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05.08.11

Orakeln in Zürich (Bennett)

jbntoz-ksw.gifSpät, aber dennoch: Bevor das Orakel wieder verstummt, wäre - soweit noch nicht geschehen - Gelegenheit, sich eine gemessene Portion geheimnisvolles Gemurmel abzuholen.

Zu diesem Behufe muss bzw. kann man sich (bereits seit dem 24.05. und eben nun noch bis zum 24.08.11) auf den Zürcher Turbinenplatz begeben und eine der aus schweren, dunklen Bohlen gezimmerten Holzbänke aufsuchen, die dort aufgestellt sind. Hinsetzen. Lauschen.

Mit ein bisschen Glück vernimmt man dann besagtes Orakel.
Das dafür auch unge- bzw. unbefragt seine Prophezeihungen in den Raum schickt, denn es handelt sich - den zeitgenössischen Optionen adäquat - um eine Orakel-Automate, die aufs erratische Orakeln programmiert ist und dementsprechend die Umwelt nach dem Zufallsprinzip ihrer Entäusserungen teilhaftig werden lässt.

Heisst natürlich auch, dass man - die Inbetriebnahme der Automate vorausgesetzt - in jedem Fall mit Orakelsprüchen bedacht wird, ob man will oder nicht.
Was wiederum, abhängig von der prinzipieller Orakelgläubigkeit der derart bemurmelten Anwesenden, fatale Folgen zeitigen könnte.
Man kennt das ja von Delphi etc. bzw. aus der Überlieferung: "Wenn Du den Fluss überquerst, wird ein grosses Reich ... usw. usf." (vom schnöden Schicksal des Herrn Ödipus wollen wir gar nicht erst anfangen).

Womit wir nun Gelegenheit hätten, ebenso prinzipiell über Wohl und Wehe von Kunstprojekten im öffentlichen Raum nachzudenken, die für PassantInnen ja stets zu im weitesten Sinne schicksalhafte Begegnungen führen können.
Denn um ein ebensolches handelt es sich hier, das Orakel ist nämlich Teil der diesjährigen Gastraum-Projekte der Stadt Zürich.

Vor allem aber handelt es sich um eine Arbeit von Justin Bennett - einem Künstler, der uns schon mal 2005 mit seiner Noise Map in Den Haag in den Radar geraten ist.

jbntoz-g.gif

Zwischendurch und danach aber, nebenbei bemerkt, auch noch eine ganze Reihe anderer interessanter Projekte realisiert hat (ja genau, das ist eine Empfehlung, sich die Heimseiten des Künstlers insgesamt einmal näher anzuschauen).

Das Orakel wiederum gab es schon einmal in einer früheren Fassung 2007 in Luxemburg zu vernehmen; zu diesem Oracle gibt es auf den Heimseiten des Künstlers neben den Basisinfos zum Konzept übrigens auch ein Video.

Nun hat es mit Unterstützung der Galerie Barbara Seiler, die Bennett in Zürich vertritt und wo vergangenes Jahr um diese Zeit auch eine spannende Einzelausstellung zu sehen war, also eine temporäre Bleibe auf dem Turbinenplatz gefunden.

Wer die vielleicht nicht unbedingt schicksalsschwangeren, aber eben doch hinreichend rätselhaften Botschaften des Orakels vernehmen will, hat nun also noch ein paar Tage Gelegenheit. Hernach werden wir wieder mit Börsennachrichten und Wettervorhersage vorlieb nehmen müssen...

[Bildchen: Wie so oft nur eine Ersatzimagination - aber je nun, das Orakel als solches ist ja eh nicht zu sehen, sondern nur zu hören. Fotos mindestens von den Bänken hat es indes aber bei stastka.ch]

Von miss.gunst am 05.08.2011 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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