt und sonders dem Klang von Schnee und Eis bzw. "The Sound of Snow and Ice" gewidmet ist.

Lässt sich kompakt (per .zip) oder in kleinen Portionen geniessen (Anker hierfür: auf der "The Sound of Snow and Ice"-Seite unten; dies nur, falls jemand bei den Vorlausch-Buttons festfriert hängen bleibt).
Und: Wunderschöne Bilder, um die Kühlung per Imagination nochmals zu unterstützen hat es obendrein.

In diesem Sinne raten wir wärmstens doch gern: Einfach cool bleiben mit *wirklich* kühlen Klängen!

[Bildchen: Ist keins der Bilder, die zu den Field Recordings gehören. Sondern das Derivat eines wohl wirklich nicht zu Unrecht schon mal zum Bild des Tages gekürtes Exemplar aus den Wikipedia Commons (übrigens am 22.07.05, wohl auch aus guten Gründen =8)), das Andreas Tille in Island aufgenommen hat. Kurzum: Auch das Original ist sehr sehr erfrischend anzusehen. Und: Man mag sogar die Sonne darauf.]

Von miss.gunst am 17.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.07.07

found tapes ff.

gtk_ksw.gifZur Abwechslung bzw. aus gegebenem Anlass mal wieder etwas zum Thema Found Tapes.
In diesem Fall ein Einzelstück, das aber nichts desto weniger einen Vermerk im Zettelkasten verdient. Zumal sich dieser aktuell mit einem kleinen Ausstellungs-Tipp verbinden lässt.
Doch davon unabhängig wäre es angesichts des dräuenden Aussterbens dieses Mediums wohl allweil sträflich, wenn sich Kassettengeschichten-FreundInnen dieses Exemplar entgehen liessen.

Finden und anschauen kann man es auf den Heimseiten von Claire Fontaine (nicht zu verwechseln mit dem Papeterie-Hersteller nahezu gleichlautenden Namens, von dem tatsächlich auch das brave Medium seit Jahr und Tag seine Notizheftlein bezieht =8))

gtk_g1.gifClaire Fontaine ist nämlich eine Ready Made Künstlerin, ge- bzw. erfunden von einem französischen Künstlerkollektiv. Selbiges wiederum bestreitet zur Zeit eine Folge der Ausstellungsreihe "How To Cook A Wolf", mit der die Kunsthalle Zürich in diesem Jahr ihren "Parallel"-Projektraum bespielt.

Deren Besuch kann an dieser Stelle natürlich sowieso wärmstens empfohlen werden - zumal ja schon das Prinzip der Ready Made(-)Künstlerin per se aus HOME MADE-Perspektive sehr sympathisch ist. Wobei dieser Begriff nota bene nicht nur gute Teile des Werks, sondern eben auch dessen Autorin meint.

Um so erfreulicher aber, im Konvolut des ersteren tatsächlich auch ein Found Tape zu finden. Besonders prima: Dass man sich "Counter-poison/Intermission" (so heisst die 2004 - nunja: wie es im Grunde natürlich auch für die meisten der klassischen Ready Mades sowie speziell auch für die Ready Made Künstlerin Claire Fontaine gilt: nicht wirklich nur gefundene Kassettengeschichten-Arbeit nämlich) auch online anhören kann.

[Bildchen: Zeigt nicht etwa "Counter-poison/Intermission", denn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wollen auch Ready Made Künstlerinnen vor Reproduktionen angefragt werden, und dafür war wie so oft keine Zeit. Die Credits für die Vorlage zur ReadyMade-basierten Eigenproduktion gehen daher - ebenfalls: wie so oft - an die Wikipedia Commons, und in diesem Fall speziell an Philip Bosma und das grosse GNU]

Von miss.gunst am 03.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.07.07

noisedienstbar

bng_ksw.gifWeil wir gerade dabei sind, gleich noch ein Nachtrag. Allerdings in diesem Fall einer, der sich - wenn man so will: durchaus auch passend zum schönen Sonntag - direkt mit einem kleinen Ausflug in sonische Gefilde verbinden lässt.
Und zudem eine gute Gelegenheit bietet, einen längst mal fälligen Zettelkasten-Eintrag vorzunehmen.

Wie das? Nun, ganz einfach:

bng_g1.gifIn Berlin gibt es einen Zusammenschluss von Klangwerktätigen namens CD Kreisverband Friedrichshain*, der sich bereits seit einigen Jahren und auf allen relevanten Feldern vorzüglich der Hervorbringung und Förderung eben jener sonischen Erzeugnisse widmet, die man gemeinhin unter dem Namen Noise zu fassen pflegt. Und denen bekanntlich ja auch in diesem Log eine besondere Neigung entgegengebracht wird. [* Anker kommt weiter unten - jaja, die lieben Rähmchen....]

Deshalb ist es einerseits sehr bedauerlich, dass wir vergangenen Donnerstag (28.06.07) nicht in Berlin zugegen sein konnten, als im top e.V.-RAUM in der Schwedenstrasse das "Keine Musik - Nur fiese Töne - Noise-Festival" stattgefunden hat, welches von besagtem Kreisverband bzw. dessen Zentralorgan DIENSTbar organisiert worden ist.

Andererseits aber dürfte es für Menschen mit entsprechenden Neigungen durchaus auch nachträglich lohnen, den durch das Programm gelegten Spuren nachzugehen.

Als da wären erst einmal die Anker zu den Noiseproduzenten, die an jenem Abend die Ohren der BerlinerInnen beglückten: Broken Diode aus Dresden, Stupidity Forever (wohl nicht wirklich aus "Vatican City"), und der treuen LeserInnen aus dem Eintrag zum international noize summit bereits bekannte Justice Yeldham. Sowie der mindestens in Berlin bereits notorische, aber - kann das tatsächlich sein - sowohl Heim- als auch MySpace-Seitenlose Tapeman (nein, um diesen mysteriösen Tapeman handelt es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eher nicht - aber wer Surfmusik mag, kann getrost auch mal bei Letzterem vorbeischauen).

bng_g4.gifVor allem aber sei an dieser Stelle (war wirklich mal Zeit und ist der Grund für die Zuordnung zum Zettelkasten) wärmstens ein Besuch bei den Ausrichtern des "Keine Musik - Nur fiese Töne - Noise-Festival" empfohlen. DIENSTbar versteht sich bzw. agiert nämlich auch als Netzlabel.
Extrem spartanisch - das heisst: Ohne extra-Labelseiten, ohne Cover und sonstige Leckerein; einfach nur als Materialsammlung auf archive.org.
Passt aber im Grunde bestens zum Selbstverständnis eines Kreisverbands, der sich aufs Wesentliche konzentriert.
Und das - guckt man sich mal die Agenda der letzten Jahre an, erst recht aber: wenn man sich die Produktionen der DIENSTbar-Netzlabelaktivitäten zu Gemüte führt - mit einiger Energie.

[Bildchen: Vom mindestens derzeit noch sowohl bei DIENSTbar als auch beim RAUM unter den Aktualitäten zu bewundernden Skelettorchesterflyer einschlägig stimuliert extra ins Ossuarium gestiegen und schwer gehäckselt. Mangels Talent zu derartigen Tätigkeiten schaut das Ergebnis allerdings leider eher nach Blümchenmuster aus (*seufz*)]

Von miss.gunst am 01.07.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

05.06.07

filmfront(al)

flmfrt_ksw.gifDas Stichwort "Kino" bietet eine gute Gelegenheit, noch einen weiteren Eintrag aus dem Überhang der Kulturbeutelkollekte nachzureichen, der sich in den vergangenen Wochen gebildet hat.
In diesem Fall zu einer Ausstellung mit Filmprogramm, die leider nur zweieinhalb Tage währte - aber unbedingt in den Zettelkasten muss: FILMFRONT(AL).

Leider zeitgleich zum Zürcher Tweakfest und zu den letzen drei Tagen Videoex hatte nämlich die Kunsthalle Basel die Tore geöffnet, um mit derart geballter Präsenz die gleichnamige Vereinigung Filmschaffender und das von dieser herausgegebenen Magazin zu feiern.

flmfrt_g.gifZehn Jahre lang - von 1978 bis 1988 - stand die FILMFRONT für ein künstlerisches, experimentelles und politisches Filmschaffen ein; schaute durchs Kamera-Auge und erforschte die filmische Wahrnehmung, interessierte sich für ein Kino jenseits des Mainstreams, für Film als Kunst und Handwerk jenseits der Konventionen, knüpfte internationale Netzwerke und behielt dabei das Lokale im Blick.

Silke Baumann, Kuratorin an der Kunsthalle, hatte sich nun zusammen mit einigen Beteiligten in die Archive begeben, mittlerweile in diverse Himmelsrichtungen verstreute ehemalige Beteiligte kontaktiert, um von ihnen Arbeiten zu erhalten und auf dieser Basis ein mehrteiliges Filmprogramm zusammengestellt.

Gezeigt wurde letzteres dann im Form thematischer Programme, deren Schwerpunkte vom Strukturellen Film bis zum Politischen Aktivismus reichten; jeweils mit einem Vortrag eingeführt und teilweise - wie man hier sieht - neuvertont. (Gut, zugegeben: Das war ein Special zur Eröffnung, zu der David Pfluger Richard Buchers auf Super-8 gebannte Dokumentation der Basler Hausabrisse zwischen 1975 und 1978 zünftig am Schlagzeug begleitete).

Dazu kam dann noch die Ausstellung, die nicht nur per Auslage das komplette Jahrgangsarchiv der FILMFRONT zugänglich machte, sondern auch eine Auswahl von Filmen auf Monitoren zeigte. Mit Blick auf deren Ausgangsmaterial - eben Super-8 und 16 mm - und dessen Materialästhetik, die ja nun gerade im Experimentalfilm eine zentrale Rolle spielt, mag das zwar ziemlich schräg wirken. War aber wohl der Preis, der aus konservatorischen Gründen gezahlt werden musste. Nun, immerhin gabs wohl in einigen Fällen die Möglichkeit zum Vergleich.

Mit von der Partie in Aussttellung und Programm: Urs Berger, Ruedi Bind, Marcel Stüssi, Matthias Bosshart, Richard Bucher, Kilian Dellers, Claude Gaçon, André Lehmann, Reinhard Manz, Ueli Meyer, Verena Moser, Werner von Mutzenbecher, Balz Raz, Werner Suter, Urs Breitenstein, Paul Müller und Arc Trionfini.

flmfrt_g2.gif[Beiseit bemerkt, und ganz sicher soll das keine Schmälerung der Würdigungsperspektive sein - aber der Zwang zum Nachrechnen war grad einfach da: Mindestens dieser FILMFRONT mangelt es doch deutlich an Ausgewogenheit im Verhältnis der Geschlechter. Da war man möglicherweise doch ein wenig konservativ bis konventionell...]

Last but not least vielleicht auch für diejenigen, die ebenfalls nicht dabei sein konnten die Empfehlung: Das pdf der Programmübersicht holen, so lange es noch erhältlich ist (genau: dieses liegt beim Stadtkino Basel - während die entsprechende Seite der Kunsthalle schon wieder verschwunden bzw. ausgetauscht worden ist). Ist schon mal ein gutes Datenblatt fürs Archiv.

Noch viel schöner wäre es natürlich, würde der gesamte FILMFRONT-Schatz einmal digitalisiert und online gestellt. Oh nein - bitte nicht die Filme, jedenfalls nicht als hurschelige Clips ins Web (oder wenn dann nur in würdiger Umgebung, also beim ubuweb Vilm).
Hingegen, selbst wenn pdf Papier nicht ersetzen kann (und wahrscheinlich auch nicht so lange lebt): Die Zeitschrift im Netz, mit allen ihren wichtigten Texten und Dokumenten - das wäre doch mal ein Projekt, oder nicht?

[Bildchen: FILMFRONT(AL) total - und dafür vielen Dank an Silke Baumann, die Kunsthalle Basel, sowie natürlich die FILMFRONT selbst.]

Von miss.gunst am 05.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

31.05.07

was kreativen schwierigkeiten macht

gvsg_ksw.gifOder genauer gesagt: Wer. Schon auch: Was.
Das ist schon einmal eine interessante Frage, oder?
Schliesslich weiss oder ahnt man mindestens, dass sich selbst in einer Welt, die auch was die Verteilung vo Gaben und Begabungen angeht, nicht ganz die beste aller möglichen sein dürfte, so einige Menschen mit beachtlichen Potentialen finden.
Warum also bleiben jene im Alltag allzu oft unsichtbar bzw. diese häufig ungenutzt?

Ein sehr lesenswerter Artikel, der möglichen Antworten nachgeht (und das, nebenbei bemerkt, auf ziemlich unterhaltsame Weise), ist in der heute-gerade-noch-aktuellen, also der Mai-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins brand eins zu finden.

gvsg_g2.gifDie trägt zur Annoncierung ihres Themenschwerpunkts "Ideenwirtschaft" ein dickes rotes Banner auf dem Cover, auf dem "Achtung! Sie betreten den kreativen Sektor" steht. Kein Wunder also, dass sie selbst einem Medium mit mässigem Verstand am Kiosk sofort aufgefallen ist.
[Beiseit - und angesichts der beliebten Debatten um Werbung in Blogs sei gleich klargestellt, dass dies ein persönlicher, sozusagen von Authentizität triefender Kommentar ist, für den niemand bezahlt worden ist: In die entsprechende Richtung geguckt haben wir schon auch sowieso, insofern in dieser Zeitschrift ziemlich oft ziemlich interessante Dinge stehen.]

Besagter Artikel jedenfalls - verfasst von brand eins-Redakteur Wolf Lotter - widmet sich eben jenen eingangs angesprochenen Problemen, mit denen es Menschen zu tun bekommen, die Flausen im Kopf haben und dann auch noch so dreist sind zu meinen, diese realisieren zu wollen. Also den Kreativen?

Gewissermassen - wobei Lotter allerdings nicht von ungefähr die Überschrift "Die Gestörten" wählt, um die FlausenfreundInnen zu charakterisieren. Allerdings (anders als man jetzt voreilig annehmen könnte) nicht, um sie zu diskreditieren. Ganz im Gegenteil werden ihre Gegenspieler nämlich als "Die Gehemmten" vorgestellt. Und wie es beide Gruppen miteinander halten, könnte einem aufgrund besagter Unterhaltsamkeit, mit der die entsprechenden Beobachtungen kredenzt werden, lässig Lachtränen über die Wangen perlen lassen.
Wenn das, was in diesem Szenario bschrieben wird, nicht doch so todtraurig wäre. Eigentlich.
Denn es handelt sich um einen ungleichen, ungerechten und vor allem in seinem schmählichen Ausgang letztlich für die gesamte Menschheit fatalen Kampf.

gvsg_g3.gifAber es soll an dieser Stelle nicht zuviel vorweg genommen, sondern eben die herzliche Empfehlung gegeben werden, sich den Artikel gelegentlich bzw. am allerbesten gleich mal zu besorgen und dann selbst zu Gemüte zu führen.

Was übrigens selbst dann keinerlei Schwierigkeiten bereitet, wenn man am Kiosk vor leeren Regalen stehen oder zu den bedauernswerten Existenzen gehören sollte, die unter einer Allergie gegen Gedrucktes leiden. Wunderbarer Weise stellt brand eins nämlich die Volltexte seiner Ausgaben ins Netz.

So gibt es auch in diesem Fall eine Webversion sowie ein schickes pdf des Artikels - und zwar frei Haus.
Ergo keine Entschuldigung, ahnungslos ins Grab zu sinken, was das schicksalsträchtige Mit- bzw. Gegeneinander von "Gestörten" und "Gehemmten" betrifft.

Sondern vielmehr die wahrnehmenswerte Gelegenheit, nebenbei gleich noch einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis zu werfen und womöglich stante pede weiterzulesen. Wofür das Medium eigentlich gerade noch eine dezidierte Empfehlung hätte - aber dazu dann ein andermal...

[Bildchen: Sollen andeutungsweise veranschaulichen, wie es um die Verhältnisse im angesprochenen Konflikt zwischen den einen und den anderen Gs steht... Grand Merci wie so oft an jene, welche die froh als Bausteinchen genutzten Aufnahmen - in diesem Fall Glühbirnchen und (wohlweislich, sic!) Gummihammer - in den Wikipedia Commons zur Verfügung stellten. Und für erstere auch dem grossen GNU.]

Von miss.gunst am 31.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.05.07

instrumentenbastler ff. (under construction)

hafin_ksw.gifNicht von ungefähr wurde neulich im Eintrag zum Wiener reverse karaoke nebenbei schon mal auf das rahmende Projekt "Into the City" verwiesen. Zu dem gehört nämlich auch eine Konzertreihe, die auf den netten Namen "Under Construction" hört - und diesem wohl insbesondere mit der für den heutigen Abend (29.05.07) auch gerecht zu werden versucht.

Und zwar mit gleich mehreren Formationen, denen man aus HOME MADE-Perspektive heftigst zuwinken muss, wenn man schon nicht vor Ort sein kann (tja, wenn das mit der Teleportation mal ordentlich vorangegangen wäre).

hafin_g.gifAls da wäre zu allererst einmal eine Riesenklanginstallation des kanadischen Künstlers Maxime de la Rochefoucauld, der auf der Basis seines so benamsten "système Ki" wunderbare quasi-wie-von-selbst spielende Instrumente konstruiert (tatsächlich werden sie von unter der Hörschwelle schwingenden Frequenzen gesteuert).

Sodann ein Auftritt des britischen Modified Toy Orchestra (mehr sowie Tonträger auf ihrer Label-Seite bei warmcircuit, bei dem laut Ankündigung eine halbe Hundertschaft selbst gebastelter bzw. modifizierter Spielzeug-Instrumente zum Einsatz kommen sollen.

Und schliesslich wird sich dann noch die belgische Formation Kapotski die Ehre geben, um ein Konzert auf Elektromüll zu intonieren. Wie das ungefähr klingen könnte? Unbedingt die Heimseiten entern, dort gibt es leckerste Ohrzuckerln zuhauf!

Ja, da wäre man doch gern grad wieder in Wien, oder? Um den Trennungsschmerz noch ein bisschen weiterzukitzeln, zugleich jedoch ein bissel Trost zu spenden: Vergangen Sonntag war in nämlicher Reihe übrigens auch Negativland zu Gast. Hat das Medium, weil eben grad in Zürich tweaken, natürlich auch verpasst. Aber: In diesem Fall lässt sich schon mal, das quasi als Webradio-Tipp vorweg, den 03. Juni ab 23:00 Uhr vormerken - dann wird das Konzert nämlich vom Kunstradio gesendet und gestreamt. Ist natürlich nicht dasselbe wie live. Gleichwohl: Immerhin...

[Bildchen: Dünkt treuen LeserInnen irgendwie schon bekannt? Dem ist auch so. Heute selbst keine Zeit zum Basteln eines neuen Instruments gehabt und daher mit dem letzten Herbst gezüchteten Harfenfisch einfach ein bereits zuhandenes aus den eigenen Archiven hervorgeangelt.]

Von miss.gunst am 29.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.05.07

strickliesel(n) für hacker

strha_ksw.gifManche mögen der erhöhten Luftfeuchtigkeit zu Pfingsten wenig abgewinnen können - die HOME MADE-BastlerInnen freut's vielleicht eher. Denn nach all den Exkursionen, Festivals undsoweiter ist doch erst einmal wieder etwas Heimarbeit angesagt.
Weil die sich natürlich tendenziell* im stillen Kämmerlein abspielt, gibts davon heute noch nichts zu berichten - aber ersatzweise einen kleinen Lese-Tipp zum Thema.

Der führt diesmal in die "Netzwelt" des Wochenmagazins Der Spiegel, wo man nämlich - nicht eben früh, aber immerhin - nun auch den aktuellen Basteltrend entdeckt hat.

Was Christian Stöcker und Konrad Lischka unter dem schönen Titel "Hacker zu Stricklieseln" in Zeilen gegossen haben [zugegeben: ein ziemlich verflüssigtes Sprachbild in Zeiten, da die beweglichen Lettern nicht mehr in den Bleisatz gehen], dürfte den meisten einschlägig befassten HeimwerkerInnen im Allgemeinen und insbesondere treuen LeserInnen dieses Log.Buchs zwar nichts Neues sein. Aber man muss ja doch ein bisschen auf dem Laufenden bleiben, wenn es um die mediale Multiplikation von Trendsportarten geht, zu denen man selbst eine engere Beziehung hegt. Und womöglich bereits gehegt hat, bevor die Schwelle zur allgemeinen Vermarktungsfähigkeit so flachgetreten war wie sie es derzeit nunmal zweifelsohne ist.

Wer sich allerdings auch für letzteren Prozess und das Spannungsfeld drumherum intessiert, kann den Artikel sogar noch mit einem gewissen Surplus in den Zettelkasten packen.

strha_g2.gifNicht etwa, weil er entsprechende weiterführende Reflexionen enthalten würde - beispielsweise mit Blick auf die doch eigentlich ziemlich nahe liegende Frage, wie das konstatierte Interesse der "Hacker" (gemeint sind eher: ElektronikbastlerInnen) an der Handarbeit und die im Web 2.0 scheinbar neu entflammten Neigung zur klassischen Bastel- und Nadelarbeitskultur vor dem Horizont aktueller sozialer und ökonomischer Entwicklungen zu verorten wäre. Und was das wiederum für Web 2.0-Plattformen als Geschäftsmodell bedeutet. Auf derlei gehen die Autoren - anders, als man das in einem sonst ja schon ein bisschen politisch orientierten Magazin erwarten würde - leider nichtmal zwischen den Zeilen ein.

Vielmehr liefert das Ensemble des Publikationszusammenhangs, in dem der Text erschienen ist, gleich selbst ein ideales Beispiel für das, worüber geschwiegen wird. In einem kleinen Extra-Kästchen wird die Leserschaft nämlich gefragt:

"Sind Sie auch ein Hardware-Hacker? Arbeiten Sie auch an einem bizarren Bastelprojekt?"

Was dann folgt, ist selbstredend die Einladung, fleissig mitzutun:

"[...] Schicken Sie uns Fotos und eine kurze Beschreibung ihres Projektes - die schönsten, skurrilsten, bizarrsten präsentieren wir hier bei SPIEGEL ONLINE. [...]"

Davon, dass es für die Publikation Honorare gibt, steht mindestens an dieser Stelle nichts zu lesen. Woraus man nicht gleich schliessen muss, dass tatsächlich keine ausgezahlt werden. Doch in jedem Fall dürfte solcher "User-Generated Content", der zudem für emotionale Bindung sorgt, eine einträglichere Sache sein als teure RedakteurInnen und/oder FotografInnen auf Recherche zu schicken. Ist auch so eine Art von DIY.

Nunja, dies selbstredend nur am Rande und weil uns solche Zusammenhänge mit Blick auf die heissgeliebte Bastel- und Medienkultur eben auch forschungsweise beschäftigen. Mehr dazu aber besser dann ein andermal - sonst wird am Ende noch die Stricknadel der Lötkolben kalt... ;-)

[Bildchen: Zwar taugt ein Medium mit mässigem Verstand nicht wirklich zur "Hackerin" (und noch weniger zum "Hacker"). Aber mit Stricklieseln haben wir elektronischen Meädchen es natürlich schon. Der Dank für einige Bauteile geht wie so oft an die Wikipedia Commons bzw. jene NutzerInnen, die diese dort der Public Domain überantwortet haben.]

* Beziehungsweise auch ganz konkret - wenngleich das aktuelle anyma-Camp wohl allenfalls durch ein besonders grosszügig eingestelltes und umgekehrt angelegtes Meta(phern)fernglas betrachtet als "stilles Kämmerlein" durchgehen kann.

Von miss.gunst am 28.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.05.07

Her Noise revisited: The Making Of

hnvtmo_ksw.gifGestern bei der Verankerung von Her Noise - also jenem schon vor längerem mal vorgestellten Projekt, für das reverse karaoke ursprünglich produziert worden ist - so ganz nebenbei auf eine echte kleine Sensation gestossen.
Die erstens umgehend weitergemeldet und deren Gegenstand zweitens auch gleich dem Zettelkasten einverleibt werden muss.

hnvtmo_g1.gifDass Her Noise mehr als eine Ausstellung war bzw. ist (diese kann nämlich nach wie vor bei electra als Wanderschau geordert werden), war ja schon klar. Und auch, dass es da noch jede Menge Archivalien und Video-Material gab bzw. gibt (ja, auch dieses Archiv ist zugänglich - dafür muss man dann eben selbst nach London fahren).

Mittlerweile gibt es aber auch noch einen tollen Vilm von Emma Hedditch, der unter dem viel zu bescheidenen Titel "Her Noise: The Making Of" sechzig Minuten sehr viel mehr als etwa den Aufbau einer Ausstellung zeigt.

Sondern vielmehr phantastisches Material versammelt, vor allem Interviews mit grossartigen Künstlerinnen und Musikerinnen wie Diamanda Galas, Lydia Lunch, Kim Gordon, Jutta Koether, Peaches, Chicks On Speed, Kaffe Matthews, Christina Kubisch und und und - und dazu noch Konzert- und Performance-Mitschnitte.

Dieses Video ist natürlich ebenfalls nach wie vor bei electra auszuleihen, wenn man es - ob mit oder ohne die Ausstellung dazu - öffentlich vorführen will [wüsste nicht, dass das in der Schweiz schon der Fall gewesen wäre, daher wieder mal: WinkWinkWink].

hnvtmo_g2.gifDie Sensationsmeldung ist aber: Dank einer Kooperation von electra mit dem wunderbaren ubu-Web steht eben dieses "Her Noise: The Making Of"-Video seit kurzem zur freien Besichtigung im Netz!

Ist das toll? Ist es. Und beweist: Es gibt sie wirklich, die märchenhaften Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat. Hier und jetzt. Der Dank dafür geht aber selbstredend nicht an irgendeine gute Fee. Sondern direkt an: electra und an ubu.com.

[Bildchen: Eins vom Video, damit man mal die beiden Kuratorinnen - Hide Neset und Lina Dzuverovic von electra - sieht, denen wir Her Noise überhaupt verdanken (ja, und den beteiligten Künstlerinnen natürlich sowieso). Das andere von der kleinen pdf-Broschüre, die zu selbigem gehört und praktischerweise gleich auf der Vilm-Seite bei ubu mit abzurufen ist.]

Von miss.gunst am 21.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.05.07

DIY tipps für wege zum ruhm und mehr (fiber)

fibst_ksw.gifGirls just wanna have... whatever. Vielleicht ja auch ein Stück vom Glück im Musikbusiness? Ganz sicher jedenfalls nicht: Immer wieder das alte Lied aus der Ohrwurmkiste hören, das von den besten Chancen im Groupietum für die jeweils nächste Generation von Boy-Bands leiert - ob sich letztere nun aus Casting-Shows rekrutieren oder als Laptop-Orchester formieren. Selbst Diamanten sind ein denkbar schlechter Ausgleich, wenn man Frau lieber eigene Sounds auf die Bühne bringen will.

Aber wie funkioniert das in einer Szene, die bekanntlich nach wie vor tendenziell von so genannten Old Boy Networks dominiert wird? [Nein, nicht diesem hier - dann sähe die Sache sicher anders aus...].

Ob diese Frage am vergangenen Wochenende auch bei m4music diskutiert wurde, weiss das Medium qua Abwesenheit leider nicht zu sagen - wichtig wär's sicher mal gewesen, im (Konferenz-)Programm stand davon allerdings nichts zu lesen.

Besser daher, gleich gezielt zu einer Publikation zu greifen, die direkt diesem Thema gewidmet ist.
Die auch sonst und überhaupt allerwärmstens zu empfehlende Wiener Zeitschrift fiber, die seit 2002 Heft für Heft "werkstoff für feminismus und popkultur" bietet, hat im vergangenen Sommer das rampenfiber-Festival veranstaltet, bei dem es neben Konzerten und Performances auch eine ganze Reihe von Panels gab, die einschlägige Fragen, Probleme und Perspektiven beleuchteten.

fibst_g1.gifDeren Beiträge versammelt die zehnte Ausgabe von fiber (erschienen Oktober 2006), nicht nur dem prächtigen Cover nach sozusagen eine goldene Schallplatte im Heftformat. Drin nämlich jede Menge informative, inspirierende und leckere (meist in der Tat: sowohl als auch und obendrein) Beiträge von Musikerinnen, Künstlerinnen, DJs, VJs, Bookerinnen und anderen Aktiven wie beispielsweise Bernadette La Hengst, Susanne Kirchmayr aka Electric Indigo, den tollen Schwestern Brüll, Christiane Rösinger undundundund sowie verschiedenen nicht minder spannenden Theoretikerinnen (meistens sind übrigens letztere auch in der Praxis aktiv und vice versa).

Dieses jüngste in einer Reihe nicht weniger lesenswerter fiber-Hefte (siehe auch das online-Heftarchiv) lagert zugegebener Massen zwar schon länger im heimischen Zine-Stapel. Wurde aber aus gutem Grund gerade heute aus selbigem hervorgezogen: Weil nämlich im Zuge der jüngsten Wien-Exkursion eine ganze Menge feiner Sachen im Kulturbeutel gelandet sind, die sinn- und sachgemäss anschliessend in den nächsten Einträgen vorgstellt werden sollen.

Kleiner nützlicher Hinweis zum Schluss: Wie auf den fiber-Distributionsinfo-Seiten zu sehen, ist diese wunderbare Zeitschrift in der Schweiz nicht grad an jeder Ecke zu bekommen. Was nun wirklich kein haltbarer Zustand ist. Oder?
Wie gut, dass es fiber auch im Abo gibt.

[Beiseit: Wobei das Medium schwören könnte, in Zürich sei sie durchaus mal zu haben gewesen. Und lag sie nicht auch in der shedhalle aus? Oder träumt uns das grad? Na, wie auch immer...]

[Bildchen: mal wieder zu blöd gewesen, rechtzeitig nachzufragen. Daher interim erstmal eine schnöde selbstgebastelte Aushilfskraft.]

Von miss.gunst am 14.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.05.07

Radiogeschichte(n) zum Nachhören

rgw_ksw.gifMöglichkeiten zum Mitsingen der Internationale hatten wir letztes Jahr am ersten Mai im Angebot. Deshalb halten wir es diesmal am Tag der Arbeit mal anders, machen es uns ganz bequem und freuen uns der Früchte von Feldern, die andere mit Fleiss bestellt haben. Akustisches gibts aber trotzdem. Und zwar zum Dauerlieblingsthema Radiogeschichte(n).

Um genau zu sein: Gestern kam vom kunstradio die freudige Botschaft herein, dass mittlerweile die Beiträge des zweitägigen Symposiums "100 Jahre Radio - Die Wiederkehr der drahtlosen Phantasie" im Netz stehen, der zu den im Januar anempfohlenen Wiener Radiogeburtstagsfeier(n) gehörte (s. d. Einträge vom 14.01.07 und vom 17.01.07).

rgw_g1.gifDen meisten davon ist sozusagen in Realzeit im Rückspiegel, also in Form von Audiostreams nachzulauschen; zu manchen gibt es aber auch Textfassungen (bzw. in einem Fall eine Linkliste) in Form eines pdf.
Ziemlich disparat, was den jeweiligen Fokus auf "Wireless Imagination" angeht; aber dank der Abstracts auf den Hauptseiten ist es ja auch nicht weiter schwierig zu überschauen, was den eigenen Interessen näherkommt und was nicht.

Wer es nun doch zum Maifeiertag lieber etwas musikalischer hätte, kann sich übrigens durchaus ebenfalls an der Dokumentation der Wiener Radiogeburtstagsfeierlichkeiten laben.
Noch immer stehen dort nämlich die Gratulationsadressen im Netz, die seinerzeit einegsammelt und zur abendlichen Radioparty als Mix gestreamt wurden.
[Update: Ach, von wegen. Die Verankerungen laufen samt und sonders ins Leere. Mal nachfragen, ob das ein Versehen oder schnöde Absicht ist. Dann muss es wohl doch die Internationale zum Mitsingen sein, oder?]

Von miss.gunst am 01.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.04.07

Triebwerk für Videoproduktion (gearbox)

gbtk_ksw.gifUm gleich mal flink zur Einlösung des gestern gegebenen Versprechens zu schreiten, noch die eine oder andere Trouvaille aus dem "unknown territories"-Progamm blinken zu lassen:
Im "MediaShed" - einerseits tatsächlich "Medienschuppen", nämlich dem Produktionszelt der Veranstaltung, andererseits Repräsentanz der gleichnamigen Initiative - hatte es derlei gleich haufenweise.
Wie zum Beispiel die gearbox, die denn auch stande pede in den HOME MADE-Zettelkasten wandern muss.

Bei diesem rundum äusserst sympathischen Projekt handelt es sich um eine Plattform, die MediaShed gemeinsam mit eyebeam initiiert wurde - jener New Yorker Organisation, die (aaarg, noch eins:) am vergangenen Wochenende das diesjährige bentfestival beherbergt hat (also auch verpasst; immerhin gibts Einträge zu voraufgegangenen Ausgaben).

gbtk_g.gifZiel und Zweck der gearbox ist denkbar klar definiert: Sie soll als "Free-media Video Toolkit" fungieren, also Open Source-Freeware zur Produktion von budgetfreundlichen Videos versammeln.

Das mag erst mal einfach ziemlich nützlich klingen - in dieser speziellen Werkzeugkiste lohnt es aber selbst dann mal ein bisschen zu kramen, wenn man sich bereits bestens ausgestattet wähnt.

Denn neben ganz praktische Anleitungen wie etwa der für den Eigenbau einer kleinen Überwachungskamera auf der Basis eines Kaffeebechers wartet die gearbox bereits jetzt mit so wunderbaren DIY-Tipps auf wie dem, sich bei Mangel an adäquaten Spielorten für das fertige Meisterwerk einfach selbst ein würdiges Lichtspielhaus zu basteln.

Vielleicht etwas weniger leicht praktikabel, aber mindestens ebenso originell: Heisse Tipps, wie man an ein Stunt-Double für riskante Actionvilmchen gelangt, bei denen man selbst die Hauptrolle zu spielen gedenkt.

Kurzum: Lauter tolle Tools und Step-by-Step-Instruktionen, die sich künftig sicher noch mehren werden. Und kein Zweifel, dass die gearbox schon jetzt ein unverzichtbares Triebwerk für Heimwerker-Videoproduktionen stellt!

[Bildchen: Ist das schicke Signet der grossartigen gearbox. Die als solche übrigens mit einer Creative Commons-Attribution-Linzenz 3.0 versehen ist, welche dann wohl auch für ihre Inhalte gilt.]


Von miss.gunst am 30.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.04.07

aufschneidemaschinchen

rpgg_ksw.gifAufschneidemaschinchen? Klingt doch gleich ganz anders als einfach nur schnöd: Gedichte-Generator. Da man einen ebensolchen, wie aus gegebenem Anlass bemerkt, stets in der Hinterhand haben sollte - warum nicht gleich nach etwas suchen, das ein bisschen anspruchsvoller funktioniert?

Schliesslich hat schon - um elegant obendrein an den letzte Woche weitergeführten Strang zu den Traum(m)aschinen anzuknüpfen - Brion Gysins Freund und Dreamachine-Mitstreiter William S. Burroughs seinerzeit gezeigt: Es kann äusserst produktiv sein, sich vom Reimen aufs Schneiden zu verlegen.

rpgg_g1.gifNatürlich nur, wenn man es nicht bei der Schnippelei belässt. Kleben und Dichten gehört ebenfalls essentiell dazu.
Was das eigentlich vom Dadaisten Tristan Tzara erfundene, von Gysin wiederentdeckte und von Burroughs dann exzessiv praktizierte Prinzip des "Cut Up" allerdings doch schon wieder etwas mühsam macht.

rpgg_g2.gifAber zum Glück gibt es eben auch Aufschneidemaschinchen, die den etwas anspruchsvolleren Teil der Arbeit gleich miterledigen.
Sherry A. Nelsons wunderbaren kleinen "Robo-Poet" beispielsweise - und für einen Generator macht er seine Sache ganz gut, wenn es darum geht, dem Ganzen ein wenig Beat Generation-Flair zu geben.
Einen kleinen Wermutstropen hat es allerdings: Text eingeben muss man immer noch selbst...

[Bildchen: Demonstration des Dichtungsexperiments - an denkbar schlichtem Beispiel, mit eindrucksvollem Resultat. Was nebenbei zeigt, dass Sherry A. Nelsons Robo-Poet obendrein deutschprachigen Nichtdichterinnen auf englische Sprünge und damit potentiell zu internationalem Ruhm verhelfen kann. Na, wenn das nichts ist! Dafür leiert man sich doch gern noch selbst einen Satz aus den Rippen. Da bekommt der Begriff "Aufschneidemaschinchen" gleich nochmal einen ganz anderen Beiklang... ;)]

Von miss.gunst am 17.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.04.07

Tusch für Busch

wbg_ksw.gifNicht nur, weil es erst kürzlich - rund um das Fumetto-Festival - wieder einmal einen kleinen Strang zu Comix gab, ist heute erneut ein Ausflug in entsprechende Gefilde geboten.
Aus guten Gründen wird dazu sogar die gestern eingeschlagene Direktion, Alte Meister bestenfalls gerastert zu würdigen, umgehend wieder verlassen.
Tatsächlich steht die Ehrung eines ebensolchen an.

wbg_g1.gifAnlässlich des 175. Geburtstags gilt es nämlich vor einem Mann den Hut zu ziehen, der ohne Abstriche als grosser Inspirator unserer heissgeliebten Bildgeschichtenkunst gefeiert werden sollte: Wilhelm Busch.

