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18.05.05

Geräusche

Zur irdischen Sphärenmusik zählen alle jene Geräusche, die das menschliche Ohr zwar wahrzunehmen im Stande ist - aber oft zu filtern oder auszublenden pflegt. Wären es nicht dazu fähig: Der Wahn hätte ein leichtes Spiel. Andererseits lohnt es zweifellos, zuweilen eben dieser Sphärenmusik nachzulauschen - wie schon der bereits erwähnte Luigi Russolo wusste (und je auf ihre Weise auch die Singenden Spannungsbögen und die Symphonien spielenden Nadeldrucker belegen):

"Um sich von der erstaunlichen Vielfalt der Geräusche zu überzeugen, genügt es, an das Dröhnen des Donners zu denken, an das Pfeifen des Windes, an das Prasseln eines Wasserfalls, an das Gurgeln eines Baches, ans Rascheln der Blätter, an den Trab eines Pferdes, das sich entfernt, an das wackelnde Holpern eines Karrens auf dem Strassenpflaster und an den weiten, feierlichen und weissen Atem einer nächtlichen Stadt, an alle Geräusche, die die wilden Tiere und die Haustiere von sich geben und alle jene, die der Mund des Menschen ohne zu sprechen oder zu singen hervorbringen kann. Durchqueren wir eine grosse moderne Hauptstadt, die Ohren aufmerksamer als die Augen, und wir werden daran Vergnügen finden, die Wirbel von Wasser, Luft und Gas in den Metallrohren zu unterscheiden, das Gemurmel der Motoren, die unbestreitbar tierisch schnaufen und pulsieren, das Klopfen der Ventile, das Hin-und-herlaufen der Kolben, das Kreischen der mechanischen Sägen, das Holpern der Tramwagen auf ihren Schienen, die Schnalzer der Peitschen, das Knistern der Vorhänge und Fahnen. Wir werden uns damit unterhalten, das Getöse der Rolläden der Händler in unserer Vorstellung zu einem Ganzen zu orchestrieren, die auf- und zuschlagenden Türen, das Stimmengewirr und das Scharren der Menschenmengen, die verschiedenen Getöse der Bahnhöfe, der Eisenhütten, der Webereien, der Druckereien, der Elektrozentralen und der Untergrundbahnen."*

[Luigi Russolo: Die Geräuschkunst, Mailand 1913;
hier zit.n. ders.: L'Arte dei Rumori, Mailand: Edizioni Futuriste di 'Poesia', 1916; deutsche Übersetzung von von Justin Winkler und Albert Mayr bei klanglandschaft.org, Basel 1999]

* Was folgt, wird an dieser Stelle absichtsvoll nicht mit zitiert - auch wenn es kaum verchwiegen werden kann: Dass Russolo bekanntlich in seine Ode auf die Geräusche auch diejenigen des Krieges einschloss. Wem auch immer diese Musik in den Ohren sind, dem auch nur Bedauern zu schenken fällt denkbar schwer.

Von miss.gunst am 18.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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