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05.12.07

plunderphonisches radio (@ tesla)

plupho_ksw.gifIn Berlin wird zurzeit bekanntlich so etwas wie ein inverser Adventskalender gezählt: Zum Ende des Monats schliesst das Tesla seine Türen.
Zu den zahlreichen Verlusten, die damit zu beklagen sind, gehört auch der Mittwochs-Jour Fixe für Kunstradio-FreundInnen - also RadioTesla, das heute zu einem seiner letzten Abende lädt. Der, damit das Abschiednehmen so richtig weh tut, auch noch einem besonders schönen Thema gewidmet ist: Dem plunderphonischen Radio.

Schon klar: Aus der Ferne war von RadioTesla leider nichts zu haben - denn anders als sein Name erstmal hoffen lässt bzw. liess, gab es keine Übertragung, weder in den so genannten Äther noch auch via Stream (ergo hier auch keine Webradiotipps). Stattdessen Realpräsenz, quasi die Versammlung um einen imaginären Sender, wie sie durch die individualisierbaren digitalen Formate zunehmend verloren geht.

pluph_g.gifWar (bzw. ist) aus der Ferne betrachtet natürlich trotzdem blöd, dass ausgerechnet eine Tesla im Namen tragende Radioveranstaltung sich so dezidiert der Reichweite verweigert(e).
Drum können wir auch diesmal wieder nur eine Empfehlung für Ortsansässige aussprechen - auch wenn wir selbst eben grad bei diesem Abend nur zu gern dabei gewesen wären.

Wobei uns erste Zeile der Ankündigung:
"plunderphonic culture, ausgewählte stücke eines neuen genres."
einerseits lockt (bekanntlich fällt Plunderphonisches direkt in unser Interessengebiet - und derlei war ja gerade auch bei der interfiction 2007 Thema).

Indes man andererseits aber doch ein bisschen über die Wendung "eines neuen genres" stolpern kann: Schliesslich hat John Oswalds Plunderphonics-Konzept schon gute zweiundzwanzig Jahre auf dem Buckel (s.a. seinen Essay aus 1985, "Plunderphonics, or Audio Piracy as a Compositional Prerogative"). Mal ganz zu schweigen von früheren Praxisansätzen, die in die entsprechende Richtung gingen, sozusagen von Kagel bis zu den Residents. Mehr dazu im informativen Eintrag der (englischen) Wikipedia.

Ob die Rede vom "neuen Genre" also in etwa so wie die von den "neuen Medien" zu verstehen ist? Geschichtsvergessenheit bzw. ewige Jugend als Positionierungsstrategie?
Wollen wir für heute mal nicht entscheiden. Aber vielleicht, nein: Ganz sicher hört, wer sich heute Abend in Berlin ins Tesla begibt, mehr...

[Bildchen: Wie so oft eher frei assoziiert - diesmal zur plunderphonischen Praxis. Den Notensatz für die Versatzstücke selbst vorzunehmen - was ja auch dem Prinzip des Plunderphonischen gar nicht entrsprochen hätte - ersparten uns grossherzige Spender in die Wikipedia Commons sowie das grosse GNU.]

Von miss.gunst am 05.12.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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