Dies in einer einigermassen angemessenen Form zu tun, ist einem Medium von mässigem Talent zwar schier unmöglich. Glücklicherweise lässt sich aber vertretungsweise auf eine Reihe von Adressen verweisen, wo sich einer solchen Aufgabe mit der hinreichenden Professionalität gewidmet wird.

Zu den ersten, die man aufsuchen sollte, zählt da sicherlich das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover - das übrigens nicht nur im Jubeljahr einen Besuch wert ist, sondern auch sonst immer wieder schöne Ausstellungen rund um Karikatur und Comix zeigt. Und die Stadt Hannover hat für 2007 gleich mal ein ganzes Wilhelm-Busch-Jahr ausgerufen.

wbg_g2.gifEbenfalls gut ausgestattet: Das von Jörg Spieler eingerichtete Portal Wilhelm-Busch.de (auf dem es ursprünglich auch mal Informationen zur Wilhelm-Busch-Gesellschaft gab - die sind aber, mindestens momentan, verschwunden. Was hoffentlich nicht gleich für die gesamte Gesellschaft gilt).

Besonders besuchenswert sind nach wie vor die von Jochen Schöpflin bestens bestückte und liebevoll betreuten Wilhelm-Busch-Seiten, auf denen man neben ausgewählten Bildgeschichten und einigen der herrlichen Bilderbögen (z. B. ür InsektenfreundInnen: Die Fliege) auch umfangreiche Liste mit weiterführenden Verweisen findet.

Und selbstredend hat auch das Projekt Gutenberg so Einiges von Busch zu bieten. Empfehlung genehm? Dann muss es - der Neigung dieses Logs zur DIY-Kultur entsprechend - natürlich die nette kleine Anleitung "Wie man Napoliums macht" sein.

Ja, wenn nur alles mal so einfach wäre! Eben gerade wenn es um eine Hommage geht. Schliesslich hat Wilhelm Busch die Latte ja sowohl in Sachen Reimes- als auch Zeichenkunst ziemlich hoch gelegt.

wbg_g3.gifAber es gibt eben doch Leute, die auch das ganz gut hinbekommen. Die tummeln sich beispielsweise auf der Liste der KandidatInnen und Gekürten des Wilhelm-Busch-Preises, auf dessen Seiten man netterweise auch einige Kostproben des jeweiligen Geschicks zu sehen - oder genauer gesagt: zu lesen bekommt. Bilder hat es da nämlich leider keine.

Wo wir gerade dabei sind, und weil ja idealerweise eben beides auszuzeichnen wäre: Dass Robert Gernhardt nie mit diesem Preis bedacht worden ist, wundert schon ein wenig. Immerhin war beispielsweise Radio Bremen da weniger säumig und hat nicht nur ein schönes Interview mit ihm über Busch geführt, sondern selbiges sogar im Rahmen eines Web-Features zu Gernhardt als pdf ins Netz gestellt. Noch viel schöner wärs allerdings gewesen, könnte man dazu noch eine Folge "Hier spricht der Dichter" anschauen und lesen. Aber da sind sicher, wie so oft, die Bildrechte vor.

Tja. Und sonst? Wo sind sie, die zeitgenössichen Busch-Hommagen? Selbst beim Max-und-Moritz-Preis (ging zuletzt an den aus der FAZ bekannten Herrn Reiche bzw. Strizz) machen sie sich offenbar rar.
Kann man nur hoffen, dass sich das übers Jahr noch ändern wird. Und zwar an anderer Stelle und etwas schicklicher geschickter als hier.

[Bildchen: Aller Talentfreiheit zum Trotz aus der Not eine Tugend gemacht. Wie so oft mit substanzieller Unterstützung der Wikipedia Commons und ergo Tribut auch dem grossen GNU. Konkret: Merci für den Monitor und das fotografische Porträt. Dass für das Barthaar jener Stümpererei, die zunächst mal ein gezeichnetes Buschbildchen hatte werden sollen, auch veritable Schafwolle aus selbiger Quelle zum Einsatz kam, sieht man eh nicht mehr. Ganz so leicht gehts halt leider doch nicht mit dem doofen Kompuhter.]

Von miss.gunst am 15.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.04.07

musik für traum(m)aschinen (und mehr)

drmm_ksw.gifZeit für Nachträge - beispielsweise zur vergangenen Woche, wo es ja wieder mal um Traummaschinen bzw. die legendäre Dreamachine ging.
Einschlägig Interessierte werden sicher schon selbst darauf gestossen sein, dass sich der über optischen Flicker erzielte Effekt noch akustisch augmentieren lässt.
Für alle anderen gibts heute noch einen entsprechenden Hinweis.
Der aber an eine Quelle führt, an der noch andere feine Sachen zu finden sind.

In diesem Fall führt ein stimmungsvoll abgelichtetes Exemplar nicht nur zu einer der Dreamachine gewidmeten Seite, die neben Basisinformationen und weiteren Aufnahmen den klassischen Bauplan enthält.

drmm_g.gifVielmehr hat das Genfer Kollektiv 10111.org eben auch Software für Traum(m)aschinenmusik entwickelt (bzw. weiterentwickelt) und eine CD mit selbiger eingespielt, zu der auch eine Kostprobe im Netz angeboten wird.

Ebendort leider nicht verfügbar ist der als Audio/Video steuerndes MAX-Programm beschriebene "Weitere Ausblick". Schade. Wobei man sich ja fürs erste auch mit der neulich vorgstellten webbasierten Dreamachine behelfen kann, dazu vielleicht Aaplysia und das Ganze richtig takten?

Wäre gelegentlich mal zu testen. Für den Moment noch viel spannender ist es allerdings, in den Tiefen der 10111.org-Archive zu gründeln.
Was es da so alles zu entdecken gibt. Hui.

[Bildchen: Ist noch einmal eine Aufnahme, die Steve Burnett von seiner Dreamachine gemacht und dankenswerter Weise in die Wikipedia gestellt bzw. der PD überlassen hat. Wobei diesmal, dem Thema des Eintrags entsprechend, der (allerdings stumme, weil ja zweckentfremdete) Plattenspieler im Fokus steht.]

Von miss.gunst am 11.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.04.07

ein zine für kreaturen und kreationen

crm_ksw.gifFällt zugegebener Massen schon etwas schwer, nach so einem Kurzurlaub auf dem Mars wieder auf dem schnöden Erdboden zu landen.
Damit das wenigstens etwas leichter geht, wird es heute eher mal kurz gemacht und einfach ein Zuckerstückchen im Zettelkasten versenkt, an dem sich die geneigte Leserschaft dann sowieso sattsam laben kann.

Wobei das Ganze zudem auch ganz prima zum gerade erst in eigener Sache angeschnittenen Thema Zines passt. Denn um ein ebensolches handelt es sich beim CreatureMag.

Anders als sein Titel vielleicht suggerieren mag, handelt es sich dabei nicht um eine Neo-Naturmystiker-Postille. Obwohl es tatsächlich eine ältere Ausgabe gibt, die so etwas wie Kreaturen auf den Fluren gewidmet ist. Ob die netten selbstgebauten Beos von Ruaridh Wilkinson oder Morweena Cats mit Röntgenbildern vorgstellte Monsterkuschelfrösche bzw- bärchen so geeignet sind bzw. selbst geneigt wären, dem Schöpfer mit Jubelruf zu huldigen*, steht vielleicht auf einem anderen Blatt.
[* Von wegen Gedächtnisauffrischung zu Ostern: Das wird eher zu Erntedank gesungen.]

crm_g.gifJedenfalls, um es wie eingangs versprochen kurz zu machen: Zwar kann man im CreatureMag auch Tieren begegnen. Alles in allem aber geht es - wie nämlich auch der Untertitel erläutert - um "something created". Also um schöpferisches Tun im weitesten Sinne, vom künstlerischen Bastelprojekt bis zum Zine; und um die jeweiligen MacherInnen.

Jede Ausgabe - erschienen sind bislang vier an der Zahl - hat ein spezielles Thema (die jüngste Ausgabe vom Januar diesen Jahres beispielsweise Space bzw. Raum). Und: Das der jeweils nächsten Ausgabe wird ausgeschrieben, so dass man sich - wenn man etwas Passendes geschaffen, geschöpft, gebastelt hat - sogar mit einem Beitrag beteiligen oder mindestens einen ebensolchen vorschlagen kann.

Schliesslich noch erwähnenswert: Wenngleich man so ein herziges Magazin eigentlich schon ganz gern in den Händen halten würde - es handelt sich (bislang) um ein reines Webzine.
Was aber nicht nur angesichts der Tatsache, dass das CreatureMag wie so viele wunderbare Zines in UK produziert wird, einiges Gute hat (JägerInnen und SammlerInnen können da ganze Arien singen von unerreichbaren small press-Schätzen und tiefen, tiefen Löchern in der Portokasse). Zwar scheinen die HerausgeberInnen noch zu experimentieren, was ideale Navigation etc. betrifft. Ziemlich glücklich gelungen ist ihnen aber doch in jedem Fall: Den Charme der guten alten Zinekultur ins Digitale zu transportieren.

Von miss.gunst am 10.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.04.07

dreamachine

dmsb_ksw.gifHeute also, wie versprochen, endlich der sowieso längst mal anstehende Zettelkasten-Eintrag zum Original.
Auch wenn dieses als echte Inkunabel eigentlich so bekannt ist, dass man da eigentlich nur Eulen nach Athen bzw. Bären nach Bern schicken kann.
Trotzdem, es muss einfach sein: Vorhang auf für die Dreamachine.

Bekanntlich hatte sich der Beatnik-Dichter Brion Gysin seinen ersten Flicker-Rausch auf einer Busfahrt nach Marseille geholt - und zwar ganz unverhofft, als er mit geschlossenen Augen der Sonne entgegenträumte, während das Gefährt durch eine Allee fuhr.

Erst etwas später konstruierte er dann zusammen mit Ian Sommerville und wohl inspiriert von einem Buch des Neurologen William Grey Walter (in dem es keine Anleitung hat, wohl aber anregende Überlegungen dazu, wie Imagination funktioniert) die erste Dreamaachine: Einen perforierten Papierzylinder, den man über eine Lichtquelle stülpt, die ihrerseits auf einem Plattenteller steht.

Damit das Ganze funktioniert und der Flicker die richtige Frequenz hat, müssen allerdings die Proportionen des Schnittmuster (also die Abstände der Ausschnitte) und die Drehzahl des Plattenspielers aufeinander abgestimmt und letztere sollte auf 78 oder 45 Rotationen pro Minute eingestellt sein. Und, das Allerwichtigste: So eine Dreamachine schaut zwar per se schon gut aus - aber damit es funkt, muss man die Augen schliessen.

dmsb_g1.gifWas diese Konstruktion - gerade auch aus HOME MADE-Perspektive - so sympathisch macht? Ist natürlich, dass sie sich denkbar einfach für den Hausgebrauch herstellen lässt. Wofür auch im Netz eine ganze Reihe von Anleitungen inklusive Schnittmusterbogen zur Verfügung stehen.

Die allererste Adresse sollte da vielleicht die von Paul Cecil sein, der nämlich nicht nur ein schönes (allerdings mittlerweile vergriffenes) Buch zum Thema geschrieben, sondern auf seinen gut gepflegten Heimseiten auch Auszüge daraus publiziert hat. Bei ihm gibt es eine Version für 45rpm herunterzuladen.

Eine etwas kompaktere, aber ebenfalls schön angerichtete Anleitung für die 78rpm-Variante bietet Noah.
Und denjenigen, die noch mehr wissen, sehen und weitere Konstruktionsoptionen kennenlernen wollen, sollten sich unbedingt auf den Dreamachine-Seiten von interzone tummeln. In deren gut sortierter Kollektion findet unter anderem auch der (von Simon Owen stammenden) Schaltplan für eine elektronische Flickerlicht-Version.

Last but not least, für die ganz bequemen Computerbildchirmsofakartoffeln: Eine Dreamachine, die man direkt im Browser anwerfen kann. Dafür sollte man aber dann einen ziemlich lichtstarken Bildschirm vor der Nase haben.

Viel schöner ist es unter dem Strich aber doch, selbst zum Cutter zu greifen - so man daheim noch einen Plattenspieler hat.
Die erzielten Effekte variieren allem Vernehmen nach sowie erfahrungsgemäss. Aber Ausprobieren lohnt auf jeden Fall und ist anders als bei anderen potentiell bewusstseinserweiternden Drogen theoretisch auch völlig risikofrei. Praktisch darf man allerdings (und diese Warnung ist ernst zu nehmen!) zum Beispiel kein/e Epileptiker/in sein, da der Flicker dann Anfälle auslösen kann.

Wobei: Wirklich ganz erforscht ist es eben bis heute nicht, was die kleinen Leitungen da oben alles so treiben, wenn man sie stimuliert.
Zumal eben auch das mit von der individuellen Konstitution und Kondition abhängt.
Insofern, wie es so schön heisst: Don't try this at home, wenn Du etwa schon vorneweg Bedenken haben solltest - und in jedem Fall und wie bei jedem (Selbst-)Experiment ist dann auch dieses eines ganz auf eigene Gefahr.

[Bildchen: Da der letzte Eigenbau schon lange, lange den Gang der irdischen Dinge gegangen ist, freut sich das Medium, eine der Public Domain anheimgegebene Aufnahme von Steve Burnett bei der Wikipedia gefunden zu haben.]

Von miss.gunst am 04.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.03.07

wald! (ffc)

zwwa_ksw.gifSelbst aus Fumetto-Fanperspektive kann es manchmal ganz schön schwierig sein, die Superlative richtig zu dosieren. Dann nämlich, wenn es so viele zu vergeben gäbe bzw. gibt, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Nein, Unsinn: Muss natürlich heissen: Dass man im Wald steht und schon gar nicht mehr weiss, welchem Baum man als erstes huldigen soll.

zwwa_g1k.gifOder so ähnlich. Jedenfalls funkelt dieses Jahr im sowieso schon leckereienreichen Festivalprogramm die abendliche Fumetto-Bar besonders verführerisch. Weil sie nämlich von einem echten Dreamteam betreut wird - Milk & Wodka im Verbund mit Jim Avignon.

Und genau so schaut das, was eine Woche lang allabendlich geboten wird, auch aus: Einfach traumhaft.
Heute zum Beispiel wird mit einem wilden Doppel aus Köln aufgewartet: Für den musikalischen Part ist der berüchtigte Harald Sack Ziegler gebucht. Den man ja hoffentlich nicht weiters vorstellen muss - für den Fall der Fälle hier aber noch der Anker zur obligaten mySpace-Einraumwohnung, wo man unter anderem noch rechtzeitig das Lied der (Dudelsack-)Königin mitträllern lernen darf [Wobei, ist schon klar dass es nur eine/n geben kann, oder?].

zwwa_g2.gifStargast Nummer 2 bzw. 1 ist - und damit wären wir dann wirklich im beim Wald angekommen - kein geringerer als Herr Leo Leowald. Den die meisten wohl eher unter dem Namen kennen werden, der sein zeichnerisches Oeuvre zeichnet: zwarwald.

Spätestens über das schon mittels seiner trefflich gewählten Betitelung bestechende Büchlein "Elementartierchen" (genau, verlegt und erhältlich beim bereits gepriesenen Reprodukt) sollte dieser begnadete Artist dem verdienten Weltruhm ein gutes Stück näher gerückt sein.

zwwa_g3k.gifWobei die Welt, und zwar namentlich die nicht der deutschen Sprache mächtige, noch sehr viel mehr beglücken dürfte, dass es die zwarwald-Comix im WeltWeiten Wald GeWebe seit einiger Zeit auch in englischer Übersetzung gibt. Und zwar regelmässig neue.
Was aber wohl niemand davon abhalten sollte, begierig nach zwarwald-Druckwerken zu greifen, etwa dem - leider nicht ganz so häufig erscheindenden und obendrein auch recht rasch vergriffenen - zwarwald-Zine namens zwar. Von dem man sich ja möglicherweise auch heute Abend ein Exemplärchen sichern kann. In der Fumetto-Bar ab 22:00 Uhr.

[Bildchen: Stammen - wie man sich unschwer denken bzw. sehen kann - nicht aus dem zwarwald; weil das Medium wieder mal verschlafen hat, zeitig in Sachen Originaltreproduktionen nachzufragen, wurde in etwa so assoziiert: Zwar war eben noch über allen Wipfeln Waldes Ruh' (oben rechts) - als sich dann aber dem Zwar-Wald ein Aber nähert... Und so weiter. Dabei sind Zwar-Wald und Aber sogar vom gleichen Stamm - in diesem Fall einer prächtigen abies nebrodensis. Für deren Aufnahme, wieder via Wikipedia, Francesco zu danken ist.]

Von miss.gunst am 27.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.03.07

orang (ffc)

omn_ksw.gifDa gestern in Luzern das bereits im Vorfeld bejubelte Fumetto-Festival startete, lässt sich in schamlos sympathisierender Anlehnung wunderbar weiter der Leidenschaft für Comix frönen.
Wie stets natürlich so, dass auch diejenigen etwas davon haben, die auf das Vergnügen verzichten müssen, die Pilgerstätte selbst in persona aufzusuchen.

Ideal eignet sich dafür zum Beispiel ein Hinweis auf eine der internationalen Ausstellungen, die zum Programm des Festivals gehören - und zwar in diesem Fall auf das "Epizentrum Hamburg", das von dem Comicmagazin und -Netzwerk orang in der Galerie Brandgässli aufgemacht wird. Beziehungsweise wurde, denn die Ausstellung ist ja nun eröffnet und bis einschliesslich 01.04. (kein Scherz) ebendort zu sehen.

omn_g1.gifEpizentrum trifft die Sache übrigens ziemlich auf den Punkt: Was kluge, zeichnerisch bzw. künstlerisch rasant gute, ungewöhnliche und interessante Comix - Bilder und Bildergeschichten - betrifft, gehen von Hamburg mittlerweile Schwingungen aus, die immer weitere Kreise ziehen. Vor einigen Jahren von Studierenden der Fachrichtung "Kommunikationsdesign und Illustration" an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften begründet und federführend von Sascha Hommer betreut, hat sich orang zu einem zentralen Anlaufpunkt für FreundInnen und Fans des Genres entwickelt.

Wer nun nicht nach Luzern düsen kann, hat wunderbare alternative Möglichkeiten, das orang-Magazin und Produktionen aus seinem Umfeld kennen- und schätzen zu lernen.

Allem voran natürlich schlicht und einfach durch den Erwerb des Magazins, das sich mittlerweile schon in der sechsten Ausgabe präsentiert (die voraufgegangenen lassen sich im Archiv beschnuppern). Dazu muss man übrigens nichtmal zum möglicherweise schlecht ausgestatteten Kiosk in der Nachbarschaft oder der hoffentlich besser bestückten Lieblingsbuchhandlung pilgern (wobei, wenn letzteres geht: immer, oder?), sondern kann auch beim Online-Shop von Reprodukt bestellen. Wenn man sich denn traut, ein solches potentielles Kaufrauschportal überhaupt aufzurufen (Obacht, ehrlich).

omn_g2.gifDarüber hinaus hält orang aber auch eine feine Liste der beteiligten und befreundeten KünstlerInnen und Anker zu deren jeweiligen Heimseiten bereit - was ebenfalls für Fans fatale Folgen haben kann, so sie im Anschluss eigentlich noch etwas anderes zu tun gehabt hätten (sollte wohl besser im Disclaimer warnend vermerkt werden).

Und wer dann nach Stunden lustvoller Fahrten durchs Comicuniversum noch klicken kann, sollte mit letzter Zeige- oder Mittelfingersehnenkraft vielleicht noch ein Lesezeichen aufs hauseigene orang-Blog setzen. Schon mal vorratshalber sozussagen. Denn einerseits wird man natürlich fürderhin wissen wollen, was aktuell an neuen Beben gibt. Andererseits hat man sein Budget für Liebhabereien möglicherweise schon mit wüsten Bestellorgien erschöpft, wenn man nun auf Ankündigungen wie die von leckeren T-Shirts trifft, mit denen man sich zu Vorlieben für World Angst und Super Heroes à la Hommer bzw. Arne Bellstorf bekennen kann. *Hach*.

[Bildchen: Kommt nicht von orang, sondern ist - weil keine Zeit war, nach einer Genehmigung für die Wiedergabe von O-Bildern zu fragen - vom Medium frei zum schönen Namen des Magazins bzw. Netzes assoziiert. orang (wie in Orang Utan) heisst nämlich Mensch. Da musste das Medium automatisch an anthropomorphe Früchtchen denken.]


Von miss.gunst am 25.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.03.07

die tägliche dosis diesel

ds_ksw.gifWeil's grad so schön ist und von wegen Fumettofestival-Vorfreude: Da hätte es doch gleich noch einen Webcomic, der Robotisches in täglicher Dosis kredenzt.
Die Diesel Sweeties von Richard Stevens.

Wie schon bei den gestern vorgestellten dot cube-Kreationen gilt eigentlich auch hier: Aufwendige Oden zur Preisung der Speisung mit Pixel-Treibstoff-Süssigkeiten erübrigen sich, wenn man doch mit einem Sprung an die Quelle und damit in den Genuss von Diesel Sweeties satt kommen kann.

ds_g1.gifAllerdings sollte nebenbei noch darauf verwiesen werden, dass Stevens - von der sozusagen obligaten (und trefflich als "necessary evil" bezeichneten) mySpace-Seite mal abgesehen - unter anderem noch ein wunderbares Blog betreibt, das auf den vielversprechenden Namen "i heart pixels" hört und in der Tat für LiebhaberInnen entsprechender Datenanordnungen Herzigstes am laufenden Band bereit hält. Vorzugsweise eigene Produktionen - aber eben auch glückliche Funde wie zum Beispiel jenes herrliche Eulenstrickmützlein, welches das Medium sehr sehr gerne in seinem nächsten Nikolausstrumpf finden würde (Osternest ginge aber auch noch, *winkwink*).

ds_g2.gifNun dürften beschnabelte Kopfebdeckungen vielleicht nicht eines jeden Sache sein - hingegen über die tägliche Webcomic-Lektüre leicht das Bedürfnis geweckt werden, die entsprechende Vorliebe nicht nur im, sondern auch auf dem Herzen zu tragen.
Gut zu wissen daher, dass sich das Begehren nach zünftiger Diesel Sweetie-Fan-Bekleidung im hausseiteneigenen T-Shirt-Shop ebenfalls stillen lässt.
Noch besser jedoch, hier gleich zwei Designs zu finden, die der Liebe zur guten alten Tape-Kultur bzw. zu Mixtapes huldigen, der bekanntlich ja auch dieses Log.Buch anhängig ist.

Ob es dem Medium damit gelingen könnte, seine fürderhin nurmehr schwer zu verwindende Eulenmützenlosigkeit zu kompensieren, ist allerdings alles andere als gewiss.

[Bildchen: Samt und sonders leckere Diesel Sweeties Produktion. Grand Merci an Richard Stevens - speziell für die Zusendung des Porträts, auf dem man das ebenso elegant-schlichte wie eben nerdschicke Mixtape-Shirt sozusagen in vivo bewundern kann :)]

Von miss.gunst am 20.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.03.07

take back the noise

wtbtn_ksw.gifNein, darum etwas zurückzunehmen geht es hier nicht. "take back" meint in diesem Fall, ganz handgreiflich: Wiederaneignung. Mit einem grossen W. Wie bitte?
Wirkt vielleicht etwas wunderlich - weil man ja erst mal denken könnte, dass auf so etwas wie Noise eigentlich weder Besitzansprüche erhoben werden sollten. Noch ergo etwas genommen, weggnommen oder wieder zurück geholt werden kann.

Aber die Verhältnisse, sie sind bekanntlich nicht so. Beziehungsweise: Eben um die Verhältnisse geht es.

Möglicherweise ist bei den bisherigen Einträgen zum Thema kaum jemand aufgefallen, dass ein Verhältnis - Lust am Rauschen und den Geräuschen hin oder her - ganz und gar nicht noisig im Unentscheidbaren bleibt.
Das zwischen den Geschlechtern nämlich. Oder genauer gesagt: ihrer Repräsentation.

wtbtn_g1.gifEin/e gender-switchende Alan/Alna Courtis macht in der curmbox beispielsweise in dieser Hinsicht noch keinen Sommer.
[Wobei: Immerhin. Und auch zum Grünrekorderfestival waren mit Anthea Caddy und Themby Soddell zwei ganz grossartige Vertreterinnen Fachs geladen.]

Aber vielleicht sollte man es sowieso am besten so formulieren: Nicht dass es nicht genug Frauen in der Noise Musik gäbe. Vielmehr kann es gar nicht genug Frauen in der Noise Musik geben. Klingt doch gleich viel besser, oder?

Gute Argumente für's Ohr bietet dazu die drei Silberscheiben starke Kompilation (aha, das grosse W:) "WOMEN TAKE BACK THE NOISE".
Dass man sie auf den Webseiten des Projekts bestellen kann (Auflage 1000, 600 sind mitterweile schon weg - also hopp!) ist eh klar - aber der Besuch lohnt auch unabhäng davon in jedem Fall.

Denn: Die Seite bietet zudem eine Sammlung von Ankern zu den beteiligten Künstlerinnen, so dass Absolute Beginners auf diesem Feld die besten Chancen haben, a) ad fontes geführt dann eben auch aus der Quelle trinken - und sich gleich mal so richtig betrinken zu können (um im Bild zu bleiben) sowie b) auf diesem Wege sich unschlagbare Fachkenntnisse aneignen werden.

Und damit nicht genug, hat es auch noch jede Menge Leckereien drumherum, wie Live-Konzertaufnahmen, Bonustracks, Videos, Radiosendungsmitschnitte undundund.

wtbtn_g2.gifWas sicher (versprochen!) nicht nur hartgesottene Noise Fans, sondern wohl jede/n, die oder der sich ein bisschen für experimentelle Sounds interessiert, gut und gerne einige Tage glücklich beschäftigen dürfte.

Und genau das soll es auch. Stehen nämlich mal wieder Exkursionen zu anderen Baustellen an. Bleibt treu!

[Bildchen: Sind wie unschwer zu sehen von der WOMEN TAKE BACK THE NOISE und führen auch auf diese. In ganzer Pracht: die mit leckerem Blumenbouquet und im praktischen Kulturbeutel auf jeden Fall bestens aufgelegte Edition.]

Von miss.gunst am 07.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.03.07

aesthetics of noise (sangild)

tsan_ksw.gifSozusagen zum Ausgleich der eher brachialen Portion akustischer Praxis eine etwas sanftere Annäherung ans Thema. Und ein wenig theoretische Unterfütterung kann ja sowieso nie schaden.
Weshalb heute mal ein Text zur Ästhetik des Noise in den Zettelkasten wandert.

Der schon deshalb bestens passt, weil er gleich in den ersten Sätzen ein Spektrum aufmacht, das den bisherigen Log.Buch-Einträgen zu Noise recht gut entspricht:

"Noise can blow your head out. Noise is rage. Noise is ecstatic. Noise is psychedelic. Noise is often on the edge between annoyance and bliss. Noises are many things."

Nichts geht über ein solches, klingendes Entrée, das doch gleich Lust aufs Weiterlesen macht. Oder?

tsan_g.gifGut zugegeben: Der nächste Satz heisst "Noise is a difficult concept to deal with."
Aber schliesslich will Torben Sangild in seinem Essay "The Aesthetics of Noise" - eigentlich ein 2002 bei datanom erschienenes Büchlein, dessen digitale Bereitstellung wir dem wunderbaren ubu.web verdanken - ja auch nicht nur poetisch sein, sondern sein Feld durchaus etwas systematischer beackern.

Herausgekommen ist eine angenehm kompakte Reflexion, deren Lektüre dre geneigten, und speziell natürlich der dem Thema zugeneigten Leserschaft hiermit wärmstens ans Herz gelegt sei.
Und vielleicht findet ja der eine oder die andere hernach, dass sich das ganze noch viel schmucker als auf dem Bildschirm im heimischen Bücherregal machen würde? Besagtes Druckwerk, dem der Text entstammt, ist nämlich wohl immer noch bei datanom erhältlich (wenn man dort auf die Buchinfo-Seite gehen will, wird man derzeit allerdings - hoppla - gleich ins zugehörige root-Verzeichnis geleitet, was wahrscheinlich nicht im Sinne der Erfinder ist).

P.S.
Wer des Dänischen mächtig ist oder einfach auf gut Glück mal schauen möchte (ist doch schon so, dass sich manches ja auch ganz intuitiv erschliesst), sei noch auf Torben Sangilds Weblog hingewiesen. In dem es zwar keine eigene Kategorie für Noise hat, wohl aber eine Sparte Musik, aus der - das sehen auch nicht des Dänischen mächtige Medien sofort - gleich jede Menge sympathischer Gegenstände winken.

[Bildchen: Sieht irgendwie aus wie (fast) immer, wenn in diesem Log von Noise die Rede ist? Sicher. Wurde aber doch gewissermassen direkt am Gegenstand imaginiert.]

Von miss.gunst am 06.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.03.07

Sound Garden

nhsg_ksw2.gifWeil es gerade so gut passt, gleich noch etwas zum Thema Klanggärtnerei:
Ein Projekt, das direkt dazu einlädt, selbst tätig zu werden und Klänge zu pflanzen. Und dabei nun wirklich ganz und gar unabhängig von den Jahreszeiten ist.

Nobert Herbers Sound Garden wächst nämlich ausschliesslich im elektronischen Raum.
Zwar gibt es durchaus eine Manifestation im so genannten Meat- bzw. Meetspace. Aber es wird weder mit biologisch-dynamischem Anbau operiert noch Frühstück im Grünen serviert:

"Sound Garden is the second work in a series of musical installations that explore the relationship of people, location, and audio relative to technology. In this context, people include those who use, visit, listen to, and tend the garden. Location means both physical and virtual spaces, and audio refers to manifestations of sound, silence, noise, and music. The technology explored in this project specifically includes interactive, telematic systems, digital signal processing (for audio), quadraphonic amplification, environmental sensors, and artificial life (A-Life) systems."

nhsg_g.gifDas mag auf den ersten Blick einigermassen kompliziert klingen (von wegen "Künstliches Leben", "Telematische Systeme" und "Quadrophonie". Wer den Garten besuchen oder mitgärnern möchte, braucht jedoch lediglich einen online-Zugang zur Webpräsenz, gegebenfalls ein Mikrophon und eine Audiobearbeitungssoftware (wie zum Beispiel das frei erhältliche Audacity), um eigenes Klangmaterial zu digitalisieren und in mp3 zu wandelt - wenn es schon vorliegt, muss es einfach nur per Formular auf der Heimseite des Gartens aufgeladen werden.
Dort stösst man auch auf die Pflanzungen anderer Klanggärtner, die man begutachten und - so man lustig ist - auch ausrupfen und umtopfen darf.
Und wer den Sound Garden lediglich besuchen möchte, kann ihn einfach über einen Webstream betreten.

Daneben gibt es nun durchaus noch eine "location in physical space". Aber da diese im fernen Bloomington an der Universität von Indiana angelegt wurde und - mindestens bislang - keine Bilder zur Verfügung stehen, lässt sich über diese nur spekulieren.
Das Medium mutmasst jedenfalls, dass sie ähnlich schlicht anlegegt sein dürfte, wie diejenige von Herbers voraufgehendem Projekt, Perturb - wo es offenbar vor allem um die Schnittstelle am Rechner ging, um die herum man es sich auf Kissen gemütlich machen konnte (s. die Fotodokumentation).
Den (gestrost mitlesenswerten) "Sound Garden Notes" auf der Sound Garden-Projektseite sind jedenfalls keine Hinweise auf Grünes zu entnehmen.

Als Alternative zu einem Ausflug nach Indiana, zu dem sich mindestens die auf dem europäischen Kontinent versammelten potentiellen Klanggärtner wohl nicht so leicht aufschwingen werden, sei daher ein Spaziergang auf Norbert Herbers Heimseiten empfohlen. Wo man nämlich noch auf einige weitere interessante Projekte stossen kann.
Zu denen, bzw. dem einen oder anderen, das sich das Medium mit Interesse beäugt hat, dann vielleicht noch ein andermal mehr.

Von miss.gunst am 01.03.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.02.07

klänge pflanzen, blätter ernten (bosshard)

abkg_ksw.gifSchlichte Gemüter könnten meinen, es sei nicht gerade Gartensaison. Aber mal ganz davon abgesehen, dass dieser Winter keiner war und wohl auch keiner mehr werden wird: Klanggärtnerei ist sowieso eine Kunst, die ein etwas anderes Verhältnis zu den Jahreszeiten pflegt als die Basisdisziplin, auf die sie baut.
Was ja nicht gleich bedeuten muss, dass sie Witterung, Klima, Bodenverhältnisse und Wachstumszyklen ignoriert.

Mindestens gilt das für die Klanggärtnerei, wie sie Andres Bosshard betreibt. Welche Setzlinge er mitbringt und platziert, ob er neu sät, umtopft, propft oder auch mal behutsam beschneidet - alles bildlich gesprochen natürlich, weil die Gartenarbeit mit Field Recordings und eigenen Kompositionen betrieben wird - hängt ganz vom jeweiligen Ort ab. Und das kann eine Landschaft sein, ein Gärtlein, ein Park. Aber genauso gut ein Stadtviertel oder der Bahnhofsplatz.

Treuen Fans von HOME MADE muss man derlei eigentlich nicht erzählen. Schliesslich ist Bosshard seit Beginn der Projektaktivitäten als Mitwerker dabei - und tauchte entsprechend auch schon häufiger in diesem Log.Buch auf.

abkg_g1.gifWeshalb heute eigentlich nur - um den Zettelkasten mal beim Wort zu nehmen - zwei aktuellere Lektüren aufgenommen werden sollen. Beide Male Texte in Schweizer Zeitschriften. Und wie es der Zufall (sic) so wollte, jeweils die das erste Heft des laufenden Jahrgangs:
Nämlich das Hochparterre sowie das Kunst-Bulletin vom Januar-Februar.

Verweistechnisch auf den letzten Tag des Monats kurz vor knapp - um nicht zu sagen: Schon zu spät, denn ab morgen früh liegen an den Kiosken schon die März-Hefte aus.

Dass das Hochparterre sein online-Archiv noch nicht auf 2007 umgestellt hat, macht in diesem Fall nicht so viel - online gibt es dort eh nur reine Titellisten, Text und Bilder dagegen ausschliesslich in Papieform käuflich zu erwerben.
Hingegen stellt das Kunst-Bulletin fast alle Texte - und grundsätzlich alle Porträts und Features - zeitgleich mit dem Heft ins Netz, wo sie dann später auch übers Archiv frei abgerufen werden können.
Und das gilt natürlich auch für den über Andres Bosshard.

Eins allerdings kann die online-Variante nicht bieten: Die vielen Abbildungen, mit denen so eine Werkschau daherkommt, hat es nur im Heft (und dementsprechend komisch komprimiert schaut dann auch das Textchen dazu aus).

Aber wie auch immer. Der Eintrag in den Zettelkasten musste einfach sein - und vielleicht interessiert es ja auch die eine oder den anderen. Für FreundInnen der Klanggärtnerei jedoch sind die Hefte eigentlich schon ein Muss.

[Bildchen: Aufnahmen aus dem HOME MADE Archiv von Kollegen Sternenjäger - bei dem es übrigens auch ein schönes Gespräch mit Andres Bosshard als Podcast gibt.]

Von miss.gunst am 28.02.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.02.07

bildgedichtgenerator

nid_ksw.gifBevor's am Ende noch verschütt geht, zwischendurch mal wieder eine Zeichenmaschinchen-Variation für den Zettelkasten.
Genauer gesagt, eine Artverwandter im weitesten Sinne, nämlich ein Bildgedichtgenerator.

Und zwar einer der jüngeren Generation.*
Vor nicht allzu langer Zeit in der netten Nachbarschaft bei Paperholic vorgestellt - als Anregung für einen Valentinstagsgruss.
Den Gris-Gris wiederum im Generatorblog aufgespürt hatte.

ImageChef.com - Create custom imagesDas Original - mit dem schlichten Kreationsappell "Make Visual Poetry!" betitelt - wurde von der Firma ImageChef entwickelt. Deren Claim übrigens ebenfalls ziemlich appellativ, um nicht zu sagen autoritär lautet: "Express Yourself. Instantly".

Na dann. Haben wir dementsprechend, wo es uns der Visual Poetry Generator schon so einfach macht, doch gleich einmal versucht.
Geht natürlich nicht nur zum Valentinstag - statt durch die Blume mit Generatoren zu sprechen zeichnen...

*Ja: Es gibt durchaus eine Reihe höchst ehrbarer Ahnen. Aber die nur namentlich mal eben auf die Schnelle aufzuzählen, wäre fast zu schade. Liebend gern hätte das Medium statt dessen einen Anker zu einem in dieser Sache höchst kompetenten Kollegen ausgeworfen. Aber da Florian Cramer die wunderbare Seiten, auf denen er vor langen Jahren mal eine sehr anschauliche Historie des automatisierten Bildgedichts vom Barock bis zu den seinerzeit - etwa Mitte/Ende der 1990er - aktuellen Programmen ins Netz gestellt hatte, derzeit entweder ganz von letzterem genommen oder an einen anderen Ort verschoben hat, muss ein entsprechender Rück- und Überblick wohl wirklich besser ein andermal nachgereicht werden...

