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12.04.07

müll, museumsreif

csmm_ksw2.gifWenig originell, den Donnerstagstagestipp schon wieder Richtung [plug.in] zu dirigieren - aber sinn- und sachgemäss gibt es da sozusagen keine Alternative.
Oder fast keine, um genau zu sein.*
Schon allein, weil sich HOME MADE-BastlerInnen mehr oder weniger notorisch für das interessieren, was andere Menschen eher für Müll halten würden.

Heute Abend jedenfalls gibt es dort im Rahmen von Christian Philipp Müllers eh schon einschlägiger Ausstellung "passé immédiat" eine Podiumsdiskussion, die sich mit dem Spannungsfeld "Müll oder Museumsstück" beschäftigen wird. Und zwar - nahe liegender Weise - speziell auf Verfallsprozesse von Dingen bezogen, die auf der Basis elektronischer Apparate bzw. digitaler Technologien funktionieren.

csmm_g2.gifDas ist natürlich ein denkbar weitläufiges Gelände, in dem sich beispielsweise Technikmuseen bestens auskennen dürften. Die müssen sich ja schon seit Jahrzehnten fragen, was mit in die Sammlung gehört, wenn der Korpus der Apparatur und deren Bauplan längst nicht alles sind.

In diesem Fall soll es aber primär um die Kunst gehen, die mit Elektronik umgeht bzw. digitale Medien nutzt. Dazu werden sich zusammen mit Müller und der [plug.in]-Leiterin Annette Schindler als geladene Expertinnen Kollegin Villö Huszai und Beatrice Tobler, die am Berner Museum für Kommunikation für das entsprechende Sammelgebiet zuständig ist, über folgende Fragen unterhalten:

"Wie gewinnen und verlieren Technologie, Medien und Kunst an Wert? Was passiert hinsichtlich des Wertes, wenn ein im Gebrauchszusammenhang obsolet gewordener Gegenstand Teil eines Kunstwerks wird ? Was definiert den Wert eines ausgedienten Computers: Sentimentale Faktoren? Die Seltenheit des Gerätes? Welche Rolle spielen gestalterische oder ästhetische Gesichtspunkte? Oder besteht der Wert nur aus den vielleicht noch funktionstauglichen Festplattenteilen oder Grafikkarten, die in den Geräten zu finden sind? Den Kupfer- und Gold-Bestandteilen der einzelnen Bauteile? Oder ist der Wert doch eher ein negativer – bestehend aus Kosten für Lagerung, Transport und schliesslich umweltgerechte Entsorgung des Gerätes? Und wie steht es mit dem Sammeln und Erhalten von Kunst, die mit solch schnell veraltenden Technologien arbeitet?"

csmm_g3.gifErgänzen liesse sich diese lange Reihe aus nahe liegenden Gründen vielleicht noch um Überlegungen wie: Was bedeutet es eigentlich, wenn Computerschrott durch die Kunst aufgewertet wird? Kann es auf diesem Wege gelingen, nachhaltigeres Nachdenken über den Verfall nicht nur der elektronischen Apparatur per se, sondern auch dessen auszulösen, was mit ihnen im Orkus verschwindet - eben zum Beispiel die Kunst bzw. kulturelle Produktion, die auf ihnen basiert oder auch nur gespeichert ist? Welche Alternativen gibt es, dieses teils unrettbar verlorene oder in irreversiblem Verfall begriffene Kulturgut künftigen Generationen zugänglich zu machen? Und: Trägt der Midasgriff des Künstlers dazu bei, Elektronika eben doch vor dem Verfall zu schützen? Oder führen zum Beispiel Nutzungs- und Verwertzungsrechte für Kunst- und Kulturproduktionen dann wieder dazu, dass Zugänge zugleich erschwert werden - sei es, dass man keine Sicherungskopien herstellen kann, sei es, dass man den Computerschrott nicht mehr so einfach abbilden kann - weil er ja jetzt ein Kunstwerk bzw. in diesem Fall: eine Installation von Chistian Philipp Müller ist...?

Mehr zum Thema in diesem Blog? Einfach mal das Stichwort "Schrott" ins Suchmaschinchen werfen. Oder, wenn es ein bisschen gezielter sein darf: "Christian Philipp Müller". Und die ganz Bequemen werden einfach auf die Einträge vom 08.02.07 (zur Webarchäologie) und vom 05.09.06 (und dort speziell auf den Anker zur Redundant Technology Initiative), vom sowie diesen hier in der netten Nachbarschaft des digital brainstorming blogs verwiesen, wo es nochmals um einen anderen Aspekt der Medienhistorie ging).

* Ach ja, da war doch noch etwas: Die Alternative. Die hat es in der Tat. ZürcherInnen werden sich natürlich eher pünktlich um 20:00 Uhr im Walcheturm einfinden. Dann ist nämlich noch einmal eine Exkursion zum Mars angesagt (und sei es nur um mal zu schauen, ob es dort nicht vielleicht doch grüne Männchen gibt)!

[Bildchen: Obigen Fragen auf seine Weise nachgehend, ist das Medium in einschlägigen Gründen auf die Suche nach Computerschrott gegangen, um ihm zu ein wenig Museumswürde zu verhelfen. Für die Möglichkeit, dem Ganzen einen angemessenen Rahmen zu geben, dankt es herzlichst dem/der Wikipedia-Commons-SpenderIn Runa27 und unterstellt die Endprodukte folgsam cc-by.]

Von miss.gunst am 12.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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