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10.08.06

stroh-geige ff.

stg_ksw.gifDie im Zettelkasten-Eintrag zu den "Seltsamen Streichern" eher nebenbei erwähnte Stroh-Geige ist doch zu schön, um gleich wieder im Schrank zu verschwinden.

Für alle, die da sowieso eher flüchtig mitgelesen haben: Die Stroh-Geige ist, wie man sich aufgrund der erforderlichen Klangqualitäten schon denken kann, nicht aus getrockneten Getreidestrünken gefertigt.
Vielmehr handelt es sich im ein veritables (und spielbares) Musikinstrument, das vom Erscheinungsbild als eine Art Wolpertinger aus Geige und Blechbläser daherkommt.

stg_g1.gifWie man sehr schön und kompakt (und alternativ zur bereits mehrfach verankerten englischsprachigen Seite: auf Deutsch) im entsprechenden Eintrag im Lexikon von saiten.biz nachlesen kann, wurde das anmutige Trichterinstrument 1899 erfunden, um Geigen nicht (noch) himmlischer, sondern lauter klingen zu lassen.

Das mag ein bisschen irritieren, wenn man das quälende Problem des "Wie-üb-ich-daheim-ohne-mir-meine-Nachbarn-zu-Todfeinden-zu-machen" kennt, das aus dem schlichten Umstand resultiert, dass Streicher einen enormen Klangkörper haben, gegen den der Lautstärkeregler (nicht: der Bassregler) einer durchschnittlichen Stereoanlage kläglich einpacken kann.
Aber offenbar waren die Streicher für einen besonderen Zweck dann doch nicht laut genug: Nämlich für die - heute würde man sagen: gut abgemischte (bzw. das Problem entsprechend lösen) - Aufnahme auf Tonträger. Weiland Wachswalzen.

Kurzum: Bei dem auffälligen Trichter handelt es sich nicht etwa um eine Tröte, sondern sozusagen den Ausgangskanal für die Tonverstärkung.
Erfunden wurde das Ganze - und daher der Name - 1899 von John Matthias Augustus Stroh, einem nach England emigrierten Frankfurter (hier der englische Patenttext). Der uns, das kann man an dieser Stelle schon mal verraten, in persona übrigens noch zu weiteren interessanten Instrument-Erfindungen bzw. -Erfindern führen kann.
Dazu dann demnächst mehr.

Für heute mag das Voranstehende genügen, wenn man ihm abschliessend noch einen Anker auf die der Stroh-Geige gewidmeten Saeiten bei Digital Violin zur Saeite stellt.
Zwar dürften unter dem Strich wohl nur wenige der Tonaufnahmen, die Benedict Anthony Heaney versammelt, mit einer Stroh-Violine eingespielt worden sein. Von den früheren jedoch... wer weiss?

[Wunderbare Bildchen von Stroh-Geigen: siehe besagte Spezialseite bei Digital Violin.]

Von miss.gunst am 10.08.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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