Von miss.gunst am 22.02.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.02.07

Found Tapes (mit WRT)

fte_ksw.gifWie vorab vorfreudig angekündigt, bietet sich als direkter Anschluss an den "Tag der archivierten Klänge" die Vorstellung eines Projektes an, das schon längst im Zettelkasten verankert werden sollte:
Die Found Tapes Exhibition von Harold Schellinx.

Seit 2002 wandert der aus den Niederlanden stammende Musiker und Soundforscher auf den Spuren jener Tonträger, von denen sich in Zeiten digitaler Speichermedien und Wiedergabetechnologien immer mehr Menschen verabschieden.

fte_g2.gifZwar ist es - wie ja auch der in diesem Log.Buch verfolgte Strang zu Tapes und Kassettengeschichten weidlich belegt - durchaus so, dass nicht Wenige den Trennungsschmerz deutlich spüren.

Schliesslich kann sich ein digitales Mixtape-Surrogat in Sachen Charisma nur bedingt mit seinem materialen Vorbild messen: Gerade weil man es einerseits einfach ins Netz stellen, vielleicht sogar unendlich multiplizieren - dafür aber nicht anfassen kann, es keine handgekritzelte Trackliste und kein liebevoll selbst geklebtes und bemaltes Cover hat.

fte_gg.gifUnd selbst wenn kaum jemand dem jähen Schrecken nachtrauern wird, den ein Bandsalat etwa ausgerechnet eines historischen Herzensgrusses in dieser speziellen Form zu verursachen pflegte (nunja, schliesslich können auch digitale Daten leicht mal unwiederbringlich verenden): Ein wenig traurig ist es schon, einem Medium und einer ganzen Apparatekultur beim Sterben zuzusehen, der man dereinst eine formative Bedeutung u.a. auch für die Ausbildung des eigenen Musikgeschmacks beigemessen hat. Von der Bedeutung für die experimentelle Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts mal ganz zu schweigen.

Harold Schellinx jedenfalls gehört zu jenen, die sich nicht damit abgefunden haben, die Ära des Magnetbands einfach sang- und klanglos vergehen zu lassen. Er ist - wortwörtlich - zu einem Handlungsreisenden einer Medienarchäologie der Kassettenkultur geworden.

In den Städten, in die ihn seine Wege führen, stöbert er an Strassenrändern und anderen Orten, an denen sich der so genannte Zivilisationsmüll vorzugsweise anzusammeln pflegt, nach weggeworfenen Tapes. Die verwaisten und oft in denkbar bedauernswertem Zustand ihrem Schicksal überlassenen Tonträger dokumentiert er nicht nur, um sie seiner Sammlung einzuverleiben. Vielmehr versucht er auch, sie einer sorgfältigen Restauration zuzuführen, so dass sie - und sei es auch nur teilweise - wieder spielbar werden.

fte_g3.gifDem entsprechend ist seine Found Tapes Exhibition auch alles andere als eine Sammlung toter Fetische zur stummen Feier eines mediengeschichtlichen Trauerspiels, an der sich das tränende Auge der Hinterbliebenen weiden kann. Wenngleich sich sicher kaum verleugnen lässt, dass in diesem Fall schon die fotografische Leichenschau selektierter Sektionskandiaten einen nicht geringen ästhetischen Reiz vertrömt.
Entscheidend ist für das Projekt aber eben auch ihre anschliessende Wiederbelebung, von der zum einen auf den Ausstellungsseiten bereitgestellete FTE-Playlists im mp3-Format zeugen. Und zum anderen die Konzerte, die Schellinx angelegentlich seiner Forschungsaufenthalte in Sachen Found Tapes gibt.

Nun hat Harold Schellinx also einige Tage lang Berlin durchstreift, während seine Found Tapes Exhibition vorübergehend in der Transitlounge Station gastierte (genauer gesagt: für zwei knappe Tage, vom 07.02. bis 09.02. - was in der Tat ziemlich treffend als Transit bezeichnet werden kann). Neben restaurierten und nicht mehr restaurierbaren Tapes und Fotografien gab es dort auch Hörstationen zum Stöbern in den akustischen Sammlungsbeständen.

Ob die Berliner Spurensuche Schellinx vergleichbar reiche Früchte eingetragen hat wie jene vom Sommer 2005 in Pariser Vortorten?
Und ob es ihm schon gelungen ist, einige der fragmentierten Funde so zu kitten, dass er sie heute Abend beim letzten Konzert des zweiten "Kleinen Field Recordings Festival" zu Gehör bringen kann?

fte_g1.gifLetzteres lässt sich entweder heute (11.02.07) ab 21:30 Uhr vor Ort in er Electronic Church (Greifswalder Str. 223, Berlin-Prenzlberg) überprüfen, wo er zusammen mit Rob Curgenven, Kate Donovan und - so inzwischen gesundet - Marcel Türkowsky die konzertanten Fetsivitäten zum "Tag der Berliner Klanglandschaften" bestreiten wird (Details im Programm auf den Seiten von Udo P. Leis).

Oder - das bleibt jedenfalls für alle Nichtberliner süsse Hoffnung - bei der morgigen Übertragung selbigen Konzerts ab ca. 20:00 Uhr via Webstream über radioINCORRECT (s.a. das P.S.).

Bleibt nur zu wünschen, dass es Schellinx auch zukünftig gelingt, die Sammlungsbestände seiner Found Tapes Exhibition noch ein wenig weiter aufzustocken - denn es ist doch anzunehmen, dass die materialen Spuren des sterbenden Mediums in den kommenden Jahren mählich ausdünnen werden.
Wer wissen will, wie es in der eigenen Stadt darum steht, sollte dem Soundforscher wohl besser früher als später eine entsprechende Einladung verschaffen.

[Bildchen: Stammen samt und sonders aus den Beständen der Found Tapes Exhibition - dafür ein Grand Merci an Harold Schellinx!]

P.S.
Eben in Sachen Webradio-Tipps zum zweiten "Kleinen Field Recordings Festival" noch ein aktueller Hinweis, damit keine Verwechslungen aufkommen:
Wie auch andere Fans festgestellt haben werden, gab es am Samstag keinen Livestream von radioINCORRECT. Deshalb soll heute abend ab 20:00 Uhr das gestrige Konzert ausgestahlt werden - und morgen, also Montag 12.02.07 jenes von heute Abend, bei dem auch Harold Schellinx mitwirken wird.

Von miss.gunst am 11.02.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.02.07

sorge und kapitalismus. korn. (tm 07 un/finished, pt. I)

soka_ksw.gifLange über einen guten Start für den tm 07-Bericht nachgedacht. Sehr lange. Dabei geht es doch ganz einfach: Mit Sorge und Kapitalismus von Christoph Korn.

Zu allererst einmal handelt es sich bei dieser Arbeit um eines der Exponate, die in der diesjährigen Ausstellung gezeigt wurden. Nicht unbedingt ein Publikumsmagnet, weil sie weder auffällig blinkte noch durch meterlangehohebunte Grossprojektion die Blicke auf sich zog.
Aber wer sie sich angeschaut hat, dürfte immerhin schon mal registriert haben, dass sie tatsächlich mit dem transmediale-Thema "Unfninish!" assoziieren lässt (oh doch: das *ist* bereits bemerkenswert).

soka_g1.gifUnd zwar sogar in mehrfacher Hinsicht: Denn jede Millisekunde zählt, wird gezählt. Nicht nur nach der unerbittlichen Ökonomie des Kapitalismus, der seinen Fortschritt in Masseinheiten fasst. Sondern eben auch, wenn es um die Sorge um sich und andere geht, die man diesen unterwerfen oder vielleicht doch auch entziehen kann.

Nun, nicht alle Rechnungen gehen auf - vermutlich ebenso wenig wie dieser ansatzweise Versuch einer Interpretation. Wie das Ganze eigentlich und überhaupt gemeint ist, lässt sich im Konzepttext* nachlesen:
[*Achtung, leiderleider: mit Feuerfuchs bekommt man da nur die schnöde, aber dafür irgendwie schön übersetze Botschaft: "XML-Verarbeitungsfehler: nicht wohlgeformt" - um es nachzulesen muss man, wenigstens mit PC, tatsächlich den IE benutzen.]

"Der Begriff der 'Sorge' wird verstanden als Grundfrage des menschlichen DASEINS, wie er in der Cura-Fabel des Hyginus und in späterer Philosophietradition dargestellt ist. In diesem Sinne konfrontiert die Arbeit zwei grundlegende, disparate und tief in die menschliche Wirklichkeit hineinragende Kategorien: Sorge und Kapitalismus. [...] Die Maschine selbst arbeitet permanent, Tag und Nacht. In ihrer Permanenz ist sie Platzhalter eines begriffssprachlichen Gedächtnisses. Sie ist unablässige Behauptung, dass 'Sorge' unter dem Kapitalismus möglich bzw. unmöglich sei."

Ansonsten kann - da es sich um eine webbasierte Arbeit handelt - wunderbarer Weise nach wie vor ein jede/r mal die Probe aufs Exempel machen.

soka_g2.gifIndes die gezählte Zeit im Archiv gesammelt wird. Wo die Stimmen zwar vestummt sein mögen. Indes die Schichten der Zeilen doch weiter bezeugen, dass das Sorgen einen Anfang haben mag - aber bis auf weiteres kein Ende hat.
Unfinish(ed) eben.

[Bildchen: Zeigt die gezählte Zeit des Sorgens, natürlich nur sekundär und stillgestellt. Weshalb ein Besuch bei Sorge und Kapitalismus noch einmal wärmstens empfohlen sei. Definitiv, weil: Zahlen lassen sich zeigen. Nicht aber: Das Glück, die Hand, der Fuss, der Kuss - also das, was eigentlich zählt.]

P.S. Ja genau, das ist eben derselbe Christoph Korn, der hin und wieder mal mit dem treuen LeserInnen bereits bekannten Oliver Augst zusammenarbeitet. Und die ebenfalls schon mit Einträgen bedachte audio art series im Frankfurter Mousonturm mitkuratiert.

Von miss.gunst am 06.02.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.01.07

net.art generator (sollfrank)

nagg_ksw.gifAlles andere als unbekannt, aber absolutes Pflichtprogramm für alle Fans von Zeichenmaschinchen und ergo auch ein Plichteintrag im Zettelkasten: Der net.art generator - bzw., genauer gesagt die Netzkunstgeneratoren im Plural, die Cornelia Sollfrank lanciert hat.

Dem Motto "The smart artist makes machine do the work" gemäss fahndete die Hamburger Künstlerin 1999 zwar zunächst nach einem dienstbaren Programm, das vor allem anderen ihr selber zu etwas mehr Musse verhelfen sollte. Im Ergebnis kann das Projekt nun jedoch im Grunde all jenen Menschen eine echte Alternative zu bieten, die es müde sind, sich mit klassischen künstlerischen Schaffensschüben oder gar deren Ausbleiben abzuquälen.

nagg_g1.gifDenn wo es Netzkunstgeneratoren hat, muss sich eigentlich niemand mehr zwingen, qua göttlicher Inspiration und/oder minutiöser Handarbeit in Kreativitätsrausch zu verfallen. Der geht wortwörtlich von alleine los, sobald man eines der braven Softwaremaschinchen startet. Diese grasen nämlich auf Zuruf eines Stichworts hin das World Wide Web ab, um aus den jeweiligen Fundstücken wunderbare Bilder zu basteln.

Für prinzipiell schier unendliche Vielfalt der Ergebnisse ist schon aufgrund der Materialbasis gesorgt, deren Zusammenstellung zudem von einem gerüttelt Mass an Zufallsfaktoren bestimmt erfolgt.
Und schliesslich stehen mittlerweile stolze fünf unterschiedlich programmierte Generatoren zur Verfügung, um dafür zu sorgen, dass auch stilistisch eine entsprechende Bandbreite herrscht.*
[* Theoretisch. Praktisch funktionieren zur Zeit leider nur drei - tja, leider ist auch auf Automaten nicht mehr oder weniger Verlass als auf menschliche, allzu menschliche KünstlerInnen...]

Ganz abgeschafft werden können gewisse Traditionen allerdings auch durch die Netzkunstgeneratoren nicht.

nagg_g3.gifZum einen ist die Frage, wer die Erzeugnisse der kleinen Kunstmaschinen zeigen, signieren oder gar veräussern darf, nach wie vor ein juristisches Problem (akut geworden und sehr anschaulich verhandelt in Sollfranks Ausstellung "legal perspective" 2004 im Basler [plug.in], in der eigentlich Drucke von generierten Werken hatten gezeigt werden sollen, die auf bekannten Arbeiten eines Künstlers basierten, der sich seinerseits als Kunstmaschine verstand...): Da das Ausgangsmaterial seine Bearbeitung eben nur automatisch erfährt, hat das Produkt nicht genug so genannter "Schöpfungshöhe", um als eigenständiges Kunstwerk durchzugehen - was nach gängiger Meinung leider die sonst üblichen urheberrechtlichen Zugeständnisse an künstlerische Arbeiten, die auf Werke anderer aufsetzen, aus den Angeln zu heben scheint.

Zum anderen greifen die Netzkunstgeneratoren eben bislang tatsächlich vorzugsweise auf Materialien zu, die zuvor von anderen geschrieben, gemalt, gebastelt worden sind - was eindeutig eine konzeptuelle Schwachstelle ist. Konsequenter wäre es wohl, sie würden ausschliesslich solche Daten nutzen, die ihrerseits garantiert zu 100% Automatenproduktionen sind. Dann gäbe es sicher auch Frieden mit der Urheberrechts-Juristerei.

nagg_g2.gifAber so ist das nunmal: Nobody is per(l)fect, nicht mal Maschinen. Und wahrscheinlich am allerwenigsten, wenn über ihrem Programm der Befehl zur Kunstproduktion steht. Was das Ganze allerdings am Ende doch gerade erst so spannend macht. Oder nicht?

P.S. Weitere Weisheiten zum Thema? Finden sich auf den Netzkunstgenerator-Seiten im Bereich "Material", u.a. in Form einer écriture automatique, die das Medium als dienstbares Schreibmaschinchen generiert hat, seinerzeit für die Bremer Premiere des Projekts 1999 im thealit. Selbstredend nach Netzkunstgenerator-adäquatem Prinzip.

[Bildchen: Natürlich nicht einfach schnöde Schirmschüsse von der net.art generator-Heimseite, sondern Schaffensproben von: Generator # 1, # 4 und # 3; mittig in Gänze, oben und unten ausschnittweise - letzteres Bildchen ist in ganzer Pracht inklusive Animation im Archiv zu bestaunen.]

Von miss.gunst am 23.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.01.07

tegnemaskin 1-12 (zeichenmaschinen ff.)

mwtm_ksw.gifWo nun gerade die kleine Reihe zum Thema Zeichenmaschinen wiedereröffnet worden ist, dürfen bzw. darf diese natürlich nicht fehlen: Die tegnemaskin 1-12 - wie der Name bzw. Titel schon sagt, eine Zeichenmaschine in zwölf Variationen - ersonnen und angeworfen von Marius Watz.

Dessen unlekker.net zusammen mit dem GeneratorX-Blog in diesem Log ja auch schon mal vorgestellt wurde (s. den Eintrag vom 24.09.06).

mwtm_g1.gifDass sich ein Spezialist für digitale Generative Kunst nicht mit Lötkolben, Platinen und Rädchen an die Konstruktion seiner Zeichenmaschinen macht, ist natürlich klar. Vielmehr hat Watz ein Programm geschrieben, das in diesem Fall auf die Seite eines norwegischen Info-Providers namens ODIN aufsetzte und die Datenretrievals der UserInnen nutzte, um sozusagen automatisch abstrakte Grafiken zu generieren. Gemeinsam mit klassischen Zeichenmaschinchen ist der tegnesmaskin insofern vor allem die Verschiebung der Position des Künstlers zum Konstrukteur, der seine ästhetischen Setzungen in die Funktion der Maschine einbettet - und dann selbst zum Betrachter werden kann:

I use the term 'drawing machine' to denote a virtual machine with a set of rules determining how it moves and draws in a virtual space. In reality the drawing machine is a piece of software. In contrast to commercial software that is used in the production of art, where the software is a tool used by the artist to produce a finished work, the drawing machine creates its images without interaction with the artist. The task of the artist is to 'construct' the machine so that it creates aesthetically satisfying images, but once the machine is set in motion the artist is reduced to spectator.

Realisiert wurde das Projekt ab 2003 über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, wobei jede der zwölf Zeichenmaschinen bzw. Variationen der tegnemaskin ganze zwei Monate an einer Zeichnung werkelte.

mwtm_g3.gifDa es mithin nicht nur in situ, sondern auch zeitbasiert angelegt war, ist es an seinem ursprünglichen Ort natürlich nicht mehr zu bewundern. Dafür gibt es aber weidlich Bilder auf den Dokumentationsseiten zum Projekt, die so angelegt sind, dass man die Entstehung der zwölf Arbeiten Schritt für Schritt nachvollziehen kann, in dem man mit der Maus den Zeitphasenregler am unteren Bildrand nach rechts (oder zurück nach links) verschiebt. Wer das Wachsen dann noch mal exemplarisch in Einzelschritten anschauen möchte, bekommt das in einer entsprechenden Dokumentation von Phasen bei Maschinchen Nr. 12 anschaulich gemacht (Tag 60, Tag 61, es wuchert unten links).

Ansonsten lohnt es übrigens auch, in den dort abgelegten Texten zu schmökern - nicht nur um die genaue Funktionsweise der Arbeit zu verstehen. Denn zum einen enthält Watz' Einführung einige kluge konzeptuelle Überlegungen, wie eine solche Arbeit im Netz als öffentlichem Raum funktioniert und welche Rolle dabei lokale und www-weite Koordinaten spielen.

Zum anderen enthält aber auch Atle Barcleys Text über die Arbeit weiterführende Gedanken zum Thema Generative Kunst, in dem man unter anderem gleich eingangs eine sehr schön schlüssige Erläuterung dazu findet, was diesen Ansatz von dem einer klassischen Graphik oder Malerei ausmacht. Und die man möglicherweise bei Gelegenheit zitieren kann, wenn man - was ja nach wie vor immer mal wieder passiert - Mitmenschen, die in digital generierter Kunst grundsätzlich so gar nichts qualitativ anderes entdecken wollen, auf ebendiese Unterschiede aufmerksam machen will.

[Bildchen: Oben links und s/w ein Schnappschuss der Arbeit von Nummer 12, mittig aus jener von Nummer 9 und unten aus der von Nummer 8]

Von miss.gunst am 21.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.01.07

der kritzler (zeichenmaschinen ff.: hobbyrobotik)

dsk_ksw.gifEigentlich könnte es gerade mal wieder um eine Familie von Zeichenmaschinen gehen, die treuen LeserInnen dieses Logs bereits bestens bekannt ist. Ab heute Abend (18.01.07) ist nämlich Lars Vaupel von der Hamburger Gruppe f18 mit seinen kunstfertigen Konstruktionen im Zürcher Cabaret Voltaire zu Gast.

Eben weil von letzteren schon so berichtet wurde und obendrein der tagesaktuelle Hinweis aus nahe liegendenden bzw. projektbezogenen Gründen in der netten Nachbarschaft des digital brainstorming blogs platziert, hat das Medium stattdessen mal sein Fernglas ausgepackt - und ist auch entsprechend schnell fündig geworden.

dsk_g1.gifDieter Schenk, der die sowieso sehr besuchenswerte Seite "hobbyrobotik.de" betreibt, gibt ebendort nämlich nicht nur höchst anschaulich Einblick in die Kunst der Konstruktion kleinerer und grösserer Heimroboter.

Vorgestellt wird in diesem Zuge auch ein automatischer Zeichenkünstler, der auf den treffenden Namen "Der Kritzler" hört.
Dessen Kunstfertigkeiten können sich wirklich sehen lassen - neben schicken Mustern, die es lässig mit den Ergebnissen mühseliger Handarbeit am Spirographen aufnehmen, schafft er es sogar, seinen eigenen Namen zu schreiben.

Beispielsweise. Denn die Talente des Kritzlers lassen sich mit dem von Schenk selbst auf der Basis von FORTH weiterentwickelten Programmiersprache "MOPS-FORTH" individuell modulieren.

Wie das genau funktioniert und wie man selbst einen Kritzler bauen kann, wird auf Dieter Schenks hobbyrobotik ebenso einfach wie verständlich erklärt und vor allem anderen auch sehr liebevoll anschaulich gemacht.

Kurzum: Ganz abgesehen davon, dass der Kritzler sowieso in den Zeichenmaschinen-Olymp des Mediums gehört, wo er heftig angehimmelt wird, ist für alle ebenfalls einhellig Begeisterten ein Besuch bei hobbyrobotik (ergo auch deren Eintrag in den Zettelkasten) ein absolutes Muss.

[Bildchen: Zeigt, wie man auf den ersten Blick erkennt, den wunderbaren und hochtalentierten Kritzler von Dieter Schenk.]

Von miss.gunst am 18.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

15.01.07

robots in disguise (phaenomenale ff.)

rid_ksw.gifEigentlich sind dieser Tage die Empfangskanäle mehr auf Radio eingestellt. Aber bevor etwas unter den Tisch fällt, das direkt ins Einzugsgebiet fällt.. beispielsweise zum Thema D.I.Y.-Robotik... und wenn es sich dann noch um ein Projekt handelt, dass derart rundum lecker ist...

... wie Robots in Disguise: Dann muss eben doch unbedingt und stante pede ein Eintrag her.

Schliesslich geht es schlecht an, hier und dort von der Phaenomenale und ihrem Eröffnungsprogramm zu schwärmen. Und dann ausgerechnet diesen Top-Act zu verschweigen.
Wiedergutmachung geht nun natürlich nurmehr retrospektiv.
Dafür dann aber als Eintrag in den Zettelkasten.

rid_g2.gifImmerhin haben die beiden Roboterdamen von RID, Sue Denim und Deep Plume, nicht nur eine Mission mit der man sich aus HOME MADE-Perspektive bestens (und, wenn man das Medium persönlich fragt: sowieso) identifizieren kann:

"At the height of our disembodied digital era, two disguised femme-bots descend to deliver their funkpunk message to undiscerning humanoids inclined to the sounds of artful proto punk, exuberant electro-pop and new wave expressionism. SUE DENIM and DEE PLUME are Robots in Disguise, two perfectly harmonizing automatons programmed to create crafty left-field punk-pop and paying tribute as female counterparts to the rock stage personas of David Bowie and Iggy Pop, respectively. On guitars, xylophone, flute, and singing, shouting, throwing out DIY moves, RID entertain their audiences in a true old-skool retro style mixed with riot grrrl fervor with Dee's aerobic guitar solos and Sue's grooving bass lines dancing over poetic lyrics and chunky electronic beats."

Sie haben auch eine sehr lecker gestaltete Webpräsenz, auf der es unter anderem einige ihrer Stücke anzuhören und auch mehrere ihrer Video/Performance-Clips anzuschauen gibt.

Und für diejenigen, die sich weiters mit den beiden anfreunden wollen, steht obendrein (naja, selbstverständlich heutzutage) auch eine RID-myspace-Präsenz zur Verfügung (wiederum selbstverständlich: mit online-Audio und -Video).

Soweit, so kurz für heute. Und sowieso einen guten Einstieg in die Woche - was sicher nochmals besser geht mit freundlicher Unterstützung von RID.

[Bildchen: Sieht man ja, was es ist - ein Fensterchen zur Heimseite von RID. Bitte beachten, auch wenn's vielleicht etwas mikroskopisch klein und schwer erkennbar ist: Track Nr. 5 wählen. Einfach schon des Titels wegen ein must.]

Von miss.gunst am 15.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.01.07

Zur Zukunft des Radios

rrb_ksw.gifToller Titel? Nunja - klingt gleich so, als würde er zuviel versprechen. Manchmal muss das aber sein: Nur wenn man die Zukunft zu denken wagt, hat man auch eine Chance, sie Gegenwart werden zu lassen.
Eben darum hatte sich der Kongress "Relating Radio", der vergangenen Oktober im Rahmen der hier nicht von ungefähr weidlich referierten RadioRevolten* stattgefunden hat, genau das vorgenommen: Beiträge zur Zukunft des Radios zusammenzubringen.

Kurz vor Jahreswechsel ist nun auch das Buch zur Tagung erschienen, in dem man ebendiese Beiträge nachlesen kann.
rrb_g2.gifUnd dabei ein weites Feld erkunden, das - wie schon seinerzeit in Halle mit den Begriffen "Communities, Aesthetics, Access" abgesteckt - von Radio-Evolutionen (also: Entwicklungen und Entwicklungs-Geschichten) über Radioproduktions- und HörerInnengemeinschaften, Radio und/als Kunst bis zu Fragen des Zugangs zu Bandbreiten und Wellenlängen und schliesslich einem speziellen Blick auf Radio in Osteuropa reicht.

Mehr als 300 Seiten Texte, Materialen, Thesen, Analysen, Werkberichte, kulturhistorische und medienarchäologische Streifzüge in vergangene Zukünfte, Vergegenwärtigungen - alles andere als geschichtsvergessen, aber zugleich reale Utopien denkend.

rrb_g1.gifVon und mit RadiowissenschaftlerInnen, -künstlerInnen, -theoretikerInnen, -praktikerInnen und -aktivistInnen wie Douglas Kahn, Wolfgang Hagen, LIGNA, Anna Friz, Joanne Richardson, Anna Colin - fast samt und sonders übrigens Namen, die treuen LeserInnen auch, aber nicht nur im Zusammenhang mit den RadioRevolten bereits in diesem Log.Buch begegnen konnten.

Einziger Wermutstropfen: Die nahezu durchgängig spannenden und stimulierenden Diskussionen, die während der Tagung geführt wurden, kann man auf diesem Wege nicht reproduzieren - die gab es eben doch nur live und vor Ort.
Dafür bietet der Band das Surplus, alles noch einmal in Ruhe nachlesen, mit- und weiterdenken zu können. Was schliesslich auch dazu gehört, wenn es um die Zukunft des Radios gehört.

Das alles übrigens schön gestaltet und gut gesetzt. Und zum schier unschlagbaren Dumping-Preis von schäbigen acht (8!) Euro. Kaum zu glauben, aber wahr: Dafür gibt es nicht etwa nur die Verpackung bzw. den Einband, sondern das ganze Buch (mit Seiten!) dazu.
Wer es nicht glauben mag, möge einfach mal einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis riskieren (pdf).

Die Daten:
Relating Radio. Communities, Aesthetics, Access. Beiträge zur Zukunft
des Radios. Hrsg. Golo Föllmer und Sven Thiermann. Leipzig: spector books, 2006.
ISBN 3-940064-80-7

Für 8 Euro zzgl. Versandkosten zu bestellen bei:
Radio Corax
Unterberg 11, D-06108 Halle/Saale
T. 0049-(0)345-4700745
corax@radiocorax.de

[* Leider, leider ist das ehemals so gut bestückte CMS zu den RadioRevolten mittlerweile - aber hoffentlich nicht auf Dauer - stillgelegt. Das dürfte auch einige Anker in den RR-Beiträgen dieses Blogs betreffen. Aber immerhin steht auch in selbigen so einiges drin. Soll keiner behaupten, dass fleissiges Bloggen nicht lohnt.]

Von miss.gunst am 13.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

03.01.07

Magnetic Migration

mmn_ksw.gifWo jetzt schon wieder Tage lang - wenigstens indirekt - von Mixtapes die Rede war, liegt es eigentlich nahe, ein weiteres Projekt in den Zettelkasten einzutragen, das schon länger einer Vorstellung harrt.
Zumal es, allerdings ohne etwas mit netaudiocharts zu tun zu haben, eben auch die Potentiale elektronischer Medien bzw. Netzwerke nutzt, um der guten alten, leider in Erosion begriffenen Magnetbandkultur seine Reverenz zu erweisen.

Zoë Irvine, die treuen LeserInnen kürzlich schon mal als Kontributorin des Vibrö- Magazins begegnen konnte (s. den Eintrag vom 28.12.06) hat nämlich schon vor ein paar Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, das auf den per se schon vielversprechenden Namen "Magnetic Migration" hört.

Worum es geht, lässt sich in zitierenswert poetischer Formulierung seiner Heimseite entnehmen:

"Have you noticed that there are fragments of audiotape flapping in the wind?
Strands can be found all over the world, in gutters, snagged on trees, wherever tape players have ventured it seems they have chewed, snarled and spat too.
These fragments create a shifting inaudible soundscape. Some of the strands have travelled far, they are worn and battered but can be re-spooled, and listened to..."

mmn_g1.gifGenau diesen Fragmenten spürt Magnetic Migration nach, um sie - netzgerecht ins mp3-Format gewandelt - zu erhalten bzw. in seinem Archiv wieder zugänglich zu machen.

In diesem Zuge hat Irvine in den vergangenen Jahren an mehreren Orten Sammlungs-Aktionen realisiert, konkret 2002 eine Recherche-Reise zu einer Einwanderer-Station am Pas de Calais, sowie verschiedene Workshops wie 2003 im Rahmen von Interference Public Sound in East London, 2004 als "Inaudible City Project" ebenfalls in London sowie 2005 in Form eines "Mix Tape"-Workshops im Rahmen der Ausstellung "Save the day" im Kunstbüro Wien.

Darüber hinaus bietet Magnetic Migration aber auch ausserhalb solcher Aktionen die Möglichkeit zur Beteiligung an - sei es nun in Form von Beiträgen zur Mixtape-mp3-Sammlung oder auch in Form einer anderweitigen Kooperation.

Und schliesslich findet sich auf den Seiten auch noch eine schöne Sammlung mit Ankern zu weiterführenden Materialien nicht nur zu dem Projekt selbst, sondern auch zum Thema Tapes und Mixtapes (inklusive ihrer medialen bzw. medienhistorischen, medienkulturellen und künstlerischen Verortungen) bereitgestellt, die - was Irvines eigene Arbeit an dem Projekt betrifft - hier vielleicht noch um ein Interview ergänzt werden kann, das Raimund Minichbauer 2003 mit der Künstlerin und Mixtape-Forscherin für republicart geführt hat.

Alles in allem also fast ein nonplusultra für Mixtapes-Fans, sich die Magnetic Migration gelegentlich in aller Ruhe zu Gemüte zu führen - und dann vielleicht auch einmal in den eigenen Beständen nachzuwühlen, ob dort etwas Spendenswertes seiner Migration vom Magnetband ins mp3-Format harrt.

Von miss.gunst am 03.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

02.01.07

netaudiocharts ff.

nacp_ksw.gifWenn wir schon mal dabei sind, darf natürlich der Verweis auf eine Quelle nicht fehlen, die an denkbar nahe liegender Stelle Zugang zu aktuellen netaudiocharts bietet.
Die gestern gepriesenen von mogwai sind dort selbstredend ebenfalls mit von der Partie.
Aber eben auch - wenngleich sporadischer - noch ein paar andere mehr.

Dass der Anker des Tages den Netaudio Charts auf der vom phlow-Magazin bzw. seinem Begründer Mo(ritz) Sauer eingerichteten Plattform netlabels.org nebst dem längst fälligen Zettelkasten-Eintrag vor allem unter der Kategorie "Eulen nach Athen" (oder Bären nach Bern) abgelegt werden dürfte, ist eh anzunehmen.

nacp_g1.gifWas nun speziell dieses Forum für Netaudio Charts so lecker macht, ist dreierlei:

Erstens stammen die Listen von verschiedenen NetzmusikliebhaberInnen, zeichnen sich ergo also auch durch unterschiedliche Präferenzen aus - wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, auch mal die eine oder andere Entdeckung zu machen.

Zweitens reicht die Liste der Listen bis ins selige Jahr 2004 zurück - und lädt damit zum Stöbern in der Netzmusikgeschichte ein, in der an die drei Jahre schon ein recht ansehnliches Mass an Entwicklungen bedeuten.

nacp_g2.gifUnd Drittens, definitiv 'last but not least, gibt es natürlich auch noch die Option, selbst eine eigene Hitparade beizusteuern.
Dass diese bislang noch keinen Massenansturm ausgelöst hat, wundert allerdings wenig. Mindestens dann nicht, wenn man aus Erfahrung weiss: Noch das wurstigste Netzmusikmixtape braucht doch ein bisschen Musse, so es einigermassen liebevoll zusammengestellt sein will.

Was gleichwohl niemanden auf Dauer abhalten sollte, einschlägige Aktivitäten zu entfalten. Schliesslich ist die alte Gattung des Kassetenmixtapes mehr oder weniger im Aussterben begriffen.
Und da CDs auf Dauer auch nicht wirklich eine Alternative sein dürften, wären - geteiltes Glück, multiplizierte Glück - www-weit zugängliche Netzmusikselektionen womöglich eine ebenso mediengerechte wie zukunftsfähige Sukzession. Warum eigentlich nicht?

Von miss.gunst am 02.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.12.06

You Are Hear (WRT)

yah_ksw.gifVon Paris wieder zurück nach London - die Ohren dabei weiter offen.
Für ein weiteres Kunst-Radio/Radio-Kunst-Projekt, das vorzustellen auf keinen Fall versäumt werden darf.
Zumal man ihm nicht nur auf der Insel lauschen kann.

Und überhaupt bietet You Are Hear mehr als nur Radio - wenngleich letzteres zweifellos sein zentrales Medium ist.

yah_g1.gifSeit 2002 senden Magz Hall und Jim Backhouse gemeinsam unter diesem Label (jede/r für sich ist sowieso schon länger Radio-aktiv und mit Musik befasst); bis vor kurzem und hoffentlich bald wieder regelmässig auf resonancefm, wo ihre "Pleasure Lounge" in jedem Fall unter die Kategorie "don't miss" zu listen war.
Derzeit sind sie nun, totallyradio, aufs Webbradio umgezogen, wo man ihre youarehear-Sendungen vorteilhafter Weise jederzeit aus dem Archiv abrufen kann; die vollständigen Playlists sind zudem auf den Heimseiten von You Are Hear einzusehen.

Doch damit, wie schon angedeutet, nicht genug: Regelmässig organisieren die beiden nämlich auch Live-Shows - und haben in diesem Zuge mittlerweile ein prall mit Pretiosen angefülltes Schatzkästlein mit selbigen auf der entsprechenden Seite zum freien Herunterladen bereitgestellt.

yah_g2.gifDaneben engagiert sich insbesondere Magz Hall auch noch seit Jahren aktiv bei bzw. mit der South London Radio Arts Initiave, auf deren Seiten sie ebenfalls ganze Fuder voll Radiokunst archiviert.

Und schliesslich hat You Are Hear seit kurzem auch eine You Are Hear-myspace-Seite, wo es direkt stets eine wunderbare Auswahl aus den Schatzkammern zum Mitlauschen gibt.

yah_g4.gifDas alles dürfte, um zum Fan zu werden, wohl lässig bis zum nächsten You Are Hear-Webcast reichen.

Gesendet bzw. gecastet wird derzeit nämlich jeden zweiten Freitag im Monat - nein, leider gerade nicht heute. Aber eben deshalb wurde heute der Anker gelegt. Denn: So kann man sich den Termin für die nächste Show zeitig im Kalender notieren. Und sich vorab zur Anregung des Appetits erst einmal die letzte vom 22.12.06 zu Gemüte führen. Und sehr wahrscheinlich noch einiges mehr, oder?

[Bildchen: Merci an Magz!]

Von miss.gunst am 29.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.12.06

Vibrö

vib_ksw.gifNoch so ein Projekt, das schon ewig lang einer Vorstellung harrt.
Die aktuell aber aus drei Gründen besonders nahe liegt.
Erstens bietet es genau das Richtige für die Schmöker- und Stöberzeit zwischen den Jahren (inklusive Musik) - aber natürlich auch darüber hinaus.
Zweitens gibt es einen direkten Anker zum gestern vorgestellen mobile radio.
Und der dritte Grund? Gemach, Gemach...

Erst einmal nämlich direkt zu besagtem Projekt, dem in Paris beheimateten Vibrö-Magazin.

vib_g1.gifBei selbigem handelt es sich nicht etwa um eine Zeitschrift, sondern um ein spezielles Konzept, Klangkunst zu editieren:

"Vibrö is a sonic object, at the crossroads of an art multiple an a specialised magazine. Vibrö intends to render experiments in the fields of electroacoustics and Lo-Fi more 'audible'. It also tries to illustrate the growing presence of sound in the fine art practice. Published twice a year in a digibox format, vibrö includes an audio compilation and a series of cards that catalogue the artists and tracks."

vib_g2ak.gifBislang sind drei solcher Editionen erschienen, die jeweils einem eigenen Thema gewidmet sind, #1 namens "Inside-Out" (im weitesten Sinne zum Verhältnis von auditiver Verinnerlichung und sonischem Radar), #2 namens "Broken Tales" (zum Fragment und Formen der Fragmentierung) sowie schliesslich die bislang jüngste Ausgabe, #3: "The Citizen Band",

"... referring to democratic endeavours, home-made radio devices and programs, also paying a tribute to small studios where sound collages, Concrète and Acousmatic musics were born, soon after world war II. Today, at the other end of the home-studio, the Internet stream is enlarging the scope of transmissions and signals. [...] A series of works dealing with frequencies and the improper use of technology..., reception and broadcasting tools..., field recording ... or sound collages where the voice plays an essential part."

vib_g1ak.gifKlingt alles schon auf den ersten Blick mehr als vielversprechend, erst recht, wenn man sieht, welche KünstlerInnen für Beiträge gewonnen werden konnten (darunter, beiseit bemerkt, nicht wenige, die treuen LeserInnen in diesem Log.Buch ebenfalls schon begegnet): Von Mika Vainio und David Toop (aus #1) über Scanner, William Furlong und Ryoji Ikeda (aus #2) bis Stephen Vitiello (aus #3). Um nur mal ein paar der erzbekanntesten Namen zu listen - von den interessanten Entdeckungen, die man machen kann, ganz zu schweigen.

