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15.09.05

Kulturministerium (DIY)

Dass es in der Schweiz andere Wahlverfahren gibt als in den benachbarten europäischen Ländern, ist allgemein bekannt.
Aber einfach mal eben so ein Kulturministerium wählen, wo man die entsprechenden Zuständigkeiten doch eigentlich von einer offiziellen Stelle wie dem Bundesamt für Kultur verwaltet wähnt?
Doch, das geht.

In dieser Woche wurde tatsächlich in der Schweiz ein Kulturminister gewählt. Stolze 32 KanditatInnen sind dazu angetreten, haben ihre Programme vorgestellt und natürlich auch kräftig Wahlkampf betrieben.
Unter anderem auch in verschiedenen Blogs, wie zum Beispiel Peter A. Ziermann als dorftrottel.ch oder Christian P. Leu von relab.ch als leumund.

Solcher Ausweis von Medien- und Kulturkompetenz hat den beiden letztgenannten durchaus eine Favoritenposition beschert. Ge- oder vielleicht auch erwählt wurde aber nun ein anderer, ebenfalls nicht ganz unbekannter Kulturaktivist: Heinrich Gartentor.

Was insofern, beiseit bemerkt, besonders gut passt, als es sich bei Gartentor ebenso wie beim Kulturministerium selbst sozusagen um Artefakte handelt. Da nun aber ersterer seit einigen Jahren äusserst agil in eben jener Sphäre agiert, die man gemeinhin als "Real Life" bezeichnet (oh doch, mindestens aus der Perspektive des Mediums ist auch so ein sehr spezielles Feld wie die Kunst dieser Sphäre zuzurechnen. Schliesslich finden in der Kunst quasi kontinuierlich Materialisationsphänomene statt, wird Unsichtbares sichtbar gemacht!) - dürfen wir also den Gedanken wagen, dass auch das Kulturministerium nicht nur Symbolpolitik betreiben wird?

Man wird sehen.
Erst einmal allerdings zusehen: Beim Festakt der Amtsübernahme bzw. -gabe am kommenden Sonntag, 18.09.05 im Rahmen des forum des artistes bienne.

Mag wohl sein, dass es den Initiatoren der ehrenhaften Beamtung - Beat Mazenauer und Adi Blum - mehr um den Weg zum Ziel gegangen ist. Gleichwohl heisst es auf den ministerialen Seiten programmatisch:

Das kulturministerium.ch ist das Sprachrohr aller, die sich für eine lebhafte, farbige, aktuelle Kultur in der Schweiz engagieren.
Das kulturministerium.ch ist besorgt um eine kritische Auseinandersetzung mit der Kultur in der Schweiz. Es soll mithelfen, die Kultur in Gesellschaft und Politik zu verankern und das Ansehen der Kultur zu stärken.
Das kulturministerium.ch fördert die kulturelle Vielfalt in der Schweiz.
Es entwickelt Ideen und Visionen für die kulturelle Zukunft.
Das kulturministerium.ch setzt sich dafür ein, dass die im kulturellen Sektor Werktätigen frei und unabhängig arbeiten und sich entfalten können.
Das kulturministerium.ch wacht darüber, dass Art. 21 der Bundesverfassung: "Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet" uneingeschränkt Gültigkeit hat.
Das kulturministerium.ch steht im Dienst der Kultur und arbeitet eng mit den Verbänden der Künstlerschaft in der Schweiz zusammen.

Das will natürlich doch erst mal geleistet werden. Ob Heinrich Gartentor derlei dann allein stemmen will? Einen Stab beruft? Oder sich noch weiter vernetzt?

Bleibt abzuwarten. Mit Blick auf die bisherigen Projekte des neuen Kulturministers - aber auch auf das Unternehmen als solches, zumal seine Initiatoren in der Netzkulturszene nun eben auch keine Unbekannten sind (siehe z.B. Pilgern & Surfen), will das Medium jedenfalls hoffen, das einiges für seine Zunft getan werden wird. Surplus zu sitemapping selbstredend.

Kleiner Nachtrag:
Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den virtuellen Realitäten des Kulturministeriums nimmt derzeit Kollege kus (von starfrosch) in seinem Log vor: Nach- und mitlesen lohnt!

Von miss.gunst am 15.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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