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31.05.05

Vogelstimmen

Treufreund:
Nun merkt auf und schaut auf! Und zwischen diesen beiden, was seht ihr?

Zweiter Vogel:
Zwischen Himmel und Erde?

Treufreund:
Ja, dazwischen.

Vögel:
Nun, nun, da sehen wir – nichts.

Treufreund:
Nichts? O, ihr seid ja fast so blind wie die Menschen! Seht ihr nicht den ungeheueren Raum, ausgebreiteter als das Oben und Unten, das unermessliche Land, das an alles grenzt, diesen lustig wässrigen See, der alles umgibt, diesen ätherischen Wohnplatz, dieses mittelweltische Reich?

Vögel:
Was meinst du damit?

Treufreund:
Die Luft mein’ ich. Wer bewohnt sie als ihr? Wer beschifft sie, wer begibt sich darin von einem Orte zum andern? Wem gehört sie zu als euch?

Vögel:
Daran haben wir gar nicht gedacht.

Um es ausnahmsweise mal nicht mit Blumen, sondern mit Vögeln zu sagen. Genauer gesagt: Mit Goethes Variation* auf die Ornites des Aristophanes, die nun tatsächlich danach streben, zwischen Himmel und Erde ein eigenes Reich zu errichten. Die Hauptstadt heisst Nephelokokkygia, Wolkenkuckucksheim. Wer ihre Bewohner kennenlernen will, sollte am besten mit Louise Lawlers Vorstellung einiger Ehrenbürger beginnen. Bereitgestellt von ubu.com und hiermit herzlich empfohlen von miss.gunst.

* Für den Volltext der antiken Komödie muss man sich mit einer englischen Übersetzung befreunden; der Weg zu Goethes Vögeln ist nicht ganz so weit – dafür wurden diesen von Jürgen Kuehnle ein wenig die Federn gestutzt (s.a.o.).


[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 19:10. Die Vögel singen noch nicht.]

Von miss.gunst am 31.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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