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22.12.05

Subversives Stickwerk

substi_sw.gifDass Sticken ganz ähnlich wie Stricken derzeit zu den Trendsportarten zählt, wundert wenig, wenn man auf aktuelle Designpräferenzen schaut: Allenthalben wird in floralen Applikationen, graphischen Arabesken und gewagten Musterschwüngen geschwelgt - Ornament ist ganz offenkundig kein Verbrechen mehr.

Vor allem aber geben sich auch immer mehr Menschen der traditionellen Handarbeitsdisziplin hin. Besonders gut kommen Form und Inhalt dabei zusammen, wenn fleissig Sticheleien gestichelt werden.

Wie das geht, zeigt aufs Trefflichste Julie Jackson, die sich auf die hohe Kunst des subversiven Kreuzstichs eingeschworen hat.

substi_k.gifIhre Heimseite, "Subversive Cross Stitch" bietet eine breite und ansehnliche Auswahl höchst dekorativer Sinnsprüche an, die jeder guten Stube zur Zierde gereichen sollten.
Schliesslich sind Stickereien das Ergebnis unzähliger stiller Arbeitsstunden, einer quasi meditativen Tätigkeit - die sich dann beim Anblick eines fertiggestellten Werkstücks gleichsam noch einmal empathisch nacherleben lässt. Zumal dann, wenn auf ihnen zur inneren Einkehr Einladendes wie "Pussy Got Me Dizzay" oder "Go Fuck Yourself" zu lesen steht.
Oder etwa nicht? Tja, nicht umsonst hüstelt es im Hintergrund der Seite "... mind your fingers...".

A propos: Dem Medium, das sich beim Thema Handarbeit gerne glücklicherweise überwundener Jugendtraumata erinnert, kommt mit Blick aufs subversive Sticken unweigerlich eine Short Story in den Sinn, die zu Lesen es seinerzeit im Englischunterricht genötigt wurde.

Titel und Moral der Geschicht drehten sich nämlich um den Sinnspruch "The devil finds work for idle hands", zu deutsch in etwa "Müssiggang ist aller Laster Anfang". Genau diese im Unterricht angebotene Übersetzung wollte dem Medium aber so gar nicht eingängig werden. Denn: Wenn die Hände vom Teufel beschäftgt werden, sind sie doch am Ende gar nicht mehr faul - und umgekehrt ist ja wohl nicht immer zu entscheiden, was hinter händiger Tätigkeit steht. Einer scheinbar unschuldigen Handarbeit wie dem Sticken beispielsweise.

Oh nein, man muss dabei mitnichten an subversive Kreuzstiche denken.
Was beispielsweise, wenn der Teufel uns einflüstert, uns mit züchtigem Nadelwerk zu beschäftigen? Anstatt alternativ: Älteren Mitmenschen über die Strasse zu helfen, Schülern Nachhilfe zu geben oder demütig dem Kirchgang zu frönen.

Nun, man kann ja mal die Probe aufs Exempel machen. Wer nun selbst die "idle hands" ein wenig rühren möchte - und diese Anregung kommt jetzt nicht vom Teufel (wenigstens nicht direkt), sondern vom Medium - wird sich vielleicht zunächst noch einmal eine Übersicht über die gängigen Stickstiche verschaffen wollen (der Kreuzstich ist ja nur einer von ziemlich vielen, wie beispielsweise die hier verankerte Seite, Johanna's Embroidery Page demonstriert).
Und dann heisst es: Munter losgestichelt.

hm_stick.gifGanz ähnlich wie für's Stricken gibt es natürlich auch für Stickarbeiten feine Mustergeneratoren, wie zum Beispiel - um mal nur beim Kreuzstich zu bleiben - den Counted Cross Stitch Chart Generator bei darklilac.com, der übrigens unter einer Creative Commons Linzenz operiert.

Wieder zwinkert das Medium verstohlen mit dem Musterbogen für ein hübsches HOME MADE-Logo-Bildchen (pdf). Aber nur für den Fall, das jemandem noch ein Weihnachtsgeschenk für es fehlt.

substi_hol.gifDenn nicht nur subversiver, sondern auch sicher einfacher in Angriff zu nehmen sind die tollen Starter-Kits, die man bei Julie Jackson auf der Subversive Cross Stitch-Seite bestellen kann.
Na, wäre das nicht ein wunderschönes Präsent und eine zünftige Beschäftigung über die Feiertage, so ein mit fleissigen Händen, ganzem Herzen und edlem Gemüt gesticktes "Happy Fucking Holidays"?

[Bildchen: Stammen, bis auf die HOME MADE-Stickvorlage, alle von Julie Jacksons Subversive Cross Stitch-Seite und werden hier mit freundlicher Zustimmung von Julie wiedergegeben. Das Medium winkt und zwinkert: Bloody well done!]

Von miss.gunst am 22.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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