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12.02.10

Ein-Bildungen (Esemplasticism @ ctm 2010)

esem-ksw.gifEsem... wie bitte? Der Titel dieser Ausstellung scheint erst mal eins: Preiswürdig in der Kategorie "Fremdwortverliebter Kryptizismus". Hilfreich ist daher vielleicht als erster Hinweis: Das ganze hat mit Wahrnehmung zu tun...

Tatsächlich ist "Esemplasticism" auch im Englischen ein Kunstwort - allem voran, was den "ismus" am Ende betrifft. Zu "esemplastic" (steht zu lesen: aus dem Griechischen abgeleitet für "hineingeformt" - naja, eis, (h)en... da nimmt es das Wictionary wohl nicht so genau... aber bei Coleridge steht es dann tatsächlich in etwa dieser Bedeutung - genauer gesagt,es wurde von ihm erfunden, um die willentliche, schöpferische Einbildungskraft zu beschreiben.

Nehmen wir zum Beispiel ein Bild wie dieses hier, bei dem ein dickes schwarzes Rechteck den wohlgefälligen Anblick zweier sympathischer Gesellen gemein blockiert...

esem-01n.gif

Direkt auf Coleridge bezieht sich die Schau, die Hicham Khalidi ursprünglich für den Kunstraum TAG in Den Haag zusammengestellt hat und die anlässlich des Club Transmediale nach Berlin gereist ist, allerdings auch nicht. Sondern mehr auf dessen weiterführenden Gebrauch im wahrnehmungs- und kognitionspsychologischem Sinne:

"Our brains are esemplastic, shaping disconnected elements – incomplete or ambiguous information from our senses – into the seamless whole of our experience. What we see, hear, touch and feel is folded into an amalgam of data, emotions and cultural baggage. [...]"

So weit, so erst einmal hilfreich und gut - richtig interessant wird es jedoch, so die These der Ausstellung, wenn wir uns zunehmend Wahrnehmungen als/in Erfahrungen einformen, die aus sinnlich-erfahrungstechnisch mehr oder weniger unkontrollierbarer Quelle stammen bzw. unseren primären Wahrnehmungskapazitäten eigentlich längst nicht mehr zugänglich sind.

... und dann stellen wir vor, wie schön die freie Sicht aufs Mittelmeer die beiden wär... von denen vermutlich viele vermuten, dass sie in ganzer Pracht etwa so aussehen:

esem-02n.gif

Vor diesem Hintergrund will "Esemplasticism - The Truth is a Compromise" allerdings nicht in das gern angestimmte Klagelied von einer etwa nicht mehr zu bewältigenden Datenflut einstimmen. Und das konsequenter Weise, denn die Annahme einer "esemplastic capacity" besagt ja, das unser Hirn irgendwie schon zurecht kommt - die interessante Frage ist da eher schon die nach dem "wie".

Ergo soll es bei/mit den versammelten Arbeiten darum gehen, ein Stückchen zurückzurudern und erst einmal die (theoretisch: esemplastische) Kapazität bzw. Arbeitsweise des Gehirns selbst zu untersuchen. Den DIY-Anteil der Wahrnehmung-als-Einbildung sozuagen. Was schwer nach Versuchsanordnungen klingt. Aber in diesem Fall eben doch solchen, die dezidiert mit künstlerischen Mitteln forschen...

Die nun alle aufzuzählen, wäre wohl nicht so fruchtbringend - die Liste der beteiligten KünstlerInnen steht im Netz, Aram Bartholl hat sogar den Raumplan für das .spa.* digitalisiert und bei art in berlin gibt es einen prima Videoclip mit einer Einführung in die Ausstellung durch den Kurator und kurzen Gesprächen mit einigen der Beteiligen.

Oder aber doch vielleicht eher so?

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Vor allem aber kann man sich die Ausstellung noch bis inklusive 28.02.10 selbst ansehen - und das sei hiermit wärmstens empfohlen.
*(Kein "Spa", sondern dasselbe Gebäude wie der ctm-Standort .hbc, aber der Eingang ist ums Eck in der Spandauer Strasse gelegen).

Im Log.Buch hätten wir dagegen idealer Weise gern ausgewählte Schauexperimente Arbeiten einzeln genauer angeschaut und vorgestellt. Mal seheh, ob das - weil dann natürlich gern auch mit Bild und das muss aus den üblichen Gründen eben angefragt werden - noch klappt...

esem-04n.gif

Ja, da muss es grinsen. Das Bild. Wie war das doch gleich mit dem esemplastischen Vermögen?

[PS zum Bildchen: Kam in den Sinn, als a) über das esemplastische Vermögen und b) über Alternativen zur Einholung von Abildungsgenehmigungen nachgerübelt wurde. Schöne Bilder einer der Ausstellung hats aber natürlich auch. Zum Beispiel bei Flickr.]

Von miss.gunst am 12.02.2010 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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