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28.05.07

strickliesel(n) für hacker

strha_ksw.gifManche mögen der erhöhten Luftfeuchtigkeit zu Pfingsten wenig abgewinnen können - die HOME MADE-BastlerInnen freut's vielleicht eher. Denn nach all den Exkursionen, Festivals undsoweiter ist doch erst einmal wieder etwas Heimarbeit angesagt.
Weil die sich natürlich tendenziell* im stillen Kämmerlein abspielt, gibts davon heute noch nichts zu berichten - aber ersatzweise einen kleinen Lese-Tipp zum Thema.

Der führt diesmal in die "Netzwelt" des Wochenmagazins Der Spiegel, wo man nämlich - nicht eben früh, aber immerhin - nun auch den aktuellen Basteltrend entdeckt hat.

Was Christian Stöcker und Konrad Lischka unter dem schönen Titel "Hacker zu Stricklieseln" in Zeilen gegossen haben [zugegeben: ein ziemlich verflüssigtes Sprachbild in Zeiten, da die beweglichen Lettern nicht mehr in den Bleisatz gehen], dürfte den meisten einschlägig befassten HeimwerkerInnen im Allgemeinen und insbesondere treuen LeserInnen dieses Log.Buchs zwar nichts Neues sein. Aber man muss ja doch ein bisschen auf dem Laufenden bleiben, wenn es um die mediale Multiplikation von Trendsportarten geht, zu denen man selbst eine engere Beziehung hegt. Und womöglich bereits gehegt hat, bevor die Schwelle zur allgemeinen Vermarktungsfähigkeit so flachgetreten war wie sie es derzeit nunmal zweifelsohne ist.

Wer sich allerdings auch für letzteren Prozess und das Spannungsfeld drumherum intessiert, kann den Artikel sogar noch mit einem gewissen Surplus in den Zettelkasten packen.

strha_g2.gifNicht etwa, weil er entsprechende weiterführende Reflexionen enthalten würde - beispielsweise mit Blick auf die doch eigentlich ziemlich nahe liegende Frage, wie das konstatierte Interesse der "Hacker" (gemeint sind eher: ElektronikbastlerInnen) an der Handarbeit und die im Web 2.0 scheinbar neu entflammten Neigung zur klassischen Bastel- und Nadelarbeitskultur vor dem Horizont aktueller sozialer und ökonomischer Entwicklungen zu verorten wäre. Und was das wiederum für Web 2.0-Plattformen als Geschäftsmodell bedeutet. Auf derlei gehen die Autoren - anders, als man das in einem sonst ja schon ein bisschen politisch orientierten Magazin erwarten würde - leider nichtmal zwischen den Zeilen ein.

Vielmehr liefert das Ensemble des Publikationszusammenhangs, in dem der Text erschienen ist, gleich selbst ein ideales Beispiel für das, worüber geschwiegen wird. In einem kleinen Extra-Kästchen wird die Leserschaft nämlich gefragt:

"Sind Sie auch ein Hardware-Hacker? Arbeiten Sie auch an einem bizarren Bastelprojekt?"

Was dann folgt, ist selbstredend die Einladung, fleissig mitzutun:

"[...] Schicken Sie uns Fotos und eine kurze Beschreibung ihres Projektes - die schönsten, skurrilsten, bizarrsten präsentieren wir hier bei SPIEGEL ONLINE. [...]"

Davon, dass es für die Publikation Honorare gibt, steht mindestens an dieser Stelle nichts zu lesen. Woraus man nicht gleich schliessen muss, dass tatsächlich keine ausgezahlt werden. Doch in jedem Fall dürfte solcher "User-Generated Content", der zudem für emotionale Bindung sorgt, eine einträglichere Sache sein als teure RedakteurInnen und/oder FotografInnen auf Recherche zu schicken. Ist auch so eine Art von DIY.

Nunja, dies selbstredend nur am Rande und weil uns solche Zusammenhänge mit Blick auf die heissgeliebte Bastel- und Medienkultur eben auch forschungsweise beschäftigen. Mehr dazu aber besser dann ein andermal - sonst wird am Ende noch die Stricknadel der Lötkolben kalt... ;-)

[Bildchen: Zwar taugt ein Medium mit mässigem Verstand nicht wirklich zur "Hackerin" (und noch weniger zum "Hacker"). Aber mit Stricklieseln haben wir elektronischen Meädchen es natürlich schon. Der Dank für einige Bauteile geht wie so oft an die Wikipedia Commons bzw. jene NutzerInnen, die diese dort der Public Domain überantwortet haben.]

* Beziehungsweise auch ganz konkret - wenngleich das aktuelle anyma-Camp wohl allenfalls durch ein besonders grosszügig eingestelltes und umgekehrt angelegtes Meta(phern)fernglas betrachtet als "stilles Kämmerlein" durchgehen kann.

Von miss.gunst am 28.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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