A propos Entdeckungen (und damit zu eingangs erwähntem Grund Nummer Zwei): Mit dabei in Ausgabe Drei ist nämlich auch Tonic Train - ein weiteres Projekt von Knut Aufermann und Sarah Washington, deren Mobiles Radio gestern zur Vorstellung kam. Und das Medium auf diese Weise daran erinnerte, dass in den Sedimenten seines Zettelkastens das Vibrö-Magazin so langsam Staub anzusetzen drohte.

vib_g2.gifNun ist es leider so, dass ein Grossteil dieses wunderbaren Füllhorns online nur in Form von kleinen Gehörproben zu kosten ist (nunja, man soll eben die Edition erwerben). Also, à propos "Broken Tales", eine ziemliche Stümmelei.
Dafür bietet die Plattform des Projekts neben schön angelegten Porträtseiten zu allen beteiligten und weiteren KünstlerInnen (teils mit weiteren Hörproben, Interviews u.a.m. angereichert) sowie einem eigenen (allerdings noch recht spärlich bestückten) Download-Bereich noch einige Mehrwerte an. Unter anderem Materialien zur Theorie mit Buch- und Ausstellungshinweisen, Interviews und Texten sowie einer recht ansehnlichen (und gut sortierten) Linksammlung.

Dass die Vorstellung des Magazins so lang auf Halde lag, hatte vorweg nämlich mit vorsichtigem Warten zu tun: Seit Frühjahr 2005 nicht mehr aktualisiert, stand zu befürchten, das Ganze werde gleich als ein Nachruf formatiert werden müssen.
Beim aktuellen Besuch stellte sich jedoch heraus, dass nun eine Neuaufnahme fürs Frühjahr 2007 angekündigt ist. Fein!
Also am Besten nicht nur in diesen Tagen die Archive durchwühlen, sondern Vibrö auf Wiedervorlage setzen. Wenn alles gut geht, lohnt das ganz bestimmt.

Von miss.gunst am 28.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.12.06

Mobiles Radio (mobile radio)

mr_ksw.gifMit mobilen Radio-Projekten hatten wir es im ausgehenden Jahr in diesem Log.Buch häufiger zu tun.
Um so schandbarer, dass bis dato ausgerechnet ein ebensolches noch keinen eigenen Eintrag erhalten hat (und lediglich mal am Rande Erwähnung fand), das vorneweg schon Mal den Namen mobile radio trägt - und natürlich auch in der Umsetzung ernst nimmt.

Vor Ort kennenlernen konnte man das Mobile Radio zuletzt unter anderem beim diesjährigen Media Space in Stuttgart, der - wie berichtet - dem Thema "Feedback Radio" gewidmet war.

mr_g2.gifAnsonsten geben aber auch die Heimseiten des von Knut Aufermann und Sarah Washington seit 2005 betriebenen Projekts einen guten Einblick in seinen Aktionsradius.
Im Grunde führen die beiden weiter, was sie zuvor lange Jahre beim treuen LeserInnen des Logs bestens bekannten Londonder resonancefm begonnen haben - nämlich das Gelände der Radio-Kunst zu erforschen und dabei nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere KünstlerInnen entsprechende Möglichkeitsräume zu erschliessen.

Aus eben diesem Grund haben sie sich eben auch entschlossen, den gesichtern, aber auch begrenzten Raum des heimischen Studios zu verlassen:

"Mobile Radio is an ongoing touring project that enables Knut and Sarah to search for artists who want to realize concepts through the medium of radio. Through Mobile Radio they provide quality technical and production skills that can be called on by others to enhance or develop a radio project. It is also a personal artistic journey to create radio works from interesting encounters and incidental material collected along the way. Their mission is to seek out new forms of radio art by taking radio production out of the studio environment."

Soweit das Basiskonzept - und wie es bislang umgesetzt wurde, lässt sich nicht nur in Bild und Text anhand der liebevoll aufbereiteten Dokumentation der (bzw. fast aller) bisherigen Stationen ihrer Reise nachvollziehen.
Mindestens in Auszügen sind nämlich auch einige der Sendungen auf der Seite abrufbar.

mr_g3.gifWenn es nun nach mehr verlangt: Einfach schon mal für den kommenden Kunstgeburtstag bzw. dessen Wiener Begängnis bei kunstradio.at am 17.01.07 ein dickes Kreuzchen im Kalender machen (mehr dazu im Eintrag vom 08.12.06).
Und/oder noch besser: Die beiden bei nächster Gelegenheit einmal einladen.
Denn genau darum geht es ja schliesslich bei mobile radio - dorthin gehen, wo Bedarf für Kunstradioproduktion besteht. Zum Senden brauchen die beiden im Übrigen eben auch kein fertig eingerichtetes Studio - vielmehr kann schon eine Garage die geeignete Basis bieten.
Also, in diesem Sinne!

[Bildchen: Merci an mobile radio, Sarah und Knut!]

Von miss.gunst am 27.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.12.06

Variabler Titel (Price)

tivar_ksw.gifWeil zwischen den Jahren ja immer ein bisschen mehr Zeit zum Lesen, Stöbern, Lauschen ist (oder wenigstens sein sollte), hat das Medium ein wenig in seinem Kulturbeutel gewühlt, in dem sich in den vergangenen Monaten sowieso mehr angesammelt hat, als sich unterbringen liess.
Dazu gehört unter anderem auch ein laufendes Projekt, das zu allen drei erstgenannten Aktivitäten einlädt.

Es trägt den schönen Arbeitstitel "title variable" und wird seit 2001 von dem amerikanischen Künstler Seth Price verfolgt, der auch sonst zu den spannenderen Zeitgenossen in der Szene zählt (... wie vielleicht der eine oder die andere dieses Jahr beim Besuch der Ausstellung "New Yorker" in der Kunsthalle Zürich festgestellt haben wird. Denjenigen, die seine Arbeit weiters nicht kennen und vielleicht fürchten sich auf seinen ziemlich reich bestückten Heimseiten gleich zu verlieren, lässt sich fürs etwas kompaktere Kennenlernen ein Besuch bei Reena Spaulings bzw. dem ihm gewidmeten Dossier der Galerie empfehlen).

Worum es geht? Nun, eben um Dinge bzw. Zusammenhänge, die LeserInnen dieses Logs eigentlich interessieren müssten. Nämlich:

"An inquiry into the ways that digital technologies have effected music production, both in popular forms as well as in more rarified modern composition, the project examines a brief but tumultuous history that in 30 years has brought us the sampler, MIDI, cheap synthesizers, the compact disc, personal computers, and the World Wide Web. In an ongoing series of music compilations, each concentrating on a technologically transitional but culturally ill-defined moment within this recent history, Price suggests how production tools have changed music, both in distribution and who controls it as much as in structure and sound. "

tivar_g.gifLetzteres ist natürlich denkbar naheliegend - und umso neugieriger wird man folglich fragen, wie das Ganze umgesetzt wird bzw. bislang umgesetzt worden ist.

Nun: Eigentlich bietet die Dokumentation zu "title variable", die Price auf dem (wie immer wieder gern vom Medium betont:) sowieso wunderbaren UBUweb abgelegt hat, schon genug Stoff, um sich eine Vorstellung davon zu machen.

Natur- bzw. konzeptgemäss fällt das Angebot sowieso vielfältig genug aus: Die 8bit-Gemeinde wird sich vermutlich vorzugweise auf das erste Kapitel des Projekts stürzen, Video Game Soundtracks 1983-1987 (2001), zu dem ein Text von Price (pdf) über die Hintergründe informiert (und womöglich über die erste Überraschung beim Hören des Soundtracks hinweghilft, denn klassischen Pong-Blips lauscht man eher vergeblich entgegen).
Um einiges zeitgenössischer (und artistisch avancierter) geht es im bis dato jüngsten Kapitel namens "Was ist Los" (2005) zu, in dem der Sounddatei ebenfalls ein lesenswerter Artikel gleichen Titels (pdf) zur Seite steht.

Gerade deshalb lohnt es vielleicht, ein Bindeglied zu betonen, das im Fall von "title variable" als mutueller (Motivations-)Kern mitträgt, dieses Projekt aber auch mit anderen verknüpft, die Price allein sowie mit verschiedenen MitstreiterInnen betreibt:
Nämlich unter anderem auch eine Wiedervorlage von historischen Materialien - die einschliesst, das teils verstreute, ephemere bzw. in Randspalten des Gedächtnisses gerückte Basisdaten künstlerischer und kultureller Produktion dokumentiert und/oder neue unter die Leute gebracht wird.

Besonders anschaulich macht das - neben "title variable" wohl das zusammen mit Bettina Funcke, Wade Guyton und Joseph Logan betriebene "Continuous Project", in dessen Zuge grossenteils längst legendäre, aber eben nicht immer so ohne weiteres greifbare Ausgaben von Kunst- und Künstlerzeitschriften aus den 1960er bis 1980er Jahren als Photokopie-Editionen wiederaufgelegt und distribuiert werden.

Wohl nicht umsonst heisst Price' Heimseite "distributed history".
Die zu erkunden abschliessend noch einmal ausdrücklich emfohlen sei.

Von miss.gunst am 26.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.12.06

weihnachtslieder (mit people like us)

plu_ksw.gifHeute muss es natürlich wirklich sein. Wann kann man sonst schon Weihnachtslieder singen, ohne rot zu werden.
Gut, eigentlich immer. Im Prinzip.
In jedem Fall kommts es aber doch auf die zünftige Intonierung an.
Und für die gibt es auch in diesem Jahr wieder einen einschlägigen Tipp.

plu_g1.gifNachdem in der vergangenen Saison zu Heiligabend 05 mit den 8bitpeoples die micromusic-Gemeinde für die musikalische Gestaltung des Festes sorgen durfte, sind bzw. ist in diesem Jahr People Like Us a.k.a. Vicki Bennett dran.

plu_g2.gifAuf ihrer Download-Seite bietet sie nämlich neben vielen, vielen anderen leckeren Sachen auch "Sounds of Christmas"* an, die sie 2004 für einen Gig in der Tate Modern kreiert bzw. ebendort zu Gehör gebracht hat.

Und vermutlich nicht nur Letzteres - denn wer je das Vergnügen hatte, People Like Us live zu erleben, weiss: Bei Bennetts Konzert-Peformances gibt es passend zur Musik (et vice versa) ganz herrliche und vergnügliche Collage-Vilme zu sehen.

plu_g3n.gifEinen kleinen visuellen Vorgeschmack vermitteln vielleicht die Bilder auf Bennetts Seite. Aber natürlich keinen Ersatz für einen Abend mit People Like Us. Nach entsprechenden Möglichkeiten gilt es also stets Ausschau zu halten. Und wer weiss, vielleicht hat der Weihnachtsmann heute abend ja noch ein offenes Ohr für Wünsche - falls nicht: Wozu gibt es Seiten wie diese hier?

* Einfach die Seite nach unten blättern bitte, so man nicht direkt auf den Anker zum mp3 gehen will.

[Bildchen: Alle natürlich People like Us, links Vicki Bennett in 2006. Grand Merci, nicht nur fuer die Bilder natürlich.]

Von miss.gunst am 24.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.12.06

provozierende agenten

ap_ksw.gifDarf in der kleinen Reihe zu den Webvideo-Formaten natürlich nicht fehlen. Und kann durchaus bei Bedarf auch als alternativer Adventskalender zum Einsatz kommen - wenngleich das Projekt, wie im Übrigen ja auch der Anfang der Woche vorgestellte Video Calendar von tank.tv, mit vorweihnachtlichen Stimmungsanwandlungen wenig bis nichts zu tun hat.
Und es in diesem Fall mittlerweile auch weit mehr als vierundzwanzig Fensterchen zu öffnen gibt.

Immerhin gibt es das Projekt agent provocateur auch schon seit Septeber 2005, also mehr als einem Jahr.

ap_g1.gifSeither werden regelmässig Schweizer Kulturschaffende dazu eingeladen, kleine (genauer: 30 bis 90 Sekunden dauernde) Videospots zu produzieren, die dann in Staffeln auf der Webseite publiziert werden. Und zwar mit der Arbeitsaufgabe, den Projekttitel beim Wort zu nehmen und Clips zu produzieren bzw. beizusteuern, die als audiovisuelle "agents provocateurs" funktionieren können.

Ganze 164 Arbeiten sind bis dato auf diese Weise zusammengekommen. Darunter nicht wenige, die auch solo bereits auf Festivals und in Ausstellungen Erfolge feierten wie etwa "Europa" von Gianni Motti oder "30 Sekunden Schweiz" von Chris Niemeyer und HC Vogel.

Dass dabei nicht nur letzteres Vilmchen die Heimat in den Fokus nimmt, hat natürlich mit dem Auftrag der agents provocateurs zu tun. Denn wie heisst es als Definition desselben gleich vorneweg auf den Projektseiten:

ap_g2.gif

"Ein Agent Provocateur ist eine Person, ein Buch, ein Film, ein Pamphlet oder ein Song, welcher sich als Teil einer Gruppe ausgibt, mit dem Ziel, Unruhe und Debatten in dieser Gruppe zu initiieren. Agents Provocateurs versuchen, die Aktivitäten einer Gruppe von innen heraus zu stören."

Hm. Von Innen heraus. Ob dann wohl auch unter den Agenten solche sind, die das Projekt seinerseits zu disturbieren versuchen?
Mal Ausschau halten bzw. Einblick nehmen, ob wir etwas finden...

P.S.: Als weiterführende Lektüren empfiehlt das Medium Kollegin Villoe Huszais Beitrag über die agents bei clickhere.ch, wo ausserdem auch ein Interview mit Projektleiter Martin Heller zu finden ist.

Von miss.gunst am 21.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.12.06

Expanded Cinema ff.

ecb_ksw.gifWo wir gerade beim Thema sind, lässt sich direkt im Anschluss an den gestrigen Verweis auf das Expanded Cinema Blog natürlich auch mal die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, ein bisschen ad fontes zu gehen.
Was eigentlich hiesse: Ab ins (Programm-)Kino und ans Buchregal.

Genauer gesagt: Heisst oder jedenfalls heissen sollte (was durch die Blume ja bereits beim Winken in die nette Nachbarschaft anklang).

Immerhin gibt es für diejenigen, die Gene Youngbloods nach wie vor lesenswertes Buch Expanded Cinema nicht griffbereit haben (mit ein bisschen Glück kann man die Originalausgabe von 1970 nämlich noch antiquarisch erstehen), beim geliebten ubuweb eine Vollversion als pdf-Edition zum freien Herunterladen. Steina und Woody Vasulka - selbst zu den KünstlerInnen zählend, die einschlägige Vorstösse auf das Gebiet eines "erweiterten 'Kinos'" unternommen haben - stellen in ihrem Archiv neben letzterer sogar Kapitel für Kapitel in Einzelportionen bereitgestellt.

ecb_g.gifLesen lohnt, zumal sich über die historischen Grundlagen hinaus zahlreiche direkte Bezüge zu zeitgenössischen Orientierungen künstlerischer und medialer Projekte herstellen lassen (einmal ganz abgesehen davon, dass in der zeitgenössischen Kunst direkte Bezugnahmen auf die Pionierzeit des Expanded Cinema aktuell ohnehin hoch im Kurs stehen).

Wer es auf die Schnelle jedoch erst einmal kurz und bündig haben will, ist sogar mit dem kleinen Eintrag zum Thema in der Wikipedia recht gut bedient.

Dem wiederum ist nebenbei noch eine weitere nennenswerte Referenz für den Begriff zu entnehmen, nämlich Sheldon Renans Buch "The Underground Film" (1967). Vor allem aber die Basisdefinition von "Expanded Cinema" - die auf den Ausbruch aus dem klassischen kinematographischen Gefüge nicht nur in ästhetischer, medialer und räumlicher Hinsicht zielt.
Sondern, wenn man Youngblood folgt, die gesamte Wahrnehmung und das Bewusstsein in die Bewegung der Grenzüberschreitung mit einbeziehen will.

Was sich mit den bislang von Joao Ribas in seinem Blog vorgestellten Arbeiten an sich, mindestens teilweise, durchaus noch assoziieren - mit dem Format des Webclips in diesem Fall (also der Transformation der Vilme in einen ebensolchen) jedoch nurmehr schwer verbinden lässt.

[Bildchen: Ist das Buch der bzw. bei den Vasulkas. Wahrscheinlich nicht zerrupft, sondern nach dem Scan sorgsam zusammengefügt - Vorder- und Rückendeckel sind tatsächlich so konzipiert, dass man den vollen Titel nur beim Drehen des Buches oder auf dem Buchrücken lesen kann. Gern hätte das Medium sein eigenes ehrwürdiges Exemplar, seinerzeit seven bucks in L.A., genommen. Das aber schon beim Erwerb gruslig eselsohrig war.]

Von miss.gunst am 18.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.12.06

Arcade Games mal anders (MOBILESKINO)

gms_ksw.gifEs muss ja nicht immer Pong sein. Auch andere Klassiker bieten sich für künstlerische Exkursionen in medien- bzw. in diesem Fall: Game-archäologische Gefilde an.
Wie zum Beispiel die Arcade Games, die in den 1980ern auf jedem Commodore gedaddelt wurden.

Dies belegt aufs Schönste das GAME ARCADE Projekt, das seit 2003 von der Gruppe "MOBILESKINO" betrieben wird - einem Zusammenschluss von Super8-Filmschaffenden, Sounddesignern und Self-Made Elektronikern (nämlich Florian Olloz, Roland Schmidt, Gilbert Engelhard und säure.ch-Betreiber David Pfluger), wie das Manifest der Gruppe verrät.

gms_g1.gifWas hier zunächst ganz nach Spielautomaten ausschaut, auf denen pixelige Arcade-Computergames laufen, sind tatsächlich interaktive Installationen, die mit Super8-Filmen und Diaprojektoren operieren.

Am heutigen Donnerstag (14.12.06) um 20:00 Uhr wird das Kollektiv nun im Rahmen der Regionale 7 im Basler [plug.in] eine Weiterentwicklung vorstellen, das Game Arcade Music Entertainment System:

"G.A.M.E.S. ist eine aufregende C64-Zwillingsprozessor-Unit, entwickelt in den Kellern der Säure!fabrik, gebaut, um Game-Sounds zu mixen. Die G.A.M.E.S.-Show beinhaltet neben der S!F64-Soundbox und ihrem Operator auch Visuals."

Klingt das gut? Ganz bestimmt. Probe aufs Exempel heute abend am bezeichneten Ort zu bezeichneter Stunde.

[Bildchen: Zeigen die GAME ARCADE - Merci an David Pfluger von MOBILESKINO!]

Von miss.gunst am 14.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

01.12.06

Bestiarium ff.

vopf_ksw.gifDas muss zum gestrigen Webradio-Tipp, also Verandis "Klangbuch für imaginäre Tiere" einfach noch nachgereicht werden:
Schliesslich gibt es einen Klassiker zum Stichwort "Bestiarum", in dem zwar keine Katzenfische blubbern bzw. maunzen, durchaus aber ebenfalls ziemlich imaginäre Tiere zu Wort bzw. Laut kommen dürfen.

Nämlich Mauricio Kagels gleichnamige Klangfabel.

Die 1975/1976 enstandene Komposition geht nun, wie schon eingangs angedeutet, nicht von imaginären Tieren im Borges'schen Sinne aus. Sie entfaltet sich vielmehr aus der Assoziation mit Vogelstimmen, für die klassische Lockpfeifen in Anschlag gebracht werden.
Wobei es sich hier im Grunde genommen ebenfalls um imaginäre Vögel handelt:
Zunächst einmal jene, die - sozusagen jägerwunschgemäss - in der Einbildung ihrer Artgenossen ertstehen sollen, so das Pfeifchen hinreichend lebensnah und plausibel tschiept. Logisch dann aber auch, dass der Mensch seinem eigenen Blendwerk ebenso leicht zum Opfer fallen könnte.

vopf_g.gifNun sind die Vogelstimmenpfeifen für Kagel selbstredend nur Ausgangspunkt bzw. Arbeitsmaterial und Instrumente.
Auf die Bühne gebracht, kombinierte sie der Komponist beispielsweise noch sehr anschaulich mit aufblasbaren Gummitieren, die er - Luft rein, Luft raus - sehr eindrucksvoll das zuvor mindestens scheinbar quietschfidele Leben aushauchen liess.

Heinz Josef Herbort, der seinerzeit bei der Premiere des Stücks zugegen war, hat das offenbar nicht ganz so gut gefallen - wie sich in seinem online archivierten Artikel in der ZEIT (vielsagend "Blähungen" betitelt) nachlesen lässt.

Da würde man sich natürlich nun gerne ein eigenes Bild machen?

Akustisch geht das grad noch, das Stück ist schliesslich auf Tonträger publiziert. Und mit ein bisschen Glück kann man seine "Funkfassung" auch mal im Radio erhaschen (so - wohl zuletzt - 2005 im Rahmen des Themenkonzerts "Histoire Naturelle" beim WDR; wie bei zeitgenössischer Musik so üblich leider nicht online als mp3 archiviert).

2000 hat Kagel dann mit dem WDR Köln eine Fernsehfassung fertiggestellt.
Diese ist unter der - ansonsten ziemlich beeindruckenden - Auswahl von Kagel-Filmen, die das nicht von ungefähr in diesem Log.Buch regelmässig verankerte, weil sowieso wunderbare UBUweb bereitstellt, zwar nicht vertreten.
Immerhin gibt es aber im online-Archiv der neuen musikzeitung einen kleinen Artikel von Gerhard Rohde dazu, der ein wenig Einblick gibt.

Und vielleicht schon mal vormerken:
Im kommenden Jahr feiert Mauricio Kagel seinen 75. Geburtstag - und in diesem Zuge wird es unter anderem im Rahmen des "Festival Printemps des Arts" in Monaco eine ganze Reihe von Aufführungen seiner Werke geben, die zum Teil auch selbst begleitet bzw. dirigiert.
Und darunter soll dann auch (terminiert auf den 30.03.07) das "Bestiarium" sein, in einer Inszenierung des einschlägig renommierten TAM Theaters Krefeld.
Ist noch ein bisschen hin und Monaco liegt nicht direkt um die Ecke. Aber für den Fall, dass die Côte im Frühjahr sowieso lockt, wäre das ja eine nachgerade ideale, wenngleich wohl auch etwas mondäne Gelegenheit, ein weiteres Mal den Lauten imaginärer Tiere nachzuspüren.

[Bildchen: Sieht man ja hoffentlich, was es ist. Oder sein soll: Eine direkt der Voliere enthupfte Vogelpfeife. Wirklich.]

Von miss.gunst am 01.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.11.06

Singender Lichtbogen, revisited

libo_ksw.gifNaheliegend, von den bebeinten Lampen gleich auf jene Lichterscheinungen überzuleiten, die eigentlicher Anlass der Berlin-Exkursion waren: Den singenden Lichtbögen nämlich, wie sie in diesem Log.Buch kaum von ungefähr schon häufiger Gegenstand von Einträgen gewesen sind.

William Du Bois Duddells "Singing Arc" - bekanntlich direkt aus den seinerzeit die Strassen nicht nur beleuchtenden, sondern eben auch betönenden Bogenlampen geboren - stand am Anfang des Projekts sonArc::ion (a.k.a. "der domestizierte blitz"), das im Tesla Berlin nun mit einem dreitägigen Salon in seine nächste Phase ging.
Und in die Ionosphäre aufbrach, mindestens audiovisuell.

libo_g.gifDazu in den nächsten Tagen noch mehr - erst einmal aber, sozusagen als solide Grundlage, eine Lektüre-Empfehlung:
Joachim Stange-Elbe - der am Samstag Abend im Rahmen des Salons seinen Vortrag über elektronische Klangapparate hielt, hat über dieses Thema in den 1980er Jahren promoviert (ergo zu Zeiten, in denen die universitäre Musikwissenschaft ansonsten noch weitgehend meinte, elektronische Musik ignorieren zu können). Und dabei eben auch Duddells "Singendem Lichtbogen" ein Kapitel gewidmet.

Wer sich diese Dissertation nun nicht so schnell besorgen kann (sie ist übrigens beim Autor bestellbar - und ansonsten natürlich auch in Hochschulbibliotheken zu leihen): Das Medium weiss Rat.

In der Zeitschrift des Zentrums für Elektronische Musik (ZEM), dem ZEM-Heft, hat Stange-Elbe nämlich mehrere lesenswerte Beiträge zur Geschichte elektronischer Musikinstrumente publiziert. Und in einem davon - Teil 3, "Der elektrisch erzeugte Klang" lässt sich unter anderem auch dem "Singenden Lichtbogen" begegnen. Bei dem natürlich weder der Autor - noch auch Jan-Peter E.R. Sonntags sonArc::ion-Projekt stehen geblieben ist.
Weiteres und Weiterführendes bei nächster Gelegenheit...

[Bildchen: Soll lediglich suggerieren, es handele sich um einen Lichtbogen. Wäre es einer, würde er jedoch singen können. Ganz bestimmt.]

Von miss.gunst am 29.11.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.11.06

netpd (netlabelfestival, nachtrag)

npodcd_ksw.gifSo kann es gehen. Weil die Empfehlung des Zürcher netlabelfestivals andernorts erfolgte und das Medium sowieso anderweitig unterwegs war, ist eine Veranstaltung im Rahmen des ersteren ungenannt geblieben, die gerade für HeimwerkerInnen besonders interessant gewesen sein dürfte.
Zum Ausgleich bekommt das entsprechende Projekt nun einen eigenen Zettelkasteneintrag: netpd.

Erwähnt worden ist es zwar vor ein paar Monaten schon einmal in diesem Log.Buch - und zwar anlässlich des Zürcher dorkbot swiss-Treffens am 16.06.06.

npodcd.gifAber eben nur unter anderem. Nun ist das Audio-Brunch bzw. die netpd-Jamsession mit Roman Häfeli, die Samstag als netlabelfestival-Special im dock18 stattgefunden hat, zwar definitiv vorbei. Aber im Ankündigungstext wird so schön schlicht und einfach erklärt, worum es geht, dass er hier noch mal zitiert werden soll:

"Die Software netpd erlaubt es mehreren Personen ortsunabhägig und in Echtzeit zusammen (elektronische) Musik zu machen. netpd wurde in pure data*, einer grafischen prozessorientierten Programmiersprache, realisert und kann als Framework betrachtet werden, in welchem die Musiker (User) ihre selbstgebauten und netpd-fäig gemachten Softwareinstrumente verwenden. Da netpd selbst keine Instrumente anbietet, sondern nur die Tools, um selber solche zu bauen, wurde bereits eine breite Palette von Synths und Sequencern von verschiedenen Usern entwickelt. Daraus entstand eine kleine, aber stetig wachsende Community. Die Projektsite besitzt zudem einen Community-Bereich (Wiki), wo Patches, Ideen und Bemerkungen für alle zugäglich gemacht werden können."

[*Genau, pure data ist jene Audio- und Videoproduktions- bzw. Steuerungssoftware, die Miller Puckette als OS-Alternative zum omnipräsenten Max/MSP entwickelt hat.]

npodcd_g.gifOb es Samstagmorgen (ergo nach einer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziemlich langen Freitagnacht) noch zu intensivem Jamming gekommen ist?
Wenn ja, gibt es vielleicht früher oder später dazu den einen oder anderen Track anzuhören. Vermeldenswert ist jedenfalls, dass sich der entsprechende Bereich bzw. das Verzeichnis mit "Recorded Sessions" langsam, aber stetig weiter füllt. Und obendrein wurde mittlerweile auch eine ganze mp3-CD (bzw. EP) produziert, die inklusive Cover-Design heruntergeladen werden kann, dubarea mixed by opusday.

[Bildchen: Zeigt das Frontcover besagten virtuellen Tonträgers.]

Von miss.gunst am 20.11.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.11.06

Positive Aktivitäten (Paul Granjon)

pgran_ksw.gifFalls jemand angesichts des aktuellen Überhangs an Radio-Aktivitäten und anderen klingenden Dingen befuerchtet, dass die Liebe dieses Log.Buchs zu kleinen Roboterfreunden und anderen DIY-Konstruktionen Rost angesetzt haben könnte*: Diesem Eindruck dürfte sich gerade in den nächsten Wochen wieder weidlich entgegen wirken lassen.
Zudem gab es erst kürzlich eine gute Gelegenheit, entsprechende Gefühle aufzufrischen.

Die verdankte das Medium der Initiative Unfriendly Takeover, die in der vorvergangenen Woche freundlicherweise Paul Granjon zu einer Performance Lecture ins atelier frankfurt eingeladen hatte.

pgran_g1.gifIn deren Zuge stellte Granjon zunächst einmal seine Sammlung von Schaltern, Reglern und Knöpfen vor - genauer gesagt: aller der Schalter, die er im Lauf eines durchschnittlichen Tages zu bedienen pflegte. Beeindruckend viele und viele verschiedene, vom Radiowecker über diverse Lichtschalter, Küchengeräte, Badezimmer bzw. Duscharmaturen, Computertastaturen und und und.
Wobei mindestens das Medium bei der Betrachtung der sehenswerten Bildstrecke unwillkürlich denken musste: Was wäre das für ein wunderbares Projekt, im Web eine Datenbank anzulegen, in die dann alle, die dazu lustig sind, ihre eigenen Schaltersammlungen einspeisen könnten.

Aber natürlich war das Ganze in diesem Fall nur ein kleines Warm-Up, um zu den eigentlichen Schaltern zu gelangen - die Granjon nämlich nicht nur umlegt, sondern vorzugsweise erst mal selber baut.

Einige seiner wunderbaren und durchweg ziemlich erheiternden bzw. höchst herzerwärmenden Maschinen-Konstruktionen führte er daraufhin mittels kleiner Vilmchen vor, die sich zu Teilen glücklicherweise auch auf seinen Heimseiten zugänglich gemacht finden.

pgran_g2.gifBesonders nett - um mal eine herausgreifen - schien dabei dem Medium der furchterregende "Furman", der dem Künstler im Traum erschienen war. Eine Art Cousin von Cousin Itt aus der Addams Family, der sich dadurch auszeichnet, dass er gemeine Karatetritte austeilen kann (wie auch der verankerte Vilm recht anschaulich belegt).

Als liebevoll zusammengebastelte und per Tischkamera dann per Projektion auf Lebensgrösse gebrachte Papp-Modelle waren Granjons "Sexed Robots" mit von der Partie: Tatsächlich ein Männchen und ein Weibchen, die einander aufs Prächtigste nachstellen und auch recht überzeugend miteinander verkehren können (gurrgurr, flötflöt), allfällige Pannen inklusive - und auch dies lässt in einem kleinen Vilmchen auf Granjons Webseiten ansehen. Ist sicher auch als Schulfilm über das Liebesleben von Maschinen geeignet.

Live vorgeführt wurden alsdann noch die Robotic Googles, seine neuste Konstruktion.

Das alles war so kurzweil, amüsant und anrührend, dass Granjon am Schluss wohl nur eine Möglichkeit sah, sich würdig zu verabschieden und zugleich ein rasches Entkommen ohne endlose Zugaben zu sichern:
Er sang ein echtes Liebeslied. Auch das gibt es glücklichweise - wie auch noch andere Granjongesänge - online zu sehen und zu hören. Zwar nicht ganz so eindrucksvoll wie live.
Aber immerhin authentisch schief.

Im Januar wird Paul Granjon übrigens nach Zürich kommen,und zwar am 27./28.01.07 ins Theater Gessnerallee.
Das Medium rät: Auf keinen, aber garkeinen Fall verpassen!

[Bildchen: Grand Merci an Paul Granjon!]

* Das passende Klagelied für diesen Ernstfall wurde seinerzeit im Eintrag vom 31.12.2005 empfohlen (ganz nach untern zum "Sad, sad robot" blättern...).

Von miss.gunst am 06.11.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

04.11.06

SoNHoRS

sonh_ksw.gifNicht nur, um nebenbei einen kleinen Ausgleich für etwaige Frustrationserscheinungen zu schaffen, die aus dem ausgefallenen Live-Streaming der sonicfocus-Konferenz resultieren könnten:
Die Empfehlung der SoNHorRS stand sowieso schon lange mal an.

Unter diesem Projekttitel wird im französischen Rennes nämlich seit drei Jahren eine Plattform bestückt, die mittlerweile wirklich ein breits "panorama [des] musqiques electroniques" bietet.

sonh_g.gifVon einem gut geführten Kalender mit Neuigkeiten und Veranstaltungshinweisen mal abgesehen, beeindrucken besonders die (bislang) sechzehn Kapitel zur historischen Entwicklung der elektroakustischen und elektronischen Musik, die einen Bogen von den ersten Instrumenten bis zur "kommerziellen Explosion" ab den 1970er Jahren spannen.

Ergänzt werden sie nicht nur von einer Diskographie (teils mit ausführlichen Reviews der Tonträger), einer Bibliographie und einer Videographie (in der Videos, CD-ROM und DVDs, also audiovisuelle Medien bzw. Quellen gelistet sind).
Darüber hinaus wurde auch ein Bereich namens "Streaming" mit einer weiter wachsenden Sammlung einschlägiger Videos eingerichtet, die sich auf YouTube abgelegt finden.

Na, wenn das nichts ist.
Gehört in jeden gut sortierten Zettelkasten. Findet jedenfalls das Medium.

Von miss.gunst am 04.11.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.10.06

Radiosimulator (WRT)

rsim_ksw.gifSo. Wie versprochen nun mal ein Griff in den Kulturbeutel, zumal sich dort mittlerweile von diversen Exkursionen satte Beute angesammelt hat - nicht nur von jener, die vergangenes Wochenende nach Stuttgart führte.
Als da wäre beispielsweise der Radiosimulator.
Ein Projekt, das obendrein noch einen wunderbaren Webradio-Tipp abgibt.

Schon die Benamsung glänzt in diesem Fall mit bestechender Konsequenz. Denn hinter dem Ganzen steht weder ein grosser noch ein kleiner Sender, es gibt keinen Live-Stream, der mit einer auch auf anderen Frequenzen zu vernehmenden Emission korrespondiert.
Radio - im Sinne von Rundfunk - wird also tatsächlich nur simuliert.
Was im Umkehrschluss ja nicht bedeutet, auf einen radiophonen Wirkungsradius zu verzichten. Anders gesagt: Radiosimulation schliesst einen weltweiten Empfang der Sendungen mitnichten aus.

rsim_g.gifAllerdings funktioniert das Programm ebenfalls ein wenig anders, als man das sonst vom Radio, auch vom Webradio her kennt. Produziert wird von Zeit zu Zeit eine Themenausgabe, deren einzelne Beiträge als mp3 ins Netz gestellt werden. Die kann man dann natürlich einzeln oder nacheinander und sowieso in beliebiger Reihenfolge hören. Anders gesagt: Eine Radiosimulator-Sendung gibt es und gibt es nicht - sie existiert als Angebot, das übers Ohr aufgenommen und im Kopf sehr unterschiedlich ankommen wird.

Dero Ausgaben gibt es - oder, wie das Medium mit einigem Schrecken gerade feststellen musste: gab es bislang drei. Vergangenheitsform deshalb, weil just das Erscheinungsbild der Heimseite gewechselt hat. Verschwunden sind dabei (hoffentlich nur temporär) nun nicht nur die Felder, über die man auf eine Seite mit Informationen zum Selbstverständnis des Projekts und zum obligatorischen Kontaktformular gelangen konnte. Sondern auch das gesamte Radiosimulator-Archiv.

rsim_g2.gifDafür lacht einem nun von der Hauptseite der nette Feedback Radio-Pinguin an. Die aktuelle Ausgabe ist nämlich
anlässlich des media space entstanden, während dessen das Radiosimulator-Team einen kleinen Produktionsraum im Stuttgarter Künstlerhaus bezogen hatte.
Als Thema wurde - gewissermassen den etwas nostalgisch auf alte Rückkanal-Träume anspielenden Veranstaltungstitel direkt in die Gegewart holend - die derzeit allenthalben als vollmundiges Versprechen ventilierte Formel "On Demand" gewählt. Allerdings in den einzelnen Beiträgen dann sehr eigenwillig interpretiert.

Wie, wird sich jede/r selbst zu Gemüte führen können (jedenfalls will das Medium dies wärmstens empfehlen). Und für den Fall, dass sich jemand über die starke Präsenz polnischer Radiosimulatoren wundern sollte: Der Radiosimulator ist in der Tat ein deutsch-polnisches Projekt, was sich ausnahmsweise mal nicht in Aussicht gestellten Europrojektfördergeldern, sondern bereits gewachsenen Freundschafts- und Kooperationsbeziehungen verdankt - die übrigens mittelbar auf das in diesem Log.Buch seinerzeit mehrfach beworbene, aber leider ja schon wieder weitenteils verstummte Radio Copernicus zurückgehen.

So weit vielleicht erstmal. Bleibt zu hoffen, dass das Archiv mit den älteren Ausgaben früher oder später doch aus der Versenkung zurück ins Netz findet. Im Gegenzug stellt das Medium in Aussicht, zeitnah seine Bringschuld abzuarbeiten - und wie versprochen (ja, von wegen "on demand") noch einen kleinen Audiobeitrag für die aktuelle zu produzieren.

[Bildchen: Das rechte, grössere zeigt die derzeit eigentlich nicht so einfach zugängliche alte Infoseite im ursprünglichen Radiosimulator-Design. Gemeine Ausgrabung, wozu - zumal das Ganze doch unlesbar ist? Ist es nicht. Klicken, bitte. Wahlweise das Bildchen oder hier.]

