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11.08.07

nebochant (strotter @ aarau)

straa_ksw.gifAuf nach Aarau. Witterungsbedingte Widrigkeiten werden uns da nicht abhalten können. Zumal es kein Hochwasser braucht, um hin und wieder einen Leuchtturm wie den Kunstraum anzusteuern, der seit einiger Zeit regelmässig mit spannenden Ausstellungen und Aktivitäten wie der Reihe Musikzimmer blinkt, in deren Rahmen in diesem Jahr beispielsweise auch schon Norbert Möslang ein Gastspiel gab.

Seit gestern Abend ist dort nun eine Ausstellung zu sehen und zu hören, die sich wirklich nicht entgehen lassen solltet, wer sich für entsprechende Gratwanderungen auf experimentellem Terrain interessiert.

straa_g0.gifStrotter, der Bauer im Anzug, ist bekanntlich Experte für Sondierungen dieser speziellen Scholle. Und er sorgt natürlich auch diesmal dafür, dass Letztere erstmal gepflegt in die Brüche und dann ordentlich in Bewegung gerät.
Bewährte Partner bei dieser besonderen Form der Beackerung von Feldern der Klangkunst sind, wie (fast) immer bei Strotter, die guten alten Lenco-Plattenspieler, deren robuste Konstruktion seinen mitunter brachial wirkenden - eigentlich aber ziemlich feinsinnigen - Eingriffen entgegen kommt. Oder sollte man vielleicht besser sagen schreiben: Trotzt?

Je nachdem. Menschen, die Schallplatten grundsätzlich nur mit Samthandschuhen anfassen und schon in ihrer Kindheit die jüngeren Geschwister ihrem geheiligten Gerät zum Abspielen derselben (der Platten, nicht der Geschwister) allenfalls auf Sichtweise sich anzzunähern gestatteten: Dürften bei Strotter schon ziemlich ins Schwitzen kommen. Gnadenlos werden in Reichweite des Drehtellers Gegenstände mit Schraubzwingen fixiert, Nadeln gegen Nägel ausgetauscht, Tonträger gezielt versehrt, beschnitten, beklebt oder gegen etwas ausgetauscht, das nie und nimmer abspielbar erscheint. Und sich dann aber wundersamer Weise als idealer Geräuschgenerator erweist.

straa_g1.gifWas derart beschrieben erst einmal nach grober Gewalt an Gegenständen und kruder Dekomposition klingen mag, tönt ihm Ohr aber eben alles andere als roh. Rauh vielleicht anfangs - doch dann drehen sich Schlaufen um Brüche zu minimalistischen Kompositionen von maximaler Komplexität. Wider die Langeweile des Vorhersehbaren, eine Ode ans Eigenleben des Materials und der Apparate. Ein Erntedankfest für die Gesänge, die man diesem entlocken kann.

Nebochant heisst die Ausstellung übrigens. Was in etwa: Einfaltspinsel, Depp oder Trottel meint. Das passt natürlich zum Strotter, der sich als stoischer Kehrrichtsammler an den Rändern der diversen Betriebssysteme versteht. Scheinbar einfältig wie dazumal Simplicius Simplicissimus zeigt, was eine Harke ist - und dass sie mitunter besser klingen kann als eine Harfe.

P.S.: Am besten gleich schon mal vormerken, bitte: Am Freitag, den 31.08.07 um 21:00 gibt Strotter Inst. in der Inst. von Strotter sein #47 Nebochant Konzertperformancekonzert.

[Bildchen: Stammen ursprünglich aus Kollegen Sternenjägers Beutekescher bzw. vom ersten HOME MADE Klangtag 2005. Aus gegebenem Anlass kontrastgrob in Pixel geschnitten.]

Von miss.gunst am 11.08.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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