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26.02.06

plunder phonisch

jo_pl_ksw.gifBeim gestrigen Verweis auf das auch heute wahrnehmenswerte Programm der Sonic Acts-Konferenz in Amsterdam hatte das Medium vor allem einen Vortrag im Auge: Den von John Oswald.
Allerdings nicht nur deshalb, weil ein Titel wie "A Short Talk on Endlessness" schön absurd und entsprechend vielversprechend tönt.

Tatsächlich ist es vor allem so, dass sich auf diesem Umweg eine gute Gelegenheit bietet, die Arbeit des kanadischen Komponisten und Musikers mit einem Zettelkasteneintrag zu würdigen. Und mit ihm seine weit verzweigten Heimseiten, den Oswaldian Space a.k.a. plunderphonics.com.

jo_pl2.gifNicht von ungefähr hat sich Oswald schon bezeiten die Zuneigung all jener zugezogen, die den schlussendlich ja doch mehr von der Musikindustrie und von Nachlassverwaltern angestrengten, gelinde gesagt: verstärkten Bemühungen um die Verfolgung von Copyright-Verletzungen im Musikbereich insbesondere dort skeptisch gegenüberstehen, wo sie einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit im Umgang mit Kulturgut zuarbeiten. Um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

Bekannt wurde er in diesem Zusammenhang zum einen mit dem programmatischen Text "Plunderphonics, or Audio Piracy as a Compositional Prerogative", den er 1985 publizierte und der nach wie vor absolut lesenswert ist.

jo_wb_1.gifZum anderen mit seinem Projekt "Plunderphonic(s)", mit dem er die Theorie vier Jahre später beweiskräftig in die Praxis umsetzte. Die gleichnamige Soundarbeit, die auf zahlreiche bekannte Stücke zahlreicher bekannter Grössen der älteren und jüngeren Musikgeschichte von Igor Stravinsky bis Michael Jackson und von Paul McCartney bis Ludwig van Beethoven zurückgreift, brachte ihm denn auch den entsprechenden Ärger mit dem langen Arm der Kulturindustrie ein. Obwohl bzw. letztlich dann natürlich auch weil er das Ganze frei auf dem Netz anbot...

Und da er mit entsprechenden Verfahren schon länger bzw. nach wie vor beharrlich arbeitet (siehe die ausführliche Chronologie), gibt es natürlich auch noch andere Produktionen, die derzeit nicht erhältlich sind, weil ihnen diverse Verfahren anhängen.
Wer sich für Hintergründe und Zusammenhänge interessiert, wird beim Stöbern in Oswalds plunderphonics-pluriversum weitere Materialien finden können; beispielsweise auch eine Reihe von Interviews. Nur eben keine Sounds. Was aber wohl nicht nur an Copyrightproblemen liegen dürfte.

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Nicht anders (allerdings bunter) sieht es denn auch auf der jüngeren Schwesterseite pfony.com aus; mehrheitlich sind es auch hier neben zusätzlichen Informationen, Texten, kleineren Artikeln vor allem Hinweise auf online oder via Tonträgererwerb zu Erstehendes, aber zu den alten Buroughs-Tapes hat Oswald eine Flashseite zum Hören ins Netz gestellt.

Das Medium empfiehlt ansonsten zur weiteren Lektüre noch ein älteres Interview, das Brian Duguid 1994 für sein EST-zine mit Oswald geführt hat.
Und sich eben heute (26.02.06) um 15.00 Uhr zur Sonic Acts-Konferenz zuzuschalten, wenn Oswald seinen eingangs erwähnten Vortrag halten wird.

[Bildchen: Da das Ganze stets mehr als die Summe der Teile ist, lässt es sich als solches selbstredend nur direkt an den Orten seiner Aufführung, also auf plunderphonics.com und pfony.com aufzusuchen.]

Von miss.gunst am 26.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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