Von miss.gunst am 28.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.10.06

PiratenRadioPiraterie (Bunting, RR ff.)

hbra_ksw.gifPiraten erleben seit einiger Zeit ja auf vielen Kanälen eine wahre Renaissance, als charismatisierte wie verteufelte (Anti-)Helden. Allerdings nicht nur dank Johnny Depps wirklich ziemlich netter Leinwand-Performance in "Fluch der Karibik". Und auch nicht, weil es nach wie vor echte Seeräuber gibt, mit denen allem Vernehmen nach eher schlecht Kokosnüsse essen ist. Sondern eben vor allem anderen in den nicht weniger umkämpften Handels- und Handlungsräumen zeitgenössischer Medienproduktion. Zu denen nicht zuletzt die Radiofrequenzen gehören.

Wer nämlich ohne staats- bzw. landeshoheitliche Genehmigung auf Radiowellen herumschippert, segelt sozusagen unter Totenkopfflagge. Und wenngleich auf Radio-Piraterie nicht ganz so drastische Strafen stehen wie sie ehedem der Rote Korsar und Co. zu fürchten hatten - ziemlich unangenehme Konsequenzen von empfindlichen Geldbussen bis hin zu Haft kann erstere gleichwohl zeitigen.
Ein Aufkleber "Vorsicht Kunst" auf der Sendestation hilft da übrigens in der Regel nicht.

hbra_g.gifWas wir vor diesem Hintergrund wohl zu erwarten haben, wenn am kommenden Freitag (20.10.06) Heath Bunting im Rahmen der RadioRevolten unter entsprechenden Vorzeichen auf Sendung gehen wird?

Bunting selbst - der in den vergangenen zehn Jahren mit seinen Projekten in verschiedenen Medien-Zonen so manches Grenzgebiet ausgelotet hat - dürfte jedenfalls um etwaige Risiken, Kosten und Nebenwirkungen bestens Bescheid wissen.

Schon 1992 lancierte er eine "Electromagnetic Installation", die an Wochenenden als "clandestine radio station", also als heimliche Sendestation fungierte; 1999 betrieb er radio90fm als veritables Internet- und FM-Piratenradio.
Und auf der von Bunting mit betriebenen Plattform irational.org finden sich unter dem Stichwort "How To Be A Community Radio Station" einige Informationen zum Thema versammelt. Sowie, wohl nicht von ungefähr, gleich eingangs der Hinweis: "You are recommended to check the licensing requirements of operating a radio station for your country."

Wohl wahr. Was Bunting seinerseits freilich nicht davon abzuhalten scheint, hochoffiziell und öffentlich Aktivitäten wie aktuell eben auch diejenige im Rahmen der RadioRevolten anzukündigen, von der es im Programm heisst:

"Aus dem Versteck hinter einem Photokopierer eines Kulturinstituts sendet und empfängt der Londoner Piraten Radioscanner, zusammengebaut aus ausrangierter Hardware und freier Software, über eine illegal installierte Antenne. Das Piratenradio ist über Internet zu empfangen."

Ähm. Don't try that at home? Mithören kann man jedoch in jedem Fall ganz legal - nämlich über Radio Corax bzw. dessen Webradio. Freitag, 20.10.06 ab 21:00 Uhr.


[Bildchen: Merci an Heath Bunting und RadioRevolten.]

Von miss.gunst am 18.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.10.06

Ferne so Nah: Anna Friz (RR ff.)

afrp_ksw.gifNein, nicht Wenders. Auch nicht Film. Sondern: Radio. Genauer gesagt: Unzählige Radios, dicht an dicht unter die Decke eines Raumes gehängt, eine Wolke von Schwingungen, Wellen, Atmosphären.
Ein Bild, das kaum länger als eine Stunde existierte - aber um so eindrücklicher in Erinnerung blieb.
You Are Far From Us. Eine Radio-Performance von Anna Friz.

Wie man sich denken kann: Ebenfalls zu Gast bei den RadioRevolten - in diesem Fall am 03.10.06 im gestern bereits erwähnten Ärztehaus Mitte. Und wirklich einer jener Momente, die man am liebsten heimlich in die Tasche stecken und mitnehmen würde.

Was bei einer Radio-Performance selbstredend schwerlich möglich ist. Selbst wenn sie aufgezeichnet wurde, später wohl auch nachbearbeitet und noch einmal ausgestrahlt werden soll.
Aber dann wird eben doch etwas fehlen: Der Raum. Die gespannte Erwartung, in der man ihn betritt. Die sich angenehm hält, während sich die Augen langsam an das Dämmerlicht gewöhnen. Vielleicht versuchen, die Dioden zu zählen, die wie winzige Positionslichter an den Mini-Radios glimmen. Zwischen deren silbrigglänzenden Kokons hängen im Zentrum der Versammlung fünf, sechs grössere Exemplare an ihren Bügeln, die Antennen tastend ausgerichtet.

Auf Empfang stehen sie alle miteinander. Deshalb fiept und knistert und summt es eingangs, bis nach einer Zeit zunächst Musik, dann auch Stimmen wahrnehmbar werden, wieder verblassen.
Wenig später ziehen die geisterhaften Frequenzen von Empfänger zu Empfänger, laden dazu ein, ihren Geschichten zu lauschen, die sich mit der Zeit als eine einzige entpuppt.
Am Anfang ist es jenes ruhige, schwere Atmen tiefen Schlafes, das uns unweigerlich ins Reich der Träume schickt: Die Geräusche im Ohr, die Bilder im Kopf. Ein unfreiwilliger, kollektiver Traum, der von den Radiowellen gefüttert wird und schon bald in einen Alptraum uzuschlagen scheint. Schüsse, Stimmen, Unruhe. Ohne genau zu wissen, wohin, muss man ihnen folgen - doch ebenso wie in anderen Träumen auch verweigern sich die Szenen einer eindeutig definierten Handlung, tragen einander weiter durch eine emotionale Choreographie, die schliesslich wieder dort enden wird, wo sie begonnen hat: In einem Atmen, das schwächer wird, überlagert von Fiepen, Knistern und Summern, schliesslich: Stille. Vorbei.

afrp_g2.gifTage später dann im RadioRevolten-Presstext zu "You Are Far From Us" nachgelesen:

"Anna Friz’ Performance besteht aus fünf Abschnitten: 'Inhale, Suspension, Witness, Nocturne, Exhale'. Sie reflektieren die Momente, in denen die zwischenmenschliche Kommunikation mittels technischer Apparaturen suspendiert ist. Was in dieser vermeintlichen Stille, von Außenstehenden unbemerkt, von den Beteiligten unbewusst, dennoch kommuniziert wird, will 'You Are Far From Us' erkunden, herausarbeiten.
In der Frühzeit des Mediums Radio imaginierten Esoteriker und Pseudowissenschaftler ein künftiges Radio als etwas, das eine Brücke ins Reich der Toten und anderer ätherischer Wesenheiten schlagen könne. Aber anstatt von einem Radio zu träumen, das diejenigen erreicht, die nicht von unserer Welt sind, fragt sich Anna Friz, welche Mitteilungen wir vielleicht verpassen von denen, die um uns herum leben: 'Welche der nahezu unhörbaren Signale, die in Momenten intensiver Gefühle, Krisen oder Todesnähe ausgesandt werden, könnten wir hören, wenn das Radio sie einfangen würde?'"

Mal ganz abgesehen davon, dass sich das ganz wunderbar mit einigem von dem zusammenfügt, was das Medium selbst in seiner Radio(((o))))Séancen-Forschung unter die Lupe nimmt: Selten einen Pressetext gelesen, der sich so auf den Punkt mit dem trifft, was die Sache selbst vor Ort vermittelte.

Ähnlich wie gestern liesse sich abschliessend noch fragen: Was denen empfehlen, die mehr über Anna Friz Radio-Kunst wissen wollen?
Natürlich ist es wieder einmal kunstradio.at, wo man eine reich bestückte Porträtseite mit zahlreichen weiterführenden Ankern findet - in diesem Fall auch gleich zu mehreren Sendungen im hauseigenen Archiv.

Mehr von ihr hören und möglicherweise auch mal live kann man ansonsten bei free103.9 in ihrer kanadischen Heimat, zu dessen KünstlerInnen-Stamm sie zählt. Abgesehen davon, dass sich in dessen Audioarchiven ebenfalls mehrere Projekte finden (einfach "anna friz" ins Suchformular eingeben), lohnt es im übrigen sowieso, dessen Aktivitäten zu verfolgen. Aber dazu dann gelegentlich mal mehr in einem der nächsten Webradio-Tipps...


[Bildchen: Merci an Anna Friz und RadioRevolten. Deckt sich natürlich nicht mit dem optischen Eindruck der Performance - bei der die Macherin, da live sendend, in einem kleinen Kabuff sehr wohl in persona anwesend war.]

Von miss.gunst am 17.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.10.06

Radio-Heilung mit Richard Crow (RR ff.)

ihr_ksw.gifDerweil die RadioRevolten in ihre letzte Woche gehen, gibt es zum Abschluss des RR-Specials eilig noch ein paar Einträge für den Zettelkasten.
Einfach, weil ein paar Highlights resp. ihre UrheberInnen auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollen.
Wie zum Beispiel das Imaginary Hospital Radio von Richard Crow.

Für selbiges musste sich das Medium ja schon deshalb interessieren, weil in seinem eigenen Beitrag zu Radio(((o)))Séancen Phantasien über eine mehr oder weniger wohltätige Wirkung von apparativ ausgestrahlten Wellen ebenfalls eine Rolle spielten.

ihr_g2.gifDie Installation von Crow fand es (bzw. diese findet sich, noch bis zum 21.10.06) passenderweise im zum RadioRevolten-Klub umgewidmeten Ärztehaus Mitte untergebracht, und zwar in einem der ehemaligen Praxisräume im Obergeschoss.

Deren eher herbe Ruinenromantik kommt der Stimmungsklaviatur, die das Imaginary Hospital Radio anschlägt, jedenfalls sehr entgegen.
Im Flürchen wird man schon mal mit der Projektion eines historischen Stiches eingestimmt, der allerlei apparative Behandlungsmethoden demonstriert, mit denen man ehedem offenbar Hör- und Sprachstörungen wortwörtlich zu Leibe zu rücken pflegte.
Drinnen im Behandlungszimmer herrscht dann dezenter Schummer, und zwar auf optischer wie akustischer Ebene. Wieder ein Projektionsbild, diesmal allerdings eine Photographie, die in der Tat in einem Krankenhaus aufgenommen wurde - vermutlich in den 1940er Jahren - und zwei Männer mit wulstigen Gesichtsbandagen zeigt, die einer Radiosendung lauschen. Hospital Radio.

Was sie ihrerzeit wohl gehört haben mögen, bleibt der Imagination überlassen. Die allerdings gleichzeitig einschläg stimuliert wird - eben durch Crows Version eines Imaginary Hospital Radio.
Dessen Sendungen kommen zwar aus den Kopfhörern - aber trotzdem könnte man schon nach kurzer Zeit meinen, dass sich die Soundcollage aus atmosphärischen Geräuschen, Musik und Moderationsfetzen, die aus alten Radiosendungen stammen und Noise eigentlich nur im eigenen Kopf abspielt. Oder dem eines Patienten, der in seinem Bett einer Heilung entgegendämmert, die möglicherweise nie eintreten wird.
Johnny Got His Gun. And His Radio. Sozusagen.

ihr_g1.gifKurzum: Das Imaginary Hospital Radio funktioniert ziemlich gut und trotz der Schichtungen vergangener Zeit(en) im Raum jenseits jeglicher Nostalgie.

Was kann man denen empfehlen, die jetzt keine Gelegenheit mehr haben, die Installation vor Ort zu den noch verbleibenden Sprechstunden aufzusuchen?

Vielleicht ein Porträt des Künstlers aus 1999, das sich - wundert's jemand? - natürlich im Archiv von kunstradio.at findet, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterführender Anker und einem lesenswerten Interview. Oder die drei Audio-Stücke, die bei copy-art.net abgelegt worden sind.
Und ansonsten natürlich die Lauscher aufzustellen, wo es demnächst wieder einmal etwas von Richard Crow zu hören gibt...

[Bildchen: Merci an Richard Crow und RadioRevolten. Das oben rechts zeigt übrigens nur einen Ausschnitt des IHR-Steuerungsmoduls. Das möglicherweise seinerseits nur imaginär ist, mindestens fand das Medium bei seinem Besuch nichts dergleichen vor. Was eigentlich auch logisch wäre.]

Von miss.gunst am 16.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.10.06

RADIO CAMPANILE (RR ff.)

rc_ksw.gifUm gleich mal beim Roten Turm und seinem Glockenspiel zu bleiben: Das im Zuge der RadioRevolten entfesselte Carillon (-ON, -OFF) bescheidet sich übrigens mitnichten darauf, zweimal täglich ein Konzert zu geben.
Es erweist sich zudem auch als ziemlich kommunikativ.

Und zwar wie? Nun, indem eine kleine Sendestation im Turm installiert wurde, die sich (im doppelten Sinn) von schnöden Mobiltelefonen anmachen lässt. Und Letzteren dann mithilfe des Carillons zeigt, wer wirklich Klingeltonkönig ist. Oder so ähnlich jedenfalls:

RADIO CAMPANILE macht das große Glockenspiel im Roten Turm zum Radio. Jeder und jede kann das Glockenspiel per SMS dazu bewegen, Senderkennungen von Radios aus aller Welt zu spielen. Schicken Sie dazu einfach eine SMS mit dem Namen eines Senders (es reicht der Landesname), der in der Weltkarte eingetragen ist (am Roten Turm einsehbar), an die Nummer [0049-]-[0]162-8264348 (normaler SMS-Preis). Kurze Zeit später 'sendet' das Glockenspiel im Roten Turm - übrigens das zweitgrößte der Welt - die Erkennungsmelodie des ausgewählten Senders über die Stadt Halle.

rc_gg.gifNa, wenn das nichts ist. Im totalen RadioRevolten-Taumel hat es das Medium leider verabsäumt, den bzw. das RADIO CAMPANILE selbst zu testen. So muss es leider auf das Vergnügen verzichten, die Senderkennung beispielsweise von Radio Greenland, The Voice of Mongolia, Radio Faroe Island oder Swiss Radio International (äh, welches?) über den Hallenser Marktplatz schallen gehört zu haben. Schade.

Aber: Für diejenigen, die bis 21. Oktober eine Gelegenheit finden, vor Ort vorbeizuschauen (und zu –hören), bestehen noch entsprechende Chancen, die dienstbare Gerätschaft einer der grössten akustischen Plagen, die je über die Menschheit gekommen ist (nein, damit ist weder das Radio noch das Carillon gemeint), einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Täglich von 8 bis 22 Uhr. Ausser zu den regulären Glockenspielzeiten.

Ach, hätte doch eine jede Stadt (und am besten auch gleich ein jeder ICE, ein jedes Café) eine solche Radiostation! Wobei: Dauerdudelnde Senderkennungen mit der Zeit wohl genauso nerven dürften wie Klingeltöne. Carillon hin oder her.

Verantwortlich für das RADIO CAMPANILE (bzw. die Transformation des Roten Turms in einen ebensolchen) zeichnet übrigens eine ganze Gruppe Radio(Revolten)Aktiver:
Wolfgang Heisig – der Komponist des Carill-ON/ Carill-OFF – hat dafür gesorgt, dass die Glocken wirklich klingen, Vasily Kuznetsov und Daniel Teige das Ganze programmiert – und das Konzept stammt von den RadioRevolten Ko-Kuratoren Golo Föllmer und Johannes Georg Wilms (hier blättern).

[Bildchen: Letzterer, also JG Wilms hat übrigens auch den wunderschönen Ascii-Flyer gestaltet, den das Medium aus Halle mitgenommen hat.]

PS: Der hier aufragende RADIO CAMPANILE und und das von ihm ausgestrahlte RADIO CAMPANILE hat ganz offenkundig nichts mit jenem welchen zu tun, das offenbar ein katholischer Sender war, der seinerzeit auch Sendungen von Radio Vatikan ausstrahlte. Dessen Senderkennung gleichwohl ebenfalls per SMS von der Hallenser Station abgerufen werden und vom/als Carillon gespielt werden kann.

Von miss.gunst am 10.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.10.06

carill-ON, carill-OFF

chwh_ksw.gifJa, tatsächlich wieder ein Carillon. Also ein Glockenspiel.
Für dieses muss man nun allerdings nicht nach Berlin, sondern nach Halle fahren. Und das lohnt.
Sowieso, weil dort nach wie vor die RadioRevolten laufen - die das Medium nicht von ungefähr, aber sicher noch lange nicht deutlich genug in diesem Log.Buch gepriesen hat.

In den Genuss des speziellen Glockenspiels kommt man freilich auch dann (und vielleicht sogar: idealerweise und ganz besonders intensiv dann), wenn man ansonsten nichts mit RadioRevolten zu schaffen hat.
Nämlich auch, wenn man als unbescholtener Passant zur richtigen Zeit über den Hallenser Marktplatz geht. Also theoretisch automatisch, insofern der Marktplatz denkbar zentral gelegen und ein Unmsteigeplatz für die kreuzenden Strassenbahnlinien ist.

chwh_g.gifEin Glockenspiel hat er auch regulär, nämlich im sogenannten "Roten Turm" - einem freistehenden, spätgotischen und mit 84 Metern auch ziemlich überragendem Bau. Der 1999, anlässlich der Händelfestspiele, entsprechend ausgestattet wurde und nun mit 76 (!) Glocken das weltweit zweitgrösste mechanische Carillon hat.
Dass man damit richtig loslegen kann, versteht sich da fast von selbst. In der Regel aber natürlich nur im gegebenen Rahmen etwelcher Festivitäten, und dann mit Auszügen aus dem "Messias" von Händel.

Derzeit dagegen passieren merkwürdige Dinge in, mit und dadurch rund um den Glockenturm. Beispielsweise schlägt er zu jeder Stunde fast wie Big Ben in London zum Stundenviertel - aber eben nur fast, weil die Klangfolge jeweils Permutationen durchläuft.

Das mag den meisten Passanten vielleicht noch gar nicht so richtig auffallen. Doch spätestens wenn es High Noon, also 12:00 Uhr Mittag schlägt (und nochmals abends um 21:00 Uhr) geht die sprichwörtliche Post ab, und mitnichten eine stille.

chwh_g2.gifEingangs klimpern die Glöckchen noch ganz brav, wie man das von einem Carillon erwarten darf. Dann wird das Motiv schon mal etwas flotter variiert - virtuos genug, als dass der eine oder die andere schon mal etwas irritiert die Ohren spitzt. Dann wirds auch schon wieder ruhiger, und man mag denken: Na gut, vielleicht habe ich mich nur verhört und es klingt doch ganz normal.
Von wegen. Denn eben diese Ruhe ist nur eine vor dem Sturm, der dann äusserst verehmlich losbricht - so als sei es mit einem Organisten in der Kirche einfach mal veitstänzisch durchgegangen.
Waaow: Und spätestens jetzt kann man (ja, das haben wir vor Ort testen dürfen, vom Balkon des Stadthauses aus) wirklich allenthalben Leute völlig irritiert auf dem Platz verharren, starren, lauschen sehen.

Und vielleicht ein paar erboste Hallenser, die das Ganze schon kennen - aber nicht wirklich zu schätzen wissen. Mindestens ebenso viele allerdings, die mit einhelliger Begeisterung in Richtung des Turmes blicken - wo das Carillon längst schon wieder friedlich vor sich hin klimpert und so tut, als sei nix gewesen.

Toll. Einfach toll. Findet jedenfalls das Medium und verneigt sich vor dem Komponisten Wolfgang Heisig - der seinem Stück in diesem Fall übrigens die Senderkennung des Radiosenders Halle-Magdeburg aus DDR-Zeiten zu Grunde gelegt hat.

P.S.
Mail reinhören? Das geht hier. Muss man aber ansonsten wirklich vor Ort erlauschen.
[Und die Bildchen: zeigen jeweils das Glockenspiel im Roten Turm. Natürlich ohne Ton. Merci für die Fotos an die RadioRevolten].

Von miss.gunst am 09.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.09.06

Marclay (im Tesla)

dg_ksw.gifWenn wir gerade schon in Berlin sind, wo ja nach wie vor das interface-festival läuft: Es lohnt auch aus anderen Gründen, zu bleiben.
Abgesehen davon, dass mit dem Art Forum neben diversen alternativen Kunstmesse-Ablegern auch sonst noch so einiges los ist in der Stadt.
Mittlerweile hat auch das Tesla wieder seinen Betrieb mit Volldampf aufgenommen. Und dort ist heute Abend (30.09.06) kein Geringerer als Christian Marclay zu Gast.

Der ist selbstredend ebenfalls ein Kandidat für den Zettelkasten dieses Log.Buchs.
Schliesslich hat er sich mit seinen Projekten von Anfang an an der Schnittstelle von bildender Kunst und Musik, experimenteller Sound- und Bildwerkerei mit Medien und Materialien bewegt.

dg_5.gifGrund bzw. Gründe genug, aus aktuellem Anlass ein paar Ressourcen zusammenzustellen.

Als da wären beispielsweise eine erfreulich ergiebige Liste mit Publikationen von und über Marclay, die sich nebst Kurzbiographie und einigen ausgewählten Zitaten auf den Seiten der European Graduate School finden, wo Marclay 2002 als Dozent unterrichtete.

Für weitere O-Töne (Wortlaut, nicht Sound) empfiehlt sich ein Interview, das Jason Gross 1998 für das online-Magazin furious mit dem Künstler führte.

dg_7.gifLeider schon ziemlich zerrüttet sind die Anker, die Barbara Könches' kleiner Text zu Marclay hat. Und zwar nahezu samt und sonders.

Daher ersatzweise ein kleines, lose und schnell zusammengeschnürtes Bündel mit Verweisen auf Seiten, auf denen man noch einen Blick auf einige seiner Arbeiten werfen kann (und in glücklicheren Fällen etwas dazu lesen):

Zwei davon mit Fotos von Werken (eins, zwei) plus Hintergrundinfo in Form eines Pressetextchens hat das Hammer Museum der UCLA 2003 anlässlich seiner Wander-Retrospektive zusammengestellt, die der eine oder die andere vielleicht seinerzeit angelegentlich ihres späteren Gastierens im Kunstmuseum Thun angeschaut hat.

Beim MedienKunstNetz gibt es zu seinem Berlin Mix von 1993 nicht nur ein kleines Textchen, sondern auch mehrere Bilder und einen Mini-Videoclip.

dg_2.gifUnd wenn man noch mal was Weiterführendes lesen möchte, kann man das in John P. Jacobs kleinem Essay ausgehend von einem von Marclays unbetitelten Phonogrammen aus 1990 tun.

Dessen Rückbezüge auf die frühe Moderne passen vielleicht gut, um die Kurve zurück zum heutigen Videokonzertabend im Tesla Berlin ("screenplay", Start: 20.30 Uhr) zu kratzen: Dort wird Marclay nämlich mit einer Video-Partitur aufwarten, die aus klassischen Computergraphiken und entsprechend bearbeiteten Spielfilmschnipseln besteht - und von gleich drei Ensembles (bzw. zweien, einem davon in zwei verschiedenen Besetzungen, einem Trio und einem Quartett des Berliner Ensembles Phosphor sowie dem Polwechsel Trio) interpretiert resp. bespielt wird. Wenn Gelegenheit bestehen sollte: Ein Pflichttermin...

[Bildchen: Stammen natürlich nicht von Marclay. Sondern sind schnöd daherimaginierte Discogramme des Mediums. Alle in S/W sähe selbstredend unendlich viel besser aus. Die Emulation des Konzept verlangt aber leider nach Farbe.]

Von miss.gunst am 30.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.09.06

laporte

jfl_ksw.gifWie gestern schon angekündigt: Jean-François Laporte muss natürlich einen eigenen Eintrag im Zettelkasten bekommen.
Nicht nur bewegt sich der kanadische Komponist in Gefilden, die definitiv in den Radius dieses Log.Buchs fallen.
Auf seiner ausgesprochen einladend gestalteten Heimseite bietet er auch grosszügigen Einblick in seine Arbeit, so dass ein Besuch unbedingt lohnt.

Allem voran ist hier die ursprünglich 2002 entstandene, konzertant bespielbare Installation KHÔRA ausführlich dokumentiert, die verschiedene selbstgebaute Instrumente miteinander kombiniert und in einer Variation gestern auch in Berlin präsentiert wurde.
Und zwar nicht nur mit einer Beschreibung und vielen Fotos, sondern auch mit online zu belauschenden Klangbeispielen.

jfl_g.gifTja, allerdings: Bei aller Begeisterung über das ästhetisch ansprechende Design und die bestens funktionierende Navigation - (Un)dank der wohl webwidrigsten Erfindung überhaupt können leiderleider keine direkten Anker geworfen werden. F*** F****, knirscht das Medium und muss seine LeserInnen wohl oder übel selber surfen schicken...

Ersatzweise anbieten lassen sich, da als pdf-Dokumente bereitgestellt, aber immerhin ein kleiner Text zum Projekt, Blätter mit leckeren Fotos der so genannten "Bols" (also: "Schüsseln"), die im Ensemble der Instrument-Objekte eine zentrale Rolle spielen, des selbstgebauten Steuerungs-Keyboards und Details der technischen Steuerungselemente, der Pneumatik und des Max-Interface.

Sieht alles schon auf den Bildern verdammt gut aus, oder? Muss wohl nicht weiter erwähnt werden, dass es live in Aktion bzw. in concert erst Recht ein Erlebnis für sich ist.

Noch mehr von Laportes phantastischen Instrumenten sehen und hören kann man in weiteren Sektionen der Seite. Da ja nun mal nichts verankert werden kann: Legt das Medium den geneigten LeserInnen ans Herz, sich selbst nach Lust und Laune umzutun - empfohlener Massen insbesondere bei den "oeuvres expérimentales" und den "oeuvres éléctroaucoustiques", wo erwartungsgemäss besonders viele skurrile Klangerzeugungsobjekte lauern.

[Bildchen: Zeigen beide das oben erwähnte zentrale Steuerungsmodul von KHÔRA. Für die Bereitstellung resp. freundliche Überlassung zur Wiedergabe dankt das Medium Elke Moltrecht vom interface festival sowie allen voran natürlich dem Künstler selbst. Merci!]

Von miss.gunst am 29.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.09.06

picomedia

pico_ksw.gifGerade Lust auf gute Musik gehabt - und sicher hätte es mit Blick auf die Einträge der letzten beiden Tage angestanden, exemplarisch die eine oder andere Schlaufe aus dem Sektor zu ziehen.
Soll für diesmal aber nicht sein. Denn da drängt sich doch glatt eine Netzlabelempfehlung in den Vordergrund, die ganz andere Pretiosen bietet: picomedia.

Sympathisch ist schon die Selbstvorstellung, mit der sich das in Frankreich (geauer gesagt: in Paris) beheimatete Label präsentiert:

picomedia as [is?] a platform for innovative electronic music precious releases for small audience every release is a candy surprise licensed under CC. just keywords... avant garde, experimental ,industrial, electronica, ambient, field recordings, beatless, dark ambient, downtempo, glitch, IDM, illbient, microsound, montage, soundscape, and other forms of experimental music

pico_g.gifWie lecker dieses Versprechen gefüllt wird, kann man noch vor gezielter Lauschexkursion an der liebevollen Gestaltung der Seiten zu den Veröffentlichungen sehen. Eigentlich jede (jedenfalls soweit sie das Medium bislang erkundet hat) kommt mit einem eigenen Text, der das Projekt ausführlich vorstellt, EP-Cover sowie weiteren Bildern daher. Linx zum Herunterladen der Tracks (via archive.org) selbstredend inklusive.

Aus der hohlen Hand eine Empfehlung gefällig?
Na, da wäre zum Beispiel pmact Nr. 5 mit Sound-Collagen von Joe Frawley. Drin was draufsteht - und wirklich wunderschön.

Wieder ganz anders trifft der letztere Satz auf pmact Nr.1, also sozusagen die Debüt-EP des Labels mit einer Kollaboration von telepherique und Ruda Vena. Die vielleicht genau das Richtige ist, um sich während der eher hochsommerlichen denn früherbstlichen Hitze dieser Tage ein wenig akustische Kühlung zuzufächern.

Ach ja: Und sogar Logarithmisches gibt es. Auf mpact Nr. 3, Abstract Machine von ML. Ist durchaus sogar elektronisch. Aber nach generativem Sound klingt das Ganze nicht gerade. Von wegen: Abstrakte Maschine. Die lauschen wir uns jedenfalls dann doch lieber anderweitig an.

Von miss.gunst am 25.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.09.06

lecker unlekker & generator x

gnx_ksw.gifUm gleich mal in Sachen processing den Titel der gestern gepriesenen Grazer Schau aufzunehmen und weiter zu machen:
Marius Watz, Künstler und Co-Kurator von "further processing", ist mit mehreren seiner Projekte natürlich sowieso auch ein Fall für den Zettelkasten.

Nicht nur, weil der in der Szene ziemlich umtriebige Norweger und Wahlberliner mit seinen eigenen künstlerischen Projekten in der Szene ziemlich weit vorne mitmischt.* Und diese auf seinen unlekker.net-Heimseiten auch sehr sehr lecker präsentiert werden (für processing-Fans ist selbstredend so Einiges mit dabei - inklusive eines speziell dieser Programmiersprache gewidmeten Bereichs).

gnx_g.gifZudem unterhält Watz seit längerem ein ebenfalls sehr leckeres Blog namens Generator X - welchselbiges schon entsprechend lang in der Lesezeichensammlung des Mediums dümpelt und nun eben endlich auch mal vorgestellt werden soll.

Ursprünglich mal anlässlich der gleichnamigen Konferenz ins Leben gerufen, die vor ziemlich genau einem Jahr in Oslo stattgefundet hat, ist aus dem Blog rasch eine bestens bestückte Plattform für und Informationsquelle zur so genannten Generativen Kunst geworden. Was man nicht nur daran festmachen darf, dass die ebenso benamste Kategorie kontinuierlich weiter befüllt wird.

So wüsste das Medium beispielsweise auch nicht zu sagen, wo es sonst eine so gut geführte Sammlung zu Theorie und Texten zum Thema gibt. Und einen Bereich speziell für Einträge zur generativen Klangkunst hat es selbstredend auch.

Kurzum: Für Fans der Kunst aus Code sowieso ein RSS-Pflichtabonnement. Aber durchaus nicht nur für Spezialisten zur kontinuierlichen Horizonterweiterung bestens geeignet. Und für heute eben deshalb auch die definitive Lektüre-Empfehlung des Mediums.

* Neben der Kuratierung und Teilnahme an "further processing" hat Watz aktuell übrigens in der Medienturm-Dependance im Wiener muqua-quartier 21 auch noch eine Einzelschau mit dem schönen Titel "Kugelstudie". Aber das nur der Vollständigkeit halber am Rande.

Von miss.gunst am 24.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.08.06

gar nicht still (WRT)

sr_ksw.gifKeine Sorge, das gestern gegebene Versprechen ist mitnichten schon wieder vergessen. Aber ein bisschen Abwechslung muss auch sein - und deswegen gibt es heute erst einmal einen Webradiotipp.
Oder so etwas Ähnliches.

Denn ob silenceradio wirklich ein Webradio ist, darüber kann man vermutlich unterschiedlicher Meinung sein.
Selbst versteht sich das Projekt allerdings als eines. Und Töne online gibt es auch.

sr_g.gifBei Letzteren handelt es sich um kleinere, mittelgrosse und grössere [sic] Audio-Kunst-Stücke - einige davon jüngst produziert, aber auch netzfähig gemachte Neuauflagen älterer Arbeiten.

So sind unter den Neuzugängen* beispielsweise ein mit 1:53 min. kurzkurzkurzer "Déchant pour walkman" von 1982 aus dem "centre de recherche sur l'espace sonore et l'environnement urbain" (auch das gibts kurz: cresson); mehr oder weniger taufrische (nun gut: 2005 aufgenommene, 2006 abgemischte) "Tautologies" mit dem vergangenen Sommer wohl kurz nach den Aufnahmen verstorbenen Luc Ferrari -

["La tautologie est l'image des gestes, des bruits, des mots, des faits de la vie. La tautologie est le phénomène le plus général qui soit, puisque tout est tautologique!"]

die mit 7:48 min. zu den mittellangen Stücken zählen und schliesslich als Vertreter der langen Garde die 20:24 min. messenden "Chants de cire", die Xavier Fassion und Marcus Gammel 2005 für deutschlandradio kultur den Wachswalzen des Berliner Phonogramm-Archivs entlockten.

Wer sich bis hierher über die seltsame Betonung der Längenangaben wundert: Die findet sich so auch auf den silenceradio-Seiten - und zwar optisch auf den ersten Blick erkennbar am Radius der schicken leuchtendbunten Puschelkreise, welche die meisten Stücke schmücken.
Nicht alle, denn es gibt auch noch spezielle Dossiers bzw. Serien, die eine Art Filzblüte ziert.

Naja, sieht man ja, wenn man die Seiten besucht. Das also bitte mal tun und testen - dem Medium haben einige der Audio-Plätzchen sehr gemundet (oder sagt man dann: geohrt?).
Zumal sie, lobloblob, unter CC-Lizenz ins Netz gestellt worden sind.

* Seinen persönlichen Neigungen entsprechend hat das Medium hier die html-Variante der Seiten verankert. Es gibt aber auch eine Flash-Fassung, die auf ihre Weise in der Tat auch recht attraktiv daherkommt.

[Bildchen: Ist nicht von silenceradio, sondern ein Puschelkreis, der dem Medium persönlich zugelaufen ist.]

Von miss.gunst am 29.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.08.06

Vegetarische Instrumente

gorch_ksw.gifPasst ganz gut mindestens zur Überschrift des letzten Eintrags und gestattet einen sanften Übergang zurück zum Thema Instrumente. Obwohl sich das Ganze vielleicht doch nicht so gut für VegetarierInnen eignet.
Denn hier werden - gezielt und gnadenlos - Mohrrüben missbraucht und Gurken gequält. Um mit ihnen Musik zu machen.

Verantwortlich für dieses Treiben zeichnet das Erste Wiener Gemüseorchester, von dem das Medium eigentlich meinte, es längst schon einmal in diesem Log.Buch vorgestellt zu haben.

gorch_g.gifSeltsamerweise ergab eine angelegentliche Durchforstung des Zettelkastens Gegenteiliges, folglich muss das Versäumnis schleunigst nachgeholt werden.

Denn wo sonst werden garantiert ökologisch abbaubare und obendrein bei Verzehr (im Prinzip und meistens jedenfalls) gesunde Instrumente nicht nur hergestellt, sondern auch ihrer Bestimmung zugeführt?

Duchaus möglich, dass es auf diese Frage tatsächlich noch eine andere Antwort gibt als die hier zuallererst einmal intendierte.
Aber wie auch immer: Heute wird fröhlich nach Wien gewunken und der geneigten LeserInnenschaft ans Herz gelegt, sich gelegentlich auch einmal eine Kostprobe der konzertanten Produktionen einer Spielvereinigung einzuverleiben, deren Ensemblemitglieder solch appetitliche Dinge wie eine Paprikaflöte oder - ähm, einen Gurkenficker zum Tönen bringen.

In diesem Sinne wünscht das Medium allseits einen guten Einstieg in die Woche - und einen guten Appetit!

[Bildchen einleitend: Zeigt selbstredend nicht den doch etwas offenkundig obszönen Gurkenficker, sondern die ungleich keuscher ausschauenden Rüblipfeifen.]

Von miss.gunst am 21.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.08.06

Nahrhafte Klangkörner

gof_ksw.gifWer nicht nur neulich dem Anker zu Marc Behrens' Heimseiten gefolgt ist, sondern dort auch ein wenig gestöbert hat, ist vielleicht selbst bereits auf dieses Projekt gestossen.
Allen anderen sei Grain of Sound noch einmal nachdrücklich ans Herz gelegt.

Das gleichnamige Label für Sound Art und experimentelle Electronica hat nämlich nicht nur einen mittlerweile recht ansehnlich gefüllten CD-Katalog zu bieten (u.a. zählt Therre Thaemlitz' "Tran-Sister Radio" zu den releases), sondern gibt auch eine Zeitschrift heraus.

gof_g.gifDie heisst - in Anlehnung an das seit 2001 jährlich ausgerichtete sonic scope-Festival - sonic scope quarterly und bietet
"visuals from multidisciplinary artists and it happens that mostly are also musicians and sound 'hunters'."

Das Ganze kommt im praktischen pdf-Format und hat obendrein als Goodie jeweils noch ein mp3-File mit im Gepäck.

Seit 2004 online steht mittlerweile die siebte Ausgabe im Netz - diejenigen, die sonic scope noch nicht kennen, sollten folglich wohl nicht nur fürs (Rest-)Wochenende hinreichend Stoff zum Schmökern - beziehungsweise: Schauen und Lauschen haben.

Von miss.gunst am 20.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.08.06

Instrumentenkunde (klassisch)

pus_ksw1.gifZurück zu den Instrumenten. Auch wenn - oder vielmehr: Gerade weil die klassische Instrumentenkunde hier ansonsten etwas kürzer treten muss, gleichwohl aber auch dann eine Grundlage darstellt, wenn man sich mit seltsameren und selbstgebauten Stücken beschäftigt, soll es doch auch zu diesem Thema mal einen Eintrag im Zettelkasten geben.

