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24.08.07

DIY arbeit (9to5 +n, mit WRT)

wnea_ksw.gifZu einem klassischen "9to5-Job" würde eigentlich gehören, das Wochenende frei zu haben. Aber es geht auch anders, sowieso. Und wo kein Feierabend, gibts natürlich auch keinen Sonntag - genauer gesagt: Das alles muss man sich schon selber machen, wenn man sich die Arbeit selbst organisiert. So ganz gut klappt das offenbar nicht immer - und das gilt offenbar nicht nur für hard blogging scientists, ums mal gleich im branchenüblichen denglisch zu formulieren.

In Berlin wird jedenfalls derzeit genau zu diesem Komplex kollektiv durchgearbeitet, schon seit Donnerstag abend und noch bis zum kommenden Sonntag früh. Und damit angesichts der Tatsache, dass man zusammen nebenbei auch Spass an der Freude haben kann, keine Missverständnisse aufkommen, heisst das Ganze programmatisch "9to5 - Wir nennen es Arbeit Festival Camp".

wnea_as_g.gifVerantwortlich für Konzeption und Organisation zeichnen die in der Sache denkbar kompetenten und durch die Publikation des Buches von Holm Friebe und Sascha Lobo, "Wir nennen es Arbeit", selbst in echten 9to5-Freak-Kreisen denkbar prominenten BetreiberInnen der Zentralen Intelligenz Agentur - die treuen LeserInnen dieses Logs unter anderem auch über die hier schon früh heftig angehimmelte Riesenmaschine bekannt sein dürfte.

Im hauseigenen Blog, der während der drei Tage und Nächte live fleissig weiter bestückt werden soll, setzt man schon vorab ganz professionell auf embedded journalism - wie auch immer zarte Anflüge von Kritik werden entsprechend lässig abgewedelt. Dabei hat die HNA mindestens insofern recht, dass sich weniger betuchte Bohemiens und Bohemiennes womöglich vor allem tagsüber den Spass an der Freude des Arbeitens über Arbeit gönnen können. Dann ist das Programm nämlich für Umme, während für die hellen Nächte eben schon ein paar Eurolein locker gemacht werden müssen. Kultgetränkekonsum exklusive, versteht sich. [Beiseit: Müssten da nicht eigentlich alle, die das Selbstverständnis der VeranstalterInnen teilen, freiwillig ein Businessticket erwerben?]

Allerdings gibts als Dreigabe zum Dreitagesticket das obligate Fan-Shirt; ausserdem kann man sich, wie sich's für eine Veranstaltung des DIY-Minikapitalismus gehört, auch über aktives Mitwirken als TellerwäscherIn HelferIn freien Eintritt erwirken. Obendrein darf vor Ort sogar genächtigt werden - klar, weil man sich in einer Agentur beim Arbeiten ja auch wie zu Hause fühlen soll. Obwohl wir ja eigentlich längst gelernt haben, dass man superökonomischer Weise besser gleich das eigene Heim zum Arbeitsplatz erklärt.

Zudem ist es tatsächlich auch so, dass - wie klug formuliert wird - die meisten Veranstaltungen "from 9to5" stattfinden. Was freilich nicht bedeutet, dass es sich dabei auch um die begehrenswertesten Veranstaltungen der Veranstaltung handelt, die zu den üblichen Bürozeiten zu haben sind. Weil das ja auch eine seltsame Hierarchie einführen würde, die sich - zumal unter den Kriterien sogenannter freiberuflicher Arbeit - schwerlich mit einer Art Nacht- oder Überstundenzuschlag erklären liesse. Also klassisches Intellektuellendumping versus DJ/MusikerInnen-Glamfaktor? Oder Verbilligung aufgrund notwendiger Eigentbeteiligung? Viel einfacher: Gemeint ist nicht zwischen 09:00 und 17:00 Uhr, sondern 9to5 p.m.

wnea_bs_g.gifAber wie auch immer bzw. wie prekär man die fröhliche Identifikation mit einem neuen Bohème-Begriff finden mag (der nämlich nicht nur aus dem 19. Jahrhundert stammt, sondern als klassischer Künstlermythos bis heute für eigentlich mit eher unerfreulichen Konsequenzen für die freiwillig wie die unfreiwillig von entsprechenden Projektionen Betroffenen einhergeht): Das Programm als solches (gibts auch als schickes pdf-Heftchen) ist schlicht und ergreifend ziemlich lecker, erwartungsgemäss.

Insofern: Schön, wenn man dieser Tage in Berlin sein kann und nicht anderweitig anderswo, *aehm*, arbeiten muss.
Wobei, à propos. Multitasking ist bei uns superflexiblen Patchworkern ja sowieso eine Selbstverständlichkeit. Weshalb wir glatt noch so etwas wie einen Webradio-Tipp hätten. Bei den Berliner Campern handelt es sich nämlich um freiwillig gläserne Werktätige; wird inklusive Abendprogramm alles gestreamt. Und wer beide Streams nicht stereo schafft, kann das Verpasste sogar als Podcast nachhören. Klappt bislang bestens. Also, Kommando zurück und neue Frage: Warum an die Spree fahren, wenn man wie gehabt weiterarbeiten und trotzdem an der berufsbezogenen Fortbildungsmassnahme teilnehmen kann?

[Bildchen: Nunja, steht im Grund drauf wie drin. Die A- und die B-Seite des Lebens in der analogen wie der digitalen Bohème. Wir wissen schon auch, wovon wir so träumen, wenn der Tag lang ist. Oder etwa nicht?]

Von miss.gunst am 24.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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