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10.01.10

Sphärengesänge (Greg Fox)

sphh-ksw.gifNicht nur mit Radio-Astronomie, sondern auch mit Planeten- und Sphärenmusik haben wir uns in diesem Log.Buch schon öfter befasst. Mit dieser lassen sich natürlich auch die Ohren versorgen...

... und das, obwohl sie sich eigentlich jenseits des menschlichen Gehörs abspielt. Wohl nicht zuletzt deshalb streiten sich die Geister darüber, wie sie wohl klingt. Günter Eich imaginierte sie in seinen Träumen als grausames Geräusch, Gustav Holst in seinen "Planeten" als wunderbare neue Musik.

sphh-g01.gifDer britische Komponist Greg Fox wiederum hat sich 2006 daran gemacht, eine (wie er selbst schreibt) "naturalistische, astronomische Annäherung an die Sphärenharmonie" zu versuchen. Allerdings nicht so naturalistisch, dass er mit Field Recordings bzw. Mitschnitten von Radio-Teleskopen gearbeitet hätte.

Vielmehr handelt es sich bei seinem "Carmen of the Spheres" um eine Komposition für neun Sinuswellen, der Fox eine propotionale Umrechnung der für das menschliche Ohr unhörbaren Frequenzen zu Grunde gelegt hat, die sich aus einer Umrechnung der Umlaufzyklen der Planeten in Sekunden ergibt. Klingt erst mal umständlich, lässt sich aber auf eine einfache Formel bringen, deren Hintergrund er auch ausführlich erläutert:

"Take the orbital period in days and convert to seconds. Divide this number by two until such a time as it falls between 0.05 and 000067 seconds. Convert seconds to hertz by dividing one by your number, eg. 1/0.05 = 20hz."

sphh-g02.gifUnd dass sein Lied der Sphären ungeachtet oder vielmehr (darum geht es ja nun bei der Sphärenharmonie) gerade wegen seines präzis berechenbaren mathematischen Hintergrund den Ohren sinnliches Vergnügen bereitet, lässt sich auch ganz einfach überprüfen. Schliesslich hat Fox seine Komposition nicht nur vertont, sondern auch unter Creative Commons-Lizenz bei archive.org publiziert.

Dort gibt es mittlerweile sogar zwei Fassungen: Zum einen die ursprüngliche Version von 2006. Und dann noch einmal in einer "Anniversary Edition" von 2007, die seinem in jenem Jahr verstorbenen ehemaligen Lehrer Paul Caller gewidmet ist.
Der hatte ihn nämlich seinerzeit dazu angeregt, es einmal mit einem neuen Zugang zu den eingangs bereits erwähnten "Planeten" von Gustav Holst zu versuchen. Und damit natürlich auch jenen im Orbit. Womit wiederum auch der Kosmos der Musikgeschichte um einige Sphärenharmonien reicher geworden ist.

sphh-gg.gif

[Bildchen: Schaut nicht von ungefähr ganz ähnlich wie jenes aus, das den Eintrag zu Radio Astronomy ziert. Allerdings hat dieses hier nicht nur Platz für den Saturn und seine Umlaufbahn, sondern ist tatsächlich einer Illustration zur Sphärenharmonie und deren Umsetzung in Notation entlehnt, welche DasBee in Anlehnung an eine entsprechende Darstellung aus Johannes Keplers "Harmonices mundi" von (1619) erstellt und via Wikimedia Commons in die public domain gespendet hat. Grand Merci!]

Von miss.gunst am 10.01.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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