Also, da hätten wir im Angebot zum Beispiel die Vienna Symphonic Libary, deren Abteilung "Instrumente" wahlweise deutsch oder englisch schön aufbereitete Basisinformationen bietet.

pus_g.gifIm Prinzip gibt es zu jeder Instrumentenfamilie bzw. zu jedem ihrer vorgestellten Mitglieder - etwa, um mal ein konkretes Beispiel herauszugreifen - zu so wunderbaren Instrumenten wie den Röhrenglocken (a.k.a. Tubular Bells)- ein einführendes Kurzporträt, Informationen zur Geschichte, zu Tonumfang und -erzeugung, Spieltechniken, Klangcharakter und passenden -verbindungen zu anderen Instrumenten u.a.m., sowie als besonderes Bonbon eine Liste mit exemplarischem Repertoire; erstere teilweise auch mit (mp3)-Tonbeispielen, letzteres aus nahe liegenden Gründen leider nicht.

Im Prinzip heisst: Leider ist das Ganze an einigen Stellen noch nicht ganz komplett, während es an anderen bereits erste Erosionserscheinungen aufweist - was schon ziemlich schade ist, aber: Was ist, kann doch begeistern und eignet sich in jedem Fall für einen soliden Grundkurs in Sachen Instrumentenkunde.

Und der lohnt sich immer, und sei es zur gelegentlichen Auffrischung. Zumal, wenn die Lehrstunden mit dem Klassiker schlechthin - Piccolo, Sax & Co - schon ein paar Jährchen her sein sollten...

P.S. Als Erinnerungsstütze, falls nötig: der Tonträger mit dem altvertrauten Cover [sic, da hat es im Netz anscheinend tatsächlich nurmehr eine Ausgabe als Kassette!] und eine pdf-Seite mit den Basisdaten der Geschichte).

[Bildchen: In Hommage an die ersten akustischen Instrumentenkundelehrstunden mit den Herren P. und S.; für die Vor-Bilder dankt das Medium wie so oft den generösen Generatoren derselben und dem grossen GNU.]

Von miss.gunst am 16.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.08.06

Radiotheorie(n)

rt_ksw.gifNachdem Bert Brechts Beiträge zur Radiotheorie im gestrigen Eintrag zwar kurz erwähnt, aber nicht weiters erläutert wurden (bzw. die Zuständigkeit für Letzteres schnöd einem Text-Anker und der Radiostunde von Jens Brüning überlassen blieb), soll doch noch ein bisschen mehr Futter zum Thema im Zettelkasten landen.

Einen guten Einstieg bietet natürlich wie so oft der entsprechende Artikel in der Wikipedia - zumal er sich vor allem anderen auf Brecht konzentriert und dessen Kernaussagen zum Thema knapp zusammenfasst.

rt_g1.gifAber vielleicht auch ein bisschen zu knapp, weshalb es bereits gestern den Ankerwurf auf die ausführlicheren Passagen aus dem speziell Brechts Radio-Theorie gewidmeten Abschnitt des zwölften Kapitels aus einer der Vorlesungen des Projekts "Literaturwissenschaft Aktiv" gab (Uni Duisburg-Essen; verfasst von Hanna Köllhofer, wenn wir schon bei den Credits sind - und ganz offenkundig die Quelle des Wikipedia-Artikels).

Für auf Brecht zurückgreifende, aber mit Blick auf das Digitale Radio weiterführende Überlegungen lässt sich da ergänzend noch Martin Hufners Sendeskript "Hier ist Radio Datenbank" (2000) empfehlen. [Beiseit: Eine Perspektive, für die der geneigten Leserschaft vor einiger Zeit mal Patrik Tschudins Radio 2.0-Blog ans Herz gelegt wurde...]

Aber auch sonst sollte man sich nun nicht allein auf Brecht und die Folgen beschränken. Gerade auch, was die historische Verortung des Mediums (scil.: Radio) betrifft.

rt_g2.gifWeit mehr spannende Texte zum Thema, als sich hier im Einzelnen aufzählen lassen, finden lesefreudige Menschen auf der Heimseite des Medienwissenschaftlers und Deutschlandradio-Kultur-Leiters Wolfgang Hagen.

Womit erst einmal vorgesorgt sein dürfte für einige Zeit.
Trotzdem kann sich das Medium nicht verkneifen, abschliessend noch auf eine weitere Lieblingsfutterraufe hinzuweisen.
Denn auch im sowieso und rundum hochgeschätzten ubuweb - aus dem im Log.Buch bislang vor allem das eine oder andere Stückchen Ohrzucker bezogen wurde - hat es eine kleine online-Handbibliothek zur Radiotheorie.

Mit den dort versammelten Essays von Christof Migone und Gregory Whitehead werden natürlich auch noch weitere Türen zu ganz anderen Horizonten aufgemacht. Aber die schauen wir dann ein andermal ausführlicher an. Versprochen.

Von miss.gunst am 13.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.08.06

Ho-Made Instruments (mit WRT)

bhbp_ksw.gifLieber nicht nachfragen, in welchem Zipfel des Kulturbeutels sich dieser Beitrag zur Instrumentenkunde ausgraben liess.
Aber zum Thema gehören sie auf jeden Fall: Bret Harts "Ho-Made Instruments".

Im gleichnamigen Artikel - ursprünglich 2001 im Magazin von "Aural Innovations" erschienen - stellt der Musiker seine selbstgebauten Instrumente vor; bei den meisten handelt es sich um elektronisch amplifizierbare Variationen auf mehr oder weniger klassische Klangkörper, deren Ahnen allerdings aus den unterschiedlichsten kulturellen Geographien stammen.

Das Schöne daran: Alle Instrumente werden mit nicht nur mit einer kleinen Graphik vorgstellt, sondern auch im Hinblick auf ihre jeweiligen musikalischen Qualitäten kommentiert (und zwar auch dann, wenn diese offenbar nicht so berauschend ausgefallen sind). Lustige und skurrile Stücke sind da auf jeden Fall dabei - und schon die Namen wie "Bat Phone" oder "Hose Bone" machen neugierig, wie das Ganze wohl in Aktion klingen mag.

Um darüber etwas mehr zu erfahren, muss man sich allerdings zu Bret (Harold) Harts Heimseite begeben. Auf der findet man dann nämlich dann eine ganze Sammlung selbstgebauter Instrumente wie den "Electric Rainstick", den "Heuler" bzw. "Howler", den "barstool-o-caster" oder eine ganze Familie putziger "Gustophone(s)".

bhbp_g.gifUnd noch einiges mehr. Das einstmals wohl bunte Angebot von mp3-Clips mit Kostproben für die Öhrchen ist allerdings arg ausgedünnt - die meisten Anker führen in die Wüste. Diejenigen jedoch, die funktionieren, lassen ahnen, wofür die wunderschönen Instrumente vorzugsweise Verwendung fanden bzw. finden.

Darauf kommt man (und hier schlägt die Stunde der Wahrheit, was das einleitende Gemurmel in den nicht vorhandenen Bart des Mediums betrifft) freilich auch, wenn man den Fundort des eigangs verankerten Artikels, also die "Aural Innovations" Hauptseite aufsucht.
Die ist nämlich Mitglied in einem Krautrock-Webring bzw. beim krautrock.net.

Klar, das Synonym für ein verdienstvolles Kapitel Musikgeschichte.
Aber, nunja. Nicht unbedingt jedermanns/fraus/mediums höchstes akustisches Plaisir.
Wen es jedoch gelüstet: Da hätten wir dann gleich noch eine Handvoll Webradio-Tipps:
Nämlich neben dem Krautrock-Webradio "Cosmic Vibrations" gleich noch die Radio Shows von Aural Innovations, zu denen u.a. ein einschlägig möbliertes "Electronic Cottage" und eben Bret Harts "The Ear-Relevant Music Hoedown" gehören.
Und noch einige weitere, von denen manche mindestens von der Benamsung her gar nicht mal so sehr nach Krautrock tönen.

Ja dann: En Guete. Das Medium jedenfalls wird da mal tapfer testen und die geneigten LeserInnen wissen lassen, wenn es auf echte Perlen stösst...

[Bildchen: Steht ja dabei und ist auch entsprechend verankert - das wundervolle "Bat Phone" von Bret Hart]

Von miss.gunst am 11.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.08.06

stroh-geige ff.

stg_ksw.gifDie im Zettelkasten-Eintrag zu den "Seltsamen Streichern" eher nebenbei erwähnte Stroh-Geige ist doch zu schön, um gleich wieder im Schrank zu verschwinden.

Für alle, die da sowieso eher flüchtig mitgelesen haben: Die Stroh-Geige ist, wie man sich aufgrund der erforderlichen Klangqualitäten schon denken kann, nicht aus getrockneten Getreidestrünken gefertigt.
Vielmehr handelt es sich im ein veritables (und spielbares) Musikinstrument, das vom Erscheinungsbild als eine Art Wolpertinger aus Geige und Blechbläser daherkommt.

stg_g1.gifWie man sehr schön und kompakt (und alternativ zur bereits mehrfach verankerten englischsprachigen Seite: auf Deutsch) im entsprechenden Eintrag im Lexikon von saiten.biz nachlesen kann, wurde das anmutige Trichterinstrument 1899 erfunden, um Geigen nicht (noch) himmlischer, sondern lauter klingen zu lassen.

Das mag ein bisschen irritieren, wenn man das quälende Problem des "Wie-üb-ich-daheim-ohne-mir-meine-Nachbarn-zu-Todfeinden-zu-machen" kennt, das aus dem schlichten Umstand resultiert, dass Streicher einen enormen Klangkörper haben, gegen den der Lautstärkeregler (nicht: der Bassregler) einer durchschnittlichen Stereoanlage kläglich einpacken kann.
Aber offenbar waren die Streicher für einen besonderen Zweck dann doch nicht laut genug: Nämlich für die - heute würde man sagen: gut abgemischte (bzw. das Problem entsprechend lösen) - Aufnahme auf Tonträger. Weiland Wachswalzen.

Kurzum: Bei dem auffälligen Trichter handelt es sich nicht etwa um eine Tröte, sondern sozusagen den Ausgangskanal für die Tonverstärkung.
Erfunden wurde das Ganze - und daher der Name - 1899 von John Matthias Augustus Stroh, einem nach England emigrierten Frankfurter (hier der englische Patenttext). Der uns, das kann man an dieser Stelle schon mal verraten, in persona übrigens noch zu weiteren interessanten Instrument-Erfindungen bzw. -Erfindern führen kann.
Dazu dann demnächst mehr.

Für heute mag das Voranstehende genügen, wenn man ihm abschliessend noch einen Anker auf die der Stroh-Geige gewidmeten Saeiten bei Digital Violin zur Saeite stellt.
Zwar dürften unter dem Strich wohl nur wenige der Tonaufnahmen, die Benedict Anthony Heaney versammelt, mit einer Stroh-Violine eingespielt worden sein. Von den früheren jedoch... wer weiss?

[Wunderbare Bildchen von Stroh-Geigen: siehe besagte Spezialseite bei Digital Violin.]

Von miss.gunst am 10.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

09.08.06

Seltsame Streicher

afi_ksw0.gifSelbstredend gibt es Streich- und Zupfinstrumente, gegen die eine Dobro geradezu durchschnittlich dasteht.
Vielleicht nicht unbedingt vom Klang her. Wohl aber als Konstruktion.

Wie zum Beispiel jene, welche die kanadische Filmemacherin Lori Siegel in Bildern und mit passenden Ankern auf ihren Seiten versammelt hat.

Bei den meisten der "Unusual Instruments" scheint auf den ersten Blick zwar durchaus verständlich, warum welche Variationen bzw. Extensionen zu handelsüblichen Standardmodellen vorgenommen wurden. Aber wirklich logisch wird es einem deshalb nicht in jedem Fall.

afi_g.gifNehmen wir beispielsweise Mal die Nordländer. Da könnte man doch meinen: Liegen nahe beieinander, haben vielleicht verwandte Musikkulturen, ähnliche Traditionen im Instrumentenbau...

Von wegen. Die norwegische Hardingfele (Hardanger-Geige) schaut wie eine besonders prächtige Violine aus, hat aber mehr und anders aufgespannte Saiten für Obertöne; die schwedische Nyckelharpa wirkt eher wie eine Kreuzung aus Geige, Kniefiedel, Zitter; das isländische Modell der "Fidla" schliesslich kommt ziemlich spartanisch daher, bietet sich dafür aber um so mehr für den DIY-Nachbau an (dürfte allerdings dann wieder nicht ganz so einfach zu spielen sein - jedenfalls, wenn man ihm anmutige Weisen entlocken will).

Aber das ist natürlich alles noch nichts gegen lustige Wolpertinger wie die deutsch-irische "Stroh-Geige". Die obendrein noch beinahe in Serie ging.

Des Mediums Lieblingsstücke sind - auch aus persönlichen Gründen nahe liegend - jedoch jene aus der Familie der Benioff Cellos. Sie sehen als frühe Versionen elektronischer Streicher nicht nur etwas ungewöhnlich aus.
Ihr Erfinder, Hugo Benioff, war eigentlich Seismologe und ist deshalb bis heute weniger für seine Musikinstrumente als im Zusammenhang mit der so genannten "Benioff Zone".
Andererseits, so seltsam ist das auch wieder nicht.
Schliesslich muss man sich ja doch ein wenig mit Schwingungen auskennen - im Saiteninstrumentenbau und in der Musik.

[Bildchen: Zeigt - jedenfalls laut ursprünglicher Inschrift - einen fiedelnden Apachen und ist in Lori Siegels Sammlung von "Unusual Instruments" zu finden.]

Von miss.gunst am 09.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

07.08.06

Radiolektionen zu Instrumenten

rgit_ksw.gifSollte es jemanden nach einer Art fehlendem Bindeglied zwischen dem eigentlich ausgerufenen Sommerthema - Instrumente - und dem Radio-Intermezzo verlangen, das sich gerade im Log.Buch breitgemacht hat?
Kein Problem, da kann geholfen werden.

rgit_gn.gifZum Beispiel mit dieser Archivseite von Radio Bremen, auf der unter dem etwas blumigen Titel "Rhythmus ist Leben, Natur ist Musik" Instrumente "anderer" Kulturen vorgestellt werden.

"Anderer" soll in diesem Fall wohl primär heissen: Nicht dem westeuropäischen Kulturraum im allerengsten Sinne zugehörig - was eine ziemlich konservative und per se problematische Definition ist. Und schon bei der Resonatorgitarre*, die von dem in die USA emigrierten Tschechen John Dopyera (eigentlich: Ján Dopjera) erfunden wurde und bis heute als zwar etwas skurriles, aber in westlichen Sphären durchaus gängiges Instrument gilt, gehörig ins Wanken gerät.
(* Dobro benamst, was von Dopjera bzw. Dopyera Brothers kommt - denn der musikalische Auswanderer hatte wohl noch Brüder, die ihm beim Instrumente-Erfinden zur Seite standen.)

Aber wie auch immer. Hier ging's vor allem darum, den Anker zur erwähnten Seite dem Zettelkasten einzuverleiben, weil auf selbiger nämlich eine Reihe von Radiosendungen zum Thema gelistet und archiviert sind. Also auch online angehört werden können.

[Bildchen: Vom Medium leider nur äusserst linkisch zusammengezimmerte Resonatorgitarre.]

Von miss.gunst am 07.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

06.08.06

DIY Radio für alle Fälle

refrad_ksw.gifDieses grossartige Modell harrt schon länger im Kulturbeutel-Vorrat des Mediums seiner Vorstellung.
Es verdient wirklich einen Ehrenplatz im Zettelkasten, denn es lässt alle bisher dorthin verbrachten Bauanleitungen weit hinter sich:
Das Refugee Radio von Mareike Gast.

refrad_g1.gifBasierend auf dem guten alten einfachen Prinzip des Kristall-Radios (mehr dazu in der Wikipedia) hat die deutsche Designerin einen Bauset entworfen, mit dem sich Menschen in Situationen, in denen sonst nichts zur Hand ist, mit wenigen Griffen wieder ans Informationsnetz andocken können sollen.

Wer jetzt milde lächelt und meint, da gäbe es doch gerade die tolle OneDollar-Laptop-Aktion und das sei sicher viel zeitgemässer, schaut auf die falsche Baustelle. Wie der Name Refugee Radio schon sagt, geht es hier nicht darum, im Zweifelsfall zu einer Suchmaschine surfen zu können (um dann festzustellen, dass die gewünschten Suchergebnisse leider zu Informationsquellen führen, die man nur per pay anzapfen kann - denken wir beispielsweise ans Medizinstudium an Orten, wo die Bibliotheken nicht in der Lage sind, teure Zeitschriftenabos zu zahlen...). Sondern um den ganz basalen Zugang zu essentiellen Informationen, Nachrichten undsoweiter. Und für den ist auch unabhängig von Kriegen und Krisen in vielen Gebieten nach wie vor das Radio zuständig. In Kriegs- und Krisengebieten natürlich sowieso.

refrad_g.gifDas Medium meint jedenfalls: Ein ebenso kluges wie wichtiges Projekt, das man sich wirklich verbreitet wünschen würde. Zumal sich der Bausatz, der mit einer auf den ersten Blick verständlichen Anleitung daher kommt, beispielsweise auch bestens dafür eignen dürfte, in Friedenszeiten Kindern zu zeigen, wie ein einfaches Radio funktioniert. Dass es obendrein sogar optisch etwas her machen kann - und zwar bei Verwendung einfachster Materialien, wie sie im Haushalt oder sogar im Abfall zu finden sind - zeigt die Auswahl an möglichen Anwendungen.

Nützlich und schön - das ist wohl die beste Basis-Definition für gelungenes Design.

[Bildchen: Das Medium dankt Mareike Gast für die Erlaubnis, das Refugee Radio würdig veranschaulichen zu können.]

Von miss.gunst am 06.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.07.06

OS-Instrument für DJs (Leverage)

ttst_ksw.gifWährend in Manchester die "Instrument"-Ausstellung schon wieder ihre Tore schliesst, soll mindestens noch ein dort vorgestelltes Projekt in den Zettelkasten wandern: "Leverage", ein Beitrag des Open Music Archive.

Auf Letzteres - eine von den britischen KünstlerInnen Eileen Simpson und Ben White begründete Initiative - wird an späterer Stelle noch einmal ausführlicher einzugehen sein.

Für heute muss dagegen erst einmal ein Blick auf "Leverage" genügen, gibt nämlich auch schon einiges her:

"Leverage [...] centres around the creation and animation of copyleft licensed 12 inch vinyl scratch tools containing a range of samples, beats and extracts made from the out-of-copyright blues, jazz and folk housed in the Open Music Archive.
For Instrument, the project is presented at 'beta stage' where vinyl test pressings can be sampled in scenario akin to the record shop listening area – with the option to skip through the rare original recordings, new remix tracks, short vocal snippets, percussive noises, samples, breaks and beats."

ttst_g.gifKlingt spannend - aber natürlich kann man sich erst mal fragen, inwiefern eine an ein OS-Musikarchiv gekoppelte (virtuelle oder reale) Plattenpressung als Sound-Tool für DJs und Musiker zu den Instrumenten zu zählen ist.

Nun: Nicht umsonst ist ja auch der Begriff des Musikinstruments eigentlich ein Spross aus der sehr viel weiteren, eben auch Handwerkszeug oder Experimentalgerätschaften einschliessenden Instrumentenfamilie.
Vor allem jedoch erinnern Simpson und White sehr zu Recht daran, dass sich heute viele Menschen an Plattentellern (oder deren Festplatten-Äquivalent) definitiv als Musiker verstehen - und dem entsprechend ihre Turntables tatsächlich als Musikinstrumente ansehen.
Und natürlich auch nutzen.
Bestes Beispiel aus dem nächstgelegenen HOME MADE-Umfeld wäre wohl Christoph Hess a.k.a. Strotter Inst., der in diesem Zusammenhang die Schraube (und gelegentlich auch wortwörtlich: die Schraubstöcke) freilich noch mal eine gute Runde weiterdreht.

Was nun tun, wenn man nicht noch eben in Manchester vorbeijetten und das Ganze, ob beta oder nicht, auf seine Funktionen testen kann?

Wenigstens einen kleinen Trost hält die "Leverage"-Projektseite bereit: Wer nach unten blättert, findet dort zwei kleine Scheiben mit Musique aus dem Open Music Archive bereitgestellt. Die ganz sicher ein bisschen Abwechslung auf den/die Plattenteller bzw. in diesem Fall: den mp3-Player zu bringen geeignet ist.
Als obligate Empfehlung nennt das Medium hier noch gleich sein vorläufiges Lieblingsstück, aus Rec. 2 von der A-Seite Track (leider nicht direkt zu verankern, da muss dann schon die ganze Platte auf die Platte). Dann mal schönes Schwingen in den Samstag hinein...

[Bildchen: Zeigt nicht Leverage, sondern ein Turntable-Instrument von Strotter - mit speziellem Gruss nach und Vorfreude auf Solothurn...]

Von miss.gunst am 29.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.07.06

Weltinstrumente (pangeia instrumentos)

ahap_ksw.gifpangeia, das tönt nach Weltmusik. Was nicht ganz falsch ist, aber doch nicht den Punkt trifft. Denn es geht zwar tatsächlich um Instrumente aus aller Welt - aber die sind erst einmal nur die Inspirationsquelle für eine bunte Schar seltsamer und schöner Konstruktionen, die ganz eigene Klangwelten entdecken lassen.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der angolanisch-portugiesische Komponist Victor Gama schon unter dem Projektnamen pangeia instrumentos daran, den traditionellen Instrumentenbau nativer Kulturen zu erforschen, um auf dieser Basis und unter Nutzung elektronischer Technologie zeitgenössische Neuschöpfungen zu entwickeln - die im Ergebnis zweifellos skulpturale Qualitäten haben, aber eben gespielt werden wollen.

ahap_g.gif
Wichtig sind ihm dabei einerseits der Prozess einer forschenden Arbeit an den Klangkörpern selbst, andererseits aber auch die potentielle Mittlerfunktion von Instrumenten und der Musik, die auf ihnen gespielt werden kann:

"Pangeia Instrumentos are acoustic musical instruments, sound devices and sound installations designed and built through a process of experimentation with design, sound and music. The main focus of this project is the phenomenon of metamorphosis and evolution of musical instruments that span the period from pre-history to our days. This phenomenon suggests that form is a variable in the composition process and is intrinsically related to the composer's inner creative impulses and his closest material environment."

heisst es programmatisch auf der Heimseite von pangeia instrumentos. Und:

"Pangeia Instrumentos is a project where music and musical instruments are used as mediators for dialogue and sharing. This particular mediation among people, the natural environment and the cosmos is acomplished by creating an object that's associated to animals, plants or stars."

Das tönt in der Tat einigermassen blumig. Schaut man sich allerdings die Projekte an, die Gama in diesem Zuge realisiert - und nicht zuletzt die Workshops mit Kindern - sieht man doch unschwer, dass das Ganze recht gut mit beiden Füssen auf der Erde steht.

Wäre jedenfalls schön, Gama und seine pangeia instrumentos auch mal in der Schweiz zu Gast zu haben. Vielleicht würden da auch sogar einschlägige Inspirationen zurückfliessen? Schliesslich hat es auch hier einige volkstümliche Instrumente, die auf Metamorphosen harren...

[Bildchen: Keine der schönen musikalischen Skulpturen von pangeia instrumentos, sondern eher eine den abschweifenden Phantasien des Mediums geschuldete Variation auf die Weltinstrumente-Vision in Gestalt eines Ahaperpetuum Sonabile, Modell "Rorschach". Die sich zudem der netterweise GNU+CC-linzensierten Aufnahme eines traditionellen Schweizer Klangkörpers aus der Wikipedia verdankt. Deren Autor es - attribute - auch gern noch genannt hätte, allein sein Name stand nicht dabei.]

Von miss.gunst am 27.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.07.06

Geschnitzte Gadgets (The Owl Project)

opilg_ksw.gifZurück zu den Instrumenten, genauer gesagt: zur "Instrument"-Ausstellung in Manchester und den dort präsentierten Klangkörpern der Marke Eigenbau.
Absoluter Favorit des Mediums sind da ganz klar und vornedran die optisch etwas rustikal daherkommenden, aber gerade deshalb absolut 'futuresonic' wirkenden Geräte aus der Fertigung des "Owl Project".

Seit 1998 arbeiten die Briten Simon Blackmore und Anthony Hall unter diesem Label zusammen.

Worum es dabei geht, haben die beiden wohl selbst am besten zusammengefasst:

opilk.gif

"The owl project take a heavily craft based approach to designing their own interfaces; drawing on influences ranging from woodworking, hobby style electronics and Open Source Software to make music making machines. The result is a lighthearted critique of human interaction with computer interfaces and our increasing appetite for new technologies."

Zu eben diesen Resultaten zählt allen voran zwei Stücke, die bereits durch ihr Design sofort für sich einnehmen können:

Zum einen der Log1k - auf den ersten Blick ein grob gesägtes, freilich aufklappbares Stück Holzster, das in seinem Inneren einen funktionsfähigen Laptop für Audioperformances verbirgt.

opilg.gifZum anderen - äusserst trendgerecht und natürlich der Hit, was hoffnungsfrohe Käuferanfragen betrifft - der in jeglicher Hinsicht zweifelsfrei ins Geniale lappende iLog. Wie man angesichts der klangvollen Benamsung bereits ahnt, ein mp3-Player der besonderen Art - je nach Modell nämlich mit ein paar Zusatzfunktionen ausgestattet. Das wichtigste aber: Auch der funktioniert.

Wer das nicht glauben will, kann sich anhand von Vilmchen (zu finden Archiv der Owlprojekt-Heimseiten) eines Besseren belehren lassen.

Also, liebe LeserInnen: Das ist doch toll, schon im August zu wissen, was man dieses Jahr auf jeden Fall unter dem Weihnachtsbaum vorzufinden wünscht. Oder etwa nicht?

Falls letzteres: Kann das ja wohl nur dem Impuls entspringen, selbst zu Säge und Lötkolben zu greifen. Auch den wird das Medium saisongerecht sicher wieder nach Kräften unterstützen, ganz so wie im vergangenen Jahr.
Nur ob dabei so konkurrenzlos schick geschnitzte Gadgets herausspringen wie sie das Owl Project fabriziert, das kann es wirklich nicht versprechen.

[Bildchen: Das Medium dankt Antony Hall und dem Owl Project herzlichst für die Genehmigung zur Reproduktion!]

Von miss.gunst am 25.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.07.06

Instrumentenkunde

120y_ksw.gifIndes in Romainmôtier die TeilnehmerInnen des ersten HOME MADE-Labors dieser Saison die Bastelarbeit aufgenommen haben, will sich das Medium natürlich gern nach passenden Zettelkasteneinträgen umsehen. Hochspannung ist da sicher nicht das erste, was den BastlerInnen ans Herz gelegt werden sollte.
Vielleicht stattdessen besser eine kleine Handbibliothek, um den Horizont durch gelegentliche Ausflüge in die Historie und die Theorie zu erweitern?

Allen voran gehört in diese natürlich das Projekt "120 Years of Electronic Music".
Auch wenn die Chronik leider 1990 endet - für die einhundertundzwanzig Jahre Geschichte der elektronischen Musikinstrumente bis zu diesem Jahr wird man im Netz nach einer vergleichbaren Ressource vergeblich suchen.

120y_g.gifBegonnen mit dem "Musical Telegraph" (1876) von Elisha Gray und endend mit dem "Quadrasynth" (1993) der von Keith Barr begründeten Alesis Corporation werden rund hundert einschlägige Erfindungen vorgestellt, dazu gibt es noch eine schöne Bibliographie und eine Menge weiterführender Verweise - letztere nicht nur in der obligaten Linkliste, sondern auch in den Texten selbst.

Als besonders inspirierend für BastlerInnen, die ein Herz nicht nur für phantasievolle, sondern vielleicht auch etwas aberrante Konstruktionen haben, dürften wohl vor allem die Instrumente des neunzehnten und früheren zwanzigsten Jahrhunderts sein.

Natürlich sind dort auch bekannte Klassiker wie Russolos auch in diesem Log.Buch schon verschiedentlich gefeierte Intonarumori oder die berühmten Ondes Martenot vertreten.

Aber eben auch weniger bekannte Konstruktionen wie der sowjetische Sonar oder das Emiriton oder die australische "Free Music Machine".
Während zu letzterer auch mehrere beeindruckende Bilder überliefert sind, fehlen solche bei ersteren beiden leider ganz.

Doch vielleicht kann das ja umso anregender auf die Phantasie unserer InstrumentenbastlerInnen wirken? Wohin die so führt, werden wir jedenfalls spätestens am Klangtag kommenden Sonntag hören und sehen...

Von miss.gunst am 19.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.07.06

Total Tesla (IV): sparks (AElab)

aesp_ksw.gifHeute wandern Funken in den Zettelkasten, die passend zum Tesla-Geburtstags-Special direkt als Hommage formatiert sind:
Die "Sparks" aus dem kanadischen AElab.

Hinter selbigen stehen der Musiker und Komponist Stephane Claude und die Künstlerin Gisele Trudel - beide, wie man sich denken kann, auf die elektronischen Gefilde spezialisiert.

Ihre "Sparks", zwischen 1998 und 2005 entstanden, verstehen sich als "experimentelle Video-Biographie" des Erfinders:

aesp_gg.gif

Das betrifft vor allem die ästhetische Ebene, denn an und für sich ist die Funken-Reihe tatsächlich eine behutsame Annäherung, die biographische Dokumente und Interview-Statements zu zentralen Lebensphasen und Beschäftigungsbereichen des Erfinders durch abstrakte, bewegte Bilder rahmt, wie sie auch sonst für die Arbeit des Künstlerpaares charakteristisch sind.

aesp_g1.gifZu sehen war die Arbeit beispielsweise vor ein paar Monaten im ZKM Karlsruhe, und zwar im Rahmen der deutschen Station der kanadischen Wander-Ausstellung "Resonanzen. Körper im elektromagnetischen Feld" zu sehen war (mehr vom Medium dazu u.a. hier und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch im Rahmen der Tesla-Reihe).

Als Audio-Produktion gibt es dazu übrigens noch eine CD gleichen Titels, erschienen als oral-release 01 bei notype (wo man auch sonst einige feine Dinge findet - darunter auch mp3-Editionen, aber das nur nebenbei).

aesp_g2.gifAnsonsten vielleicht noch der Hinweis auf den Eintrag zur Arbeit in den Archiven der Daniel Langlois Foundation, wo es zwar nicht mehr, aber andere Standbildchen zu sehen gibt.

Und nicht zu vergessen - wiederum auf der "Sparks" gewidmeten AElab-Seite - das leider nicht direkt zu verankernde "Rhizome", hinter dem sich eine kleine Linksammlung zum Thema verbirgt.

[Bildchen: Keine Sparks aus dem AElab, sondern schlicht und einfach Funkenflüge...]

Von miss.gunst am 16.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.07.06

Total Tesla (III): Musik mit Teslaspulen

tssing_ksw.gifZwar zeigt das gestern vorgestellte Wardenclyffe Project von Peljhan, Nicolai et al.: Wenn Tesla Musiker inspiriert, müssen nicht zwangsläufig Funken schlagende Spulen im Mittelpunkt stehen.
Andererseits lässt aber mit letzteren auch Musik machen.

Wie das geht und dann klingt?

Kann man sich auf den Heimseiten einiger Teslaspulenenthusiasten anhören - und natürlich auch anschauen. Denn die Attraktion der Funkenmusik rührt wohl schon zu nicht geringen Teilen auf den wortwörtlich spektakulären Effekten, die entsprechende Versuchsanordnungen zeitigen, sobald sie unter Strom gestellt werden.

tssing_g.gifSowohl auf Richie Burnetts Tesla Coil Pages als auch auf Mike Harrisons "Electrical Stuff" hat das Medium in früheren Einträgen ja bereits verwiesen (siehe die Logs vom 16.05.05 und vom 18.03.06).
Doch während Burnetts Singender Lichtbogen sich dort bereits verankert findet, muss an dieser Stelle unbedingt noch auf Harrisons tolles Spark-O-Phone verwiesen werden, zu dem es nämlich auch ein schickes Vilmchen sowie - empfehlenswert für spartanischer ausgestattete NetznutzerInnen - alternativ auch einfach eine Audio-Version des funkigenenden Instruments in Aktion gibt.

Mehr davon? Kein Problem.
Steve Conner alias Scopeboy ist auch ziemlich gut dabei, wie seine Tesla Coil Page belegt. Da er sich zudem aktiv in der elektronischen Musik bewegt, wundert es denn nicht weiter, bei ihm auf ein Interesse für funken(schlagen)de Instrumenten zu stossen.
Wer die Ergebnisse seiner einschlägigen Experimente bewundern will, begibt sich am besten auf diese Meldung, die er im Forum von 4HV.org (yep, das steht für High Voltage) gepostet hat. Leider funken die gerade nicht, aber vielleicht findet sich das ja wieder.

Daher lieber noch einer?
Geht immer. R. Scott Coppersmith zum Beispiel. Der seine Coils gerne über MIDI spielt. Auch nicht schlecht, oder?

Nunja. So könnte man tatsächlich weiter und weiter singende, klingende Spulen aneinander reihen.
Das Medium will es vorerst, genügsam wie es nun mal ist, gerne bei den bis hierher angeführten belassen.

Für unermüdliche hat es aber noch einen passenden Anker parat: Den Tesla Coil Webring. Daran einfach festhalten, mit abtauchen in die Spulenfluten. Und tüchtig lauschen, denn sicher sind noch viel mehr singende und klingende dabei...

[Bildchen: Weil das Betrachten von lila Lichtbögen auf die Dauer ziemlich kitschnasig macht, hat es nun auch das Medium erwischt. Weshalb es sich, ganz ohne es zu wollen, an dem netterweise den Commons überlassenen Vor-Bild von Tobias Mittrach böse vergriffen hat. An Schöpfungshöhe konnte auf diese Weise sicher nicht gewonnen werden. Aber es war auch schon spät und lilalalilu, nur der Mann im Mond schaute zu...]

Von miss.gunst am 13.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.07.06

Total Tesla (II): Wardenclyffe (Peljhan, Nicolai et al.)

wardt_ksw.gifDer Wardenclyffe Tower gilt bis heute als Nikola Teslas waghalsigstes und - so es da einen Superlativ geben sollte - visionärstes Projekt.
Dass der mächtige Sendeturm für drahtlose Transmission zu Lebzeiten des Erfinders eine Ruine blieb und schliesslich abgerissen wurde, schmälert seine nachmalige Faszination mitnichten.

Was sich unter anderem auch in der Kunst niederschlägt.
So fand 1997 im Rahmen der documenta X in Kassel - angedockt an Marko Peljhans Makrolab - eine Gruppe einschlägig interessierter Künstler und Musiker (nein, leider nicht: -Innen in diesem Fall) zusammen, um sozusagen im Geiste von Tesla einen virtuellen Tower zu bauen. Aus Sound.

Das klingt dann ungefähr folgendermassen - seitens des Konzepts:

wardt_g.gif

Carsten Nicolai [noto], Olaf Bender [byetone], Frank Bretschneider [komet], Marko Peljhan [mx] und Aljosa Abrahamsberg [nullo] inszenieren gemeinsam Teslas visionäre Vernetzung unter Studiobedingungen. Ihre Session ist bestimmt von Abnahme und Echtzeit-Analyse elektromagnetischer und akustischer Radio- und Satellitensignale. Die Transmissionen werden in einem vertrackten physikalischen Versuchsaufbau klanglich moduliert, transformiert und schliesslich in veränderter Form in den Äther zurückgestrahlt.

Die Kasseler Sonde war damals quasi der erste Satz einer sibirischen Symphonie, zu dem seither einige weitere gekommmen sind: Ebenfalls noch 1997 im V2 in Rotterdam, 1998 als "Solar" auf der Ars Electronica beispielsweise - und vor nicht allzu langer Zeit, nämlich dieses Jahr im März, als "pact systems / signal" im Tesla Berlin.

Das funkt auf seine Weise, ganz ohne Reinszenierung klassischer Tesla-Effekte (und mit den Funkenspulen hat Wardenclyffe eh eher wenig zu tun).

Traditionsbewusste Tesla-Fans werden sich wohl trotzdem lieber direkt an die Baupläne des Meisters halten und weiter von einer Rekonstruktion des alten Wardenclyffe Towers träumen...

[Bildchen: Freifunkturm frei zusammenfantasiert fom, pardon: vom Medium.]

Von miss.gunst am 12.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

10.07.06

Total Tesla (I): Tesla 21 (Lulic)

tsb_ksw.gifHeute vor einhunderfünfzig Jahren wurde Nikola Tesla geboren - und da gebietet es sich natürlich, mit einem kleinen Zettelkasten-Eintrag zu gratulieren.

Allein schon aufgrund unserer Vorliebe für das Medium Radio - denn wenngleich zu Teslas Lebzeiten noch sein Kollege und Konkurrent Guglielmo Marconi als Erfinder des Radio gehandelt wurde, entschied das US-Patentgericht 1943 posthum zu seinen Gunsten.
Wobei, beiseit bemerkt, das Radio als Erfindung ohnehin mehr als einen Vater und - wer häte das gedacht - tatsächlich auch Mütter hat. Aber dazu dann ein andermal ebenso mehr wie zu Teslas speziellem Beitrag.

