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22.11.07

lizenz zum lieben

idll_ksw.gif... oder vielleicht etwas präziser: Ein ziemlich liebenswerter Ansatz zur Frage "Wie sähe eigentlich eine Lizenz aus, die aufs Wesentliche geht?"
Aus juristischer Perspektive ist dieses Wesentliche aus nahe liegenden Gründen die Klärung der Rechtsverhältnisse.
Die ihrerseits aber aus ebenso nahe liegenden Gründen nicht im Vordergrund steht, wenn Menschen sich mitteilen und etwas mit anderen teilen wollen.

Denn dass in diesem Zusammenhang auch die Rechtsverhältnisse interessieren (müssen), ist ja doch eher etwas, was man im Sinne verantwortungsvollen bzw. -bewussten Handelns auf der Agenda hat. Aber zugleich wohl kaum als Hauptmotiv dieses Handelns bezeichnen würde.

idll_t1.gifWer beispielsweise ein Netzlabel betreibt, muss sich zwangsläufig Gedanken um Lizenzen machen. Das Eigentliche an der Sache ist jedoch: Die Musik.

Ebenso - und auch da kommen bekanntlich schnell die Rechtsverhältnisse mit ins Spiel - sieht es in Sachen Ökonomien aus. Die müssen im weitesten Sinne stimmen, sonst geraten Projekte schnell in Schwierigkeiten. Nur: Allein des Geldes wegen ein Projekt aus dem Boden zu stampfen, sollte man sich mindestens in den Künsten vielleicht doch lieber von vornherein sparen.
Eine Online-Plattform fürs Herunterladen von Musik: So etwas kann man natürlich als Geschäftsidee verfolgen. Aber ein Netzlabel, bei dem die Musik kostenfrei weitergegeben wird? Wohl kaum.

idll_g.gifWas wiederum nicht heisst, dass sich NetzlabelbetreiberInnen weder Gedanken ums Geld noch solche um Linzenzen machen müssen. Im Gegenteil. Gleichwohl: Wenns aufs oder ums besagte Wesentliche geht, steht eben, wie gesagt bzw. geschrieben, doch eher etwas anderes vorn. Und das sind die Neigung. Die Zuneigung. Die Sympathie. Die Liebe zur Sache und zu den Menschen, die sich dieser Sache ebenfalls verschrieben haben. [Grosses Wort, aber wofür klopft das Herzchen, sieht man mal von seiner selbstredend nicht ganz unwesentlichen biologischen Basisfunktion ab? Genau.]

Anders und etwas konkreter:
Wenn man nun - wie am vergangenen Wochenende bei interfiction - fragt: "Auf welchen Grundlagen arbeiten?", dann ist in diesem Sinne klar, dass Rechtsverhältnisse und Ökonomien nicht die einzigen Grundlagen sind, auf denen Kunst-, Kultur- und Wissenproduktion ruhen und aus denen sie schöpfen. Sondern vielmehr auch das Emotionale zählt. Und zwar möglicherweise ziemlich viel.

Dummerweise hat das im Gestus des Gebens und Freigebens per se, kaum aber in den gängigen Lizenzen seinen Ort, die dieses Geben und Freigeben begleiten. Auch in einer Lizenz wie den Creative Commons blinkt es allenfalls zwischen den Zeilen hervor oder ist etwa dort untergebracht, wo man wem-auch-immer grosszügig gestattet, eine mit viel Liebe (scil.: Schweiss und Tränen) gebastelte Eigenkreation nach Lust und Laune zu verwenden und gegebenenfalls sogar auseinanderzunehmen.

idll_t2.gifUmso sympathischer daher der Vorschlag, den Oliver Hagmann und Raffael Dörig von interdisco machten (genau, eben jenes bekanntlich und nicht von Ungefähr zu unseren Lieblingsnetzlabels zählt).
Die Essenz ihres Vorschlags fasst ein kleiner Flyer, den sie in Anlehnung an die bekannten, die ökonomischen und juristischen Aspekte fokussierenden Logos der CC-Lizenz gezeichnet haben und der eben als Versuch verstanden werden kann, auch mal das Wesentliche bzw. die wesentliche Motivation zu fassen, auf welcher die Netzlabelarbeit bei interdisco basiert.

Spricht für sich, oder?

idll_t3.gifP.S.: Ja, klar kann man da auch gleich wieder mit Einwänden winken. Wie sie allerdings vor allem auf dem sumpfigen Boden von Binsenweisheiten spriessen. Wie beispielsweise: "Wo es um Geld geht, hören Freundschaft und Liebe schnell auf".
Und auch seitens sonst ziemlich leidenschaftlicher Musiker kann es, wie C. Cay Wesnigk von onlinefilm.org wusste, durchaus divergierende Auffassungen geben. So findet sich bei Frank Zappa ("Packard Goose", "Joe's Garage") folgende Ungleichung:

"Information is not knowledge. Knowledge is not wisdom. Wisdom is not truth. Truth is not beauty. Beauty is not love. Love is not music. Music is THE BEST..."

Soviel zu den feinen Unterschieden. Aber manchmal muss man eben auch aufs Ganze gehen, oder etwa nicht?
Merci jedenfalls an Oliver für den Hinweis und an Raffael fürs Nachschlagen des Zitat bei WikiQuote - und an alle beide fürs Bildchen bzw. dessen freundliche Wiedergabegenehmigung. Unter CC oder unter LL? Ratet mal...

Von miss.gunst am 22.11.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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