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22.05.11

Neue Masche(n)

mbnm-ksw.gifUnplugged, aber trotzdem gut vernetzt? Klar, das geht. Soziale Netzwerke beispielsweise gab es ja auch schon, bevor das so genannte "Social Web" ausgerufen wurde. Und eben: Nicht nur Weben, sondern auch Fäden aufnehmen, Vernüpfungen schaffen, sich mitunter auch mal verstricken - auch das geht bestens analog. Zur Zeit vielleicht sogar besser denn je.

Diese Beobachtung ist Ausgangspunkt einer Ausstellung, die aktuell im Zürcher Museum Bellerive zu sehen ist und programmatisch die "Neue(n) Maschen" fokussiert, die in diesem Zuge in Kunst und Design gesrickt und gehäkelt werden.

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Neue Maschen? Schaut man beim Rundgang durch die Räume genauer hin, zeigt sich schnell: Die auf diesem Feld Engagierten sind nicht erst seit gestern dabei. Wer beim Blick aufs frisch Gestrickte meint, es ginge hier nur eine aktuelle Modeerscheidung, ist insofern falsch gewickelt.

Neu ist vielmehr einerseits das allgemeine Interesse an Handarbeiten und an Handgearbeitetem, das nun sogar so manchen tiefen Graben zu überbrücken scheint, der andernorts schon länger nicht mehr klafft - dem zwischen so genannter freier und angewandter Kunst beispielsweise. Wobei mitunter allerdings auch wichtige Unterschiede verwischen können.

Indes geht es im Bellerive - wenngleich auch hier Kunst, Mode und Design zusammenkommen - eher darum, die neuen Perspektiven zu erschliessen, die an den Schnittstellen der Disziplinen entstanden sind. Dazu laden entlang eines langen Stranges, der sich durch die Ausstellung windet, ausgewählte Arbeiten ein, die von den Kuratorinnen unter verschiedenen Leitmotiven gruppiert worden sind: Hypermaking, Häusliche Vorfälle, (Un)Tragbar, Komplizenschaft, Handmade With Love, Flexible Strukturen, Erzählung und Erinnerung.

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Das wiederum sind alles sehr wohl vertraute Begriffe. Solche nämlich, die seit je - und vorzugsweise vorurteilsbeladen - mit Handarbeiten und Handgearbeitetem assoziiert werden: Überschüssige Produktionen (der ewig lange Schal, die hundertste Socke), Heimchens Heimarbeit (dito), selbstgestrickte Mode und "Mode" (dito, plus: der scheusslich-schöne Pulli, der obendrein kratzt), das verschworene Strickkränzchen (das aber eh nur tratscht?), die Liebesarbeit (s. die Socken und den Pulli, die dann zu Weihnacht verschenkt werden), das ewig gedehnte und dann doch mal überstrapazierte Gewebe (offenbar werden die verschenkten Socken und der scheussliche Pulli doch getragen) und dann die vielen Geschichten, die man von allen diesen Dingen erzählen kann?

Tja. So viel sei verraten: Die Räume des Museums sind zwar voll und vielleicht sogar, a propos Hypermaking, ein bisschen übervoll geworden bei all den Strängen, die hier zusammen kommen. Aber: Obgleich das Thema so gut vertraut scheint und die Arbeiten einen weit längeren Zeitraum überspannen als nur das letzte Jahrzehnt, in diesem Sinne also nicht unbedingt frisch gestrickt, gehäkelt oder gestickt worden sind, ist doch eine frische Perspektive und ein neuer Blick auf die Maschen gelungen.

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Was wir uns an dieser Stelle indessen sparen: Lange Listen mit vielen Namen. Da gucken wir lieber noch mal im einen oder anderen Fall genauer hin. Kurzum: Fortsetzung des langen Fädchens folgt...

[Bildchen: Wie, erst von Überfülle drinnen schreiben und dann nur das Haus von aussen? Nunja, wie das so ist heutzutage - viele schöne Bilder fürs private Poesiealbum gemacht, aber publizieren kann mans eben meistens leider nicht so einfach... Indes lugt unten schon eine der erfreulichen Ausnahmen von dieser Regel ins Bild, die dann im nächsten Eintrag ganz nach vorn rücken wird. Wir winken herzlich: Corinna, Suse und ud Marlen von frfr international!]

Von miss.gunst am 22.05.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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