Weil das Medium zudem eben schon eine Gratulationsadresse in der netten Nachbarschaft beim digital brainstorming Blog abgelegt hat, in der sich allerlei Hinweise rund um den Erfinder und sein heutiges Jubiläum finden, kann es sich in diesem Log.Buch ganz auf das Echo in den Gefilden von Musik, Medien und Kunst konzentrieren.

tsb_g.gifUnd beginnt mit einem leckeren Lektüre-Tipp, der sich praktischerweise gleich auch zur Beschenkung anderer JubilarInnen eignet - und natürlich erst recht zur Anschaffung fürs eigene Buchregal. Selbst für relative Lesemuffel, denn das Ganze hat eigentlich wenig Text und ist so reichhaltig illustriert, dass man schon vom lustvollen Blättern etwas hat. Das Schmökern stellt sich dann quasi von alleine ein.

2002 unternahm der Wiener Künstler Marko Lulic, der seine Kindheitsjahre in der unmittelbaren Nachbarschaft des kroatischen Dorfes Smiljan - Teslas Geburtsort - verbrachte, zunächst eine Reise nach New York, um sich dort auf die Spurensuche nach dem Erfinder bzw. den lokal wahrnehmbaren Memorabilia zu machen.
Die Ergebnisse seiner Recherchen verarbeitete er zu einer Videoarbeit mit dem Titel "Tesla 21" und brachte diese dann im Sommer ins Tesla-Museum Belgrad mit, wo er sie zusammen mit der Elektromusikerin Electric Indigo (Betreiberin des gleichnamigen Labels) im Rahmen einer Performance zur Vorstellung brachte.

Die Dokumentation des Videos, der Performance, sowie einer ganzen Reihe weiterer in diesem Zusammenhang entstandener Arbeiten ist, komplettiert durch Textbeiträge wie ein Interview von Thomas Feuerstein mit dem serbischen Philosophen, Wissenschaftler und Tesla-Spezialisten Velimir Abramovi? (ja, das ist der Bruder der Künstlerin), dann in ein Künstlerbuch eingeflossen.
Das ebenfalls "Tesla 21" heisst, von der Wiener BAWAG-Foundation herausgegeben und 2003 vom Revolver-Verlag publiziert wurde.

Als Geburtstags-Hommage damit ganze drei Jahre zu früh - aber das passt doch eigentlich bestens zu einem Mann, der mit seinen Erfindungen und Techno-Visionen in vielen Dingen zwar ein Kind seiner Zeit, dieser zugleich jedoch um Längen voraus gewesen ist. Meint jedenfalls das Medium und kann das Buch allweil nur wärmstens empfehlen.

  • Die Daten:
    Marko Lulic: Tesla 21, Hrsg. BAWAG Foundation/Christine Kintisch (= BAWAG Foundation Edition 3), Frankfurt a. M.: Revolver-Verlag, 2003
  • [Bildchen: Stammt nicht aus dem schönen Buch, sondern stellt lediglich eine klassische Teslaspulen-Entladung dar, wie sie sich auf dem Imaginationsschirm des Mediums niederschlug. Glücklicherweise nicht mit ganz so vielen Volt...]

    Von miss.gunst am 10.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.07.06

    Audio Drive (In)

    adbcb_ksw.gifUm angelegentlich die diese Woche begonnene Zettelkasten-Sammlung zum Schlagwort Drive In weiter zu kommplettieren, gleich noch ein weiteres einschlägiges Projekt fürs Archiv.
    In diesem Fall sogar jüngeren Datums - und wie es aussieht, nach wie vor aktiv: Die Audio Drive (Ins) von Sasker Scheerder und Co.

    Einen schönen Überblick über alle Audio Drive-Aktionen kann man gleich auf Scheerders Heimseiten abholen, wenn man in der Suchmaske unter "keyword" das entsprechende Stichwort anwählt.
    Lässt sich leider nicht direkt verankern - und deshalb hier noch drei ausgwählte Stationen:

    Erstmals in Deutschland war das Ganze 2003 im Rahmen des Garage-Festivals Stralsund zu erleben.
    Dort hatte Sasker Scheerder zusammen mit dem Musiker Radboud Mens zu boomcar concert eingeladen, um sein Audio Drive-Projekt vorzustellen:

    adbcb_g.gif

    Die Grundidee des Audio Drive-Ins ist die Übertragung eines elektronisch generierten Mehrkanal-Musikstückes. Die einzelnen Sounds des Stückes (verschiedene Frequenzbereiche/Instrumente etc.) werden über separate Mini-FM-Transmitter gesendet. Boomcars, geparkt auf einem bestimmten Platz (Parkplatz, Parkhaus o.ä. öffentlicher Ort), empfangen die individuellen Kanäle mit ihren Anlagen (UKW). Durch die Verstärkung über ihre Systeme setzt sich das Musikstück wieder zusammen. Durch den individuellen Klang und Charakter jedes einzelnen Systems wird das Ergebnis immer anders ausfallen. Die Boomcarbesitzer werden so selbst zu Akteuren und bestimmen die Komposition.

    In diesem Jahr wurde eine weitere boomcar-Audio-Kunstaktion bei der fine art fair in Frankfurt am Main im Beiprogramm realisiert. Dort arbeitete Scherder mit dem mexikanischen Künstler Carlos Amorales zusammen, der dafür das von ihm mitbetriebene Label "Nuevos Ricos" (lohnt übrigens, dessen Seite 'mp3 und Radio' mal näher anzuschauen) sowie das Audio-Kollektiv Aux Raus! (dito!) mit ins Boot holte.

    Genau in dieser Kombination gab es kürzlich im Juni dann noch einmal ein boomcar-Audiodrive in Berlin, diesmal auf Einladung des Club Transmediale (jetzt ausserhalb der (C)TM-Saison DISK benamst) in Koop mit dem Tesla Berlin und Radio Einszueins.

    [Bildchen: Hat wie so oft fast nix mit der hier vorgestellten Kunst zu tun. Oh nein. Sondern gibt in ungefähr das wieder, was das Medium in seinem etwas auf Abstraktion geschalteten Gehirn als boomcar-upgrade einer Standard-Autostereoanlage imaginiert. Die Grundlage hierfür lieferte aus der Wikipedia die von Andreas-horn-Hornig bereitgestellte Graphik eines 2-Kanal-Surround. Die ist mit CC-attribution-share-alike versehen, was hiermit auch für das Bildchen gilt.]

    Von miss.gunst am 09.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.07.06

    Drive In Music (Neuhaus)

    drim_ksw.gifAuch wenn es unter ökologischen Aspekten nicht ganz so gut vertretbar ist, den sommerlichen Klangspaziergang quasi auf vier Rädern fortzusetzen - der gestern mit Blick auf das "Radio Drive-In" gegebene Verweis verlangt sozusagen danach.
    Zumal sich in diesem Zuge nicht nur jüngere Audio-Aktionen, sondern auch echte Klassiker in den Zettelkasten einspeisen lassen.

    Allen voran wäre das wohl Max Neuhaus' "Drive In Music" von 1967/68 - eine Arbeit, die in der Musikkunst/Kunstmusikgeschichte als erste Klanginstallation überhaupt gehandelt wird.

    drim_g.gifDas Terrain für das Drive In war in diesem Fall eine breite Allee (in Buffalo/N.Y.). Auf einer Strecke von etwa einem halben Kilometer verteilte Neuhaus zwanzig Radiosender in den die Strasse säumenden Bäumen, die verschiedene Klangkompositionen spielten. Da sie zugleich unterschiedlich ausgerichtet waren, entstand auf diese Weise eine Reihe kontinuierlich variierender Klangfelder. Wer mit dem Auto die Allee entlangfuhr und sein Autoradio auf die richtige Frequenz eingestellt hatte, konnte nun en passant in die Klänge eintauchen.

    Klingt gut, oder?
    Eigentlich schade, dass es davon keine Neuauflage gibt. Findet jedenfalls das Medium als erklärter Neuhaus-Fan.

    Zwar hat Seppo Gründler die Drive In Music in seine "minimundus" aufgenommen, wo dem entsprechenden Re-Enactment als einer von "vier historische[n] elektronische[n] Werken im Kleinformat, voll funktionstüchtig" zu begegnen ist.
    Die Probe aufs Exempel machen dürften in diesem Fall allerdings wohl nur Kleinstlebewesen, wie das Foto des minimundus-Audio Drive In belegt. Und das Klangfeld fällt bei einem einzigen Bäumchen sicher ebenfalls schmaler aus als beim Original. Aber immerhin...

    [Bildchen: Wie so oft nicht direkt mit der hier vorgstellten künstlerischen Arbeit zu verknüpfen. Sondern eines der üblichen Gesichte, von denen das Mediums mangels Zugang zu Abbildungsrechten heimgesucht wird.]

    Von miss.gunst am 06.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.07.06

    Radio Drive-In u.a.

    aeo1_ksw.gifGleich vorab: Ist diesmal leider keine Ankündigung mit Aktualitätswert, sondern etwas, das mehr aus archivalischen Gründen in den Zettelkasten wandern muss.
    Aber die Plattform aether(1).org versammelt eben gleich mehrere Projekte, die im Radius dieses Log.Buchs von Interesse sind.

    Anders als man angesichts ihrer Benamsung annehmen könnte, geht es hier nicht um das fünfte Element, das bekanntermassen auch für die Radiogeschichte von prägendem Einfluss war - und bis heute sowohl so manche Phantasmen nährt, als auch schlicht nach wie vor als alltagssprachliche Bezeichnung für den Raum kursiert, den Radiowellen passieren.

    Wenn überhaupt, dann mehr auf Letzteren referierend, handelte es sich vielmehr um eine

    "Versuchsreihe zur Erprobung dialogischer Situationen und zur Findung anderer Formen des Austauschs über Ideen;
    [um] Versuchsanordnungen für Dialoge, die öffentlich, in inszenierten Räumen und nach zuvor festgelegten Spielregeln stattfinden, in denen die Partizipierenden nicht zu Performern werden;
    [sowie um] Dialog- und Hörräume, in denen durch die gewählten Ausnahmesituationen Bewegung entsteht, das Denken, Hören, Sprechen sich verändern kann."

    Klingt erst mal gut, aber doch allzu blumig? Nun, das Konzept wurde offenbar immerhin in mehreren solcher "Versuchsanordnungen" auch umgesetzt.

    aeo1_g.gifBeispielsweise 2000 mit dem "Road Song", für den fünf WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen jeweils allein in einem Auto durch Europa tourten und dabei per Mobiltelephon mit fünf KollegInnen Verbindung hielten, die in fünf medial bewehrten Wohnmobilen, aufgestellt in einer ehemaligen Reaktorhalle in München, als ebenso einsiedlerische EmpfängerInnen der Reiseberichte agierten.
    So jedenfalls laut Text auf den aether-Seiten, dem man ansonsten allerdings nicht entnehmen kann, ob und wie das Ganze tatsächlich auch stattgefunden hat. Immerhin findet es aber auch in einem kleinen Essay von Gisela Müller Erwähnung, wo dann spannender Weise von einer medialen Inszenierung die Rede ist - die ihrerseits aber eben nicht als Dokumentation funktioniert und insofern wohl ebenfalls offen gelassen hat, ob wann wer mit wem wie undsoweiter.

    Kurzum: Allein schon der Wohnmobile wegen, weil die nämlich noch so schön als Nachtrag zur Camping-Serie des vergangenen Sommers passen - nein, Spass beiseite, eben wegen des spannenden Konzept/Transfers (be)merkenswert.

    An die im Rahmen dieser Serie vorgestellte Frankfurter Autokino-Drive In-Show wiederum erinnert das "Radio Drive-In" aus 2002, wo man sich mit Autos auf einem Berliner Parkdeck versammelte, um ganz speziellen Frequenzen zu lauschen.
    Das heisst, genau genommen verhält es sich natürlich umgekehrt: Die Spezial-Cow Session, bei der man über das Autoradio den Ton der projizierten Vilme empfing, fand ja gute vier Jährchen später statt - und war aber auch sowieso in einem anderen konzeptuellen Radius verankert.

    Ansonsten liesse sich noch hinzufügen, dass sich Autoradio-Drive Ins in jüngerer Zeit insgesamt einer bemerkenswerten Beliebtheit erfreuen. Aber dazu dann ein andermal mehr.

    Während das Medium dringend mal stöbern muss, ob die Initiatorin der aether-Projekte - die Schweizerin Penelope Wehrli, derzeit in Berlin wohnhaft und an der HfG Karlsruhe Szenographie unterrichtend - aktuell wieder etwas Neues im Schilde führt. Denn das wird sicher wieder etwas Spannendes sein.

    Von miss.gunst am 05.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.07.06

    Singende Fischgräten (Maywa Denki)

    hafi_ksw.gifGibts nicht? Gibts doch. Oder jedenfalls so ähnlich. Selbstgebaute Musikinstrumente müssen nämlich nicht immer in Gestalt von gebendetem Gerät daherkommen.
    Den Beweis liefert am heutigen Sonntagabend (02.07.2006) Maywa Denki bzw. Firmenpräsident Tosa Nobumichi höchstselbst.

    Nach einer ersten Station im Belluard Bollwerk Fribourg am vergangenen Samstag steht nun eine der legendären Konzert-Performances im Verkaufsveranstaltungsformat im Zürcher Walcheturm auf dem Tourprogramm des rührigen Kunstfabrikanten und Bastlers skuriller Musikinstrumente.

    hafi_g.gifEine ausführliche Ankündigung hat das Medium zwar schon in der netten Nachbarschaft beim Digital Brainstorming Blog abgelegt.
    Weshalb es sich eigentlich empfiehlt, ab dieser Stelle dort weiterzulesen.

    Da die Maywa Denki-Produktionen aber unbedingt auch in den HOME MADE-Zettelkasten gehören, müssen in selbigem wenigstens die wichtigsten Anker notiert werden.

    Als da wären allen voran natürlich die Repräsentanz der Firma im WWW, mit allem was dazugehört, also einer ausführlichen Vorstellung der Produktion, der Aktivitäten der Firma und so weiter.

    Weil offenbar der derzeit erfolgreichste Produktionszweig (was nicht weiter wundert, weil sie a) einfach niedlich und folglich auch nicht so verstörend wie mancher andere Maywa Denki-Artikel sind und b) auch recht erschwinglich), haben die Knockman-Musiktoys mittlerweile eigene Netzseiten bekommen.

    Sodann gibt es ein lesenswertes Interview mit Tosa Nobumichi von Captain Japan aus 2004.

    Das wiederum wurde seinerzeit anlässlich der Einzelausstellung geführt, die das ICC International Center of Contemporary Art Tokio Maywa Denki 2004 ausgerichtet hat und deren online-Dokumentation ebenfalls einen ansehnlichen Fundus an Texten, Bildern und Informationen bietet.

    Desweiteren sei auf einen Videoclip verwiesen, den Marius Watz von der ars electronica 2003 mitgebracht hat, deren Eröffnungsabend Maywa Denki mit einer Konzertperformance bereicherte.

    Sowie auf ARTE, wo es vergangenen März in einer Folge der Serie Tracks, die dem HOME MADE insgesamt nahe stehenden Thema "Vision – Do it Yourself" gewidmet war, ein Porträt (Vilmchen im ram-Format, muss direkt von der Seite aus gestartet werden).

    [Bildchen: Ist selbstredend keine Maywa Denki-Kreation. Sondern schlicht was dabei herumkommt, wenn ein Medium über Musikinstrumente aus Fisch(grät)en meditiert.]

    Von miss.gunst am 02.07.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    28.06.06

    Geheime Zirkel (Walters)

    gltr_ksw.gifUnd gleich noch eine Runde. Die machen wir mit bzw. zu den Mystery Circuits von Mike Walters.

    Wie der Name des Projekts schon ahnen lässt, steht auch hier das Bändigen bzw. Umbiegen von Stromkreisen im Zentrum der Aktivitäten.

    Erwartungsgemäss hat es auch eine kleine Liga von Klassikern, nämlich modifizierten Keyboards - aber man kann Mr. Mystery Circuits durchaus einen eigenen Stil zugestehen. Im Fall des CPL953H ist die Veredelung des Plastiktasteninstruments schon äusserlich sofort zu sehen - und wenn man dann noch liest, dass einer der Oszillatoren nunmehr über einen Lichtsensor zu steuern ist, klingt das auch ziemlich spannend (wie das gebendete gute Stück selbst klingt, kann man einem mp3 entnehmen).

    gltr_g.gifNoch netter anzusehen sind allerdings unfreiwillig zu Musikinstrumenten mutierte Dinge wie das (der?) von Walters auch in Konzerten zum Einsatz gebrachte Globotron (grunzt und knarzt mit Vorliebe, wie die mp3-Probe belegt).
    Oder das tatsächlich äusserst mysteriös ausschauende Penatron, das vermutlich auch als akustische Abwehrwaffe gegen Aliens aller Art erfolgreich zum Einsatz gebracht werden kann (Beweis: mp3).

    Wirklich um einen geheimen Zirkel handelt es sich bei dem Grüppchen dieser Kreationen natürlich nicht - das heisst: Wenn, dann ist ihnen ihr Geheimnis jeweils auf kreative Weise entrissen worden. Und wie Walters dabei jeweils vorgegangen ist, erklärt er auch ziemlich detailliert zu jedem Stück.

    Nun würde man diese schönen Instrumente vielleicht gerne mal in concert hören - was im Prinzip sogar möglich ist, insofern Walters eben auch in einer Band (namens Jett Rink) spielt, wo wiederum offenbar auch das eine oder andere gelegentlich zum Einsatz kommt. Und siehe da, auf deren Heimseite gibt es im Bereich Sounds auch akustische Kostproben. Hm.

    Nun: Trotz sensibelst gespitzter Öhrchen hat mindestens das Medium so direkt nicht ausmachen können, ob da ein Globotron mitspielen durfte.
    Warum? Einfach mal reinhören, dann beantwortet sich diese Frage sicher von selbst.

    [Bildchen: Des Mediums Variation aufs Thema Globotron. Naja. Und GNU. Die materiale Grundlage fürs Bending verdankt es nämlich mal wieder der Wikipedia, für die Stephan Kern einen hübschen Globus festgehalten hat.]

    Von miss.gunst am 28.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    27.06.06

    Gehacktes ff. (Gieskes)

    wawa_ksw.gifVon Nic Collins' Hardware Hacking verführt, wollen wir mal abwechslungsweise wieder vom braven Pfad unserer sommerlichen Klangspaziergänge abweichen und schauen, was sich im Bereich der Bended Toys so getan hat in letzter Zeit.
    Eine Adresse, die man da unbedingt auf eine Zettelkastenkarte setzen sollte, ist die von gieskes.nl.

    Hinter der steckt nämlich die rundum leckere Heimseite des Holländers Gijs Gieskes. Welchselbige wirklich prall gefüllt ist mit höchst anschaulich dokumentierten Projekten auf diesem Gebiet.

    wawa_g2.gifMit klassischem Circuit Bending bearbeitete Gerätschaften zur Klangerzeugung (darunter neben dem obligaten Gameboy auch Legenden wie ein Roland TR 707, klingt übrigens so (mp3)) sind dabei nur ein Aktivitätsfeld des äusserst kreativen Soundbastlers.

    Vor allem baut er nämlich auch selbst Instrumente, die dann beispielsweise Totem Tone Wheel heissen und sehr sonor schnurren resp. schwingen können (mp3). Spannend schaut auch der Sequenzer aus Holz aus - würde vermutlich den beiden Elektrobassisten von anyma gefallen.

    Des Mediums Lieblinsseite ist allerdings diejenige mit den Sound Toys.
    Mit denen kann man nämlich auch online prima spielen. Fein!

    [Bildchen: Um nicht zum dritten Mal in Reihe Drähte zu featuren, hat sich das Medium von einem der netten Soundtoys inspirieren lassen. Die Mutter der Nuss war dankenswerter Weise, weil GNU-lizensiert, aus der Wikipedia zu knacken - was folglich auch auf dieses Exemplar zu übertragen ist. Geschüttelt hat das Medium bereits, das Echo dazu gibts auf Gieskes Seiten.]

    Von miss.gunst am 27.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    26.06.06

    Hardware Hacking (Collins)

    nchh_ksw.gifWie gestern versprochen heute also eine Erläuterung des geheimnisvollen Konnexes zwischen Geister-LCDs, Gelatine aus Rinderhufen und Hoden zum Frühstück.
    Das fehlende Bindeglied - nicht nur Zauberwort in diesem Fall, sondern sozusagen ganz praktisch zu denkendes Weltbewegungsprinzip - lautet natürlich: Hardware Hacking.

    Denn es bezeichnet einerseits präzis das Revitalisierungsverfahren, mit dem Nicolas Collins die LCDs wiedererweckt und in seine leuchtenden Daguerreotypes verwandelt hat.

    nchh_g1.gifAndererseits vermittelt Collins eben auch regelmässig einschlägige Grundkenntnisse in Workhops - so beispielsweise demnächst auch im Rahmen der diesjährigen HOME MADE LABOR-Saison, wo er während der Zürcher Klangbastelwochen vom 12.09. bis 15.09.06 im Walcheturm einen entsprechenden Kurs anbietet (online-Anmeldeformular direkt hier). Mit einschlägen Aktivitäten vor Ort ist er damit übrigens schon zum zweiten Mal, denn im vergangenen Frühjahr gab er bereits auf Einladung des Studienbereichs Neue Medien der HGKZ Einblicke in den Umgang mit Platinen und Lötkolben sowie zusammen mit Norbert Möslang ein Konzert im Walcheturm, über die es wiederum u.a. beim Kollegen Sternenjäger einen kleinen Bericht sowie jede Menge schöner Fotos gibt. [Achtung, die Anker dort funktionieren allerdings nicht mehr - denn die SNM-Seiten zum Projekt weilen inzwischen in den ewigen Jagdgründen, wie es scheint.]

    Wer nun zum diesjährigen Termin bedauerlicherweise keine Zeit hat oder sich im positiven Fall angemessen vorbereiten möchte - oder aber wer einfach mehr zum Thema Hardware Hacking wissen will:

    Endlich ist auch Nic Collings lang erwartetes Buch zum Thema erschienen. Selbstredend alles andere als ein Staubfänger voller grauer Theorie:

    The Book teaches a style of intuitive and sensual experimentation that has been lost in this day of prefabricated electronic musical instruments whose inner workings are not open to experimentation. It encourages artists to transcend their fear of electronic technology to launch themselves into the pleasure of working creatively with all kinds of analog circuitry

    ... um mal den (gut: erwartungsgewmäss vielversprechenden) Klappentext zu zitieren.
    Aber auch aus eigener Anschauung und Lektüre kann versichert werden:
    Dieses Buch ist praxisorientiert, gut verständlich verfasst und ausserdem ziemlich kurzweilig obendrein.

    Im Buch hat es - um nochmal auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen - übrigens auch ein Kapitel, genauer gesagt (siehe Inhaltsverzeichnis): Das Kap. 26 in Teil V, das von "LCD Art - Making animated modern daguerreotypes and alternative video projectors" handelt. Also eben solchen Sachen, wie sie zur Zeit in Berlin zu sehen sind.

    nchh_g2.gifNormalerweise verankert das Medium ja nicht direkt zum online-Buchhandel - doch da dieser das Buch von Collins gerade so nett mit dem eines anderen alten Bekannten zum Leib-und-Magen-Thema Circuit Bending im Doppelpack anbietet, muss das ausnahmsweise mal sein.

    Achja, da war doch noch etwas: Nicht nur diejenigen, die sich mehr über einen deutschsprachigen Text von Collings freuen würden, dürfen sich gleich noch eine Buchpublikation vormerken:
    Demnächst erscheint nämlich auch HOME MADE ELECTRONICS, das Buch zum HOME MADE LABOR. Und da ist unter anderem ein ebensolcher drin. Aber natürlich noch viel viel mehr - doch dazu dann zu gegebener Zeit...

    [Bildchen: Für die geht der Dank diesmal an Dominik Landwehr a.k.a. Sternenjäger, aus dessen oben verankertem Archiv sich das Medium freudig bedienen konnte.]

    Von miss.gunst am 26.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.06.06

    Algorithmusmusik (society of algorithm)

    soa06_ksw.gifGleich weiter im Takt bzw. in Sachen sonambiente-Ambulatorium - und zwar mit der zweiten webbasierten Arbeit, die als online-Beitrag zur Ausstellung im Bereich "net music" geführt wird.
    Und die einen völlig anderen Zugang bietet als Ana Torfs gestern vorgestellte "Approximations - Contradictions" an/zu Eisler:
    Die Patamutation(en) der "society of algorithm".

    Hinter der bzw. denen - denn aktuell sind Werk und virtuelle Repräsentanz quasi eins - stehen zwei nicht ganz unbekannte Aktive der elektronischen Musik, nämlich Guy van Belle und Akihiro Kubota sowie ihr Kollege (oder handelt es sich um eine Kollegin? oder ... ein Medium?) Isjtar.

    soa06_g.gifWie der Name der Gesellschaft schon ahnen lässt, geht es um ein nachgerade klassisches Verfahren der elektronischen Musikkomposition, nämlich die Komposition mit Algorithmen - die in diesem Fall offenbar von einem fleissigen Bot verfolgt wird, dessen unermüdliche Tätigkeit man durch den Besuch der Webseite während des Festivals offenbar auch beeinflusst bzw. beeinflussen können soll:

    … während des festivals lässt society of algorithm auf grundlage einer evolvierenden matrix, die als bild und klang ausgelesen wird, ein internet-stück entstehen. im verlauf von zwei monaten können sich teilnehmer, aus berlin und anderswo, an die matrix anschließen und in den generativen prozess eingreifen, unter verwendung von algorithmen, die die evolution beeinflussen …

    Aber wie kitzelt man Automaten unter den Achselhöhlen? Oder vielleicht etwas passender? Wie reisst man einem algorithmischen Finken des Programmloop-Stöckchen aus dem Schnabel resp. einem dominanten Gen?
    Das ist dem Medium, ehrlich gestanden, noch nicht so ganz glasglockenklar geworden. Wenn man sich nämlich der online-Patamutationsmaschine musikgenmanipulationswillig nähert, läuft die scheinbar ganz unbeeindruckt weiter.

    Klickt man dagegen auf die Fensterchen, so scheinen Bild und Ton einen solchen eher brachialen Eingriff nicht gerade gut zu vertragen - sie frieren ein.
    Ob dann, weil man es vor dem Schirm natürlich mit dem Phänotyp zu tun hat, im Hintergrund versteckte Selektionsprozesse ablaufen?

    Hm. Darüber grübelt das Medium zur Stunde noch...

    [Bildchen: Zeigen, soweit es stehende Bilder zeigen können - nämlich mehr oder weniger nicht und in jedem falle ungenügend, wovon hier die Rede ist. Also besser direkt auf zum Quell der Permutationen...]

    Von miss.gunst am 07.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.06.06

    Songs Singen (Torfs)

    ato_ksw.gifMit Netzmusik würde man diese Arbeit sicher nicht assoziieren - und warum sie just im Rahmen der sonambiente als einer von zwei webbasierten Ausstellungsbeiträgen des Festivals präsentiert wird, mag vielleicht auf den ersten Blick auch nicht ganz einleuchten. Auf den zweiten dann schon, aber dazu später mehr.
    Erst mal: Auf zu Ana Torfs "Approximations - Contradictions".

    Annäherungen - Widerprüche also. Das klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht.
    Ana Torfs hat professionelle SängerInnen dazu eingeladen, sich mit dem "Hollywood Songbook" zu beschäftigen, einer Sammlung von Liedern, die Hanns Eisler zwischen 1938 und 1943 zu Texten von Bert Brecht, Hölderlin, Goethe und anderen komponierte.

    ato_g.gifMit jeder bzw. jedem der einundzwanzig Eingeladenen wurde dann ein Lied in jeweils drei Versionen aufgenommen: Die erste - über den Namen der Sängerin/des Sängers erreichbar - zeigt diese/n beim mentalen Einstudieren des Liedes, also quasi Inneren Gesang.
    Über die Linie zwischen Namen und Liedtitel wird eine zweite Fassung aktiviert, bei der man das Lied nun aus dem Munde der Sängerin/des Sängers hört - wie der ebenfalls eingeblendete Pianist ist der/die Interpret/in in schlichtem Weiss gekleidet.
    Für die dritte Variante wurden die SängerInnen gebeten, sich mit dem und für das Lied zu inszenieren - zur musikalischen tritt damit eine gestische und körperliche Interpretation, die in den ersten beiden Fassungen bewusst zurückgenommen bzw. nach Innen verlagert ist.

    Eine schöne Arbeit - die trotz des nicht unbedingt gerade heiteren Hintergrunds, den man den im Exil entstandenen "Hollywood Songs" durchaus anmerkt, leicht und offen wirkt.

    Warum sie - obwohl schon zwei Jahre alt und eigentlich fürs New Yorker Dia Center entstanden - für die sonambiente ausgewählt wurde? Nun, vielleicht weil Ana Torfs auch schon bei der ersten sonambiente vor genau zehn Jahren, mit einer ebenfalls sehr berührenden Video-Installation dabei gewesen ist.
    Und sich gerade erst mit einer gelungenen Einzelschau in der GAK Bremen ausführlicher hat vorstellen dürfen - die das Medium wärmstens für einen Abstecher (vielleicht nicht von Berlin aus - aber es gehen ja Gerüchte, das in den nächsten Wochen einige Menschen auch an andere Orte in Deutschland reisen werden) empfohlen hätte. Leider ist die aber schon vorbei.

    Um so besser, dass man "Approximations - Contradictions" alle Tage und bequem von jedem Ort aus anschauen kann. Es lohnt sich - und eignet sich, nebenbei bemerkt und um die gute Tradition des Log.Buchs auch für auf Pfingstmontage folgende Diens(t)tage zu wahren, auch für einen guten Einstieg in die Arbeitswoche...

    Von miss.gunst am 06.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    30.05.06

    Grillen

    gri_ksw.gifWer bei dieser Überschrift an Fleischzubereitung, idealerweise im Freien denkt, liegt falsch. Erst mal jedenfalls.
    Denn inspiriert vom Pestival hat das Medium seinen Radar nach wie vor auf Insekten(musik) justiert.
    Und diejenige, welche jene kleinen Hüpfer produzieren, die man Grillen nennt, zählt sozusagen zu den Klassikern des Genres.

    Weniger, weil man hierzulande Kindern gerne die Fabel von der Grille und der Ameise erzählt, um sie beizeiten mit der Brotlosigkeit der Künste vertraut zu machen (jedenfalls wäre das auch eine angemessene Interpretation - wenngleich der moralische Tenor bei de la Fontaine ff. eigentlich ein wenig anders gelagert ist).

    gri_g.gifSondern vielmehr, weil die Grille in Asien schon seit Jahrhunderten als musizierendes Haustier geschätzt wird. Hierzu kompakt mehr in einem lesenswerten Artikel über die Chinesische Grillen-Kultur.
    [Das Buch schlechthin zum Thema scheint "Insect Musicians and Cricket Champions. A Cultural History of Singing Insects in China and Japan" von Lisa Gail Ryan (China Books, 1996) zu sein - zu dem leider keine ausführlichere Besprechung aufzutreiben war. Aber in der Bibliothek war es aufzuspüren, daher bei Gelegenheit noch ein Nachtrag.]

    Offen gestanden: Bei aller Verehrung, die dem zirpenden Tier entgegengebracht werden mag und ungeachtet der kostbaren Gestaltung mancher Grillenhaltungsschachteln - das Medium hat es nicht so mit der Zwangsverpflichtung von MusikerInnen.
    Um so angenehmer, dass man sich dank der elektronischen Kommunikationstechnologien auch an Grillenmusik erfreuen kann, ohne selbst kleine Sechsbeiner inkarkerieren zu müssen.
    Für ebendiesen Zweck sei daher ein Besuch bei der "Insect Sound World" von Kazuyuki Hashimoto empfohlen - zumal der Japaner offenbar einen Gutteil der von ihm gesammelten Grillengesänge in der freien Wildbahn aufgenommen hat.

    Ach ja, a propos frei und Wild bzw. Freiwild. Manche jagen Grillen natürlich auch zu ganz anderen Zwecken. Für diejenigen, denen angesichts der Überschrift voreilig das Wasser im Munde zusammengelaufen war, hat das Medium tatsächlich auch noch ein Rezept in Petto. Und zwar für knusprige Grillenschokokekse [sic, so lautet die Übersetzung des Gerichts].
    Bereitgestellt wurde es übrigens nicht etwa von eingefleischten Insektenhassern oder erklärten Grillenverächtern. Sondern vielmehr von Menschen vom Fach, also Entymologen. Die haben ihre Grillen offenbar wirklich zum Fressen gern.

    [Lecker Bildchen: Dessen Vorlage wurde von Eric Steinert aufgenommen und dankenswerterweise unter GNU-FDL zur Verfügung gestellt, der folglich auch die hier eingestellte Variation unterliegt.]

    Von miss.gunst am 30.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    29.05.06

    Der Käfer mit der Kamera

    kaefi_ksw.gifNein, der Mann mit der Kamera - der ja auch schon einmal Gegenstand eines Log.Buch-Eintrags war - ist diesmal wirklich nicht gemeint, sondern tatsächlich ein sechsbeiniger Filmschaffender.

    Ein Käfer als Kameramann? Doch, genau so ist es - und der Film, in dem er eine tragende Rolle spielt, hat obendrein noch einige Jährchen mehr auf dem Buckel als Dziga Vertovs berühmter Kinoapparatom:

    Sage und schreibe 1912 (vielleicht sogar schon ein Jahr zuvor, es kursieren unterschiedliche Datierungen) drehte der polnische Regisseur (W)ladislaw Starewicz seinen dreizehnminütigen Animationsfilm "The Cameraman's Revenge", also: "Die Rache des Kameramanns" (im OT: MIEST KINOOPERATORA). Ungeachtet der sich aus zeitgenössischer Perspektive unweigerlich stellenden Frage: "Wurden für diesen Film Tiere gequält?" (Antwort: Nunja, sie waren beim Drehtermin wohl schon ziemlich tot) eine wirklich ausgesprochen herzige und herzanrührende Geschichte um in verschiedene Liebeleien verstrickte Insekten - in der eben auch das Kino eine tragende Rolle spielt.

    Mehr dazu - inklusive kleiner Filmausschnitte, die per Mausklick auf die Bilder in Gang gesetzt werden können - findet man auf der liebevoll aufbereiteten Webseite zum Film.

    kaefi_g.gifIn deren direktem Umfeld auf Tim Fitzpatricks Animation Heaven & Hell-Seiten kann das Medium speziell InsektenfreundInnen ungeachtet der etwas unpassenden Jahreszeit zudem noch einen Blick auf eine weitere einschlägige Starewicz-Produktion, nämlich "The Insects's Christmas" (1912) empfehlen.

    Der Kurzbiographie des Filmemachers ist übrigens zu entnehmen, dass er anfangs in Russland und Litauen sogar Dokumentarfilme über (dann mutmasslich noch lebende, nicht wiederbelebte) Insekten gedreht hat. Über diese wiederum ist - von den Titeln abgesehen - allerdings auch in den weiten Gefilden des Netzes leider praktisch nichts zu finden.
    Tatsächlich sind, von Fitzpatricks Seiten abgesehen, der Eintrag zu Starewicz in der polnischen Wikipedia und sein nur geringfügig kürzeres englisches Äquivalent noch die ausführlichsten Sekundärquellen.
    Selbst die französisch und englisch verfügbaren Seiten, die von Starewicz' Familie betreut werden,
    schweigen leider über dieses Frühwerk.
    Dafür wird dort als Surplus u.a. ein FAQ zu den Filmen geboten (könnte man also mal entsprechend nutzen) - sowie auch eine Seite, auf der Termine für Screenings der Filme gelistet sind.

    Liebend gern würde das Medium diesen Zettelkasteneintrag mit einem Verweis auf eine aktuelle Aufführung in der Schweiz verbinden. Auf grosser Leinwand ist er aber dieser Tage (na, wer hätte das gedacht) nur beim Londoner Pestival zu sehen.

    Einen tröstlichen Ersatz für das grosse Krabbeln kleiner Helden auf grosser Leinwand gibt es aber: Dafür sorgt das hier schon häufiger gelobte und gepriesene ubuweb mit seiner sowieso grandiosen Filmsammlung, wo man sich nämlich sich beide Insektenanimationsfilme komplett anschauen und herunterladen kann (und zwar direkt, weshalb hier keine Anker gesetzt werden - schliesslich handelt es sich schon um eine mächtige Portion MB).

    Na, wenn das kein netter Einstieg in eine emsige Arbeitswoche ist!

    [Bildchen: Natürlich nicht Starewicz, sondern selbst gefilmt.]

    Von miss.gunst am 29.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    28.05.06

    Schwarmmusik (Blackwell)

    swa_ksw.gifNicht auf dem Pestival vertreten, aber auf seine Weise durchaus ein Spezialist für Insektenmusik ist Tim Blackwell, der immerhin in nächster Nachbarschaft zu ersterem am Londoner Goldsmith unterrichtet.

    Blackwell hat nämlich ein Swarm Music-Programm entwickelt, das vom Schwarmverhalten inspiriert ist, wie es in der Natur unter anderem - genau: bei einigen prominenten Insektenarten begegnet und das mithilfe eines "Schwarms musikalischer Ereignisse Musikimprovisationen entwickeln soll". Letzteres mag vielleicht etwas trocken klingen, weil in der Sprache eines Informatikers formuliert.

