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16.09.07

absurde apparaturen, merkwürdige maschinchen ff.: goldberg

rgm_ksw.gifDer gestrige Eintrag zu Bernie Lubells wunderbaren und wundersamen Konstruktionen ist ein guter Anlass, um einen recht wichtigen Strang dieses Logs wieder hervorzuziehen und mal etwas systematischer auf ein Sondersammelgebiet einzugehen, das für die HOME MADE Forschung doch ziemlich zentral ist: Absurde Apparaturen und merkwürdige Maschinchen.

Ein weites Feld, wie man sich denken kann.
Indes gerade erst mit der Fischli & Weiss Retrospektive mit dem "Lauf der Dinge" wieder mal ein Klassiker unter den künstlerischen Variationen auf Kermits Was-passiert-dann-Maschine (aus der Sesamstrasse, im Original "What Happens Next Machine") zu sehen war, lassen sich die eigentlichen Wurzeln solcher Experimentalanordnungen natürlich noch viel weiter in die Geschichte zurückverfolgen.

rgm_g1.gifFrüher oder später wird es dazu sicher auch mal ein diesem schönen Thema gewidmetes GUNST zine geben. Da dort die Produktion aber noch ein bissel dauert, vorerst einmal im Log weitere Einträge. Den heutigen widmen wir den im amerikanischen Sprachraum weit verbreiteten "Rube Goldberg Machines".

Weil diese sich in besagtem Kulturkreis denkbar grosser Beliebtheit erfreuen, ist im Grunde schon der hier verankerte Wikipedia-Eintrag zu den RGM recht brauchbar (wenngleich auf den ersten Blick auffallen kann, dass sich die Listen zu verwandten Konstruktionen andernorts sowie zur Rezeptionsgeschichte in Literatur, Kunst, Film etc noch kräftig ergänzen liessen).

Daher nur das allerwichtigste in Kürze:

Was versteht man unter "Rube Goldberg Machines"?
Möglichst komplizierte Konstruktionen (ursprünglich: mechanisch, pneumatisch und ggf. performativ - dh unter der vorab kalkulierten Einbeziehung von Handlungen mehr oder weniger unbeteiligt ins Geschehen geratender Menschen oder Tiere), deren Funktionszweck jedoch eigentlich ein ganz einfacher wäre, sich also ebenso gut mit wenigen Handgriffen erledigen liesse.

Wer hat's erfunden?
Unter dieser Benamsung: Rube bzw. eigentlich Reuben Garret L. Goldberg (1883-1970), ein amerikanischer Karikaturist.
Auf seiner (posthum angelegten) Heimseite bzw. den Rube Goldberg-Seiten erfährt man nicht nur Näheres zu seiner Biographie, sondern kann sich auch zahlreiche seiner wunderbaren Zeichnungen - darunter vor allem jede Menge "Rube Goldberg Machines" anschauen.

Und wann?
Um 1914 sind wohl die ersten Zeichnungen solcher Apparaturen entstanden bzw. publiziert worden. Wie in einem Artikel zu "Rube Goldberg Devices" in Don Markensteins Toonpedia nachzulesen ist, war Goldberg dabei wohl von einem seiner ehemaligen Physiklehrer inspiriert worden, der eine extrem komplizierte Apparatur zur Bestimmung der Masse der Erde entworfen hatte.

rgm_g3.gifWo kann man man Rube Goldberg Machines sehen?
Die originalen, also Goldbergs Zeichnungen? Da muss man glücklicherweise nicht erst Archive konsultieren. Eine kleine Auswahl gibt es, s.o., auf den Rube Goldberg-Seiten; ausserdem sind mehrere Bücher mit ausgewählten Arbeiten erschienen (sogar ein kleines in deutscher Übersetzung. Der Titel natürlich, nicht der Zeicnhnungen).

Kann man Rube Goldberg Machine auch bauen?
Jein. Bei Goldberg ist schon der Witz an der Sache, dass es sich um imaginäre Konstruktionen handelt, zumal sie oft mit so etwas wie hasard objectif bzw. Situationen operieren - etwas, das so passieren könnte oder müsste, damit die Maschine funktioniert.
Aber es gibt jene Menge fleissiger BastlerInnen, die Maschinen im Geiste der Rube Goldberg Machines bauen.

Prominent begegnen solche "Rube Goldberg Machines" beispielsweise in einer ganzen Reihe von Filmen und TV-Produktionen (siehe die Liste Wikipedia-Eintrag zu den RGM, die noch ergänzt werden könnte).
Erwähnenswert ist speziell in diesem Log sicher auch der seit 1959 (mit zeitweisen Unterbrechungen) jährlich stattfindende Rube Goldberg Machine Contest. Bei dem mittlerweile - und anders als bei Goldberg selbst - auch elektronische Elemente bzw. Computer zum Einsatz kommen.

Soweit vielleicht erst einmal die wichtigsten Basisinfos zu einem der Klassiker des Meties. Fortsetzung folgt bei Gelegenheit...

... wie übrigens auch weitere Nachträge zu diversen Spezereien, die während der Ars Electronica im Kulturbeutel landeten (dazu mehr aber auch andernorts, nämlich in der netten Nachbarschaft bei clickhere).

[Bildchen: Zwei zeitgenössische Rube Goldberg Maschinen, die John C. Larson fotografiert und - das eine wie das andere - auf Flickr dankeswerter Weise unter cc-by-sa-Lizenz veröffentlicht hat, so dass sie umter anderem auch in den Wiki Commons landeten. Thank you, John!
Btw.: Auf Flickr hat es jede Menge Aufnahmen grossartigster Apparaturen. Leider die wenigsten davon cc lizensiert. Also selber anschaun gehn...]

Von miss.gunst am 16.09.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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