« Glitch Art | Hauptseite | Treck nach Gdansk »

30.08.05

Escape Vehicles

Tatsächlich scheint sich die sommerliche Wetterlage ein bisschen zu stabilisieren, so dass endlich die HOME MADE-Campingtour fortgesetzt werden kann.
Und zwar diesmal mit bereits zu Klassikern gekürten Vehikeln, die zudem von einer Künstlerin stammen, die sich schon seit einigen Jahren systematisch mit einer speziellen Form von D.I.Y. befasst: Andrea Zittel.

Bekannt wurde die amerikanische Künstlerin Anfang der 1990er Jahre mit ihren Living Units* - kompakten Wohneinheiten, die auf minimalem Raum maximale Nutzungsmöglichkeiten boten, Ein-Zimmer-Appartements auf zwei bis vier Quadratmetern sozusagen.
Das Ganze dann noch auf zwei bis vier Räder zu packen, um es als Travel Trailer Units mobil zu machen, war da eigentlich nur eine logische Konsequenz.

Vorher aber wurde das klassische Camper-Format aber erst einmal auf seine Customizing-Tauglichkeit getestet: Daraus entstanden um 1996/1997 die Escape Vehicles*, die als perfekt auf die persönlichen Bedürfnisse ihrer BesitzerInnen zugeschnittene Rückzugsorte konzipiert sind - aber primär das Entfleuchen nach Innen ermöglichen sollen, auch wenn man sie theoretisch natürlich auch auf einen Anhänger hieven kann.

In der Campingalltagspraxis geht es ja sogar eher umgekehrt zu, wie die vielen auf feste Stellplätze verbrachten Camper belegen können - was, wie Zittel zu Recht bemerkt, tief auf die Motivationen der Halter abgehängter Anhänger blicken lässt:

I was really interested in RV culture because I felt that they epitomized this freedom where you can just live anywhere in the world and travel around. But usually people just park their trailers in one spot. So I was trying to figure out why someone would still want to live in a trailer, and I realized that people are really drawn to these intimate, controllable environments that they create for themselves.**

Ob nun Standplatz oder Als echte Camper dürften jedoch trotzdem die Travel Trailer Units* besser funktionieren, da sie anders als die Escape Vehicles eben nicht nur auf eine einzige bevorzugte Nutzung ausgerichtet sind. Sicherlich ist es schön, auch auf einer Campingtour mal ein Vollbad nehmen zu können. Doch wenn man dann in der Luxuswanne auch schlafen oder gar das Abendessen zubereiten muss, dürfte dies das Urlaubsvergnügen um einiges schmälern.

Allerdings geht es Zittel auch kaum darum, ins Campingausstatter-Geschäft einzusteigen - wenngleich sie ihre Units und Vehicles stets für konkrete Personen entwirft. Und sei es zunächst einmal für sich selbst*. Irgendjemand muss ja den Anfang machen - auch das gehört zum Prinzip D.I.Y.

* Alle Werkübersichten, für deren bequeme Anzeige das Frame-System umschlichen wurde, gehören zu den Heimseiten von Andrea Zittel.

** Das Zitat stammt aus einem Gespräch, das Shoshana Berger mit Zittel für das Ready Made Magazine führte - übrigens eine Fachzeitschrift "for people who like to make stuff".

Zum Abschluss noch eine Auswahl weiterführender Anker:
In deutscher Sprache gibt es u.a. einen kleinen Text mit Abbildungen weiterer Werke bzw. Werkgruppen, der anlässlich der Zittel-Ausstellung 2003 in der Sammlung Goetz erschienen ist, ein Interview aus 2004 im db artmag sowie ein Gespräch mit Theodora Vischer (ursprünglich für Parkett), das auf xcult.ch ins Netz gestellt ist.
Weitere Texte u.a. beim BOMB Magazine (Essay von Stefano Basilico) sowie speziell zu den Escape Vehicles (hier bei Paula Cooper) auf der Heimseite von Meaghan Murphy.

Von miss.gunst am 30.08.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Kommentare

Kommentieren:

Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)

(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)


Daten merken?