    Aber zusammen mit den Illustrationen ist die Kurzbeschreibung, die Blackwell selbst auf seinen Projektseiten gibt, durchaus anschaulich - und wer sich näher für das Konzept interessiert, kann dazu einen Aufsatz (pdf) lesen, in dem er detaillierter über Improvisationen mit dem Schwarm-Musikprogramm schreibt und das Ganze auch schwarm- und musiktheoretisch weiter einbindet. Den kann das Medium wirklich sehr empfehlen.

    swa_g.gifAktuell ist gerade noch ein zweiter Text zum Thema "Swarming and Music" (ebenfalls pdf), der allerdings ungeachtet des eher unverfänglichen Titels ziemlich detailliert in die zugrunde liegenden Algorithmen einsteigt - während das Medium zugeben muss, da bei der ersten Lektüre doch irgendwann wenn nicht ausgestiegen zu sein, dann doch die eine oder andere Diagonale genommen zu haben.

    Auf jeden Fall sollte man sich aber die Hörproben zu Gemüte führen, die auf der Seite als mp3-files abrufbar sind.

    Ja, zugegeben: Nach Insektenmusik klingt das nicht wirklich - am allerwenigsten der autonome, also rein systemgenerierte Klangschwarm (mp3). Hingegen scheint sich im zweiten Klangbeispiel (mp3), wo ein menschlicher Partner dazu kommt, wenigstens die Stimme ein kleinwenig der Mimikry zu befleissigen.

    Nun gut: Zum Drittbesten im Summen oder Brummen dürfte auch das nicht reichen. Hat aber auch niemand behauptet, dass wir bei Swarm Music zwangsläufig an Insektenschwärme denken müssen; schliesslich organisiert sich in der Natur auch sonst so Einiges in dieser Form.
    Und das Medium hat einen guten Grund, um so eifriger weiter nach elektronischen Insekten ausschwärmen...

    [Bildchen: Selbstredend nicht Blackwells Schwarmmusikschwarm. Sondern einer, den das Medium so auf seinem Radar eingefangen hat. Summt sehr leise - allenfalls vernehmbar, wenn man das Ohr ganz ganz dicht an den Bildschirm schmiegt.]

    Von miss.gunst am 28.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    22.05.06

    audible picture show (Matt Hulse)

    aps_ksw.gifGehört (mit Betonung auf: -"hört") jetzt noch zur EMAF-Kulturbeutelleerung, aber hat als Eintrag Zettelkastenwert.
    Zwar muss man Matt Hulse und seine "Audible Picture Show" eigentlich live gesehen (bzw.: gehört) haben. Wie beispielsweise auf dem EMAF, auf dem er gerade zu Gast gewesen ist.
    Doch ein paar Appetithäppchen gibt es eben auch online - und nicht nur deshalb lohnt es, einen Eintrag zu machen.

    Jaded by a world bombarded with images? Let the Audible Picture Show remind you what cinema is capable of!

    aps_g.gifGenau: Kino besteht nicht nur aus Bildern. Und genau das lässt sich in Matt Hulse' "Audible Picture Show" beim Wort nehmen. Ein Kino für alles, was es zu hören gibt, wenn das Licht ausgeht - aber kein Film läuft. Oder besser: Eben ein anderer Film als der, den man erwartet hat. Einer für die Ohren.

    Wer mehr über das Projekt und seine Geschichte erfahren möchte, kann dazu ein Interview nachlesen, das Katia Dunn 2004 anlässlich des Third Coast Audio Festival (Chicago) mit ihm geführt hat. In dessen Audio-Archiv gibt es übrigens auch eine komplette APS.

    Häppchenweise lassen sich aber, wie einleitend geschrieben, auch einige Highlights auf den Audible Picture Show-Seiten abhören. Klar: Kein Ersatz für Hulse live - aber vielleicht appetitanregend genug, um ihn mal einzuladen.
    Und als kleine auditive Erfrischung, der guten Tradition dieses Log.Buchs entsprechend, doch sicher ein netter Einstieg in die Woche...

    Von miss.gunst am 22.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    21.05.06

    Solar Radio Station

    srst_ksw.gifVon den Video-Festivals aus aktuellem Anlass ein kleiner Sprung hinüber in den Radius einschlägiger Audio-Aktivitäten.
    Planetenklänge haben sich ja schon häufiger im Radar dieses Log.Buchs verfangen - logisch, dass sich das Medium von einem Projekt magnetisch angezogen fühlen muss, das "Solar Radio Station" heisst.

    Zu sehen ist die gleichnamige Installation seit vorgestern im Rahmen einer Ausstellung im Hartware Medienkunstverein in Dortmund - und im weitesten Sinne gehört sie zum dort aktuell verfolgten Schwerpunkt zu Kunst aus Litauen, Estland und Lettland, auf den neulich schon anlässlich des Elektronik Baltikum-Festivals verwiesen wurde (siehe: diverses in dortmund).

    srst_g.gifDie Solar Radio Station an sich ist aber mehr als das. Denn sie gehört zur Radio-Astronomie, die Honor Hager und Adam Hyde von der neuseeländischen Künstlergruppe radioqualia seit einiger Zeit verfolgen. In diesem Fall haben sie sich mit weiteren langjährigen Kunst- und NetzradiospezialistInnen, nämlich Raitis Smits, Rasa Smite, Martins Ratniks und Davis Bojars vom lettischen Medienkunstzentrum RIXC in Riga zusammengetan. Das wiederum das weltweit grösste Radioteleskop VIRAC in Irbene (ebenfalls Lettland) für kulturelle Aktivitäten erschlossen hat - so dass es nun eben "als" bzw. für die "Solar Radio Station" genutzt werden kann.

    Eine ausführliche Projektbeschreibung mit Bildern von der Basis und Funktionsschema gibt es auf den Seiten von RIXC - und dort kann man sich sogar in die Audio-Aussendungen aus Irbene und aus Dortmund einschalten.

    Letzteres wiederum könnte sich insbesondere heute (21.05.06) abend zwischen 19.00 Uhr und 21.00 Uhr empfehlen. Dann nämlich werden die Sound-Artisten von Clausthome die Installation live bespielen bzw. die Sonnenradioklänge musikalisch weiterverarbeiten.

    Ob man davon in den Audiostreams etwas mitbekommt, weiss das Medium leider nicht zu versichern. Falls nicht, kann man sich ersatzweise ein wenig an den Audio/Video-Clips erfreuen, die auf den Clausthome-Seiten zu sehen resp. zu hören sind (per Klick auf die Bildchen rechts zu aktivieren).

    Und ansonsten wird sowohl auf radioqualia als auf RIXC wird gelegentlich ausführlicher zurück zu kommen sein - bei beiden gibt es nämlich noch einige andere Projekte, die sich schon vor längerer Zeit im Radar des Mediums verfangen haben. Aber dazu dann ein andermal mehr.

    [Bildchen: VIRAC via HMKV - so, wie es dann auf dem Schirm des Mediums angekommen ist.]

    Von miss.gunst am 21.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.05.06

    Zeichenmaschinen ff. (f18)

    zr_ksw.gifA propos Zeichenmaschinen. Die etwas ausführlicheren kunst- und computergraphikgeschichtlichen Gründeleien im bzw. für den Zettelkasten wird es zwar eher mal bei einer späteren Gelegenheit geben.
    Aber historisch (und teils auch geographisch) näher Liegendes kann dann doch noch auf die Schnelle nachgereicht werden.

    So lange ist es schliesslich nicht her, dass Playground Robotics durch verschiedene Schweizer Städte zog - und im Kunstmuseum Solothurn war damals, von Spätsommer bis Herbst 2004, die zugehörige Ausstellung "Wenn Roboter zeichnen" zu sehen.

    zr_g.gifWas man schon auf den Museums-Archivseiten in vollem Glanz bewundern kann, ist einer der beiden Zeichenroboter (Jahrgang 1998), die Lars Vaupel von f18 Institut in Hamburg beigesteuert hatte.

    Zwei sehr talentierte Gesellen, wie man schon auf den wenigen kleinen Bildchen sehen kann. Dessins automatiques vom Feinsten.
    Das Medium will schier vor Neid zerspringen...

    Von miss.gunst am 13.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.05.06

    Radia Radio Netzwerk (WRT)

    rad_ksw.gifWeil das Medium dieser Tage leider nur eilig über sein Log.Buch huschen kann, holt es heute zum Ausgleich einen Webradio-Tipp aus seiner virtuellen Botanisiertrommel, der um so nachhaltigeres und vielfältigeres Ohrenfutter verspricht:
    Den Anker zum Radia Radio Netzwerk nämlich.

    Selbiges vereint eine ganze Reihe von gern gehörten freien Radio(initiativen), die einesteils - wie das österreichische Kunstradio oder das Londoner Resonance.fm - hier schon häufiger mal wärmstens empfohlen worden sind. Und die man anderenteils auf diese Weise gleich mal selbst erkunden bzw. aural beschnuppern kann.

    rad_g1.gifBei Radia landen nämlich ausgwählte Sendungen der beteiligten Radios (eine Übersicht bietet die Blogrolle auf der Hauptseite rechts), die sich aus dem Programmangebot bzw. dessen Archiv auswählen und in Form von mp3s zu Gemüte führen lassen.

    Für das gemeinschaftlich geplante Spezialprojekt "Territorien / territories" - "a series of urban and acoustic interventions taking place across Europe" - wurde ein eigenes Schubfach bzw. Sub-Blog angelegt; Sendungen resp. Dokumentationen solcher Interventionen gibt es dort noch nicht, weil das Ganze noch in Vorbereitung ist, immerhin jedoch Beiträge, die das Terrain schon mal ein bisschen sondieren.

    rad_g2.gifAusserdem sollten auf den Spektrum-Seiten Sammlungen mit Materialien zur Radio-Theorie und zur Radio-Kunst, zu Software und zu Hardware entstehen - nunja, da ist noch nicht grad viel, mit Ausnahme einer kleinen Auswahl unsortierter Anker im mutmasslichen Kraut-und-Rüben-Bereich "Links".

    Aber dafür beginnt ja bereits besagtes Programmarchiv mählich zu wachsen - und wenn das nicht reicht, kann man sich zudem ja immer auch noch an die Quellen halten, von denen mehr und mehr über Webstreams verfügen (ja, dazu wird das Medium früher oder später sicher noch den einen oder anderen Eintrag verfassen).

    Wie üblich will das Medium nicht schliessen, ohne noch eine persönliche Empfehlung abzugeben.
    Die wäre bzw. ist in diesem Fall eine Sendung des tschechischen Radios lemurie t.a.z. (wohl frei nach Hakim Bey, in diesem Fall aber anstatt mit 'Temporäre Autonome Zone' mit time autonomous zone zu übersetzen).
    Und zwar - "from the Archives of a Lunatic (Radio Lemurie files)" - eine kleine, halbstündige

    melange of sound files [...] chosen by an imaginary mascot a night creature named Lemorona who browsed through the dusty boxes full of tapes, records and cassettes
    namens Ewigkeit (als mp3 dort direkt abrufbar).

    Wirklich wunderschön - wenngleich, kleine Warnung, vielleicht nicht so arg gut geeignet als Frühstücksradio. Es sei denn, dass man sich dann auch durch den Tag träumen will...

    Von miss.gunst am 10.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.05.06

    Noch mehr Neuhaus

    mnh_ksw.gifAnlässlich des gestrigen Eintrags zum "Time Piece Beacon" ist das Medium nun noch mal selbst ein bisschen auf Max Neuhaus' Heimseiten lustwandeln gegangen.

    Für diejenigen, die dem entsprechenden Anker gestern noch nicht gefolgt sind - aber auch einfach als Eintrag in den Zettelkasten, weil es eine ganze Reihe von Verknüpfungen zu Themen gibt, die im Rahmen von HOME MADE ganz besonders interessieren, also ein paar ausgewählte Verweise.

    Da wären beispielsweise, quasi als Nachtrag zum allerersten Eintrag zu Neuhaus (vom 24.09.05), bei dem es um das "RadioNet" (1977) ging, in der Sektion "Audio und Video" zum Anhören ein jüngeres Interview (aus 2005) und, besonderer Leckerbissen, ein Video zum Entstehungshintergrund (aus 1977). Sowie dazu noch verschiedene Audio-Stücke und ein einen Text mit weiteren Reflexionen.
    [Alle diese Zuckerl öffnen bei Neuhaus seitenintern im Hauptrahmen, weshalb hier auf direkte Anker verzichtet werden muss - aber die Seiten sind lobenswert übersichtlich gestaltet, wer finden will, muss also nicht lang suchen...]

    mnh_g.gifWeiters hat es dann noch für diejenigen, die sich für das Umfeld des "Time Piece Beacon" interessieren, Zeichnungen und einen kleinen Clip zu Neuhaus für den gleichnamigen Platz geschaffenen "Time Square", die im Bereich "Sound Works" über die Liste der permanenten Installationen zugänglich sind.

    Und FreundInnen der Klanggärtnerei seien noch auf Neuhaus' ab den 1980er Jahren verfolgtes Konzept der "Aural Gardens" hingewiesen, zu dem es anschauliches Material im Bereich "Open Forms" sowie selbstredend auch realisierte "Sound Works" hat.

    Undundund. Ja, und mindestens eine weitere aktuellere Arbeit gibt es natürlich noch, die im Radius von HOME MADE eigentlich ganz besonders interessieren muss. Nicht schwer zu erraten, worum es sich da handelt. Aaaaber die soll in den nächsten Tagen dann doch noch mal einen Extra-Eintrag im Zettelkasten bekommen.

    Von miss.gunst am 07.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.05.06

    DEGEM zum mithören (WRT)

    dgwr_ksw.gifNachdem die Sache mit der Revolution vorerst erledigt scheint (scheint, wohlgemerkt), können wir uns ja wieder dem Radio zuwenden.
    Anlässlich der Ankündigung zur LAC2006 erinnerte sich das Medium nämlich schlagartig eines Senders, der eigentlich schon lange mal vorgestellt werden sollte.
    Und natürlich geht es dabei auch um einen Webradio-Tipp.

    Am ZKM Karlsruhe, genauer gesagt: am ebendort angesiedelten Institut für Musik und Akustik wird nämlich seit dem vergangenen Sommer ebenfalls ein Webradio betrieben - das DEGEM Webr@adio.

    Während die DEGEM selbst, also die Deutsche Gesellschaft für Elektroakustische Musik e.V. sich ansonsten bis heute eher wenig aus den Potentialen des WWW-weiten Gewebes macht und tatsächlich nur auf einer einzigen, in schlichtem Code gehaltenen Seite über sich informiert, hat ihr akustisches Sprachrohr einiges mehr zu bieten.

    dgwr_g.gifNämlich tatsächlich ein richtiges kleines Radio mit wechselndem Programm. Davon, dass das Programmschema erst mal als schnöde Buchstabentabelle daherkommt, darf man sich nicht schrecken lassen. Ein Druck auf die vier virtuellen Tasten (A, B, C, D) der abgebildeten Antiquität aus analogen Funkzeiten offenbart nämlich, was sich hinter den jeweiligen Feldern an Inhalten verbirgt.

    Heute (03.05.06) Vormittag sind beispielsweise ein Studiobericht aus dem STEIM Amsterdam von Florian Grote und im Anschluss ein Vortrag von der in diesem Log.Buch aus gutem Grund schon häufiger erwähnten Audiohyperspace-Macherin Sabine Breitsameter dran.
    Alles aus der Konserve - aber mit Sicherheit eine mehr als gute Alternative zu so manchem, was lokal erreichbare Sender um diese Zeit zu bieten haben.

    Ach ja, das Wichtigste sollte man natürlich auch nicht unerwähnt lassen: Auf Empfang lässt sich gehen, indem man eine der Adressen wählt, die auf der Seite "Radio" angeboten werden.
    Ein frohes Ohr wünscht: Das Medium...

    Von miss.gunst am 03.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    26.04.06

    Virtuelles Radiomuseum

    vira_ksw.gifDa wir schon dabei sind, gleich noch ein Ausflug in die Historie. Denn die Freude an den alten Radios lässt sich noch steigern, wenn man über weiterführendes Wissen um die Geschichte verfügt. Wie schon für den letzten Eintrag, so gilt auch für diesen: Das Angebot im Netz ist denkbar gross - und wiederum sind es nicht selten private Initiativen, die einen besonders guten Einstieg vermitteln.

    Zum Beispiel "A World of Wireless" - ein Virtuelles Radiomuseum, das von den Niederländern Karin und Arjan betrieben wird.

    Wie Rainer Steinfuehr von Wumpus Welt der Alten Radios sammeln die beiden Radios - und haben rund um ihre Kollektion eben auch einiges an Kontextinformationen ins Netz gestellt.

    vira_g1.gifWährend die Datenbank zu den verschiedensten Radiotypen wohl eher etwas für SpezialistInnen ist, kommt ihre Radiogeschichte gut gegliedert und angenehm übersichtlich daher - also genau das richtige, wenn man sich einen ersten Überblick vermitteln will.

    Allerdings muss das Medium bei einem genaueren Blick auf die Daten zum Kapitel Prähistorie gestehen, dass ihm da *ein* Name doch recht schmerzlich fehlt. Welcher wohl?

    Nun, keine Sorge - wir sind erst am Anfang der Ausflüge in die Geschichte der singenden, schwingenden Apparate. Auf einem der nächsten Zettelkastenzettel wird der Gesuchte sicher (wieder mal) stehen...

    Von miss.gunst am 26.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    25.04.06

    Alte Radiowelt

    rdr_ksw.gifRadiogeschichte ist ein Kontinent für sich. Für diejenigen, die sich auf eine entsprechende Reise durch Zeiten und Räume begeben wollen, gibt es einige gute Adressen.

    Im deutschsprachigen Raum allen voran: Wumpus' Welt der Alten Radios.

    Der Berliner Rainer Steinfuehr, der die Seiten seit 1996 betreibt und kontinuierlich ausgebaut hat, ist nicht nur ein leidenschaftlicher Sammler in Sachen historischer Radiogeräte. Als ehemaliger Radio- und Fernsehtechniker kennt er sich in der Materie bestens aus.

    rdr_g.gifDeshalb kann man in Wumpus' Welt der Alten Radios Einiges darüber erfahren, wie verschiedene Generationen von Geräten funktionier(t)en - und bekommt sogar Tipps, wie etwaige Erbstücke oder Flohmarkt-Erwerbungen zu reparieren sind.

    Reich illustrierte Seiten geben zudem Einblick in die (deutsche) Rundfunkgeschichte im allgemeinen sowie weiters in jene der Röhren- und Transistorradios, ein spezielles Augenmerk gilt ausserdem dem Mythos und der Realhistorie des Volksempfängers.

    Besonders gern gründelt das Medium aktuell in jenem Spezialkapitel, das den Radio-Experimentierkästen gewidmet ist. Zu Ostern hat es nämlich einen Kosmos-Radiomann geschenkt bekommen. Kein historisches Original, sondern die Neuauflage von 2004 - aber immerhin. Zumal dieser Kasten dem Medium, das in seiner Jugend ansonsten unzählige glückliche Stunden mit diversen Kosmos-Experimentierkästen verbracht hat, in der Sammlung wirklich noch fehlte.
    Was nun allerdings um so mehr fehlt, ist die Musse, sich gleich ans frohe Basteln zu machen... *seufz* - im umgekehrten Fall sieht es übrigens besser aus: Auf Wumpus' Radiomann-Seiten gibt es nämlich auch Tipps, wie man selber ein äquivalentes Bastelset zusammenstellen kann.

    Ansonsten zeigt ein Blick auf die Liste der jüngsten Aktualisierungen, dass Radiogeschichte hier mitnichten verstaubt, sondern neben der Präsentation von Neuzugängen in der Sammlung eben auch stets an den Textseiten weitergearbeitet wird. Das alles aus Privatinitiative - manches Museum dürfte da durchaus ehrfurchtsvoll schauen.
    In diesem Jahr wird - wie anhand des bereits erwähnten Starts in 1996 leicht auszurechnen - Wumpus' wunderbare Welt der alten Radios stolze zehn Jahre alt - das Medium gratuliert und wünscht (nun, nicht ganz uneigennützig) den Seiten auch weiterhin gut zu gedeihen und sowieso ein langes Leben!

    Von miss.gunst am 25.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.04.06

    Kochtöpfe zu Radios

    bra_ksw.gifUnd zurück zum Thema. Weiter geht es mit den verschiedenen Möglichkeiten, DIY bzw. Basteln und Radio zusammenzubringen.
    Mit den Pappkameraden - mindestens den bislang vorgestellten - bleibt der Sound ja nun erst mal weitestgehend auf der Strecke. Wären wir aber nicht doch noch mehr einem singenden, klingenden Radio interessiert?
    Hilfe naht, zumal dann, wenn man einen Kochtopf übrig hat...

    Wie das bitteschön funktionieren soll?

    Das ist einer Anleitung zu entnehmen, die auf den überhaupt sehr putzig daher kommenden "Rough Science DIY"-Seite zu finden ist, welche ihrerseits wiederum das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojekts von BBC und der britischen Open University ist. Namens "Rough Science", wer hätte das gedacht.
    [Beiseit: Daben gibt es auch noch "open science"-Seiten, aber deren spezielle Relation zur Rauhen Schwester hat das Medium noch nicht wirklich ausgemacht.]

    bra_gg.gifJedenfalls: Um die hier interessierende Bauanleitung aufzurufen, muss man sich schon selber direkt auf die besagte "Rough Science DIY"-Seite begeben, denn ohne böse Tricks lässt sich da kein direkter Anker extrahieren. Dafür winken dann vor Ort gleich zwei How-To-Variationen, eine graphische und eine mehr textbasierte.

    Und obendrein noch weitere Weisungen, wie mit wenigen Zutaten aus dem eigenen Haushalt ergebnisreich einige Kurzweil zu erlangen ist. Das dürfte eigentlich reichen über die Ostertage.

    Was wiederum weder heissen soll, dass das Medium derweil auf den Osterinseln Ostereier suchen ginge, noch auch, dass das schöne Thema damit bereits beendet wäre. Nein, im Gegenteil - es gibt noch viel zu tun...

    [Bildchen: Enstammt selbstredend nicht dem erwähnten eleganten graphischen How-To. Vielmehr wurde, wie unschwer zu sehen, lediglich Zuhandenes umgeewidmet.]

    Von miss.gunst am 15.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.04.06

    Radios zum Basteln (Papier ff.)

    brad_ksw.gifRadio mal anders, nämlich nicht zum Hören, sondern mehr zum Anschauen.
    Hat aber vielleicht erst recht etwas für sich in einer Zeit, in der die Apparate als solche eher dazu tendieren, zu verschwinden.
    Und passt obendrein prima ins aktuelle Bastelprogramm.

    Das hatte ja nun, vom letzten Eintrag zu den DIY Difference Engines mal abgesehen, bislang einen gewissen Schwerpunkt beim Schneiden und Kleben.

    Und wenngleich das Thema "Radios zum Basteln" mitnichten allein in diesem Bereich abgehandelt werden sollte, lässt sich damit doch gleich ein prima Anfang machen, wenn man es systematisch erschliessen will.
    Jedenfalls, so man die Sache von ihrer Schauseite her betrachtet.

    Wie unterschiedlich die beschaffen sein kann, zeigen die drei Modelle, die das Medium heute weiterempfehlen kann - sind übrigens auch für vorösterliche Bastelstunden geeignet, zumal dann, wenn man sich auf die Schnelle nicht noch an Komplizierteres wagen möchte.

    brad_g.gifAlter vor Schönheit lassen sie sich allerdings nicht sortieren. Das sicherlich ansprechenste Stück ist nämlich wohl "Robert and his Radio" von 1922 (voranstehender Anker führt zur Ansicht des fertigen Bastelwerks; hier der zugehörige Bogen als pdf) - herausgegeben von Barnacle Press, die auf ihren Seiten noch jede Menge weiterer köstlicher Pappkameraden zum Selberbasteln anbieten.

    Radio Nummer Zwei ist ebenfalls ein historisches Modell des frühen zwanzigsten Jahrhunderts: Es datiert 1931 und wird auf den japanischen Seiten von Panasonic in der Serie "World of Discovery" angeboten (wiederum mit Bastelbogen als pdf).

    Ebenfalls aus Japan - wie neulich schon erwähnt nicht nur die Heinmat der klassischen Papierfaltkunst, Origami, sondern eben auch bei den Papierbastelbögen ganz weit vorn - kommt denn auch das dritte Modell. Das nun zwar mediengeschichtlich wesentlich jünger ist, aber nichts desto weniger eine aussterbende Gattung repräsentiert: Einen portablen Radio-Kassettenrekorder, vulgo Ghettoblaster - allerdings, so gar nicht Ghetto, in freundlichen Kinderspielzimmerfarben und entsprechender Formgebung gestaltet (in diesem speziellen Fall will die Anleitung als zip-File heruntergeladen werden).

    Nun, wie bereits geschrieben: Bis zum Wochenende liesse sich das eine oder andere Modell ja noch als kleine Osterüberraschung zusammenkleben. Allein, Obacht: Im Garten verstecken sollte man das fertiggestellte Präsent jedoch nur, so die Sonne am Sonntag entsprechend lange lacht...

    [Bildchen: Ja, dass vergleichbare Modelle für gewöhnlich nicht über externe Antennen verfügen, ist selbst einem Medium von bescheidenem Verstand bekannt. Hier aber handelt es sich offenkundig um ein Frank'n'Radio - als solches aus diversen Leichenteilen, aber immerhin Cut & Paste gefügt, wenngleich leider nicht auf/aus Papier.]

    Von miss.gunst am 13.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.04.06

    DIY Difference Engine(s)

    derr_ksw.gifDass der Computer nicht nur dem Namen nach eine Rechenmaschine ist, dürften manchen NutzerInnen fast schon nicht mehr auffallen.
    Schliesslich hat man es auf dem leuchtenden Schirmchen erst mal mit Zeichen, Texten und Bildern sowie bei entsprechendem Ausgang auch mit Tönen zu tun.
    Das war natürlich nicht immer so. Heute allerdings ist es eher ein Vergnügen für fleissige BastlerInnen, die Zeiten der alten ratternden Apparatur à la Babbage wieder aufleben zu lassen.

    Oder umgekehrt formuliert: Während Charles Babbage seinerzeit noch ziemlich frustriert - und wohl nicht von ungefähr zielstrebig instruiert von Ada Lovelace, die auf diesem Wege nämlich ihre Spielleidenschaft in gewinnträchtigere Bahnen zu lenken trachtete - über den Plänen dessen brütete, was einige Generationen später mal zu dem werden sollte, was wir heute Computer nennen, erfreuen sich seine Aufzeichnungen aktuell nicht nur bei Wissenschaftshistorikern grösserer Beliebtheit.

    derr_g1.gifWer sich mehr für die Dokumente rund um den Erfinder interessiert, sollte sich selbstredend erst einmal ausgiebig auf den Heimseiten des Charles Babbage Institute tummeln, wo zwei Kisten mit entsprechenden Materialien aufbewahrt werden. In einer schön aufbereitete Online-Ausstellung kann man dort unter anderem auch eine Abbildung des ersten Difference Engine von 1833 ansehen.

    Das Original und weitere Archivalien finden sich freilich - schliesslich war Babbage Brite - im National Science Museum in London. Sowohl vor Ort als auch online zu bewundern ist ein jüngerer Nachbau der zweiten Version.
    Wer nähere Informationen zu diesem Modell wünscht, wird auf den DE2-Seiten von Ed Thelen alles finden, was das Herz oder in diesem Fall wohl eher das Hirn begehrt.
    Etwas anschaulicher: Eine Bildersammlung der Babbage-Bestände ist neuerdings über ein neues Web-Tool des britischen Museumsverbands namens ingenious abrufbar.

    Aber damit genug des Ausflugs in die Historie - denn, wie der Titel des Eintrags verspricht, soll es heute ja nun um Difference Engine-Nachbauten aus HeimwerkerInnenhand gehen.

    derr_g2.gifUnd da haben in letzter Zeit insbesondere zwei eifrige Konstrukteure auf sich aufmerksam gemacht:
    Zum einen Tim Robbinson, der als eingefleischter Fan von Meccano-Bauelementen gleich mehrere Babbage-Rechenmaschinen nachkonstruiert hat - neben dem Difference Engine #1 auch DE 2 sowie das Analytical Engine.
    Zu allen dreien gibt es neben den beeindruckenden Abbildungen auch jede Menge Informationen drumherum.

    In der Webwelt noch wesentlich berühmter ist allerdings Andrew Carols Diffence Engine aus Legosteinen, über das vor einiger Zeit unter anderem auch das MAKEzine in seinem Blog berichtet hat. Der Grund für das Webwirksamkeitsgefälle dürfte allerdings weniger darin zu suchen sein, dass Carols Bausteinchengebilde so viel spektakulärer wäre oder seine Seite besser ausgebaut. Mindestens würde das Medium mal mutmassen, dass das Ganze eher mit der Beliebtheit der jeweiligen Basteltrendsportart zu tun hat - und da liegt Lego wohl ganz klar vorn in der Szene.

    Warum die DIY Difference Engines ausgerechnet heute im HOME MADE-LogBuch erscheinen? Nun, nicht nur weil sie prima in den aktuellen Strang passen, in dessen Zuge neulich - a propos Kultmaschinchen - ja auch auf eine Anleitung für eine Enigma zum Selberbasteln verwiesen werden konnte.

    Bis schätzungsweise heute abend noch ist nämlich auch in der NZZ online ein Artikel zum Thema aus dem Informatik-und-Medien-Schwerpunkt nachzulesen, Titel: Rechnen mit Rädchen (Druckformat).
    Den empfiehlt das Medium abschliessend noch genüsslich zu schmökern - nicht ohne jedoch in einem Punkt zur Vorsicht zu gemahnen.
    Da resümiert der Autor im letzten Absatz:

    Woran einer der grössten Wissenschafter des 19. Jahrhunderts gescheitert ist, die Maschine, die all seine Energie und all sein Geld aufgezehrt hat, sie lässt sich nun übers Wochenende im Kinderspielzimmer realisieren.

    Übers Wochenende? Na, wenn er sich damit mal nicht verrechnet hat...

    Von miss.gunst am 12.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.04.06

    Und jetzt alle zusammen!

    wkh_ksw.gifWas könnte, aus DIY-Perspektive, einem Magazin wie dem MAKEzine noch eins draufsetzen?
    Genau: Eine Plattform mit Bastelanleitungen und -tipps für HeimwerkerInnen, die von diesen selbst bestückt werden kann.
    So etwas wie eine Wikipedia zum Thema DIY - das müsste es doch sein.

    Mindestens etwas, das schon sehr in diese Richtung geht, gibt es tatsächlich auch.
    Mal abgesehen davon, dass sich Gleichgesinnte schon in den Frühzeiten des Internet auf entsprechenden Mailinglisten zusammenfanden, hat es tatsächlich ein veritables Wiki, das sich der Frage "Wie geht das selbst zu machen?" widmet: "wikiHow - The How-To Manual That Anyone Can Write or Edit".

    wikiHow is a collaborative writing project to build the world's largest how-to manual. With your contributions, we can create a free resource that helps people by offering clear, concise solutions to the problems of everyday life. wikiHow currently contains 6475 articles written, edited, and maintained primarily by volunteers. Please join us by writing a new page, or editing a page that someone else has started.

    wkh_g.gifSo heisst es auf der Startseite als Willkommensgruss. Und so wird es auch gemacht. Wobei das "How-To" hier eben ganz wortwörtlich genommen und auf alles mögliche, mehr oder weniger Alltägliche bezogen werden will - sich also nicht allein aufs Basteln und Bauen beschränkt.
    Vielmehr finden sich auch Anleitungen, wie man eine Ziege mit der Hand melkt, wie man Philosoph wird (das scheint ziemlich einfach zu sein) oder wie man anständig und zugleich erfolgreich Betteln geht (letzteres ist passender Weise in der Kategorie "Managing Your Money" untergebracht - zusammen mit einer ganzen Reihe von Tipps, mit denen sich tunlichst vermeiden lässt, in eine entsprechende Bedarfslage zu kommen).

    Aber natürlich hat es durchaus auch richtige Bastelvorschläge in den einschlägigen Kategorien, über die man sich am Besten erst einmal in Ruhe Übersicht verschafft.

    Unmittelbar nutzbringend in dieser Hinsicht sind etwa die Artikel im Bereich Computerwartung- und Reperatur - ohne dass man immer zum Schraubenzieher greifen müsste. Direkt zum Basteln im Sinne der letzten LogBucheinträge beispielsweise findet sich hier u.a. auch die Anleitung für eine DIY-iPod-Nano-Schutzhülle (plus verankerter Vorlage als pdf).

    Und natürlich gibt es auch ein "How To Make a Zine". Just das scheint dem Medium allerdings nicht ganz so gut zu sein wie die im voraufgegangenen Beitrag weitergegebenen Tipps.
    Tja. Nun: Das liesse sich sicher jederzeit ändern, wenn man denn einen entsprechenden gemeinschaftlichen Sports- bzw. Ehrgeiz vesrpürt. Denn das Wiki-Prinzip heisst eben auch: Nicht einfach nur maulen. Sondern es besser gleich selber besser machen...

    Für diejenigen aber, die sich jetzt fragen: Wo bitteschön bleibt denn heute etwas für die eher leichte Seite des Seins - also das traditionelle Montagmorgen-Element, mit dem das Medium sonst gerne in die Woche schickt?
    Nun, gerade auch für alle diejenigen, die sich etwas tendenziell Erheiterndes zu Gemüte führen wollen, hat das "wikiHow" durchaus so Einiges zu bieten.
    Dafür muss man nur mal einen Blick in die Sammlung zum Thema "Music" werfen. Wo es nämlich nicht nur brav zu befolgende Anleitungen zum ordnungsgemässen Zusammenbau eines Saxophons hat.
    Sondern auch Tipps mit vielversprechenden Titeln wie: How To Act and Dress Hardcore.

    If you are one of those crazy cynic people that believe all mankind is bad and life is not worth living or you just haven’t found the right person and do not want to get entangled in the web of a relationship, then not having a boyfriend or girlfriend is perfectly fine. If you really want one, never show it.

    Autsch, aber so muss es wohl sein. Vielleicht doch lieber KuschelrockmusikerIn werden?

    Von miss.gunst am 10.04.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.04.06

    Make Zines (Machen ff.)

    hmz_ksw.gifBekanntlich erinnert das Medium gerne an die gute alte Tradition, den Sonntag einer ausführlicheren Zeitungs- und/oder Zeitschriftenlektüre zu widmen. Gut vorstellbar, dass dazu bei eingefleischten Heimwerkern auch einschlägige Magazine wie das MAKEzine gehören.
    Echte DIY-EnthusiastInnen dürften es allerdings nicht beim Lesen von Fachliteratur belassen. Schliesslich lassen sich Zines auch selbermachen.

    hmz_t.gifWas, beiseit bemerkt, natürlich fast schon eine tautologische Feststellung ist: Zwar kann man sich vor das "Zine" auch ein "Maga-" setzen - gemeinhin steht das anglo-amerikanische Kürzel aber für Fanzine, also für ein selbstgemachtes Zentralorgan; ob nun handkopiert, gedruckt oder ins Netz gestellt (und dann selbstredend beispielsweise auch im Blogformat). Wie es denn auch ebenso bündig wie treffen in der Einleitung des oben verankerten Wikipedia-Artikels heisst:

    A zine—an abbreviation of the word fanzine—is most commonly a small circulation, non-commercial publication of original or appropriated texts and images. More broadly, the term encompasses any self-published work of minority interest.

    Im Anschluss an den Eintrag zum MAKEzine(-Blog) sowie auch in sanfter Weiterführung derjenigen zum Thema Papier liegt es ohnehin mehr als nahe, die dazu passende Frage aufzugreifen: Wie macht man ein Zine?

    Nicht weiter verwunderlich, dass sich im Netz - das ja in der Tat der Zine-Kultur zu einer regelrechten neuen Blüte verholfen hat - eine Menge ausführlicher Anworten inklusive praktischer Anleitungen finden. Und zwar denkbar leicht, denn nicht wenige von ihnen tragen denn auch gleich den Titel: "How To Make a Zine".

    Weil es nun aber nicht ums Stunden lange nachlesen gehen, sondern hinreichend Zeit zum Tun bleiben soll, gibt es für heute erstmal nur eine mundgerechte Portion mit einem fast schon klassischen Überblickstext und dann einer besonders leicht in die Tat umzusetzenden Anleitung, die auch AnfängerInnen innert eines (Sonntag-)Nachmittags zum eigenen Zine zu verhelfen geeignet ist.

    Zunächst einmal, aus gutem Grund, die gar nicht mal so graue Theorie.
    Die findet man ganz wunderbar zusammengefasst in dem (tatsächlich) "How To Make a Zine" benamsten Artikel von Ashley Parker Owens (hier ein Interview mit der amerikanischen Mail Art-Artistin). In seiner Webversion mit übersichtlichen Hyperlinks taugt er durchaus als Mini-Handbuch, dessen Qualität man im Übrigen schon daran erkennt, dass es nach der einleitenden Definition des Gegenstand erst einmal ganz essentielle Fragen stellt - bzw. dazu rät sich diese vorab selbst zu stellen. Etwa:

    What is the focus of my zine? What do I hope to gain from publishing it? Would I continue to do it if nobody bought it?

    hmz_g.gifWem bei der Lektüre keine schwerwiegerenden Bedenken gegen die Kosten und Risiken eines eigenen Engagements auf diesem Gebiet gekommen sind, kann sich auf den Hauptseiten von zinebook.com, denen wir die Dokumentation der Perle verdanken - im Anschluss vielleicht noch spezielle Tipps & Tricks für E-Zine-AspirantInnen abholen (bei