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28.01.06

elektronisches gedicht

vpav_k2.gifEigentlich ist der grosse Treck nach Berlin für FreundInnen der elektronischen Kultur erst für Ende nächster Woche angesagt, wenn in der Akademie der Künste die transmediale06 und im Maria am Ostbahnhof der Club Transmediale die Pforten öffnen.
Wer jedoch schon in dieser Woche vor Ort weilt, sollte sich am heutigen Abend wieder einmal ins hier sowieso immer wieder gern beworbene Tesla begeben.

Zumal sich selbiges schliesslich auch dort befindet, wo ehemals der Stamm- und Hauptsitz der transmediale war (und sich bis heute noch deren Verwaltung sitzt).

Aber zur Sache: Anders als es der Eintragstitel vermuten lassen könnte, geht es nicht um lyrische Netzliteratur, sondern um ein musikbezogenes Projekt - nämlich das "virtual electronic poem", welches wiederum eine Rekonstruktion jenes mittlerweile fast schon legendären "Poème éléctronique" zum Ziel hat, mit dem der Architekt Le Corbusier und der Komponist Edgard Varèse, unterstützt von Iannis Xenakis, 1958 auf der Weltausstellung in Brüssel Furore machten: Ein spektakuläres Environment mit bewegten Lichtbildprojektionen und Musik - Multimedia avant la lettre.

vpav_g2.gifLeider wurde die Auftragsarbeit für Philipps nichts desto weniger im Anschluss an die Schau abgerissen - was blieb, waren die Pläne, Fotografien, eine Dokumentation von Le Corbusiers Filmprojektionen im Firmenarchiv und Aufnahmen der Musik. Mit dem "virtual electronic poem", einer Gemeinschaftsproduktion mehrerer Hochschulinstitute, wird das Archiv nun wieder zum Leben erweckt - mit dabei das verdiente Elektronische Studio der TU Berlin (dessen im WWW dokumentierte Geschichte sich übrigens ebenfalls anzuschauen lohnt).

Letzterem dürfte es wohl auch zu verdanken sein, dass dem VEP jetzt eine Themenwoche im Tesla gewidmet war. Die wiederum findet heute abend unter der Leitung von Kees Tazelaar, der im Wintersemester die Edgard Varèse-Gastprofessur innehatte, mit einem Konzertabend ihren Abschluss. Anders als in Tazelaars Lehrveranstaltungen und anders als an den voraufgegangenen Abenden stehen dabei zwar weder das VEP noch Varèse oder Xenakis auf dem Programm. Dafür aber im zeitgenössischen Umfeld enstandene Kompositionen sowie, schliesslich geht die Geschichte weiter, eigene Arbeiten von Tazelaar. Von denen gibt es auf den Heimseiten des Komponisten nur winzige Häppchen zu kosten, schade.

Insofern ist es (mal unabhängig von den jeweiligen Sortierungen in der heimischen Tonträger-Bibliothek betrachtet) aus der Ferne doch wesentlich leichter, ein bisschen altkonservativ zu sein und Varèse-Fan zu bleiben...

[Bildchen: Nichts weiter als die üblichen Gesichte des Mediums. In diesem Fall hat es fest an Brüssel 1958 gedacht.]

Von miss.gunst am 28.01.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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