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10.02.06

Feine Verflechtungen

ctm_skw.gifFerien sind was Feines, Zwangspausen weniger schön. Einerseits.
Andererseits gab die aktuelle, die sich einem neuerlichen Schwächeln des Versorgers verdankte (eben wie schon Ende Dezember des vergangenen und Anfang diesen Jahres) natürlich anderen Dingen mehr Raum.
Trotzdem schade, dass auf diese Weise - für's erste wenigstens - der eine oder aktuelle transmediale-Bericht auf der Strecke bleiben musste.
Nun: Zettelkastenwürdiges wird vielleicht noch nachgetragen - und für heute darf es noch eine Empfehlung zum club transmediale sein, der ja immerhin noch bis zu diesem Wochenende weiterläuft.

Der Freitagabend steht diesmal nämlich unter dem Motto "Interlace", was so viel wie Verflechtung heisst und ein gewissermassen durch die netzkulturelle Brille betrachtetes Äquivalent zum zwar auch sehr schönen, mit Blick auf den allgemeinen Biologisierungswahn aber nicht ganz unproblematischen Buzzword "Hybrid" meint.

ctm06_g.gifZum Aufwärmen und argumentativen Futterfassen gibt es zunächst um 20.00 Uhr eine Panel-Runde, zu der sich Vertreter (*rrrrräusper*: nein, leider keine -Innen) verschiedener Electronica-Festivals zusammenfinden. Details dazu im hier verankerten Begleittext - in dem jedenfalls unter anderem versprochen wird, gemeinsam der Frage nachzugehen, wie und inwiefern Festivals und unabhängige ProduzentInnen-Initiativen der allgemeinen Tendenz etwas entgegensetzen können, in Zeiten globaler Vermarktung kulturelle Eigenheiten vor allem in Form von Klischees als verkaufstechnisches Vehikel zu verbraten. Und Mischungen vorzugsweise dann interessant zu finden, wenn sie entweder scheinharmonisierende One World-Phantasien bedienen (mithin über feine Unterschiede u.a. in Produktionsökonomien hinwegtäuschen sollen) oder einfach (sowie möglichst billig) den eigenen ollen Kamellen zu einem Schuss Innovation verhelfen können.

ctm_k2.gifAn diesen Strang knüpfen dann je auf ihre Weise auch die beiden Tanzboden-Gruppierungen an. Tendenziell natürlich etwas weniger problemorientiert und mehr die hedonistische Seite adressierend. Aber nichts desto weniger programmatisch ausgewählt, insofern die zugrunde liegende Koop von club transmediale und MUTEK-Festival exemplarisch zeigen will, wie

making the global world of Pop truly global – with equal access opportunities for all, instead of the tired and stigmatizing mainstream marketing of folk-exotica

aussehen bzw. sich anhören kann.

ctm_k4.gifNun gut: Der Anspruch ist nicht gerade bescheiden und seine Einlösung im Rahmen eines Westberliner Clubfestivals sei mal dahin gestellt. Aber sehen lassen kann sich die Aufstellung auf jeden Fall:

Zur Auswahl stehen ab 23:00 Uhr Boden 1 (= Interlace II) Radius (RU), Pier Bucci (CL), Luci (CA), Ricardo Villalobos (CL/DE) & Zip (DE) mit Visuellem von Gary Hurst (GB), Kinga und Telematique (DE).
Boden 2 (= Interlace III) wartet mit Mendoza (MX), Serhat Köksal (TR), Nambavan (RU), Dick El Demasiado (NL/AR) und DJ (Geoff) Stahl (CA, nettes Blog übrigens) auf.
Wobei die zweite Abteilung inbesondere mit Mendoza und seinem Tijuana-Kollektiv sowie Serhat Köksal und seinem 2/5 BZ-Projekt wohl am direktesten offensiv an das Interlace-Thema andocken dürfte.

ctm_k3.gifZiemlich viel ziemlich Leckeres also, was die Verflechtungen im engeren Sinne des Themenabends angeht. Enden möchte das Medium den Eintrag allerdings nicht ohne die heutigen "Images d'Ameublement" gleich mit zu empfehlen. Einmal, weil sie von Zips Bruder Jörg Franzmann kommen, der vordem u.a. die Peak Club/Fahrradhallen-Gemeinde in Frankfurt und Offenbach mit seinen Videos beglückte. Und zum Anderen, weil sie auf den ganz bestimmt allerbesten Frankfurter Mini-Club der vergangenen Jahre referieren: den Sonntags-Kiosk, den Benjamin Fehr a.k.a. ffwd (s.a. sein Label catenaccio, leider auch nach Berlin ausgewandert) und Annette Sihler 2001-2002 saisonal betrieben haben (nostalgische Rückblicke aufs Programm gibt es hier).

Klingt ein bisschen intim angesichts der Weltläufigkeit, die das Motto "Interlace" zum Thema machen will? Na, wenn mal nicht das Gegenteil der Fall ist: Die Gästeliste des kleinen Kiosks war wirklich "glocal", also eine gute Mischung aus lokal und international. Während nicht wenige Beteiligte des Interlace-Programms auch jenseits des Festivals etwas länger ihre Zelte in Berlin aufgeschlagen haben...

P.S. A propos (g)local. Liegt Zürich heute nacht näher als Berlin? Dann natürlich zur zweiten Label-Nacht in der Dachkantine.

Von miss.gunst am 10.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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